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Das topologische Modell in der Linguistik

Probleme mit der Besetzung der linken Satzklammer und der Besetzungsabfolge im Mittelfeld

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 13 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das topologische Modell und seine grundlegenden Regeln

3. Die linke Satzklammer und ihre Besetzung

4. Das Mittelfeld
4.1 Problematik der Besetzungsabfolge
4.2 Bestimmungsfaktoren der Abfolge
4.2.1 Subjekt vor Objekt
4.2.2 Die Thema-Rhema-Bedingung
4.2.3 Pronomen vor Nicht-Pronomen
4.2.4 Definitheitsbedingung
4.2.5 Belebt vor unbelebt

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die deutsche Sprache zeigt im Vergleich zu vielen anderen Sprachen eine relativ freie Wortstellung. Um diese angemessen zu beschreiben, hat sich das topologische Modell als äußerst hilfreich erwiesen, das auf Drach (1937) zurückgeht (Musan 2009:10). Durch dieses Modell lässt sich der deutsche Satz in das Vorfeld, das Mittelfeld und das Nachfeld strukturieren, wobei das Mittelfeld durch die linke und die rechte Satzklammer umschlossen wird. Diesen Bezeichnungen liegt die Annahme zugrunde, dass Sätze aus mehreren aufeinander folgenden Bereichen bestehen, die mit einzelnen Wörtern oder Wortfolgen besetzt sind. Diese werden jedoch nicht wahllos miteinander kombiniert, sondern nach bestimmten Regeln in einer linearen Abfolge strukturiert (Meibauer et al . 2007: 121).

Für die Besetzung der linken Satzklammer herrschen in der Literatur jedoch unterschiedliche Ansichten hinsichtlich der Position von Relativ- und Interrogativpronomen. Die ältere Auffassung, wie in Meibauer et al. (2007) vertreten, geht davon aus, dass sie, wie Subjunktionen, in der linken Satzklammer stehen, während die neuere Auffassung, wie in Wöllstein-Leisten et al. (1997) und Duden (2006) vertreten, sie aus bestimmten Gründen ins Vorfeld setzt. Ein weiterer Problembereich stellt die Besetzung des Mittelfeldes dar, in dem theoretisch unendlich viele Konstituenten auftreten können (Dürscheid 2007:101). Insbesondere stellt sich hier die Frage welche Faktoren die Abfolge der Konstituenten im Mittelfeld beeinflussen und welche Konsequenzen sich daraus für die Besetzung des Mittelfeldes ergeben.

Ziel der Hausarbeit ist es in einem ersten Schritt zu zeigen, wie die Strukturierung eines Satzes in Vorfeld, Mittelfeld und Nachfeld dazu führt, dass sich bestimmte Positionen für die Satzglieder ergeben und welche Regularitäten in V1-, V2- und VL-Sätzen dies bewirken. Im zweiten Schritt werden dann die Problematiken der linken Satzklammer und des Mittelfeldes im Fokus stehen. Bevor jedoch das Augenmerk auf diese beiden Bereiche des Modells gerichtet wird, wird zunächst das topologische Modell mit seinen grundlegenden Regularitäten in Kapitel 2 vorgestellt. Daraufhin wird die linke Satzklammer in Kapitel 3 genauer betrachtet und die für ihre Besetzung unterschiedlichen Ansichten aufgezeigt. Das Mittelfeld steht im Fokus von Kapitel 4. Da hier unendlich viele Konstituenten auftreten können, wird anhand verschiedener Grammatiken untersucht, welche Bestimmungsfaktoren die Abfolge der Satzglieder im Mittelfeld festlegen und welche Konsequenzen sich daraus ergeben. Abschließend werden in Kapitel 5 die gewonnenen Erkenntnisse kurz zusammengefasst.

2. Das topologische Modell und seine grundlegenden Regeln

„Die Topologie, die Lehre der linearen Struktur deutscher Sätze hat eine lange Tradition. Die entscheidende Einsicht, ist die Erkenntnis, dass man sich, will man die Syntax verstehen, an der Stellung der finiten und infiniten Verben orientieren sollte (Pafel 2011:52).“

Im Deutschen werden Sätze formal nach der Position des finiten Verbs1 klassifiziert, welches an erster, zweiter oder letzter Stelle auftreten kann (Meibauer et al. 2007:121). Daher können Satztypen nach Eisenberg (2006: 394) im Deutschen wie folgt charakterisiert werden:

- Verberstsatz oder Stirnsatz (V1-Sätze): z.B. Holt Paul Milch?
- Verbzweitsatz oder Kernsatz (V2-Sätze): z.B. Paul holt Milch.
- Verbletztsatz oder Spannsatz (VL-Sätze): z.B. (Keiner weiß), ob Paul Milch holt.

Sowohl im V1 als auch im V2 Satz, steht das finite Verb in der linken Klammer und der restliche Verbalkomplex in der rechten Klammer. Im Unterschied zum V1 Satz tritt jedoch im V2 Satz eine Konstituente vor das finite Verb, die dann im sogenannten Vorfeld steht. Pittner und Berman (2010:80) leiten für die jeweiligen Satztypen folgende Regeln ab:

V2-Sätze:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

V1-Sätze:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Mittelfeld können beliebig viele Konstituenten auftreten, während im Nachfeld maximal zwei Konstituenten auftreten, wobei es sich dabei meist um Nebensätze handelt. Interessanterweise können vor dem Vorfeld weitere Elemente auftreten. Dazu gehören vor allem koordinierende (Beispiel 1 a und b) und parordinierende (Beispiel 1c) Konjunktionen, die keine Vorfeld Besetzungen darstellen, sondern das klassische Modell erweitern (Wöllstein-Leisten et al. 1997:56):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darüberhinaus kann es zu einem weiteren Feld kommen: das Vor-Vorfeld, bzw. die sogenannte Linksversetzung (LV). Diese Konstituente muss jedoch nach Wöllstein-Leisten et al. (1997) durch ein mit ihm im Numerus, Genus und Kasus identisches Demonstrativpronomen wieder aufgenommen werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Als dritter möglicher Satztypus ist zuletzt der Verbletztsatz aufzuführen. Hierbei wird der Verbalkomplex nicht auseinander gerissen, sondern bündelt sich in der rechten Klammer. Der VL-Satz wird durch eine subordinierende Konjunktion eingeleitet und unterliegt ebenfalls Regeln (Pittner/Berman 2010:80):

VL-Sätze:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Weiterhin fügen Meibauer et al. (2007) hinzu, dass auch Relativpronomen und w-Ausdrücke in der linken Klammer stehen können:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Finite Verbformen = veränderliche Verbformen, die nach Person, Numerus, Tempus (Präsens, Präteritum) und Modus (Indikativ, Konjunktiv) konjugiert werden. Infinite Verbformen = unflektierte Verbformen, die im Infinitiv, Partizip I oder Partizip II stehen (Homberger 2001:24).

Details

Seiten
13
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656763611
ISBN (Buch)
9783656763628
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v281724
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Deutsches Institut
Note
1,7
Schlagworte
Linguistik Syntax Topologisches Modell

Autor

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Titel: Das topologische Modell in der Linguistik