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Ptolemaios III. Euergetes I. - der Dritte Syrische Krieg und die Außenpolitik im Zeichen der Großmachtstellung

Seminararbeit 2014 13 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Altertum

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Dritte Syrische Krieg und die größte Ausdehnung des Reiches

3. Die Außenpolitik Ptolemaios III. in Kleinasien

4. Die Griechenlandpolitik von Ptolemaios III.

5. Zusammenfassung

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Arbeit geht es darum die außenpolitischen Handlungen Ptolemaios III. Euergetes I. nachzuvollziehen, insbesondere den Ablauf des Dritten Syrischen Krieges und seine Griechenlandpolitik. Ptolemaios III. dürfte im Jahr 284 v. Chr. geboren worden sein. Am Beginn des Jahres 246 v. Chr. verstarb sein Vater Ptolemaios II. Philadelphos, bereits am 28. Januar ließ sich Ptolemaios III. zum Pharao erheben. In seiner Titulatur nannte er sich Sohn von Ptolemaios II. und Arsinoe II., seine leibliche Mutter Arsinoe I. erscheint offiziell nicht unter den Ahnen. Die Frau Ptolemaios III. war Berenike II., die Tochter von Magas, dem König von Kyrene, der von Ptolemaios II. abgefallen war. Um 250 v. Chr. starb Berenikes Vater Magas.

Zu Beginn seiner Herrschaft gelang es Ptolemaios III. die Herrschaft über die Kyrenaika wiederherzustellen, was mit einer Reorganisation des Gebietes einherging. Der Hafen von Barke wurde als Ptolemais neu gegründet, die Hafenstadt Berenike wurde in der Nähe des heutigen Benghasi angelegt und Taucheira wurde als Arsinoe am selben Ort neu gegründet. Ein Städtebund, das Koinon von Kyrene, Ptolemais, Arsinoe und Berenike, wurde initiiert. Bald nach diesen Erfolgen in der Kyrenaika sollte es für Ptolemaios notwendig werden in die Geschehnisse im Seleukidenreich einzugreifen, um dem Sohn seiner Schwester Berenike dabei zu helfen seine Herrschaftsrechte in diesem Reich durchzusetzen und damit gegebenenfalls einen Ägypten gegenüber freundlich eingestellten Seleukidenherrscher für die Zukunft zu etablieren. Nach dem Abschnitt zum Dritten Syrischen Krieg soll in einem kurzen Kapitel auf die Außenpolitik Ptolemaios III. gegenüber dem kleinasiatischen Raum eingegangen werden. Daran anschließend wird die Griechenlandpolitik des Ptolemäerherrschers näher zu beleuchten sein.

Zum Abschluss der vorliegenden Arbeit gilt es in einer kurzgefassten Zusammenfassung die wesentlichen Inhalte des Textes zu rekapitulieren und ein kurzes Fazit über die außenpolitischen Leistungen Ptolemaios III. Euergetes I. zu ziehen.

2. Der Dritte Syrische Krieg und die größte Ausdehnung des Reiches

In Bezugnahme auf die Quellen bleibt festzuhalten, dass der Papyrus Gurob Auskunft zum Dritten Syrischen Krieg gibt, eine der Hauptquellen liefert zudem Polybios. Von besonderer Bedeutung ist in dieser Hinsicht auch eine inschriftliche Quelle aus Adulis. In der im heutigen Äthiopien gelegenen Elefantenjagdstation Adulis ließ Ptolemaios III. eine Marmorstele aufstellen, die über eine inschriftliche Beschreibung seines Zuges durch das Seleukidenreich verfügt. Errichtet wurde die Stele etwa Ende 245 oder Anfang 244 v. Chr.[1]

Am Ende des zweiten der Syrischen Kriege hatte der Seleukidenherrscher Antiochos II. die Tochter Ptolemaios II., Berenike, geheiratet. Antiochos verstarb bereits 246 v. Chr. Aus einer früheren Ehe mit Laodike hatte er bereits die Söhne Seleukos und Antiochos, womit abzusehen war, dass es zu einer Auseinandersetzung um die Herrschaftsnachfolge kommen würde. Laodike behauptete nun, dass der verstorbene Herrscher sich für ihren Sohn Seleukos als Nachfolger (Seleukos II. 246-226/5 v. Chr.) entschieden hätte. Berenike wiederum proklamierte ihren Sohn zum Nachfolger, dessen Name uns laut Günther Hölbl nicht bekannt ist, und bat Ptolemaios III. um seine Hilfe, um die Ansprüche ihres Sohnes durchzusetzen. Somit kam es zum Ausbruch des Krieges, welcher namentlich auch als Laodike-Krieg bekannt ist. Die Ansprüche Seleukos II. wurden hauptsächlich im seleukidischen Kleinasien anerkannt, aber selbst dort nicht überall.

