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Konsequenzen eines Präventions- versus Promotionsfokus

Bachelorarbeit 2014 63 Seiten

Psychologie - Persönlichkeitspsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

Abstract

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Hintergrund
2.1. Stand der Forschung
2.1.1. Begriffserklärungen
2.1.2. Erhebungsverfahren
2.1.3. Bisherige Befunde
2.2. Fragestellung
2.2.1. Kreativität
2.2.2. Arbeitskontext
2.2.3. Soziale Beziehungen

3. Methodisches Vorgehen
3.1. Literaturrecherche
3.2. Ein- und Ausschlusskriterien für die Verwendung von Studien
3.3. Einbezogene Quellen

4. Ergebnisse
4.1. Konsequenzen eines Präventions- versus Promotionsfokus im Hinblick auf Kreativität
4.1.1. Konsequenzen für den Kreativitätsprozess
4.1.2. Konsequenzen für Kreativität im Arbeitskontext
4.2. Konsequenzen eines Präventions- versus Promotionsfokus für das Arbeitsleben
4.2.1. Konsequenzen für die Arbeitsleistung
4.2.2. Konsequenzen für das Arbeitsverhalten und arbeitsbezogene Werte
4.3. Konsequenzen eines Präventions- versus Promotionsfokus im Hinblick auf soziale Beziehungen
4.3.1. Konsequenzen für das Konfliktverhalten
4.3.2. Konsequenzen für interpersonale Unterstützung
4.3.3. Konsequenzen für das Wohlbefinden in der Partnerschaft
4.3.4. Konsequenzen für die Versöhnungsbereitschaft

5. Diskussion
5.1. Zusammenfassung der Ergebnisse
5.2. Ausblick und Implikation für zukünftige Forschung
5.3. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

Zusammenfassung

Promotions- und Präventionsfokus, die beiden Komponenten der Theorie des regula­torischen Fokus (Higgins, 1997), haben großen Einfluss auf intrapersonale Prozesse wie Kognition, Motivation und Emotion (Higgins, 1997). Die jüngere Forschung beschäftigt sich darüber hinaus mit den Konsequenzen, die aus Promotions- und Präventionsfokus für interpersonale Bereiche wie den Arbeitskontext oder soziale Beziehungen, aber auch anerkannte Persönlichkeitskonstrukte wie Kreativität, ent­stehen. Ziel dieser Arbeit ist es, anhand von 27 Studien die Konsequenzen der regu­latorischen Ausrichtung in den drei genannten Bereichen darzulegen. Dabei zeigt sich, dass vor allem situative Faktoren die Auswirkung des jeweiligen Fokus beein­flussen, was teilweise zu widersprüchlichen Befunden führt und generalisierbare Aussagen nur schwer zulässt. Weitere Studien sollen sich daher vor allem mit Teil­gebieten der Konstrukte und Prozessschritten befassen, um die Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu gewährleisten.

Schlagwörter: Regulatorischer Fokus, Kreativität, Arbeitskontext, soziale Beziehun­gen

Abstract

Promotion and prevention focus, the two components of Higgins’ Regulatory Focus Theory (1997), have great impact on intrapersonal processes like cognition, motiva­tion, and emotion. Furthermore, the latest research concentrates on the consequences of promotion and prevention focus regarding interpersonal domains like work con­text or social relationships, but also acknowledged personality constructs like crea­tivity. The purpose of this thesis is to sum up the consequences of regulatory focus in the three domains mentioned above on the basis of 27 studies. It is shown in par­ticular that the consequences of both foci are influenced by situational factors. This leads partially to contradictory results and impedes general statements. Therefore, further studies should concentrate on subconstructs and individual process steps to ensure the comparability of the results.

