Lade Inhalt...

Die Grundschulstandorte Südniedersachsens. Herausforderungen angesichts des demographischen Wandels

Diplomarbeit 2010 117 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Die Fragestellung
1.2 Hypothesen
1.3 Methodische Vorgehensweise

2 Aktueller Forschungsstand

3 Der demografische Übergang

4 Rahmenbedingungen in Niedersachsen
4.1 Landes-Raumordnungsprogramm Niedersachsen
4.2 Regionales Raumordnungsprogramm Landkreis Northeim
4.3 Regionales Raumordnungsprogramm Landkreis Osterode am Harz
4.4 Regionales Raumordnungsprogramm Landkreis Göttingen
4.5 Niedersächsisches Schulgesetz
4.6 Schulentwicklungsplan

5 Vorstellung des Untersuchungsgebietes
5.1 Landkreis Göttingen
5.2 Landkreis Northeim
5.3 Landkreis Osterode am Harz

6 Die prognostizierte demografische Entwicklung
6.1 Die demografische Entwicklung in Niedersachsen
6.2 Vergleich von Niedersachsen mit anderen Bundesländern
6.3 Die demografische Entwicklung im Untersuchungsgebiet

7 Entwicklung der Lehrerzahlen

8 Die Grundschulstandorte Südniedersachsens

9 Empirische Untersuchung: Vorstellung des Fragebogens

10 Präsentation der Untersuchungsergebnisse

11 Interpretation der Untersuchungsergebnisse

12 Diskussion
12.1 Handlungsansätze
12.2 Strategien zur langfristigen Sicherung tragfähiger Schulstandorte nach Klink
12.3 Möglichkeiten der Umsetzung der Handlungsstrategien in der Region Südniedersachsen unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Gemeindeumfrage
12.4 Möglichkeiten der Regionalplanung dem demografischen Wandel entgegenzuwirken

13 Handlungsmöglichkeiten für die Grundschulstandorte Südniedersachsens
13.1 Jahrgangsgemischte Eingangsstufe
13.1.1 Diskussionen und Modellvorschläge in der Vergangenheit
13.1.2 Aktuelle Handlungsansätze
13.2 Die kleine Grundschule

14 Überprüfung der Hypothesen

15 Fazit

16 Ausblick

17 Literaturverzeichnis

18 Verzeichnis der Internetquellen

19 Verzeichnis der Gesetzestexte

20 Abkürzungsverzeichnis

21 Abbildungsverzeichnis

22 Tabellenverzeichnis

23 Anhang

1 Einleitung

Der demografische Wandel ist ein Querschnittsthema. Im Zuge des demografischen Wandels wird es zu einer Veränderung in nahezu allen gesellschaftlichen Handlungsfeldern kommen. Dies gilt auch für die Bildung. Bildung ist eine zentrale Säule unserer Gesellschaft. Ohne entsprechende Bildung der Bürger ist Deutschland nicht wettbewerbsfähig und auch im kleinen Rahmen hat die Bildung für jeden Bürger eine zentrale Bedeutung bei der Lebensgestaltung. Sozialer Aufstieg ist ohne entsprechende Bildung praktisch nicht möglich. Bildung, darunter sind nicht nur die Sekundarstufe II und die Hochschulen zu verstehen. Die Weichen für eine gute Bildung werden bereits in frühester Kindheit gelegt, daher kommt der frühkindlichen Bildung in den Kindertagesstätten sowie in den Grundschulen eine besondere Bedeutung zu. Während der Grundschulzeit wird von den Lehrern die Empfehlung für die weiterführende Schule formuliert, die Primarstufe spielt daher eine wichtige Rolle in den Bildungsbiografin der einzelnen Kinder.

In dieser Diplomarbeit wird die zukünftige Entwicklung der Grundschulstandorte thematisiert und beschrieben, da die Verteilung der Schulstandorte im Raum maßgeblich zur Raumstruktur einer Region beitragen und daher für die ortsansässige Bevölkerung von besonderer Bedeutung sind.

Zunächst wird die Fragestellung erörtert. Danach werden die zugrunde gelegten Hypothesen und darauf folgend die methodische Vorgehensweise erläutert. Im Anschluss wird der aktuelle Forschungsstand zum Thema: „Demografischer Wandel und Bildung“ vorgestellt. Anschließend wird der demografische Übergang beschrieben und damit die historischen Vorgänge dargelegt. Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit den Rahmenbedingungen in Niedersachsen. In diesem Kapitel fließen die Raumordungsprogramme, das Niedersächsische Schulgesetz sowie der Schulentwicklungsplan mit ein. Anschließend wird das Untersuchungsgebiet und die darin befindlichen Grundschulstandorte vorgestellt und die prognostizierte demografische Entwicklung beschrieben. Mit diesem Kapitel schließt der erste Teil der Diplomarbeit ab.

Der zweite Teil der Diplomarbeit ist der empirischen Untersuchung vorbehalten. Der Fragebogen wird vorgestellt und die Untersuchungsergebnisse werden präsentiert und interpretiert.

Der dritte und abschließende Teil der Diplomarbeit widmet sich der Diskussion. Handlungsmöglichkeiten werden vorgestellt und beschrieben, die Fragestellung beantwortet sowie die zugrunde gelegten Hypothesen überprüft. Anschließend folgt das Fazit. Die Diplomarbeit schließt mit einem kurzen Ausblick über die zukünftige Entwicklung der Grundschulstandorte in Südniedersachsen ab.

1.1 Die Fragestellung

Bildung ist ein zentrales Thema der Gesellschaft. Die unterschiedlichen Lebensläufe der einzelnen Personen sind zum Teil von ihrer Herkunft geprägt.

„Bildung ist ein unentreißbarer Besitz“,

diese Worte hat der griechische Schriftsteller Menandros (341 v.Chr. – 290 v. Chr.) bereits 300 Jahre vor Christi Geburt geprägt und der Sinn dieser Worte gilt noch heute. Je früher die Kinder mit Bildung in Kontakt kommen, desto eher haben sie die Chance sich in ihrer Berufswahl bzw. in ihren späteren Lebensweg zu behaupten.

Seit der Abschaffung der Orientierungsstufe im Jahr 2003 wird die Entscheidung bei der Wahl zur weiterführenden Schule in den Grundschulen getroffen. Der Grundschule bzw. Primarstufe wird daher eine wichtige Bedeutung beigemessen. Durch den demografischen Wandel gibt es immer weniger Kinder. Die Schulen stehen daher vor der Herausforderung ein gleichbleibendes, qualitativ gutes Unterrichtskonzept mit der schwindenden Schülerzahl in Einklang zu bringen. Diese Diplomarbeit beschäftigt sich mit den Grundschulstandorten Südniedersachsens. Wie viele Grundschulstandorte gibt es? Mussten bereits Grundschulen aufgrund rückläufiger Schülerzahlen geschlossen werden? Wie sieht es in der Zukunft aus? Wie werden sich die Schülerzahlen voraussichtlich entwickeln und welche Konzepte gibt es, um langfristig tragfähige Grundschulstandorte aufzubauen? Über all diesen Fragen steht die Grundsatzfrage, ob es im Untersuchungsgebiet eher zu einer Konzentration oder zu einer Dekonzentration der Grundschulstandorte kommen wird, welche die Struktur des Raumes und damit ihre zukünftige Entwicklung beeinflusst.