Berenike beschloss zunächst eine Seeexpidition nach Kilikien, wo die Stadt Soloi eingenommen werden konnte. Von besonderer Bedeutung war, dass hier ein Schatz von 1500 Talenten erbeutet werden konnte (würde 9 Mio. Drachmen entsprechen, wenn man das attische Talent voraussetzt). Wichtig war vor allem, dass sie das Zentrum des Seleukidenreiches um Seleukeia und Antiocheia kontrollierte.[2]

Ptolemaios III. reiste zunächst mit einer Flotte nach Seleukeia, wo er wie später auch in Antiocheia angeblich umjubelt empfangen wurde. Währenddessen dürfte wohl auch ein Land-Heer in Richtung Antiocheia marschiert sein. Als Regentin ließ Ptolemaios seine Gattin Berenike in Ägypten zurück. Auf das Militär, d.h. vor allem auf griechische Söldner, gestützt, übte sie während der Abwesenheit ihres Mannes die Regierungsgeschäfte aus. Im von Ptolemaios anscheinend selbst verfassten Papyrus Gurob, von dem eine Abschrift aus der Oase von Fayum erhalten ist, berichtet der König von diesem eben erwähnten Empfang in Seleukeia und Antiocheia.[3]

Die Quellen widersprechen sich laut Hölbl in dem Punkt, ob Berenike und ihr Sohn bei der Ankunft von Ptolemaios in Antiocheia noch am Leben waren oder nicht. Möglicherweise hielt Ptolemaios deren Tod (angeblich wurden sie von Leuten der Laodike getötet) einige Zeit geheim, um gewisse Amtshandlungen vornehmen zu können.[4] Genauere Informationen dazu liefert uns Polyainos:

„… They pretended that she was still living, and likely to recover from the wound she had received. And they persuaded her subjects of this, until Ptolemaeus … arrived. He dispatched letters to the countries around in the names of his daughter (Fehler: müsste hier sister/Schwester heißen) and her son, as if they were still alive; and by this stratagem … he secured for himself the whole country from Taurus to India, without a single engagement.“[5]

Das eigentliche Hindernis für die Pläne Laodikes, die Herrschaft ihres Sohnes durchzusetzen, war der kleine Neffe von Ptolemaios III. (also der Sohn seiner Schwester Berenike), da er derjenige war, über den ein möglicher, legitimer Anspruch auf die Seleukidenherrscherposition erhoben werden konnte.

In weiterer Folge unternahm Ptolemaios III. einen den Quellen nach sehr erfolgreichen Feldzug durch Syrien und weiter nach Osten. Diesen musste er Mitte 245 v. Chr. in Mesopotamien abbrechen, da es zu einem Aufstand der ägyptischen Bevölkerung gekommen sein soll. Die Bevölkerung war durch die großen Aufwendungen für den Feldzug anscheinend übermäßig belastet worden und die Abwesenheit des Herrschers wirkte sich ebenfalls negativ aus. Ptolemaios III. konnte schnell mit diesen Aufständen fertig werden, obwohl im Jahr 245 die Situation durch eine schlechte Ernte verschärft wurde, die es sogar nötig machte Getreide nach Ägypten zu importieren!

Als Quelle ist das Kanoposdekret wichtig, das davon berichtet, dass Euergetes die mangelnde Getreideversorgung letztlich behoben hätte. Anscheinend kaufte der König teilweise selbst für das ägyptische Volk Getreide, hauptsächlich mit einem Teil der enormen Beutesumme seines erwähnten Feldzuges. Die finanziellen Erträge des Feldzuges waren auch ein wichtiger Faktor um beispielsweise Söldner aus Griechenland für militärische Zwecke anwerben zu können. Die Zeilen 17-20 der Adulisinschrift berichten von dieser Militäraktion, dass Ptolemaios III. den Euphrat überschritten hätte. Bereits Thutmosis III. hatte sich seinerzeit damit auf dem Karnakobelisken gerühmt, diese Grenze überschritten zu haben.[6]