Keywords: Regulatory Focus, creativity, work context, social relationships

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1. Ursachen und Auswirkungen von Promotion und Prävention (Holler, Fellner & Kirchler, 2005)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Zusammenfassung der Auswirkungen von Promotions- und Präventionsfokus aufVerarbeitungsstile, Präferenzen, Motivationsaspekte und affektives Erleben

Tabelle 2: Studien, die den aktuellen Forschungsstand zu den Schwerpunkten Kreativität, Arbeitskontext und soziale Beziehungen darlegen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Alle Menschen streben nach der Annäherung an Angenehmes und versuchen, Unangenehmes zu meiden. Diese Differenzierung, die als das hedonistische Prinzip (Freud, 1952) bekannt ist, hat in unterschiedlichsten Bereichen der Psychologie zur Entwicklung von Motivationstheorien beigetragen, wie beispielsweise in der Neuro­psychologie (Gray, 1982), der Konditionierung (Mowrer, I960; Thorndike, 1935), der Persönlichkeitspsychologie (Atkinson, 1964) und der Sozialpsychologie (Festin- ger, 1957; Heider, 1958). Die Liste ließe sich noch beliebig fortsetzen und zeigt da­mit, wie grundlegend und wichtig es ist, zu verstehen, was den Menschen antreibt.

Aufbauend auf dem hedonistischen Prinzip hat E. Tory Higgins (1987) zuerst seine Selbstdiskrepanztheorie entwickelt, deren Kernthema die Beseitigung der Dis­krepanz zwischen aktuellem Selbst und Ideal- bzw. Sollselbst ist, und zehn Jahre später darauf aufbauend die Theorie des Regulatorischen Fokus (RFT; 1997). Hier­mit erweitert Higgins die Betrachtungsweise des hedonistischen Prinzips, indem er das Augenmerk vor allem darauf richtet, (a) mit welcher Strategie Personen be­stimmte Ziele erreichen wollen und (b) wie der erreichte positive Endzustand reprä­sentiert ist.

Zahlreiche Studien haben bereits gezeigt, welchen Einfluss der regulatorische Fokus auf intrapersonelle Aspekte wie Motivation, Kognition oder Emotion hat. Einen Überblick hierzu bieten Werth und Förster (2007b), die zusammengefasst haben, wie sich die Ausprägung des regulatorischen Fokus auf das affektive Erle­ben, Präferenzen, Informationsverarbeitung und die Motivation auswirkt.

Die neuere Forschung zur RFT untersucht hingegen verstärkt die Auswirkung des regulatorischen Fokus mit Blick auf Berührungspunkte zu anderen Personen. Wie wirkt sich ein bestimmter Fokus auf das Konfliktverhalten und die Qualität der Partnerschaft aus? Welche Auswirkung hat eine bestimmte Ausrichtung des Fokus auf Führungsverhalten (für Führungskräfte sowie Angestellte)?

Ziel dieser Bachelorarbeit ist es, anhand ausgewählter Studien die Konsequen­zen der beiden regulatorischen Foki in den ausgewählten Themenbereichen Kreativi­tät, Arbeitskontext und soziale Beziehungen darzustellen. Hierfür werden zunächst zentrale Begriffe erklärt, entsprechende Verfahren zur Erfassung vorgestellt sowie die gesetzten Schwerpunkte dieser Arbeit erläutert. Eine umfassende Darstellung aller Forschungsbereiche ist aufgrund des Umfangs der vorhandenen Literatur nicht möglich. Nach einer Erklärung der Vorgehensweise bei der Suche entsprechender Literatur (Kapitel 3) werden die Ergebnisse der berücksichtigten Studien vorgestellt (Kapitel 4) und im Anschluss daran diskutiert (Kapitel 5). Im Rahmen der Diskussi­on werden darüber hinaus Kritikpunkte und offene Fragestellungen identifiziert, die für zukünftige Untersuchungen einen Anhaltspunkt bieten können.

2. Theoretischer Hintergrund

Zur Darstellung der theoretischen Hintergründe, auf denen die vorliegende Ar­beit basiert, werden im folgenden Kapitel zunächst die grundlegenden Theorien und zentrale Begriffe erläutert und die für die Messung des regulatorischen Fokus rele­vanten Erhebungsverfahren vorgestellt. Im Anschluss daran werden die Fragestel­lungen, die anhand der Recherche der aktuellen Forschungsliteratur untersucht wer­den sollen, kurz präsentiert und hierfür relevante Begriffe definiert.

2.1. Stand der Forschung

E. Tory Higgins (1997) kritisierte am hedonistischen Prinzip vor allem, dass es keine Aussagen darüber erlaubt, auf welchem Weg die jeweilige Person das von ihr gewählte Ziel erreichen möchte. Darüber hinaus wurde bisher nicht berücksichtigt, dass ein positives Endergebnis unterschiedlich repräsentiert sein: Ein positiver End­zustand kann über das Herbeiführen eines positiven Ereignisses ebenso erreicht werden wie über das erfolgreiche Abwenden eines negativen Ereignisses.

