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Minnesang. Das Frauenpreislied bei Heinrich von Morungen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 16 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Biographie Heinrich von Morungens

3. Die Theorie von der Hohen Minne

4. Der Frauenpreis in der Minnekanzone
4.1 Der Frauenpreis bei Heinrich von Morungen

5. Analyse der Lieder 122,1 und 140,32
5.1 Lied 122,1
5.2 Lied 140,32
5.3 Die Lieder 122,1 und 140,32 im Vergleich

6. Fazit

7. Bibliographie

1. Einleitung

Wer sich mit dem Minnesang des 12. Jahrhunderts und einem seiner Vertreter, Heinrich von Morungen, befasst, wird in der Forschungsliteratur immer wieder auf ein berühmtes Zitat aus einem seiner Liedern stoßen: „wan ich wart dur sî und durch anders niht geboren“ (MF 134,30)[1]. Oft wird dieses Zitat als eine Selbstaussage des Dichters gedeutet, und in der Tat weist das Zitat ein Charakteristikum seines Œuvres auf. [2] Das Zitat „Denn für sie allein wurde ich geboren“, das Helmut von Tervooren als „Kernsatz [Morungens] lyrischen Schaffen[s]“[3] bezeichnet, demonstriert das ausschließliche Thema seiner Lieder, nämlich die „fast monomanische Zentrierung des lyrischen Ichs auf die Minneherrin sowie seine als existenziell empfundene Abhängigkeit von ihr“.[4] Denn die Existenz des Sängers beruht nur darauf, die Auserwählte zu preisen und um sie zu werben, selbst wenn es keinerlei Hoffnung darauf gibt, dass diese ihn erhört. Hierbei nimmt die angebetete Dame eine besondere Stellung bei Heinrich von Morungen ein. Denn anders wie bei den vorherigen Dichtern, ist Morungen der erste Dichter des deutschen Minnesangs, der die weibliche Schönheit der Frau in ihren Einzelzügen beschreibt, und auf sie nicht nur durch Beiwörter und kurze Vergleiche in seinen Liedern hindeutet.[5] In der folgenden Arbeit soll nun diese Neuerung Morungens anhand einer Analyse zweier Lieder näher erläutert werden. Hierbei sollen vor allem die Lieder des sogenannten Frauenpreises untersucht werden, da hier der Sänger besonders ein Augenmerk auf die Schönheit der Herrin legt.

Zunächst wird jedoch ein kurzer Einblick in die wenig biographischen Informationen, die zu dem Dichter bekannt sind, erfolgen. Im zweiten Teil soll allgemein die Theorie der Minnelyrik erklärt werden. Im Anschluss daran soll auf ein spezifisches Thema der Minnelyrik eingegangen werden, nämlich den Frauenpreis, und inwieweit dabei Morungen eine Rolle spielt. Der letzte Teil der Arbeit wird sich schließlich ausschließlich der Analyse der Lieder 122,1 und 140,32 widmen.

2. Die Biographie Heinrich von Morungens

Heinrich von Morungen gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des klassischen Minnesangs. Die genauen Lebensdaten sind leider nicht bekannt, geht man jedoch davon aus, dass der Dichter Morungen mit jenem Henricus de Morungen identisch ist, der in zwei Urkunden vom Anfang des 13. Jahrhunderts erwähnt wird, ergeben sich zumindest einige wenige biographische Informationen. Demnach kam Morungen aus Thüringen und sein Name leitet sich von der Burg Morungen bei Sangerhausen ab. Auch seine Lieder enthalten sprachliche, formale und inhaltliche Merkmale zwischen dem Ende des 12. Jahrhunderts und dem Beginn des 13. Jahrhunderts.[6] Anders als die Werke des frühen Minnesangs, die noch völlig frei von romanischen Einflüssen sind, sind Morungens Lieder nicht mehr einstrophig und enthalten auch kaum Langzeilenstrophen. Vielmehr greift Morungen auf die Zweite Phase des Minnesangs zurück und entwickelt dessen Neuerungen virtuos weiter. So wird Morungen zum Repräsentanten der Dritten Phase des Minnesangs, in der „[j]eder der Dichter […] eine unverwechselbare ‚Individualität‘ [darstellt], bedingt v.a. durch eine jeweils einmalige überragende dichterische Potenz.“[7] Diese ganz individuelle dichterische Potenz äußert sich bei Morungen auf vielerlei Art und Weise, sei es seine Bildlichkeit der Sprache oder die Überhöhung der Dame, der Morungen eine besondere Bedeutung zuschreibt: „Die fast monomanische Zentrierung des lyrischen Ichs auf die Minneherrin sowie seine existenziell empfundene Abhängigkeit von ihr ist das ausschließliche Thema seiner Lieder.“[8]

3. Die Theorie von der Hohen Minne

Beim Minnesang handelt es sich um die älteste deutsche Liebeslyrik des 12. Und 13. Jahrhunderts. Die Wortbedeutung entspricht dem mittelhochdeutschen ‚minne‘ und bedeutet eigentlich ‚Liebe‘, doch hinter dem Begriff steckt eine viel komplexerer Inhalt. Zum einen meint der Begriff ‚minne‘ die „unbegründete schenkende, erbarmende, helfende Liebe […]“, zum anderen bedeutet der Begriff aber auch „die Brüderlichkeit, nämlich ‚Eintracht, Verbundenheit, gütliches Übereinkommen.“ Vor allem jedoch ist unter dem Begriff ‚minne‘ die verlangende, begehrende Liebe des Menschen zu Gott und die Liebe zwischen den Geschlechtern zu verstehen.[9]

