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Die Kreative Klasse als Geschäftstouristen. Eindrücke, Erwartungen und Anforderungen der Messebesucher in Posen

Bachelorarbeit 2013 65 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Fremdenverkehrsgeographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Bedeutung der Kreativen als Geschaftsreisende
1.1. Einfuhrung
1. 2. Forschungsfrage
1.3. Aufteilung der Arbeit

2. Eingrenzung der relevanten Tourismusformen
2. 1. Der Geschaftstourismus
2. 2. Eine Form des Geschaftstourismus - der Messebesuch

3. Die Bedeutung der Kreativitat
3.1. Reisenund Kreativitat
3. 2. Messe und Kreativitat

4. Die Kreative Klasse
4. 1. Bedeutung der Kreativen Klasse
4. 2. Eingrenzung der Kreativen Klasse
4. 3. Reiseverhalten der Kreativen Klasse
4. 3. 1. KreativerTourismus
4. 3. 2. Bedeutung des Kreativen Tourismus fur den Messetourismus

5. Das Beispiel Posen
5. 1. Allgemeine Beschreibung
5. 2. Tourismus in Posen
5. 3. Geschaftstourismus in Posen
5. 4. Messe inPosen
5.5. Kreativitat in Posen
5. 5. 1. Herausforderungen in der Ansiedlung von Kreativitat und Know-how
5. 5. 2. Kreatives Wissen in Posen?
5. 5. 3. Limitierende Faktoren fur die Relevanz der Kreativen Klasse

6. Untersuchung
6. 1. Auswahl der methodischen Herangehensweise
6. 2. Instrument des Leifadens
6. 3. Instrument des Kurzfragebogens
6. 4. Auswahl der Interviewpartner
6. 5. Sprache
6. 6. Auswertung der Interviews

7. Ergebnisse aus Posen
7. 1. Ergebnisse des Kurzfragebogens
7. 2. Ergebnisse der Interviews
7.2. 1. Beliebte Messeorte
7. 2. 2. Posen als Messedestination
7.2.3. Co-Workingund Ausstattung
7. 2. 4. Menschen als Inspiration
7. 2. 5. Posen als typische Studentenstadt
7. 2. 6. Posen als kreative Stadt
7. 2. 7. Entscheidungsfindung
7. 2. 8. Toleranz
7. 2. 9. Private und berufliche Entwicklung

8. Fazit

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Formen des Geschaftstourismus. Quelle: Eigene Darstellung nach Swarbrooke & Horner 2001:

Abbildung 2: Motive des Tourismus. Quelle: Eigene Darstellung nach Kellerman 2010:

Abbildung 3: Ubernachtungs-Gaste in Posen 2000 bis 2010. Quelle: Poznan City Hall 2013: Tourists accommodated. Daten: Statistical Office Poznan

Abbildung 4: Kreative Auseinandersetzung mit dem Image-Slogan Posens: Posen. Das ist keine Firma! Quelle: Eigenes Bild

Abbildung 5: Verhaltnis der Kreativ-Unternehmen zu denen anderer Branchen Posens in den Jahren 2001 und 2005. Quelle: Eigene Darstellung nach Stryjakiewicz et al. 2010: 69. Daten: Statistical Office Poznan

Abbildung 6: Verhaltnis der Kreativ-Unternehmen zu denen anderer Branchen Posens in den Jahren 2001 und 2005. Quelle: Eigene Darstellung nach Stryjakiewicz et al. 2010: 69. Daten: Statistical Office Poznan

Abbildung 7: Prozentuale Veranderung der Beschaftigtenzahlen in kreativen Branchen zwischen 2001 und 2005. Quelle: Eigene Darstellung nach Stryjakiewicz et al. 2010: 22. Daten: Statistical Office Poznan

Abbildung 8: Anteil der in kreativen Branchen Beschaftigten Posens im Jahr 2001. Quelle: Eigene Darstellung nach Stryjakiewicz et al. 2010: 22. Daten: Statistical Office Poznan

Abbildung 9: Anteil der in kreativen Branchen Beschaftigten Posens im Jahr 2005. Quelle: Eigene Darstellung nach Stryjakiewicz et al. 2010: 22. Daten: Statistical Office Poznan

Abbildung 10: Geschaftsreise-Haufigkeit der BefTagten. Quelle: Eigene Darstellung. Daten: Eigene Erhebung

Abbildung 11: Messebesuch-Haufigkeit der Befragten. Quelle: Eigene Darstellung. Daten: Eigene Erhebung

Abbildung 12: Oper in Posen. Quelle: Eigenes Bild

Abbildung 13: Toleranz gegenuber Minderheiten. Quelle: Eigene Darstellung nach OECD 2011: 99.

Vorwort

Bei vorliegendem Text handelt es sich um die Abschlussarbeit zum Erlangen des Bachelor- Titels an der Katholischen Universitat Eichstatt-Ingolstadt, am Lehrstuhl Tourismus / Zent- rum fur Entrepreneurship.

Ich danke herzlich fur Rat und Unterstutzung wahrend der Bearbeitung Prof. Dr. Harald Pech- laner und dem Team des Lehrstuhl Tourismus / Zentrum fur Entrepreneurship, dem Ab- schlusskolloquium der Humangeographie der Katholischen Universitat Eichstatt-Ingolstadt, den Mitarbeitern von Poznan International Fair - besonders Frau Izabella Koniak - sowie dem Tourism Department der University ofEconomics Poznan.

1. Die Bedeutung der Kreativen als Geschaftsreisende

1.1. Einfuhrung

Seit einigen Jahren wird der von Richard Florida gepragte Begriff der ,,Kreativen Klasse“ in der Fachoffentlichkeit diskutiert. Die „Kreative Klasse“, so die Annahme, stellt einen ent- scheidenden Faktor fur das wirtschaftliche Wachstum in den westlichen Industriestaaten dar (vgl. Florida 2002). Gesprochen wird in diesem Zusammenhang auch gerne vom sog. ,,Crea- tive Turn“. Der Begriff bezeichnet die zunehmende Bedeutung und Inwertsetzung von Kultur und Kreativitat fur wirtschaftliche Zwecke, in den Unternehmen und im Rahmen lokaler und regionaler Entwicklungsstrategien (vgl. Richards 2011). Ein Wettbewerb nach Kreativitat an Orten und in Organisationen ist entbrannt, denn ,,(...) wherever creativity goes - and, by ex­tension, wherever talent goes - innovation and economic growth are sure to follow“ (Florida 2004: 123).

Der Tourismusmarkt leistet einen entscheidenden Beitrag zum Wachstum des Kultur- und Kreativsektors. So steht hinter Reisen oft das Interesse an fremden Kulturen und Schopfungen der Kultur- und Kreativwirtschaft im Zielland. Daruber hinaus generiert Tourismus regionale Wertschopfung, von welcher Dienstleister und Produzenten der Kultur- und Kreativbranchen direkt und indirekt profitieren. Schliefilich gibt es einen Zusammenhang zwischen der Be- kanntheit bzw. Beliebtheit von Orten als Tourismusziele und deren Standortattraktivitat, z. B. bei Zuzugen von qualifizierten Arbeitskraften. Begehrte Tourismusziele konnen durch positi­ve Reiseerlebnisse auch als Standorte auf sich aufmerksam machen (vgl. Schon & Lange 2010).

1. 2. Forschungsfrage

Das Erkenntnisinteresse dieser Arbeit bezieht sich auf die Beschreibung und Erklarung nach- frage-relevanter Faktoren innerhalb der Kreativen Klasse als Geschaftstouristen. Dabei steht das Beispiel des Messetourismus in Posen - auch in Anbetracht des begrenzten Umfangs die­ser Untersuchung - im Fokus. Da die Region Posen sich im Standortmarketing u. a. auf Wis- sensarbeiter und Kreative konzentriert, ist die Frage nach deren touristischen Erlebnissen von grofier Wichtigkeit. Die Messe ist zentraler Bestandteil Posens geschaftlich attraktiver Lokali- taten und herausragend in seiner nationalen Bedeutung in der Messe-Landschaft Polens. Aus diesem Grund ist sie als Untersuchungsort von uberregionalem Interesse.

Die Forschungsfrage dieser Arbeit lautet demnach:

Welche Eindrucke, Bedurfnisse und Erwartungen hat die Kreative Klasse im Messetourismus an die Destination Posen?

Leitfragen sind hierbei:

Was macht eine gute Messedestination aus Sicht der Kreative Klasse aus?

Was tragt zum Erfolg des Messetourismus nach Posen fur die Kreative Klasse bei?

Wie steht der Messetourismus mit den inhaltlichen Tatigkeiten der Kreativen Klasse in Zu- sammenhang?

1.3. Aufteilung der Arbeit

Um der Frage nach Eindrucken und Erwartungen im Geschaftstourismus nachzugehen, wird folgende Gliederung verwendet:

1. grundlegende Charakteristika des Geschaftstourismus und der Unterkategorie Messe­tourismus;
2. Zusammenhang zwischen Reisen und Kreativitat bzw. Messen und Kreativitat;
3. Beschreibung der Kreativen Klasse und fur diese Gruppe wichtiges Reiseverhalten;
4. Creative Tourism (vgl. Richards 2011) als eine mit dem wachsenden Interesse an Kre­ativitat entstandene Reiseform;
5. das Fallbeispiel Posen mit allgemeiner Beschreibung und touristischer Vorstellung und dem Themenschwerpunkt Kreativitat;
6. Diskussion der empirischen Untersuchung, ihrerVoraussetzungen und Grenzen;
7. Analyse der durchgefuhrten Interviews und Interpretation zentraler Ergebnisse;
8. abschlieBendes Fazit und Reflektion der Ergebnisse.

2. Eingrenzung der relevanten Tourismusformen

2.1. Der Geschaftstourismus

Der Geschaftstourismus ist ein Teilbereich des gesamten Tourismus. Er grenzt sich durch mehrere Merkmale von anderen Tourismusformen - insbesondere dem Freizeittourismus - ab.

Hammer und Naumann setzen fur eine Geschaftsreise drei Kriterien voraus: eine Verbindung zu einer Ausubung des Berufes, das Tragen der Reisekosten durch ein Unternehmen sowie die damit verbundene steuerliche Absetzbarkeit (vgl. 2004: 13). Die Verbindung zu beruflicher Tatigkeit ergibt sich aus dem Reisemotiv. Die Kostentragerschaft kann unterschiedlich ausfal- len. Steuerliche Absetzbarkeit ergibt sich aus der zweiten Bedingung, je nach Rechtslage.

Diese Einteilung kann als Beispiel fur eine Einordnung des Geschaftstourismus gesehen wer- den, die nicht unkritisch zu betrachten ist.

Das erste, auch von Hammer und Naumann genannte Abgrenzungskriterium ist das Motiv der Reise (vgl. 2004). Reisemotive werden entsprechend der vorherrschenden Definition in pro­fessional, bussiness or official“ eingeteilt (Paesler 2010: 260). Geschaftstourismus umfasst demnach solche Reisen, welche in einem dienstlichen bzw. beruflichen Zusammenhang ste- hen (vgl. Hammer & Naumann 2004: 13, zitiert nach Wienberg 1987: 13; Schroeder 2002: 144 & Freyer 2006: 77). Nimmt man nur dieses Kriterium, ergibt sich eine Fulle von Ge- schaftsreisen (siehe Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Formen des Geschaftstourismus. Quelle: Eigene Darstellung nach Swarbrooke & Horner 2001: 4.

Ein weiteres Kriterium bildet die Dauer des Aufenthaltes. Gerade fur Messebesuche ist der Aufenthalt meist auf die Dauer derVeranstaltung begrenzt, eventuell mitVor- und Nachberei- tung, welche zwar sehr ausfuhrlich sein kann, jedoch haufig nicht vor Ort stattfindet. Salt stellt zwei Typen von Geschaftsreisen vor, welche nach vorheriger Definition relevant sind: „Extended business travel“ (Salt 2010: 112) (30-90 Tage; meist projektgebunden) und busi­ness travel“ (Salt 2010: 112) (bis 30 Tage). Nimmt man die offizielle Tourismusdefinition der UNWTO wie u. a. von Bieger verwendet, so ergibt sich zumindest eine Mindestaufent- haltsdauer von einer Nacht (vgl. 2006: 35). Dies schliefit einige der von Hammer und Naumann aufgefuhrten Reisearten aus, wie Pendlerverkehr oder Arten der regionalen bzw. lokalen Zusammenkunft ohne Ubernachtung (vgl. 2004: 18).

Je nach Reiseanlass ergeben sich unterschiedliche, mehr oder weniger flexible, Reisezeit- punkte (vgl. Hammer & Naumann 2004: 16). Messen geben eine Einsatzzeit sehr genau durch festgesetzte Anfangs- und Enddatum vor, Meetings richten sich unter Umstanden nur nach der Terminplanung der meist wenigen Teilnehmer.

Aus den Motiven und dem Zeitkontingent ergeben sich auch unterschiedliche Aktivitaten wahrend der Reise. Dabei muss jedoch beachtet werden, dass es eine zunehmende Vermi- schung von Freizeit- und Geschaftstourismus gibt, da auch auf beruflichen Reisen private Aktivitaten unternommen werden bzw. Angebote fur Geschaftsreisende geschaffen werden, welche Freizeitwert haben (vgl. Lassen 2010: 189; Bieger 2006: 96 & Freyer 2006: 94-95). Dies kann z. B. in Form eines Abendprogrammes zum Kontakteknupfen oder -vertiefen kon- kretisiert werden. Die haufig als Geschaftstourismus aufgefuhrten Incentives zeigen auch, dass in der Arbeitszeit Vergnugungsaktivitaten durchgefuhrt werden konnen. Kellerman teilt diese gemischten Reisen unter zwei Typen von Reisenden auf, den „returners“ (Davidson & Cope 2003: 261), welche die Destination von Freizeitreisen schatzen und ihn als Geschafts- touristen wieder besuchen, und den „Extenders“ (Davidson & Cope 2003: 257), die eine Kombination von privaten und beruflichen Belangen wahrend ihrer Reise bewusst fokussieren (vgl. Kellerman 2010: 172-173). Wie die Typen von Reisenden genauer betrachtet werden konnen, sind auch die Motive nicht immer ubersichtlich, denn Kellerman erklart, dass Ge- schaftsreisen zwar immer das Treffen von Menschen beinhalten, manchmal jedoch auch Sightseeing oder den Besuch von Veranstaltungen, wenn nicht zum Selbstzweck, dann zu- mindest zufallig oder als Rahmen fur geschaftliche Aktivitaten (vgl. Kellerman 2010: 167). Letztlich durfte es fast nie vorkommen, dass ein Reisender nicht etwas von seiner neuen phy- sischen Umgebung mit Architektur, Landschaft u. a. bemerkt oder mit einer anderen Kultur konfrontiert wird - Entitaten nach denen der Freizeitreisende auch sucht. Wobei es hier auch darauf ankommt, ob der Geschaftsreisende einen touristischen Blick (vgl. Urry 2002) ein- nimmt und selektiv touristische Symbole und Bilder optisch zu sucht, oder die industriell inszenierten Bilder zu ignorieren versucht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Motive des Tourismus. Quelle: Eigene Darstellung nach Kellerman 2010: 168.

Die Aktivitaten konnen zudem noch in routinemaBige und irregulare Untemehmungen einge- teilt werden, wonach Geschaftstourismus sich vom Alltagsgeschaft so unterscheidet wie Frei- zeittourismus von ubrigen Freizeitaktivitaten (vgl. Kellerman 2010: 166). Dies meint das An- dersartige des Reisens oder, wie es in einer fur den Tourismus allgemein lautenden und viel zitierten Definition heiBt, die Reise an „Orte auBerhalb ihrer gewohnten Umgebung“ (Statisti- sches Bundesamt 2004: 12).

Dazu kommt eine Unterscheidung nach dem Freiwilligkeitsgrad der Reiseentscheidung. Kes- selring und Vogl beschreiben Geschaftsreisen als meist auferlegte berufliche Pflichten, die vom Arbeitgeber bzw. den in der Unternehmenshierarchie hoher stehenden Mitarbeitern be- stimmt werden (vgl. 2010: 151). Der Grad der Mitsprache und Entscheidungsfreiheit hangt also von den Machtstrukturen ab. Es wird jedoch auch darauf hingewiesen, dass die Unter­scheidung von Freizeittourismus und Geschaftstourismus durch den Grad der Mitbestimmung bzw. Entscheidungsfreiheit durch Unternehmen und Organisationen mit flachen Hierarchien sowie Mitbestimmung in den Betrieben nicht (mehr) gilt, gerade wegen der Vermischung von privaten und beruflichen Elementen (vgl. Lassen 2010). Andere Definitionen sehen hier keine Abstufung. Gerade Unfreiwilligkeit fordert sicherlich negative Auswirkungen des Reisens auf den Touristen, denn die berufliche Anforderung fordert “downsides like seperation from the family, travel stress, health concerns (includingjet-lag)“ (DeFrank et al. 2000: 1) heraus.

