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Anforderungsprofile in Stellenanzeigen

Eine empirische Analyse im Bereich der betriebswirtschaftlichen Steuerlehre

Bachelorarbeit 2014 49 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Abkürzungsverzeichnis

II. Einleitung

III. Stand der Forschung

IV. Definition des Begriffs der Steuern und der betrieblichen Steuerlehre

V. Studiengänge mit dem Schwerpunkt der betrieblichen Steuerlehre

VI. Begriff der Anforderung und Definition des Anforderungsprofils

VII. Grundlagen zur empirischen Analyse
A. Begriffe der empirischen Analyse
B. Vorgang der empirischen Analyse
1. Grundgesamtheit und Stichprobe
2. Form der Datenerhebung und Festlegung der Merkmale
3. Vorgang der Analyse

VIII. Auswahl der zu analysierenden Stellenanzeigen

IX. Analyse der Stellenanzeigen bezüglich der wesentlichen Anforderungen
A. Fachkompetenz
1. Elementares und spezialisiertes Allgemeinwissen
a) Zahlenverständnis
b) Sprachkenntnisse
c) EDV-Kenntnisse
(1) MS Office
(2) DATEV
(3) SAP
(4) Sonstige Software
2. Studienabschluss und Notenschnitt
3. Berufsexamina und Weiterbildung
a) Steuerberater
b) Wirtschaftsprüfer
4. Berufserfahrung
5. Berufsspezifische Fähigkeiten und Spezialwissen
a) Steuerrecht
b) Rechnungslegung
c) Wirtschaftsprüfung
d) Betriebswirtschaft
e) Berufsspezifische Abläufe
B. Methodenkompetenz
1. Analytisches Denken
2. Strukturiertes Denken
3. Ganzheitliches Denken
4. Systematisches Denken
C. Sozialkompetenz
1. Kommunikationsfähigkeit
2. Teamfähigkeit
3. Kontaktfähigkeit
4. Konfliktfähigkeit und Kritikfähigkeit
D. Persönlichkeitskompetenz
1. Selbständigkeit
2. Eigenverantwortung bzw. Verantwortungsbewusstsein
3. Selbstverwirklichung

X. Fazit

XI. Literaturverzeichnis

XII. Gerichtsentscheidungen

XIII. Gesetztestexte

XIV. Internetseiten

I. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

II. Einleitung

Im Sommersemester 2012 entschieden sich in Deutschland 16.355 Personen dazu, ein wirtschaftswissenschaftliches Studium zu beginnen.1 Gemäß dem „unicensus13“ der univativ GmbH & Co. KG studieren 83,9 % der 1.254 befragten Studenten, da sie sich von einem höheren Abschluss bessere Jobchancen erhoffen.2 Dabei gaben 68,5 % der befragten Studenten an, dass die Anforderungen in Stellenanzeigen keinen Einfluss auf deren Karriereplanung haben und 50,0 % der befragten Studenten haben sich noch nie mit den Anforderungen in Stellenanzeigen beschäftigt.3 Es liegt nahe, dass die Chancen von Hochschulabsolventen am Arbeitsmarkt wesentlich verbessert werden könnten, wenn diese schon während des Studiums die Erfüllung der Anforderungen von zukünftigen Arbeitgebern anstreben würden.

Der Schwerpunkt dieser Abschlussarbeit liegt bei Studierenden, welche ihr Studium auf die betriebliche Steuerlehre ausgerichtet haben. Den Studierenden bietet sich aufgrund dieser Spezialisierung eine Auswahl an bestimmten Berufen, bei welchen das betriebliche Steuerrecht im Vordergrund steht oder welche dies zumindest als wesentlichen Aufgabenbereich beinhalten. Sieht man sich hierzu die Anforderungsprofile der Stellenanzeigen potentieller zukünftiger Arbeitgeber an, so steht man vor dem Problem, dass diese eine Vielzahl an unterschiedlichen Anforderungen beinhalten, die meist sehr unterschiedlich formuliert und im Hinblick auf ihre Aussage zum Teil schwer zu definieren sind. Deshalb lassen sich die Art und der Umfang der Anforderungen nicht unmittelbar aus den Stellenanzeigen entnehmen.

Ziel dieser Bachelorarbeit ist es, die wesentlichen Anforderungen für die Berufe, welche mit dem Studium der betrieblichen Steuerlehre angestrebt werden können, empirisch herauszuarbeiten und diese jeweils verständlich zu erläutern.

