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Der Umgang mit Untreue. Geschlechterverhältnisse und soziale Regelbrüche in Arthur Schnitzlers "Reigen" und in der "Traumnovelle"

Bachelorarbeit 2012 68 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1.Einleitung

2. (Geschlechter-) Diskurse und literarische Rollenmuster
2.1. Diskurse der Wiener Moderne
2.2. Das Eheleben um 1900
2.3. Rollenmuster in der Literatur der Jahrhundertwende

3. Inszenierungen von Geschlechterverhältnissen und sozialen Regelbrüchen im Reigen
3.1. Die junge Frau
3.2. Der Gatte
3.3. Zwischenfazit Reigen

4. Inszenierungen von Geschlechterverhältnissen und sozialen Regelbrüchen in der Traumnovelle
4.1. Albertine
4.2. Fridolin
4.3. Zwischenfazit Traumnovelle

5. Vergleichende Überlegungen zu Reigen und Traumnovelle

6. Schluss

7. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Ich verstehe Dich nicht, Du verstehst mich nicht, wir verstehen uns nicht – die alte Liebesconjugation […].[1]

Erotische Begierden, werbende Schmeicheleien, zärtliche Zuwendung, brüske Abweisung, Ehekrisen, Eifersucht, Untreue ­– das ganze Arsenal an Liebeslust und Liebesfrust – bilden das Herzstück vieler Werke des Dr. Arthur Schnitzler. Diese Arbeit möchte nun vergleichende Überlegungen zu zwei Schnitzler Texten anstellen: zu dem Einakterzyklus Reigen und zu der Traumnovelle. Mein Erkenntnisinteresse gilt dabei der Art und Weise, wie Geschlechterverhältnisse und der Umgang mit Untreue bei verheirateten Paaren inszeniert werden. Deswegen liegt bei der Analyse des Reigens der Fokus auf den drei Szenen, bei denen es um ein verheiratetes Paar bzw. den jeweils fremdgehenden Ehepartner geht. Das sind: Der junge Herr und die junge Frau, die junge Frau und der Gatte und der Gatte und das süße Mädel. Da die Traumnovelle im Rahmen einer Bachelorarbeit für eine Gesamtanalyse zu komplex ist, werde ich mich bei meiner textnahen Auseinandersetzung mit diesem Werk auf das Gespräch zwischen Albertine und Fridolin im ersten Kapitel konzentrieren.

Warum gerade der Reigen und die Traumnovelle? Für die Auswahl dieser beiden Texte sprechen mehrere Gründe: Zum einen bieten beide Texte eine gute Grundlage für den von mir ausgewählten Untersuchungsgegenstand – Umgang mit Untreue, Inszenierung von Geschlechterverhältnissen bei verheirateten Paaren – denn in beiden Werken lässt uns der Autor an der Intimkommunikation eines Ehepaars teilhaben. Zum anderen liegen zwischen der Veröffentlichung des Reigens und der Traumnovelle fast 30 Jahre. Diese drei Jahrzehnte zwischen 1896/97 (Entstehungszeit des Reigens) und 1926 (erste Buchausgabe der Traumnovelle) waren eine Zeit, in der in Schnitzlers Heimat Österreich und nahezu in ganz Europa gravierende gesellschaftliche sowie kulturelle Wandlungen stattgefunden haben – insbesondere bezüglich des Ehe- und Familienlebens und der Stellung der Frau in der Gesellschaft. Außerdem ist Schnitzler als Autor, der gleichzeitig auch ein studierter Mediziner war, bekannt für seine „scharfe Beobachtung“ und „diagnostische Präzision“[2]. Die Literatur aus der Zeit der Jahrhundertwende hat die zeitgenössischen Diskurse auf den verschiedenen Gebieten der Naturwissenschaften, der Philosophie und Psychologie nicht nur aufgegriffen, sondern aktiv mitgestaltet. Im Wien der Jahrhundertwende entsteht also der Diskurs über die Geschlechter und Geschlechterverhältnisse aus der symbiotischen Beziehung zwischen den (pseudo-) wissenschaftlichen Geschlechtertheorien und den Texten aus dem Literatenkreis des „Jungen Wien“, dem Arthur Schnitzler ebenfalls angehörte. Deshalb denke ich, dass Arthur Schnitzler eine geeignete „literarische Brille“ ist, um die Auflösung der traditionellen, sozialen und gesellschaftlichen Konventionen in der bürgerlichen Ehe näher zu betrachten. In einer textnahen Auseinandersetzung mit den beiden Werken möchte ich das jeweils inszenierte Geschlechterverhältnis zwischen Ehefrau und Ehemann herausarbeiten und dann die Ergebnisse der Analyse des Reigens mit denen der Traumnovelle vergleichen. Dabei soll die Analysekategorie Geschlecht im Sinne von „sozialem Rollenmuster“ verstanden werden und im Rahmen einer gender-orientierten Analyse sowohl literarisch vermittelte Frauenbilder als auch Männerbilder näher beleuchten.[3] Der Begriff „soziale Rolle“ beschreibt das Wechselspiel eines Individuums mit der Gesellschaft, von der es umgeben wird. Dabei umfasst dieser Begriff die Summe der Erwartungen und Ansprüche, die von Handlungspartnern, einer bestimmten Gruppe oder der gesamten Gesellschaft an das Verhalten und auch an das äußere Erscheinungsbild des Inhabers einer sozialen Rolle herangetragen werden. Der Inhalt einer sozialen Rolle ist somit weniger individuell als vielmehr kollektiv geprägt.[4] Mich interessiert es, ob in der später verfassten Traumnovelle im direkten Vergleich zum Reigen signifikante Unterschiede zur Inszenierung der sozialen Rollenmuster in der bürgerlichen Ehe um 1900 zu beobachten sind. Die Fragestellungen, welche die Analyse leiten, sind: Bedienen sich die dargestellten Figuren traditioneller, geschlechtsspezifischer Rollenvorstellungen bzw. werden sie von anderen Figuren im Zusammenhang mit solchen Rollenmustern oder spezifischen Bildern von Männlichkeit oder Weiblichkeit gesehen? Wie werden die Figuren bezüglich zwischenmenschlicher und vor allem zwischengeschlechtlicher Beziehungen dargestellt? Wie werden die Machtverhältnisse zwischen den Figuren dargestellt? Wie verhalten sich die Figuren in Bezug auf Sexualität?[5] Dabei gehe ich der These nach, dass die Inszenierung des Ehepaars im Reigen auf dem traditionellen patriarchalischen Diktat des Mannes beruht, während die Eheleute Albertine und Fridolin in der Traumnovelle sich bereits einem gleichberechtigten Aushandlungsprozess beider Partner annähern.