1.2 Die Hypothesen

In dieser Diplomarbeit werden folgende Hypothesen aufgestellt und anschließend überprüft.

- Die Schülerzahlen werden im gesamten Untersuchungsgebiet in den kommenden 10 Jahren abnehmen
- Durch die rückläufigen Schülerzahlen wird es zum Teil zu einer Umstrukturierung der Schul- und/oder Unterrichtskonzepte kommen müssen, es sind aber noch keine neuen Konzepte vorhanden
- Es gibt eine Tendenz zu konzentrierten Grundschulstandorten

1.3 Methodische Vorgehensweise

Um dieses sehr umfassende Thema bearbeiten zu können, wird das Thema zunächst eingegrenzt. Diese Arbeit konzentriert sich nur auf die Primarstufe, die Grundschulen. Förder- und Sonderschulen werden nicht berücksichtigt.

In dieser Diplomarbeit wird der Untersuchungsraum auf die Landkreise Göttingen, Northeim und Osterode am Harz beschränkt. Der Begriff: „Südniedersachsen“ ist kein fest definierter Begriff, je nach Definitionsgrundlage werden unterschiedliche Grenzen gezogen. In einigen Definitionen des Begriffes Südniedersachsen werden noch die Landkreise Holzminden und/oder Goslar miteinbezogen. In dieser Diplomarbeit wird der Untersuchungsraum auf die genannten drei Landkreise beschränkt, um das Thema realistisch bearbeiten zu können. Diese drei Landkreise beinhalten 31 Gemeinden bzw. Samtgemeinden und kreisangehörige Städte, welche Träger der Grundschulen sind.

Das Untersuchungsgebiet wird zunächst im Hinblick auf politische, soziale und wirtschaftliche Rahmenbedingungen vorgestellt. Anschließend werden die Grundschulstandorte grafisch dargestellt. Die regionalen Raumordungsprogramme sowie die jeweiligen Schulentwicklungspläne werden durchgesehen und deren Ziele und Maßnahmen vorgestellt.

Die demografische Entwicklung des Untersuchungsgebiets wird beschrieben und mit der gesamtdeutschen Entwicklung verglichen. Dazu werden auf Daten von den drei Landkreisen des Untersuchungsgebietes, des Niedersächsischen Statistischen Landesamtes sowie des Statistischen Bundesamtes zurückgegriffen.

Die Gemeinden bzw. Samtgemeinden und kreisangehörigen Städte sind Träger der Grundschulen. Die Stadt Göttingen hat einen Sonderstatus im Rahmen des Göttingen-Gesetzes. Dieses Gesetz gliedert die vorherige kreisfreie Stadt in den Landkreis Göttingen ein. Die Stadt behielt aber Sonderrechte; zudem übt sie weiterhin die Trägerschaft über die Grundschulen in ihrem Stadtgebiet aus. Um zu erforschen, was die Gemeinden in Zukunft bewegt, die Vorgehensweise bei der Bewältigung der rückläufigen Schülerzahlen sowie die Relevanz des Themas: „Demografischer Wandel“ in den Gemeinden herauszufinden, wird ein Fragebogen erstellt. Dieser Fragebogen besteht aus 11 Fragen. Um die Rücklaufquote dieser empirischen Untersuchung zu erhöhen, werden die 31 Gemeinden bzw. Samtgemeinden zunächst telefonisch kontaktiert. Im Rahmen dieser Telefonate wird ein Ansprechpartner in den jeweiligen Gemeinden gefunden, welcher sich mit dem Primarbereich beschäftigt. An diesen Ansprechpartner werden die Fragebogen versendet. Circa sechs Wochen nach dem ersten Anschreiben werden, bei nicht erfolgter Antwort, die Gemeinden ein weiteres mal mit einem Erinnerungsschreiben kontaktiert. Diesem Erinnerungsschrieben ist der Fragebogen nochmals beigefügt. Anschließend werden die Ergebnisse ausgewertet und präsentiert.

Um das Thema zu vertiefen sind, parallel zu der standardisierten, quantitativen Untersuchung mittels eines Fragebogens, Expertengespräche mit Mitarbeitern des Niedersächsischen Kultusministeriums und der Landesschulbehörde Braunschweig geplant. Diese Expertengespräche dienen als Hintergrundinformation.

2 Aktueller Forschungsstand

Um den aktuellen Forschungsstand erfassen zu können, ist zunächst eine Abgrenzung der Themen „Demografischer Wandel“ und „Demografischer Wandel und Bildung“ voneinander notwendig. Über das Themenfeld Demografischer Wandel im Allgemeinen ist sehr viel publiziert worden u.a. auch von spezialisierten Institutionen wie z.B. dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung. Bei dem Themenfeld „Demografischer Wandel und Bildung“ ist die Publikationsliste kleiner.

Eine wichtige Quelle, die das Thema ausführlich erarbeitet hat, ist der Bericht der Enquete-Kommission: „Demografischer Wandel – Herausforderungen an ein zukunftsfähiges Niedersachsen“. Im Mai 2005 hat der Niedersächsische Landtag diese Enquete-Kommission eingesetzt, welche sich mit den Auswirkungen des demografischen Wandels beschäftigen, sowie konkrete Lösungsansätze erarbeiten soll. Die Kommission befasst sich mit den Themenfeldern Wirtschaft und Arbeitsmarkt, Infrastruktur, Bildung, Wissenschaft und Forschung, sowie Familie, Gesundheit und Soziales. In dem Bericht wird unter anderem die Bevölkerungsentwicklung auf unterschiedlicher Maßstabsebene dargestellt. Die Bevölkerungsentwicklung auf Länderebene sowie im Untersuchungsgebiet soll kurz skizziert werden. Für die Bevölkerungsentwicklung Niedersachsens werden im Bericht der Enquete-Komission drei Bevölkerungsprognosen verwendet:

