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Die Entwicklung des Corporate-Social-Responsibility-Konzeptes (CSR)

Akademische Arbeit 2007 24 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer Ursprung von CSR

3. Beginn der wissenschaftlichen Debatte um CSR

4. Das CSR-Konzept nach Carroll

5. Das CSR-Konzept der Europäischen Kommission

6. Definition angrenzender Begriffe
6.1. Corporate Social Performance
6.2. Corporate Governance
6.3. Corporate Citizenship
6.4. Nachhaltige Entwicklung
6.5. Begriffssystematik

Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.Einleitung

„..CSR represents action that appears to further some social good, extends beyond the explicit economic interests of the firm, and is not required by law“

Godfrey / Hatch 2007, S .88

Rund um das Thema „Verantwortung von Unternehmen“ gibt es eine Vielzahl verschiedener Begriffe. Der Terminus Corporate Social Responsibility (CSR) findet zwar in zunehmendem Maße Verwendung, jedoch bleibt bei näherer Betrachtung häufig unklar, was genau unter der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen[1] verstanden wird (vgl. Loew et al. 2004, S. 18). Zurückzuführen ist dies vor allem darauf, dass der Begriff CSR noch nicht abschließend definiert wurde und es daher in Praxis und Wissenschaft sowie auch innerhalb dieser Bereiche selbst sehr unterschiedliche, zum Teil divergente Auffassungen und Definitionen von CSR gibt (vgl. Loew et al. 2004, S. 18; Dresewski et al. 2001, S. 2).

Um Missverständnissen und Fehlinterpretationen vorzubeugen, die nicht in der Sache begründet, sondern rein sprachlichen Ursprungs sind, vermittelt diese Arbeit daher einen Überblick über die historische Entwicklung des CSR-Konzepts, bevor der Begriff Corporate Social Responsibility anschließend definiert und von anderen in diesem Kontext oft auftauchenden Begriffen wie z.B . Corporate Social Performance, Corporate Citizenship, Nachhaltigkeit oder Corporate Governance abgegrenzt wird.

2. Historischer Ursprung von CSR

Obgleich der Begriff CSR erst im 20. Jahrhundert geprägt wurde und die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen vor allem in den letzten Jahrzehnten immer stärker in den Fokus der Wissenschaft geraten ist, handelt es sich hierbei keineswegs um ein völlig neues Gedankengut, sondern um ein Konzept mit einer langen Geschichte (vgl. ISO Advisory Group an Social Responsibility 2004, S. 2 ; Carroll 1999, S. 268). Viele Autoren sehen die historischen Wurzeln im antiken Griechenland, da einige griechische Unternehmer aus uneigennützigen Motiven heraus Geld und Nahrung an arme Bürger verschenkten (vgl. Loew et al. 2004, S. 18). Als ein weiteres historisches Beispiel wird von der ISO Advisory Group on Social Responsibility (2004) die Ost-Indien Company genannt, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts bei der Zuckerproduktion auf den Einsatz von Sklaven verzichtete, nachdem englische Konsumenten mit dem Boykott ihrer Produkte begonnen hatten. Auch die von Quäkern geführten Unternehmen im 19. Jahrhundert lassen sich als ein historisches Beispiel für ein gesellschaftlich verantwortliches Handeln anführen. Zum einen bauten diese Unternehmen in England für ihre Beschäftigten Schulen, Büchereien und ganze Orte, zum anderen entlasteten sie die Umwelt, indem sie das in der Produktion verwendete Wasser aufbereiteten und wieder verwendeten (vgl. ISO Advisory Group on Social Responsibility 2004, S. 2).

Obwohl ein gesellschaftlich verantwortliches Handeln durch einzelne Unternehmen also durchaus schon seit längerer Zeit praktiziert wurde, existierte über einen langen Zeitraum hinweg kein allgemeines Verständnis über die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen. Und auch eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema fand lange Zeit nicht statt (vgl. ISO Advisory Group on Social Responsibility 2004, S. 2f.). Dies änderte sich jedoch Mitte des vorigen Jahrhunderts, als es im Zuge der Industrialisierung zu einer neuen Rollenverteilung zwischen Staat und Gesellschaft kam (vgl. Promberger / Spiess 2006, S. 2f.). Mit der Entwicklung großer Konzerne veränderte sich auch die Gesellschaftsstruktur, statt kleiner, über den Marktmechanismus kontrollierter Unternehmen entstanden in zunehmendem Maße große Unternehmen mit konzentrierter Macht (vgl. Loew et al. 2004, S. 18) und zunehmender Gestaltungskraft (vgl. Schmitt 2005, S. 1).

