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Sterbebegleitung bei Kindern - Kinderhospize in Deutschland

Seminararbeit 2000 21 Seiten

Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hospiz – eine Begriffsklärung

3 Geschichte der Hospizbewegung
3.1 Hospize in den letzten 2000 Jahren
3.2 St.Christopher

4 Grundgedanken und Leitbilder der Hospizbewegung
4.1 Sterben heute - ein Tabuthema der Gesellschaft
4.2 Die vier Dimensionen des Leben
4.3 Der Tod als natürlicher Bestandteil im Leben
4.4 Die Grundelemente eines Hospizprogramms
4.5 Aufnahmekriterien in ein Hospiz
4.6 Organisationsformen des Hospizes

5 Kinderhospize
5.1 Geschichte und Entstehung der Kinderhospize
5.2.1 Kinderhospiz Balthasar - das erste Deutsche Kinderhospiz
5.2.2 Die Gäste

6 Schlusswort

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die folgende Ausarbeitung des Referates „Sterbebegleitung bei Kindern – Kinderhospize in Deutschland“ hat das Ziel, die Idee der Hospizbewegung im Allgemeinen und die Bedeutung der Hospize für Kinder im Besonderen darzustellen.

In Deutschland sterben täglich Kinder an Krankheiten, durch Unfälle oder aufgrund einer bestehenden Behinderung. Viele Eltern sind mit der Aufgabe, ihre Kinder zu Hause in ihren letzten Tagen oder Wochen zu begleiten, überfordert. Sie stehen oftmals alleine da und erhalten keine adäquate Hilfe von aussen. Oft bleibt daher die letzte Möglichkeit, die Kinder in der Obhut eines Krankenhauses sterben zu lassen. Wie jedoch viele Erwachsene so möchten auch die meisten Kinder in der ihnen vertrauten Umgebung ihre letzte Lebenszeit verbringen. Um ihnen dies ermöglichen zu können, ist es unabdingbar, dass sich die Hospizbewegung vermehrt auch dieser Gruppe zuwendet. Denn gerade hier bestehen noch viele gesellschaftliche Tabugrenzen, die es zu überwinden gilt. In unserer Arbeit möchten wir einen groben Einblick liefern, wie dies geschehen kann.

Wir werden hierzu zunächst einmal klären, was der Begriff „Hospiz“ beinhaltet, wie er sich im Laufe der Geschichte entwickelt hat und welches die grundlegenden Gedanken der Bewegung sind. Danach folgt als konkretes Beispiel für ein Kinderhospiz, die Vorstellung des Hospizes „Haus Balthasar“ in Olpe. Neben der Beschreibung der Einrichtung werden wir auch eine Familie vorstellen, die häufiger Gast in diesem Haus ist.

2 Hospiz – eine Begriffsklärung

Ursprünglich stammt das Wort Hospiz vom lateinischen hospitium ab, was etwa so viel bedeutet, wie Gastfreundschaft; gastliche Aufnahme, Bewirtung; gastliches Haus, Herberge, Quartier (vgl. Taschenwörterbuch, 1992, S. 252). Häufig bezeichnete man hiermit ein „bei einem Kloster befindliches Haus, in dem bes. Pilger übernachten können“ (Duden, 1983). Dieser ursprüngliche Sinn des Begriffes hat sich mit der Zeit gewandelt. Heute, wo es nicht mehr so viele Klöster gibt, versteht man unter einem Hospiz vornehmlich „ein im christl. Geist geleitetes Gasthaus“ (Bertelsmann Universal Lexikon, 1991, S. 378).