Parallel ist auch die Kostenubernahme, wie von Hammer und Naumann postuliert, ein Krite- rium fur die Reise (vgl. 2004). Davidson und Cope unterscheiden zudem zwischen Business Travel und Business Tourism (vgl. 2003: 3). Ersteres ist privat organisiertes Reisen fur beruf- liche Ziele, letzteres beschreibt den institutionalisierten Tourismus, welcher Geschaftsleute zu Kongressen, Tagungen, Meetings, Ausstellungen, Messen oder Incentives bringt. Der Unter- schied zwischen Geschafts- und Dienstreisen hat verschiedene Dimensionen (vgl. Hammer & Naumann 2004: 13). In diesem Fall bietet sich vor allem die Unterscheidung zwischen Reisen von Selbststandigen und Freiberuflern im Gegensatz zu Reisen von Angestellten an. Diese definitorische Unterscheidung findet in der vorliegenden Arbeit nicht statt, die berufliche Po- sitionierung bzw. Arbeitsform spielt in der Analyse spater eine gesonderte Rolle.

Die Charakteristika des Geschaftstourismus sind Veranderungen unterworfen, denn die Reali- tat des beruflichen Reisens ist dynamisch und verandert sich stetig. So gibt es bereits einen Diskurs uber die Auswirkungen von Onlinekonferenzen und anderer IT-Technologie auf Rei- seintensitaten - sowohl Haufigkeit, als auch Umfang. Graham spricht in diesem Zusammen- hang davon, dass “(...) mobile workers are logged into other spatial and technological networks as they travel. Thus business travel is also about interconnections, both between these various networks and also in terms of spatialities. (...) But the need for co-presence or face-to- face meetings seems to remain a consistent motivation for corporate mobility, no doubt (...) motivatory layers - which reflect, perhaps, the conceptualization of global­ization as a set of overlapping economic, political and social networks - (...) ” (Gra­ham 2010: Xxiii).

Die Prognose des Geschaftstourismus ist also positiv, Hess geht sogar davon aus, dass schon jetzt 20 % aller Arbeitenden mobil sind (vgl. 2007: 7). Mobilitat trifft auch und insbesondere auf die Kreative Klasse zu:

“As we reach the end of the first decade of the Twenty-First Century, business travel remains an important mode of production in firms with, amongst other things, travel being used to: attend form meetings or training session; visit clients to close deals; pitch for business or provide product support; attend trade fairs/conventions and visit sub-contractors and suppliers to monitor quality control or negotiate new business” (Beaverstock et al. 2010: 1).

Mehr virtuelle Kontakte und intensivere Zusammenarbeit fuhren zu einer steigenden Nach- frage nach physischen Treffen (vgl. Kesselring & Vogl 2010: 148).

Graham (vgl. 2010: Xxiii ) sieht in der Bedeutung des Geschaftstourismus sogar einen Ent- wicklungsfaktor des Wettbewerbs zwischen den Destinationen. Die oben genannte Kompo- nente der hierarchischen Stellung bei der Reiseentscheidung kann auch zwischen Stadten ent- stehen, denn es bilden sich Hierarchien zwischen unterschiedlich besuchten und wahrgenom- menen geschaftlichen Destinationen: „One result, however, is that, paralleling the social hie­rarchies of business travel, there is also a hierarchy of places stemming from the differentiati­on of business-class flows“ (Graham 2010: Xxiii). Eine Ahnlichkeit zu den Global Cities von Saskia Sassen und deren Ordnungsgefuge kann als vergleichbares Beispiel gesehen werden (vgl. 2006). International anerkannte Messestandorte haben gute Chancen sich in dieser Ord- nung gute Positionen zu erarbeiten. Der Tourismus sollte in diesem Zusammenhang als eine wichtige Funktion von Stadten gesehen werden, wie es Golembski nicht nur fur den dienstli- chen Bereich sieht: “A city tourism offer is differentiatied: it includes business travel as well as culture tourism, leisure and transit” (Golembski 2011: 60).

In der vorliegenden Arbeit verwende ich die Begriffe Dienst- und Geschaftsreise aquivalent. Ebenso umfasst der Terminus Tourismus ausschliefilich den Geschafts- und Diensttourismus, soweit nicht anders beschrieben. Die spezifischen Merkmale des hier behandelten Falles wer­den in denjeweiligen Kapiteln beschrieben.

2. 2. Eine Form des Geschaftstourismus - der Messebesuch

Der Geschaftstourismus setzt sich wie beschrieben aus unterschiedlichen Reiseformen zu- sammen. Eine dieser Reiseformen ist der Messetourismus.

Auf Messen werden im Gegensatz zu Ausstellungen Produkte und Leistungen in der Regel direkt v. a. an ,,Wiederverkaufer, gewerbliche Verbraucher oder Grofiunternehmer“ (Kim 2003: 7) verkauft. Damit tragen Messen direkt zum Umsatz bei (vgl. Hammer & Naumann 2004: 19 & 22). Aufierdem werden Messen von Ausstellern als Distributionskanal genutzt um Bekanntheit und Image des Unternehmens bzw. der eigenen Produkte zu steigern. Es werden ebenso Beziehungen begonnen und gepflegt, sowie Konkurrenten und deren Produkte bzw. Leistungen mit den eigenen verglichen. Damit dient die Teilnahme einer Messe einer Eruie- rung der eigenen Wettbewerbsposition. Trends und Neuheiten konnen durch den Besuch von Messen identifiziert und anschliefiend analysiert werden.

Die hier untersuchten Messen sind sowohl fur Fachbesucher geoffnet, aber auch als Publi- kumsmessen konzipiert. Eine Trennung zwischen Fachpublikumstagen ist in diesen Fallen nicht gegeben. Auch Fachvortrage und Workshops sind fur alle Besucher zuganglich,

wodurch keine Einteilung in professionelle Teilnehmer und Laien festzustellen ist. Eine Aus- nahme bildet die raumliche Trennung zwischen einer vor allem fachlichen Messe und einer Publikumsmesse bei einer ausgewahlten Veranstaltung. So ist die Arena Design-Messe wah- rend der Mobel- und Einrichtungs-Messe in einem abgetrennten Bereich untergebracht, zu dessen Zugang das Losen einer gesonderten Eintrittskarte notig ist. Die inhaltliche Unter- scheidung z. B. zwischen der Arena Design-Messe und der umgebenden Messe ist durch das Thema Sustainable Design gegeben.

Auf Grund der Tatsache, dass unter den Besuchern einerseits fachlich verwandt arbeitende Menschen zu finden sind, andererseits auch fachfremde Personen, werden in der Untersu- chung dieser Arbeit ausschliefilich als Aussteller tatige Interviewpartner befragt. In Bezug auf die Besucher lassen sich Freizeit- und Dienstinteresse nur schwer trennen. So kann selbst ein branchenangehoriger Gast eine Messe aus Eigeninteresse am Thema oder Inspiration auch aufierhalb der eigenen Arbeitszeit besuchen. Damit entsprechen diese Besucher nicht mehr dem typischen Geschaftstouristen. Dazu kommt, dass Gaste einer Publikumsmesse vorwie- gend Tagesgaste sind und damit keine Touristen nach der hier verwendeten Definition, in Bezug auf eine Mindestubernachtung (vgl. Kim 2003: 56).

Fur Stadte und Regionen bedeuten Messen die Moglichkeit zur direkten und indirekten Wert- schopfung und Arbeit in Hotellerie, Gastronomie, Transport und Baugewerbe (vgl. Kim 2003: 41). Messen konnen Teil der stadtischen Tourismus-Funktion sein, sie konnen sogar das Hauptthema sein (vgl. Kim 2003: 62). Es gibt folglich regelrechte Messe-Stadte. Posen setzt neben Messetourismus im geschaftlichen Bereich vor allem auf das Thema Know-how, wel­ches - nicht nur, aber auch - auf Messen stattfinden kann. Aufierdem ist die Region fur Histo- rie und Tanz bzw. Musik bekannt. Kreativitat ist eng mit diesen Elementen verbunden, damit ist die Kreative Klasse fur die Themen der Stadt nicht uninteressant.

3. Die Bedeutung der Kreativitat

3.1. Reisen und Kreativitat

Tourismus, aus beruflichen Motiven oder privaten, hat Einfluss auf die Kreativitat der Rei- senden, der Bereisten, und damit auch auf die kreativen Branchen der ausgewahlten Stadt oder Region.

Auf der einen Seite stehen die Reisenden, welche vom kulturellen Austausch, Wissensaus- tausch, von gemeinsamer Ideenschopfung und neuen Eindrucken beeinflusst werden. Auf der anderen Seite steht die Zieldestination, denn “(•••) tourism provides an important means of enhancing culture and creating income which can support and strengthen cultural heritage, cultural production and creativity” (OECD 2009: 10).

“Another interesting socio-cultural insight is gained form [sic!] analyzing the impact of interactions between host communities and visitors. Such interactions affect the sys­tem of values, moral principles, family and social relations, safety issues, self­expression, creativity, traditions, and local customs and ceremonies’’ (Golembski 2011: 100 nach Niezgoda 2006).

Aber nicht nur Menschen reisen, sondern, wie es Czarniawska und Sevon beschreiben, auch Ideen, materialisiert, verfalscht und gemeinsam mit Praktiken, Namen oder Begriffen (vgl. 2005). Auf einer Messe treffen neben Besuchern, Gasten, Ausstellern, den Medien, den Orga- nisatoren und Dienstleistern auch Objekte, Praktiken, Kulturen und Sprachen zusammen. Hier liegt die besondere Starke von Messen fur die kreativen Branchen. Der Messe-Tourismus birgt grofies Potential, Kreativitat Dynamik zu verleihen. Dazu bedarf es jedoch der richtigen Voraussetzungen. Um diese zu schaffen ist es wichtig, die Bedurfnisse und Vorstellungen der Wissens- und Ideentrager zu kennen, ihre Vorstellungen in Bezug auf ihre Schopfungen, die Begriffe und Sprachen, derer sie sich bedienen und welche sie auch mit schaffen.

3.2. Messe und Kreativitat

Eines der Phanomene, welches gezielt Geschaftsreisen betrifft, ist die Bildung temporarer Cluster (vgl. Maskell et al. 2004). Wahrend der Dauer einer Messe werden clusterahnliche Verbindungen erschaffen, die ,,hotspots of intense knowledge exchange, network building and idea generation” (Maskell et al. 2004: 1) sind, welche kurzfristig im definierten Messezeit- raum aktiv sind und mit Ablauf dieser Zeit enden. Die temporaren Cluster haben, wie perma- nente Cluster auch, eine horizontale und vertikale Dimension, diejedoch nicht durch konkrete Aktivitaten wahrend ihrer Lebensdauer belegt sein mussen.

Durch diese Cluster konnte Wissen und Kreativitat nicht nur auf der Messe ausgetauscht wer­den, sondern als Spill-Over auf die Stadt ubergehen. Durch Messebeobachter bzw. regionale Aussteller und Besucher gezielt betrieben oder durch das Interesse einheimischer Gaste als externer Effekt auftretend - gesteuert oder ungesteuert konnen Wissens- und Ideenflusse akti- viert werden. Die genaue Abhangigkeit von der Akquirierung neuen Wissens und Reisens bzw. Mobilitat scheint noch nicht ausreichend durchdrungen (vgl. Beaverstock et al. 2010; Koser & Salt 1997; Baganha & Entzinger 2004). Nicht alle Unternehmen und Personen sind allerdings in gleicher Weise in der Lage, wahrend der kurzen Reisezeit die Vorteile eines temporaren Clusters wahrzunehmen. Trippl und Todtling unterscheiden zwischen den kleine- ren und mittleren Unternehmen, welche auf permanente Cluster angewiesen sind, und grofien Unternehmen, welche durch zeitweisen Austausch leichter profitieren (vgl. 2011: 160). Der Grund hierfur liegt vor allem in der oftmals besseren Ausstattung grofier Unternehmen mit Personal und Ressourcen, was die Mobilitat und Spezialisierung der Mitarbeiter auf die Nut- zung der Vorteile kontinuierlich fordern kann.

4. Die Kreative Klasse

4.1. Bedeutung der Kreativen Klasse

In einer zunehmend globalisierten Welt verandern sich die Wichtigkeit und Charakteristika von Wettbewerbsvorteilen und -nachteilen von Landern, Regionen, Stadten, Clustern oder Distrikten und einzelnen Unternehmen. Nach Florida tragt in Gegenwart und noch mehr in unserer Zukunft die Kreative Klasse zu einem erheblichen Teil zu okonomischer Entwick- lung, zu Produktionsertrag, zu Innovativitat, zu Attraktivitat und somit auch zu Wettbewerbs- fahigkeit bei:

„Essentially my theory says that regional economic growth is driven by the location choices of creative people - the holders of creative ideas. It thus differs from the hu­man capital theory in two respects: (1) It identifies a type of human capital, creative people, as being key to economic growth; and (2) it identifies the underlying factors that shape the location decisions of these people, instead of merely saying that regions are blessed with certain endowments of them” (Florida 2002: 223).

Dies bedeutet u. a., dass fur einzelne geographische Einheiten um Mitglieder dieser Kreativen Klasse konkurriert werden muss, um wettbewerbsfahig zu sein bzw. zu bleiben. Eine Mog- lichkeit besteht im Aufbau einer entsprechenden Bildungs- und Ausbildungsstruktur, wie es z. B. Eckert et al. fur Europa vorschlagen, eine andere im Anwerben und damit einen Zuge- winn von Kreativen anderer Lander oder Regionen (vgl. 2012).

4.2. Eingrenzung der Kreativen Klasse

Die Kreative Klasse nach Florida bezeichnet eine neue soziale Klasse, welche sich in erster Linie durch die Nutzung ihrer Kreativitat fur Problemlosungen und Neuschopfungen aus- zeichnet. Neben den Kunstlern, die als Bohemians bezeichnet werden, gibt es innerhalb dieser den (Super) Creative Core und die Creative Professionals (vgl. Florida 2002). Der kreative Kern bezieht sich auf Menschen, welche mit ihrer Kreativitat Innovationen schaffen, Patente erlangen etc., z. B. Wissenschaftler, Ingenieure, Informatiker, Forscher, Designer und Arbei- ter der Medienbranche. “Along with problem solving, their work may entail problem finding” (Florida 2002: 69). Creative Professionals sind in wissensintensiven Berufen beschaftigt, wie z. B. Arzte-, Finanz-, Rechts- und Bildungswesen. Ihre Aufgabe ist es vor allem mit bewahr- tem Spezialwissen Probleme zu losen,jedoch nicht neue Losungen zu entwickeln.

Der Klassen-Begriff wird auch kritisiert, u. a. wegen der sehr breiten Definition. Die Bundes- zentrale far politische Bildung stellt auf ihrer Internetseite die Frage, ob ,,ein derart breiter Berufemix uberhaupt aussagekraftig“ (BPB 2010: Kultur- oder Kreativwirtschaft: Was ist das eigentlich?) ist? Fur Messetouristen impliziert die Einteilung trotz moglicher groBer Streuung eine sinnvolle Abgrenzung zur typischen Working Class - also z. B. traditionelle Vertreter und Verkaufer - welche als Messeteilnehmer nicht selten zu finden sind, denn laut Dettmer et al. weist der Vertrieb die meisten Geschaftsreisen auf (vgl. 2000: 19). Da eine Einteilung nach Berufen auf einer internationalen Messe durch unterschiedliche Berufs- und Bildungssysteme kaum im Umfang dieser Arbeit verwendbare, vergleichbare Kriterien liefert, wird die Zugeho- rigkeit zur Untersuchungsgruppe durch zwei Auswahlstufen bestimmt. Der existierende IS- CO-Code kann zwar Berufe vergleichbar machen, jedoch werden viele Aspekte, welche die Kreative Klasse charakterisieren, dadurch nicht unbedingt ubertragen, wie z. B. Identitat und gesellschaftliche Rolle der Berufe.

Erstens unterliegt die Auswahl an untersuchten Veranstaltungen der Auswahl der Messeorga- nisation. Hier wurden durch die Experten drei Veranstaltungen selektiert, welche auf die Kernzielgruppe Kreative Klasse zugeschnitten sind. Zweitens unterliegt die kreative Tatigkeit der Selbsteinschatzung der Teilnehmer. Kreativitat sollte dabei elementares Element des Ar- beitsprozesses bzw. zentrales Charakteristikum der Produkte und Leistungen sein. Damit steht v. a. der (Super) Creative Core im Mittelpunkt der Arbeit. Im deutschen Begriff der Kreativ­wirtschaft sind Branchen zusammengefasst, in denen eine solche kreative Arbeit stattfindet, die Auswahl istjedoch sehr unterschiedlich.