Damit soll folgende Forschungsfrage geklärt werden: Welche Anforderungen werden im Wesentlichen in Stellenanzeigen an Studierende der betrieblichen Steuerlehre seitens der potentiellen zukünftigen Arbeitgeber gestellt?

Zunächst wird erläutert, was unter betrieblicher Steuerlehre zu verstehen ist und welche Studiengänge die betriebliche Steuerlehre beinhalten bzw. in welchen Studiengängen eine dahingehende Spezialisierung möglich ist. Außerdem wird erklärt, was unter einem Anforderungsprofil im Allgemeinen zu verstehen ist. Weiter wird nach der Begriffsklärung zur empirischen Analyse und der Beschreibung der gewählten Stellenanzeigen eine empirische Analyse dieser Stellenanzeigen durchgeführt, um die wesentlichen Anforderungen herauszuarbeiten. Zugleich wird definiert, was unter der jeweiligen Anforderung konkret zu verstehen ist.

III. Stand der Forschung

In einer Umfrage der HIS GmbH (Hochschul-Informations-System GmbH) wurden Hochschulabsolventen befragt, wie sie Ihre eigenen Kompetenzen einschätzen. Es galt festzustellen, inwiefern die Studenten während ihrer Bildungslaufbahn bestimmte Kompetenzen aufbauen konnten und auf welchem Stand diese Kenntnisse nach Abschluss des Studiums waren. Befragt wurden Absolventen verschiedener Fachrichtungen. Im Rahmen dieser Untersuchung wurde auch darauf eingegangen, welche Bedeutung Anforderungsprofile und die dafür geforderten Kompetenzen für das berufliche Handeln haben.4 Im Wesentlichen wurde festgestellt, dass die Kompetenzen der Absolventen ein durchaus unterschiedliches Niveau annehmen und dabei Defizite aufweisen können. Es wurden Kompetenzen und die Kompetenzdefizite nach Fachbereich, Geschlecht, Art des Studiengangs und nach Herkunft (Ost- oder West-Deutschland) verglichen.5 Es handelt sich bei dieser Umfrage um eine reine Selbsteinschätzung der Absolventen. Es ist hieraus noch nicht erkennbar, welche Kompetenzen von Unternehmen tatsächlich gefordert werden.

Es findet sich hierzu einer Online-Umfrage der DIHK mit dem Titel „Erwartungen der Wirtschaft an Hochschulabsolventen“ aus dem Jahr 2011. Daran haben sich 2.175 Unternehmen in 77 von 80 IHK-Bezirken in Deutschland beteiligt. Dabei haben sich u.a. folgende wichtige Erkenntnisse ergeben:

- Die Unternehmen sind mit den Abschlüssen der Absolventen zunehmend unzufrieden.
- Es mangelt den Absolventen an praktischer Erfahrung.
- Neben Fachwissen ist auch die Persönlichkeit von Bedeutung.
- Der Fachkräftemangel nimmt zu.6

Es stellt sich nun die Frage, inwieweit sich die Meinungen der Absolventen und Unternehmen in den Anforderungsprofilen der Stellenanzeigen wiederfinden. An diesem Punkt knüpft diese Abschlussarbeit speziell in Bezug auf Hochschulabsolventen der betrieblichen Steuerlehre an.

IV. Definition des Begriffs der Steuern und der betrieblichen Steuerlehre

Es ist zunächst zu definieren, was unter Steuern im Allgemeinen und speziell unter betrieblicher bzw. unter betriebswirtschaftlicher Steuerlehre zu verstehen ist.

Steuern sind nach der Legaldefinition in § 3 Abs. 1 AO „Geldleistungen, die nicht eine Gegenleistung für eine besondere Leistung darstellen und von einem öffentlich-rechtlichen Gemeinwesen zur Erzielung von Einnahmen allen auferlegt werden, bei denen der Tatbestand zutrifft, an den das Gesetz die Leistungspflicht knüpft; die Erzielung von Einnahmen kann Nebenzweck sein.“ Als Teil der allgemeinen Betriebswirtschaftslehre ist die betriebliche (bzw. betriebswirtschaftliche) Steuerlehre eine spezielle Theorie der Unternehmenspolitik.7 Sie befasst sich mit der Besteuerung der Unternehmen und der Unternehmer bzw. der Gesellschafter. Sie hat dabei die Aufgabe festzustellen, welche Steuern im Unternehmen anfallen, unterschieden nach den verschiedenen Steuerarten. Des Weiteren werden die Bestimmungsfaktoren der Steuerbelastungshöhe erklärt und zielorientierte Verhaltensregeln im Rahmen der Steuerplanung bzw. Steuerpolitik formuliert. Eine weitere Aufgabe ist die Gestaltung des Steuerrechts, indem Einfluss auf die Gesetzgebung und Rechtsprechung genommen wird.8