1. Das Statistische Bundesamt (StBA) veröffentlichte die 11. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, die eine Vorschau bis zum 31.12.2050 ermöglicht. Diese Bevölkerungsvorausberechnung stellt jedoch nur Zahlen für das Land Niedersachsen als Ganzes zur Verfügung.
2. Das Niedersächsische Landesamt für Statistik (NLS) veröffentlicht die regionale Bevölkerungsvorausschätzung. Sie ermöglicht eine differenzierte Betrachtung auf der Ebene der Landkreise und der kreisfreien Städte, welche jedoch nur den Zeitraum bis zum 31.12.2020 abbildet und noch auf der 10. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung basiert, die auf Basisdaten vom 31.12.2003 beruht. Für die Untersuchung der Enquete-Kommission bildet die regionale Bevölkerungsvorausschätzung die vereinbarte Grundlage.
3. Als dritte Datenbasis wird die regionale Bevölkerungsprognose des Niedersächsischen Institutes für Wirtschaftsforschung e.V. (NIW) herangezogen, welche der regionalen Bevölkerungsvorausschätzung des NLS ähnelt. Diese Schätzung wird aufgenommen, da sie die Bevölkerungsentwicklung im Zeitraum 2004 und 2005 berücksichtigt. Datenbasis ist der 31.12.2005. Die Daten werden bis zum 31.12.2020 abgebildet. (BERICHT DER ENQUETE-KOMMISSION 2007)

Diese Bevölkerungsprognosen können nur Trends beschreiben. Diese Trends treten ein, wenn die der Vorausberechnung zugrunde gelegten Annahmen bezüglich der Geburten- und Sterbezahlen und der Wanderungen zutreffen. Bei der 11. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des StBA wurden unterschiedliche Varianten berücksichtigt. Die folgende Tabelle veranschaulicht die unterschiedlichen Varianten.

Tabelle 1: Varianten der 11. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: StBA (2006:30) in: BERICHT DER ENQUETE-KOMMISSION S. 54

Nimmt man die 11. koordinierte Bevölkerungsvorausrechung des StBA, berechnet mit der 1-W1 Variante, verzeichnen alle Bundesländer bis 2050 einen Bevölkerungsverlust. Zum Teil wurden Daten dieses Berichtes in der Diplomarbeit verwendet, sie sind in den entsprechenden Quellen deutlich gekennzeichnet.

Viele Quellen zu dem Thema: „Demografischer Wandel und Bildung“ stammen aus den 1980er Jahren wie z.B. ein Aufsatz von Julius Seiters: „Sicherung der Schulstandorte im ländlichen Raum“ in der Zeitschrift Informationen zur Raumentwicklung.

Die verschiedenen Quellen beziehen sich zum Teil auch auf die Situation der neuen Bundesländer, welche einen starken Bevölkerungsverlust zu verkraften haben.

Im Jahre 2006 hat Dorothea Fuhst ebenfalls an der Georg-August Universität Göttingen eine Diplomarbeit zum Thema: „Die Auswirkungen der demografischen Entwicklung auf das deutsche Bildungssystem“ geschrieben. Diese Diplomarbeit beschäftigt sich mit der allgemeinen Situation des gesamten Bildungssystems (Primarstufe, Sekundarstufe I + II, Hochschulen) und der Situation des Arbeitsmarktes im ganzen Bundesgebiet. Es findet keine Beschränkung auf ein bestimmtes Untersuchungsgebiet statt.

Eckhart Bombsdorf und Bernhart Babel haben in ihrer Arbeit: „Nordrhein-Westfalen, Bayern, Niedersachsen und Sachsen im demografischen Wandel. Fakten und Perspektiven bis 2040“, einen Vergleich zwischen den genannten Bundesländern gezogen und eine Prognose für den Zeitraum bis 2040 erstellt.

Die Hochschule Neubrandenburg hat in der Arbeit: „Strategien der Landes- und Regionalplanung zur Bewältigung des demografischen Wandels“ von Peter Dehne und Johann Kaether mit Hilfe von Sekundärliteratur und mit einer E-mail Umfrage bei den Trägern der Landes- und Regionalplanung eine Übersicht über die verschiedenen Vorgehensweisen zur Bewältigung des demografischen Wandels erstellt.

Das Themenfeld Demografischer Wandel ist ein Querschnittsthema. Dies spiegelt sich auch in der Vielfältigkeit der Literatur wieder. Ein breites Spektrum an Aufsätzen, Monografien und Expertisen beleuchtet die unterschiedlichen Aspekte des demografischen Wandels und damit auch das Thema Bildung. Auffällig ist, dass es zwei Trends in der Literatur gibt. Die Mehrzahl der Publikationen hat eher eine negative Sichtweise auf das Thema: „Demografischer Wandel“. In diesen Publikationen werden vor allem die Kosten der alternden Gesellschaft und die Schwierigkeit, die sozialen Sicherungssysteme in einer alternden Gesellschaft aufrecht zu erhalten, beschrieben. Daneben existiert noch ein weiterer Trend in der Literatur. Dieser Trend beschreibt die positiven Seiten des demografischen Wandels. Der demografische Wandel wird als Chance begriffen, mit den frei werdenden Geldmitteln aufgrund rückläufiger Bevölkerungszahlen, qualitativ bessere soziale Möglichkeiten zu schaffen. Dies wird insbesondere in den Bereichen Schule und Kindertagesstätten deutlich. Die Robert-Bosch-Stiftung hat beispielsweise eine Schrift: „Demografie als Chance: Demografische Entwicklung und Bildungssystem – finanzielle Spielräume und Reformbedarf“ von Schlesinger, Schüßler & Heinke herausgegeben.

Thomas Klink hat ein Buch zum Thema: „Wirkungen der demografischen Entwicklung auf die Infrastruktur. Das Beispiel von Grund- und Hauptschulen im Zollernalbkreis“ geschrieben. Es wurde von der Technischen Universität Kaiserslautern in den Materialien zur Regionalentwicklung und Raumordnung herausgegeben. Die von Klink vorgenommene Analyse beschreibt plastisch die Möglichkeiten dem demografischen Wandel entgegenzuwirken und wurde u.a. als Grundlage für die in der Diplomarbeit beschriebenen Handlungsmöglichkeiten genutzt.

3 Der demografische Übergang.

Von der Überbevölkerung zur Schrumpfung der Bevölkerung Deutschlands

Abbildung 1: Modell des demografischen Übergangs

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Heineberg, Heinz, Einführung in die Anthropogeographie/Humangeographie, S. 75.

Die oben stehende Grafik verdeutlicht das Modell des demografischen Übergangs. Es handelt sich dabei um ein idealtypisches Ablaufschemata zwischen rohen Geburten- und Sterbedaten und dem daraus resultierenden natürlichen Bevölkerungswachstum (HEINEBERG 2003). Die Abbildung ist schematisch und auf die Industrieländer anzuwenden. In Entwicklungsländern ist eine andere Verteilung sichtbar. In der prätransformatorischen Phase befinden sich die Geburten und Sterbezahlen auf einem hohen Niveau. Die Bevölkerungszahl ist gering, da viele Sterbefälle zu verzeichnen sind und die Menschen eine (im Vergleich zu der heutigen Situation) geringe Lebenserwartung haben. Durch verbesserte medizinische Versorgung und soziale Veränderungen (soziale Versicherungssysteme durch Bismarck) sinkt die Anzahl der Sterbefälle langsam ab und die Geburtenrate bleibt in dieser frühtransformatorischen Phase auf hohem Niveau. Die Bevölkerung wächst langsam an, der Transformationsprozess setzt ein. In der spättransformatorischen Phase sinkt die Geburtenhäufigkeit ab. Dies kommt u.a. durch den medizinischen Fortschritt im Bereich der Verhütung und Geburtenkontrolle und durch veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen, wie die Emanzipation der Frau, zustande.