Das Verständnis, welches die Hospizbewegung von diesem Begriff hat, wird hier nicht konkret deutlich. Zwar verstehen sie ihre Häuser durchaus als Gasthäuser, aber die Besonderheit ihrer Gäste ist in den oben angeführten Begriffsbildungen nicht zu erkennen. Betrachtet man dagegen die englischsprachige Literatur, so wird einem sehr schnell bewusst, dass hier die Grundidee der Hospizbewegung bereits tiefer in der Gesellschaft verwurzelt ist, als dies in Deutschland der Fall ist. So ist zum Beispiel im Oxford Advanced Learner`s Dictionary die erste Erläuterung des Begriffes folgende: „hospice [...] 1 (a) hospital for dying people“ (OALD, 1993, S. 602). Hier wird also das Grundanliegen der Hospizbewegung deutlich. Und dies ist auch die Begrifflichkeit, mit der wir im weiteren Verlauf arbeiten werden.

Unter Hospiz versteht man in diesem Zusammenhang eine Aufenthaltsmöglichkeit für sterbende Menschen, die hier im Sinne des frühmittelalterlichen Hospitalitätsgedanken, „Schutz, Erfrischung, Fürsorge und Beistand“ (Stoddard, 1987, S. 15) erhalten sollen. Man möchte ihnen die Möglichkeit bieten, die letzten Tage des Lebens wirklich leben zu können.

Worauf sich dieses Gedankengut und die Bewegung begründen, wird im folgenden Kapitel anhand der geschichtlichen Entwicklung erläutert.

3 Geschichte der Hospizbewegung

Die Entwicklung der Hospizbewegung wurde im Laufe der Jahrhunderte stark durch das gesellschaftliche Ansehen von Leben und Tod geprägt. Sie erlebte aufgrund des sich ständig ändernden Weltbildes der Kulturen ein ewiges auf und ab. Doch durchgängig ist zu erkennen, dass in den Hospizen das „Leben als Reise, als kurzzeitiger Aufenthalt in der Fremde, als Pilgerfahrt betrachtet wurde, in Richtung auf einen ersehnten Zustand der Ruhe und Glückseligkeit“ (Stoddard, 1987, S. 17). Es gab also immer Menschen, die diesen Gedanken verinnerlichten und ihn auch unter widrigen Umständen durchzusetzen versuchten. Wer diese Menschen waren und wie sie ihre Ideen verwirklichten, werden wir in den folgenden Kapiteln vorstellen.

3.1 Hospize in den letzten 2000 Jahren

Im nun folgenden Kapitel werden wir die Entwicklungsgeschichte der Hospizbewegung in der Zeit vom 4.Jahrhundert bis heute vorstellen. Die geschichtlichen Hintergrunddaten sind alle entnommen aus (1) dtv-Atlas zur Weltgeschichte, Band 1, München 1992; (2) bsv Geschichte, Band 3N, München 1988; (3) bsv Geschichte, Band 4N, München, 1991.

Eines der ersten erwähnten Hospize entstand im 4.Jahrhundert in Rom. Eine wohlhabende Bürgerin, Fabiola, die sich trotz der „Verfolgung aller Christen durch Kaiser Julian“ (Stoddard, 1987, S. 24) zum Christentum bekannte, bot in ihrem Haus Pilgern eine Unterkunft. Sie verpflegte sie und kümmerte sich um sie, wenn sie erkrankt waren. Die unheilbar Kranken umsorgte sie liebevoll, bis sie starben.

Diese frühe Zeit des Christentums sollte nach und nach die Wende zu einer humanistisch eingestellten Gesellschaft mit sich bringen. Es sollte der zivilisierten westlichen Welt in Zukunft nicht mehr ohne weiteres gelingen, über die Wünsche und Bedürfnisse ihrer „hilflosen und leidenden Mitmenschen“ (Stoddard, 1987, S. 24) hinwegzusehen. Das aufkommende Christentum brachte einen Wendepunkt der moralischen Ansichten mit sich, der unter anderem zu einem Aufschwung der Hospizbewegung führte.