Da in dem Medium Literatur die Inszenierung der Geschlechter nicht vollkommen frei und fiktiv ist, sondern stets historisch, kulturell und individuell beeinflusst wird, ist es notwendig, dass auch die gesellschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen, in denen die zu analysierenden Werke entstanden sind, näher betrachtet werden. Insbesondere die sozialen Konventionen, denen das Eheleben in der Zeit um 1900 unterworfen ist. Deshalb möchte ich in dem nun folgenden Kapitel 2. (Geschlechter-)Diskurse und literarische Rollenmuster einen Überblick über die wichtigsten Diskurse der Wiener Moderne geben, um den sozio-kulturellen Hintergrund – die historische Folie auf welcher der Menschenzeichner Arthur Schnitzler seine literarische Skizzen angefertigt hat – kurz vorzustellen. Diese Ausführungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern sie beleuchten lediglich stichpunktartig für die literarische Analyse relevante Bereiche.

2. (Geschlechter-) Diskurse und literarische Rollenmuster

Eine Besonderheit der Wiener Moderne besteht darin, dass es sich hier keineswegs um eine einheitliche Richtung oder eine homogene Kulturlandschaft handelt, sondern dass die unterschiedlichsten gesellschaftlichen und kulturellen Diskurse nebeneinander existierten – was den ein oder anderen konfliktreichen Zusammenstoß geradezu provozierte. Traditionalistisch orientierte Denk- und Kunstrichtungen überlagerten sich mit avantgardistischen Gedanken und Konzeptionen und bildeten ein dynamisches Geflecht voller Widersprüche. Die Vielfalt der kulturellen Strömungen sowie die Zuwanderung von Talenten aus allen Teilen der Donaumonarchie, die in Wien zusammentrafen, begünstigten das intellektuelle Klima und die Vielfalt der Diskurse. Die Menschen schwankten zwischen euphorischem Fortschrittsglauben und Weltuntergangsstimmung. Einerseits war die bürgerliche Gesellschaft des Fin de Siècle fasziniert von den Erfolgen und Möglichkeiten der neuen technischen Errungenschaften, die in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts nach und nach ihr Alltagsleben beschleunigten: elektrisches Licht, Telefon, Automobil… Auf der anderen Seite bedeuteten die um sich greifende Urbanisierung, Technisierung und Industrialisierung mit ihren Phänomenen der „Beschleunigung“ und der „Plötzlichkeit“ für viele Menschen einen Verlust an Bindung und Dauerhaftigkeit.

Diese Modernitätsschübe wurden auch mental als Erschütterung empfunden; erschüttert war die Stabilität einer Lebenswelt, die auf Herkommen und Tradition beruhte. Nun hatte man sich zahlreichen technischen Neuerungen, wissenschaftlichen Innovationen, ökonomischen, politischen und gesellschaftlichen Verschiebungen zu stellen. Diese Entwicklungen wurden auch als individuelle psychische Irritationen spürbar.[6]

Je weiter also die Rationalisierung und Beschleunigung der Welt voranschritt, desto mehr empfanden viele Menschen diesen abrupten Wandel nicht nur bequem und fortschrittlich, sondern fühlten sich durch die vielen Neuerungen gestresst und geradezu bedroht. Dazu kamen politische und gesellschaftliche Spannungen. Die österreichisch-ungarische Monarchie befand sich auf dem Weg von der Stabilität in eine eher labile Lage. Die Menschen lebten nach einer langen Friedensperiode seit Ende der 1860er Jahre zwar in einem gesättigten Gefühl der Sicherheit, doch von großen Teilen der Bevölkerung wurde diese lange Friedensperiode als geschichtlicher Stillstand empfunden. Die Jahrhundertwende war eine Epoche, die von extremer Unruhe und Unsicherheit gekennzeichnet war – man stellte Konventionen und moralische Werte in Frage gestellt und zugleich klammerte man sich an Althergebrachtem fest. Die Autoren des „Jungen Wien“ und mit ihnen Arthur Schnitzler reagierten auf die unübersichtliche Lage, indem sie sich in ihr Innerstes zurückzogen und eine teilweise bis zum Narzissmus gesteigerte Seelenanalyse betrieben. Materiell abgesichert – die meisten Autoren des „Jungen Wien“ stammten aus elitären und sehr gebildeten Kreisen – konnten diese Literaten sich dem extensiven Studium ihres Seelenlebens und der „überfeinen Nerven“ widmen, ohne auf finanzielle Einnahmen durch nervenaufreibenden Tagesjournalismus oder Romanveröffentlichungen angewiesen zu sein. Gleichzeitig stand die respektable, wohlhabende Vätergeneration aber auch für eine Ära des selbstzufriedenen Materialismus und unverrückbarer ideeller Werte. Dies wurde von den Söhnen als einengend empfunden. Schnitzlers eigener Lebensweg war anfangs stark von den Erwartungen seines Vaters geprägt. Gehorsam wählte er das Studium, das sein Vater für ihn vorgesehen hatte: Medizin. Erst nach dem Tod seines Vaters (1893) widmete sich Schnitzler mit ganzer Kraft seiner schriftstellerischen Karriere. Der französische Germanist Jacques Le Rider betont, dass viele Künstler der Wiener Moderne – sei es im Bereich der bildenden Kunst oder der Literatur – zu Beginn ihrer Karriere fest in den Traditionen des Historismus und der Klassik verwurzelt waren und keineswegs von Anfang an triumphierend und selbstbewusst neue Wege beschritten.

Viennese modernism was by no means triumphal or sure of itself. It kept a strong awareness of loss, of a decadence which must be fought, of a world in a state of collapse and a still undefined future.[7]

Le Rider sieht in der Wiener Moderne demnach vor allem Entwurzelungs- und Krisenphänomene: Die Krise des Liberalismus, die Krise der jüdischen Identität und die Krise der Männlichkeit. Gerade diese Destabilisierung der männlichen Identität, die durch vehemente weibliche Emanzipationsbestrebungen wie beispielsweise den Kampf um das Wahlrecht und den Zugang zu den Universitäten zusätzlich ins Wanken geriet, ist ein Grund für den aufkommenden Frauenhass in verschiedensten Nuancen. Frauen, die ihre Forderungen an die Gesellschaft präzise aussprachen und mehr Bildung, sexuelle Selbstbestimmung und bürgerliche sowie politische Rechte forderten, waren einem großen Teil der Männerwelt sehr suspekt. Und da Angriff manchmal als die beste Verteidigung erscheint, produzierten die Naturwissenschaften, die Medizin und die Anthropologie umfangreiche, zum Teil äußerst misogyn geprägte Publikationen, in der Absicht, die Geschlechterrollen eindeutig zu bestimmen und „wissenschaftlich“ festzulegen. Nun folgt ein knapper Überblick über einige wichtige Diskurse der Wiener Moderne: Die Krise des Liberalismus, die Krise der persönlichen Identität und die Krise der jüdischen Identität.

