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Bilderbücher analysieren in der Grundschule. „Stimmen im Park“ von Anthony Browne und „Die Insel“ von Armin Greder

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 43 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Auswahl
2.1 Generelle Problematik
2.2 Bilderbücher analysieren
2.2.1 Inhaltliche, sprachliche und erzählerische Ebene
2.2.2 Visuelle Ebene
2.2.3 Typographische Gestaltung
2.3 Bilderbücher auswählen und präsentieren

3 Anthony Browne: Stimmen im Park
3.1 Biografisches zu Anthony Browne
3.2 Inhalt & Typografie
3.3 Analyse & Deutung
3.3.1 Inhaltliche Ebene
3.3.2 Bildliche Ebene
3.4 Legitimation für den Einsatz des Buches
3.4.1 Literarische Qualität
3.4.2 Pädagogische Qualität
3.4.3 Bildqualität

4 Armin Greder: Die Insel. Eine tägliche Geschichte
4.1 Biografisches zu Armin Greder
4.2 Inhalt & Typografie
4.3 Analyse & Deutung
4.3.1 Inhaltliche Ebene
4.3.2 Bildliche Ebene
4.4 Legitimation für den Einsatz des Buches
4.4.1 Literarische Qualität
4.4.2 Pädagogische Qualität
4.4.3 Bildqualität

5 Umsetzung in den Literaturunterricht
5.1 Grundlegendes
5.1.1 Klassenzuordnung „Stimmen im Park“
5.1.2 Klassenzuordnung „Die Insel“
5.2 Hinführung zum Bilderbuchinhalt
5.2.1 Einstieg
5.2.2 Erlesen des Bilderbuches
5.3 Literarisches Unterrichtsgespräch
5.4 Handlungs- und produktionsorientierte Umsetzung
5.4.1 „Stimmen im Park“
5.4.2 „Die Insel“
5.5 Textanalytische Verfahren
5.6 Fächerübergreifende Verfahren

6 Schluss

7 Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)
a) Primärliteratur
b) Sekundärliteratur

1 Einleitung

Im Folgenden wird erläutert, welche Ziele man als Lehrer im Literaturunterricht erreichen und wie dies umgesetzt werden kann. Es wird näher darauf eingegangen, inwiefern Bilderbücher zur literarischen Bildung, zur Leseförderung und zur ästhetischen Bildung beitragen können.

Nach einer kurzen Einführung zur Auswahl der richtigen Bilderbücher für den Grundschul-Unterricht werden praktische Beispiele behandelt. Die Bilderbücher „Stimmen im Park“ von Anthony Browne und „Die Insel“ von Armin Greder werden vorgestellt, analysiert, gedeutet und ihre Möglichkeiten zum Einsatz im Unterricht nahe gebracht und fachdidaktisch begründet.

2 Auswahl

2.1 Generelle Problematik

Die Frage, welches Buch im Unterricht behandelt werden soll, ist eine Frage, die sich jeder Lehrer immer wieder aufs Neue stellen muss und sich dabei nicht selten überfordert fühlt. In erster Linie belastet einen die Tatsache, dass man stellvertretend für die Schüler ein Urteil fällen muss über etwas, was eigentlich für die Kinder gedacht ist. Auch die Zweifel, ob das eigene Urteil über die Qualität einzelner Bücher nicht zu subjektiv ist und die Frage, warum es keine besseren Auswahlkriterien gibt, beschäftigen viele Lehrer. Sahr hat für diese Problematik ein meiner Meinung nach sehr einleuchtendes Bild formuliert: Er spricht von einem „Vorkoster“, der ein Buch hinsichtlich seiner Bekömmlichkeit probieren muss und gleichzeitig die Zusammensetzung der Speise analysieren und gesunde und ungesunde Zutaten erkennen und voneinander trennen muss. Dies alles wohl wissend, dass sich seine Geschmacksnerven von denen der Kinder unterscheiden (vgl. Sahr 1998, 6 ff.). Auch wenn Sahr meines Erachtens in dieser Symbolik einen rein analytischen Blick auf das Buch wirft und Wirkung etc. vernachlässigt, wird daran deutlich, vor welchem Problem man als Lehrer steht, wenn man ein geeignetes Buch für seine Klasse auswählen möchte. Ein weiteres Problem stellt die Tatsache dar, dass selten Einigkeit in der Beurteilung herrscht. Bücher, die manche als empfehlenswert bezeichnen, sind für andere minderwertig, da die Beurteilung abhängig ist von individuellen Erziehungsgrundsätzen und Wertvorstellungen und vom persönlichen Geschmack der Rezensenten. Dementsprechend lässt sich im Folgenden kein allgemeingültiges starres Raster zeigen, an Hand dessen man jedes Buch in „gut“ oder „schlecht“ klassifizieren kann. Es geht vielmehr darum, eine allgemeine Basis zu zeigen, von der aus Bewertungsaspekte entwickelt werden können.