In der posttransformatorischen Phase befinden sich die Geburten- und Sterbehäufigkeiten auf einem niedrigen Niveau. Die Lebenserwartung und die Bevölkerungsanzahl ist stark angestiegen, der Transformationsprozess ist abgeschlossen.

In den jeweiligen Ländern setzte der demografische Übergang zu unterschiedlichen Zeitpunkten ein, die folgende Abbildung verdeutlicht und vergleicht die Dauer des demografischen Übergangs für sechs verschiedene Länder.

Abbildung 2: Schematische Darstellung der Dauer des demografischen Übergangs für sechs verschiedene Länder

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Heineberg, Heinz, Einführung in die Anthropogeographie/Humangeographie, S. 76.

Die Bevölkerungsgeschichte Deutschlands lässt sich in verschiedene Phasen einteilen.

Die erste Phase beinhaltet den Zeitraum von 1815 bis 1870. Dieser Zeitraum lässt sich als die 1. Phase der demografischen Revolution, die prätransformatorische Phase, beschreiben. Durch einen konstanten Geburtenüberschuss kommt es zu einer Bevölkerungszunahme um 65%; pro Jahr nimmt die Bevölkerung um 9,8% zu. Die Geburten- und Sterbehäufigkeiten befinden sich beide auf hohem Niveau. Die Alterstruktur ist stabil. (HUBERT 1998)

Die zweite Phase umspannt die Jahre 1871 bis 1914. Diese Phase ist durch Wandel und Expansion gekennzeichnet. Die Industrialisierung schreitet fort und auch die Landwirtschaft verändert und modernisiert sich. Es liegt ein Geburtenüberschuss vor; das jährliche Wachstum der Bevölkerung liegt bei 1%. 1914 zählt das deutsche Reich 67,8 Mio. Einwohner, in den damaligen Grenzen. Es kommt zu erheblichen medizinischen Fortschritten (Narkose 1846, Antiseptik 1867, Entdeckung der Bakterien durch Pasteur und Koch). Zudem wird das System der sozialen Sicherung ab 1881 geschaffen. Diese Faktoren führen u.a. zu einem Rückgang der Sterblichkeit. Zwischen 1871 und 1900 bleibt die Alterstruktur stabil, trotz einer Verlängerung der Lebenserwartung. Die jüngeren Altersklassen werden in diesem Zeitraum stark erneuert. Von 1900 an geht der Anteil der unter 5jährigen stark zurück, der Alterungsprozess der Bevölkerung setzt langsam ein. Trotz dieser Entwicklungen bleibt die deutsche Bevölkerung eine der jüngsten Europas. Um 1873 beginnt die 2. Phase der demografischen Revolution, die Transformationsphase. (HUBERT 1998)

Der Zeitraum von 1914 bis 1945 ist geprägt durch die zwei Weltkriege. Im ersten Weltkrieg sterben auf deutscher Seite ca. 2,4 Mio. Soldaten. Die zivile Sterblichkeit liegt bei 300 000 Sterbefällen, dazu kommen 2 950 000 Geburtenausfälle. Am 28. Juni 1919 wird der Versailler Vertrag unterzeichnet. Die deutschen Grenzen werden neu festgelegt. Deutschland verliert 13% seines Territoriums und damit 10% seiner Bevölkerung. 1919 liegt die Gesamtbevölkerung Deutschlands bei 62 900 000 Personen. Die Bevölkerung wächst langsam wieder. Die jährliche Wachstumsziffer liegt bei 0,68%. Durch die Familienpolitik des Nationalsozialismus nimmt die Geburtenhäufigkeit wieder zu. 1939 leben 69 314 100 Personen in dem Deutschland, welches die Grenzen von 1937 umfasst. Die Bevölkerungszahlen der kommenden Jahre sind durch die gewaltsame Annexion der Nachbarländer gekennzeichnet. Die Statistiken sind in den Jahren 1933-45 durch die nationalsozialistische Ideologie beeinflusst. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges sind Flucht und Vertreibung bzw. Wiederneuansiedlung, sowie die Politik der Besatzungsmächte, richtungsweisend. (HUBERT 1998)

Die Zeitspanne von 1949 bis 1969 ist durch entgegengesetzte Entwicklungen der Bundesrepublik Deutschland (BRD) und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) charakterisiert. In der DDR kommt es zu Massenauswanderungen während in der BRD die Bevölkerung explodiert. Im Jahre 1961 erreicht dieser Prozess seinen Höhepunkt. In der BRD wächst die Bevölkerung im Zeitraum 1949 bis 1970 von 49,2 auf 60,5 Mio. an. Dies entspricht einem Zuwachs von 23%. Dieser enorme Zuwachs kommt durch einen Geburtenüberschuss und eine positive Wanderungsbilanz zustande. (HUBERT 1998)

Ende der 60er Jahre ist in der DDR, Ende der 70er Jahre in der BRD, ein starker Geburtenrückgang zu beobachten. Als Konsequenz dieses starken Geburtenrückgangs (in der DDR 35%, in der BRD 45% innerhalb von 10 Jahren) sind mehr Sterbefälle als Geburten zu verzeichnen. Dieser Prozess hat mehrere, einander beeinflussende, Gründe. Durch den medizinischen Fortschritt stehen zuverlässige Verhütungsmittel einer breiten Bevölkerung zur Verfügung. Zudem wird die Abtreibung liberalisiert und die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau bewirkt eine Strukturänderung in den wirtschaftlichen, politischen und sozialen Bereichen. (HUBERT 1998)

In der DDR durchläuft die Entwicklung der natürlichen Bevölkerungsbewegung drei Phasen. Von 1970 bis 1975 verschärft sich der Bevölkerungsrückgang. Die zweite Phase, 1976 bis 1985, ist durch eine Zunahme des natürlichen Bevölkerungswachstums gekennzeichnet. Dies ist u.a. eine Folge der pronatalistischen Maßnahmen der Regierung. 1986 beginnt die 3. Phase. Einem leichten Geburtendefizit folgt 1987-88 ein leichter Überschuss, gefolgt von einem deutlichen Defizit 1989, das sich durch den Zusammenbruch des Regimes noch verschärft. (HUBERT 1998)

