Lade Inhalt...

Das Seeräuber-Kommando des Pompeius und seine Rückwirkung auf die Verfassung der Römischen Republik

Essay 2009 9 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Altertum

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zustandekommen und Inhalt des Seeräuberkommandos

3. Charakterisierung des Seeräuber-Kommandos und Bewertung seiner Rückwirkungen auf die res publica

4. Literaturverzeichnis

5. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Der Feldherr Pompeius wird in den antiken Quellen häufig als ehrgeizig beschrieben, aber auch als jemand, der nicht immer offen aussprach, was er dachte.[1] Dieser Ehrgeiz und sein strategisches Talent hatten ihm bereits außerordentliche imperia, Befehlsgewalten über ein Heer, zwei Triumphe und das höchste Staatsamt des Konsuls beschert, obwohl er weder das der Verfassung nach notwendige Alter erreicht noch den cursus honorum, die Abfolge der politischen Ämter in einer politischen Laufbahn, vorschriftsgemäß eingehalten hatte. Als ihm dann im Jahre 67[2] das imperium gegen die Seeräuber im Mittelmeer übertragen wurde, zierte er sich scheinheilig vor der Übernahme. Für ihn war das Kommando gewiss eine weitere Genugtuung. Für die Römische Republik aber und ihre seit Jahrhunderten gewachsene und von Sulla kürzlich reformierte Verfassung stellte dieses Kommando eine harte Belastungsprobe, wenn nicht sogar eine Gefahr dar. Ziel dieses Aufsatzes ist es, den Charakter dieser politischen Maßnahme und seiner Rückwirkung auf die res publica zu bewerten. Dazu sollen in einem ersten Schritt das Zustandekommen und der Inhalt dieses imperiums gegen die Seeräuber erläutert werden.

Die historische Forschung hat sich dieser Problematik bereits in umfangreichem Rahmen angenommen. Die historischen Darstellungen sind einander sehr ähnlich, wobei besonders Matthias Gelzers Werke „Pompeius“ und „Das erste Konsulat des Pompeius und die Übertragung der großen Imperien“ hervorzuheben sind, die sich durch die Heranziehung einer großen Anzahl an Quellen empfehlen. Die einschlägigen Kapitel im Werk des englischen Historikers Peter Greenhalgh „Pompey. The Roman Alexander“ skizzieren das Zustandekommen und den Ablauf des Kommandos ebenfalls sehr anschaulich und zitieren darüber hinaus Reden aus der Abstimmung über das Gesetz zur Erteilung des Kommandos von Pompeius selbst, einem Freund sowie einem Gegner des Vorhabens. Einen guten Gesamtüberblick über das Phänomen der Piraterie im Zusammenhang mit dem Aufstieg Roms zur Weltmacht gibt der in der Zeitschrift Klio erschienene Aufsatz „Zwischen Kooperation und Konfrontation. Die römische Weltreichsbildung und die Piraterie“ von Raimund Schulz. Die Quellenlage zu dem Thema ist sehr gut. Neben weiteren antiken Autoren (u.a. Cicero: De imperio Gn. Pompeio und Appian: Mithridata) berichten Plutarch und Cassius Dio über das Zustandekommen, den Inhalt und den Verlauf des Seeräuberkommandos.

