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Herrscher als Frauenhelden. Die Liebe vieler Frauen zur Festigung der Macht am Beispiel von August dem Starken

Hausarbeit 2011 12 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Biographie
2.1.Friedrich August und die Frauen
2.2. August der Starke und seine Mätressen

3. Darstellung der Potenz - Feste am sächsischen Hof

4. Die Grundsätze der Religionen und ihre Beachtung für August

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Die Macht eines Herrschers drückte sich in der Frühen Neuzeit für viele in kriegerischen Aktivitäten aus.[1] Dieser Fakt ist ein wesentliches Merkmal um seine eigene politische Macht zu manifestieren. Antje Stannek sieht als weiteren Punkt zur Festigung der politischen Macht: „In höfischen Gesellschaften manifestiert sich die politische Virilität eines Herrschers ganz direkt in seiner sexuellen Potenz.“[2] Die Herausbildung dieser Männlichkeit beginnt dabei schon mit den Kavallierstouren im Ausland, wo junge Adlige ihre ersten Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht machten.[3] Ein Herrscher hatte, auch nachdem er verheiratet war, noch Geliebte, sogenannte Mätressen, denen er sich widmete und die er der Öffentlichkeit präsentierte. In der Frühen Neuzeit galten besonders der französische König Henry IV. und auch August der Starke, König von Polen, als Frauenhelden, ihnen wurden unzählige Affären angedichtet.

In der Literatur finden sich explizit zu dem Thema „Herrscher als Frauenhelden und dieser Einfluss auf die politische Macht“ sehr wenig gesonderte Werke. Katherine B. Crawfords Aufsatz „The Politics of Promiscuity: Masculinity and Heroic Representation at the Court of Henry IV.“ zählt zu diesen wenigen Werken.[4] Das Thema wird meistens nur angerissen und als solches nicht wirklich beachtet. Gerade die deutschsprachige Literatur weist zu diesem Themenbereich keinerlei spezielle Werke auf.

Anhand des Beispiels August des Starken versucht die vorliegende Hausarbeit die punktuellen Sachverhalte der Literatur zusammenzuführen und einen Standpunkt zu diesem Thema herauszuarbeiten. Der Aufsatz versucht folgende Fragestellungen zu beantworten: „Herrscher als Frauenhelden, wann ist ein Herrscher ein Frauenheld?“, „Zeigt sich die sexuelle Potenz darin, dass ihm die Frauen zu Füßen liegen?“, „Wie ist das Verhalten der Frauen?“ und „Wie drückt sich die sexuelle Potenz für die Umwelt des Herrschers aus?“.

Zunächst geht die Arbeit auf das Leben Augusts ein und versucht allgemeine Voraussetzungen darzustellen. Danach widmet sie sich dem Frauenleben des Fürsten und versucht abschließend kurz darzulegen, ob sich eine sexuelle Potenz bei ihm feststellen lässt. Zudem analysiert die Arbeit noch den Umgang mit diesem Thema zu jener Zeit. Lassen die gesellschaftlichen Ordnungen so ein Verhalten ohne weiteres zu? In der Schlussbetrachtung sollten schließlich die Erkenntnisse zusammenfasssend geprüft werden und ein Konsens zu diesem Thema gewonnen werden.

2.Biographie

August Friedrich kam am 12. Mai 1670 zur Welt. Er war der zweitgeborene Sohn von Anna Sophie[5], der Tochter des dänischen Königs Friedrich III., und dem Kurprinzen Johann Georg III.[6]. August wurde evangelisch in der kursächsischen Hauptstadt Dresden aufgezogen.1693 heiratete er Christiane Eberhardine von Kulmbach-Bayreuth. Nachdem sein Bruder Johann Georg IV.[7] recht früh an den Blattern verstorben war, wurde August Friedrich Ende April 1694 Kurfürst von Sachsen.[8] 1697 erfolgte die Wahl des Kurfürsten zum König von Polen nun August II. genannt. Er verbrachte einen Großteil seines Lebens in Warschau. Dabei wechselte August außerdem die Konfession zum Katholizismus, in Polen war die vom Papst geprägte Konfession bestimmend. Am 1. Februar 1733 starb August II. in Warschau.[9]

Der 176 cm große blauäugige Lockenkopf trug nicht ohne Grund den von der Nachwelt geschaffenen Beinamen „der Starke“.[10] Er war für die damalige Zeit recht groß und von muskulöser Statur. August wurden des Weiteren enorme Kräfte bescheinigt, die er auf der Jagd, bei Turnieren als stehender Ritter oder auch beim Verbiegen von Talern erprobte.[11] Diese Energie versuchte August außerdem auf dem Schlachtfeld auszutragen, er schrieb „Mein einziger Wunsch war kriegerischer Ruhm.“.[12] So kämpfte er als Oberbefehlshaber des Reichsheers 1695 im Türkenkrieg.[13]

