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Außen- und innenpolitische Entwicklungen in Schweden während der Zwischenkriegszeit

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 23 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Zeitalter Weltkriege

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Innenpolitische Entwicklungen in Schweden
2.1 Die Situation vor 1930
2.2 Krisenpolitik ab 1930

3. Das Volksheim
3.1 Geschichtliche Hintergründe
3.2 Die Volksheimrede von 1928
3.3 Das Programm
3.4 Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges

4. Außenpolitik und Beziehungen zum Dritten Reich
4.1 Vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten
4.2 Die schwedische Reaktion auf die Machtergreifung
4.3 Die Jahre 1933-1938
4.4 Die Wende in der nationalsozialistischen Außenpolitik ab 1938
4.5 Die Lage vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges

5. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Zwischenkriegszeit war in vielerlei Hinsicht eine bemerkenswerte Epoche. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges waren die Staaten in Europa oft von einer ausgeprägten wirtschaftlichen und politischen Instabilität gekennzeichnet. So war die Menschheit gezwungen ihre bisherigen Überlegungen und Strategien zu überdenken. Der Völkerbund bemühte sich vorrangig um neue Wege auf dem Gebiet der zwischenstaatlichen Kommunikation und Konfliktlösung. So kam es zu einer regelrechten Demokratisierungswelle, welche auch den Aufbruch alter Gesellschafts-formen mit sich brachte. Andererseits kann man aber auch von einer gewissen Kontinuität in dieser Zeit sprechen, wenn man das Fortschreiten der Industrialisierung und Modernisierung betrachtet. Wirtschaftliche und technische Neuerungen resultierten in einer umfassenden Modernisierung der westlichen Gesellschaften, auch wenn gegen Ende der Epoche viele dieser Fortschritte wieder rückgängig gemacht wurden. Darüber hinaus hielt auch der Trend zur Urbanisierung weiterhin an. So wuchsen vor allem die größeren Städte und brachten neue Lebensstile hervor.[1]

Auch Schweden durchlebte diese Zeit und soll im Mittelpunkt dieser Hausarbeit stehen. Wie auch in anderen europäischen Staaten waren vor allem die 1920er Jahre von einem wirtschaftlichen Aufschwung gekennzeichnet. In dieser Zeit wurde beispielsweise der Grundstein für industrielle Großunternehmen gelegt, welche bis in die Gegenwart Bestand haben. Die politische Situation war durch eine Verstärkung der Gegensätze zwischen dem bürgerlichen Block und den Sozialdemokraten gekennzeichnet. Zudem hatten die Konservativen, die Liberalen und der neu entstandene Bauernbund unterschiedliche Anschauungen in mehreren zentralen politischen Fragen. So gab es eine Reihe von Minderheits-regierungen und häufige Regierungswechsel in dieser Zeit.[2]

In den 1930er Jahren erfasste die Weltwirtschaftskrise auch Schweden und eine neue Regierung unter dem Sozialdemokraten Per Albin Hansson leitete eine Reformpolitik ein, um den negativen Entwicklungen entgegenzuwirken. Ein Programm für den Aufbau eines Wohlfahrtsstaates wurde ausgearbeitet und sollte ab Mitte der 1930er Jahre umgesetzt werden. Der Ausbrauch des Zweiten Weltkrieges verzögerte dieses Vorhaben jedoch und stellte Schweden vor neue Herausforderungen.[3]

Die hier angerissenen Schwerpunkte sollen im weiteren Verlauf der Arbeit näher erläutert werden, um ein besseres Verständnis von der innen- und außenpolitischen Situation während der Zwischenkriegszeit zu bekommen. Dabei sollen vorrangig die Jahre 1930-1939 betrachtet werden. Zudem werden im zweiten Teil die Beziehungen zum Dritten Reich aufgegriffen und näher beleuchtet. Die Arbeit schließt letztlich mit einer Auswertung des Vorangegangenen ab.

