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Facebook. Der schmale Grat zwischen Verlust von Privatsphäre und dem Streben nach Individualität und Selbstdarstellung

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 35 Seiten

Medien / Kommunikation - Forschung und Studien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung & zentrale Fragestellung Seite

2 Theoretische Grundlagen Seite
2.1 Soziales Netzwerk Seite
2.2 Privatsphäre Seite
2.3 Individualität Seite
2.4 Freundschaft Seite

3 Facebook Seite
3.1 Generation 2.0 Seite
3.2 Nutzungsverhalten Seite
3.3 Facebook Freunde Seite

4 Auswirkungen des Wandels Seite
4.1 Selbstoffenbarung vs. Verlust der Privatsphäre Seite

5 Fazit Seite

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

1 Einleitung & zentrale Fragestellung

Was machst du gerade? Öffnet heute ein Nutzer die Startseite von Facebook, ist diese Frage die erste, die ihm am Anfang der Seite gestellt wird. Sich selbst mitzuteilen und darzustellen sind die Hauptaktivitäten auf Facebook, denen täglich Milliarden von Nutzern nachkommen. Im Sekundentakt laden Nutzer Statusmeldungen und Bilder hoch, kommentieren Posts von Freunden und klicken den „Gefällt mir“ Button. Somit wird Schritt für Schritt die eigene, ganz persönliche Seite und ein Archiv angelegt: Ein Archiv des eigenen Leben.

„Think about what people are doing on Facebook today. They're keeping up with their friends and family, but they're also building an image and identity for themselves, which in a sense is their brand. They're connecting with the audience that they want to connect to. It's almost a disadvantage if you're not on it now.“

- Mark Zuckerberg

Quelle: Mark Zuckerberg (o.J.) http://www.brainyquote.com/quotes/authors/m/mark_zuckerberg.html [06.11.13].

Betrachtet man die Aussage Mark Zuckerbergs, so soll Facebook das gesamte eigene Leben abbilden. Dabei steht vor allem eines im Mittelpunkt, die eigene Individualität. Mittels öffentlicher Statusmeldungen, Kommentare und Fotos, können Personen ein individuelles Bild ihrer Selbst schaffen. Doch warum haben die Menschen heutzutage ein so großes Streben nach Individualität und Selbstdarstellung? Und vor allem wie steht die heutige Facebook Generation zum Thema Privatsphäre? Haben sich Werte, wie Freundschaft durch Facebook verändert? Denn immerhin kann jeder durch Facebook mit einem Klick zum „Freund“ werden, mittels einer einfachen Freundschaftseinladung. Hat Mark Zuckerberg Recht, wenn er sagt, dass es beinahe eine Benachteiligung ist, nicht bei Facebook angemeldet zu sein?

Mit Hilfe dieser Arbeit soll versucht werden herauszufinden, ob in der heutigen Generation, der Generation 2.0, die mit dem Web 2.0 aufgewachsen ist ein Wertewandel stattgefunden hat. Um näher in die Thematik einsteigen zu können, werden zunächst die theoretischen Grundlagen geschaffen und verschiedene Begriffe näher erläutert.

Darauf aufbauend wird die Generation 2.0 und dessen Nutzerverhalten auf Facebook dargestellt, um den ersten Wandel im Bereich der Freundschaft darstellen zu können. Anschließend wird untersucht, welche Auswirkungen die Zunahme der Individualität und damit die Selbstdarstellung auf Facebook hat. Hierbei soll vor allem das Thema Privatsphäre im Mittelpunkt stehen und hinterfragt werden, welche Daten die Nutzer veröffentlichen, wie und ob sie ihre Seite schützen und ob Facebook sogar ein Mitauslöser für das oftmals prophezeite Ende der Privatsphäre ist.