2. Zustandekommen und Inhalt des Seeräuberkommandos

Raimund Schulz bezeichnet die Piraterie der Antike als ein „Grundphänomen der Küstenkultur“.[3] Und auch der römische Historiker Cassius Dio schreibt, dass das Freibeuterwesen zu keiner Zeit unbekannt war und sich aufgrund des Freiraums, den es durch die ständige Involvierung der Mittelmeermächte in kriegerische Auseinandersetzungen erhielt, zu einer gewaltigen Größe entwickelte.[4] Das Piratenwesen, das sich ursprünglich in Kilikien entwickelte, sich schließlich jedoch über das gesamte Mittelmeer ausdehnte, wurde zu einer ernsten Gefahr für das Römische Reich: Römische Adelige und Politiker wurden entführt und nur gegen Lösegeld wieder frei gelassen, Küstenregionen wurden verwüstet, der Seehandel wurde durch Überfälle auf Handelsschiffe behindert und Rom sogar von seiner Getreidezufuhr abgeschnitten. Zur großen Schmach der Römer drangen die Piraten einmal sogar in den Hafen von Ostia, der zur Stadt Rom gehörte, ein.[5] Spätestens seitdem sich die Piraten mit den Feinden Roms – Sertorius, Spartacus, Mithridates – verbunden hatten, war ein Eingreifen notwendig geworden. Verschiedene imperatores, militärische Befehlshaber, wurden ausgesandt, um dem Piratenwesen ein Ende zu bereiten, darunter auch der Prätor M. Antonius, der im Jahre 74 ein ähnliches Kommando wie Pompeius vier Jahre später erhielt, jedoch ohne nachhaltigen Erfolg.[6]

Rom hatte es mit einem neuen Gegner zu tun, dessen Stärke und Organisation die herkömmlichen Mittel der aristokratischen Führungselite nicht mehr gewachsen war. Es bedurfte einer neuen, unbeschränkten Form der Herrschaft, um der Bedrohung der Piraterie in ihrer Ganzheit entschieden entgegentreten zu können. Aulus Gabinius, ein Volkstribun des Jahres 67 und Unterstützer des Pompeius, trat im Januar desselben Jahres mit einem Gesetzesantrag „über Einsetzung eines Feldherrn gegen die Seeräuber“ hervor, das dem Unwesen der Seeräuber ein Ende bereiten sollte.[7] Das Gesetz sah einen ehemaligen Konsul als Imperiumsträger vor, der für drei Jahre den Oberbefehl über das gesamte Mittelmeer sowie das Festland ca. 75 Kilometer landeinwärts besitzen sollte. Dem imperator wurden fünfzehn Legaten als Unterbefehlshaber sowie zwei Quästoren unterstellt. Ihm sollte die gesamte römische Flotte zur Verfügung gestellt werden, wobei er beliebig viele Soldaten anwerben konnte. An finanziellen Mitteln sollte es auch nicht mangeln: Steuer- und Zolleinnahmen sowie Kredite standen in unbegrenztem Maße zur Verfügung.[8] Eine bestimmte Person für dieses Amt nannte der Gesetzesantrag nicht, doch schien allen Anwesenden aufgrund der ungewöhnlichen Kompetenzen dieses imperiums klar gewesen zu sein, wen Gabinius für diese Aufgabe vorgesehen hatte: Pompeius.[9]