2. Innenpolitische Entwicklungen in Schweden

2.1 Die Situation vor 1930

Während des Ersten Weltkrieges hatte Schweden seine Neutralität erklärt, um auch weiterhin mit allen kriegsführenden Nationen Handel treiben zu können. Das Beharren auf den Handelsbeziehungen mit Deutschland führte jedoch zu einer Handelsblockade seitens der USA und Großbritannien, während sich zugleich die Versorgungslage extrem verschlechterte. Folglich musste die Regierung zurücktreten und bei den Wahlen zur Zweiten Kammer des Reichstages 1917 gewannen die Sozialdemokraten zusammen mit den Liberalen eine klare Mehrheit.[4]

Der Reichstag selbst gliederte sich in zwei Kammern: Die Erste Kammer wurde von lediglich 6.000 Wahlberechtigten der privilegierten Schicht bestimmt und war durch eine Dominanz der traditionellen Kräfte gekennzeichnet. Die Macht dieser Kammer zeichnete sich darin aus, dass ohne ihre Zustimmung keine Gesetzte erlassen werden konnten. Die Zweite Kammer richtete ihr Wahlrecht nach dem Besitzstand und schloss damit ebenfalls große Teile der Bevölkerung aus. Frauen waren gänzlich von der Wahl ausgeschlossen. Zudem besaß König Gustav V. Adolf bedeutende Vorrechte, wie das Vetorecht oder Initiativrecht. Es gab demnach kein allgemeines und freies Wahlrecht und auch keine parlamentarisch verantwortliche Regierung.[5]

Zwar lag die Macht nach den Reichstagswahlen von 1917 nun erstmals in den Händen demokratisch gesinnter Kräfte, die neue Koalition wurde jedoch durch die von traditionellen Kräften dominierte Erste Kammer blockiert. Eine wirkliche Demokratisierung konnte nur durch ein allgemeines und gleiches Wahlrecht erreicht werden. Dieses wiederum war mit einer Verfassungsänderung verbunden, welcher sich die Konservativen vorerst wiedersetzten. Erst mit der Gefahr eines drohenden Bürgerkrieges und der Abdankung des deutschen Kaisers Wilhelm II. stimmten sie einer Verfassungsänderung zu.[6]

Die damit begründete Demokratie war allerdings unmittelbar mit den ersten Belastungsproben konfrontiert. So zerbrach das Bündnis aus Sozialdemokraten und Liberalen aufgrund von inneren Differenzen bezüglich der Rolle des Staates in der Wirtschaft nach der Erreichung eines gemeinsamen politischen Zieles. Da keine Mehrheiten zustanden kamen, wechselten die Minderheitsregierungen im Folgenden häufig.[7]

Allein in der Zeit von 1920-1933 lösten neun unterschiedliche Regierungen einander ab. Die Durchsetzung einer langfristigen Politik war daher kaum möglich. Verursacht wurden diese politischen Schwierigkeiten teils durch die schlechten Beziehungen der Parteien zueinander und teils vom Fehlen eines konsequenten politischen Programms zur Bewältigung der grundlegenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten.[8]

Zudem verschob sich die Trennungslinie im politischen Spektrum, da ein bürgerliches Lager entstand. Dieses bestand aus Konservativen, Liberalen und dem neu gegründeten Bauernbund und stand nun den Sozialdemokraten sowie Kommunisten gegenüber. Die Kluft zwischen diesen Lagern war nicht unbedeutend, was die Politik in den 20er Jahren zu einem weitgehenden Stillstand brachte.