Konzepte darüber, wie diese Basis auszusehen hat gibt es zahlreiche. Gemeinsam ist heutzutage allen, dass sie die Schülerorientierung als zentralen Aspekt sehen, als Beispiel: „Die Auswahl eines Textkorpus (...) setzt hinsichtlich der zu erwerbenden literarästhetischen Kategorien eine sorgfältige sozialisationsbezogene, in Teilen auch individuelle Schülerorientierung voraus.“ (Vincon 2004, 53).

Hilfe bei der Auswahl können neben Buchhändlern auch Mitarbeiter der Bibliotheken sein. Einen großen Beitrag leistet auch der Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V., München, der vierteljährlich die Fachzeitschrift JuLit herausgibt und seit 1956 jährlich den Deutschen Jugendliteraturpreis vergibt. Auf der Homepage (http://www.jugendliteratur.org) kann man die über 2500 Bücher, die seit 1956 gewürdigt oder nominiert worden sind, in einer Datenbank suchen und Kurzes über ihren Inhalt, ihren Stil und ihre Wirkung erfahren.

Im Folgenden wird der Fokus wieder auf das Bilderbuch gelegt, wenn auch viele Aspekte im Bereich „Auswahl“ auf Kinder- und Jugendliteratur allgemein zu treffen.

2.2 Bilderbücher analysieren

Wer jetzt auf einen starren Kriterienkatalog hofft, der wird enttäuscht sein. „Es gibt kein allumfassendes Analysemodell, das der Komplexität jedes einzelnen Bilderbuches und seiner Erzählform gerecht würde. Die Bilderbuchanalyse muss sich auf jedes Buch neu einlassen, um die je spezifischen Qualitäten zu erfassen“ (Thiele 2003, 79).

Die Beurteilung der Bilderbücher muss sich auf beide Ebenen erstrecken: zum einen muss die inhaltliche Ebene analysiert und beurteilt werden, wie es bei jedem anderen Buch auch der Fall wäre. Zusätzlich muss aber auch der visuellen Ebene eine Beurteilung zukommen, die neben Analyse der Qualität auch berücksichtigt, inwiefern die Verknüpfung der Ebenen gelungen ist.

2.2.1 Inhaltliche, sprachliche und erzählerische Ebene

Im Folgenden soll gezeigt werden, welche Fragen bei der Analyse helfen können. Orientiert habe ich mich an den Kriterien, die Maier im Namen des Arbeitskreises für Jugendliteratur festgehalten hat (vgl. Maier 1978, 35 ff.), auch wenn diese zum Teil Kritik geerntet haben. Da diese Kriterien aber zum Teil noch immer Grundlage für die Verleihung des Deutschen Jugendliteraturpreises sind und wichtige Aspekte genannt werden, habe ich mich dafür entschieden, sie kurz wiederzugeben. Maier teilt seine Anregungen zu Analyse und Beurteilung in drei Aspekte, die meiner Meinung nach nicht so eindeutig getrennt werden sollten, sondern integrativer betrachtet werden müssen:

2.2.1.1 Literarischer Aspekt

Bei diesem Aspekt geht es um das Was und das Wie, also die Form- und Aufbauanalyse.

Welches Thema wird wie dargestellt? Welches Konzept von Wirklichkeit wird dargestellt und vermittelt? Handelt es sich um ein eher realistisches oder eher phantastisches Buch? Wie werden Menschen, die Gesellschaft und ihre Probleme dargestellt? Welche Konflikte ergeben sich und wie werden sie gelöst? Welcher Gattung gehört das Werk an, wie ist es aufgebaut und wie lässt sich seine Sprache und sein Stil beschreiben?

2.2.1.2 Leserpsychologisch – kommunikativer Aspekt

In erster Linie muss man sich fragen, an welchen Adressaten sich das Buch richtet, also an welches Alter, Geschlecht, Reifestand, welche Interessen aufgegriffen werden und welcher Sozialtypus sich angesprochen fühlt (Familie, Milieu, schichtspezifische Bedingungen...).