V. Studiengänge mit dem Schwerpunkt der betrieblichen Steuerlehre

Sowohl an Universitäten als auch an Fachhochschulen werden wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge angeboten. Dabei kann die Spezialisierung auf die betriebliche Steuerlehre in unterschiedlicher Weise erfolgen.

An einigen Universitäten bzw. Fachhochschulen ist es möglich, durch entsprechende Modulwahl das Studium auf die betriebliche Steuerlehre auszurichten.9 Es gibt jedoch auch Studiengänge, die von Vornherein auf die betriebliche Steuerlehre ausgerichtet sind.10 Einen erhöhten Praxisbezug bieten Duale Studiengänge.11 Die größte Flexibilität bieten Fernstudiengänge. Das Studium kann dem unter Umständen bereits bestehenden Arbeitsleben des Studierenden angepasst werden und oftmals existiert keine Höchststudienzeit.12

VI. Begriff der Anforderung und Definition des Anforderungsprofils

Eine Anforderung stellt einen Anspruch dar, welcher von den Unternehmen an die Leistung der zukünftigen Mitarbeiter gestellt wird.13 Das Anforderungsprofil beinhaltet zum einen, wie sich der künftige Arbeitgeber einen Bewerber vorstellt. Zum anderen dient es dem Bewerber aber auch als Informationsbasis über die ausgeschriebene Stelle. Eine häufig gewählte Darstellungsform ist die Listenform. Darin angegeben werden die gewünschten Merkmale und Fähigkeiten, welche ein Bewerber mitbringen sollte.14

Anforderungsprofile gibt es in verschiedenen Arten. Dabei unterscheidet man zwischen Mindestprofil, Höchstprofil, Idealprofil, Negativprofil und Irrelevanzprofil.15 Das Mindestprofil beschreibt die Grenze zu unterqualifizierten Bewerbern mittels Musskriterien bzw. Knock-Out-Kriterien und durch Bevorzugungskriterien. Im Gegensatz dazu legt das Höchstprofil die Grenze zu überqualifizierten Bewerbern fest. Damit soll eine Unzufriedenheit bei Arbeitnehmern wegen Unterforderung vermieden werden. Das Idealprofil beschreibt mittels Wunschkriterien, welche Anforderungen ein idealer Bewerber erfüllen solle. Das Negativprofil, oder auch Tabuprofil, beschreibt, welche Eigenschaften ein Bewerber nicht mitbringen sollte. Wird in Anforderungsprofilen festgelegt, welche Eigenschaften keine Rolle spielen sollen, so wird ein solches Anforderungsprofil als Irrelevanzprofil bezeichnet.16

VII. Grundlagen zur empirischen Analyse

Die Anforderungen, welche in den Anforderungsprofilen innerhalb der Stellenanzeigen zu finden sind, können sehr vielfältig sein. Jede Stellenanzeige weist andere Anforderungen auf, da jede Stelle andere Fähigkeiten erfordert. Dennoch finden sich bestimmte Anforderungen wiederholt in den Stellenanzeigen. Um die wesentlichen Anforderungen herauszuarbeiten, soll eine empirische Analyse der Stellenanzeigen erfolgen. Zunächst ist jedoch zu klären, was unter einer empirischen Analyse zu verstehen ist und wie im Rahmen der empirischen Analyse im Allgemeinen vorgegangen wird.

