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Qualitative und quantitative Forschungsmethoden im Vergleich

Hausarbeit 2014 11 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Historischer Rückblick

2 Merkmale qualitativer und quantitativer Forschung
2.1 Quantitative Forschung
2.2 Qualitative Forschung
2.3 Gegenüberstellung qualitativer und quantitativer Methoden

3 Qualitative und quantitative Methoden - Gegensatz oder Ergänzung?

4 Literaturverzeichnis

1 Historischer Rückblick

Um die Trennung von qualitativer und quantitativer Forschung zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf den Entstehungsprozess der empirischen Pädagogikforschung. Bildung und Erziehung als eine Wissenschaft zu betrachten, in der Philosophie und Pädagogik ineinandergreifen, hat ihren Ursprung in dem Jahrhundert der Pädagogik[1]. Der geisteswissenschaftliche Gedanke der Pädagogik war dann bis in den zweiten Weltkrieg hinein vorherrschend.

Es bestand eine klare Trennung von Geistes- und Naturwissenschaft. Für Wilhelm Dilthey[2] stand die Naturwissenschaft, als nicht interpretativ sondern allgemeingültige Gesetze suchend, die durch Messungen belegt werden können, auf der einen Seite. Die Geisteswissenschaft dagegen wollte historische Gegenstände verstehen. Sie betrachtete sie im komplexen Zusammenhang und versuchte den historischen Wandel zu verstehen.

Doch diese Methodentrennung von verstehender, interpretativer Geisteswissenschaft und der erklärenden, nach allgemeingültigen Gesetzen suchenden Naturwissenschaft wurde mit der „realistischen Wende“ hinterfragt, da man davon ausging, dass die Geistes- doch von der Naturwissenschaft lernen könne. Heinrich Roth, als Vertreter der „realistischen Wende“ (1960er Jahren) (vgl. Oelkers, 2012, S. 7), wollte für die Geisteswissenschaft nicht mehr nur hermeneutisches Interpretieren klassischer Texte sondern fragte, wie die Wirklichkeit aussieht. Wie kann man geisteswissenschaftliche Realität empirisch so abbilden, dass ein kontrollierter, belegbarer, wissenschaftlicher Zugang entsteht? Geisteswissenschaft sollte nicht mehr nur spekulativ sein sondern Wirklichkeit nachvollziehbar darstellen. Damit war der Grundstein für qualitatives Forschen gelegt.

Ausgehend vom Messen und Erstellen allgemeingültiger Regeln einerseits und dem hermeneutischem Interpretieren andererseits haben sich zwei unterschiedliche Methoden entwickelt: die qualitative und die quantitative empirische Forschung.

2 Merkmale qualitativer und quantitativer Forschung

2.1 Quantitative Forschung

Die quantitative Forschung geht von theoretischen Konzepten und hypothetischen Annahmen aus und sucht empirisch nach dem Zusammenhang zwischen Ursache (z. B. einer bestimmten Lehrmethode) und Wirkung (z. B. einem bestimmten Lernverhalten) (vgl. Dörpinghaus, Poentisch, amp; Lother, 2006, S. 129). Mit standardisierten Methoden wird eine möglichst große Personenanzahl befragt, die Antworten aus vorgegebenen Möglichkeiten auswählen (vgl. Nadja Kutscher, 2004; vgl. Schaffer, 2009, S. 59).

Die forschungsleitenden Hypothesen werden in Meßvorgänge übersetzt, d. h. operational definiert, wobei die Gegebenheiten der pädagogischen Lebenswelt symbolisch zahlenmäßig repräsentiert werden (vgl. Krüger, Heinz H., 1994, S. 226). Mithilfe beschreibender Statistik werden die Daten ausgewertet und die erhaltene Informationen dann verdichtet, um so allgemeingültige Aussagen über große Gruppen von Menschen oder Situationen zu erhalten (vgl. Dörpinghaus, Poentisch, amp; Lother, 2006, S. 129). Eine Standardisierung, die im Vorfeld Kategorien konzeptuiert hat, soll Zuverlässigkeit und Intersubjektivität garantieren (vgl. Dörpinghaus, Poentisch, amp; Lother, 2006, S. 130).