Beim Volk fand der Gesetzesvorschlag großen Anklang, schien er doch der Ernsthaftigkeit der Lage gerecht zu werden. Die Senatoren jedoch, mit Ausnahme des jungen Cäsar, stellten sich gegen den Antrag, der aufgrund seiner so ungenauen Bestimmung der Macht für sie „mehr Furcht als Neid“ erregen musste.[10] Es folgten tumultartige Zustände. Zuerst musste sich Gabinius vor der wütenden Menge der Senatoren retten, dann fiel die wütende Volksmenge über die Senatoren her. Der amtierende Konsul Gaius Piso wurde gefangen genommen und kam nur Dank des Einsatzes von Gabinius ungeschoren davon.[11] Am Tag der Abstimmung meldete sich als erster von drei Rednern Pompeius selbst zu Wort. In seiner Rede gab er sich von äußerster Bescheidenheit und stellte sich als den bemitleidenswerten und vom Dienst am Vaterland ausgelaugten Privatmann dar, der nichts nötiger habe als eine erholsame Zeit mit seiner Familie auf seinem Landgut. Er fühle sich durch das Angebot zwar geehrt, doch solle man das Kommando einem anderen übertragen.[12] Schon Cassius Dio entlarvte dieses Auftreten des Pompeius als Schauspielerei, die er darbot, um Missgunst von Neidern zu verhindern, die ihm entgegengebracht würde, wenn er das Amt von sich aus anstrebte und um des Ruhmes willen, der ihm zuteil würde, wenn ihm das Kommando sogar gegen seinen Willen zugeteilt würde.[13] Als nächster ergriff Gabinius das Wort und sprach sich für Pompeius als Imperiumsträger aus. Er wies auf dessen früheren Verdienste hin und forderte das Volk auf, ihn auch gegen seinen Willen zu wählen, da er sich als der Fähigste und Geeignetste bewiesen habe.[14] Bevor sich der erfahrene Politiker Catulus zu Wort meldete, wagte der vom Senat aufgerufene Volkstribun Lucius Trebellius einen Versuch, gegen den Gesetzesantrag zu reden, woraufhin Gabinius mit einem Antrag auf Absetzung des Volkstribuns reagierte. Als sich die Bewilligung dieses Antrages durch die Versammlung abzeichnete, verzichtete Trebellius auf seinen Widerstand.[15] Ein weiterer Volkstribun, Roscius, wurde während dem Versuch, seine Stimme zu erheben, vom Volk so laut niedergebrüllt, dass Cassius Dio und Plutarch zu Folge ein Rabe wie vom Schlag getroffen vom Himmel fiel. Catulus, angesehen wie er war, wurde vom Volk erhört, obwohl er sich gegen die Übergabe des Imperiums an einen einzelnen Mann aussprach. Er wies auf die Verfassungswirdrigkeit des Vorhabens hin und darauf, dass es in der Vergangenheit genug Fälle von mächtigen Männern gegeben habe, die aufgrund ihrer alleinigen Befehlsgewalt über ein Heer zu einer Gefahr für die Republik geworden waren. Catulus stellte den Versammelten schließlich die Frage, wozu jährlich Beamten gewählt würden, wenn man sie in den entscheidenden Momenten überginge. Schließlich argumentierte er, dass ein einzelner Mann den gewaltigen Anforderungen des Kampfes gegen die Piraten nicht gewachsen sei.[16]

[...]


[1] Vgl.: Cass. Dio, 36, 24, 5.

[2] Alle Jahreszahlen vor Christus.

[3] Raimund Schulz: Zwischen Kooperation und Konfrontation. Die römische Weltreichsbildung und die Piraterie. In: KLIO 82 (2) (2000), S. 426.

[4] Vgl.: Cass. Dio 36, 20, 1-2.

[5] Vgl.: Cass. Dio 36, 22, 1-36, 23, 1.

[6] Vgl.: Matthias Gelzer: Pompeius. Stuttgart ²1959, S. 65f.

[7] Gelzer: Pompeius, S. 67.

[8] Vgl.: Plut. Pomp. 25.

[9] Cass. Dio 36, 23, 5.

[10] Plut. Pomp. 25.

[11] Cass. Dio 36, 24, 2-3.

[12] Vgl.: Cass. Dio 36, 25, 1-36, 27, 1.

[13] Vgl.: Cass. Dio 36, 24, 5-6.

[14] Vgl.: Cass. Dio 36, 27.

[15] Vgl.: Cass. Dio 36, 30, 1-2.

[16] Vgl.: Cass. Dio 36, 31-34.

Details

Seiten
9
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656763031
ISBN (Buch)
9783656763048
Dateigröße
413 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v281777
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Historisches Institut, Abteilung Alte Geschichte
Note
1,3
Schlagworte
Pompeius Pompeius Magnus Rom Römisches Reich Altertum Antike Piraten Seeräuber Res publica Römische Republik imperium Piraterie Mittelmeer

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Das Seeräuber-Kommando des Pompeius und seine Rückwirkung auf die Verfassung der Römischen Republik