A. Begriffe der empirischen Analyse

Unter dem Adjektiv „empirisch“ versteht man, dass etwas auf Erfahrung beruht.17 Mit Erfahrung ist hierbei die Informationsgewinnung mit Hilfe der Sinne gemeint. Dabei sind nicht lediglich die menschlichen Sinne gemeint. Vielmehr fallen hierunter auch technische Apparate, wie z.B. Kameras oder Mikroskope. Empirische Forschungsmethoden basieren damit auf der Informationsgewinnung bzw. Datenbeschaffung über die Realität bzw. Teilaspekte der Realität.18

Dabei gilt es eine empirische Frage zu beantworten. Hierfür müssen zunächst Daten gesammelt werden.19 Die Daten ergeben sich, wenn man gewisse Untersuchungseinheiten bzw. Merkmalsträger untersucht.20 Bei Untersuchungseinheiten handelt es sich z.B. um einzelne Personen, um Betriebe oder um Zeitungsartikel. Jedes Untersuchungsobjekt hat gewisse Merkmale, welche wiederum verschiedene Ausprägungen annehmen können.

B. Vorgang der empirischen Analyse

1. Grundgesamtheit und Stichprobe

Es muss festgestellt werden, welche Grundgesamtheit an Merkmalsträgern vorliegt. Als Grundgesamtheit bezeichnet man alle Merkmalseinheiten, die untersuchbar sind und welche die gleichen Merkmale bzw. gleiche Merkmalskombinationen aufweisen.21 Im Prinzip ließen sich sämtliche Stellenanzeigen untersuchen, was jedoch in der Praxis nicht durchführbar ist. Vielmehr wird man nur einen Bruchteil der Grundgesamtheit untersuchen können. Dieser Bruchteil wird dann als Stichprobe bezeichnet. Von den Ergebnissen aus der Untersuchung der Stichprobe kann dann auf die Grundgesamtheit geschlossen werden.22

Man unterscheidet bei der Auswahl der Untersuchungseinheiten zwischen willkürlicher, bewusster und zufälliger Auswahl.23 Im Rahmen dieser Abschlussarbeit erfolgt die Auswahl der Stellenanzeigen unter zuvor festgelegten Einschränkungen (s.u.) durch einfache Zufallsauswahl. Jeder Merkmalsträger der Grundgesamtheit hat hierbei die gleiche Chance, in die Stichprobe zu gelangen.24

2. Form der Datenerhebung und Festlegung der Merkmale

Grundsätzlich lassen sich drei verschiedene Instrumente der Datenerhebung unterscheiden. Dies sind Inhaltsanalyse, Beobachtung und Befragung. Zur Anwendung in dieser Abschlussarbeit kommt lediglich die Inhaltsanalyse. Diese ist zugleich eine Form der Datenerhebung und eine Analysetechnik, mittels derer Erkenntnisse bezüglich der zu analysierenden Objekte erlangt werden können. Hierbei erfolgt eine Zerlegung eines „Bedeutungsträgers“ in „Elemente“.25 Als Bedeutungsträger dienen im Rahmen der im Folgenden durchgeführten Analyse die Stellenanzeigen und die zu analysierenden Elemente stellen die einzelnen Anforderungen dar.

Zunächst wird ein Kategoriensystem erstellt, anhand dessen festgelegt wird, in welche Elemente die Dokumente zerlegt werden sollen.26 Jäger wählt eine Unterteilung nach Sozialkompetenz, Persönlichkeitskompetenz, Methodenkompetenz und Fachkompetenz.27 Unter dem Begriff Kompetenz versteht man „die Lern- und Leistungsfähigkeit des Menschen in anwendungsbezogenen beruflichen Kontexten.“28 Wie sich bei der Analyse noch zeigen wird, lassen sich die von den Unternehmen genannten Anforderungen jeweils einer solchen Kompetenz zuordnen. Daher wird für diese Abschlussarbeit diese Kategorisierung gewählt.

3. Vorgang der Analyse

Nachdem die Kategorien feststehen und die einzelnen Anforderungen den Kategorien zugeordnet werden können, muss nun festgestellt werden, in welcher Häufigkeit die einzelnen Anforderungen in den Stellenanzeigen genannt werden. Im Verhältnis zur Gesamtzahl der Stellenanzeigen lässt sich damit die Frage beantworten, welchen Stellenwert die einzelnen Anforderungen einnehmen. Eine häufige Nennung einer bestimmten Anforderung lässt darauf schließen, dass diese Anforderung eine wesentliche Bedeutung hat. Wird eine Anforderung nur vereinzelt genannt, ist sie nur bei diesen speziellen Unternehmen von Bedeutung, kann aber im Allgemeinen nicht als wesentliche Anforderung angesehen werden.

Welche Stellenanzeigen konkret in die Analyse einfließen, wird im nächsten Abschnitt erläutert.