4.3. Reiseverhalten der Kreativen Klasse

Lassen betont, dass ein Zusammenhang zwischen Lebensstil und Reiseverhalten besteht (vgl. 2010: 184-186). Er versteht ,,Business Travel as a Part of One's Identity” (Lassen 2010: 184). Aus diesem Grund ist die Frage nach den speziellen Anspruchen der Kreativen Klasse im Geschaftstourismus einmal mehr relevant.

Da uber die Reisewunsche und -erwartungen der Kreativen Klasse zum gegenwartigen Zeit- punkt und personlichem Wissensstand keine ausfuhrliche Analyse vorliegen, muss bei der theoretischen Einordnung vor allem auf das Freizeitverhalten und Freizeitreisen eingegangen werden. Allgemein lasst sich annehmen: „Creative thinking requires stimuli. Consequently, the Creative Class lifestyle is characterized by a ‘passionate quest for experience’ (Florida, 2002: 166)” (Gretzel & Jamal 2009: 474).

Geht es um konkrete Freizeitaktivitaten nennt Florida vor allem kulturelle Aktivitaten oder Bewegung und Sport in Grunanlagen oder auf Radwegen (vgl. 2002). Dies sind nur einige der sog. weichen Standortfaktoren, die er fur eine erfolgreiche Anwerbung und spatere Bindung von Kreativen benennt. Mehr Aussagekraft findet sich in dem folgenden Zitat:

,,The ideal [for the creative class] is to ‘live the life’ - a creative life packed-full of in­tense, high-quality, multidimensional experiences. And the kinds of experiences they crave for reflect and reinforce their identities as creative people They favour ac­tive, participatory recreation over passive spectator sports. They like indigenous street-level culture - a teeming blend of cafes, sidewalk musicians, and small galleries and bistros, where it is hard to draw the line between participant and observer, or be­tween creativity and its creators“ (Florida 2002: 166).

In Ihrer Untersuchung uber das Freizeitverhalten des kreativen Kerns der Kreativen Klasse stellt Bille fest, dass diese in ihrer Freizeit besonders kreativ ist, sich fur Literatur und Wis- senschaft interessiert, klassische Konzerte und Theaterauffuhrungen besucht, sowie sich mit kulturellem Erbe und Geschichte auseinandersetzt (vgl. 2010). Geht es um sportliche Aktivi­taten ziehen Kreative eine nicht-institutionalisierte Organisation vor. Allgemein ist eine selbstbestimmte Freizeit fur diese Gruppe wichtig. Damit kann Bille das von Florida be- schriebene Verhalten zum Teil bestatigen (vgl. 2002). Daruber hinaus geht sie jedoch von Unterschieden zu Florida aus, denn Kreative zeigen z. B. kein unterscheidbares Verhalten was Alltagskultur - Computerspiele oder Fernsehen etc. mit Ausnahme von Radio - oder Famili- enausfluge, z. B. in Zoos oder Freizeitparks, angeht (vgl. 2002). Auberdem nehmen Kreative dort im selben Mafie an Abendkursen und Angebote informellen Lernens, welche tendenziell organisiert sind.

Banks weist in seinem Artikel darauf hin, dass die Wahl an Aktivitaten auch eine Instrumen- talisierung impliziert, die bedingt, dass diese zu einer Verbesserung oder Inszenierung der eigenen Kreativitat und Identitat als Kreative dienen (vgl. 2008). Die Freiheit und Selbstbe- stimmtheit kann also unter Umstanden nur ein Deckmantel fur sozio-okonomische Erwartun- gen an den ,,Nutzen“ von Freizeit fuhren.

Ubertragt man das Freizeitverhalten auf Reisen, so weisen die Beschreibungen groBen Teils auf eine jungere Unterform des Kulturtourismus - dem Creative Tourism - hin (vgl. Ohrids- ka-Olson 2010; Richards 2011; Richards & Wilson 2006). Aus diesem Grand sowie der Rele- vanz in der Auswertung wird eine kurze Einordnung dieser Tourismusform gegeben.

4. 3. 1. KreativerTourismus

Richards und Wilson beschreiben Kreativen Tourismus als eine Intensivierung des Kulturtou­rismus, der mehr Authentizitat und Teilnahme verspricht, dadurch, dass die Massenprodukti- on und -inszenierung von Kultur beendet wird und an ihre Stelle touristische Angebote treten, welche die Bewohner und Gaste eines Ortes miteinander in Interaktion bringen, so z. B. durch gemeinsame kunstlerische Betatigung oder das Lernen solcher durch aktive Teilnahme an Schaffensprozessen (vgl. 2006 & Richards 2011). Damit folgt das touristische Erleben nicht mehr dem von Urry (vgl. 2002) beschriebenen Tourist Gaze, sondern schafft es, den Reisen- den vom Zuschauen zum Mitmachen zu bewegen (vgl. Richards 2011 & Ohridska-Olson & Ivanov o. D.: 3). Die UNESCO schlieBt diese Merkmale in ihrer Definition zusammen: “Creative tourism is travel directed toward an engaged and authentic experience, with partici­pative learning in the arts, heritage, or special character of a place, and it provides a connec­tion with those who reside in this place and create this living culture” (2006: 3).

Grunde fur diesen Trend sieht Richards in den folgenden Punkten:

,, - Dissatisfaction with contemporary modes of consumption
- Blurring boundaries between work and leisure (serious leisure, work as play, life­style entrepreneurship)
- Increased desire for self-development and skilled consumption
- Experience hunger of postmodern consumers
- Building narrative, biography and identity
- Attractiveness of creativity as a form of expression” (2011: 1229).

Gerade was die identitatsstiftende Funktion des Reisens angeht, spricht Mundt vom Status- symbol des Reisens bei geschaftlichen Unternehmungen (vgl. 2006: 141-142). Das Motiv findet sich also sowohl in Freizeit-, als auch Geschaftstourismus. Ob dies fur die Kreative Klasse besonders zutrifft, ist zu prufen. Es liegt jedoch auf Grand der Betonung der eigenen kreativen Identitat in Freizeitaktivitaten nahe, dass die Identifizierung mit der Auspragung ihrer Reisen ein zu beachtender Faktor bei Themen und Angeboten ist (vgl. Florida 2002: 166). Lassen meint: “The business journey seems to deliver an important material and sym­bolic contribution to the employee's identity which is shaped on an international scale” (2010: 184). Als Beispiel kann hier die ,,aeromobility“ (Graham 2010: xxiii) gesehen werden. Dem entgegen steht die von Kesselring und Vogl postulierte Zunahme des ,,banal cosmopolita- nism“ (2010: 146), da die Zahl an Reisen zunimmt (vgl. Beck 2008). Beaverstock et al. gehen davon aus, dass besonders furjunge Geschafitsreisende die Erfahrung noch eine willkommene Abwechslung und Karrieremoglichkeit darstellen kann (vgl. 2010: 1).

Cloke sieht die Moglichkeit, dass traditionell weniger kreative Angebote durch die aktive Rol- le, die Erfahrung und Reaktion der Reisenden - wie im Kreativen Tourismus priorisiert - ei- nen kreativen Charakter erhalten (vgl. 2006: 105). Auberdem kann davon ausgegangen wer­den, dass, gerade in Anbetracht der Neuinterpretation und Neuschaffung von Aktivitaten und Erlebnissen mit Hilfe der Reisenden selbst, neue Tourismuserfahrungen im Entstehen sind, die noch nicht beschrieben sind. Hier konnen auch die neuen technischen Moglichkeiten eine entscheidende Rolle fur das Angebot spielen (vgl. Gretzel & Jamal 2009: 478). “In essence we are seeing the development of tourism as an increasingly creative and ludic environment, within which new practices can be developed which challenge current representations of space” (Richards 2011: 1227).

4.3.2. Bedeutung des Kreativen Tourismus fur den Messetourismus

Auf Grund der Tatsache, dass sich Geschafitstourismus in vielen Fallen mit privaten Aktivita­ten vermischt, sind die personlichen Erwartungen und Wunsche der Reisenden auch fiur ein erfiolgreiches und zufiriedenstellendes Geschafitsreiseerlebnis von grofier Bedeutung (vgl. Las­sen 2010: 189; Bieger 2006: 96 & Freyer 2006: 94-95). Der von Florida postulierte Ausbau von kulturellen und unterhaltenden Angeboten fiur Einheimische bzw. Zuziehende ist somit sowohl fur den Freizeittourismus, als auch den Geschafitstourismus erheblich (vgl. 2002).

5. Das Beispiel Posen

5.1. Allgemeine Beschreibung

Geographisch liegt Posen im Westen Polens und fiungiert als Hauptstadt der Verwaltungsein- heit Woiwodschafit Grofipolen. Mit rund 552.000 Einwohnern ist sie funftgrofite Stadt des Landes (vgl. Poznan City Hall 2013). Davor liegen die Einwohnerzahlen der Hauptstadt War- schau sowie Krakau, Lodz und Breslau. Die Stadt teilt sich in funf Gebiete: Nowe Miasto, Stare Miasto, Grunwald, Wilda und Jezyce. Die Metropolregion Posen ist komplementar mit dem NUTS 4 Level und besteht aus Posen, sowie siebzehn weiteren Stadten und Gemeinden[1] (Lubon and Puszczykowo, Buk, Kostrzyn, Kornik, Mosina, Murowana Goslina, Pobiedziska, Steszew, and Swarzedz, Czerwonak, Dopiewo, Kleszczewo, Komorniki, Rokietnica, Suchy Las, und Tarnowo Podgorne). Die auberhalb Posen befindlichen Orte sind teilweise okono- misch sehr erfolgreich, vor allem durch die dort agierenden Industrieunternehmen (vgl. Stry- jakiewicz et al. 2010: 15). Nach diesem Regionsverstandnis ergibt sich eine Einwohnerzahl von 868.000 bis zu einer Million (vgl. Stryjakiewicz et al. 2010: 15 & Aglomeracja Poznans- ka2013: Profil Metropolii Poznan).

Auf 1.000 Einwohner kommen Im Jahr 2009 in Posen 171 Wirtschaftseinheiten, damit liegt die Stadt im Vergleich zu den vier weiteren grobten Stadten (ohne Warschau) an erster Stelle, 49 von 10.000 Wirtschaftseinheiten sind nicht polnisch (Poznan City Hall 2013 nach Central Statistical Office). Unter anderem sind die Lebensmittel- und Chemie-Industrie sowie, Elekt- romechanik und Automobilkonstruktion hier angesiedelt. Aktivitaten betreffen allerdings vor allem den “dominating service sector which accounts for 70.9 per cent of the region's gross value added” (Stryjakiewicz et al. 2010: 17). Zahlreiche international Unternehmen operieren in der Region, so z. B. Allied Irish Bank, Beiersdorf, Bridgestone, Dalkia Group, Herlitz, Hochland, GlaxoSmithKline, Imperial Tobacco, Kraft Jacobs Suchard, Kronospan Holding, Kuhne & Nagel, MAN Truck & Bus, Nordisk Wavin, Pernod Ricard, Pfeifer & Langen , Raben Group, Rehau, SABMiller, Unilever, Union Caffee, Volkswagen, Von der Heyden Group, Wrigley, Bertelsmann, Carlsberg, Franklin Templeton, GlaxoSmithKline, Kimball Electronics, Kleffmann, MAN, Microsoft, Wikia, WR Grace (vgl. Aglomeracja Poznanska 2013: Profil Metropolii Poznan & Posen-Life.com 2013). Daneben existiert eine grofie Zahl von nationalen Firmen, wie Zabka Polska SA oder Kompania Piwowarska SA. Circa 40 % der Unternehmen der Metropolregion befinden sich auf Posens Stadtgebiet. Die Stadt verfugt verglichen mit Lodz, Breslau, Danzig und Krakau 2009 auch uber die meisten hoheren Schu- len bzw. Ausbildungsstatten, insgesamt 26 (Poznan City Hall 2013 nach Central Statistical Office).

Als wichtigste Wachstum bedingende Faktoren gelten u. a. die gute strategische Lage Posens zwischen West- und Osteuropa, die gut ausgebaute Anbindung an Warschau und Berlin, der moderne und erweiterte Flughafen, die zahlreichen Bildungsinstitutionen sowie die Diversitat der ansassigen Unternehmen und ein lebendiges, historisch und kulturell reiches Stadtleben.

Aktuell wird versucht, neben den Themen Mobel und Motorisierung, das Lebensmittelindust- rie-Cluster der Region zu fordern (vgl. Aglomeracja Poznanska 2013).

Die Woiwodschaft GroBpolen hat 2010 ein Bruttoinlandsprodukt von 131.885 Millionen Zlo­ty erwirtschaftet. Damit tragt sie als eine von sechszehn Woiwodschaften mit ca. 9,3 % des polenweiten Bruttoinlandsproduktes zum wirtschaftlichen Erfolg bei (vgl. CSO 2012: 59). 35.053 Millionen Zloty entfallen 2010 dabei auf den Handel, einschliefilich dem Gast- und Hotelgewerbe (vgl. CSOa 2012: 62).

5.2. Tourismus in Posen

Im Jahr 2010 konnte Posen circa 443.200 Besucher registrieren. Davon waren 148.300 an- kommende Touristen (vgl. Abb. 3).

Ubernachtungs-Gaste in Posen

Ubernachtungs-Gaste in Tausend

davon auslandische Gaste in Tausend

Abbildung 3: Ubernachtungs-Gaste in Posen 2000 bis 2010. Quelle: Poznan City Hall 2013: Tourists accommodated. Daten: Statistical Office Poznan.

Podemski stellt fest, dass in den Stadten Posen, Warschau oder Danzig die Mehrzahl der aus dem Ausland kommenden Touristen keine gewerblichen Ubernachtungsmoglichkeiten in An- spruch nimmt, sondern bei Verwandten und Freunden bleibt (vgl. 2004: 10). Dies wirkt sich sowohl auf die Dauer der Aufenthalte aus, als auch auf die Hohe der Wertschopfung, welche generiert werden kann.

Nach Golembski ist

“Poznan (...) generally not associated -with history, culture or entertainment. This per­ception is contrary to reality (Poznan is the historic cradle of the Polish State, and the city hosts a large number of cultural events and conventions), and is an indication of:

- existence of untapped market niches
- mismatch of tourism offers and perceptions ofpotential customers’’ (2011: 91).

Damit verfugt Posen zwar uber die notwendigen Ressourcen, istjedoch durch die Themenpra- senz (noch) keine Kulturtourismus-Destination. Schwachen liegen auberdem in der schlecht ausgebauten Infrastruktur zur Erreichung kultureller und naturlicher Attraktionspunkte (Golembski 2011: 89). Die Starken Posens liegen vielmehr im Geschaftstourismus.

5.3. Geschaftstourismus in Posen

Podemski weist in seiner Studie 38 % der von ihm befragten Reisenden als Geschaftstouristen aus, das entspricht mehr als einem Drittel aller Touristen (vgl. 2004: 30). Das Motiv der Ge- schaftsreisenden ist es, sich um geschaftliche bzw. berufliche Belange in Posen zu kummern. Dies deckt sich mit einer Studie des Insitut for Tourism von 2002. Im Landesvergleich liegt Wielkopolska betreffend der internationalen Geschaftstouristen damit auf zweiter Stelle nach der Moazowieckie Provinz, in der die Hauptstadt liegt. Auberdem ist Posen die sechstbeste mit Konferenzeinrichtungen ausgestattete Stadt Polens (vgl. Podemski 2004).

Diese Zahlen zeigen die Bedeutung des Geschafts- und Messetourismus in Posen auf, wodurch sich die Stadt die positiven Effekte zu Nutze machen kann. Gerade durch die hiesige Messe kann geschaftliche und berufliche Mobilitat entstehen, welche uber das Jahr verteilt fur Tourismus sorgt, der wiederum saisonale Schwankungen, hier z. B. des Stadttourismus, aus- gleichen und fur Differenzierung im touristischen Angebot durch die Konzentration auf Kern- kompetenzen der Region sorgen kann (vgl. Raich 2008: 144-145).

5.4. Messe in Posen

Der Messestandort Posen ist fur die international grobte Messe Polens bekannt (vgl. UFI 2009). Nicht nur, jedoch auch die vor Ort aktiven Unternehmen profitieren von dem zent- rumsnahen, neben dem Hauptbahnhof angesiedelten, modernen Messegelande.

Betrachtet man die mogliche Bedeutung temporarer Cluster auf Messen fur die regionale Wirtschaft, so liegt Meissners Feststellung uber die Wichtigkeit der Messe nahe (vgl. 2006). Meissner schreibt der Poznan International Fair wichtigen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung Posens zu (vgl. 2006: 12-13). Diese Bedeutung lasst sich auch in Zahlen ausdru- cken. Die Posener Messe ist die fuhrende Messe in Polen und eine der erfolgreichsten Osteu- ropas. Sie verfugt 2006 uber rund 54 % der Ausstellungsflache des polnischen Marktes (vgl. Meissner 2006: 13). Mit sechzehn Hallen, 110.000 m2 Ausstellungsflache, 35.000 m2 offener Flache, 81 Konferenzraumen und ca. 1.000 eigenen Parkplatzen kann sich die Messe trotz steigender Konkurrenz behaupten (vgl. Poznan International Fair 2010: Exhibition Grounds). Es werden zahlreiche Messen zu Themen der Kreativen Klasse angeboten, z. B. EURO Re- klama fur Werbung und Marketing oder Arena Design fur Einrichtungsdesign.