In einem zweiten Schritt nähert man sich den Formen des Autors oder der Autorin, durch die mitgeteilt und beeinflusst wird: passiert dies eher auf emotional-affektivem Weg, also durch gefühlsbetonte Sprache, Appell, Provokation, oder durch rationale, argumentierende Sprache, die überzeugen will.

Ein weiterer Gesichtspunkt ist ob die Momente des Buches angemessene oder kindfremde Sprachmittel nutzen und inwieweit Denken und Phantasie stimuliert werden. Zu der Problematik der „kindgemäßen“ Inhalte später mehr. Ausschlaggebend ist auch, durch welche Maßnahmen der Erwachsenen Kommunikations- und Verständigungs-schwierigkeiten beseitigt werden können.

2.2.1.3 Pädagogisch – funktionaler Aspekt

Hierbei geht es zum einen um die zu erwartende Leserhaltung: unterhält das Buch oder informiert es, wirft es neue Fragen auf, zum Beispiel durch kritische Weltbetrachtung? Man muss sich über vermutliche und tatsächliche Wirkungen Gedanken machen.

Außerdem sind die Absichten und Interessen des Autors / der Autorin von Bedeutung und wie direkt oder indirekt diese im Buch verankert sind.

Von enormer Bedeutung ist auch die mögliche Identifikation für Leserinnen und Leser. Welche Figuren regen zur Nachahmung oder Ablehnung an? Werden Normen bestätigt oder verunsichert? Wird ein Rollenverständnis gefestigt oder korrigiert? Welche Gruppen- und Sozialverhältnisse regen die gesellschaftliche Reflexion?

Dahrendorf nennt vier didaktische Kriterien, die ein Buch erfüllen sollte. Als erstes nennt er den Leseanreiz, den die Kinder und Jugendlichen durch lesestimulierende Merkmale, wie zum Beispiel Spannung, erfahren sollen, auch wenn diese natürlich ganz subjektiv wahrgenommen werden. Als zweite Instanz sieht er die Anforderungen, die ein Text an seine Leser stellen soll. Diese sind durch verschiedene formale und inhaltliche Faktoren bedingt und führen zu unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Die Anknüpfung an Vertrautes sieht er als weitere Basis für die didaktische Nutzung eines Buches. Das Vertraute muss nicht aus dem Alltag der Kinder sein, sondern kann sich auch auf Gewünschtes, Vorstellbares und Neues beziehen, solang gewährleistet ist, dass der Leser dort abgeholt wird wo er ist. Als letzte Instanz nennt Dahrendorf neue Erfahrungen und Lernen. Ein gutes Buch bietet Erfahrungsmöglichkeiten und Lernanlässe. Man kann über sich, andere und/oder Aspekte der Welt etwas lernen und gleichzeitig Neugier für seine Umwelt entwickeln (vgl. Dahrendorf 1996 , 24ff.).

Festzuhalten ist also, dass man ein Buch nicht einfach Lesen und dann beurteilen kann. Man muss gezielte Frage stellen, deren Antworten einem Aufschluss geben, mit was für einem Buch man es zu tun hat und welche Konsequenzen sich daraus ergeben, man muss also differenzieren. Aus der Beantwortung der Fragen ergibt sich ein Urteil, das es einem ermöglicht, Stärken und Schwächen des jeweiligen Buches abzuwiegen. Meiner Meinung nach ist es nötig, ein Bilderbuch:

1. nach seiner literarischen Qualität zu hinterfragen, das heißt, die Einheit von Sprache und Bild beurteilen, die Komplexität der dargestellten Welt beurteilen, klären, ob die Figuren nur eindimensional oder differenziert beschrieben werden und die Sprache analysieren. Das Buch soll die Fantasie der Kinder anregen und ihnen Erfahrungen ermöglichen und sie gleichzeitig sprachlich fördern. Das heißt, dass die Sprache zum einen verständlich sein muss, zum anderen aber auch der Wortschatzerweiterung dienen sollte. Erzählerisch muss das Buch, den Leser/die Leserin so fesseln, dass sie am Fortgang und am Ende der Geschichte interessiert sind.
2. nach seiner pädagogischen Qualität zu hinterfragen, also ob es ein wichtiges Thema bearbeitet, ob es dabei hilft die Welt besser zu verstehen, ob es das Zusammenleben von Menschen realistisch wiedergibt und sozial mit Fremdem umgeht. Es muss den Erfahrungshorizont erweitern und gleichzeitig einen Punkt zum Anknüpfen anbieten.
3. nach seiner Bildqualität hin zu untersuchen: werden zeitgemäße Bilderfahrungen berücksichtigt und aufgegriffen, ist die symbolhafte Darstellung hoch genug, so dass das Buch nicht unterfordert und regt die visuelle Ebene auch die Fantasie an?