2.1.1. Begriffserklärungen

In seiner Theorie der Selbstdiskrepanz postuliert Higgins (1987) drei grundle­gende Versionen des Selbst: Das aktuelle Selbst (dieses entspricht dem Ist-Stand), das Idealselbst (ideal self; dieses verkörpert die Hoffnungen, Bestrebungen und Wünsche einer Person) und das Sollselbst (ought self; dieses repräsentiert die Pflich­ten und Verantwortlichkeiten, die erfüllt werden sollen). Die Theorie der Selbst­diskrepanz besagt, dass Personen sich danach unterscheiden, welches Selbst sie an­streben. So kann beispielsweise für Person A wichtiger sein, sich seinem Idealselbst durch die Verwirklichung von Wünschen und dem Erreichen von angestrebten Zie­len anzunähem, während es für Person В wichtiger ist, die Verpflichtungen zu erfül­len, die die Diskrepanz zwischen aktuellem und Sollselbst verringern. Ein Unter­schied zwischen aktuellem und Idealselbst ist dabei durch einen Mangel positiver Ereignisse sowie die Wahrnehmung depressionsähnlicher Emotionen (z. В. Trauer, Enttäuschung etc.) gekennzeichnet. Ein Unterschied zum Sollselbst hingegen zeich­net sich durch das Vorhandensein negativer Ereignisse und die Wahrnehmung beun­ruhigender Emotionen wie Angst oder ein Gefühl der Bedrohung aus.

Aufbauend auf dieser Unterscheidung entwickelte Higgins (1997) seine Theorie des Regulatorischen Fokus (Regulatory Focus Theory), in der er zwischen zwei mo­tivationalen Systemen unterscheidet: dem Promotionsfokus und dem Präventionsfo­kus. Die beiden Ausrichtungen stehen in einem orthogonalen Verhältnis, sind also unabhängig voneinander. Demnach schließen sich die beiden Foki nicht gegenseitig aus, sondern können beide gleichzeitig in unterschiedlich starken Ausprägungen innerhalb einer Person existieren. Die jeweilige Ausrichtung kann einerseits einer Persönlichkeitseigenschaft ähnelnd eine generell vorhandene Verhaltenstendenz sein (man spricht hier von chronischem Fokus), andererseits lässt sich der Fokus auch durch kontextuelle Gegebenheiten (situativer Fokus) beeinflussen. Tendenziell sind in einer Person beide Fokusausrichtungen vorhanden, allerdings wird durch situative Faktoren meistens eine Ausrichtung stärker angesprochen und induziert (Crowe & Higgins, 1997). Bei Abwesenheit situativer Faktoren dominiert einer der beiden Fo­ki als chronischer Fokus (Higgins, Roney, Crowe & Hymes, 1994).

Der so genannte Promotionsfokus (promotion focus) basiert auf dem Bedürfnis nach Selbstverwirklichung und -entwicklung und orientiert sich am Idealselbst, also daran, wie eine Person gerne sein möchte. Personen mit Promotionsfokus konzent­rieren sich auf das Erreichen von Gewinnen (gains) und das Vermeiden von Nicht­Gewinnen (non-gains), d.h. das Fehlen positiver Ergebnisse. Sie gehen mit Eifer und Kreativität an ihre Aufgaben und erledigen diese schnell,jedoch auf Kosten der Ge­nauigkeit. Dabei wirkt positives Feedback besonders anspornend. Das Ausbleiben positiver Ereignisse führt zu Gefühlen wie Traurigkeit, Unzufriedenheit oder Nie­dergeschlagenheit. Tritt das gewünschte Ergebnis ein, führt dies zu Freude, Heiter­keit oder Glücksempfinden (Higgins, 1997).