5.5. Kreativitat in Posen

5. 5. 1. Herausforderungen in der Ansiedlung von Kreativitat und Know-how

Trotz guter wirtschaftlicher Lage erfullt die Metropolregion ihre Funktionen noch nicht im vollen Umfang. Es gibt erhebliche Verzogerungen in der Ansiedlung kreativen Wissens, vor allem durch die Barrieren der kommunistischen Ara, an der Globalisierung teilzunehmen. Die geographische Konkurrenzsituation mit Berlin und Warschau erzeugt zunehmenden Druck auf die kleinere Stadt und ihr Umland (vgl. Stryjakiewicz et al. 2010: 15).

Dieser Konkurrenzsituation wird durch zahlreiche Abgrenzungs- und Promotionsaktivitaten begegnet. Fur eine Profilierung der Region wurde u. a. der Slogan Poznan - City of Know­how gefunden. Auberdem ist Posen, vertreten durch die Adam Mickiewicz University, Partner im europaischen Forschungsprojekt Creative Region. Untersuchungsgegenstand des Projektes ist die Kreativwirtschaft bzw. Kreative Klasse in Europa, sowie Moglichkeiten und Perspekti- ven der Regionalentwicklung fur mehr Innovation und Kreativitat im Europaischen Kontext (vgl. Creative Regions in Europe Research Network 2013). Mit wachsendem Volumen des kreativen Unternehmenssektors ergeben sich hier gute Beispiele fur die zunehmende Bedeu- tung kreativer Tatigkeiten, sowohl fur die Produktivitat der Region, dem wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Interesse, als auch dem pragenden Faktor Wissen und Innovation fur das Image der Stadt (vgl. Stryjakiewicz & Stachowiak 2010: 26). Die Messeorganisation selbst hat die Themen Kreativitat und Innovation bereits aufgenommen und versucht als einer der Akteure vor Ort, international Talente anzuziehen und fur einen Austausch zwischen den Regionen und Kreativen zu sorgen.

Der Geschaftstourismus in Posen ist als Plattform fur den Austausch von Wissen und Ideen fur die wirtschaftliche Entwicklung der Region ein bedeutender Faktor. Ziel istjedoch mittel- und langfristig, im Sinne von Nachhaltigkeit, Know-how und Kreativitat an den Standort zu binden. Durch die compression of time and space als Konkretisierung des Phanomens Globa- lisierung entstehen neue Konkurrenzsituationen, die Verfugbarkeit von Waren intemationaler Herkunft nimmt zu, weshalb sich viele Unternehmen wandeln mussen (vgl. Harvey 1992). Schnellere Produkt- und Prozessentwicklungen sind eine Moglichkeit, Wettbewerbsvorsprun- ge zu bekommen. Innovationen und kurze Entwicklungszeiten sind notwendig (vgl. Espich 2001) Fur diese Innovationen ist sowohl Kreativitat und Inspiration relevant, als auch eine intensive, zeitkritische Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteuren. Geschaftsreisen bieten die Option des personlichen Kontaktes. Der Slogan Poznan - City of Know-how zeigt in der Aubenwirkung die Potenziale und Intentionen in Bezug darauf, Kooperation und Vernetzung in wissensbasierte Branchen anzuregen. Als Alternative oder Erganzung konnten die tempora- ren Cluster von Messen genutzt werden, um die regionalen, dauerhaften Cluster zu fordern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Kreative Auseinandersetzung mit dem Image-Slogan Posens: Posen. Das ist keine Firma! Quelle: Eige- nes Bild.

Die Besonderheiten der Messebesucher liegen hier vor allem darin, aktuelle Themen bzw. Trends zu verfolgen und diesen, sozusagen, hinterher zu reisen. Auberdem sind gerade die Messeteilnehmer diejenigen, welche im jeweiligen Themengebiet Vorreiter und Ideenbringer sind. Der Messetourismus kann fur die Region unter diesen Umstanden nicht nur als Wert- schopfungseinheit, sondem auch als Entwicklungs-Instrument gesehen werden: „Man kann sie auch als Instrument der Wirtschaftsforderung allgemein sehen und als Mittel zur Image- starkung einer Stadt, sowohl im nationalen als auch im internationalen Rahmen betrachten“ (Busche 1998: 763).

Die Besucher und Aussteller nehmen die Gastgeberstadt wahr, ihre Themen und ihre Verbin- dungen. Menschen kommen in Kontakt und die fur Ansiedlungsentscheidungen wichtigen Netzwerke konnen aufgebaut und gepflegt werden. Um diese Effekte jedoch dauerhaft erzeu- gen zu konnen ,,(...) muss die Messeleitung stets neue Aussteller suchen und neue Messethe- men anbieten (...)“ (Busche 1998: 166). Hier besteht eine Wechselbeziehung zwischen Messe und Standort: Die Stadt bzw. Region gibt Themen vor, die von der Messe aufgegriffen wer­den konnen und die Messe kann sich neue Themen erschliefien, die in der regionalen Ent- wicklung zukunftig eine Rolle spielen konnen bzw. sollen. Oft entwickeln sich an Standorten jedoch nicht schnell genug neue Themen, sodass es zu einem Ungleichgewicht kommt und neue Themen aufgrund von Uberangebot nicht aufgenommen werden konnen (vgl. Busche 1998: 166).

Messeorganisatoren mussen trotzdem immer neue Themen finden. Dabei spielen neben dem Image auch andere, z. B. kurzfristig monetare Motive eine Rolle. Ohne eine Absprache der einzelnen Stakeholder ist die Durchsetzung eines regionalen oder stadtischen Image kaum durchfuhrbar. Es braucht hier eine verbindliche und kontinuierliche Zusammenarbeit, bei der die Akteure nicht nur quantitative Erwartungen an den Tourismus angeben, sondern auch die gewunschten Zielgruppen beschreiben.

Nicht nur fur die Messebetreiber, sondern auch fur die mit Ihnen verbundenen Akteure ist es wichtig, die Wirkung und Erwartungen der Besucher aus kreativen Berufen zu kennen, um sie gezielt ansprechen zu konnen. Dies soll in vorliegender Arbeit durch eine erste Einordnung der Eindrucke und Erwartungen der Kreativen Klasse als Messebesucher in Posen geschehen.

5.5.2. Kreatives Wissen in Posen?

Als Forschungs- und Entwicklungsstandort, sowie als wichtige Messestadt ist die Region um Posen bestrebt, die sog. Kreative Klasse anzusprechen und die Ansiedlung von Unternehmen der sog. Kreativwirtschaft zu fordern. Die Grundlage fur diese strategische Entwicklung liegt in der Diskussion um Talent, Toleranz und Technologie als wettbewerbsrelevanten Faktoren zukunftiger Stadt- und Regionalentwicklung. Da die Rolle der Kreativwirtschaft bzw. Kreati­ven Klasse im ehemals kommunistischen Zentral- und Osteuropa umstritten ist, sollen einige Daten zu den betreffenden Branchen in Posen aufgezeigt werden (vgl. Musterd et al. 2007 nach O'Connor 2005 & Primorac 2006).

Zur Situation in Polen auBern sich Stryjakiewicz et al. auf der einen Seite positiv, da die Transformation sichtbar ist und auch den kreativen Sektor betrifft, trotzdem gibt es auch An- lass, die oben genannten Strategien zu diskutieren:

“A crucial deterrent to change, however, is a bad budgetary situation of both the state and local authorities, which is manifested in their low level of support for culture, arts, architecture, publishing, and the R&D sector. The inflow of immigrants has been relatively low, but there has been an alarmingly heavy outflow of young, educated and talented people seeking jobs in the European Union states” (Stry'akiewicz et al. 2007: 13) Stry'akiewicz et al. geben die Anzahl an Unternehmen kreativer Branchen in Posen in den Jahren 2001 und 2005 wie folgt an (2010: 18) (vgl. Abb. 5):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Verhaltnis der Kreativ-Unternehmungen zu denen anderer Branchen in Poznan 2005

Abbildung 6: Verhaltnis der Kreativ-Unternehmen zu denen anderer Branchen Posens in den Jahren 2001 und 2005. Quelle: Eigene Darstellung nach Stryjakiewicz et al. 2010: 69. Daten: Statistical Office Poznan.

Beachtlich ist vor allem die rasche Zunahme zwischen den betreffenden Jahren. „Two-thirds of the new businesses were those in the creative sectors” (Stryjakiewicz et al. 2010: 19). Die meisten Unternehmen haben hier weniger als zehn Mitarbeiter, ein Ruckgang in dieser Perio- de ist nur bei grofieren Arbeitgebern mit uber 250 Angestellten zu verzeichnen (vgl. Stryja­kiewicz et al. 2010: 19).

Dies bedeutet eine prozentuale Veranderung in den einzelnen kreativen Branchen der zugrun- deliegenden Untersuchung zwischen 2001 und 2005 wie in Abbildung 7. Konkret bedeutet dies eine Zahl von Angestellten in einzelnen Branchen wahrend dieser Jahre wie in Abbildung 8.

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Abbildung 7: Prozentuale Veranderung der Beschaftigtenzahlen in kreativen Branchen zwischen 2001 und 2005. Quelle: Eigene Darstellung nach Stryjakiewicz et al. 2010: 22. Daten: Statistical Office Poznan.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8: Anteil der in kreativen Branchen Beschaftigten Posens im Jahr 2001. Quelle: Eigene Darstellung nach Stryjakiewicz et al. 2010: 22. Daten: Statistical Office Poznan.

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Abbildung 9: Anteil der in kreativen Branchen Beschaftigten Posens im Jahr 2005. Quelle: Eigene Darstellung nach Stryjakiewicz et al. 2010: 22. Daten: Statistical Office Poznan.

Diese Zahlen belegen, dass bereits ein wesentlicher Anteil an wirtschaftlicher Tatigkeit im kreativen Bereich stattfindet - insgesamt sind 2001 in der Metropolregion 6,2 % in kreativen Branchen beschaftigt, 2005 schon 6,6 % und in der Gemeinde im Vergleich 2001 sogar 7,2 % bzw. 2005 7,3 % - mit weiterhin positivem Trend. Darum ist die Kreative Klasse eine schon jetzt wichtige Zielgruppe des Tourismus- und Stadtmarketings und der regionalen Wirt- schaftsentwicklung.

Allerdings haben Stryjakiewicz et al. festgestellt, dass die Stadt neben schlechter Luftqualitat und unzureichenden Investitionsmoglichkeiten, vor allem an einer inadequate promotion of its image (including cultural assets)” (2010: 18) leidet. Neben dem normativen Gedanken, das Thema Kreativwirtschaft durch diese Einschatzung zu starken, sieht man doch, dass Stadt- bzw. Regionalmarketing aus Sicht von lokal agierenden Experten eine entscheidende Rolle fur die Zukunft der Region als Anziehungspunkt spielen konnen. Als ein Akteur in diesem Feld kann die Messe genannt werden. Gerade zur Verbesserung des Auftretens der Messe und ihrer Stadt hat die Frage nach den spezifischen Erwartungen an Posen hohe Relevanz.

5. 5. 3. Limitierende Faktoren fur die Relevanz dcr Kreativen Klasse

Ob ein Tourismuskonzept mit Fokus auf die Kreative Klasse fur den Gewinn von Talenten einen positiven Beitrag leisten kann, ist jedoch nicht nur vom Standortmarketing abhangig. In der Frage nach der Mobilitat kreativer Menschen und ihren Motiven entwickeln sich bereits weitere Thesen. Fur die Bedeutung der Messe und ihrer Aktivitaten ist die Klarung der Mobi­litat eine wichtige Komponente.

Eckert et al. haben in einer Studie u. a. die Herkunft von kreativ Tatigen untersucht und dabei Posen als eine der Stadte identifiziert, in welcher uberwiegend viele geburtige Posener arbei- ten, als auch besonders viele Menschen, welche ihren hochsten Bildungsabschluss in Posen erworben haben (vgl. 2012): more than half (53.3%) of the people interviewed were born in the town where they currently live, or in its immediate surroundings. This proportion varies from 31% (Dublin) to 76% (Barcelona). Among the cities where the people interviewed are the most “local” we find - right after Barcelona - Milan (75%), Posen (72%) and Buda­pest (62%), while among those in which they are the least local, we find Toulouse (36%), Amsterdam (37%) and Helsinki (42%) (...) that one is born locally does not necessarily imply that one has led a sedentary life.

(...) 63.6% of the participants in the study have studied in the town where they cur­rently live or nearby. This ranges from 47% (Toulouse) to 91% (Posen). Among the cities with the greatest number of people educated locally, we find Barcelona (86%), Milan (73%) and Helsinki (67%), and among those with the smallest Amsterdam (51%), Munich (52%), and Leipzig (52%) “ (Eckert et al. 2012: 3-4).

In ihrer Analyse gehen Eckert et al. von einer eher immobilen kreativen Klasse aus (vgl. 2012). In Bezug auf die Intention durch touristische Aufwertung die Standort- und Lebens- qualitat zu verbessern, ergibt sich fur Posen eine Schwierigkeit, wenn man bedenkt, dass hier vor allem Kreative wirken, welche aus der Region stammen. Der Zusammenhang eines regio- nalen Marketings mit Hilfe von Tourismusmarketing mit der Mobilitat von Talenten im krea­tiven Bereich kann allerdings nur durch mittel- und langfristige Vergleichsbeobachtungen festgestellt werden. Desweiteren weist ein hoher Anteil an ortstreuen Kreativen zum Befra- gungszeitpunkt 2007 in keiner Weise auf einen Trend in der Dynamik, d. h. einen Anstieg oder Abfall, dieser Gruppe hin. So besitzt Posen durch die politische, okonomische und ge- sellschaftliche Transformation beginnend erst in den 1990er Jahren eine andere Ausgangsba- sis wie z. B. die von Florida beschriebenen nordamerikanischen Stadte Toronto, Vancouver oder Montreal mit einem allgemein hoheren Immigrantenanteil, u. a. aufgrund einer anderen historischen Entwicklung (vgl. 2002 & Grimm 2005: 14). Trotzdem bleibt die besondere Stel- lung Posens im Vergleich zu anderen europaischen Stadten erhalten.

Betrachtet man auch die Grande bar die Wahl eines Lebens- und Arbeitsplatzes, so haben, entgegen der Annahme Floridas, z.B. Freizeit- und Kulturangebote einer eher untergeordnete Rolle (vgl. 2002). Wichtiger fur eine Entscheidung fur Posen sind traditionelle oder fami- liare Grunde. Zu diesem Ergebnis kommen auch Stryjakiewicz et al. durch qualitative Inter­views (vgl. 2010: 25). Interessant ist es, dass hier auch die internationalen Migranten Posens als Grunde der Migration ebenso Ehe, Partnerschaft oder Netzwerke nennen (vgl. Stryjakie­wicz et al. 2010: 26). Ein Grand fur die starke Bindung an den Heimat- oder Studienort konnte in der kulturellen Bedeutung von Familie und sozialem Umfeld liegen, sowie am fehlenden Sozialkapital im Land. Vor allem in Posen fehlen nach Dzialek sowohl inklusives als exklusives Sozialkapital (vgl. 2009: 20).

6. Untersuchung

6.1. Auswahl der methodischen Herangehensweise

Um die Kreative Klasse als Messetouristen in Posen in ihren Erwartungen zu verstehen, wur- den in dieser Arbeit neben der Erfassung von Basisdaten in einem Kurzfragebogen wie Alter, Geschlecht, Heimatort, Beruf, Branche, Position und Aufenthaltsdauer, sowie Reisehaufigkeit und Messebesuchshaufigkeit, zwanzig qualitative, themenzentrierte, leitfadengestutzte Inter­views mit Messebesuchern der beschriebenen Zielgruppe gefuhrt (vgl. Witzel 2000; Meier Kruker & Rauh 2005: 65-66). Die Interviews sind Teil des qualitativen Forschungsansatzes.

,,Qualitative Sozialforschung benutzt nichtstandardisierte Methoden der Datenaus- wertung, wobei sich die Interpretation nicht nur, wie (meist) bei den quantitativen Me­thoden, auf Generalisierung und Schlussfolgerung bezieht, sondern auch auf Einzel- falle“ (Oswald 1997: 75).