In der BRD stagniert von 1970 bis 1987 die Geburtenzahl. Der Bevölkerungszuwachs ist durch Immigration aus der DDR und den osteuropäischen Ländern zu erklären. Die Zahl der Ausländer steigt von 1970 bis 1987 um 77% von 2,6 auf 4,6 Mio. Personen. In der BRD werden, anders als in der DDR, keine politischen Maßnahmen zur Geburtenförderung betrieben. Die Regierung lehnte dies aus politischen, ideologischen und historischen Gründen ab. In die Familie, und damit in den Privatbereich der Menschen, sollte nicht bzw. nur in sehr geringem Maße interveniert werden. (HUBERT 1998)

Von 1990 bis 1995 steigt die Einwohnerzahl der BRD von 79,67 auf 81,82 Mio. an. Dies entspricht einer Steigerung von 2,7%. Dieser Zuwachs kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Disparitäten zwischen den östlichen Bundesländern (-5,5% Bevölkerungsverlust) und den westlichen Bundesländern (+5,3% Bevölkerungszuwachs) verschärfen. (HUBERT 1998)

Zudem ist eine Stagnation der Bevölkerung zu beobachten, die nur durch eine starke Einwanderung kompensiert wird. Die Geburtenhäufigkeit geht zwischen 1990 und 1995 von 905 675 auf 765 221 zurück. Dies entspricht einem Rückgang von 15,5%. (HUBERT 1998)

Im Jahre 1996 leben 82 012 000 Personen in Deutschland. Nach geringem Bevölkerungszuwachs (82 537 000 Personen im Jahr 2002) geht die Bevölkerung bis 2008 auf 82 002 356 Einwohner zurück. (STATISTISCHES BUNDESAMT 02.02.2010)

4 Rahmenbedingungen in Niedersachsen

4.1 Landes-Raumordnungsprogramm Niedersachsen (LROP)

Die verwendeten Abkürzungen sind auf Seite 106 im Unterpunkt 20. Abkürzungsverzeichnis aufgeführt. Um eine bessere Lesbarkeit zu erreichen, sind im Fließtext der Diplomarbeit sowie in den Quellenangaben jeweils die Abkürzungen gewählt.

Das Landes - Raumordnungsprogramm (LROP) in der Fassung vom 08. Mai 2008 ist die Basis für eine tragfähige Landesentwicklung und die Grundlage für die Aufstellung der Regionalen Raumordnungsprogramme. Das LROP wird vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung herausgegeben.

Das LROP von 1994 wurde in den Jahren 1998, 2002 und 2006 in Teilen aktualisiert. Mit der Änderungsverordnung vom 21. Januar 2008 wurde es grundlegend novelliert. Bei dieser novellierten Fassung wurde die Regelung zur Rohstoffgewinnung herausgenommen. Sie wird im Rahmen der Fortschreibung des LROP´s 2009 überprüft und aktualisiert. Diese Fortschreibung berücksichtigt nur den Bereich Rohstoffgewinnung, die anderen Bereiche bleiben davon unberührt und es gilt die Fassung von 2008. Die Regionalen Raumordnungsprogramme haben gemäß § 8 (3) Satz 5 Niedersächsisches Gesetz über Raumordnung und Landesplanung (NROG) eine Anpassungspflicht an das geänderte LROP. (ML 2009)

Das LROP ist in zwei Hauptbereiche aufgegliedert. Im ersten Teil widmet sich das LROP den Zielen und Grundsätzen der Raumentwicklung, im zweiten Teil werden Erläuterungen zu diesen Zielen und Grundsätzen aufgeführt. Der Aspekt des demografischen Wandels wird mehrfach in den Zielen und Grundsätzen eingebracht und erläutert. In dem Abschnitt 1.1: „Entwicklung der räumlichen Struktur des Landes“ (LROP 2008, S. 5) widmen sich drei Unterpunkte (1.1: 03, 06, 07) dem Problem des demografischen Wandels und einer flächendeckende Daseinsvorsorge u.a. auch im Bereich Bildung. Das Spannungsfeld „Demografischer Wandel und Bildung“ ist aufgrund der Verankerung im LROP durchaus auch auf Landesebene ein Thema. (ML 2008)

4.2 Regionales Raumordnungsprogramm (RROP) Landkreis Northeim

Das Regionale Raumordnungsprogramm des Landkreises Northeim liegt als Entwurf vor, mit Stand von 2006. Wie das LROP Niedersachsen ist es in Ziele und Grundsätze der Raumordnung untergliedert, wobei die Ziele verbindlich sind und die Grundsätze berücksichtigt werden und der Abwägung unterliegen. Die demografische Situation des Landkreises wird mehrfach erwähnt. Sie muss bei erneuten Planungsvorhaben berücksichtigt werden. Der Unterpunkt D 3.7 Bildung, Kultur und Soziales betont die Wichtigkeit einer guten Verknüpfung zwischen Bildungs- bzw. Kulturangeboten und dem Öffentlichen Personen Nahverkehr (ÖPNV) und einer Berücksichtigung der demografischen Entwicklung. (RROP Northeim 2006)

Den Kommunen werden vier Strategien vorgeschlagen, um auf den demografischen Wandel reagieren zu können. Die erste Strategie besteht aus der Vorgabe Qualität zu erhalten und zu schaffen. Diese Strategie zielt vor allem auf die Attraktivität der Wohnorte ab. Die einzelnen Wohnsituationen sollen verbessert werden, im Hinblick auf Bausubstanz, Infrastruktur und Wohnqualität. Die zweite Strategie beinhaltet die Konzentration der Siedlungstätigkeit auf die zentralen Orte. Bei Gebieten mit hohem Leerstand soll ein Rückbau stattfinden. Diese Maßnahmen sind eng mit der Erreichbarkeit des Raumes und einer Ausrichtung des ÖPNV-Netzes verbunden. Die dritte Strategie beschriebt die flexible Nutzung öffentlicher Gebäude und Infrastruktureinrichtungen. Die vierte Strategie beinhaltet das Thema interkommunale Kooperation und Dialogprozesse zwischen Kommunen, Wirtschaft und Bürgern. (DEHNE&KAETHER 2008)

Die Schulwege sollen möglichst kurz gehalten werden, weswegen auch einzügige Grundschulen erhalten bleiben sollen. Des Weiteren wird ausdrücklich auf die Arbeit des Regionalverbandes Südniedersachsen hingewiesen und die Kommunen werden aufgefordert, die Arbeit des Regionalverbandes zu unterstützen. (DEHNE&KAETHER 2008)

4.3 Regionales Raumordnungsprogramm (RROP) Landkreis Osterode am Harz

Das RROP des Landeskreises Osterode am Harz befindet sich gerade in der Neuaufstellung, da die RROP´s mit dem LROP abgestimmt sein müssen. In der Bekanntmachung über die Einleitung eines Änderungsverfahrens des RROP Osterode am Harz fand das Thema demografische Entwicklung besondere Beachtung. „Der Landkreis Osterode am Harz ist außergewöhnlich stark vom demografischen Wandel betroffen. Dieser Wandel bewirkt Veränderungen in der Siedlungsentwicklung, auf dem Wohnungsmarkt, hinsichtlich der Verteilung und der Kosten für technische und soziale Infrastrukturen wie, z.B. Schulen, ÖPNV oder Wasserversorgung.“ (Landkreis Osterode 2009, Änderung und Ergänzung des Regionalen Raumordnungsprogramms für den Landkreis Osterode am Harz, S.1) Dieser Wortlaut findet sich in den Änderungs- und Ergänzungsabsichten des RROP Osterode am Harz wieder. Dem Thema Demografischer Wandel wird eine besondere Bedeutung bei der Fortschreibung des RROP´s beigemessen.