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Soziales Netzwerk

Heute wird mit der Verwendung des Begriffes „Soziales Netzwerk“ sofort das Internet in Verbindung gebracht. Netzwerke sind jedoch in vielen Bereichen zu finden, wie zum Beispiel in der Schule, in der Familie oder am Arbeitsplatz. Grundsätzlich zeigt sich eine Verbindung zwischen mindestens zwei Menschen, die über eine Gemeinsamkeit miteinander verbunden sind. Mit dem genannten Begriff fallen gleichzeitig die Schlagworte „Social Networking“ sowie „Social Web“. Soziale Netzwerkplattformen gibt es mittlerweile viele wie zum Beipiel, Facebook, VZ-Netzwerke, MySpace oder auch XING. Sie zeigen ein Geflecht aus direkt oder indirekt verbundenen Akteuren, wie Freunde oder auch Arbeitskollegen (vgl. Schenk/ Niemann/ Reinmann/ Roßnagel 2012, S.19). Mittels einer quantitaven Onlinebefragung durch Schenk, Niemann, Reinmann und Roßnagel im Auftrag der Lfm wurde deutlich, dass Facebook bei allen Nutzergruppen im Alter von 12 bis 24 Jahren eine Vormachtstellung erzielt hat. VZ-Netzwerke hingegen haben deutlich an Bedeutung verloren. Der heutige Markt in Deutschland zeigt derweil ein Angebot von einem großen und mehreren kleine Anbietern sozialer Netzwerke (siehe Abb.1).

Abbildung 1: Hauptnetzwerke nach Altersgruppen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Schenk M./ Niemann J./ Reinmann G./ Roßnagel A. 2012: Digitale Privatsphäre. Heranwachsende und Datenschutz auf sozialen Netzplattformen. Kurzzusammenfassung der Studie. https://www.lfm-nrw.de/fileadmin/lfm-nrw/Forschung/Kurzzusammenfassung_Bd-71.pdf Lfm. S.3.

Die unterschiedlichen Plattformen werden dabei zu unterschiedlichen Zwecken genutzt. Es lassen sich drei hauptsächliche Aspekte der Anwendung feststellen. Zum einen ermöglichen diese Plattformen ein öffentliches Profil der eigenen Person erstellen zu können. Als nächstes gibt es die Möglichkeit Kontakte mit dem Profil verknüpfen zu können. Weiterhin dienen Kontaktlisten der Navigation innerhalb des Netzwerkes. Der Nutzer wird so mittels der Selbstdarstellung, aber auch durch seine sozialen Kontakte sichtbar. Es bildet sich nach und nach eine Netzwerkstruktur des sozialen Umfeldes ab (vgl. Schenk/ Niemann/ Reinmann/ Roßnagel 2012, S.20).

Aktivitäten, die die Akteure hauptsächlich auf diesen Plattformen durchführen, können hier auch ein weiteres Mal aufgegliedert. Im Rahmen der bereits genannten quantitativen Onlinebefragung wurde eine Unterteilung in fünf Kategorien vorgenommen. Zum einen besteht die Aufteilung aus der rezeptiven Nutzung, privaten Kommunikation, (Semi-)-öffentlichen Kommunikation, multimedialen Kommunikation und in Sonstiges. Es zeigt sich, dass die rezeptive Nutzung, worunter beispielsweise Neuigkeiten lesen und Fotos ansehen zählen bei allen Nutzergruppen eine hohe Beteiligung aufweisen.

Auch die private Kommunikation nimmt einen hohen Stellenwert bei allen Nutzergruppen ein. Auffällig ist, dass die Altersgruppe der 15- bis 17-Jährigen Nutzer sich in allen Bereichen gegenüber den anderen Nutzern als deutlich aktiver erwiesen. Am geringsten werden Aktionen wie das Hochladen von Videos genutzt (siehe Abb.2).

Abbildung 2: Aktivitäten auf Sozialen Netzwerkplattformen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Schenk M./ Niemann J./ Reinmann G./ Roßnagel A. 2012: Digitale Privatsphäre. Heranwachsende und Datenschutz auf sozialen Netzplattformen. Kurzzusammenfassung der Studie. https://www.lfm-nrw.de/fileadmin/lfm-nrw/Forschung/Kurzzusammenfassung_Bd-71.pdf Lfm. S.4.