Betrachtet man die wirtschaftliche Situation, so kann man feststellen, dass zumindest in der zweiten Hälfte der 20er Jahre eine Expansion in Schweden stattfand. Immer mehr Menschen fanden eine Arbeitsstelle und der Lebensstandard stieg in allen Bevölkerungsschichten. Wie auch in anderen europäischen Staaten war „Freizeit“ das neue Modewort dieser Zeit. So hielt bereits zu Beginn der 20er Jahre der Rundfunk Einzug und der schwedische Film erlebte eine glänzende Ära. Bald verfügten viele Haushalte über ein Radio und vor allem die Jazzmusik wurde prägend für diese Zeit.[9]

Darüber hinaus war auch ein Fortschritt in der technischen Entwicklung zu verzeichnen. So revolutionierten die Automobile den Alltag der Menschen und auch die Flugzeugproduktion wurde weiter voran getrieben. Im Laufe der Zeit wurde fast jeder Haushalt elektrifiziert und viele Bürger erhielten einen Telefonanschluss. Als eines der größten Unternehmen dieser Zeit gilt die Zündholzaktiengesellschaft von Ivar Kreuger. Mit seinem Konzern beherrschte er große Teile der weltweiten Zündholzproduktion.[10]

Die Landwirtschaft konnte allerdings mit der allgemeinen Wohlstands-entwicklung nicht mithalten. Durch die Konkurrenz aus Übersee und fallende Preise für Agrarprodukte geriet dieser Sektor in eine Notsituation. So konzentrierte sich Schweden vor allem auf die Produktion von Waren, die auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig waren und importierte dafür andere, die nicht in ausreichender Menge hergestellt werden konnten. Dieses System galt schon seit dem Mittelalter und wurde nun umso bedeutender. Konkret bedeutete dies, dass man keine andere Wahl hatte, als einen liberalen Außenhandel zu treiben. Bis in die Gegenwart hat man damit gute Erfahrungen gemacht.[11]

2.2 Krisenpolitik ab 1930

Als die Weltwirtschaftskrise im Jahr 1930 auch Schweden traf, wurde die Frage der Demokratie und des Parlamentarismus neu aufgeworfen. Vor allem Parteien, die eine „neue Ordnung“ versprachen, fanden schnell Zulauf. So kamen Anfang 1933 die Nationalsozialisten unter Adolf Hitler in Deutschland mit legalen Mitteln an die Macht. Dieser Erfolg stand in unmittelbarem Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise und der mit ihr einhergehenden Arbeitslosigkeit.

In Schweden waren zu dieser Zeit ähnliche Entwicklungen zu beobachten. So erhoben einige Gruppen ihre Stimmen gegen das demokratische System und erklärten sich als Anhänger von autoritären Ideologien. Auch gab es aus dem linken Parteienspektrum Vertreter, die im Sowjet-Kommunismus ein nachahmenswertes Modell sahen. Die schwedischen Extremisten erreichten jedoch weder eine nennenswerte zahlenmäßige Stärke noch besonderen Einfluss im Reichstag. Dafür fand die Demokratie erstaunlich schnell Rückhalt in der schwedischen Bevölkerung, da vor allem die Sozialdemokraten es verstanden, die Unzufriedenheit in der Bevölkerung zu kanalisieren und möglichst schnell Veränderungen herbeizuführen.[12]

[...]


[1] Vgl. Hadenius 1990, S. 26.

[2] Vgl. Andersson/Weibull 1989, S. 53.

[3] Vgl. Andersson/Weibull 1989, S. 53f.

[4] Vgl. Bernecker 2002, S. 221.

[5] Vgl. Bernecker 2002, S. 222.

[6] Vgl. Berman 1998, S. 119.

[7] Vgl. Bernecker 2002, S. 222.

[8] Vgl. Hadenius 1990, S. 27.

[9] Vgl. Åberg 1989, S. 93.

[10] Vgl. Schröter 2007, S. 46f.

[11] Vgl. Schröter 2007, S. 72f.

[12] Vgl. Hadenius 1990, S. 34f.

Details

Seiten
23
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656818397
ISBN (Buch)
9783656818373
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v282590
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Note
2,3
Schlagworte
Schweden Zwischenkriegszeit Per Albin Hansson Außenpolitik Innenpolitik

Autor

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