(INTERNETQUELLE A 2010)

4.4 Regionales Raumordnungsprogramm (RROP) Landkreis Göttingen

Das RROP des Landkreises Göttingen befindet sich ebenfalls in der Phase der Überarbeitung. Im Kreistag des Landeskreises Göttingen wurde am 05.12.2007 das Einleitungsverfahren zur Änderung und Ergänzung des RROP´s Göttingen beschlossen. Ähnlich wie in den anderen beiden Landkreisen nimmt das Thema Demografischer Wandel einen wichtigen Stellenwert ein.

(INTERNETQUELLE B 2010)

4.5 Niedersächsisches Schulgesetz

Das Niedersächsische Schulgesetz gilt für die öffentlichen Schulen und die Schulen in freier Trägerschaft in Niedersachsen. Das Gesetz gliedert sich in dreizehn Teile und behandelt somit alle schulrelevanten Themen.

Das Niedersächsische Schulgesetz regelt alle schulrelevanten Dinge. Die Schulträger sind verpflichtet dem Folge zu leisten, was sich natürlich auf die Entscheidungen auswirkt. § 106 (1) besagt : „Die Schulträger sind verpflichtet, Schulen zu errichten, zu erweitern, einzuschränken, zusammenzulegen, zu teilen oder aufzuheben, wenn die Entwicklung der Schülerzahlen dies erfordert.“ (NDS. SCHULGESETZ, § 106, 1, in der Fassung vom 3. März 1998, zuletzt geändert durch Artikel 5 des Gesetzes vom 17. Dezember 2009) Die Schulträger können daher, wenn die Schülerzahlen rückläufig sind, nicht tragfähige Schulstandorte nicht länger aufrechterhalten. Schulschließungen sind dann, schon durch die Gesetzeslage, unvermeidlich.

Nach § 106 Abs. 4 NSchG gilt für die Zügigkeit der Grundschule, dass die Grundschule mindestens 1-zügig geführt werden muss und höchstens 4-zügig. In den Ausnahmen wird angeführt, dass eine Grundschule, welche die Einzügigkeit aufgrund zu geringer Schülerzahlen nicht gewährleisten kann, fortgeführt werden darf, wenn sonst die Schulwege wesentlich ungünstiger werden. (VERORDNUNG ZUR SCHULENTWICKLUNGSPLANUNG vom 19. Oktober 1994, zuletzt geändert durch Artikel 2 des Gesetzes zur Neubildung der beruflichen Grundbildung und zur Änderung anderer schulrechtlicher Bestimmungen vom 2. Juli 2008)

In der Grundschule dürfen, in Niedersachsen, maximal 28 Kinder in eine Klasse gehen. Um die Anzahl der Klassen zu ermitteln, wird die Gesamtschülerzahl eines Schuljahrganges durch die Schülerhöchstzahl einer Klasse, in der Grundschule sind das 28 Kinder, geteilt. Bei Dezimalzahlen wird aufgerundet. Schuljahrgänge sind in kombinierte Klassen zusammenzufügen, wenn in zwei oder mehreren aufeinander folgenden Schuljahrgängen lediglich die maximale Schülerzahl von 26 Schülern in der Grundschule erreicht wird. (ERLASS DER MINISTERKONFERENZ v. 09.02.2004-307-84001/3-VORIS 22410, Erlass zur Klassenbildung und Lehrerstundenzuweisung an den allgemein bildenden Schulen 2004)

Im Rahmen der Verlässlichen Grundschule wird täglich ein mindestens fünf Zeitstunden umfassendes Schulangebot sichergestellt. (ERLASS DER MINISTERKONFERENZ vom 03.02.2004-301.2-31020-VORIS22410, Erlass Arbeit in der Grundschule 2004)

4.6 Schulentwicklungsplan

Der Schulentwicklungsplan gilt als das zentrale Element um die Entwicklung der Schulen zu steuern und zu kontrollieren. In Deutschland stellt jeder Landkreis und jede kreisfreie Stadt einen Schulentwicklungsplan für ihr Gebiet auf. Die Struktur ist einheitlich aufgebaut und umfasst die Bestandsanalyse, den Zielplan 2003 und 2010, die Raumbedarfsrechnung und eine grafische Darstellung der Schulstandorte.

Die Schulentwicklungspläne der Landkreise Göttingen, Northeim und Osterode am Harz wurden eingesehen. Die drei Schulentwicklungspläne waren jeweils von 1996. Da es 2003 durch die Landtagswahl zu einem Umbruch in der Schulstruktur kam, die Orientierungsstufen wurden aufgelöst, wurden die Fortschreibung der Schulentwicklungspläne ausgesetzt. (EXPERTENINTERVIEW: NIEDERSÄCHSISCHES KULTUSMINISTERIUM 2009)

Der Niedersächsische Landtag beschloss 2005 das Modell-Kommunen-Gesetz. Dieses Gesetz änderte ausgewählte Rechtsvorschriften für den Zeitraum von drei Jahren. Die fünf ausgewählten Kommunen durften versuchsweise eine Vielzahl gesetzlicher Regelungen außer Kraft setzen, welche die Arbeit behindern. Modell-Kommunen wurden die Landkreise Cuxhaven, Emsland und Osnabrück sowie die Städte Oldenburg und Lüneburg.

(INTERNETQUELLE C 2009)

Im Rahmen des Modellkommunengesetztes war auch die Schulentwicklungsplanung betroffen. Die Konsequenz aus den Modell-Kommunen-Gesetz war, dass es bei den ausgewählten fünf Kommunen auch ohne starke Regelungen gut funktioniert hat; daher wird die Schulentwicklungsplanung zum 01.11.2009 aus dem Schulgesetz gestrichen. Es wird keine Verpflichtung zur Schulentwicklungsplanung mehr geben. Es werden Steuerungskriterien, Mindestvorgaben, etc. vom Land aufgestellt, die weitere Planung bleibt den Kommunen überlassen. (EXPERTENINERVIEW: NIEDERSÄCHSISCHES KULTUSMINISTERIUM 2009)

5 Vorstellung des Untersuchungsgebietes

Das Untersuchungsgebiet besteht aus den drei Landkreisen Göttingen, Northeim und Osterode am Harz.