Eines haben soziale Netzwerke gemeinsam, sie ermöglichen dass in kürzester Zeit eine Vielzahl an Menschen erreicht werden können. Faktoren, wie die zeit- und ortsunabhängige Pflege des eigenen Profils machen diese Plattformen attraktiv. Es gibt jedoch unterschiedliche Nutzungsmotive, welche die Umgangsweisen mit dem Social Web beeinflussen. Es handelt sich hierbei um die Selbst,- Sozial- und Sachauseinandersetzung oder auch Identitäts-, Beziehungs- und Informationsmanagement (vgl. Schmidt/ Paus-Hasebrink/Hasebrink 2011, S.27). Vor allem die Selbst- und Sozialauseinandersetzung möchte ich im weiteren Verlauf näher betrachten, um den möglichen Wandel deutlich machen zu können.

2.2 Privatsphäre

„In einem elementaren Sinn ist die Privatheit als Sphäre der Autonomie ausgezeichnet. Es geht um die Freiheit in der Verfügung über sich selbst, dass heißt die Freiheit in der Entscheidung über die Form der eigenen Lebensführung, sowie über die dafür nötigen Mittel.“ (Weiß/ Groebel 2002, S.38)

Soll der Begriff Privatsphäre definiert werden, muss zunächst eine Unterteilung in private und nicht-private Informationen getroffen werden. Zudem kann die Unterscheidung zwischen Privatem und Nicht-Privatem immer nur vom Individuum selbst getroffen werden. Die Grenze was als öffentlich und was als privat gilt kann nicht einfach so festgelegt werden. Bei dem Begriff Privatsphäre geht es hauptsächlich darum, Kontrolle darüber behalten zu können, wer und vor allem wann Informationen über die eigene Person verwendet werden soll (vgl. Schenk/ Niemann/ Reinmann/ Roßnagel 2012, S.39ff.).

Privatsphäre ist der Bereich, der ohne Einwilligung der Person nicht erreichbar ist. Dort kann diese das Recht auf eine freie Entfaltung der Persönlichkeit wahrnehmen. Privatsphäre gibt es sowohl im häuslichen, als auch im öffentlichen Raum. Geschützt wird dieses Recht durch das allgemeine Persönlichkeitsrecht. Grundgedanke bei diesem Recht ist es, dass es Menschen möglich sein soll, sich frei verhalten zu können, ohne Angst haben zu müssen, beobachtet oder abgehört zu werden (vgl. http://www.juraforum.de/lexikon/schutz-der-privatsphaere [10.11.13]).

Die Privatsphäre kann weiterhin in vier Bereiche gegliedert werden. Zum einen gibt es die physische, psychologische sowie die aktionale und informationelle Privatsphäre. Mangel oder auch Überfluss, sowie Eingriffe in diese haben verschiedene Auswirkungen, wie zum Beispiel psychische Probleme. Dieses Recht hat vier Funktionen. Zum einen ermöglicht sie die persönliche Autonomie. Weiterhin bietet sie emotionale Erleichterung und Selbstevaluation. Eine geschützte Kommunikation wird als weitere Funktion der Privatsphäre gesehen. Sie dient zudem der Intimsphäre und ist wichtiger Faktor in Freundschafts- aber auch Liebesbeziehungen (vgl. Schenk/ Niemann/ Reinmann/ Roßnagel 2012, S.40ff.).

Der Schutz der Privatsphäre im Internet ist gerade in Zeiten der Sozialen Netzwerke sehr umstritten. Internetnutzer teilen täglich ihr Leben anderen über diese Portale mit und nie war es leichter Menschen überwachen zu können.

In wieweit Nutzer ihre Privatsphäre verlieren, ob sie sich dessen bewusst sind, werde ich in der folgenden Arbeit versuchen deutlich zu machen. Welche Auswirkungen dieser Zwiespalt zwischen Selbstdarstellung und Verlust der Privatsphäre haben kann soll geklärt werden.

2.3 Individualität

Mit dem Begriff der Individualität verbindet man zum einen das Bewusstsein des Menschen über dessen Besonderheit aber auch das Bedürfnis seine Einzigartigkeit auszudrücken. Individualität lebt durch den Anspruch des Menschen, dasselbe Recht wie alle anderen zu haben. Zum anderen ist das Bewusstsein, über den Unterschied zu Anderen entscheidend. Generell ist es der Anspruch und das Bewusstsein der Besonderheit, das was Individualität definiert (vgl. Abels 2010, S.43ff.). Das Streben nach Einmaligkeit ist in jedem Menschen verankert. Identität wird sowohl bewusst als auch unbewusst von jedem definiert. Dabei stellt Individualität Freiheit und Unabhängigkeit dar und findet sich in unterschiedlichen Versuchen einer Definition wieder (vgl. Knoll 2012, http://soziologieblog.hypotheses.org/2211 [11.11.13]).