2.1. Diskurse der Wiener Moderne

Der Kulturhistoriker Carl Emil Schorske sieht im Untergang des Liberalismus einen wichtigen Erklärungsansatz für die Entstehung des Phänomens Wiener Moderne. Als der auf zentralen Ideen der Aufklärung beruhende Liberalismus nach dem Börsenkrach von 1873 und der Entwicklung der Massenparteien (Christsoziale und Sozialdemokraten) in die Krise geriet, zeigten die empfindlichen finanziellen Verluste, die politische Niederlage und der damit verbundene Machtverlust nachhaltige Wirkung im Selbstverständnis der Bürger. Ein Gefühl des drohenden Untergangs machte sich breit und nagte am bürgerlichen Selbstbewusstsein.[8] Hinzu kamen Entwicklungen in der Wissenschaft wie beispielsweise Sigmund Freuds Psychoanalyse und Ernst Machs „Beiträge zur Analyse der Empfindungen“ (1886). Freuds Psychoanalyse beruht – stark verkürzt dargestellt – auf der Erkenntnis, dass das Ich nicht mehr Herr im eigenen Haus ist. Machs These von der Unrettbarkeit des Ichs entlarvt das individuelle, in sich geschlossene Ich als Fiktion und postuliert stattdessen einen subjektiv wahrgenommenen, labilen Empfindungskomplex – abhängig von unbeständigen Empfindungen, Erfahrungen, Assoziationen, Stimmungen, Gefühlen und Erinnerungen. Diese Gedanken von der Auflösung der inneren und äußeren Wirklichkeit brachten das aufklärerische Menschenbild der Liberalen stark ins Wanken. Die Folge war eine Flucht ins Private und der Rückzug von der gesellschaftlichen Öffentlichkeit. Auch die Kunst brachte das allgegenwärtige Gefühl der Krise zum Ausdruck.

Von einem Ornament wurde die Kunst zum Wesentlichen verwandelt und von einem Ausdruck von Werten zu einer Quelle der Werte. Der Unglücksfall des Zusammenbruchs des Liberalismus bildete das ästhetische Erbe zu einer Kultur empfindsamer Nerven, eines missmutigen Hedonismus und einer oft rückhaltlosen Angst.[9]

Nach dem Ende der Herrschaft des Liberalismus und der daraus resultierenden Weltflucht des Bürgers ins Private, fehlte vor allem den kreativen Geistern in ihrem selbstgewählten Exil der Kunst die Möglichkeit, sich als einen Teil eines größeren Ganzen zu begreifen. Die gesellschaftliche Wirklichkeit wurde als feindlich wahrgenommen. Der durch den Rückzug aus der Gesellschaft entstandene Individualismus sowie die daraus resultierende Entfremdung und Einsamkeit ist ein wesentliches Element der Wiener Moderne und ein häufig benutztes Motiv der Literaten des „Jungen Wien“. Denn die Flucht in die Subjektivität bietet nur scheinbar einen Ausweg. Die Schwäche des Individuums, sein unzureichender Schutz bleibt den Autoren der Wiener Moderne nicht verborgen. Den Begriff, den sie dafür prägen ist „Nervosität“. Diese „Nervosität ist Ergebnis einer Überforderung des einzelnen Künstlers, dem die reine Subjektivität aller seiner Sinneseindrücke und die damit verbundene, permanente Unsicherheit und „Neuformatierung“ der Welt schlagartig bewusst werden.[10]

The identity crisis was the deconstructive process whereby a new and more or less stable identity was (re-) constructed – unless it turned out to be impossible to reconstitute a solid identity, in which case the subject had to learn to live with a more or less permanent crisis.[11]

Die Wahrheit, das Ich und soziale Normen lösen sich in ein Bündel Nerven auf. Die Auslöser dieser Krise sind vor allem die Erkenntnisse Ernst Machs und die von Sigmund Freud entwickelte Psychoanlyse. Schorske fasst die Entwicklung des rationalen, aufgeklärten Menschen zum „homo psychologicus“ wie folgt zusammen:

Das überlieferte Weltbild kreiste um den rationalen Menschen, von dessen wissenschaftlicher Beherrschung der Natur und sittlicher Selbstbeherrschung man die Schöpfung der glücklichen Gesellschaft erwartete. In unserem Jahrhundert hatte der Mensch der Ratio seinen Platz jenem reicheren, aber auch gefährlichen und schwankenden Geschöpf, dem homo psychologicus zu räumen. Dieser neue Mensch ist kein vernunftbegabtes Wesen allein, sondern auch ein fühlendes und instinktgeleitetes.[12]

An die Stelle einer einheitlichen Identität tritt nun eine Reihe von Identifikatoren. Laut Freud macht es nur noch Sinn, eine Identität zu benennen, wenn man damit die Summe dieser Identifikatoren bezeichnet – sozusagen um den illusionären Charakter des „Ichs“ festzuhalten. Das Motiv des Menschen, der nicht mehr wie zuvor, den Gesetzen der Vernunft folgend als Herr seiner selbst handelt, sondern zerrissen ist zwischen Instinkten und Erfahrungen, wird von den Literaten des „Jungen Wien“ vielfach aufgegriffen. Die alte Identität zerfiel und zog den Zweifel nach sich, ob Individualisierung überhaupt möglich sei. Die sprachphilosophischen Theorien Ludwig Wittgensteins und Fritz Mauthners verschärften die Situation des bereits in der Krise befindlichen Ichs. Nun wurde zusätzlich noch die Aussagefähigkeit und Aussagekraft sprachlicher Weltbenennung sowie Weltdarstellung in Frage gestellt und dem Denken bzw. dem Ausdruck der Gedanken eine Grenze gezogen. Ein literarisches Beispiel, das diese Sprachskepsis – die Krise des Umgangs der Literaten mit ihrem ureigensten Medium Sprache – zum Ausdruck bringt, ist der Chandos-Brief (1902) von Hugo von Hofmannsthal. Das zentrale Thema dieses fiktiven Briefs des jungen Dichtergenies Lord Chandos an den Philosophen und Naturwissenschaftler Francis Bacon ist die Auflösung der Referenzbeziehung zwischen Wort und Welt. Lord Chandos übt Kritik an der Sprache als Ausdrucksmittel, da es keine Einheit mehr zwischen Sprache und Empfindungen gibt. Die Sprache ist für Chandos nicht länger ein Mittel, die Welt zu ordnen. Er konstatiert einen unüberwindbaren Bruch zwischen der Sprache und der Realität. Das Interessante an diesem sprachgewaltigen und wortmächtigen Brief ist, dass Lord Chandos seine Sprachskepsis nicht mit Argumenten untermauert, sondern diese in Metaphern kleidet. Diese sprachlichen Bilder sind so stark und plausibel, dass der Leser die Botschaft nachvollziehen kann und sich auch ganz ohne Argumente überzeugen lässt. Man könnte beinahe sagen, dass der Chandos Brief in einer Art metaphorischen Transformationsleistung Fritz Mauthners Beiträge zu einer Kritik der Sprache (1901) be(sprach)bildert hat. Den einzig möglichen Ausweg aus dieser Krise sahen viele Künstler in der Suche nach einem fast mystisch wirkenden, geistigen Zustand – einer Art Verbindung des Ichs mit dem Ganzen. Ziel war es, eine Einheit der Facetten des eigenen Selbst zu erreichen und aus dieser Einheit einen neuen, mit sich versöhnten Begriff des Individuums zu schöpfen. Das Ergebnis der Verbindung dieser auf den ersten Blick unvereinbaren und miteinander im Widerspruch liegenden Facetten des Ichs ist eine neue, stärkere Form des Individualismus.[13] Infolge der Sprachskepsis wurde dann auch den Kunstformen mehr Gewicht beigemessen, die ohne Sprache auskamen, beispielsweise Tanz, Ballett, Pantomime, Expressionismus und die ornamentale Kunst des Jugendstils. Der Fokuswechsel von Inhalt zu Form ist ein wichtiger Aspekt der Wiener Moderne. Auch in der Literatur entwickelte sich ein neues Bewusstsein für Form. Denn wenn wir Gedanken als mentale Inhalte betrachten, dann ist das Zeichensystem Sprache die Form, derer wir uns bedienen, um Gedanken auszudrücken. Der Modus der ästhetischen Form schafft Distanz zum Inhalt, zum Autor und zur Alltagssprache sowie zur alltäglichen Kommunikation. Deshalb erlaubt es der Modus der ästhetischen Form auch soziale Normen und Konventionen auszuhebeln und Inhalte zu transportieren, die gesellschaftlich eigentlich nicht akzeptiert sind.[14]