Personen mit ausgeprägtem Präventionsfokus (prevention focus) hingegen geht es vorrangig um die Erfüllung ihres Bedürfnisses nach Sicherheit und die Erfüllung ihrer Verantwortlichkeiten und Pflichten. Sie orientieren sich am Sollselbst, d.h. sie möchten vor allem den Vorstellungen gerecht werden, die andere ihnen gegenüber haben könnten. Ihnen geht es vorrangig um das Vermeiden von negativen Konse­quenzen (losses) und die Maximierung nicht-negativer Ergebnisse (non-losses). Per­sonen mit einem Präventionsfokus erledigen ihre Aufgaben eher vorsichtig und langsam, dafür jedoch sehr genau. Im Gegensatz zu Personen mit ausgeprägtem Promotionsfokus werden sie vor allem durch negatives Feedback motiviert, d.h. der Hinweis darauf, dass ein Ergebnis noch nicht erreicht wurde, spornt über das Si­cherheitsbedürfnis ein verstärktes Streben zum Ziel an. Das Eintreten negativer Er­gebnisse verursacht Gefühle der Nervosität, Unruhe oder Angst, das Ausbleiben eben solcher hingegen führt zu Ruhe, Gelassenheit und Erleichterung (Higgins, 1997).

In Abbildung 1 werden die situativen und dispositionellen Bedingungen für die jeweilige Ausprägung und die sich aus den Foki ergebenden Auswirkungen gegen­über gestellt. Der situative Kontext beeinflusst zusätzlich zur dispositionellen Veran­lagung das Zielerreichungsverhalten. Erfordert eine Aufgabe beispielsweise Präzisi­on und Sorgfalt, weil es vor allem darauf ankommt, ein fehlerfreies Ergebnis zu er­zielen, führt dies eher zu einem Präventionsfokus. Sollen hingegen möglichst viele Ergebnisse in kurzer Zeit erzielt werden, ist dies förderlich für einen Promotionsfo­kus.

Die jeweilige dispositionelle Ausrichtung wird über Sozialisationsprozesse (z.B. Erziehung, Erfahrungen in Kindheit und Jugend) geprägt (Higgins & Silber- man, 1998). Die Theorie des regulatorischen Fokus entscheidet sich insofern von den bereits bestehenden Motivationstheorien, dass beide Ausprägungen zu einem positiven Endzustand führen: Wachstum oder Sicherheit. Je nach Fokus herrschen jedoch andere Zielrepräsentationen und Strategien der Zielerreichung vor. Stimmt der jeweilige situative Fokus mit dem chronischen Fokus überein, bezeichnet Hig­gins (2000) dies als regulatorischen Fit. Die Passung zwischen situativen Anforde­rungen und individuellen Fähigkeiten führt zu einem erhöhten Wohlbefinden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1. Ursachen und Auswirkungen von Promotion und Prävention (Holler, Fellner & Kirch- ler, 2005)

Ein weiteres Konstrukt, das auf dem regulatorischen Fokus aufbaut, ist der re­gulatorische Abschluss (Baas, De Dreu & Nijstad, 2011). Unter regulatorischem Abschluss verstehen die Autoren die differenzierte Betrachtung, ob ein erwünschter Zielzustand bereits erreicht ist, oder ob er erst noch erreicht werden muss. Ist ein Ziel noch nicht erreicht, befindet sich die Person in einem Zustand der Aktivierung, Anstrengung und Beharrlichkeit, unabhängig von der Ausprägung des regulatori­schen Fokus. Ist das Ziel jedoch bereits erreicht, haben die beiden Foki unterschied­lichen Einfluss: Da promotionsorientierte Personen nach Vorankommen und dem Erreichen ihrer Ideale streben, sind sie nach Erreichung eines positiven Zustandes weiterhin aktiviert, um sich bereits dem nächsten Ziel widmen zu können. Personen mit Präventionsfokus sind nach dem Erreichen eines positiven Endzustandes (dies entspricht dem Vermeiden eines negativen Ergebnisses) hingegen erleichtert und befinden sich in einem Zustand der Deaktivierung (Baas, De Dreu & Nijstad, 2011).

2.1.2. Erhebungsverfahren

Die Erfassung des regulatorischen Fokus erfolgt überwiegend über quantitative Fragebögen, in denen sich die Probanden und Probandinnen selbst einschätzen. In­ternational finden vor allem der Regulatory Focus Questionnaire (RFQ; Higgins, Friedman, Harlow, Idson, Ayduk & Taylor, 2001) und die General Regulatory Fo­cus Measure (GRFM; Lockwood, Jordan & Kunda, 2002) Anwendung. Im deut­schen Sprachraum wurde 2007 die Regulatory Focus Scale (RFS; Fellner, Holler, Kirchler & Schabmann) veröffentlicht. Diese drei Erhebungsverfahren werden nach­folgend ausführlicher vorgestellt.