Bevan verweist in seinem Werk, auf eine Quelle gestützt, auf eine mögliche Beutesumme von 40.000 Talenten Silber. Entsprechend dieser Quelle hätte Ptolemaios III. seinen Beinamen Euergetes deshalb erhalten, weil er angeblich wichtige Kultgegenstände nach Ägypten zurückbrachte, welche die Perser demnach geraubt hätten. Bevan vermutet, dass Ptolemaios von der ägyptischen Priesterschaft veranlasst worden war, wichtige Götterbildnisse nach Ägypten zurückzuführen. Zusätzlich wäre es laut ihm plausibel, dass die Rückführung der Kultgegenstände pompös gefeiert wurde, da die Wiedererlangung der Kultgegenstände gleich in mehreren Quellen erwähnt wird.[7]

In der Adulisinschrift heißt es zudem, Ptolemaios habe einen Feldzug nach Asien und nicht gegen die Seleukiden unternommen, durch diese Formulierung wollte er gegebenenfalls eine ähnliche Größenordnung wie die des Alexanderzuges postulieren.

Seinem Widersacher Seleukos II. gelang eine rasche Gegenoffensive und bereits im Juli 245 wurde er als Herrscher in Babylonien anerkannt. Demnach wurde bereits ab dieser Zeit in Uruk nach Seleukos II. datiert. Ptolemaios hatte sich anscheinend nur ein Dreivierteljahr im Seleukidenreich aufgehalten, von September/Oktober 246 bis Juni 245. Da nun bekannt geworden war, dass Berenike und ihr Sohn verstorben waren, erschien Seleukos der Bevölkerung zunehmend der legitime Herrscher zu sein, was die Position Ptolemaios III. deutlich schwächte. Da Ptolemaios nun nicht mehr als offizieller Vertreter der Ansprüche seines Neffen auftreten hatte können, war die Stimmung in der Bevölkerung des Seleukidenreiches offensichtlich gegen ihn umgeschlagen.[8]

Eine völlige Unterwerfung des Seleukidenreiches gelang Ptolemaios nicht, besonders wichtig war ihm die Sicherung von ehemals seleukidischen Territorien an der anatolischen Küste und von Gebieten in Thrakien. Seine Flottenverbände errangen anscheinend mehrere Erfolge, mussten jedoch auch eine Niederlage gegen den Makedonenkönig einstecken. Demnach hätte Antigonos Gonatas 245 v. Chr. in der Seeschlacht bei Andros den ägyptischen Admiral Sophron geschlagen. Es scheint, dass nach dem Tod Antiochos II. die freundschaftlichen Verhältnisse zwischen dem Seleukidenreich und Makedonien erneuert wurden.[9] Über die verschiedenen Gebietsgewinne des Ptolemäerreiches liegen in den Quellen einige Informationen vor. Demnach hätte Ptolemaios angeblich die Gebiete Kilikien, Pamphylien, Ionien, den Hellespont und Thrakien unter seine Kontrolle gebracht.[10]

Bei Polybios steht darüber folgendes:

„… and their sphere of control also extended over the lesser kingdoms of Asia Minor and the islands, since they had the chief cities, strong places and harbours in their hands all along the coast from Pamphylia to the Hellespont and the neighbourhood of Lysimachia; while by their command of Aenus, Maronea and other cities even more distant, they exercised a supervision over the affairs of Thrace …”[11]

Einer interessanten These entsprechend, die u.a. Beyer-Rotthoff erwähnt, unterstützte Antigonos Gonatas Seleukos II. vielleicht deshalb, weil er die Gebietsgewinne der Ptolemäer an der kleinasiatischen Küste und in Thrakien als Bedrohung seines eigenen Reiches empfand. Den thrakischen Stützpunkten kam für die Ptolemäer in handelsstrategischer Hinsicht große Bedeutung zu, vor allem im Bereich des Getreidehandels, da man über die erwähnten Stützpunkte anscheinend Zugriff auf die Getreidehandelsroute aus dem Schwarzen Meer gewinnen konnte. Die ptolemäischen Stützpunkte in Kilikien lieferten den Ptolemäern Zugang zu wertvollem Schiffsbauholz, zu wichtigen Werften und zu festem, zähem Ziegenhaar, welches für Zelte, Segel und Seile Verwendung fand. Besonders die in Kilikien verbreiteten Zedern lieferten für die Ptolemäer eine wichtige Grundlage, die dringend benötigten Schiffe ihrer Flotten bauen zu können. An der ionischen Küste konnte Ptolemaios III. anscheinend die Kontrolle über Samos erringen. Die Insel verfügte selbst über ausreichend Kiefern- und Eichenwälder für den Schiffsbau und bot den Ptolemäern einen herausragenden Platz als Flottenstützpunkt. Ptolemaios scheint Samos wiederum mit ausreichend Getreidelieferungen geholfen zu haben, diese Lieferungen konnten auch ein geeignetes Machtmittel darstellen, um die Insel langfristig unter ptolemäischer Kontrolle zu halten.[12]