Ein bedeutender Teil der Wissenschaftler, philosophischen Denker, Literaten, Musiker und der bildenden Künstler, die mit ihren Erkenntnissen, Gedanken und Werken die Wiener Moderne prägten, waren jüdischer Abstammung: Sigmund Freud, Ludwig Wittgenstein, Hugo von Hofmannsthal, Arthur Schnitzler, Hermann Bahr, Karl Kraus, Richard Beer-Hofmann, Peter Altenberg, Gustav Mahler, Arnold Schönberg … Der Anteil der Juden an der intellektuellen Schicht Wiens war überdurchschnittlich groß. Mit einem scherzhaften Rätsel, das die „Confession“ einer wohlhabenden Dame mit erlesenem Geschmack erfragt, bringt Karl Kraus in seiner Zeitschrift Die Fackel die Situation auf den Punkt:

Liebe Fackel! Preisräthsel. Eine Dame sitzt auf einem Sessel von Olbrich – Darmstadt, trägt ein Kleid von Van de Velde – Brüssel, Ohrgehänge von Lalique – Paris, eine Brosche von Ashbee – London, trinkt aus einem Glas von Kolo, Moser – Wien, liest in einem Buch aus dem Verlag „Insel“ – München, gedruckt mit Lettern von Otto Eckmann – Berlin, verfasst von Hofmannsthal – Wien. Welcher Confession gehört die Dame an?[15]

Juden bildeten einen großen Teil der Handels-, Industrie- und Finanzwelt und in entsprechend großer Zahl waren sie auch im liberalen Besitzbürgertum des ausgehenden 19. Jahrhunderts vertreten. Mit Beginn der Aufklärung und ihrem Wertesystem von Freiheit und Fortschritt ebneten sich die Juden den Weg in die Wiener Gesellschaft. Durch Bildung und Wohlstand integrieren sie sich in die Kultur der Aufklärung. Dann kam der Börsenkrach von 1873 und mit dem wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Zusammenbruch des Liberalismus wuchsen die antisemitischen Tendenzen gegen die beinahe schon vollständig assimilierten bürgerlichen Juden. Denn diese standen aufgrund ihres sehr raschen sozioökonomischen Aufstiegs für ein liberales Wertesystem und wurden als Verkörperung des Kapitalismus gesehen. Nun waren die rasanten wirtschaftlichen Entwicklungen vorerst gebremst und man suchte nach Schuldigen. Den „Sündenbock“ glaubte man dann schnell gefunden zu haben: die Juden. Durch die theoretische Verknüpfung von Judentum, Liberalismus und Kapitalismus gelang es der Partei der Christsozialen unter dem österreichischen Politiker und dem zwischen 1897 und 1910 amtierenden Wiener Bürgermeister Karl Lueger vor allem das Kleinbürgertum für ihre antisemitischen Ideologien einzunehmen.[16] Der Niedergang des Liberalismus war also aufgrund des damit einhergehenden, immer stärker werdenden Antisemitismus für die jüdischen Bürger Wiens ungleich schwerwiegender als für alle anderen. Dies löste die Krise der jüdischen Identität aus. Die Weltflucht des Bürgers ins Private und ins künstlerische Exil galt damit für die assimilierten, bürgerlichen Juden noch viel mehr als für die anderen Bürger Wiens.

2.2. Das Eheleben um 1900

Die diskursive Flut um das Thema Geschlecht und die Beziehung der Geschlechter zueinander erreicht während der Jahrhundertwende einen Höhepunkt. Das große Interesse an diesem Thema spiegelt die gesellschaftlichen und kulturellen Veränderungen der Zeit wider – ganz besonders bezüglich des Wandels der bestehenden Geschlechterrollen.

Vielleicht auf keinem Gebiet des öffentlichen Lebens hat sich durch eine Reihe von Faktoren – die Emanzipation der Frau, die Freudsche Psychoanalyse, den sportlichen Körperkult, die Verselbständigung der Jugend – innerhalb eines einzigen Menschenalters eine so totale Verwandlung vollzogen wie in der Beziehung der Geschlechter zueinander.[17]

Ähnlich wie in der Zeit der Aufklärung ist um die Jahrhundertwende auch die Natur der Orientierungspunkt zur Deutung der Geschlechterordnung. Man ging davon aus, dass Geschlechtsunterschiede zwischen Frauen und Männern biologisch angelegt und natürlichen Ursprungs sind. Die vermeintlichen biologischen und psychischen Unterschiede wie z.B. Männer sind per se aktiv, stark und durchsetzungsfähig und Frauen eher passiv, sanft und emotional wurden als natürliche Geschlechterdifferenzen festgelegt und halten sich zum Teil bis heute als ein fester Bestandteil unserer Alltagsvorstellungen. Bis in die 1970er Jahre hinein wurde in Forschung und Politik der BRD davon ausgegangen, dass Geschlechtsunterschiede zwischen Frauen und Männern biologisch angelegt und manifestiert sind – im Gegensatz zu den heutigen Diskursen über sozialisierte und konstruierte Weiblichkeit bzw. Männlichkeit.

