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Natürliche Geburt oder Kaiserschnitt? Zur Bedeutung des Geburtsschmerzes

Seminararbeit 2013 9 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geburtsschmerz versus schmerzfreie Geburt

3. Die Bedeutung des Geburtsschmerzes für Mutter und Kind

4. Resümee

5. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Egal wie eine Frau die Geburt ihres Kindes erlebt, sie ist ein einschneidendes Erlebnis für alle Beteiligten. Schon während der Schwangerschaft müssen viele Entscheidungen getroffen werden, wie zum Beispiel wo und mit wem die Geburt stattfinden soll. Hierfür gibt es Be- ratungsstellen, allen voran die Gynäkologie. Die Aufgabe des/der GynäkologIn liegt neben der regelmäßigen medizinischen Kontrolluntersuchungen vor allem darin, über mögliche Gefahren während der Schwangerschaft aufzuklären und medizinische Hilfsmittel bzw. medizinische Methoden anzubieten, um Risiken für Mutter und Kind zu minimieren. Möchte die Frau nähere Informationen zum Ablauf einer Geburt erhalten, kann sie auch ein Zentrum für Schwangerschaftsberatung aufsuchen. In Wien ist das Hebammenzentrum hierfür u.a. eine geeignete Anlaufstelle. (vgl. URL 1)

Ein Thema, an dem keine schwangere Frau vorbeikommt, ist die Auseinandersetzung mit der Angst vor der Geburt, insbesondere der Angst vor den Geburtsschmerzen. In der Gynäkologie werden einige Hilfsmittel dagegen angeboten, wie zum Beispiel eine PDA (Epidural- oder Peridualanästhesie), Beruhigungs- und Betäubungsmittel sowie Inhalationsnarkosen (Lach- gas). (vgl. Schmid 2005: 33-39) Darüber hinaus kommt es aus diesem Grund in Österreich vermehrt zur Wunsch-Sectio (Wunsch-Kaiserschnitt). Die aktuellen Zahlen über die Kaiser- schnittrate belaufen sich in Österreich bei durchschnittlich 31,5 %, in manchen Kliniken sogar bei 50 %. (vgl. URL 2) Hebammen dürfen bei einer Hausgeburt keine medikamentöse Schmerzbehandlung anwenden. Sie haben aber Kenntnisse über physiologische Methoden der Schmerzlinderung, wie zum Beispiel Massagen und Berührung, die Audioanalgesie (intensive Stimulation des Gehörs) und der Akupunktur. (vgl. Schmid 2005: 40-68)

In der vorliegenden Arbeit werde ich Methoden der Schmerzlinderung erörtern sowie der Funktion und der Bedeutung des Geburtsschmerzes auf den Grund gehen. Aus diesen Überlegungen heraus entstand folgende Fragestellung:

Welche Bedeutung hat der Geburtsschmerz für die werdende Mutter und das neugeborene Kind?

2. Geburtsschmerz versus schmerzfreie Geburt

Grundsätzlich wird zwischen zwei wesentlichen Gebärmethoden unterschieden. Zum einen „das Gebären“ oder „die natürliche Geburt“, die auch als eine selbstbestimmte Geburt verstanden werden kann. Schiefenhövel definiert dies so:

„ (...) Natürliche “ , d.h. von externen Einwirkungen, insbesondere pharmakologischer und chirurgischer Art freibleibende Geburtsverläufe (...) “ . (Schiefenhövel 1983: 242)

Selbstbestimmt deshalb, da die gebärende Frau die körperlichen Funktionen der Geburt durch äußere Einwirkungen nicht stilllegen lässt und sie so durch ihre dadurch mögliche Körperwahrnehmung die Kontrolle über den Ablauf der Geburt ihres Kindes bei sich behält.