5.1 Landkreis Göttingen

Der Landkreis beinhaltet eine Fläche von 1.117,63 km2, die Einwohnerzahl liegt (Stand 2008) bei 259.902 Einwohnern. Die größte Quelle des Landkreises ist die Rhumequelle bei Rhumspringe, das größte stehende Gewässer ist der Seeburger See mit ca 100 ha. Der Landkreis besteht aus 3 kreisangehörigen Städten, 3 Samtgemeinden, 4 Gemeinen und 2 Flecken. Die folgende Tabelle veranschaulicht dies.

(INTERNETQUELLE D 2010)

Tabelle 2: Städte, (Samt-)Gemeinden und Flecken des Landkreises Göttingen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung.

Die Bevölkerungszahl liegt bei 259.902 Einwohnern, wobei in etwa die Hälfte im Oberzentrum Göttingen leben. Der Landkreis verfügt über eine gute Verkehrsanbindung durch Bahn, Bus und Straße. Als Wirtschafts- und Wissensstandort ist die Region gut bekannt, unter anderem auch durch die Universität im Oberzentrum Göttingen. (INTERNETQUELLE E 2010)

Naturräumlich ist das Gebiet als Teil einer Mittelgebirgsschwelle einzustufen. Diese Mittelbergsschwelle besteht aus einem Mosaik verschiedener mesozoischer Festgesteinsschollen. Östlich vom Leinetal befindet sich die Muschelkalkhochfläche des Göttinger Waldes. Die Muschelkalkplatte fällt nach Osten in das Eichsfelder Becken ab, als Folge bildeten sich steile Schichtstufen mit vorgelagerten Zeugenbergen. Das Eichsfelder Becken besteht durch Salzablaugung aus größeren und kleineren Becken. (NIEDERSÄCHSISCHES LANDESAMT FÜR STATISTIK, LANDESVERMESSUNG + GEOBASISDATEN-INFORMATION NIEDERSACHSEN 1998).

Durch die niedersächsische Gebietsreform von 1973 wurden die bis dahin selbstständigen Landkreise Duderstadt, Göttingen und Münden vereinigt. Es entstand ein Großkreis mit einer zentralen Verwaltung im Oberzentrum Göttingen. (INTERNETQUELLE F 2010)

Die Gründung der Stadt Göttingen erfolgte vermutlich bereits zur Zeit Heinrichs des Löwen an einem alten Leineübergang, der heutigen B3. Zwischen 1362 und 1488 wurden Wall, Graben und Mauer gebaut, welche noch heute den Umriss der Stadt bestimmen. 1737 wurde durch Kurfürst Georg August von Hannover die Landesuniversität gegründet. Die Universität prägte im Laufe der Geschichte nachhaltig das Stadtbild Göttingens. (NIEDERSÄCHSISCHES LANDESAMT FÜR STATISTIK, LANDESVERMESSUNG + GEOBASISDATEN-INFORMATION NIEDERSACHSEN 1998).

Seit der Kommunalwahl am 01.11.2006 ist die Sitzverteilung des Kreistages wie folgt. Die SPD-Fraktion hat 25 Sitze, die CDU-Fraktion 24 Sitze, die Fraktion der BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hat 8 Sitze, die FDP-Fraktion hat 4 Sitze, die Fraktion DIE LINKE kommt auf 2 Sitze und die WLG-Fraktion hat einen Sitz. Die Fraktionen von CDU und Grünen haben sich zu einer Gruppe zusammengeschlossen. Reinhard Schermann ist der Landrat des Landkreises Göttingen.

(INTERNETQUELLE G 2010)

5.2 Landkreis Northeim

Der Landkreis Northeim beinhaltet eine Fläche von 1 266 km2 und eine Bevölkerungsanzahl von 142.321 Einwohnern. Es befinden sich insgesamt 12 Städte, Gemeinden und Flecken im Landkreis Northeim, die Kreisstadt ist Northeim. (INTERNETQUELLE H 2010)

Die folgende Tabelle listet die kreisangehörigen Städte, Gemeinden und Flecken auf.

Tabelle 3: Städte, Gemeinden und Flecken des Landkreises Northeim

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung.

Der Landkreis Northeim befindet sich im Leine- und Weserbergland. Der Leinetalgraben dient als Bindeglied zwischen dem nord- und mittel- bzw. süddeutschen Raum und fungiert gleichzeitig als Hauptentwicklungsachse des Kreises.

Naturräumlich lässt sich das Gebiet in drei verschiedene Einheiten gliedern. Die erste naturräumliche Einheit bildet das Solling-Buntsandsteingewölbe, welches zum Weserbergland gehört. Dieses Gebiet wird im Osten durch die Muschelkalkrandhöhen der Wesper und die Buntsandsteinscholle der Ahlsburg begrenzt. Das zweite Gebiet bildet die Leine-Ilme-Senke. Diese Senke umfasst zusammen mit dem Leinetalgraben ein Teil der großen Bruchzone, welche sich vom Rhonetal bis nach Norwegen, Mittelmeer-Mjösen-Zone, erstreckt. Das dritte Gebiet bildet das Leinebergland, welches sich bis an die Harzrandsenke erstreckt. Dieses Gebiet besteht im Süden aus Schichtstufen und –hochflächen und im Norden aus steil einfallenden Schichtkämmen.

Die Leine-Ilme-Senke zwischen Nörten-Hardenberg und Kreiensen kann als Wirtschaftsachse des Landkreises angesehen werden. Durch die fruchtbaren Lößböden kann sich die Landwirtschaft gut entwickeln.

Die Kreisstadt Northeim ist bereits um 800 als fränkische Siedlung erwähnt worden und ist im 11. und 12. Jahrhundert der Stammsitz des Northeimer Grafengeschlechtes gewesen. 1252 sind Northeim die Stadtrechte verliehen worden. Durch die verkehrsgünstige Lage befindet sich heute ein breites Unternehmensspektrum in der Stadt. Durch seine Funktion als Kreisstadt ist Northeim das kulturelle und politische Zentrum für das ländliche Umland.

In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts ist Einbeck zu einer städtischen Siedlung ausgebaut worden. Durch die Herstellung des Einbecker Bieres wurde die Stadt im Mittelalter sehr wohlhabend. Mit der beginnenden Industrialisierung wurde die Stadt vorübergehend in einer Abseitslage gebracht. Die ehemalige Kreisstadt verfügt als übergeordnete Schul- und Einkaufsstadt über eine wichtige Funktion für den Nordwesten des Landkreises. Die Stadt ist u.a. durch ihr mittelalterliches Stadtbild attraktiv für die Tourismusbranche (NIEDERSÄCHSISCHES LANDESAMT FÜR STATISTIK, LANDESVERMESSUNG + GEOBASISDATEN-INFORMATION NIEDERSACHSEN 1998).