Der RFQ (Higgins et al., 2001) besteht aus den beiden Skalen Promotionsfokus (sechs Items) und Präventionsfokus (fünf Items). Wie oben bereits erwähnt geht eine Person an sie gestellte Aufgaben je nach Ausprägung des regulatorischen Fokus’ entweder mit Eifer oder eher mit Vorsicht an. Beide Arten der Aufgabenbewältigung können zu einem positiven Ergebnis führen. Hat eine Person in vergangenen Situa­tionen meist eine vorsichtige und behutsame Herangehensweise „gewählt“, die zum Erfolg geführt hat, spricht Higgins von prevention pride (Präventionsstolz). Dem­entsprechend bezeichnet er die erfolgreiche Aufgabenbewältigung aufgrund von eifriger, teilweise riskanter Vorgehensweise als promotion pride (Promotionsstolz). Der RFQ erfasst diejeweilige Ausprägung des Präventions- bzw. Promotionsstolzes und erlaubt dadurch Rückschlüsse darauf, welche Ausrichtung des regulatorischen Fokus vorliegt. Hierfür beantworten die Probanden anhand einer fünfstufigen Likert- Skala Fragen zu Erlebnissen aus ihrer Vergangenheit und Kindheit. Cronbachs Al­pha zeigt für beide Skalen akzeptable Werte (Promotionsskala: α = .73, Präventions­skala: a= .80).

Lockwood, Jordan und Kunda (2002) entwickelten speziell für ihre Studie zur Untersuchung des Einflusses des regulatorischen Fokus auf die Wahl von Vorbil­dern ein weiteres Messverfahren, das unter den Namen General Regulatory Focus Measure (GRFM), Lockwood Scale, oder Promotion/Prevention Scale bekannt ist. Der Fragebogen besteht wie auch der RFQ aus den beiden Skalen Promotionsfokus (neun Items) und Präventionsfokus (neun Items). Cronbachs Alpha beträgt für die

Promotionsskala einen Wert von α = .81, für die Präventionsskala einen Wert von α = .75. Kritisch anzumerken ist allerdings, dass sich die Fragen teilweise auf die Schul- und akademische Laufbahn beziehen, was den potentiellen Teilnehmerkreis stark einschränkt.

Die RFS (Fellner et al., 2007) wurde von den Autoren als deutschsprachiges Erhebungsverfahren entwickelt, das gleichzeitig zwei Mankos der beiden oben ge­nannten Fragebögen beheben sollte: Einerseits die Vergangenheitsbetrachtung des RFQ, andererseits die Stichprobenbegrenzung der GRFM. Die RFS besteht im Ge­gensatz zu den beiden bereits beschriebenen Messverfahren aus vier Skalen, von denenjeweils zwei einer dispositionellen Fokusausrichtung entsprechen. So wird der Promotionsfokus durch die Skalen Offenheit gegenüber neuen Dingen (drei Items) und Autonomie (zwei Items) erfasst, die beiden Skalen Orientierung an den Erwar­tungen Anderer (zwei Items) und Pflichtgefühl (drei Items) entsprechen dem Präven­tionsfokus. Die Items werden auf einer siebenstufigen Likert-Skala bewertet. Die RFS gibt es auch in englischer Übersetzung. Derzeit liegen keine Cronbachs Alpha­Werte für die Skalen vor.

Ergänzend zu den drei vorgestellten quantitativen Fragebögen existiert mit der Regulatory Strength Measure (RSM; Shah, Higgins & Friedman, 1997) indirekt ein implizites Erfassungsinstrument für die Ausprägung des regulatorischen Fokus’. Dieses erfasst, angelehnt an Higgins’ (1989) Selves Questionnaire, welche Attribute die Probanden einem Ideal- und ihrem Sollselbst zuschreiben würden. Es wird da­raufhingewiesen, dass jedes Attribut nur einem Selbst zugeordnet werden darf und die Zuordnung so schnell und akkurat wie möglich erfolgen soll. Im zweiten Schritt sollen die Probanden Attribute nennen, die auf sie aktuell zutreffen, die aber in kei­ner der beiden zuvor erstellten Attributlisten enthalten sind, um sich ihr aktuelles Selbst zu verdeutlichen. Danach nennen die Versuchspersonen fünf Attribute, die beschreiben, wie sie idealerweise gerne sein würden, und bewerten diese schließlich dahingehend, inwieweit die Person gerne so sein würde und bereits ist. Die gleiche Prozedur findet im Anschluss noch einmal statt, wobei dieses Mal Attribute genannt und bewertet werden sollen, die dem Sollselbst entsprechen. Die Schnelligkeit der Eingabe wird vom Computer aufgezeichnet und gibt im Nachhinein Aufschluss dar­über, für welche Ausprägung des Selbst der Proband schneller Attribute finden konnte, und somit darüber, welcher regulatorische Fokus für die Person stärker aus­geprägt ist. Zur RSM liegen keine Reliabilitätswerte vor (Shah, Higgins & Fried­man, 1997).