Dem gegenüber steht „das Entbinden“, oder auch durch äußere Einwirkungen „geleitete Ge- burt“. Wie schon durch Schiefenhövel definiert, handelt es sich hierbei um einen durch ex- terne Einwirkungen manipulierten Geburtsverlauf. Diese externen Einwirkungen können Eingriffe sein, die ein Überleben von Mutter und Kind sichern sollen, wie zum Beispiel eine Notsectio, auch „absolute Sectioindikation“ genannt. In etwa 10 % aller Kaiserschnitte in Österreich handelt es sich um so einen Notfall, wie zum Beispiel beim Auftreten folgender Pathologien: Querlage, absoluter Schädel-Becken Missverhältnis, Uterrusruptur, Placenta praevia, vorzeitige Plazentalösung, fetaler Azidose, Eklampsie, HELLP-Syndrom, Amnioninfektionssyndrom und der Nabelschnurvorfall. In diesem Fall ist eine absolute Sectioindikation unumgänglich und lebensrettend. (vgl. Theierling 2005: 26) Eine „relative Sectioindikation“ wird dann durchgeführt, wenn ein geburtshilfliches Risikos für Mutter und Kind besteht. Dies kann wegen u.a. eines pathologisch erscheinenden Cardio- Tokogramms (CTG) oder wegen Erschöpfungszuständen der Mutter passieren oder aber, wenn die Länge der Geburt die gängige Durchschnittsdauer überschreitet. Hierzu ist erwähnenswert, dass die übliche Durchschnittsdauer einer Geburt in den vergangenen 100 Jahren um etwa elf bis zwölf Stunden gekürzt wurde, obwohl sich weder physiologisch noch anatomisch etwas an den Geburtsvorgängen verändert hat. Bei etwa 10 % aller Kaiserschnitte handelt es sich um eine relative Sectioindikation. (vgl. Theierling 2005: 27)

In allen übrigen Fällen wird eine Wunschsectio, eine sogenannte „weiche Sectio“, durch- geführt. Die Gründe für einen Wunschkaiserschnitt sind meist psychologischer Natur (Angst vor der Geburt) und liegen keiner medizinischen Indikationsstellung zugrunde. (vgl. Theier- ling 2005: 28) Die Epidural- oder Peridualanästhesie (PDA) ist die am häufigsten verwendete medikamentöse Methode, um Schmerzen zu lindern. In höherer Dosierung wird sie als Nar- kose bei Kaiserschnitten verwendet, in niederer Dosierung zwecks Schmerzbekämpfung bei der vaginalen Geburt. Die PDA wird auch „Kreuzstich“ genannt, da das Medikament (z.B. Ropivacain und Sufentanil) in den Periduralraum in der Höhe des 3. und 4. Lendenwirbel gespritzt wird. (vgl. Schmid 2005: 33)

Solange eine schwangere Frau bei der Geburt keine medizinische Notwendigkeit für eine Sectio hat, hat sie vor oder während der Geburt die Wahlmöglichkeit zwischen einer schmerz- freien oder einer natürlichen Geburt. Bei einer Hausgeburt mit Hebamme (ca. 1-2 % in Öster- reich) (vgl. URL 3) ist der Einsatz von externen pharmakologischen oder chirurgischen Eingriffen nicht möglich. In einer Klinik kann beides in Notfällen oder auf Wunsch eingesetzt werden. Betrachten wir die Zahlen der jährlich durchgeführten Kaiserschnitte in Österreich, geht der Trend in Richtung schmerzfreie Geburt. (vgl. URL 2) An diesem Punkt möchte ich erwähnen, dass der postoperative Schmerz in etwa sechs bis acht Wochen anhält. (vgl. Schmid 2005: 96)

3. Die Bedeutung des Geburtsschmerzes für Mutter und Kind

In den 1968er Jahren gab es eine Diskussion darüber, ob der Geburtsschmerz als natürlich oder krankhaft anzusehen ist:

„ (...) Chertok und Langen (1968) haben z.B. behauptet, dass das Empfinden von Schmerz während der Geburt ein Ausdruck neurotischer Störungen und Einbildungen der Frauen sei. Sie haben deshalb empfohlen, dass sich etwa 80 % der Frauen vor der Geburt in Psycho therapie begeben sollten. „ (Schmid 2005: 9)

Schmerzfreie Spontangeburten gibt es bei 7-14 % der Frauen in westlichen Ländern. Die Gründe für das Gebären ohne Schmerzempfinden wurden noch nicht ausreichend untersucht.

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Details

Seiten
9
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656758303
ISBN (Buch)
9783656758310
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v281313
Institution / Hochschule
Universität Wien
Note
2
Schlagworte
natürliche geburt kaiserschnitt bedeutung geburtsschmerzes

Autor

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