VIII. Auswahl der zu analysierenden Stellenanzeigen

Die Auswahl der Stellenanzeigen erfolgte aus der Sicht eines Studierenden, welcher unmittelbar nach dem Studium eine berufliche Tätigkeit aufnehmen möchte und der keine weitere Berufsausbildung besitzt.

Die Stellenanzeigen wurden in Zeitraum zwischen dem 1. Mai 2014 und dem 31. Mai 2014 zufällig ausgewählt. Dabei war das Grundkriterium, dass von dem Bewerber ein wirtschaftswissenschaftliches Studium gefordert wird, wobei nicht explizit eine Ausrichtung auf die betriebliche Steuerlehre bzw. das Steuerrecht gefordert sein musste. Es reichte aus, dass der Aufgabenbereich der Stelle deutlich auf das betriebliche Steuerrecht ausgerichtet ist. Um eine Analyse zu ermöglichen, musste in den Stellenanzeigen ein klares Anforderungsprofil zu finden sein.

Als Quelle für die Stellenanzeigen wurden zunächst die Karriereseiten der sogenannten Big Four untersucht. Dies sind die vier umsatzstärksten Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften Deloitte, Price Waterhouse Coopers (PWC), Ernst & Young und KPMG.29 Relevante Stellenanzeigen konnten weiterhin über Online-Portale und Suchroboter gefunden werden. Als Online-Portale wurden http://www.stepstone.de und http://jobboerse.arbeitsagentur.de/ gewählt. Suchroboter durchsuchen sowohl mehrere Online-Portale, als auch die Websites der Unternehmen selbst. Als Suchroboter wurde http://www.indeed.de gewählt.

Die Durchsicht verschiedener (Fach-)Zeitschriften und Zeitungen wie das Handelsblatt, die Zeit oder die Süddeutsche Zeitung oder „Der Betrieb“ sowie der Stellenanzeigen auf den zughörigen Webseiten ergab, dass hier im beobachteten Zeitraum keine relevanten Stellenanzeigen zu finden waren.

Im Ergebnis fanden sich 317 Stellenanzeigen. Darunter sind 111 Stellenanzeigen von den Big Four Unternehmen, 106 Stellenanzeigen von Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften und 100 Stellenanzeigen von sonstigen Unternehmen. Bei den sonstigen Unternehmen handelt es sich in erster Linie um Industrieunternehmen verschiedener Branchen. Es fanden sich Stellengesuche z.B. für Steuerberater, Steuer- und Prüfungsassistent, Steuerspezialist, Consultant Tax oder Mitarbeiter Steuern. Dabei ließ die Bezeichnung meist nicht eindeutig auf die Anforderungen schließen, weswegen die Untersuchung nicht getrennt nach den Stellenbezeichnungen erfolgt ist.

Nach der Erläuterung der zu untersuchenden Stellenanzeigen erfolgt im folgenden Abschnitt die empirische Analyse der herangezogenen Stellenanzeigen.

IX. Analyse der Stellenanzeigen bezüglich der wesentlichen Anforderungen

Ausgehend von der oben erläuterten Kategorisierung nach Jäger werden im Folgenden die Stellenanzeigen bezüglich der unterschiedlichen Anforderungen analysiert. Zum besseren Verständnis erfolgt des Weiteren eine knappe Definition zu jeder Anforderung. Zwischen den Big Four, den Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften und den sonstigen Unternehmen können sich Abweichungen ergeben. Es soll eine getrennte Betrachtung nur dann erfolgen, soweit dies zu nennenswerten Erkenntnissen führt. Die Analyse beschränkt sich auf die wesentlichen Anforderungen, welche nicht nur vereinzelt in den Stellenanzeigen benannt werden, da eine allumfassende Analyse über die Beantwortung der Forschungsfrage hinausgehen würde.