Diese „natürlichen“ Persönlichkeitsmerkmale bildeten dann auch die Grundlage für die unterschiedlichen Rollenzuweisungen innerhalb der Beziehung der Geschlechter zueinander – insbesondere in der institutionalisierten Form dieser Beziehungen, der Ehe. Die Partnerschaft zwischen Mann und Frau in der Ehe lässt sich als eine Art öffentlich anerkannter Vertrag betrachten, ein lebenslanger Bund, der durch eine höhere Stelle gesetzlich und religiös zeremoniell legitimiert wurde. Also eine Wirtschafts- und Reproduktionsgemeinschaft, durch die Kinder legitim werden und in der gegenseitige Hilfe und auch die materielle Versorgung eine wichtige Rolle spielen. Die Machart dieses Vertrages wird dabei durch die jeweiligen kulturellen und gesellschaftlichen Strukturen maßgeblich geprägt.[18] Die Ehe galt lange Zeit als die einzig erlaubte und gesellschaftlich anerkannte Form der Partnerschaft. Sie wurde als Grundlage für sozialen Frieden gesehen, zur Sicherung der Fortpflanzung und – was vor dem Zeitalter der genetischen Vaterschaftstests sicher auch eine wichtige Rolle spielte – zur eindeutigen Bestimmung des Kindesvaters. Dies war für eine klare Regelung der Erbfolge von großer Bedeutung. Die Regeln für den öffentlich anerkannten Vertrag Ehe und die Rollenverteilung von Mann und Frau finden sich im Bürgerlichen Gesetzbuch. Hier wurde gesetzlich vorgeschrieben, dass der Mann die Frau materiell zu versorgen hat, dass die Frau Hausfrau zu sein hat und der Mann erwerbstätig ist. Die Verfügungsgewalt über sämtliche materiellen Dinge, eine eventuelle Erwerbstätigkeit der Frau, über die Frau selbst und die sexuelle Nutzung ihres Körpers lag beim Mann. In der Ehe um 1900 gab es also eine spezifische und eindeutig geregelte Rollenverteilung: die Frau fungiert als Hausfrau und Mutter im häuslichen Kreis und der Mann geht aus dem Haus und verdient das Geld. Das bedeutet auch, dass die Ehefrau sich in einer vollkommenen finanziellen Abhängigkeit von ihrem Ehepartner befand. Die daraus resultierende „soziale Inferiorität“ der Frau wurde mit ihrer biologischen und geistigen Minderwertigkeit begründet.[19] Bis 1957 war der Ehemann zum Beispiel dazu befugt, ein von seiner Frau eingegangenes Arbeitsverhältnis zu kündigen. Und erst 1976 wurde ein Paragraph im Bürgerlichen Gesetzbuch abgeschafft, der der Ehefrau eine Erwerbstätigkeit nur dann erlaubte, wenn diese mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar war.[20] Es folgen ein paar weitere Daten und Fakten, welche die Situation der (Ehe)frauen um 1900 ganz gut verdeutlichen: erst im Jahr 1893 wurden Frauen in Deutschland zum Abitur zugelassen, 1896 wurde die untergeordnete Rolle der Frau in der Ehe erneut juristisch fixiert, um 1900 wurden Frauen das erste Mal in Universitäten zugelassen und das bürgerliche Recht von 1900 legte fest, dass die Ehefrau verpflichtet ist, den Haushalt zu führen. Dementsprechend stellte der Staat auch keine verheirateten Frauen ein.[21] In der traditionellen bürgerlichen Ehe um 1900 gilt also das patriarchalische Diktat des Mannes. Er ist das unangefochtene Familienoberhaupt sowie der Ernährer der Familie, Die Frau spielt die untergeordnete Rolle der Mutter und Haushälterin. Der Wirkungsgrad des Mannes ist außerhalb der häuslichen Sphäre. Er geht in die Welt hinaus, um das Vermögen zu vergrößern, sein Wissen zu vermehren oder sich der Kunst zu widmen. Die Aufgabe der Frau ist es, sich als Ehefrau und Mutter um die Familie zu kümmern. Sie bleibt im Haus, ihrem „naturgemäßen“ Platz im Inneren der Familie.

In der Zeit um die Jahrhundertwende gab es eine ganze Reihe von pseudo-medizinischen und populärwissenschaftlichen, oft misogyn geprägten Abhandlungen über das Wesen der Frau, in denen die Autoren versuchten, durch Rollenstereotypen dieses patriarchalische Gesellschaftssystem zu untermauern. Die Geschlechter und ihre Beziehung zueinander werden in dichotome Geschlechtscharaktere eingeteilt. Der männlichen Aktivität steht zum Beispiel die weibliche Passivität gegenüber, der männliche Geist dominiert das weibliche Gefühl usw.[22] Pädagogen, Sexualwissenschaftler, Mediziner, Psychiater und einige andere bemühten sich, die Differenz der Geschlechter epistemologisch und naturwissenschaftlich zu fixieren. Karin Hausen hat einige dieser im 19. Jahrhundert und auch nach der Jahrhundertwende gültigen oppositionellen Bedeutungen von „männlich und „weiblich“ aus Lexika, medizinischen, pädagogischen, psychologischen und auch literarischen Schriften ausgewertet und in fünf Merkmalsgruppen zusammengestellt:[23]

Inge Stephan und Christina von Braun machen darauf aufmerksam, dass die Gesetze und Regelungen, die das Verhältnis der Geschlechter bestimmen, den Kern jeder Gemeinschaftsordnung bilden und es daher kein Zufall ist, wenn sich zeitgleich ähnliche Denkmuster in der Philosophie oder Medizin finden: „So entsprechen dann nicht zufällig bestimmte Rechtsauffassungen den Konstrukten und Denkmustern, die sich zeitgleich in der Philosophie oder in der Medizin finden.“[24]

Zu diesem starren Korsett der gesellschaftlich geprägten Rollenmuster in einer bürgerlichen Ehe um die Jahrhundertwende kommt der meist hohe Altersunterschied zwischen Ehemann und Ehefrau, der diese ungleiche und streng hierarchische Rollenverteilung noch verstärkt. Denn die bürgerlichen Männer konnten in der Regel erst spät heiraten, nämlich dann, wenn sie beruflich und wirtschaftlich so weit abgesichert waren, dass sie es sich leisten konnten, eine Familie zu ernähren. Die bürgerlichen Frauen dagegen gingen sehr jung und absolut unerfahren die eheliche Bindung ein. Die Jungfräulichkeit der bürgerlichen Töchter aus gutem Hause war eine Art conditio sine qua non, um überhaupt für einen potentiellen Ehepartner als Braut in Frage zu kommen.

Behütete junge Frauen der Oberschichten, die in ihren Kloster- oder sonstigen Mädchenschulen gegen alle sexuellen Versuchungen abgeschirmt wurden, hatten wenig Gelegenheit (wenn sie es denn gewollt hätten), vor der Hochzeitsnacht ihre Jungfräulichkeit zu verlieren. Das intakte Hymen der Frau blieb eine Trophäe, die es zu hüten galt. War es erst einmal „zerstört“, dann fiel ihr Preis auf dem Heiratsmarkt steil nach unten.[25]

In anderen Worten, die Ehemänner waren ihren Frauen weit überlegen, was Bildung, Wissen und (erotische) Erfahrung betraf. Nicht gerade eine gute Ausgangsbasis für eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Im besten Fall entwickelte sich zwischen den Eheleuten eine Art Vater-Tochter-Verhältnis. Zusammengefasst kann man sagen, dass die traditionelle bürgerliche Ehe in der Zeit um 1900 Frauen in zweierlei Hinsicht unterdrückte: geistig und sexuell.