Sie zielt darauf ab, die Wirklichkeit anhand der subjektiven Sicht der relevanten Inter- viewpartner abzubilden Verhalten und Verhaltensgrunde konnen hierdurch nachvollzogen und in ihrem Ablauf verstanden werden. Um das Verhalten und die Verhaltensgrunde der Ge- schaftstouristen zu verstehen, soll die reale Wirklichkeit durch ihre eigene, subjektive Ein- schatzung des Reisezieles und wichtiger Bausteine ihrer Reise bestimmt werden. Dies tragt der Annahme Rechnung, dass Wirklichkeiten von uns standig neu interpretiert und ausgehan- deltwerden (vgl. Atteslander 1995: 93).

Das Instrument des Leitfadens soil den Befragten die Freiheit einer individuellen Antwort geben, sowohl in Form und Lange, als auch in Inhalt. Dies ist vor allem deswegen wichtig, weil ein vorurteils- und wertfreier Blick durch die anhaltenden Diskussion um das Thema der Kreativen Klasse bzw. Kreativwirtschaft in vollstandardisierten Fragebogen schwerer moglich ist. Das zuvor gewonnene Wissen wird vielmehr im Leitfaden umgesetzt, der Offenheit fur neue bzw. widerspruchliche Eindrucke bietet. Das Mehr an Freiheit im Interview dient auber- dem den auberen Umstanden, denn Messeteilnehmer verfugen haufig nur uber begrenzte Zeit -jeder Moment kann kostbar sein im Hinblick auf das Knupfen neuer Kontakte oder das Ver- kaufen von Waren sein. Bei zusatzlichem Klarungsbedarf konnen auch Ad-hoc-Fragen ver- wendet werden (vgl. Mey 2000: 142). Im Folgenden wird der Leitfaden und seine Fragen ein- zeln kurz vorgestellt und erlautert.

6.2. Instrument des Leifadens

Um den Leitfaden zu erstellen ist es wichtig, die Forschungsfrage und ihre Leitfragen zu fo- kussieren. Die hier verwendete Forschungsfrage ist: Welche Eindrucke, Bedurfnisse und Er- wartungen hat die Kreative Klasse im Messetourismus an die Destination Posen?

Daraus abgeleitet sind die Leitfragen und leitende Fragen des Interview-Fragebogens. Um herauszufinden, ob die Fragen richtig verstanden werden und schlussig sind, ist ein Pre-Test notwendig. Dieser ist als Teil dieser Arbeit durchgefuhrt worden. Insgesamt wurden zwei Interviews als Pre-Test gefuhrt, welche in der Auswertung auf Grund angepasster Fragestel- lungen nicht verwendet werden. Wichtige Erganzung ist auch eine Abfrage der Eigenwahr- nehmung wichtiger, erfolgsversprechender Aktivitaten und der Fremdwahrnehmung fur ande- re Kollegen. Die einzelnen Fragen gliedern sich wie folgt:

- Importance of travelling for creativity:

As to yourself, what do you think are the creative moments in your work? Why is it important for you to do business travelling for your creative work?

Die Frage nach der Rolle von Reisen fur die eigene kreative Arbeit ist als Einstiegsfrage ge- eignet, da sich der allgemeine Zusammenhang zwischen Geschaftsreisen und kreativem Schaffen hier zeigt. Auberdem kann sich der Interviewte auf die Frage nach seinen Bedurfnis- sen und Anschauungen als kreativ arbeitender Mensch einstimmen.

- Popular business travel destinations:

Which destinations do you like best for business traveling, and why?

Is Posen a good trade fair place for you? Please explain.

Diese Fragen sollen Aufschluss geben uber die Vorstellungen betreffend einer moglichst op- timalen Geschaftsdestination und der wichtigsten Grunde fur die Entscheidung dafur. In der zweiten Fragen soll der Eindruck von Posen als Messeort erklart werden. Die Reihenfolge ist hier bewusst gewahlt, da nicht allgemeine, positive Attribute, sondern spezielle Merkmale in Bezug auf den Geschaftstourismus beschrieben werden sollen. Aufgrund der Wettbewerbssi- tuation zwischen den Messeorten ist eine Vergleichssituation im Sinne eines subjektiven Benchmarks nicht von Schaden.

- General attraction

What do you expect from a location to be attractive for creative business people like you? Wh at do you think might be of importance to your creative colleagues at the fair?

Eigen- und Fremdwahrnehmung der wichtigsten Faktoren fur attraktive Geschaftsreise-Ziele werden hier gesammelt. Die Fremdwahrnehmung kann den Faktor der individuellen Vorlie- ben ein wenig eingrenzen und setzt den einzelnen Befragten in Bezug zur Kreativen Klasse bzw. anderen Zugehorigen kreativer Berufe.

- Decision making

Who has made the decision to come especially to Posen and which were the reasons for this decision?

Die Frage nach der Entscheidung ist aus zwei Grunden relevant: Erstens wird ersichtlich, welche Grunde bei einer realen Unternehmensentscheidung fur Posen sprechen und wie diese behandelt werden. Zweitens ist die Anzahl von Selbststandige in den kreativen Branchen sehr hoch (vgl. Manske & Schnell 2010: 710). Es ist auch wichtig zu wissen, wer Entscheidungs- trager ist, um die Antworten der Kreativen einschatzen zu konnen.

- Privat and official part

Is there a seperation between a privat and an official part of the journey?

Die Definition sieht eine zunehmende Vermischung von privaten und offiziellen Teilen von Geschaftsreisen vor. Dies ist einer der unbestimmten, nicht genau festgelegten Komponenten der Definition. Hier soll gepruft werden, in wie weit dies auch fur die Kreativen zutrifft. Ge- rade in Angesicht der steigenden Angebote an kulturtouristischen oder kreativen Aktivitaten fur Geschaftsreisende.

- Success factors - Activities and places

If you think of your current stay in Posen, which concrete outcomes will make it successful? Which activities are important to reach this success? As to Posen, which places and activities do you think are of particular interest for business people like you (besides official meeting places and activities)? What makes those places and activities particular? Which outcomes do you expect by doing sth. or visiting particular places? Which offers could be supportive to reach these outcomes?

Welchen Erfolg sich die Kreativen erwarten, kann aufzeigen, in wie weit Unterschiede bzw. Schwerpunkte in Messe-Zielen zu den hauptsachlich vertretenen Vertriebsarbeitern bestehen, bzw. nicht bestehen.

- Contacts and networks

Did you have any contacts in Posen before you arrived in Posen for this trip? Whom would you like to meet at the fair in Posen? Which activities do you want to fulfill with them?

Die Frage nach relevanten Kontakten war ein, im Pre-Test festgestellter, wichtiger Punkt. Aufgrund des Umfangs dieser Arbeit konnen hier Kontakte und Netzwerke nicht naher unter- sucht werden. Es soll jedoch die Art der Kontakte beschrieben werden, fur eine erste Einord- nung relevanter Kontaktformen. In Bezug auf die Zusammenstellung von Messeausstellern und geladenen Gasten ist es sinnvoll zu wissen, welche Kontakte von den kreativen Reisen- den als attraktiv empfunden werden.

- Creative Poznan

What do you think is creative in Posen?

Hier wird die Frage gestellt, was das Kreative an Posen sein kann, um zu sehen, wie Kreativi- tat in Bezug auf das Reiseziel wahrgenommen wird.

- Plans

What are you planning to do for the rest of your journey?

Abschliefiend soll darauf geachtet werden, ob es herausragende Unstimmigkeiten zwischen dem zuvor Beschriebenen und den realen Handlungen gibt. Dies grenzt Effekte wie soziale Erwunschtheit ein.

- Contribution

Is there anything connected to your journey or this interview, which you would like to add? Additiv ist es fur die Interviewten moglich noch erganzende Bemerkungen zu machen, welche durch die Interviewfragen nicht erfasst werden konnten.

6. 3. Instrument des Kurzfragebogens

Im Kurzfragebogen werden die wichtigsten Eckdaten der Interviewten erfasst. Dies sind: Al­ter, Geschlecht, Beruf, Branche, Position, Heimatstadt, Dauer des Aufenthalts sowie Reise- und Messehaufigkeit Dazu geben die folgenden Fragen - im Leitfaden enthalten - zusatzlich Aufschluss uber die Haufigkeiten der Reisen:

As per year, do you travel frequently for professional reasons? Do you often go to Trade Fairs?

Um das Merkmal der Reisehaufigkeit genauer abzubilden, wird eine Ordinalskala angeboten. Die zu wahlenden Merkmalsauspragungen nach dem Pre-Test liegen hier bei: Once a month or more, Once or twice a quarter, Once or twice a year, Less than every year, Never (first time). Dabei werden die betreffenden Antworten selbst angekreuzt und konnen auch im Wi- derspruch zu den Antworten auf die Leitfaden-Fragen nach Haufigkeit von Geschaftsreisen und Messebesuchen stehen. Grunde konnen hier nicht abgefragt werden, da kein Bezugsmafi an Haufigkeit zur Verfugung steht. Eine Ubersicht des Leitfadens sowie des Kurzfragebogens befindet sich im Anhang der Arbeit.

6.4. Auswahl der Interviewpartner

Um eine Mischung unterschiedlicher Berufsfelder der Kreativen Klasse grundsatzlich mog- lich zu machen, ist eine Auswahl der Messeorganisatoren der internationalen Messe Posen grundlegend fur die Stichprobe. Als Experten fur Messeausstellungen und mit einer tiefen, langjahrigen Kenntnis des eigenen Zielpublikums ist die Entscheidung der Messeorganisation fundiert und kann als Richtschnur gesehen werden. Ausgewahlt wurden drei Veranstaltungen, diese sind: EURO-Reklama, Arena Design und Books for Children and Young People. Bei jeder der Veranstaltungen wurden die zwei, aus den vergangenen Jahren errechneten, publi- kumsschwachsten Messetage ausgewahlt. Auf Grund des sonst noch grofieren Ansturms, ist an diesen Tagen mit mehr Zeit fur Interviews zu rechnen, da Zeit eine kostbare Ressource auf den eng getakteten, zum Teil einmaligen bzw. nur jahrlich stattfindenden Veranstaltungen darstellt. Innerhalb der Messeveranstaltungen ist unter den Ausstellern und Rednern wahrend Vortragen jede Person innerhalb des Befragungszeitraumes interviewt worden. Letztlich ist das Ergebnis der Interviews abhangig von zwei Faktoren: zum einen die Teilnahme- Bereitschaft. Diese Bereitschaft ist u. a. eingeschrankt durch die Zeit, die den angefragten Teilnehmern zur Verfugung steht. Zum anderen fuhren die Angaben der allgemeinen Daten - hier Beruf und Branche - zur Auswahl von relevanten Zielpersonen. Dabei sind diese nicht alleine aussagekraftig, da kreative und wissensintensive Arbeiten durch den unzureichenden Einblick, der hier moglich ist, nicht einfach von auBen abzugrenzen sind. Hier besteht die Gefahr der Intervention durch den Interviewer. Darum liegt das Hauptaugenmerk auf der Ei- geneinschatzung der Partizipanten. Diese inkludiert die subjektive Sicht des Einzelnen, es handelt sich jedoch um die eigene Sicht, welche ausschlaggebend fur die eigene Identifikati- on, das Entwickeln von bewussten Praktiken und Statusempfinden ist. Zu diesem Zweck steht am Anfang des Interviews die Frage: Do you think that creativity is a key ability for your work? Genauer: Do you see yourself as a member of the creative class? Bei negativer Ant- wort auf beide Fragen und nicht passenden allgemeinen Angaben, fallen die Gesprachspartner aus dem gesuchten Raster. Es gab - unerwarteter Weise - keinen einzigen Fall, in dem nur eine der Klassifizierungs-Fragen mit „Nein“ beantwortet wurden. Interessant ist auch, dass insgesamt unter den Interview-Teilnehmern neunzehn Berufe aus - nach der in Kapitel 4 er- wahnten Definition - den Branchen der Kreativwirtschaft haben. Eine Person gehort nicht der typischen, vordefinierten Gruppe an. Es handelt sich jedoch nach eigener Angabe um einen hauptsachlich kreativ tatigen Menschen, so wie es bei der Kreativen Klasse der Fall ist.

6.5. Sprache

Da auf der internationalsten Messe Polens viele verschiedene Menschen zusammenkommen, wurde als Interviewsprache - soweit nicht in Deutsch moglich - Englisch gewahlt. Dies hat evtl. zum einen Einfluss auf die mogliche Auswahl von Gesprachspartnern, denn nicht alle verfugen uber gleich ausgepragte Englisch-Kenntnisse, und - so ist der Eindruck nach den Gesprachen - auf die Interviewintensitat. In einer fremden Sprache werden Sachverhalte, Ge- danken und Empfindungen eventuell anders ausgedruckt, als in der eigenen Sprache. Trotz- dem ist es nur logisch, auf einer internationalen Messe davon auszugehen, dass Teilnehmer sich dort einem internationalen Publikum prasentieren mochten und darum uber ein ausrei- chendes Sprachgefuhl verfugen, um sich bezuglich ihrer Arbeit auszudrucken. Die mogliche Distanz, welche durch Interviews in einer fur beide Parteien wahrscheinlichen Fremdsprache (unter den Interviewten befindet sich keine Person aus dem englischen Sprachraum) gegeben sein konnte, kann, so die eigene Beobachtung, durch einleitende Konversation in z. B. polni- scher Sprache verringert werden. Dabei darf nicht vergessen werden, dass es auch auf die personliche Kompetenz des Interviewers ankommt, vor allem, da es sich um ein Gesprach zwischen zwei zuvor Unbekannten handelt.

Die sprachliche Barriere hat einen weiteren Nebeneffekt. Da bei den ersten 35 zum Gesprach Eingeladenen keine Tonaufzeichnung erwunscht war, sowie der angegebene Grund sich auf sprachliche Unsicherheiten zusammenfassen lasst, wurde im Anschluss auf die Moglichkeit der Aufzeichnung verzichtet und eine schriftliche, wortwortliche Erfassung bevorzugt, um eine angenehme Gesprachssituation herzustellen und weitere Interviews zu ermoglichen. Da keine Analyse von optischen oder stimmlichen Veranderungen, sondern nur der wortlichen AuBerungen - in einem Masse wie auch eine schriftliche Aussage es zulassen wurde - analy- siert werden, ergeben sich hier keine erkennbaren Anderungen.

6.6. Auswertung der Interviews

Die Auswertung erfolgt uber Stichwort-Analyse und Sinneinheiten. Wichtige Signalworter werden nicht zu Anfang festgelegt, um eine moglichst offene Auswertung moglich zu ma- chen. Durch die Software GABEK® werden Sinneinheiten und Signalworter katalogisiert und kategorisiert. Mark et al. beschreiben die Arbeit mit GABEK® wie folgt: “(•••) the software GABEK®, (...) is a tool for analyzing textual qualitative data, based on the theory of ,,Wahr- nehmungsgestalten" (perceptive appearances) (Stumpf, 1939)“ (2010: Abstract).

Die Sinneinheiten und Signalworte helfen anschlieBend die ,,einzelne Aussage in ihrem kom- plexen Kontext richtig gewichtet“ (Meier Kruker & Rauh 2005: 77) zu interpretieren. Dabei werden sie u. a. in negative bzw. fehlende Elemente und positive Aussagen eingeteilt.

Im folgenden Abschnitt wird die Auswertung mit der zugehorigen Interpretation beschrieben. Eine Einteilung erfolgt teilweise nach den Fragen und Themen des Leitfadens. In manchen Fallen bietet sich eine Zusammenfassung von Antworten nach inhaltlichen Kriterien an, die mehr Stringenz verspricht und weniger Redundanz, die sich in Laieninterviews und durch Nachfragen fur genauere Aussagen nicht ganzlich vermeiden lasst.[2]

7. Ergebnisse aus Posen

7. 1. Ergebnisse des Kurzfragebogens

Die Zusammenschau der allgemeinen Angaben ergibt, dass keine Person unter den Inter- viewpartnern junger als zwanzig Jahre ist, elf Personen sind zwischen 21 und 30 Jahren, acht Menschen zwischen 31 und 50 und eine Person ist uber funfzig Jahre alt. Es gibt eine uber sechzig-Jahrige Person. Dreizehn Befragte sind weiblich und sieben mannlich.

Wie eingangs erwahnt, arbeiten neunzehn in typischen Kreativwirtschafts-Branchen, eine Person arbeitet nicht in typischen Berufen, nutzt jedoch vor allem ihre Kreativitat um ihre zentrale Leistung bzw. ihr Produkt zu kreieren und ist nach eigenen Angaben der Kreativen Klasse angehorig. Aus dieser Sicht lasst sich die Einteilung von Berufen, welche z. B. in der Kreativwirtschaft angesiedelt sind, als nicht vollstandig ansehen. Die Beschaftigungsformen sind dabei: Selbststandigkeit bzw. Freiberuflichkeit und Anstellung. Zehn Personen sind dabei angestellt, die ubrigen sind selbststandig bzw. freiberuflich, wobei auch Mischformen vor- handen sind. Achtzehn Personen haben ihren Heimatort und Lebensmittelpunkt in Polen, nur zwei im Ausland. Die Aufenthaltsdauer der Interviewten liegt fur funf Personen bei einer Nacht, bei elf sind es zwei Nachte, zwei bleiben drei Nachte und weitere zwei Personen haben eine noch langere Aufenthaltsdauer. Die Angaben zur Reisehaufigkeit zeigen, dass die Perso­nen vorwiegend vier bis acht geschaftliche Reisen im Jahr tatigen. Die weitere Aufteilung unter den Befragten zeigt sich in Abbildung 10. Bei der Haufigkeit von Messebesuchen ist auffallig, dass es fur vier Personen die erste Messereise ist, andere Angaben finden sich in Abbildung 11.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 11: Messebesuch-Haufigkeit der Befragten. Quelle: Eigene Darstellung. Daten: Eigene Erhebung.

