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Streaming aus technologischer und rechtlicher Sicht

Hausarbeit 2014 14 Seiten

Jura - Medienrecht, Multimediarecht, Urheberrecht

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2.Technisches Verfahren
2.1 Arten von Streaming
2.1.1 Live Streaming
2.1.2 On Demand Streaming
2.2 Technischer Vorgang

3. Urheberrechtliche Einordnung
3.1 Unerlaubte Vervielfältigung urheberrechtlich geschützter Werke
3.2 Das Vervielfältigungsrecht gem. §16 UrhG
3.3 Rechtfertigung nach § 53 UrhG
3.4 Rechtfertigung nach §44a UrhG

Literatur

1. Einleitung

"Dass man sich damit keine Freunde macht, war uns klar"1.

Auf der Internet Plattform Redtube.com können Nutzer kostenlos oder entgeltpflichtig Videos und Bilder abrufen, welche pornografischen Content beinhalten. Die Übertragung von Videos, Bildern sowie Musik zur direkten visuellen und auditiven Wahrnehmung über das Internet nennt man Streaming.

Im Jahre 2013 ereignete sich in Deutschland bezüglich Redtube.com eine umfängliche Abmahnwelle.2 Zahlreiche Nutzer der Internet Plattform wurden im Auftrag von „The Archive AG“, einem Schweizer Unternehmen, welches zu diesem Zeitpunkt Rechteinhaber diverser Filmmaterialien auf Redtube.com war, durch die Kanzlei Urmann & Collegen aus Regensburg abgemahnt unter der These, die Nutzer haben durch den Genuss von Filmmaterial ohne rechtliche Erlaubnis oder Genehmigung, die geschützten Werke heruntergeladen und somit eine Urheberrechtsverletzung begangen.

Die angeschriebenen Nutzer wurden durch die Kanzlei zu einer Unterlassungserklärung bezüglich künftigen Herunterladens derartiger Videos ohne Erlaubnis und zur Zahlung von Schadensersatz durch die vermeintliche Urheberrechtsverletzung aufgefordert.

Nach §§15 ff. UrhG obliegt dem Urheber das ausschließliche Recht der körperlichen Verwertung von urheberrechtlich geschützten Werken. Diverse Einschränkungen des ausschließlichen Rechtes können sich beispielsweise unter anderem aus eingeräumten Nutzungsrechten oder anderen Schrankenbestimmungen des Urheberrechtes ergeben.

Im Falle der rechtswidrigen Vervielfältigung eines urheberrechtlich geschützten Werkes mit dauerhafter Speicherung, wie es beim Download der Fall ist, ist unstrittig, dass eine Verletzung der ausschließlichen Rechte des Urhebers gem. §15 UrhG vorliegt.3 Bei der rechtlichen Einordnung des Streamings ist sich die aktuelle Rechtsprechung noch uneinig. Das Streamen von Medien beschreibt die gleichzeitige Übertragung und Wiedergabe von Daten über ein Netzwerk.

Im Unterschied zum Download entsteht beim Streamen jedoch grundsätzlich keine langfristig gespeicherte Kopie im Besitz des Betrachters.

Einige Rechtswissenschaftler sehen jedoch auch im Streamen eine Vervielfältigung von urheberrechtlich geschützten Material, welche zustimmungsbedürftig ist und daher bei rechtswidriger Handhabe geahndet werden muss.4

Folgend widmen wir uns der Frage, inwiefern und ob das Streamen von urheberrechtlich geschützten Material ohne Genehmigung rechtswidrig ist. Zunächst gehen wir näher auf den Begriff des Streamens und dem damit verbundenen technischen Verfahren ein. Daraufhin werden wir Streaming urheberrechtlich einordnen und dabei Schranken und Rechte ausarbeiten. Im Anschluss soll die Problematik des Streaming anhand aktueller Beispiele, unter anderem dem Redtube.com Abmahnskandal, näher erläutert werden. Abschließend werden wir die Haftungsfragen näher ausarbeiten und in einem Fazit mögliche Auswirkungen auflisten.