Die geistige Unterdrückung manifestierte sich schon in der Erziehung der bürgerlichen Töchter, da diese nur darauf zielte, die Mädchen auf ihre zukünftige Rolle als Hausfrau und Mutter vorzubereiten. Alternativen wie beispielsweise eine berufliche oder gar akademische Ausbildung waren nicht vorgesehen. Die sexuelle Unterdrückung bestand neben dem absoluten Tabu von vorehelichen erotischen Erfahrungen auch darin, dass der bürgerlichen Ehefrau selbst innerhalb der Ehe eigenständiges sexuelles Verlangen und Begehren abgesprochen wurde. Der Ehemann sah in ihr vor allem die Mutter seiner Kinder – eine idealisierte, asexuelle „Heilige“, rein und keusch. Geschlechtsverkehr in der bürgerlichen Ehe diente also der Fortpflanzung und nicht dem beiderseitigen Vergnügen. Eine sinnenfreudige Geliebte suchte sich der bürgerliche Ehemann anderswo. Diese praktizierte Doppelmoral war üblich und der Ehebruch bei Männern gesellschaftlich akzeptiert. Eine ehebrechende Frau dagegen katapultierte sich umgehend ins moralische und gesellschaftliche Aus.[26] Die Tugendhaftigkeit und Keuschheit seiner Ehefrau waren für den Mann aus wenigstens zwei Gründen so wichtig: Zum einen wollte er sich wirklich sicher sein, dass er der Vater der ehelichen Kinder ist und zum anderen wäre eine Affäre der Ehefrau ein Skandal, weil das ja implizit bedeuten würde, dass es ihm an Manneskraft mangelt.

Das Dilemma der bürgerlichen Sexualmoral um die Jahrhundertwende bestand zu einem großen Teil darin, dass sehr streng zwischen „anständigen“ und „unanständigen“ Frauen unterschieden wurde. Die „anständigen“ Frauen, das waren die jungfräulichen Töchter aus gutem Hause. Sie wurden geheiratet und deren Bestimmung war es, eine gute Hausfrau und Mutter zu werden. Mit den „unanständigen“ Frauen – den Näherinnen, Stubenmädchen, Schauspielerinnen und Prostituierten... – verstrickte Mann sich in leidenschaftliche, sinnliche Liebesaffären. Als Ehefrauen kamen diese nicht in Frage. Mit diesen Frauen sollte und wollte der Mann sich auch nicht in der Öffentlichkeit sehen lassen. Denn abgesehen davon, dass unstandesgemäße Verbindungen von der Familie nicht akzeptiert wurden, war im Wien der Jahrhundertwende der Austausch von Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit verboten.

Man gab sich prüde und an sexuellen Dingen eher desinteressiert. Das Geschlechtliche war eine Sache, die nur innerhalb der Ehe stattfinden durfte und lediglich als ein zur Fortpflanzung und Familienerhaltung notwendiges Übel in Kauf genommen wurde. Doch jenseits dieser Vorstellungen spielte die „heimliche“ Sexualität immer eine immense Rolle, auch wenn diese fast ausschließlich Männern zugänglich war.[27]

Aufgrund dieses ausgeprägten Schubladendenkens – Frauen sind entweder „anständig“ oder „unanständig“, „Heilige“ oder „Huren“ – war es für den bürgerlichen Mann gar nicht vorstellbar, dass seine Ehefrau für ihn Geliebte und Lebenspartnerin in einer Person sein könnte. Er war sozusagen dazu „gezwungen“, sich auch nach der Eheschließung mit „unanständigen“ Frauen abzugeben, um seine sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen. Dieses „notwendige Übel“ konnte er seiner idealisierten Ehefrau schließlich nicht allzu oft zumuten. Der Gedanke, dass eine „anständige“ Frau eventuell auch sexuelle Bedürfnisse haben könnte und diese formuliert oder gar auslebt, war im zeitgenössischen moralischen Sinne unvorstellbar. Prüderie und eine ausgiebig praktizierte Doppelmoral existieren somit in der bürgerlichen Ehe um 1900 eng nebeneinander.

Unverkennbar hat der Diskurs über die weibliche Sexualität um 1900 eine eindeutige Richtung – deren generelle Tabuisierung. Entweder wird die weibliche Sexualität pathologisiert und als Laune einer Hysterischen, Nymphomanin oder Prostituierten deklariert oder eben – wie bei der „normalen“ Frau – gänzlich in Frage gestellt und nicht auf den Geschlechtsakt selbst, sondern nur auf dessen Zweck, nämlich die Fortpflanzung und damit die Erfüllung der Mutterrolle reduziert. Ein Werk, das erheblich zu der Fixierung dieser Normen beitrug, war Psychopathia Sexualis (1886), das sexualwissenschaftliche Standardlehrbuch der Jahrhundertwende. Darin beschreibt der Psychiater und Rechtsmediziner Richard von Krafft-Ebing abweichende Sexualitäten und festigt dadurch die Konstruktion des „Normalen“. Krafft-Ebing verkündet nicht nur das Nichtvorhandensein eines weiblichen Triebes, sondern erklärt diesen, falls er existieren sollte, zu einer pathologischen Erscheinung: „Jedenfalls sind der Mann, welcher das Weib flieht und das Weib welches dem Geschlechtsgenuss nachgeht, abnorme Erscheinungen.“[28] Auch die Untreue spielt in diesem wissenschaftlichen Diskurs eine wichtige Rolle, denn hier misst Krafft-Ebbing mit zweierlei Maß: „Unendlich schwerer fällt moralisch ins Gewicht und viel schwerer sollte gesetzlich wiegen der Ehebruch des Weibes gegenüber dem vom Manne begangen. Die Ehebrecherin entehrt nicht nur sich, sondern auch den Mann und die Familie […].“[29]

Sexualität ist also stets gesellschaftlichen Normen unterworfen. Diese Normen sind moralischer, medizinischer, ideologischer oder juristischer Natur und können sich im Laufe der Zeit verändern. Allerdings haben die kulturelle und soziale Prägung eines derart elementaren Bereichs des menschlichen Verhaltens und Fühlens und die große Bandbreite der den Normen der jeweiligen Gesellschaft widersprechenden und von ihr geächteten Sexualitäten einen großen Einfluss auf die Selbstdefinition eines Individuums. Denn diese gesellschaftlichen Regelwerke und Konzepte sind so stark, dass eine Selbstdefinition über sie nicht zu vermeiden ist und Normverletzungen bzw. soziale Regelbrüche für den Einzelnen meist mit starken inneren Konflikten verbunden sind.[30] Wenn man Geschlechterrollen demnach als die „Summe der von einem Individuum erwarteten Verhaltensweisen als Frau bzw. als Mann“ definiert und in ihnen ein überindividuelles, stabiles und damit auch vorhersagbares, geschlechtsspezifisches Verhaltensmuster sieht, liegt es auf der Hand, dass die starren und stereotypen Weiblichkeitsbilder der Zeit um 1900 von vielen Frauen als diskriminierend und einengend empfunden wurden. Ein „defizitäres Gegenbild“ zu der positiven männlichen Norm. Trotzdem haben sie diese Geschlechterrollen im Prozess ihrer Sozialisation erlernt und internalisiert – sie sind daher ein maßgeblicher Faktor ihrer Geschlechtsidentität und Persönlichkeitsstruktur.[31] Das bedeutet, dass Normverletzungen und soziale Regelbrüche wohl in den meisten Fällen mit einem starken inneren Konflikt einhergehen.