Ihren Höhepunkt fand die Bewegung zur Zeit der Kreuzzüge. In der christlichen Kirche formierten sich zunehmend Ritterorden, die es zur Aufgabe hatten, zunächst Dienst an der Waffe zu leisten, aber auch Bedrängte zu schützen. Letztere Aufgabe führte dazu, dass vermehrt Hospize gegründet wurden. So beispielsweise durch die Ritter des weissen Kreuzes oder den Benediktinerorden. Aus einer Bruderschaft des Jerusalemer Spitals ging 1113 der Johanniterorden hervor, der dann 1291 auf Zypern und 1309 auf Rhodos zwei bedeutende Hospize gründete.

Nach dieser Blütezeit der humanistischen Bewegung getragen durch das Christentum kam es zu Beginn des 16.Jahrhunderts zu einem zunehmenden Verfall der Kirche. In England wurden zunehmend Klöster enteignet und geschlossen. Der Ort des Sterbens war zu dieser Zeit für viele mittellose Menschen die Strasse. An ein würdiges Lebensende war gerade in den grossen Städten wie beispielsweise London nicht zu denken. So forderten die Londoner Bürger 1583 in einer Bittschrift an König Heinrich VIII.: ein Haus „...Zum Dienst und Wohle für die armen, kranken, blinden, greisen und schwachen Menschen...auf daß sie untergebracht, umsorgt und gestärkt werden mögen... (Stoddard, 1987, S. 11). Doch dieser Wunsch sollte noch lange unerfüllt bleiben.

Im 17./18.Jahhundert wurde das Menschenbild in England weitestgehend durch die zunehmende Industrialisierung geprägt. Der Mensch hatte zu funktionieren, seine Zweck zu erfüllen. Die Aufgabe der Krankenhäuser bestand demnach darin, ihre Patienten zu reparieren, „oder bestimmte Gruppen, wie Irre und ansteckend Kranke, die später vielleicht wieder nützlich sein könnten, separat einzusperren: Krankenhäuser als Abstellgleis für die überflüssigen Teile der Gesellschaft“ (Stoddard, 1987, S. 50). Der Gedanke der Humanität hatte vollständig an Gewicht verloren.

Auch in der Mitte des 18.Jahrhunderts, zur Zeit der Aufklärung lag die Aufgabe der Hospitäler weit ab von diesem Gedanken. In den besseren Krankenhäusern Londons wurden ca. 11000 Patienten ausgewählt, um für Lehre und Forschung zu dienen. Die Kranken und Behinderten als Objekte der Wissenschaft.

Einen erneuten Aufschwung erlebt die Bewegung dann im 20.Jahrhundert. In England werden nach und nach mehrere Hospize gegründet. Darunter auch das bedeutende St.Christopher`s Hospice in London. Es gilt noch heute als führend auf dem Gebiet der Sterbebegleitung und wurde 1967 durch Cicely Saunders gegründet. Saunders arbeitete kurz nach dem zweiten Weltkrieg in einem Londoner Hospital, wo sie David Tasma kennenlernte. Er war polnischer Jude, hatte den Holocaust des Warschauer Ghettos knapp überlebt und lag auf ihrer Station unheilbar an Krebs erkrankt. Mit ihm teilte Saunders ihre Träume, Menschen einen besseren Ort des Sterbens zu ermöglichen, als die oftmals überfüllten Krankenhäuser. Als Tasma stirbt, hinterlässt er ihr sein gesamtes bescheidenes Vermögen, von 500 Pfund, mit der Bitte ein Fenster in ihrem Haus sein zu dürfen. Etwa zwanzig Jahre später gründet die nun ausgebildete Ärztin und Sozialarbeiterin ihr Hospiz. (vgl. Student, 1989, S. 19)

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Details

Seiten
21
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638116985
ISBN (Buch)
9783640954711
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v2817
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Institut für Pädagogik
Schlagworte
Sterbebegleitung Kinder Hospiz

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Titel: Sterbebegleitung bei Kindern - Kinderhospize in Deutschland