Darüber hinaus wurden in der jüngeren Forschung vor allem für den Bereich der Arbeits-, Personal- und Organisationspsychologie auch spezifische Erfassungs­instrumente entwickelt, wie zum Beispiel die Regulatory Focus at Work Scale (RWS; Wallace & Chen, 2006) und die Work Regulatory Focus Scale (WRF Scale; Neubert, Kacmar, Carlson, Chonko & Roberts, 2008). Da die vorliegende Bachelor­arbeit unter anderem die Konsequenzen der regulatorischen Fokusausrichtung auf Konstrukte der Arbeits- und Organisationspsychologie untersucht, werden auch die­se Erhebungsverfahren nachfolgend kurz erläutert.

Die WRF Scale von Neubert et al. (2008) besteht aus insgesamt 18 Items, wo­bei je neun Items einer der beiden Skalen (Promotionsfokus und Präventionsfokus) entsprechen. Diese wiederum sind nochmals unterteilt in drei Subskalen à drei Items. Für Promotionsfokus sind dies die Subskalen Gains, Achievement und Ideals, die Skala Präventionsfokus ist unterteilt in Losses, Security und Oughts. Die Items werden auf einer fünfstufigen Likert-Skala (ich stimme überhaupt nicht zu bzw. ich stimme völlig zu) bewertet. Cronbachs Alpha liegt für die Präventionsskala bei α = .93, für die Promotionsskala bei α = .91.

Die RWS (Wallace & Chen, 2006) besteht aus den beiden Skalen Promotions­fokus und Präventionsfokus, die jeweils sechs Items enthalten. Cronbachs Alpha erreicht für beide Skalen akzeptable Werte (α = .84). Wallace, Johnson & Frazier (2009) konnten zudem aufzeigen, dass die RWS inkrementelle Validität gegenüber RFQ (Higgins et al., 2001) und GRFM (Lockwood et al., 2002) besitzt.

2.1.3. Bisherige Befunde

Die Studien, die zwischen 1997, dem Entstehungsjahr der RFT, und 2005 durchgeführt worden sind, befassen sich vor allem mit den Konsequenzen für das intrapersonale Erleben. Werth und Förster (2007b) haben in ihrem Überblick die Befunde zusammengefasst und in die Bereiche Verarbeitungsstile, Präferenzen und Motivation und Emotion untergliedert.

Unter dem Begriff Verarbeitungsstile verstehen die Autoren beispielsweise die Art der Informationsverarbeitung. So erinnern sich Personen mit Präventionsfokus eher an negative biographische Ereignisse einer fiktiven Person (Higgins & Tyko- cinski, 1992) und vermeidungsbezogene Aussagen (Seibt & Förster, 2004) und er­fassen Reize eher im Detail (Förster, Friedman, Özelsel & Denzler, 2006). Personen mit ausgeprägtem Promotionsfokus hingegen erinnern sich eher an positive biogra­phische Ereignisse (Higgins & Tykocinski, 1992) und annäherungsbezogene Aussa­gen (Seibt & Förster, 2004) und nehmen eher das Gesamtbild eines Reizes oder ei­ner Situation wahr (Förster, Friedman, Özelsel & Denzler, 2006). Die Gesamt- bzw. Detailwahrnehmung, die sich je nach Fokus unterscheidet, dient hierbei vor allem der unterschiedlichen Zielerreichung: Demnach legen Personen mit Präventionsfo­kus hohen Wert auf konkrete Ziele, während für Promotionsorientierte eher abstrak­te Ziele und Gesamtzusammenhänge eine Rolle spielen.