Vor allem diese neu entstandenen großen Unternehmen verspürten in zunehmendem Maße den Druck der Öffentlichkeit (vgl. Promberger / Spiess 2006, S. 2), die von den Unternehmen forderte, eine gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und sich in sozialen und ökologischen Bereichen zu engagieren. Parallel hierzu wurde das Thema CSR auch in den (Wirtschafts-)Wissenschaften aufgegriffen und es begann eine wissenschaftliche Debatte über die Verantwortung von Unternehmen und ihre Rolle in der Gesellschaft. (vgl. Loew et al. 2004, S. 19). Diese wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema CSR fand jedoch zunächst ausschließlich in den USA statt. Von dort stammt daher auch ein großer Teil der Autoren und der Literatur zu den konzeptionellen Grundlagen von CSR (vgl. Schmitt 2005, S. 6; Carroll 1999, S. 268).

3. Beginn der wissenschaftlichen Debatte um CSR

Als Beginn der wissenschaftlichen Debatte um CSR wird von vielen Autoren die 1953 von Bowen, dem „Father of Corporate Social Responsibility“ (Carroll 1999, S. 270), veröffentlichte Publikation „Social Responsibilities of the Businessmen“ angesehen (vgl. Loew 2004, S. 19; Carroll 1979, S. 497). Aus der Tatsache, dass nicht nur die von den Unternehmen hergestellten Produkte, sondern auch die Unternehmensaktivitäten das Leben der Bürger in vielen gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Bereichen beeinflussten, schloss Bowen, dass Unternehmen die Verpflichtung haben, sich an den herrschenden gesellschaftlichen Normen und Werten zu orientieren: It refers to the obligations of businessmen to pursue those policies, to make those decisions, or to follow those lines of action, which are desirable in terms of objectives and values of our society (Bowen 1953, S. 6). Während zu Beginn der Diskussion der Schwerpunkt noch auf der Verantwortung einzelner Geschäftsmänner lag, rückte Ende der 1960er die gesellschaftliche Verantwortung der Organisation, also des gesamten Unternehmens, in den Mittelpunkt (vgl. Loew et al. 2004, S. 20).

Seit dieser Zeit wurden von Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen eine ganze Reihe unterschiedlicher, teilweise sehr kontroverser Konzepte und Theorien zum Thema CSR entwickelt (vgl. Maignan / Ferrell 2004, S. 4 ; Garriga / Melé 2004, S. 51), so dass es sich bei dem Thema heute um ein nahezu unüberschaubares Feld handelt: „The Corporate Social Responsibility (CSR) field presents not only a landscape of theories but also a proliferation of approaches, which are controversial, complex and unclear“ (Garriga / Melé 2004, S. 51). Hinzu kommt noch, dass es bislang auch keine einheitliche und allgemein akzeptierte Definition von CSR gibt. Schon 1972 schrieb Votaw den vielzitierten Satz „corporate social responsibility means something, but not always the same thing to everybody“ (Votaw 1972, S. 25) und auch heute herrscht lediglich darüber Einigkeit, dass es sich bei dem Begriff CSR um ein theoretisches Konstrukt handelt, für das es keine allgemein gültige Definition gibt (vgl. Carroll 1979, S. 498 ; Dresewski et al. 2001, S. 2 ; Loew et al. 2004, S. 18). Visser (2005) liefert empirische Daten, aus denen klar hervorgeht, dass es eine große Vielfalt von CSR-Definitionen gibt und dass auch in wissenschaftlichen Untersuchungen und sonstiger Fachliteratur kein Konsens über die Geltungsbereiche und Exklärungsinhalte von CSR existiert (vgl. Visser 2005, S. 3). Andersrum ist jedoch auch CSR nicht die einzige existierende Bezeichnung für denselben Bereich der empirischen Realität, weshalb es nötig ist, auch angrenzende Begriffe zu erörtern (vgl. Visser 2005, S. 2). In den folgenden Abschnitten werden daher zunächst zwei der am weitesten verbreiteten CSR-Konzepte vorgestellt, bevor der Begriff CSR von anderen Begriffen abgegrenzt wird, die im Zusammenhang mit der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen auftauchen.