2.Technisches Verfahren

Es ist unbestritten, dass sich das Internet in einem rapiden immerwährenden Vorgang verändert und entwickelt.5 Der Paradigmenwechsel von körperlichen zu unkörperlichen Rechtsobjekten beruht auf der wachsenden Resonanz von Social Media und dem damit verbundenen Zugriff auf Datenbanken. Digitale Technologien, worunter natürlich auch das Streaming fällt, vereinfachen die Vervielfältigung geschützter Werke stark wobei die Kosten der Vervielfältigung nahe Null sind. Die unweigerliche Entstehung neuer Rechtsfragen bezüglich des elektronischen Rechtsverkehrs ist daher unausweichlich. Juristen stellt sich demnach die Herausforderung, ein Verständnis für die zugrundeliegenden Sachverhalte zu entwickeln, weshalb wir auch folgend den technischen Vorgang des Streaming in seinen Grundzügen näher erläutern.

Das Streaming als solches beschreibt ein ressourcenschonendes Verfahren um multimediale Objekte, welche grundsätzlich Ton- und Videosequenzen umfassen, zu präsentieren und dabei den Betrachter die Möglichkeit zu geben, beispielsweise durch Vor- oder Zurückspulen, je nach Art des Streams, in den Abspielvorgang einzugreifen.6

Voraussetzung dieses Verfahrens ist das Bestehen eines Netzwerks, welches die Übertragung von Datenströmen überhaupt ermöglicht.7 Ursprung hierfür ist das in den 90er Jahren entwickelte Hypertext Transfer Protocol „HTTP". Das HTTP stellt einen Internet-Dienst dar, welcher mittels sogenannter Hyperlinks, Texte und andere multimediale Elemente miteinander verknüpft und diese visuell darstellt.8 Die Nutzung eines Internet – Browsers kombiniert final Texte und Grafiken und vereinfacht somit das Verfahren der visuellen Darstellung.

Mittels gegenwärtiger Netzwerke sind weltweit fast 1 Milliarde Nutzer miteinander verknüpft, welche durch Glasfasernetze, Datenaustausche von mehreren Terabit pro Sekunde unternehmen können. Beim Streaming werden wie oben beschrieben multimediale Objekte ressourcenschonend dargestellt.9 Die Schonung der Ressourcen beim Streaming besteht darin, dass deutlich weniger Speicherkapazität der Festplatte in Anspruch genommen wird. Datenströme werden überwiegend in einem Puffer über dem Random Access Memory „RAM“, z.dt. Arbeitsspeicher zwischengespeichert. Dies sichert einen kontinuierlichen Abspielvorgang des multimedialen Objektes.

Während der Übertragung finden weitere Datenflüsse statt, sodass die gestreamte Datei in Fragmenten in dem Puffer „RAM“ geladen wird. Das bedeutet, dass die gewünschte Datei vorab nicht vollständig, sondern nachrangig durch Pakete im Puffer geladen wird.

Ist die geladene Datenmenge geringer, als die zum Abspielvorgang benötigte Menge, stockt das Bild bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Datenübertragung wieder synchron verläuft. Die hohen Datenübertragungskapazitäten gewährleisten die Möglichkeit, dass Nutzer weltweit problemlos Daten untereinander austauschen können ohne nennenswerte Qualitätsverluste und Vervielfältigungskosten.10

2.1 Arten von Streaming

Grundsätzlich unterscheidet man zwei verschiedene Arten des Streaming welche das sogenannte „Live Streamings“ und „On – Demand Streaming“ umfassen.11 Typische Plattformen sind unter anderem „Youtube.com“, „Kinox.to“, „Myviedo.de“, „Spotify.com“, sowie die Mediatheken diverser TV–Sender.

2.1.1 Live Streaming

Mit dem „Live Streaming“ wird ein Media Angebot bezeichnet, bei dem Daten in Echtzeit (engl. live) bereitgestellt werden.12 So war es beispielsweise bei der Fußballweltmeisterschaft 2014 möglich in Echtzeit jedes Fußballspiel über ARD Live mittels des Computers zu verfolgen. Hierbei ist anzumerken, dass die ARD nicht der einzige Sender ist, der Live Streams anbietet.