7.2. Ergebnisse der Interviews

7.2. 1. Beliebte Messeorte • Auswertung

An erster Stelle beliebter Destinationen liegen in den Interviews polnische Stadte und das Land Polen. Die beliebteste, konkret genannte Stadt aufierhalb Polens ist Mailand in Italien, mit drei voneinander unabhangigen Nennungen (vgl. I.2, I.4 & I.10). Die neuesten Kollektio- nen international Spitzendesigner ziehen die Kreativen an. AuBerdem ist Mailand ,,quiet close“ (I.10) zu Polen, wo die meisten der Interviewten beheimatet sind. Italien und Venedig werden auBerdem genannt (vgl. I.1 & I.5). Zweimal werden je Frankreich und Paris genannt (vgl. I.1, I.8, I.12 & I.17). Deutschland mit den Stadten ,,Hamburg, Munchen, Koln, Frank- furt“ (1.16) wird in dem einzigen deutschsprachigen Interview als Ziel bevorzugt (vgl. 1.16), ebenso wird Berlin als aktive Stadt in der Designbranche genannt (vgl. I.8). Im deutschspra­chigen Raum wird auBerdem Zurich genannt (vgl. I.16). England wird als Negativbeispiel genannt, u. a. wegen dem Schlafkomfort (vgl. I.16). London hingegen findet auch einmal Er- wahnung als bevorzugte Destination. New York und Los Angeles finden zudem einen Platz, ein Grund kann hier die englische Sprache sein, die Gesprache ermoglicht (vgl. I.8). Grie- chenland, Spanien, Sudamerika werden je einmal genannt, ebenso die Hauptstadt des Nach- barlandes Prag und Skandinavien (genannt durch einen Skandinavier) (vgl. 1.1; 1.8; 1.18 & 1.9). Genauso haufig wie Mailand wurdejedoch auch die Aussage getroffen, dass ,,any place“ (1.1) gut als Geschaftsreiseziel geeignet ist, solange sehr allgemeine positive Voraussetzungen herrschen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei der Frage nach attraktiven geschaftlichen Zielorten wird interessanterweise 21 mal War- schau erwahnt, acht AuBerungen beziehen sich insgesamt auf andere polnische Stadte, zwei Mal wird Posen direkt genannt (vgl. 1.12 & 1.17). Auf Deutschland fallen vierzehn Erwah- nungen, gefolgt von Italien mit zwolf relevanten Nennungen, die USA mit neun, sowie skan- dinavische Staaten wie Frankreich vier und drei Mal, Europa zweimal und Spanien, hier Barcelona, und Sudamerika jeweils einmal. Obwohl Posen haufig als guter Messetourismus- Ort beschrieben wird, wird er nur selten favorisiert.

Grunde fur die Entscheidung fur beliebte Reiseziele sind laut den Interviewten sehr unter- schiedliche. Es lassen sich einige Grundkategorien bilden. So gibt es Grunde in Zusammen- hang mit dem spezifischen Produkt, z. B. werden Mosaik-Bilder und -Taschen eher in war- men Landern bevorzugt, der ,,best sale“ (I.6) ist hier das Kriterium (vgl. I.1). Desweiteren werden Orte bevorzugt, welche viele Kreative der eigenen Branche zusammenbringen, bzw. beheimaten oder wo Veranstaltungen zum spezifischen Thema stattfinden: „(...) it is the best design place for my profession44 (1.2). Gerade einen internationaler Kontext finden die Rei- senden wichtig, denn er ist nicht nur inspirierend und bringt neue Ideen, sondern auch die ,,(...) possibility to work somewhere else in Europe44 (I.9). Die Mischung unterschiedlicher Menschen ist hier reizvoll. Offenheit wird ebenso genannt und ist far ein solches Zusammen- kommen Voraussetzung. Die letzten Charakteristika scheinen vor allem grofie Stadte zu erful- len, die ,,hippen Zentren44 (I.16) und ,,aktuellen Designmetropolen44 (I.16). Diese fassen auch eine bestimmte Atmosphare mit ein. Ein inspirierendes Umfeld und kreative Menschen sind wichtig, dabei ist fur manche auch das, evtl. nicht mehr aktuelle, Image ausschlaggebend, nicht nur die tatsachliche reale Situation. So erklart einer der Interviewpartner, dass Paris in­spiring for centuries” (1.14) war und auch „New York has changed a lot” (I.9). Interessante Angebot sind Theater, Kunstausstellungen oder Musik-Events, also kulturelle Veranstaltun­gen. Zuletzt sind die Entfernungen der Reiseziele zum Heimatort und kulturelle wie sprachli- che Gemeinsamkeiten nicht unerheblich (vgl. I.8, I.9, I.10, I.11 & I.17).

- Interpretation

Aufgrund der hohen Anzahl an polnischen Interviewpartnern, namlich 80 %, ist die Bekannt- heit und Moglichkeit zur Einschatzung polnischer Destinationen nicht uberraschend. Zudem ist die raumliche Nahe zu anderen europaischen Orte wie Italien, Deutschland oder der Tschechischen Republik gegeben. Diese Interpretation wird auch durch die Bevorzugung deutscher Stadte im einzigen deutschsprachigen Gesprach unterstutzt. Unerwartet ist die dreimalige Aussage, dass potentiell alle Orte sich als geschaftliche Destinationen eignen. Da- mit wird das Gewicht veranderbarer Faktoren verstarkt, Geschichte oder feste Determinanten verlieren an Bedeutung. So ist es moglich, in einen Wettbewerb zu treten und sich durch die Schaffung bestimmter Attribute zu behaupten. Geht es um Wohnortwahl, nennt Florida mit seinen drei Ts (Toleranz, Technologie und Talente) die notwendigen Gegebenheiten fur den Erfolg von Orten (vgl. 2002). Wichtig fur den Gewinn von Talenten sind, neben Toleranz und Zugang zu Technologie, z. B. passende Freizeitangebote und Bildungsmoglichkeiten. Die Erfolgskomponenten von Geschaftsdestinationen fur die Kreative Klasse passen hier in einen ahnlichen Kontext: Offenheit, Diversitat, Kultur und Inspiration. Daneben spielt jedoch auch die monetare Erwartung eine Rolle. Es geht nicht nur um Lebensqualitat, Arbeitszeit ist Zeit Umsatz zu generieren, darum sollen Kontakte geknupft werden und Leistungen bzw. Produkte verkauft werden. Dieser Anspruch deckt sich auch mit dem Grund fur Posen als gute Messe- Destination. Hier wird u. a. darauf hingewiesen, dass Posen als ,,Business Town“ (1.2) mit einer grofien Menge an Kapital (vgl. 1.5) besonders attraktiv sei.

Die Tatsache, dass 15 % noch niemals eine Messe besucht haben, weitere 15 % weniger als einmal im Jahr eine Messe besuchen und 20 % auch einmal oder seltener im Jahr geschaftlich verreisen, konnte in diesem Zusammenhang jedoch darauf hinweisen, dass nicht alle uber die notwendige bzw. uberhaupt uber Reiseerfahrungen fur eine Bewertung verfugen.

7.2.2. Posen als Messedestination • Auswertung

Die Stadt Posen als Ziel des Messetourismus wurde von allen interviewten Geschaftsreisen- den bis auf einen grundsatzlich positiv eingeschatzt. Von „okay“ (1.10) bis „great“ (1.9) wer­den dabei verschiedene Abstufungen vorgenommen. Stellt man die genannten positiven Fak- toren den negativen bzw. fehlenden gegenuber, ergibt sich eine prozentuale Verteilung von 68,9 % positiven und 31,1 % negativen Positionen. Als wichtigste Positiv-Merkmale werden Posen als Design-Hauptstadt bzw. Design-Zentrum, als Geschaftsstadt, sowie als junger, stu- dentischer Ort genannt (vgl. 1.5). Zusatzlich ist Posen bekannt als Messe-Destination. Interessant fur eine Verbesserung des eigenen Angebots sind vor allem die Punkte, welche von den Interviewpartnern als kritisch, fehlend oder gar negativ eingeschatzt werden. Diese sollen besondere Erwahnung finden. Als erstes fehlendes Attribut wird die das Angebot uber- steigende Nachfrage nach Versorgung mit Getranken, warmen Speisen, Genussmitteln etc. genannt. Das Messe-Gelande verfugt laut Aussage z. B. nicht uber Wasserspender und nahe, unkomplizierte, sowie gunstige Moglichkeiten warme Mahlzeiten einzunehmen, denn: „my colleagues often ask for warm meals” (I.9) (vgl. I.9 & I.15). Daruber hinaus besteht auch fur die gastronomische Versorgung das Problem der Zeiteinteilung fur die, oftmals alleine agie- renden Messeaussteller.

Danach folgen die hohen und steigenden Preise sowie das schlechte Abschneiden Posens im Vergleich mit anderen Stadten, z. B. Warschau. Fehlende Internationalist und Diversitat un- ter den Messeteilnehmern und -besuchern, wie auch insgesamt die Grofie der Messe und der umgebenden Stadt, ist ebenfalls unter den weiter genannten Kritikpunkten. Daruber hinaus fehlen Informationen, besonders zur Kreativitat und der kreativen Arbeit vor Ort. Wahrend Posen weitgehend als bekannter Ort fur Design, v. a. Mobel- und Einrichtungsdesign, bekannt ist, ist das beschriebene Image Posens als „kreativer“ Standort nicht fur alle Interviewten konkretisierbar (vgl. 1.5, 1.8 & 1.12). Das Image als „industrial city“ (1.6) ist hier auch noch gegeben. Haben die Interviewpartner sich eine konkrete Meinung uber das Kreativpotenzial gebildet, so fallt diese unterschiedlich aus. Eine interviewte Grafikerin weist auf die Konkur- renzsituation zwischen den Kreativstandorten hin, denn: ,,(...) creative people move to Wars- zaw“ (I.10). Kreative Geschaftstouristen sehen einen internationalen, interkulturellen Aus- tausch laut den Interviewsjedoch als wichtige, attraktive Option an (vgl. I.7, I.9 & I.14). Neben der Distribution von Informationen uber die Stadt bzw. ihr Image, steht auch die Infra- struktur im Zentrum der negativen Bewertung. Die direkte Verbindung mit Warschau wird als positiv wahrgenommen, ebenso wird die Anbindung innerhalb Posens eher als gut bewertet (vgl. I.4). Trotzdem findet sich unter den genannten Negativassoziationen ein Infrastruktur- problem, das sich bei den Nennungen vor allem auf den Zugverkehr bezieht. Die Situation lasst sich wie folgt zusammenfassen: ,,Good connection to Warsaw. It is a direct connection. Train is not so expensive, but it takes much time” (I.4).

Neben den fehlenden Arbeitsmoglichkeiten ist die Lautstarke zwischen den einzelnen Standen zu hoch fur Arbeitssitzungen. Dies kann nicht nur auf Arbeitsprozesse Auswirkungen haben, sondern auch auf das Ruhebedurfnis der Anwesenden. Eine bessere Moglichkeit zur Erholung durch Pausen oder geeignete Einrichtungsgegenstande werden von einigen Interviewpartnern gewunscht. Die Ermudung und der durch den Messeaufenthalt erzeugte Stress werden an funfzehn Stellen erwahnt. In einem Fall wird jedoch die Erholung auch als Bedingung fur kreative Arbeit genannt (vgl. I.6).

- Interpretation

Uberraschend ist, dass trotz der Catering-Angebote auf der Messe, diese nicht allen Teilneh- mern bekannt zu sein scheinen, denn ihnen fehlt Gastronomie. Zudem ist die Messe an ande- ren Stellen als zentral beschrieben, was eine Versorgung einfach machen sollte. Der Fubweg zur nachsten Versorgungsmoglichkeit auberhalb des Messegelandes scheint jedoch in Wahr- nehmung zu weit entfernt zu sein, obwohl die Messe mit einer zentralen Lage beschrieben wird, was dann z. B. im Vergleich zu anderen Messegelanden gesehen werden kann.

Zum unvorteilhaften Vergleich mit Warschau muss erwahnt werden, dass 90 % der Inter­viewpartner ihren Wohnort in Polen haben, was den Vergleich mit der Landeshauptstadt na- her legt. Ein wichtiger Vorteil Warschaus neben seiner Grobe ist die relativ hohe Internationa- litat, die in Polen mit einer 2011 erfassten ethnografischen Homogenitat von 99,7 % polni- schen Staatsburgern unter den Einwohnern beachtlich ist (vgl. CSOb 2012: 15). Allerdings erwahnen solche Personen, welche mindestens einmal im Quartal eine Geschaftsreise erleben - und damit uber Erfahrung verfugen - unter ihren bevorzugten Destinationen kein einziges Mal direkt Warschau (vgl. 1.2, 1.3, 1.4, 1.8, 1.9, 1.14, 1.16 & 1.20). Dagegen muss gesagt wer- den, dass Posen mit auslandischen Wirtschaftseinheiten (siehe Kap. 5) an zweiter Stelle in Polen liegt, das geographische Umfeld also quantitativ uber internationales Potential verfugt. Die GroBe der Messe, vorrangig des Bereiches, welcher speziell fur Fachbesucher gestaltet wurde, wird bei einem Vergleich mit Kim verstandlich (vgl. 2003). Denn Kim geht davon aus, dass technische Messen mehr auf Qualitat statt Quantitat setzen sollten (vgl. 2003: 37). Wissensintensive und kreative Berufe sind nicht unbedingt technisch, konnen sich hierjedoch auch einreihen.

Stress ist nicht nur am Standort Posen eine meist unangenehm bewertete Nebenwirkung von Messetatigkeiten. In kurzer Zeit kommen viele Menschen zusammen, verschiedenste Reize werden ausgesendet um Aufmerksamkeit zu erzeugen und intensive Gesprache oder Verhand- lungen schnell durchgefuhrt. Oftmals ziehen sich Arbeitsstunden langer als einen normalen Arbeitstag hin und es gibt keine ausreichenden Pausenzeiten, da zur Ressourcenersparnis oft mit minimalem Personalaufwand gearbeitet wird (vgl. Striker et al. 2000 & DeFrank et al. 2000).

7.2.3. Co-Working und Ausstattung • Auswertung

Als storend werden u. a. die fehlenden Arbeitsplatze und -raume gesehen. Fehlende Schaf- fensmoglichkeiten schlieBen sowohl das Fehlen von Stromanschlussen und Internetzugangen an manchen Standen, fehlende Computerarbeitsplatze, Papier, Schreib- bzw. Zeichenmateria- lien, sowie ausreichend groBe Tische mit ein. Dies passt auch zusammen mit dem insgesamt neun Mal angesprochenem Bedurfnis nach Zusammenarbeit, nicht nur im Anschluss an die Messe, sondern auch wahrend der laufenden Veranstaltung. Bisher werden in diesem Zusam- menhang bei der Messe in Posen vor allem Workshops angeboten. ,,The workshop was very important, because you can deepen the contact and get into the discussion. People, who never met before, who don’t know each other, yet, work together to create a new design in a social group” (I.8).

Fur eine langfristige Arbeitsbeziehung ist es jedoch, laut Interviewten, von Vorteil, sich aus- fuhrlicher in einem Arbeitsumfeld kennenlernen zu konnen. Gerade da Aussteller und Gaste aus internationalen Quellorten kommen, ist eine personliche Zusammenarbeit fur lange Zeit nach der Messe nur erschwert moglich: “It is like I meet somebody, we discuss and are inte­rested in working together. But, he or she lives far away. So, the only place we can meet is actually here (...) When you go home most contacts break down” (I.10).

Dies konnte z. B. durch die Bereitstellung von Hilfsmitteln, wie den genannten Computern oder anderem gelost werden (vgl. I.11). Moglichst an der Zielgruppe orientiert, denn es de­pends on what material he uses“ (I.12). Auch das Angebot von Raumlichkeiten ist wichtig, da die Messe mit vielen Besuchern und intensiven Gesprachen auch als zu laut empfunden wer­den kann (vgl. I.12). Die Ausstattung alleine ist jedoch nicht ausreichend, da vor allem auch die Zeit fur Arbeitssitzungen fehlt. Die durchgehenden Offnungszeiten sollen aufgelockert werden: “(...) a possibility to have a break at the fair, I would like to write some notes (...)” (I.11). Dies kann auch gegen das Phanomen der Erschopfung wirken.