Nach Beantwortung solcher Fragen, sollte abgewogen werden, welches Buch geeignet ist. Ein vielfältiges Angebot ermöglicht es, den Kindern sowohl eine Auswahl zu bieten, als auch die Kinder an der Entscheidung welches Bilderbuch genauer thematisiert wird teilhaben zu lassen.

2.2.2 Visuelle Ebene

Das vielfältige Bildangebot der Medien und die frühen Erfahrungen mit Bildsprache sollten nicht außer Acht gelassen werden. Daraus ergibt sich, dass ein Bildangebot in Bilderbüchern die Kinder nicht unterschätzen sollte. Trivialisierung des Formbestandes ist aber leider häufig in Bilderbüchern zu finden, da dies als kindgemäß missverstanden wird. Deswegen lohnt es sich, die Fragen von Grünewald zu stellen : „Ist der Stoff adäquat künstlerisch gestaltet, treffen die Bilder den Charakter der Erzählung, ist die Sprache (erzählerisch in Einklang mit den Bildern) angemessen funktional, bietet das Buch anregende Seherfahrungen, Widerhaken zum Mit- und Weiterdenken, korrespondiert es mit dem Horizont (...) der Zielgruppe?“ (Grünewald 1991, 9). Die Bilder sollen also nicht nur ansprechend sein, sondern die inhaltliche und formale Gestaltung muss als einheitliches Ganzes überzeugen. Ein gutes Bilderbuch erkennt man daran, dass Bild- und Wortsprache originell aufeinander bezogen sind und die Gefühls- und Erlebniswelt der Kinder angesprochen werden.

2.2.3 Typographische Gestaltung

Die typographische Gestaltung soll die Aufnahme und Verarbeitung des Inhaltes erleichtern. Eine angemessene Schriftgröße, die Wahl einer eindeutigen Schriftart, ein angemessener Zeilenabstand und das Nutzen von Typographie als Gestaltungsmittel sind Kriterien für ein gutes Bilderbuch.

2.3 Bilderbücher auswählen und präsentieren

Nach der Buchanalyse ist zu entscheiden, ob man das Bilderbuch für geeignet hält. Dies ist nicht gleichzusetzen mit der Frage, ob man das Buch für gelungen hält, da qualitativ hochwertige Bücher nicht zwangsläufig jeden Geschmack treffen und qualitativ minderwertige Bücher trotzdem Lerngegenstand sein können, zum Beispiel um eben das Minderwertige vom Anspruchsvollen zu unterscheiden.

Ansonsten kann der Einsatz von minderwertigen Büchern aber „fatale Konsequenzen“ haben: „Bei mangelnder Qualität können nämlich viele Texte das nicht leisten, was der Anspruch (...) ist: Kinder an das Lesen zu binden.“ (Rank 2004, 196). Leider muss man vor allem im Sektor der Erstlesewerke häufig auf Bücher treffen, die den hier gestellten Ansprüchen nicht entsprechen.

In allen Klassenzimmern sollten Bücher allgemein und darunter auch Bilderbücher, (Sachbilderbücher und erzählende), Teil der anregenden Lernumgebung sein. Wichtig ist dann, dass man sich als Lehrperson oder zusammen mit seinen Schülern dafür entscheidet, ob das Bilderbuch „nur“ in die Leseecke aufgenommen werden soll, oder ob sich an und mit dem Buch wichtige Unterrichtsthemen behandeln lassen. Dies ist natürlich abhängig von unterschiedlichen Faktoren, wie Klassenstufe, Lehrplan, bereits Behandeltem, aktuellen Themen in der Gesellschaft und/oder in der Klasse etc.

Im praktischen Teil dieser Arbeit wird an zwei Bilderbüchern gezeigt, welche Faktoren für den Einsatz dieser Bücher sprechen. Allgemein lässt sich nur erneut betonen, dass es kaum ein Thema gibt, das nicht durch den Einsatz eines Bilderbuches bereichert, angestoßen oder abgeschlossen werden kann, und dass es zahlreiche Bilderbücher gibt, die es wert sind, selbst Gegenstand des Literaturunterrichts zu sein.

Man muss sich für Bilderbücher entscheiden, die die Kinder in verschiedenen Bereichen fördern: auf sensorischer, kognitiver und emotional-sozialer Ebene. Auch die Möglichkeiten der Bilderbücher als Beitrag zur Medienkompetenz sollten bei der endgültigen Auswahl präsent sein, ein gutes Bilderbuch muss also das „Bilderlesen“ entwickeln und fördern können.