Die nachfolgende Analyse der ausgewählten Szenen des Reigens möchte nun einen genaueren Blick darauf werfen, wie das inszenierte Ehepaar den in der Zeit Arthur Schnitzlers gängigen männlichen und weiblichen Rollenmustern entspricht – und zwar sowohl in seiner Intimkommunikation mit dem Ehepartner selbst als auch in der entsprechenden Intimkommunikation mit dem jeweiligen „Seitensprung“. Bevor ich allerdings mit der weitestgehend textimmanenten Analyse beginne, möchte ich noch kurz auf typische männliche bzw. weibliche Rollenmuster in der Literatur der Jahrhundertwende eingehen.

2.3. Rollenmuster in der Literatur der Jahrhundertwende

Die Unterscheidung zwischen dem biologischen Geschlecht (sex) und dem sozial und kulturell konstruierten, gesellschaftlichen Identitätskonzept, das dem „Männlichen“ oder „Weiblichen“ zugeordnet wird (gender), wurde von Schnitzler und seinen Zeitgenossen in dieser Art und Weise nicht getroffen. In der Literatur aus dieser Zeit werden sex und gender als identisch wahrgenommen und bedingen sich gegenseitig.[32] Wie bereits in Kapitel 2.2 Das Eheleben um 1900 erläutert, gab es damals eine starke Dichotomisierung der Geschlechterkategorien „männlich“ und „weiblich“. Auch in der Literatur wurden Frauen und Männer oft in feste Typisierungen gepresst. Immer wieder auftauchende literarische Frauenfiguren waren die kindlich-unschuldige „Femme fragile“ und die sinnliche-todbringende „Femme fatale“. Es war unvorstellbar, dass eine Frau sinnlich sein konnte, ohne verdorben zu sein. Die Weiblichkeitsbilder der „Femme fragile“ und der „Femme fatale“ sind demnach eine Art literarisches Spiegelbild der bürgerlichen Vorstellungen von einer „anständigen“ und einer „unanständigen“ Frau. Im Sinne der dämonischen, unheilbringenden Verführerin und der idealisierten Geliebten entsprechen diese literarischen Frauenbilder der biblischen Eva-Madonna-Konstellation. Carola Hilmes kommt zu dem Schluss, dass die Überhöhung der Frauen diese überfordert und dadurch die Macht der Männer aufrechterhält:

Die Alternative von Femme fatale und Femme fragile läßt keine Möglichkeit, dem Teufelskreis der Macht zu entkommen. Diese falsche Alternative fesselt das Selbstverständnis von Frauen an die misogynen Voraussetzungen dieser Modelle, lässt sie unter dem männlichen Blick gleichsam zu Tode erstarren. Frauen müssen sich der Faszination durch und dem Abscheu vor den tradierten Bildern des Weiblichen stellen, um sie gelegentlich in ihrem eigenen Sinne umfälschen zu können.[33]

In ihrer Studie Das Fiktive Geschlecht. Weiblichkeit in anthropologischen Entwürfen und literarischen Texten zwischen 1885 und 1925 unterscheidet Stephanie Catani drei unterschiedliche Frauentypen in der Literatur der Jahrhundertwende: das „dämonische Weib“ zu dem die „Femme fatale“ und auch die „Dirne“ gehören. Dann die Lustgefühle und Schuldbewusstsein gleichzeitig auslösende „Kind-Frau“ – dazu gehören die „Femme fragile“ und das „süße Mädel“ und abschließend die „legitime“ Weiblichkeit in Form der „Ehefrau“ und der „Mutter“. Wobei die „Ehefrau“ und die „Mutter“ beide das Bild der „Heiligen“ bestimmen, welches der lasterhaften weiblichen Sexualität der „Dirne“ und der „Femme fatale“ mahnend entgegengehalten wird. Sexuelle Identität und sinnliche, libidinöse Sehnsüchte werden der Frau in ihrer Rolle als Ehefrau und Mutter abgesprochen. Ihre Daseinsberechtigung hat diese Frauenfigur nur an der Seite ihres Ehemannes, ohne den sie schließlich weder Ehefrau noch Mutter sein kann. Als Frauenfiguren, die nach zeitgenössischem Verständnis als dämonisches Weib wahrgenommen wurden, gelten Flauberts Madame Bovary (1856/57), Tolstois Anna Karenina (1875-77) und Fontanes Effi Briest (1895). All diese Werke thematisieren das Ausbrechen einer Frau aus der Institution Ehe, ihre Sehnsucht nach sexueller Erfüllung, ihre Untreue und alle drei Werke gipfeln in einer menschlichen Katastrophe und enden mit dem Tod der Protagonistin. Das „süße Mädel“, eine Frauenfigur, die oft in den Werken Schnitzlers auftaucht – manche sehen in Arthur Schnitzler gar den literarischen Vater dieser Frauenfigur – kann als eine zeitgenössische Wunschvorstellung des Mannes betrachtet werden. Denn dieser sucht bei dem „süßen Mädel“ eine erholsame Alternative zu der dominanten, Unheil bringenden „Femme fatale“ und zu der schwindsüchtigen, jede Lebensfreude und Erotik verneinenden „Femme fragile“. Das „süße Mädel“ ist ein fiktiver Stereotyp des Weiblichen und entspringt dem Wunschdenken des Mannes, oberflächliches, erotisches Vergnügen und moralische Unverbindlichkeit ohne Gewissensbisse miteinander verbinden zu können. Die Tabuisierung der weiblichen Sexualität in der literarischen Figur der „Femme fragile“ und auch deren meist zerbrechlich und kränklich anmutendes Erscheinungsbild ist laut Catani ein Verweis auf einen Lebensentwurf, der die dekadente Epoche entscheidend prägt: die Stilisierung von Krankheit und Tod. Denn eine asexuelle Frauenfigur impliziert auch Unfruchtbarkeit oder die Verweigerung der Mutterschaft, der Fortpflanzung und des Lebens schlechthin.

Bei den männlichen Rollenmustern in der Literatur um die Jahrhundertwende fällt vor allem auf, dass eine Pluralisierung von Männerbildern stattfindet. Hatte die Literatur der Gründerzeit hauptsächlich eine dominante Männlichkeit dargestellt, wird das Ideal der heroischen Männlichkeit nun zunehmend zu einem anachronistischen Konstrukt, das durch die gesellschaftliche und industrielle Modernisierung immer mehr in Frage gestellt wird. Männliche Stärken wie Körperkraft werden durch Maschinen ersetzt und die als männlich verstandenen Tugenden wie Ehre und Tapferkeit basieren auf einem vormodernen Gesellschaftsmodell.[34] Die am männlichen Körper in Erscheinung tretenden Krisenphänomene der Neurasthenie mit den Hauptsymptomen Ermüdung und Erschöpfung konterkarieren das männliche Idealbild psychischer und physischer Stärke. Nervosität und Nervenschwäche sind die Begleiter der modernen Definitionen von Männlichkeit. Die literarische „Nervenkunst“ und auch die Bewegung der Dekadenz sind Teil eines Diskurses, der sich mit der Auflösung des althergebrachten, heroischen Begriffs von Männlichkeit beschäftigt. Neue „Antitypen“ wie beispielsweise der Bohemien, der Dandy, der Intellektuelle, der erschöpfte Jüngling, der Homosexuelle oder der Neurastheniker betreten die literarische Bühne. Diese Männerbilder entsprechen nicht mehr den Vorstellungen des starken, erfolgreichen, öffentlichen Mannes als Spiegelbild einer patriarchalischen Gesellschaft. Walter Erhart stellt fest, dass es daher kein Zufall sein kann, dass parallel zu der Bedrohung der traditionellen männlichen Geschlechterkonstruktion in der Zeit um die Jahrhundertwende, die Differenz der Geschlechter noch stärker betont wird und man versucht diese epistemologisch und naturwissenschaftlich zu begründen und festzulegen.[35]

[...]