Michael Wickmann ist der Landrat des Landkreises Northeim. Seit der Kommunalwahl am 10.09.2006 gliedert sich der Kreistag wie folgt. Die SPD-Fraktion hat 23 Sitze, die CDU-Fraktion 19 Sitze, die FDP-Fraktion 4 Sitze, die Fraktion der BÜNDNIS 90/DER GRÜNEN 3 Sitze und die DIE LINKE hat einen Sitz in dem Kreistag. Die Kreistagsfraktionen von SPD und FDP haben eine Gruppe gebildet.

(INTERNETQUELLE I 2010)

5.3 Landkreis Osterode am Harz

Der Landkreis Osterode am Harz beinhaltet eine Fläche von 636 km2 bei einer Einwohnerzahl von 80.300 Personen. 267 km2 der Gesamtfläche stellt das gemeindefreie Gebiet Harz dar, welches nicht bewohnt ist (LANDKREIS OSTERODE AM HARZ 2009).

Der Landkreis umfasst drei naturräumliche unterschiedliche Gebiete. Das erste Gebiet besteht aus dem südlichen und südwestlichen Harz. Dieses Mittelgebirge besteht aus paläozoischen Gesteinen, welche seit der Jurazeit als Block herausgehoben wurden. Das zweite charakteristische Gebiet stellt die 1-2 km breite Harzrandsenke dar, welche durch Auslaugung der Zechsteingipse- und salze entstanden ist. Das dritte Gebiet besteht aus dem Harzvorland. Das Harzvorland ist eine von verschiedenen Flüssen durchschnittene Schichtstufen- und Gipskarstlandschaft.

Die Siedlungen gehen ursprünglich fast alle auf den Bergbau zurück, da der Bergbau jahrhundertlang die wichtigste wirtschaftliche Einkommensquelle der Menschen war. Im Laufe der Zeit ist dieser Wirtschaftszweig zum Erliegen gekommen und wurde in der Gegenwart von der Tourismusbranche abgelöst.

In Bad Grund wurden bereits im Jahr 1855 Kuren angeboten, der Kur- und Tourismusverkehr ist heute eine der wichtigsten Einkommensquellen der Stadt. Weitere Sehenswürdigkeiten sind das Bergbau- und Uhrenmuseum und die Iberger Tropfsteinhöhle.

Das Mittelzentrum Osterode am Harz umfasst ein breites Spektrum verschiedener Unternehmensbranchen von Elektrotechnik und Metallbearbeitung über die chemischer Industrie bis hin zu Feinmechanik und Optik. Des Weiteren ist der Einzelhandel stark vertreten. Die Stadt ist damit das größte Arbeitsplatzzentrum des Landkreises. Historische Bauwerke wie die Stadtmauer sind restauriert worden und stärken somit als Sehenswürdigkeit die Tourismusbranche.

Die Stadt Herzberg verfügt über eine vielschichtige Wirtschaftsstruktur. Wichtige Wirtschaftszweige stellen die Pappeerzeugung, die Gießerei, die Holzverarbeitung und die Druckindustrie dar. Das Welfenschloss und der damit verbundene Tourismus sind ebenfalls ein wichtiger Wirtschaftszweig der Stadt.

Bad Lauterberg ist ein staatlicher anerkanntes Kneippheilbad und ein bedeutender Standort des produzierenden Gewerbes. Die Stadt Bad Sachsa ist ebenfalls ein bedeutender Kurort, indem verschiedene Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen tätig sind.

Die folgende Tabelle veranschaulicht die verschiedenen kreisangehörigen Städte und Samtgemeinden des Landkreises Osterode am Harz. (NIEDERSÄCHSISCHES LANDESAMT FÜR STATISTIK, LANDESVERMESSUNG + GEOBASISDATEN-INFORMATION NIEDERSACHSEN 1998)

Tabelle 4: Städte und Samtgemeinden des Landkreises Osterode am Harz

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung.

Der Kreistag der Wahlperiode 2006/2011 besteht aus dem Landrat Bernhard Reuter (SPD), der SPD-Fraktion mit 20 Mitgliedern, der CDU-Fraktion mit 15 Mitgliedern, der FDP-Fraktion mit 3 Mitgliedern sowie die BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN –Fraktion mit 2 Mitgliedern. Zwei weitere Sitze sind an Mitglieder ohne Fraktionszugehörigkeit vergeben (LANDKREIS OSTERODE AM HARZ 2009).

6 Die prognostizierte demografische Entwicklung

6.1 Die demografische Entwicklung in Niedersachsen

Die prognostizierte demografische Entwicklung in Niedersachsen wird anhand der Studie: „Nordrhein-Westfalen, Bayern, Niedersachsen und Sachsen im demografischen Wandel. Fakten und Perspektiven bis 2040“ von Bomsdorf und Babel erläutert, die folgende Tabelle führt die zugrunde gelegten Annahmen auf.

Tabelle 5: Annahmen der Modellrechnung für Niedersachsen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Bomsdorf, E., Babel, B., Nordrhein-Westfalen, Bayern, Niedersachsen und Sachsen im demografischen Wandel. Fakten und Perspektiven bis 2040. In: Materialien zur Bevölkerungswissenschaft Band 124, (2008), S. 49.

Die Ergebnisse der jeweiligen prognostizierten Bevölkerungsentwicklung hängen von den zugrunde gelegten Annahmen ab. In den von Bomsdorf und Babel durchgeführten Modellrechnungen werden aus diesen Annahmen drei Varianten entwickelt.

Bei der niedrigen Variante werden sowohl für die Fertilität, die Migration und die Lebenserwartung die niedrigen Annahmen verwendet (F1, W1, L1).

In der mittleren Variante werden die mittleren Annahmen für Fertilität, Migration und Lebenserwartung (F2, W2, L2) verwendet.

Die hohe Variante verwendet die hohen Annahmen für Fertilität, Migration und Lebenserwartung (F3, W3, L3).

Tabelle 6: Varianten der Modellrechnung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Bomsdorf, E., Babel, B., Nordrhein-Westfalen, Bayern, Niedersachsen und Sachsen im demografischen Wandel. Fakten und Perspektiven bis 2040. In: Materialien zur Bevölkerungswissenschaft Band 124, (2008), S. 50.

Diese Annahmen dienten als Grundlage für die folgende Modellrechnung über Geborene, Gestorbene, Wanderungssaldo und den Bevölkerungssaldo von 2005 und 2040 in Niedersachsen, die auf der folgende Seite in tabellarischer Form dargestellt wird.

[...]

Details

Seiten
117
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656822714
ISBN (Buch)
9783656822721
Dateigröße
1.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v282989
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen – Geographisches Institut
Note
1,3
Schlagworte
grundschulstandorte südniedersachsens herausforderungen wandels

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die Grundschulstandorte Südniedersachsens. Herausforderungen angesichts des demographischen Wandels