Es wird im Fallbeispiel jedoch nicht von allen Befragten vertreten, dass eine kurze Zusam- menarbeit die kreative Arbeit zeigen oder sogar befruchten kann. So findet sich in einem In­terview der Hinweis zum Finden kreativen Potentials: ,,You don't find it. It takes too much time. You cannot find it in one day. or at the fair. What is creative is in the offices, behind the walls” (I.12). Die Interviewten erwarten sich im Gegensatz zu tiefgehenden Arbeitsbezie- hungen, die zu einem Netzwerk fuhren konnen, eher die Beantwortung essentieller Fragen fur die Einordnung ihrer neu gewonnenen Kontakte: “(...) when you go to fairs you want try to work together. When you start working together, you can see: Does he fit into my project? Is he really interested in working with me? How interesting are his or her ideas?” (I.10).

Neben dem gemeinsamen Arbeiten ist auch die Zeit und das Umfeld fur die Diskussion von Ideen eine Alternative, die dem ebenfalls auftretenden Wunsch, sich anderen zu zeigen und mitzuteilen, zugleich entspricht. Dazu ist ein informelles Aktionsfeld, wie z. B. die typische Aftershow-Party denkbar, die jedoch nicht immer vorhanden ist (vgl. I.7). Insgesamt wird die Zeiteinteilung vier Mal negativ besprochen.

- Interpretation

Die Vorschlage und Aussagen uber die Arbeitsbedingungen und die Ausstattung der Messe zeigen ein grofies Interesse am Austausch an Ideen und Informationen. Dies ist kongruent zu den traditionellen Motiven fur Messetourismus. Bisher deckt sich jedoch der Wunsch nach gemeinsamen Arbeiten nicht mit den Definitionen. Diese fassen zwar den Aufbau und die Pflege von Kontakten mit ein, schliefien jedoch kein gemeinsames Arbeiten vor Ort ein. Ge- rade dieses wird jedoch als Voraussetzung fur langanhaltende Kontakte gesehen, aus denen

Netzwerke entstehen konnten. Ohne die Arbeit des jeweils anderen kennenzulemen, ist eine Einschatzung der Nutzlichkeit bzw. Moglichkeit einer Zusammenarbeit nicht in alien Fallen gegeben. Das Abbrechen von Kontakten nach einer Messeveranstaltung mindert den Effekt einer Messe. Allerdings ist es nicht sicher, dass alle Kontakte spater auch sinnvoll fur die Messeteilnehmer sind. Es lasst sich nicht vermeiden Menschen, Ideen und Unternehmen zu treffen, welche nicht direkt genutzt werden konnen. Walter sieht in Messen einen Kanal fur wichtigen Input von Unternehmen, welche produzieren und vermarkten (vgl. 2006: 81). Da eine absolute Ausbeute von Netzwerkverbindungen nicht moglich ist, ist auch der Nutzen gemeinsamen „Probearbeitens“ nicht unbegrenzt, da dadurch auch Zeit verloren geht, welche fur das Treffen anderer Personen nicht mehr zur Verfugung steht. Zur Kreativen Klasse lasst sich generell sagen, dass Co-Working-Spaces, Fab Labs u. a. fur die Entwicklung geogra- phisch fixierter Cluster bzw. Netzwerke kreativer Branchen schon seit langer Zeit Gegenstand der Diskussion sind. Auch fur den Austausch in einem zeitlich begrenzten Rahmen werden ahnliche Instrumente zur Anregung kreativer oder vielleicht sogar innovativer Arbeit genutzt, so z. B. temporare Think-Tanks bzw. Expertengruppen und Workshops auf Bar-Camps. Hier besteht ein inhaltlicher Zusammenhang zwischen temporaren und langfristigen Clustern.

Was im Zusammenhang mit Kontakten oder Clustern noch erwahnt werden muss, ist die in den Interviews vorwiegend herrschende Suche nach Kontakten, welche Ideen und Innovatio- nen begunstigen. Seltener attraktiv scheinen hier Kontakte furz. B. Investitionen zu sein, nur einmal wird nach Partnern fur Produktionsprozesse gesucht. Dabei wird vor allem Kreativpo- tenzial geschatzt, welches in ahnlichen Tatigkeiten zu finden ist. Diese Ausrichtung kann Hinweis darauf sein, dass die Messebesucher in diesem Fall vor allem Partner fur die Inspira­tion oder Schaffung von Innovationen erwarten, nicht fur die Aufteilung von Aufgaben ent- lang von Wertschopfungsketten. Netzwerke innerhalb der gleichen Branche und auf gleicher Wertschopfungsebene nennt Russo horizontal (vgl. 2002). Bei der Einteilung von Netzwerken gibt es dazu die Kategorie der Innovationsnetzwerke, welche hier greifen konnten. Fehlende Bedingung fur Netzwerke ist jedoch die Langfristigkeit, die durch die Aussagen der Beteilig- ten nicht offensichtlich gegeben ist. Da die temporaren Beziehungen nur zwischen wenigen Akteuren bestehen, kann hier auch nicht von einem temporaren Innovationsnetzwerk gespro- chen werden. Der Begriff des temporaren Clusters eignet sich hier am besten, wenn die Aus­richtung auf Ideen- und Wissensaustausch deutlich gemacht wird.

Zu den moglichen Mafinahmen das Angebot passender fur oben genannte Erwartungen zu gestalten, sind geeignete Materialien und Pausenzeiten, bzw. ein abwechslungsreiches Pro- gramm angesprochen worden. Entsprechende Aktivitaten, welche eine Abwechslung oder Erholung gewahren, konnen auch im Sinne eines Creative Tourism-Konzepts gesehen wer- den.

7.2.4. Menschen als Inspiration

- Auswertung

Messeteilnehmer in Posen legen bei ihren Kontakten vor allem Wert darauf, Menschen aus den gleichen oder anderen, - von ihnen jedoch als kreativ empfundenen, Berufen bzw. Bran- chen kennenzulernen. So werden als Gruppe von besonderem Interesse auf der Messe am meisten kreative Menschen und Berufe genannt. Interessant ist, dass eine Arbeitsteilung in- nerhalb von Wertschopfungsketten nicht im Mittelpunkt steht: „You don’t share work (...)“ (I.10). Viel interessanter ist die sogenannte Inspiration durch andere, das Finden neuer Ideen. Gerade aus diesem Grund kann ein Zusammentreffen explizit kreativ arbeitender Menschen besonders far den Erfolg der Messeteilnahme von besonderer Bedeutung sein: ,,Success is (...) when ideas, discussions, designs, creativity is generated44 (I.8). ,,My success is very sim­ple: When I have new ideas and find new friends” (I.3). Hierbei kommt es zu einem definito- risch wichtigen Aspekt unter den befragten Kreativen, denn es geht bei der Inspiration oder der kreativen Entwicklung und Arbeit nicht nur um das Produkt, sondern auch den kreativen Prozess, wie in folgendem Zitat beschrieben: “It is not only the interesting product we see at a fair, it is the people we want to meet. It is not a dream to own a part of Colombo’s collection. This isjust a piece of plastic. I want to work with him” (I.10).

Es zeigt sich auch hier, dass die Messe nicht nur als Ausstellungsort, sondern ebenfalls als Begegnungsort genutzt wird. Eine zugespitzte Version der Situation wird durch die Abnei- gung beschrieben, in Ausstellungen gesehene Ideen oder Produkte einfach nur zu kopieren: ,,I don’t go to the fairs and try to find design to copy. I think that’s really sad. And, of course, not very creative” (I.7).

- Interpretation

Die Funktion von Messen, sich uber Mitkonkurrenten oder aktuelle Trends zu informieren um diese in die eigene strategische Ausrichtung oder Angebotspalette zu integrieren, ist ein unter den Kreativen, laut dieser Arbeit, eher nicht gangiger Wert. Es wird ganz generell darauf ver- wiesen, dass es interessant sei, anderer Kollegen Arbeit zu sehen: ,,A lot of people come here to see what others do. I am also interested in others’ works. But not to use it for my own work. Many people just use the creation of other people. But we create, we make, we have ideas, we make something new” (1.1).

Was die Beobachtung der vermeintlichen Konkurrenz angeht, ist aufierdem interessant, dass es einerseits um die Arbeiten anderer geht, aber auch darum, was diese tun. Hier ist moglich- erweise eine Unterscheidung zwischen Produkt und Prozess impliziert. Eine Prozessorientie- rung stellt hier den Kreativen, den Menschen und sein Schaffen, in den Mittelpunkt, nicht das zum Verkauf stehende Produkt oder die Leistung. Dies passt auch zum Wunsch mit Men­schen zusammen zu arbeiten, zu schaffen, und nicht nur deren Werke zu bewundern oder zu besitzen. Im Interesse der Geschaftsreise kreativer Arbeiter steht somit der Schaffensprozess. Dies deckt sich mit der eingangs vorgestellten neuen Tourismusform, dem Creative Tourism: aktive Partizipation, kreatives Schaffen, den Wunsch selbst etwas zu tun.

7.2.5. Posen als typische Studentenstadt

- Auswertung

Neben den oben besprochenen Punkten gibt es auch extrem unterschiedlich wahrgenommene Faktoren an Posen als Geschaftstourismus-Ort. Ambivalent wird bei Posen das Thema Stu- denten und junge Menschen behandelt. Einerseits werden sie als wichtige Gruppe vor Ort wahrgenommen, andererseits reduziert sich durch sie die Wahrnehmung der Attribute Posens auf die einer Studentenstadt: ,,In Posen is a lack of people in same age, it is (...) a typical stu­dent city“ (I.10). Werden Studenten auch uberwiegend als gute Bedingung fur Kreativitat und unternehmerische Potenziale im kreativen Bereich gesehen, gerade in den sich noch entwi- ckelnden kreativen Branchen: ,,It is a little bit new, but some students do start their own busi­ness here. There are two important interior design studios and a lot of students in this field“ (I.11), so fehlen auf der anderen Seite potenzielle Plattfomen um mit ihnen in Kontakt zu treten: “There should be a possibility to come together with the young people from Posen, the many students and creatives” (I. 11).

- Interpretation

Zu der ambivalenten Wahrnehmung der vielen Studenten und jungen Menschen der Messe- stadt lasst sich feststellen, dass sich unter den Interviewpartnern ein Anteil von 55 % im Alter zwischen zwanzig und 30 Jahren befindet. Die Personen, welche von Studenten in Zusam- menhang mit Posen sprechen, haben ein Durchschnittsalter von 35 Jahren. Allerdings ist einer der Interviewten 62 Jahre alt und damit doppelt so alt wie der jungste Interviewpartner mit diesem Thema. Nimmt man diesen hohen Wert aus der Berechnung, ergibt sich ein Durch- schnittsalter von 31 Jahren. Damit sind diese Interviewten selbst noch relativ jung, bezogen auf das Arbeitsalter und nicht weit entfernt vom Studentenalter bzw. ihrer Jugend. Dieser Kontext legt eine Beschaftigung mit dem Thema Studium und Jugend nahe. Die Haufigkeit des Themas Studenten mit insgesamt neunzehn Erwahnungen und dem Thema „Jugend“ mit funfzehn zuordnungsbaren Begriffen lasst auf jeden Fall in dieser Studie die „typical student city“ (I. 10) zu einem wichtigen Element der Posener AuBenwahrnehmung werden.

7.2.6. Posen als kreative Stadt

- Auswertung

Die Befragten sind sich uber die Kreativitat Posens alles andere als einig, denn von Angaben wie: ,,I don’t feel like Posen is so much creative. I think it is more an industrial city“ (I.6) bis zu: “(...) Posen is one of the popular places for creativity and design in Poland” (I.4) sind verschiedene Einschatzungen vorhanden. Auffallig ist, dass das Thema Design sehr haufig wahrend der Gesprache auftritt (vgl. I.4). Trotz der Verknupfung mit Design, besonders Ein- richtungsdesign, ist die meist genannte Image-Interpretation die der Geschaftsstadt mit inter- nationalen Unternehmen oder industrial city“ (I.6) mit Industriefabriken (vgl. I.6, I.12 & I.13). Die Erwartungen der Reisenden betrifft demnach auch das Knupfen von Geschaftskon- takten. Aufmerksamkeit gilt auch den vielen Kleinunternehmern oder Studios in der Stadt. Doch nicht nur geschaftliche Interessen sollen verfolgt werden mit dem Messebesuch, das Interesse an kulturellem Angebot ist sehr hoch. Zwei Erwahnungen betreffen Konzerte, funf die bekannte Oper (siehe Abb. 12), vier Nennungen betreffen das Nationalmuseum und zahl- reiche Begriffe umschreiben direkt und indirekt Kunst bzw. Kunstausstellungen. Kein anderer Lebensbereich findet so viele Nennungen wie die Kunst. Daneben wird auch sechs Mal uber die Architektur Posens gesprochen, welche besonders im alten Stadtzentrum und am alten Marktplatz sichtbar ist.

Alle Elemente finden sich wieder in dem sehr weit gefassten Begriff der Inspiration. Diese wird von einigen Interviewpartnern als besonders relevant eingestuft und auch als Beitrag zu ihrer kreativen Arbeit gesehen.

- Interpretation

In Kapitel funf wird die Imageschwache der Metropolregion um Posen genannt, von welcher jedoch Wissensintensitat und Kreativitat durch diverse Punkte bzw. Aktivitaten ein Teil ist bzw. sein soil. Ob Posen bei der Kreativen Klasse als kreativ wahrgenommen wird, ist von besonderer Brisanz, da davon ausgegangen werden kann, dass ein kreatives Umfeld andere Talente, attraktive Projekte oder kreativ aufgeladenen Kulturangebote eben solche Menschen anziehen. Dies zeigt sich auch bei dem Wunsch, andere Kreative zu treffen (siehe Kap. 7. 2. 4-).

Die Bekanntheit von Studios in Posen ist interessant da es zeigt, dass die Befragten vermut- lich uber Informationen uber die Lage in Posen verfugen bzw. die Posener Unternehmen in diesem Bereich erfolgreiche Distribution betreiben. Diese Fahigkeit kann durchaus zur At- traktivitat fur Kreative beitragen und kann fur das Stadtimage genutzt werden, welches noch nicht ausreichend bekannt ist. Der industrielle Charakter kann hier Synergien entfalten, denkt man z. B. an Industriedesign - gerade auch, da Posen ein Standort u. a. fur Automobilproduk- tion ist. Beachtet man hier wieder die Fahigkeit der Unternehmen, sich selbst zu kommunizie- ren, so kann das „kreative“ Image der Industrieunternehmen ein wichtiger Schritt zum kreati­ven Image Posens sein.

Dabei ist das Interesse, speziell an Design, evtl. auch abhangig von den Berufen der Befrag­ten, denn es befinden sich darunter Einrichtungsdesigner/innen. In diesem Fall kann Design trotzdem als ein Beispiel fur das Interesse am eigenen Betatigungsfeld gesehen werden und die Anzahl der anreisenden Designer als ein Indiz fur die Prasenz des Themas vor Ort, was naher zu untersuchen ist.

Die kulturellen Angebote haben eine vergleichsweise hohe Bedeutung, wenn man hier die Nennungen als Indikator sieht. Deren Wirkung, oftmals als Inspiration bezeichnet, scheint eine grofie Bereicherung fur die Arbeit und den Erfolg beim Messebesuch zu sein. Damit trifft die Definition des Geschaftstourismus mit seinem Zusatz, vermehrt auch Freizeitaktivitaten zu kombinieren, besonders auf Kreative zu.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 12: Oper in Posen. Quelle: Eigenes Bild.

7.2.7. Entscheidungsfindung

- Auswertung

75 Prozent der Interviewten trafen die Entscheidung selbst, zur Messe in Posen zu kommen. Das ist eine uberraschend hohe Prozentzahl. Dabei spielte bei sechs Interviewten auch die monetare Situation bei ihrer Antwort eine Rolle.

- Interpretation

Wer trifft die Entscheidungen fur Reisen von wissensintensiven Arbeitern? Diese Frage be- schaftigt Lassen in seiner Arbeit (vgl. 2010). Er kommt zu dem Ergebnis, dass in seinen Fall- beispielen - einem Unternehmen und einer Universitat - die Wissensarbeiter einen groBen Anteil an der Reiseentscheidung haben. Sie haben das branchenspezifische Know-how, wer- den in den Hierarchien als wichtige Angestellte eingestuft und Vertrauen wird in ihre Kreati- vitat und Einschatzungsgabe gesetzt. Fur die Kreativen auf Posens Messen ist dies ahnlich. In dieser Arbeit stellt sich die Lage noch drastischer dar.