A. Fachkompetenz

Die Fachkompetenz umfasst zum einen theoretische Kenntnisse, welche zur Erledigung der Aufgaben notwendig sind, und zum anderen auch praktische Fähigkeiten und Kenntnisse. Diese Fachkenntnisse lassen sich bei entsprechender Begabung erlernen, trainieren und gegebenenfalls verändern.30 Die Fachkompetenz unterteilt sich in elementare Fähigkeiten, auch bezeichnet als Kernkompetenz, und spezielle Kenntnisse und Fähigkeiten, welche für den jeweiligen Beruf relevant sind.31

1. Elementares und spezialisiertes Allgemeinwissen

Das Elementare Allgemeinwissen umfasst grundlegende Fähigkeiten wie Lesen, Schreiben, Reden, Rechnen und logisches Denken sowie darüber hinaus Fremdsprachenkenntnisse und Kenntnisse in der Anwendung verschiedener EDV-Software (wie z.B. MS Office). Diese Kenntnisse werden in der Regel in der schulischen Laufbahn oder durch die allgemeine Lebenserfahrung aufgebaut. Spezialisiertes Allgemeinwissen umfasst gehobene Literaturkenntnisse, höhere Mathematik oder spezielle Computeranwendungen (wie z.B. DATEV oder SAP). Diese Kenntnisse werden vor Allem im Rahmen des Studiums oder während der Berufsausbildung bzw. beruflichen Tätigkeit entwickelt.32

In den Stellenanzeigen kommt die Anforderung solcher Fähigkeiten unter den Begriffen Zahlenverständnis, EDV- bzw. IT-Kenntnisse und Fremdsprachen- bzw. Englisch-Kenntnisse zum Ausdruck. Welche Kenntnisse konkret von den Unternehmen gefordert werden, wird in den folgenden Abschnitten erläutert.

a) Zahlenverständnis

Zahlenverständnis bedeutet, sich mit Zahlen besonders gut auszukennen bzw. gut mit Zahlen umgehen zu können.33 Zahlenaffinität bedeutet darüber hinaus, eine Vorliebe für Zahlen zu haben.34 Es konnte nachgewiesen werden, dass das Zahlenverständnis nicht angeboren und eng an die Sprache gekoppelt ist.35 Das Verständnis sollte nicht auf das reine Zählen beschränkt sein, sondern auch die vier Grundrechenarten, Prozentrechnung und das Rechnen mit Brüchen und Dezimalzahlen sollten sicher beherrscht werden.36 Spezielle Kenntnisse im Bereich der Wirtschaftsmathematik, wie sie im Rahmen des Studiums der Wirtschaftswissenschaften vermittelt werden, ergänzen das grundlegende Zahlenverständnis. Schon aus den gesetzlichen Normen ist erkennbar, dass bei der Anwendung der Gesetze ein gutes Zahlenverständnis notwendig ist. Betrachtet man z.B. § 32a EStG zur Berechnung der tariflichen Einkommensteuer für einen Steuerpflichtigen mit einem zu versteuernden Einkommen zwischen 13.470 € und 52.881 €, ergibt sich die tarifliche Einkommensteuer aus der Formel „ “, wobei z „ein Zehntausendstel des 13 469 Euro übersteigenden Teils des auf einen vollen Euro-Betrag abgerundeten zu versteuernden Einkommens“ ist (vgl. § 32a Abs. 1 S. 1 Nr. 3 und S. 4 EStG).

In 6,31 % der gesamten Stellenanzeigen wird ein gutes Zahlenverständnis bzw. Zahlenaffinität gefordert. Dabei wird in 14,00 % der Stellenanzeigen der sonstigen Unternehmen und in 4,50 % der Stellenanzeigen der Big Four dieses Zahlenverständnis gefordert. Lediglich in 0,94 % der Stellenanzeigen von Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften wird ein gutes Zahlenverständnis explizit gefordert.

An der Hochschule Essen werden seit 1979 Eingangswissenstests mit Studienanfängern durchgeführt. Dass die Forderung nach Zahlenverständnis durchaus gerechtfertigt ist, zeigen die Ergebnisse der Tests mit Studienanfängern im Sommersemester 2012. Man konnte feststellen, dass bei der Bearbeitung der Aufgaben nicht schlampig und nachlässig gearbeitet wurde und dass eine „totale Abhängigkeit vom Taschenrechner bereits bei einfachsten Rechnungen“ besteht.37

b) Sprachkenntnisse

Bis auf wenige Ausnahmen werden lediglich englische Sprachkenntnisse gefordert. In diesem Abschnitt werden daher die Anforderungen an Bewerber bezüglich der englischen Sprache untersucht.