3 Anthony Browne: Stimmen im Park

3.1 Biografisches zu Anthony Browne

Der 1946 in Sheffield geborene Anthony Browne lernte das Zeichnen an der Art School Leeds und anschließend als anatomischer Zeichner. Er wird von Journalisten oft als genialer und unverwechselbarer Einzelgänger bezeichnet. Mit Bilderbüchern beschäftigt er sich seit über 20 Jahren, 1976 erschien sein erstes Bilderbuch. 1985 erhielt er den Deutschen Jugendliteraturpreis für „Mein Papi, nur meiner!“. 1998 erschien „Stimmen im Park“, das 1999 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert wurde und dann im Jahr 2000 den Hans Christian Andersen Award gewann, die höchste sowie angesehenste internationale Auszeichnung für Kinderbuchautoren und -illustratoren. Auch der LUCHS #139 gilt den „Stimmen im Park“.

Trotz der Auszeichnungen und der guten Kritiken gilt Anthony Browne aber noch immer als Geheimtipp. Das mag unter anderem daran liegen, dass seine Figuren und Bilder nie den kommerziellen niedlichen Bilderbüchern ähneln. Anthony Browne nimmt seine Leserschaft ernst, behandelt Ängste und Konflikte und setzt diesen Plan sowohl auf inhaltlicher als auch auf visueller Ebene um. Heute lebt er mit Frau und Kindern in Kent.[1]

3.2 Inhalt & Typografie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 Aus: Browne, Anthony (1998): Stimmen im Park. Oldenburg: Lappan Verlag

Die Geschichte des Bilderbuches ist eigentlich schnell erzählt. In einem Park treffen sich zufällig vier verschiedene Charaktere, zwei Erwachsene und zwei Kinder. Die Geschichte wird viermal erzählt, jeweils aus der Perspektive der einzelnen Figuren. In den einzelnen Episoden kommt jeweils eine „Stimme“ zu Wort. „Anthony Browne macht das lapidare, kleine Ereignis zu einem faszinierenden Einblick in die unterschiedlichen Wahrnehmungs- und Erlebnisformen der beteiligten Personen.“ (Thiele 2000a, 17).

Das Bilderbuch beginnt mit der Stimme einer reichen Mutter. Sie geht mit ihrem Sohn und ihrem „reinrassigen“ Hund in einem Park spazieren. Sie benimmt sich abweisend und kalt, kommandiert Hund und Sohn auf lieblose Art und verbietet den beiden das Spielen mit einem anderen Hund beziehungsweise einem Mädchen. Ihr Blick auf die Welt zeigt eine herbstliche Landschaft und sie nimmt kaum etwas wahr.

Als zweites lernt man die Perspektive eines arbeitslosen Vaters kennen. In seiner Welt ist Winter und er nimmt kaum Teil am Leben, sondern versteckt sich hinter seiner Zeitung und liest Stellenangebote. Die Straßen, durch die er mit seiner Tochter läuft sind gekennzeichnet durch hohe Wohnblocks und Mauern.

Als nächstes kommt die Stimme des Sohnes Charles zu Wort. Wie schon bei seiner Mutter sieht man gepflegte Umgebung. Sein grauer winterlicher Alltag wird zunehmend heller und frühlingshafter je näher er das Mädchen kennen lernt.

Die letzten Seiten des Bilderbuches beschäftigen sich mit Sonnenschein, der Tochter. Die Welt aus ihren Augen ist bunt und sommerlich. Während die Kinder miteinander spielen entwickelt sich der Park zu einer Märchenlandschaft voller Farbe und Freude.

Nicht nur die Sprache der Bilder und die Perspektive verändert sich mit dem Wechsel der Stimmen, sondern auch die Typografie. Die Mutter besitzt eine „serifenbetonte Antiqua, eine nüchterne Groteskschrift für (...) [den] Vater, eine hauchzarte Egyptienne für den schüchternen Charles und eine kräftige, der Handschrift nahe Schrift für Sonnenschein.“ (Kretschmer 2003, 59).

[...]


[1] Alle biografischen Informationen stammen von: http://de.wikipedia.org/wiki/Anthony_Browne Stand: 10.08.2007

Details

Seiten
43
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656770466
ISBN (Buch)
9783668390188
Dateigröße
760 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v282585
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Note
1,5
Schlagworte
bilderbücher grundschule stimmen park anthony browne insel armin greder

Autor

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