Die sogenannte Kreativwirtschaft, in die in Deutschland die Branchen mit besonders kreati­ven Prozessen bzw. Produkten fallen (vgl. Kap. 4), besteht laut Bundesministerium fur Wirt- schaft und Technologie 2011 zu 97,2 Prozent Anteil aus Kleinstunternehmen und Freiberuf- lem (vgl. 2012). Nimmt man eine ahnliche Verteilung in Polen an, so ergibt sich eine groBe Anzahl freiberuflich bzw. selbststandig Tatiger. Diese sind naturlicherweise einzig und allein in der Position Reiseentscheidungen fur sich und ihre Unternehmung zu treffen. Die Motive fur eine Grundung liegen laut BGA in den folgenden Bereichen:

,,Prioritat Nummer eins der Selbstandigen im Kreativbereich haben die ,schdpferische Freiheit‘ und ,Verwirklichung einer kunstlerischen Idee‘. An zweiter Stelle stehen die ,freie Zeiteinteilung‘ und der Wunsch, von der Kunst leben zu konnen. Die geringste Bedeutung fallt der ,Personlichen Anerkennung‘ zu. Die grofite Diskrepanz zeigt sich zwischen dem grofien Wunsch, von der Kunst leben zu konnen - und den tatsachli- chen, finanziellen Verhaltnissen. Kreative grunden also vorrangig, um sich selbst zu verwirklichen. Dabei nehmen sie in Kauf, dass die Einkommensquelle ,Kunst‘ nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt zu finanzieren. Doch auch, wenn das Gehalt zum Leben nicht reicht, sehen sich die ,Kreativen‘ im Hauptberuf als Kunstler oder Kunst- lerin - selbst, wenn der ,Nebenjob‘ in der Lebensfinanzierung den hoheren Stellenwert hat' (BGA 2007: 14).

Demnach entspricht die Freiberuflichkeit dem Wunsch der kreativen Selbstverwirklichung, des personlichen Ausdrucks. Nimmt man dies an, so kann man darauf schlieBen, dass Reise- entscheidung mit dem Ziel der Selbstverwirklichung ubereinstimmen sollen. Dadurch nehmen die personlichen Praferenzen eine hohe Stellung bei der Reiseentscheidung ein und wendet man das Freizeitverhalten der Kreativen auf die Geschaftsreisen an, so ergibt sich der als Cre­ative Tourism beschriebener Tourismus als wahrscheinlichste beschriebene Tourismusform fur die Kreative Klasse.

Geht es um die Kreative Klasse muss auf jeden Fall die Definition an die Aufteilung von An- gestellten und Freiberuflern aufgeteilt werden. Unter Letzteren werden Reiseentscheidungen von den Kreativen selbst getroffen und nicht durch Hierarchien bestimmt. AuBerdem ist es zu untersuchen, ob andere Motive eine groBere Bedeutung als bei der sogenannten Arbeiterklas- se haben. Damit andert sich auch die Erwartung an touristische Angebote.

2 Der Begriff der Working Class steht bei Florida (vgl. 2002) der Creative Class gegenuber, im Deutschen ist der Begriff der „Klasse“jedoch anders konnotiert, was beachtet werden muss.

7. 2. 8. Toleranz-Auswertung

Toleranz als einer der drei entscheidenden Faktoren nach Florida fur die Attraktivitat von Le- bensorten fur Kreative kommt auch in dieser Arbeit vor (vgl. 2002). So ist die Offenheit der Menschen vor Ort fur die interviewten Reisenden wichtig. Auf der einen Seite ist es fur den personlichen Erfolg wichtig, offen zu sein fur neue Eindrucke, Ideen und unterschiedliche Menschen: ,,You have to be open-minded, create friendship with other people“ (I.4). Auf der anderen Seite ist fur die Menschen angenehm, wenn Offenheit fur ihre Ideen und Personlich- keiten herrscht. Es besteht die Erwartung, dass bei Messebesuchen von Kreativen eine grund- satzliche Offenheit fur sie und ihre Arbeit besteht (vgl. I.4, I.9, I.20). Besonders, da die Identi- fikation erwahnt wird: ,,(...) designers are their work. This is our ideas, this is our heart, this is our mind. We are the lamps” (I.4).

- Interpretation

Nimmt man eine Identifikation mit der eigenen Arbeit an, so ist es nicht verwunderlich, dass Offenheit und Begeisterung fur eigene Ideen auch auf das Wohlbefinden und das Ankommen eines Reisenden am Gastort wirken. Demnach ist es unabdingbar, Toleranz als Faktor weiter zu erhalten und zu steigern. Dies zeigt sich in Polen als nicht einfache Aufgabe. Zwar wird oftmals versucht ein innovationsfreundliches Umfeld zu schaffen, gesellschaftliche Toleranz, wie sie z. B. von Florida im Messkriterium des Anteils homosexueller Einwohner operationa- lisiert wird, ist in Polen nicht immer vergleichbar mit den z. B. in Deutschland herrschenden Umstanden (vgl. 2002). Dies zeigt u. a. eine OECD-Studie aus dem Jahr 2011, bei der sich Polen unter den intolerantesten Nationen befindet (vgl. OECD 2011: 99) (siehe Abb. 13).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 13: Toleranz gegeniiber Minderheiten. Quelle: Eigene Darstellung nach OECD (2011: 99).

Auch mediale Berichte zeichnen ein solches Bild Polens, so z. B. Easton (vgl. 2006a & 2006b). Es mussjedoch erwahnt werden, dass in den Interviews fehlende Diversitat was Nati- onalitaten anbelangt bemangelt wurde, jedoch keine direkte Aussage bezuglich eines intole- ranten Umfelds getatigt wurden. Dies ist auf Grund der 90 prozentigen Beteiligung von polni schen Inlandern allerdings nicht sehr verwunderlich und musste mit anders gelagertem Inter­view-Material uberpruft werden.

7.2.9. Private und berufliche Entwicklung

- Auswertung

Im Interview wird nach einer Teilung zwischen privater und dienstlicher Reisezeit gefragt. Neun der Interviewpartner sehen keine Grenze zwischen beruflicher Tatigkeit und Freizeit wahren der Reisezeit: „A seperation exists only when you change your mind during work. When you see it as work, it will be work” (I.7). Einigen fallt eine Einteilung nicht leicht, denn nicht alle Bereiche der Reise lassen sich auf gleiche Weise einteilen:

,,I can distinguish some things - like eating is always outside working hours. But, when I meet business partners -1 can go to a restaurant during working hours (...) It depends on the definition. I think, I do have same time for myself, this is when I sleep. Everything else is a formal and informal working process” (I.8).

“Privat, what is privat? I cannot be like this: Going to my office from nine to six and then I am ‘privat’. My work begins when I leave this (...) office” (I.9). Die Definitionen uber pri­vate und dienstliche Zeit gehen weit auseinander, manchmal werden private Erlebnisse sogar als Basis fur berufliche Tatigkeit gesehen. Nur sechs machen eine klare Unterscheidung zwi­schen den beiden vermeintlichen Lebensbereichen. Fur manche ist die personliche Entwick­lung sogar im Zentrum der Erfahrung: ,,I am looking for friendship, not for business. I want the people to like me, not to pay me, or buy my books” (I.12).

Auberdem wird der Erfolg einer Messeausstellung auch in Zusammenhang mit der Anerken- nung der eigenen (kreativen) Person gestellt. Beruflicher Erfolg hangt unmittelbar mit dem Erfolg der individuellen Person zusammen, die Kreativen ,,sind“ ihre Produkte und in diesem Kontext sind auch die anderen Teilnehmer zu sehen. ,,They make me interested in new things, learn things that are not connected to my work, but to me as a person” (I.13).

- Interpretation

In der Arbeit treten unterschiedliche, subjektive, d. h. personliche, Umschreibungen von pri­vater und dienstlicher Zeit auf. Diese individuelle Auspragung wird sogar selbst von einem Interviewpartner formuliert: ,,I think for most people the working ends somewhere. The spe­cial thing with creative work is the tipping point; it is very, very individual” (I.19). Wo man­che Kreative sich standiger Eindrucke und damit Inspirationen ausgesetzt sehen, sehen andere eine klare Strukturierung ihrer Zeit. Gerade eine besonders materialistische Sicht vom Erfolg einer Geschaftsreise, die sich hier imVerkauf von Waren bzw. Leistungen ausdruckt, geht mit einer klaren Trennung der Lebensbereiche einher (vgl. 1.10). Sieht man dies als eine eher ver- kaufsorientierte Ansicht, weniger als die Fokussierung auf kreative Prozesse und Produkte, kann diese Ansicht einer eher Working Class-typischen Haltung zugeordnet werden. Geht man davon aus, dass die Kreative Klasse eine andere Haltung bzgl. kreativer Arbeit verfolgt, wurde dies mehr fur eine Verschmelzung privater und beruflicher Tatigkeit sprechen. Dies stunde auch im Einklang mit der Beschreibung, sich als kreativer Mensch standig in einem Inspirations- und Schaffensprozess zu befinden. Damit ist vor allem die Haltung und Selbst- sicht wichtig fur eine Einteilung der Lebensbereiche, oder wie ein Interviewpartner es aus­druckt: ,,A seperation exists only when you change your mind during work. When you see it as work, it will be work” (I.7). Dies ist auch in der Definition von Geschaftstourismus zu be- achten. Es kann hier nicht unbedingt mehr von Freizeitangeboten wahrend Geschaftsreisen gesprochen werden. Passender ware ein Angebot ,,inspirierender” Ereignisse. Da Inspiration u. a. auch ein spontanes Ereignis sein kann - laut Duden in der Wortbedeutung ein ,,schopfe- rischer Einfall, Gedanke; plotzliche Erkenntnis; erhellende Idee, die jemanden, besonders bei einer geistigen Tatigkeit, weiterfuhrt; Erleuchtung, Eingebung“ (Duden 2013: Inspiration) - ist hier eine Einstellung auf dieses Bedurfnis nicht ohne Begriffsscharfung zu unternehmen. Es kann jedoch als Hinweis gesehen werden, dass eine Auberung den gesamten beruflichen Reiseprozess als privates Erlebnis beschreibt (vgl. I.6). Der Kontext zeigt hier allerdings, dass im betreffenden Fall Verkaufstatigkeiten von einer zweiten, nicht kreativ schaffenden Person durchgefuhrt wird, wahrend der bzw. die Kreative sich ausschliefilich auf diese Tatigkeit kon- zentrieren kann. Nichtsdestotrotz lasst sich sagen, dass Reisen als kreativitatsfordernd gese­hen wird.

8. Fazit

Betrachtet man die hier gesammelten Informationen, so ergibt sich, dass Posens Starken als Messe-Destination v. a. im kulturellen Angebot und der Design-Branche gesehen werden. Seine Internationalist kann auf Messen noch mehr genutzt werden, aber auch lokale Kreative sind bekannt und konnen hier einerseits Prasentationsmoglichkeit finden und andererseits auf Veranstaltungen auf den Standort aufmerksam machen. Dabei kann gesagt werden, dass sich bereits eine Mischung aus lokalen bzw. regionalen und externen Ausstellern vorfindet, nur hier, aufgrund der Fragestellung, vor allem letztere Gruppe untersucht wird. Trotz des Intereses an der Kreativen Klasse, auch von Seiten der Messe selbst, sind die Bedeutung und das Image der Region als Geschafts- und Produktionsstandort dominant und im Bewusstsein. Der Zusammenhang von Kreativitat und Industrie, Investment bzw. Wirtschaft in Posen sollte daher in Sichtbarkeit und Prasenz gestarkt werden. Dadurch kann ein harmonisches und logi- sches Image geschaffen werden, welches Posens Know-how und das Thema Kreativitat ver- bindet.

Zusammenfassend konzentrieren sich die Kernelemente der Auswertung auf Erwartungen, welche mit der neuen Form des Creative Tourism in grofien Teilen harmonieren. Partizipati- on, Aktivitat und Inspiration sind die wichtigsten Schlagworter fur den Geschaftstourismus der Kreativen Klasse. Bezieht man das personliche Engagement in die Geschaftsreisen der Kreativen ein, so beschrankt sich ihr Messetourismus nicht auf den Aufenthalt in einer Aus- stellung, sondern auch auf die ubrige Zeit am Zielort, bzw. die informellen Aktivitaten und Zusatzangebote wahrend der Messe. Dabei ist zwischen Workshops und Vortragen, sowie Kulturangeboten, Aktivitaten im Grunen, Einkaufserlebnissen oder Gastronomischem eine grofie Bandbreite an interessanten, potenziellen Beschaftigungen vorhanden.

Dabei ist es wichtig, Inspiration und Eigeninitiative zu ermoglichen. Individualitat spielt eine grofie Rolle sowohl innerhalb der beruflichen Tatigkeit und dem kommerziellen Wettbewerb, als auch wahrend der Freizeit auf Reisen. Dies ist kongruent zu der Erwartung an den Prozess und das Ergebnis kreativer Arbeit: individuelle Ideen und individuelle Produkte. Gerade da- rum findet das typische Analysieren von Konkurrenz und Trends nicht zwangslaufig Akzep- tanz, denn die Kreativen zeichnen sich durch ihre Individualitat aus.

Weitere traditionelle Funktionen von Messen - Kontakte knupfen und Presentation - sind dagegen immer noch zentral fur die Aussteller. Es gehtjedoch nicht nur um eine Verkaufspra- sentation der eigenen Produkte, sondern um eine Kombination aus dieser und der individuel- len Selbstdarstellung. Wird es ermoglicht, sich als Person wohl und angenommen zu fuhlen, wird das Reiseerlebnis tendenziell aufgewertet. Die eigene Wichtigkeit der Performanz wird auch im Co-Working, dem gemeinsamen Arbeiten und Ideen finden, vor Ort verarbeitet. Mes­sen werden als Moglichkeit gesehen, um mit anderen kurzfristig oder testweise zu arbeiten. Diesem Anspruch sollte in Zukunft mehr Raum gegeben werden.

Beachtet man den Wunsch, naher und intensiver mit Besuchern und Ausstellern in Interaktion zu treten, lasst sich wieder der Creative Tourism als in der Urlaubszeit aquivalente Auspra- gung des Reisens nennen. Das fur Zusammenarbeit z. B. in Netzwerken wichtige Vertrauen wird durch die Tatigkeiten nach Moglichkeit gestarkt und Kontakte konnen so langfristiger ausgerichtet werden, so die Annahme der Interviewten selbst (vgl. Bachinger 2012). Auf das subjektive Erfolgsgefuhl nach Messebesuchen kann sich das sicherlich positiv auswirken. Da Erfolge und Auswirkungen Messeveranstaltungen - abgesehen von Direktverkaufen - schwer messbar sind, birgt dies einen Vorteil fur die Messeanbieter. Welche genauen Ergebnisse und Prozesse innerhalb einer Zusammenarbeit in welcher Weise Einfluss auf eine langfristige Zu- sammenarbeit oder Kooperation wirken, ware eine weiterfuhrende Forschungsfrage. Ob und wie das gegenseitige Vertrauen und die Einschatzung gegenseitigen Nutzens bei kreativ Schaffenden evaluiert werden, ist zudem von besonderem Interesse, gerade in Hinsicht auf Kreativitat, Innovativitat oder Reputation. Unterliegt das soziale Kapital innerhalb der Kreati- ven Klasse als Geschaftstouristen besonderen Bedingungen?

Da die Perspektiven auf die eigene kreative Tatigkeit und das Reisen als Kreativer sehr diffe- rieren, ware es wichtig, durch eine breiter gelagerte Befragung in einer Arbeit grofieren Um- fangs, eine als Kreative Klasse relevante und homogenere Gruppe zu bilden, fur welche die touristischen Bedurfnisse dann getrennt genauer analysiert werden konnen. Besonders interes- sant ist dabei das Verschmelzen von privater und dienstlicher Zeit, die hier grundlegende Un- terschiede zur traditionellen Geschaftstourismus-Definition liefert. Reicht die Identifizierung mit der eigenen Erwerbsarbeit so weit, dass keine ideelle Trennung mehr zwischen Geschafts- und Freizeitreise mehr stattfindet, fuhrt dies zu einer neuen Perspektive auf die Nachfrage, als auch die Bedeutung und Funktion des Geschaftstourismus. Selbstverwirklichung, Inspiration, Selbstdarstellung oder Begriffe wie die hier genannte Freundschaft, welche dem typischen Repertoire des Privatlebens entliehen sind, spielen dann unter Umstanden eine grofiere Rolle.

Anhang

Interviews 1-20 (bezeichnet als Quellen: 1.1,1.2,1.3 1.20).

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[...]


[1] Polnisch: gmina

[2] Ergebnisse aus Posen

Details

Seiten
65
Jahr
2013
ISBN (Buch)
9783656824008
Dateigröße
850 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v283121
Institution / Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
1,0
Schlagworte
kreative klasse geschäftstouristen eindrücke erwartungen anforderungen messebesucher posen

Autor

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Titel: Die Kreative Klasse als Geschäftstouristen. Eindrücke, Erwartungen und Anforderungen der Messebesucher in Posen