Ein jeder kann heute mit Hilfe von beispielsweise Sozialen Netzwerken sich von anderen abheben und seine Einzigartigkeit verdeutlichen. Als eine Auswirkung des Wandels der heutigen Generation wird im weiteren Verlauf der Arbeit das Streben nach Individualität noch näher betrachtet.

2.4 Freundschaft

Wenn man versucht den Begriff Freundschaft zu definieren, lässt sich feststellen, dass keine allgemeingültige Definition von Freundschaft besteht und die Frage entsteht, was Freundschaft ist. Im Duden findet sich eine eher unbefriedigende Beschreibung, eines auf gegenseitiger Zuneigung beruhendes Verhältnis wieder (vgl. Duden (o.J.), http://www.duden.de/suchen/dudenonline/freundschaft [11.11.13]).

Freundschaft wird weiterhin mit den Begriffen Beziehung und Empfindung definiert. Wobei hier die Sympathie und das Vertrauen zwischen zwei Menschen gemeint ist. Freunde mögen einander um ihrer selbst willen.

Grundlegend hierfür ist die gegenseitige Wertschätzung. Freundschaft kann in verschiedene Bereiche nochmals untergliedert werden. Zum einen in Nutzfreundschaften, Zweckfreundschaften und in die Kameradschaft oder generell Freundschaft. Diese Unterteilung wird vorgenommen, um den Begriff der Freundschaft zu erweitern und andere Beziehungen zwischen Menschen positiv einzufärben, wie zum Beispiel die Bezeichnung Geschäftsfreund. Hier wird ein geschäftliches Verhältnis mit dem Begriff der Freundschaft positiv eingefärbt (Fremdwort.de 2013, http://www.fremdwort.de/suchen/bedeutung/Freundschaft [11.11.13]).

„Die Freundschaft ist das edelste Gefühl, dessen das Menschenherz fähig ist.“

- Carl Hilty

(Carl Hilty o.J., http://zitate.woxikon.de/freundschaft [11.11.13])

Freundschaft scheint bei Deutschen ein hohes Gut zu sein. 85 Prozent gaben an, dass sie Freunde haben. Neben dem Partner ist ein Freund die nächste wichtige emotionale Instanz. Das Verständnis von Freundschaft ist zudem in der Kultur begründet und kann sich daher stark von Land zu Land unterscheiden. Das Freundschaftsideal hat in Deutschland einen hohen Wert. Es ist eine Beziehung, die sich langsamer entwickelt als andere und dadurch Vertrauen und gegenseitige Verantwortung wachsen kann (Medicom.de o.J., http://www.medicom.de/der-wert-der-freundschaft [11.11.13]).

Da der Begriff der Beziehung sowohl bei Definitionen von Liebe als auch Freundschaft fällt, zeigt sich die Schwierigkeit der Abgrenzung. Die Auswertung einer Untersuchung zu Freundschaftsbeziehung im Journal für Psychologie zeigte, das Begriffe wie Freundschaft und Liebe eine hohe Korrelation aufweisen, jedoch Freundschaft und Attraktivität eine niedrige (siehe Abb. 3).

Abbildung 3: Korrelation zwischen Begriffspolaritäten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Heidbrink, Horst (2007): Freundschaftsbeziehungen. In: Journal für Psychologie. 15 Jg., Ausgabe 1. S.3. Hagen.

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Details

Seiten
35
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656825685
ISBN (Buch)
9783656835578
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v283036
Institution / Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Note
1,3
Schlagworte
facebook grad verlust privatsphäre streben individualität selbstdarstellung

Autor

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Titel: Facebook. Der schmale Grat zwischen Verlust von Privatsphäre und dem Streben nach Individualität und Selbstdarstellung