Die Entwicklung bis hin zur höfischen Minne setzt dann erst mit dem Donauländischen Minnesang um 1160/1170 ein. Nach Vorbild der Troubadourlyrik in Frankreich entwickelt sich schließlich der Klassische Minnesang in den deutschen Fürstentümern, der seine Blütezeit zwischen 1190 und 1230 erlebte.[10]

Bei der hohen Minne handelt es sich um fiktionale Rollendichtung, welche das Verhältnis zwischen Herrin und Sänger als Thema hat. Die sehnsüchtige Liebe zur Frau, die stets reserviert und zurückhaltend gegenüber der Werbung des Sängers bleibt, findet keine Erfüllung[11] ; dennoch bleibt der Sänger der Dame treu ergeben, auch wenn die Dame unerreichbar ist. Diese Klage über die Unerreichbarkeit ist ein gängiges Motiv der Hohen Minne.

4. Der Frauenpreis in der Minnekanzone

Der Frauenpreis der Minnekanzone beruht vermutlich auf den Wurzeln der antiken hymnischen Rede „hymnos“, einem Lob- und Preisgesang der zu Ehren einzelner Götter ausgerichtet wurde. Diese Hymne wurde im Mittelalter von den Vaganten und den Trobadors auf die Liebeslyrik übertragen.

Laut GERT HÜBNER dient der Frauenpreis in der Minnekanzone dazu, die Qualitäten der Minnedame und der Frauen allgemein ins Hypertrophe zu steigern, denn erst dadurch wird sie für den Liebenden unerreichbar.[12] GERT HÜBNER nennt in seinem Aufsatz auch verschiedene Kriterien, die erfüllt werden müssen, damit ein Lied überhaupt als Frauenpreis bezeichnet werden kann. So darf die laudative Rede nicht nur Elemente des Lobes im Lied aufweisen, die möglicherweise sogar in einer Klage eingebettet sind, sondern der Frauenpreis muss ein eigenständiges Element in der Kanzone sein und im Idealfall eine ganze Textpassage dominieren. Zudem darf das Lied nicht danach verlangen die Damen oder die Frauen zu preisen. Auch soll nicht darüber reflektiert werden, unter welchen Bedingungen und zu welchen Zwecken der Frauenpreis vollzogen wird. sind, Als weiteres Kriterium führt GERT HÜBNER auf, dass es sich um keinen Frauenpreis handelt, wenn eine Liedpassage, die die Frauenpreistopik benutzt, dazu dient, die Qualitäten der Dame oder der Frau zu problematisieren.[13]

4.1 Der Frauenpreis bei Heinrich von Morungen

Bei der Analyse der Lieder von Heinrich von Morungen fällt auf, dass viele Lieder genau solche Strophen des Frauenpreises enthalten, und all seine typischen Bilder und Vergleiche häufig diesem Lobpreis der Dame dienen. Dabei gelingt es Morungen seine Bilder so in Szene zu setzen, dass die Schönheit der Dame bis auf das Höchste hinaus gepriesen wird, indem er diese in Einzelzügen beschreibt. Zudem begegnet man dem Frauenpreis bei Morungen viel öfter als bei allen anderen Dichtern des frühen und des klassischen Minnesangs. Der Frauenpreis wird bei Morungen zu einem obligatorischen Element, der nicht nur in Einzelstücken über das Lied verteilt vorkommt, sondern wirklich einen gesamten Strophenteil oder eine Strophe füllt. Im Folgenden sollen nun zwei typische Frauenpreis- Lieder Morungens näher analysiert werden.

[...]


[1] Alle Zitate aus Morungens Lieder stammen aus folgender Ausgabe: Heinrich von Morungen. Lieder. Mittelhochdeutsch und Neuhochdeutsch. 3. Aufl. Stuttgart 2003. In der gesamten Arbeit werden die Zitate unter dem Kürzel MF und der Versangabe im Fließtext versehen.

[2] Vgl. Tervooren, Helmut: Heinrich von Morungen. In: Ruh, Kurt, Gundolf Keil [u.a.] (Hg.): Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. Bd. 3. 2. Aufl. Berlin [u.a.] 1981, S. 810.

[3] Ebd., S. 811.

[4] Ebd.

[5] Ebd.

[6] Vgl. Tervooren, Helmut. Heinrich von Morungen, S. 804- 805.

[7] Die Übersicht über die Entwicklung des Minnesangs basiert auf: Schweikle, Günther: Minnesang. 2. Aufl., Stuttgart 1995, S. 84-88.

[8] Tervooren, Helmut. Heinrich von Morungen, S. 811.

[9] Weddige, Hilkert: Einführung in die germanistische Mediävistik. 3. Aufl., München 1997, S. 246.

[10] Vgl. Wilpert, Gero von: Sachwörterbuch der Literatur. 8. verbesserte und erweiterte Aufl., Stuttgart 2001, S. 522-523.

[11] Eine Ausnahme stellt hierbei das Tagelied dar

[12] Hübner, Gert: Frauenpreis. Studien zur Funktion der laudativen Rede in der mittelhochdeutschen Minnekanzone. 1.Bd. Baden-Baden 1996, S. 17.

[13] Vgl. Hübner, Gert: Frauenpreis, S. 35-36.

Details

Seiten
16
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656832775
ISBN (Buch)
9783656832782
Dateigröße
393 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v283565
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen – Deutsches Seminar
Note
1.5
Schlagworte
Minnesang Frauenpreislied Heinrich von Morungen
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Titel: Minnesang. Das Frauenpreislied bei Heinrich von Morungen