Die Analyse der Stellenanzeigen ergab folgendes Ergebnis:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es ist deutlich erkennbar, dass im Bereich der steuerlichen Berufe englische Sprachkenntnisse von einer großen Anzahl der Unternehmen gefordert werden. Hierbei fällt auf, dass insbesondere die Big Four (90,99 %) und die sonstigen Unternehmen (82,00 %) Englisch-Kenntnisse voraussetzen. Aber auch die Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften fordern in einer Mehrzahl der Stellenanzeigen (54,72 %) Kenntnisse der englischen Sprache. Im Schnitt werden zu 30,91 % gute und zu 23,97 % sehr gute Englisch-Kenntnisse gefordert. In 17,67 % der Stellenanzeigen werden die gewünschten Kenntnisse mit Begriffen wie verhandlungssicher, fließend oder praxisorientiert beschrieben. Was die Unternehmen von den Bewerbern erwarten, wenn sie diese Begriffe wählen, kann man aus den möglichen Sprachnachweisen ableiten. So gibt es Zertifikate, welche das Sprachniveau nach den Niveaustufen des Europäischen Referenzrahmens für Sprachen bescheinigen. Hierbei reichen die Sprachkenntnisse vom Niveau eines Lernanfängers (A1) bis zum Experten (C2). Fließende Sprachkenntnisse sind nach dieser Kategorisierung ab einem Sprachniveau ab Stufe C1 anzunehmen.38 Das Cambridge Zertifikat bescheinigt Sprachkenntnisse auf Niveaustufen von A1 bis C2. Speziell für die berufliche Qualifikation dient der TOEIC (Test Of English for International Comunication), welcher die Sprachkenntnisse mit den Niveaustufen A1 bis C1 zertifiziert. Neben den zwei genannten Zertifikaten gibt es noch einige weitere.39 Ebenso können Sprachkenntnisse über Zeugnisse der Schulen oder über abgelegte Prüfungen an Hochschulen nachgewiesen werden.

[...]


1 Vgl. URL: Statistisches Bundesamt (2013) S.63.

2 Vgl. URL: univativ GmbH & Co. KG (2013) S.9.

3 Vgl. ebd. S. 12.

4 Vgl. URL: Schaeper (2014) S. 34ff

5 Vgl. ebd. S. 1ff

6 Vgl. URL: Heidenreich (2011) S.2f

7 Vgl. Braun (2012) S.26

8 Vgl. Braun (2012) S.25f

9 Vgl. z.B. URL: Georg-August-Universität Göttingen - Durch entsprechende Modulwahl kann der Schwerpunkt „Finanzen, Rechnungswesen, Steuern“ im Zeugnis ausgewiesen werden.

10 Vgl. z.B. URL: Fachhochschule Worms

11 Vgl. z.B. URL: DHBW Duale Hochschule Baden-Württemberg

12 Vgl. z.B. URL: Fernuniversität Hagen

13 Vgl. Scholze-Stubenrecht (2011) S.144 „Anforderung“

14 Vgl. Weuster (2012) S.37

15 Vgl. ebd. S.44

16 Vgl. ebd. S.44f

17 Vgl. Scholze-Stubenrecht (2011) S.510 „empirisch"

18 Vgl. Stier (1999) S.4f

19 Vgl. Beller (2008) S.11

20 Vgl. Raithel (2008) S.37

21 Vgl. ebd. S.54

22 Vgl. Beller (2008) S.85

23 Vgl. Raithel (2008) S.55

24 Vgl. Eckstein (2014) S.16

25 Vgl. Stier (1999) S.161f

26 Vgl. ebd. S.164ff

27 Vgl. URL: Jäger (2011) S.78

28 Sonntag (2012) S.188

29 Vgl. URL: Lünendonk GmbH (2013) S.1

30 Vgl. Lang (2000) S.33

31 Vgl. URL: Jäger (2011) S.131

32 Vgl. URL: Jäger (2011) S.131f

33 Vgl. Scholze-Stubenrecht (2011) S.1909 "verstehen"}

34 Vgl. ebd. S.114 "-affin"

35 Vgl. Spaepen (2011)

36 Vgl. Lang (2000) S.33

37 Vgl. Bausch (2014) S.10f

38 Eine genaue Beschreibung der Niveaustufen findet sich auf http://www.europaeischer-referenzrahmen.de/ (geprüft am 15.07.2014)

39 Eine gute Übersicht über die Zertifikate findet sich auf http://www.europaeischer-referenzrahmen.de/englisch-sprachzertifikate.php (geprüft am 15.07.2014)

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Titel: Anforderungsprofile in Stellenanzeigen