2.1.Friedrich August und die Frauen

Er galt für die Nachwelt lange als potenter Mann mit ungezählten Affären, ihm wurden des Weiteren 354 Nachkommen angedichtet. Diese Aussagen hatten keinerlei wissenschaftliche Grundlage, sie stützten sich auf Angaben zeitgenössischer Adlige, ohne dass diese über das nötige Hintergrundwissen verfügten.[14] Diese Überlieferungen schadeten allerdings nicht seinem Ansehen. Sein stattliches Aussehen und seine Leidenschaften hatten womöglich dazu beigetragen.[15] Dieser Ruf entstand auch durch das Werk „Das galante Sachsen“ von Carl Ludwig von Pöllnitz 1734, dort schrieb dieser über die unzähligen Affären Augusts und seine vornehmlichen Charaktereigenschaften, die ihn zu einem Frauenhelden werden ließen.[16] Dieses Buch ist allerdings durchaus kritisch zu bewerten, da Ludwig von Pöllnitz damit sein Geld verdienen wollte und wahre Angaben mitunter doch zu stark ausschmückte.[17] Zeitgenossen, wie Jakob Heinrich von Flemming[18], beschrieben August Friedrich zwar durchaus als Liebesuchenden, aber nicht unbedingt um der Lust Willen sondern vielmehr um Aufsehen zu erzeugen und eine gewisse Kraft zu signalisieren.[19] Die Nachkommensabsicherung mit der Ehegattin, Christiane Eberhardine, stand an erster Stelle, diese war durch die Geburt des legitimen Nachfolgers Friedrich August am 17. Oktober 1696 gelungen. Die Beziehung zu ihr galt als arrangiert und war daher nicht unbedingt mit großer Liebe verbunden. Die Eheleute lebten vielmehr ihre eigenen Leben und das oftmals mit territorialer Trennung, dabei kamen sie sich nicht in die Quere.[20] Dies war größtenteils bis zu ihrem Tod 1727 der Fall. August war nicht einmal auf ihrer Beerdigung zugegen.[21] Er war als Herrscher viel auf Reisen und lernte einige weibliche Schönheiten aus verschiedenen Kulturkreisen kennen. Das Spiel mit der Leidenschaft drückte eine gewisse Potenz aus, wer als Herrschender viele Geliebte hatte, dies war bei weitem nichts Ungewöhnliches zu jener Zeit, und auch noch kriegerische Fähigkeiten nachweisen konnte, besaß ein äußerst hohes Ansehen.[22] Grundsätzlich ist erstmal festzustellen, dass der Kurfürst und spätere König neben seiner Gemahlin einige Mätressen oder Geliebte hatte. Die Herrscher, die ohne Mätressen verkehrten, galten vielmehr als wunderlich.[23]

[...]


[1] Vgl. Crawford, Katherine B.: The Politics of Promiscuity: Masculinity and Heroic Representation at the Court of Henry IV. . In: French Historical Studies 26 (2003), S. 225–252, hier S. 230.

[2] Stannek, Antje: Aufwachsen im Ausland. Zur geschlechtsspezifischen Sozialisation adeliger Knaben im 17. Jahrhundert. In: L`Homme. Zeitschrift für Feministische Geschichtswissenschaft 2 (1997), S.242-256, hier 251.

[3] Ebd. S.251.; Vgl. Czok, Karl: August der Starke und seine Zeit: Kurfürst von Sachsen. König in Polen. 3. Neugestaltete und erweiterte Auflage, Leipzig 1997, hier S. 29.

[4] Vgl. Crawford: The Politics of Promiscuity.

[5] seit 1666 vermählt mit dem Sächsischen Kurfürsten Johann Georg III., Vgl. Pöllnitz, Carl Ludwig: Das galante Sachsen. Neudruck, München 1995, S. 224.

[6] (1647-1691), Kurfürst von Sachsen, ebd. S. 227.

[7] (1668-1694): Bruder von August, Kurfürst von Sachsen 1691-1694, ebd. S. 227.

[8] Vgl. Czok: August der Starke und seine Zeit, S. 38.

[9] Vgl. Piltz, Georg: August der Starke. Träume und Taten eines deutschen Fürsten. Biographie, Berlin 1986, S.385.

[10] Vgl. Nadolski, Dieter: Die Affären Augusts des Starken. 4. Auflage, Taucha 2007, S.26.

[11] Vgl. Piltz: August der Starke, S.328.

[12] Haake, Paul: August der Starke, Berlin [u.a.] 1926, S.37.

[13] Vgl. Piltz: August der Starke, S.381.

[14] Vgl. Piltz: August der Starke, S.278.

[15] Vgl. Czok: August der Starke und seine Zeit, S.20.

[16] Vgl. Pöllnitz, Carl Ludwig: Das galante Sachsen. Neudruck, München 1995.

[17] Vgl. Gurlitt, Cornelius: August der Starke. Ein Fürstenleben aus der Zeit des Deutschen Barock, Dresden 1924 (=Band I), S.151-152.

[18] (1667-1728) seit 1694 als Feldmarschall und Kabinettsminister im Diensten des sächsischen Hofes, vgl. Pöllnitz: Das galante Sachsen, S. 226.

[19] Vgl. Piltz: August der Starke, S. 279. ; Vgl. Pöllnitz: Das galante Sachsen, S. 216-218.

[20] Vgl. Nadolski: Die Affären Augusts des Starken, S.76.

[21] Vgl. Czok: August der Starke und seine Zeit, S.91.

[22] Vgl. Pönicke, Herbert: August der Starke. Ein Fürst des Barock, Göttingen [u.a.] 1972 (=Persönlichkeit und Geschichte 71), S.65.

[23] Vgl. Piltz: August der Starke, S.280. ; Vgl. Crawford: The Politics of Promiscuity, S.231.

Details

Seiten
12
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656765745
ISBN (Buch)
9783656838296
Dateigröße
418 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v282217
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
2,0
Schlagworte
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Autor

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