2.2 Qualitative Forschung

Die qualitative Forschung arbeitet mit nicht-standardisierten Methoden (z.B. offene Fragestellungen). Dörpinghaus et.al nennen drei Kennzeichen: Es soll mit Methoden gearbeitet werden, die der Komplexität und Differenziertheit der Wirklichkeit gerecht werden. Die subjektive Bedeutung des Gegenstandes für den Betroffenen wird erfragt und als drittes nennen sie Reflexivität des Forschenden, da seine Subjektivität nicht ausgeschlossen werden kann (vgl. Dörpinghaus, Poentisch, amp; Lother, 2006, S. 132).

Heinz Krüger gibt an, dass qualitative Forschung von einem Verständnis ausgeht, das die soziale Welt als eine durch interaktives Handeln konstituierte Welt begreift (vgl. Krüger, Heinz H., 1994, S. 204). Daher verwundert es nicht, dass qualitative Verfahren in der Sozialen Arbeit in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen haben (Schaffer, 2009, S. 60). So gibt es im gesamten Bereich der Sozialwissenschaften kaum ein Feld, in dem nicht auch qualititativ geforscht wird (vgl. Keddi amp; Stich, 2008, S. 1).

2.3 Gegenüberstellung qualitativer und quantitativer Methoden

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Gegenüberstellung qualitativer und quantitativer Methoden; eigene Darstellung

3 Qualitative und quantitative Methoden - Gegensatz oder Ergänzung?

Mit der „realistischen Wende“ und dem Entstehen der beiden Forschungsrichtungen entstand die Frage, ob objektive Wissenschaft Raum für Spekulationen haben darf (Methodenstreit) (vgl. Schaffer, 2009, S. 59). Ein Aspekt war, ob die Wertfreiheit der Forschung durch qualitative Studien erhalten bleibt oder ob Forschung an sich nie wertfrei sein kann, da Erkenntnis immer auch mit Interesse verbunden ist (Habermas) (vgl. König, 1972, S. 225f). Wurden beide Methoden zuerst als Gegensätze behandelt, hat man inzwischen erkannt, dass sie sich ergänzen können. Ein Methodenmix ist daher keine Seltenheit (vgl. Keddi amp; Stich, 2008, S. 4; vgl. Witt, 2001, Abs. 4 und 5). Qualitative Daten können z.B. nachträglich quantifiziert werden; sie können vorformulierten Kategorien zugeordnet werden und zudem können im Rahmen einer Fragestellung beide Methoden angewandt werden (Triangulation) (vgl. Witt, 2001, Abs. 4 und 5). Die Qualitative Inhaltsanalyse z.B. beschreibt größere Mengen von Texten klassifikatorisch (vgl. Keddi amp; Stich, 2008, S. 2).

[...]


[1] Erster Lehrstuhl für Pädagogik an der Universität Halle (Ernst Trapp 1779) (vgl. Jost, o.A.)

[2] Wilhelm Dilthey (1833 – 1911), ein bedeutender geisteswissenschaftlicher Pädagoge und Philosoph wollte entgegen dem vorherrschenden Naturalismus Regeln des menschlichen Geisteslebens erkunden. Er hinterfragte daher den Unterschied zwischen Natur- und Geisteswissenschaft, zwischen Erklären und Verstehen. (Vgl. Oelkers, 2012, S. 2f)

Details

Seiten
11
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656832904
ISBN (Buch)
9783656832911
Dateigröße
383 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v283585
Institution / Hochschule
Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin
Note
1,0
Schlagworte
Qualitative Forschung Quantitative Forschung

Autor

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Titel: Qualitative und quantitative Forschungsmethoden im Vergleich