[1] Brief Arthur Schnitzlers an Adele Sandrock, 23. Januar 1894.

[2] Vgl. Konstanze Fliedl: Arthur Schnitzler. Stuttgart 2005, S. 7.

[3] Vgl. Jutta Ossinski: Einführung in die feministische Literaturwissenschaft. Berlin 1998, S. 127.

[4] Vgl. Karl-Heinz Hillmann: Wörterbuch der Soziologie. 5. Vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart 2007, S. 756.

[5] Vgl. hierzu: Sandy Feldbacher: Die gender-orientierte Erzähltextanalyse. In: Zwischen Inszenierung und Botschaft: Zur Literatur deutschsprachiger Autorinnen am Ende des 20. Jahrhunderts. Hrsg. von Ilse Nagelschmidt. Berlin 2006, S. 96f.

[6] Konstanze Fliedl: Arthur Schnitzler. Stuttgart 2005, S. 9.

[7] Jacque Le Rider: Modernity and Crises of Identity. Culture and Society in Fin-de-Siècle Vienna. Cambridge 1993, S. 23.

[8] Vgl. hierzu Carl E. Schorske: Wien. Geist und Gesellschaft im Fin de Siècle. Frankfurt a. M. 1982, S. 7- 9.

[9] Carl E. Schorske: Wien. Geist und Gesellschaft im Fin de Siècle. Frankfurt a. M. 1982, S. 9.

[10] Vgl. hierzu Jacques Le Rider: Modernity and Crises of Identity. Culture and Society in Fin-de-Siècle Vienna. Cambridge 1993, S. 30 -46.

[11] Ebd. S. 40.

[12] Carl E. Schorske: Wien. Geist und Gesellschaft im Fin de Siécle. Frankfurt a. M. 1982, S. 4.

[13] Vgl. hierzu Jacques Le Rider: Modernity and Crises of Identity. Culture and Society in Fin-de-Siècle Vienna. Cambridge 1993, S. 30-46.

[14] Vgl. hierzu auch die Ausführungen Sigmund Freuds in seinem Vortrag Die Dichter und das Phantasieren (1907) über die kreative Arbeit des Autors als eine Parallele zum Tagtraum und die Überwindung der abstoßenden Wirkung dieser zum Teil beschämenden Tagträume durch ästhetische Abänderung und Verhüllung.

[15] Karl Kraus: Die Fackel, Nr. 59. November 1900, S.28, zitiert nach http://corpus1.aac.ac.at/fackel/ Abrufdatum: 24. 08. 2012

[16] Vgl. hierzu John Bunzl, Bernd Marin: Antisemitismus in Österreich. Sozialhistorische und soziologische Studien. Innsbruck 1983, S. 24-28.

[17] Stefan Zweig: Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers. Düsseldorf u. a. 2002, S. 87.

[18] Vgl. Rolf Müller: Wandel der Rolle der Frau und Auflösung der Institution Ehe. Bremen 2002, S.48.

[19] Barbara Gutt: Emanzipation bei Arthur Schnitzler. Berlin 1978, S. 19.

[20] Vgl. ebd., S. 214.

[21] www.dhm.de/ausstellungen/lebensstationen/1900_7.htm Abrufdatum: 30.08.2012

[22] Zu den dichotomen Geschlechtscharakteren vgl. z.B. Otto Weininger. Geschlecht und Charakter. Eine prinzipielle Untersuchung. 19. unveränderte Auflage. Wien und Leipzig 1920.

[23] Hausen, Karin: Die Polarisierung der „Geschlechtscharaktere“ – Eine Spiegelung der Dissoziation von Erwerbs- und Familienleben. In: Wolfgang Conze (Hrsg.): Sozialgeschichte der Familie in der Neuzeit Europas. Stuttgart 1976, S. 363 – 393, hier S. 368.

[24] Inge Stephan, Christina von Braun: Einleitung. In: Genderstudien. Eine Einführung. Hrsg. von Christina von Braun und Inge Stephan. 2. aktualisierte Auflage. Stuttgart 2006, S. 3- 9, hier S. 5.

[25] Peter Gay: Das Zeitalter des Doktor Arthur Schnitzler. Innenansichten des 19. Jahrhunderts. Frankfurt a. M. 2012, S. 105.

[26] Vgl. Rania El Wardy: Liebe spielen – spielend lieben. Arthur Schnitzler und seine Verwandlung der Liebe zum Spiel. Marburg 2008. S. 17-19.

[27] André Schwarz: Lustvolles Verschweigen und Enthüllen. Marburg 2012. S. 19-20.

[28] Richard von Krafft-Ebing: Psychopathia Sexualis. 15. vermehrte Auflage. Stuttgart 1918, S. 15.

[29] Ebd., S. 13.

[30] Vgl. Heike Jensen: Sexualität. In: Gender@Wissen. Ein Handbuch der Gender-Theorien. Köln 2005. S. 100 – 116, hier S. 101 – 113..

[31] Vgl. Art. „Geschlechterrolle“. In: Metzler Lexikon. Gender Studies. Geschlechterforschung. Hrsg. von Renate Kroll. Stuttgart 2002. S. 158 – 159.

[32] Vgl. hierzu: Tilmann Köppe, Simone Winko: Neuere Literaturtheorien. Stuttgart 2008, S. 202 -205.

[33] Carola Hilmes: Sehnsucht nach Erlösung: Bilder des Weiblichen um 1900. In: Fuch, Gotthard; Koch, Manfred (Hrsg.): Ästhetische und religiöse Erfahrungen der Jahrhundertwenden, II: um 1900. Paderborn et al. 1998, S. 283-284.

[34] Vgl. hierzu: Urte Helduser: Geschlechterprogramme. Konzepte der literarischen Moderne um 1900. Köln et al. 2005, S. 81-90.

[35] Walter Erhart: Familienmänner. Über den literarischen Ursprung moderner Männlichkeit. München 2001, S.266.

Details

Seiten
68
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656836605
ISBN (Buch)
9783656836612
Dateigröße
623 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v283323
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,3
Schlagworte
umgang untreue geschlechterverhältnisse regelbrüche arthur schnitzlers reigen traumnovelle

Autor

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Titel: Der Umgang mit Untreue. Geschlechterverhältnisse und soziale Regelbrüche in Arthur Schnitzlers "Reigen" und in der "Traumnovelle"