Betrachtet man das Risikoverhalten, lassen sich je nach Fokusausrichtung un­terschiedliche Vorgehensweisen erkennen. Promotionsorientierte Personen zeigen sich risikobereiter und kreativer als Personen mit stärkerem Präventionsfokus (Cro­we & Higgins, 1997; Förster, Higgins & Taylor Bianco, 2003).

Bezüglich der Präferenzen lässt sich feststellen, dass bei der Wahl von Aufga­ben, dem Entscheidungsverhalten und auch beim Wirken von Information (wie bei­spielsweise in der Werbung), die Ereignisse und Informationen eine stärkere Ge­wichtung haben, die zum jeweils vorherrschenden regulatorischen Fokus passen. So tendieren präventionsorientierte Personen eher dazu, bereits bekannte Aufgaben an­zugehen, promotionsorientierte Personen hingegen fühlen sich eher von neuen Auf­gabentypen angesprochen (Liberman, Idson, Camacho & Higgins, 1999). Des Wei­teren beginnen Personen mit Präventionsfokus anstehende Aufgaben früher, wobei anzumerken ist, das Aufgaben mit Präventionscharakter unabhängig vom Fokus generell früher begonnen werden (Freitas, Liberman, Salovey & Higgins, 2002). Im Hinblick auf die Wirkung von Informationen ist für Personen mit ausgeprägtem Promotionsfokus ein Produkt ansprechender, dass die Fortschrittlichkeit betont, während Personen mit stärkerem Präventionsfokus eher auf die Verlässlichkeit des Produkts achten würden (Werth & Förster, 2007a). Diese Passung entspricht in etwa Higgins’ Theorie des regulatorischen Fit (Shah & Higgins, 2001; Freitas & Higgins, 2002).

Abschließend gehen Werth und Förster auf Unterschiede in Motivation und affektivem Erleben ein. Demnach führt anhaltender Misserfolg bei promotionsorien­tierten Personen eher zu depressiver Stimmung, während Personen mit Präventions- fokus höhere Werte von Ängstlichkeit aufweisen (Straumann & Higgins, 1998). Letztere neigen auch schneller zu Schuldgefühlen, wobei - unabhängig von der Fo­kusausrichtung - Schuldgefühle bei Fehlern dann stärker auftreten, wenn diese Feh­ler zum jeweiligen Fokus passen (Camacho, Higgins & Luger, 2003; Wang, Qu, Lu & Luo, 2005). Darüber hinaus lassen sich auch unterschiedliche Verhaltensweisen feststellen, je näher eine Person ihrem Ziel kommt: Promotionsorientierte Personen zeigen in großer Zielnähe verstärktes Annäherungsverhalten. Dementsprechend tritt bei präventionsorientierten Personen verstärktes Vermeidungsverhalten auf (Förster, Higgins & Idson, 1998; Förster, Grant, Idson & Higgins, 2001). Folglich zeigen promotionsorientierte Personen erhöhte Geschwindigkeit bei der Bearbeitung ihrer Aufgaben, Personen mit ausgeprägtem Präventionsfokus hingegen bearbeiten ihre Aufgaben mit noch größerer Sorgfalt und Genauigkeit (Förster et al., 2003). Bezüg­lich der motivierenden Wirkung von Feedback konnte festgestellt werden, dass Per­sonen mit Präventionsfokus eher durch negatives Feedback motiviert werden, da ihnen hierbei vor Augen geführt wird, dass sie das negative Ereignis noch nicht ab­gewandt haben. Für Personen mit ausgeprägtem Promotionsfokus hingegen ist posi­tives Feedback motivierender, da sie hierbei sehen, dass sie sich ihrem Ziel bereits angenähert haben (Förster et al., 1998).

Die erläuterten Befunde sind in Tabelle 1 zur Verdeutlichung für die jeweilige F okusausrichtung gegenübergestellt.

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Details

Seiten
63
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656759836
ISBN (Buch)
9783656833635
Dateigröße
3.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v281851
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Institut für Persönlichkeit, Methodenlehre, Diagnostik und Evaluation
Note
1,3
Schlagworte
Regulatorischer Fokus Kreativität Arbeitskontext soziale Beziehungen

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Titel: Konsequenzen eines Präventions- versus Promotionsfokus