Von besonderer Bedeutung war die Erringung der Stadt Ephesos, welche bis 197 v. Chr. eine wichtige Basis für die ptolemäische Machtausübung in der Ägäis bleiben sollte. Eine weitere äußerst wichtige Erwerbung war Seleukeia in Pierien, dabei handelte es sich um eine für das Seleukidenreich essentiell wichtige Hafenstadt. Seleukeia war zudem Endpunkt von wichtigen Handelsrouten und die Ptolemäer ließen sich hier zukünftig in den verschiedenen Werften der Stadt Schiffe bauen. Die geschützte Lage gegenüber dem Binnenland machte Seleukeia von Land aus beinahe uneinnehmbar, für eine etwaige Eroberung hätte es einer äußerst starken Flotte bedurft.

Im Jahr 241 wurde schließlich ein für das Ptolemäerreich ausgenommen günstiger Friede geschlossen. Wenn man der Argumentation von Hölbl folgt, war das Ptolemäerreich der mächtigste der hellenistischen Staaten nach dem Dritten Syrischen Krieg.[13] Das Seleukidenreich wurde zusätzlich geschwächt, weil sich Baktrien und Parthien praktisch selbstständig machten. Zum Zweck der Partherabwehr mussten die Seleukiden bedeutende militärische Kräfte aufbieten, zudem konnte man aus den Territorien der Parther nicht wie früher üblich Truppen rekrutieren. Wie erwähnt fiel 239 auch der Satrap von Baktrien, Diodotos, von den Seleukiden ab. Abschließend zu diesem Abschnitt ist der Besuch Ptolemaios III., den er zusammen mit Frau und Kindern dem Isistempel in Philae abgestattet hat, erwähnenswert. Dieser Besuch, der entweder gegen Ende 245 oder zu Beginn des Jahres 244 v. Chr. stattgefunden hatte, wird mehrheitlich als Dankesgeste für den gut überstandenen und ausgegangenen Dritten Syrischen Krieg gewertet.[14]

[...]


[1] Beyer-Rotthoff, Untersuchungen zur Aussenpolitik, S. 15-16, 40-41 u. 58.

[2] Hölbl, Geschichte des Ptolemäerreiches, S. 46-47.

[3] Beyer-Rotthoff, Untersuchungen zur Aussenpolitik, S. 26-31.

[4] Hölbl, Geschichte des Ptolemäerreiches, S. 47.

[5] Polyainos, VIII, 50.

[6] Beyer-Rotthoff, Untersuchungen zur Aussenpolitik, S. 37-38, 54 u. 66.

[7] Bevan, The House of Ptolemy, S. 195 u. 199.

[8] Beyer-Rotthoff, Untersuchungen zur Aussenpolitik, S. 34 u. 44.

[9] Volkmann, Paulys Realencyclopädie, Sp. 1671.

[10] Walbank, The Cambridge Ancient History, S. 421.

[11] Polybios, Hist. V, 34, 7-8.

[12] Beyer-Rotthoff, Untersuchungen zur Aussenpolitik, S. 35, 46-48, 208 u. 227-228.

[13] Hölbl, Geschichte des Ptolemäerreiches, S. 49.

[14] Bingen, Hellenistic Egypt, S. 37-39.

Details

Seiten
13
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656828037
ISBN (Buch)
9783656828464
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v283226
Institution / Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt – Geschichte
Note
1
Schlagworte
Ptolemaios III. Euergetes I. Syrien Dritter Syrischer Krieg Perserreich

Autor

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Titel: Ptolemaios III. Euergetes I. -  der Dritte Syrische Krieg und die Außenpolitik im Zeichen der Großmachtstellung