4. Das CSR-Konzept nach Carroll

„The social responsibility of business encompasses the economic, legal, ethical, and discretionary expectations that society has of organisations at a given point in time.“

Carroll 1979, S. 500

In seiner 1979 erschienenen Veröffentlichung „ A Three-Dimensional Conceptual Model of Corporate Performance“ argumentiert Carroll, dass es sich bei der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen um ein Konstrukt handelt, das sich in die vier Bereiche ökonomische, rechtliche, ethische und freiwillige (bzw. philanthropische[2] ) Verantwortung unterteilen lässt (vgl. Carroll 1979, S. 500).

Gemäß dem von Carroll entwickelten Modell stellt die ökonomische Verantwortung das Fundament für ein funktionierendes Unternehmen dar. Für ein Unternehmen als wirtschaftliche Einheit besteht vor allem anderen die Aufgabe, Güter und Dienstleistungen zu produzieren und diese gewinnbringend zu verkaufen. Die Erbringung dieser Leistungen muss jedoch innerhalb der gesetzlichen Grenzen erfolgen, weshalb die rechtliche Verantwortung den zweiten Bereich von Verantwortung darstellt. Sowohl die rechtliche als auch die ökonomische Verantwortung werden von den Unternehmen gefordert und stellen daher eine notwendige Bedingung dar, damit das Unternehmen überhaupt bestehen kann (vgl. Carroll 1979).

Bei dem dritten Bereich der Verantwortung handelt es sich um die ethische Verantwortung. Im Gegensatz zu den beiden vorherigen Bereichen gibt es hier keine klaren Vorschriften, wie sich ein Unternehmen verhalten soll, um ethisch verantwortlich zu handeln. Vielmehr kommen hier die Erwartungen der Gesellschaft zum Ausdruck, dass sich die Unternehmen gemäß den Normen und Werten der Gesellschaft verhalten sollen (vgl. Carroll 1979). Obgleich sich dieser Bereich damit zum Teil auf ungeschriebene Gesetze bezieht, muss ein Unternehmen mit Sanktionen rechnen, wenn es sich nicht an diese Vorgaben hält (z.B. kann es zu Boykotten kommen, wenn Verbraucher der Meinung sind, dass sich ein Unternehmen unethisch verhält) (vgl. Promberger / Spiess 2006, S. 9).

Die philanthropische Verantwortung stellt in Carrolls Modell den vierten und letzten Bereich der Verantwortung dar. Dieser beruht auf dem Prinzip der Freiwilligkeit und umfasst einen nicht klar umrissenen Bereich von unternehmerischen Aktivitäten, die von der Gesellschaft zwar nicht erwartet, aber gewünscht werden: „societal expectations do exist for businesses to assume sociale roles over and above those described so far“ (Carroll 1979, S. 500). Von einem Unternehmen, dass seiner philanthropischen Verantwortung gerecht werden will, wird also erwartet, dass es sich auf freiwilliger Basis gesellschaftlich engagiert (vgl. Carroll 1979).

1991 überarbeitete Carroll sein CSR-Konzept und entwickelte das Pyramiden-Modell, in dem die ökonomische Verantwortung die unterste Basis und die philanthropische Verantwortung die Spitze der Pyramide darstellt (siehe Abbildung 1).

[...]


[1] Der Begriff „Corporate Social Responsibility“ (CSR) und die „gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen“ werden in der vorliegenden Arbeit synonym verwendet.

[2] Ursprünglich bezeichnete Carroll die vierte Dimension als „Discretionary Responsibilities“ (Carroll 1979), in späteren Veröffentlichungen bezeichnete er diese Dimension als „Philanthropic Responsibilities“ (vgl. Carroll 1999).

Details

Seiten
24
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656764700
ISBN (Buch)
9783668136724
Dateigröße
590 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v282173
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,3
Schlagworte
entwicklung corporate-social-responsibility-konzeptes

Autor

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