Grundsätzlich stellt jede Art der linearen Übertragung von Daten einen „Live – Stream“ dar. Die Rechtsgrundlage hierfür bildet §2 I s1, 2 RStV. Demzufolge bestimmt ein Anbieter (engl. Host) den Zeitpunkt an dem die Übertragung startet und auch endet.

Eine weitere Charakteristik des Live Streams ist der sogenannte Multicast, was konkret bedeutet, dass eine unbestimmte Menge an Nutzern Zugriff auf das Werk hat, während der Übertragung.

Sogenannte Simulcasts bilden eine weitere Diversifikation des Live Streams, da hier die Dateien parallel auf mehreren Quellen zur Verfügung stehen, beispielsweise eine simultane Übertragung via TV, Radio und Internet eines bestimmten Werkes. Die erneute Wiedergabe, wie auch das Vor- und/ oder Zurückspulen eines derartigen Streams ist grundsätzlich nicht möglich.

Das Senderecht von Live Streaming Übertragungen ergibt sich aus §20 UrhG. Demzufolge umfasst das Senderecht, das Recht ein Werk öffentlich via Funk, Ton- und Fernsehfunk, Kabelfunk, Satellitenfunk oder ähnlichen zugänglich zu machen.

2.1.2 On Demand Streaming

Beim „On – Demand Streaming“ werden Daten (Filme, Musik oder ähnliches) die auf einem Server gespeichert sind bei Abruf durch einen Nutzer (engl. Client) weitergegeben.13 Dieser Vorgang beschreibt den am häufigsten angewandten Weg der Video Übertragung durch das Internet. Möglich ist dies über Plattformen wie „Youtube.com“, „Spotify.com“, „Redtube.com“, „Kinox.to“ und vielen weiteren.

Tendenziell kann jedermann sein privates Video aufnehmen und dieses anschließend der Öffentlichkeit über Youtube.com zugänglich machen.

Der große Unterschied zum Live Streaming ist, dass es sich beim On – Demand Streaming um eine Unicast Verbindung handelt. Dies beschreibt eine Punkt zu Punkt Verbindung zwischen dem Anbieter (Host) des Videos und einem bestimmten Nutzer (Client). Der Nutzer wählt hier den Zeitpunkt des Zugriffs auf ein Werk und hat somit die Funktion eines Indikators. Weitere Charakteristika beim On Demand Streaming ist, dass der Nutzer die Wiedergabe pausieren sowie Vor- und/ oder Zurückspulen kann. Der Nutzer bestimmt Inhalt und Zeitpunkt der Wiedergabe individuell.

Die Rechtsgrundlage bildet hierfür daher §1s.1 TMG, da hier grundsätzlich keine generelle Übertragung von Signalen vorliegt. Das Recht der öffentlichen Zugänglichmachung derartiger Streams ergibt sich aus §19a UrhG. Weiterhin lässt sich das On – Demand Streaming ist das „True On – Demand Streaming“ und den „Progressiven Download“ unterscheiden. Beim Progressiven Download erfolgt eine dauerhafte Speicherung auf der Festplatte wohingegen beim True On – Demand Streaming lediglich Zwischenspeicherungen der Datei auf dem Arbeitsspeicher vorgenommen werden.

[...]


1 Reichert, http://www.zeit.de/digital/internet/2014-02/redtube-porno-interview-ralf-reichert

2 Voltz, http://www.focus.de/digital/experten/voltz/abmahnskandal-redtube-internetnutzer-rechtefreie-schweinerei-kann-ich-die-porno-abmahnung-einfach-ignorieren-1_id_3495206.html; die folgenden 2 Sätze beziehen sich diese Quelle

3 Reichert, a.a.O

4 ebd.

5 Holznagel et. al, Handbuch Multimedia Recht., Rn. 6 – 9, die folgenden 4 Sätze beziehen sich auf diese Quelle

6 Barz et. al; Streaming Media im Internet, s.5;

7 Holznagel a.a.O, Rn. 1-5

8 ebd., Rn.3 – 4, die folgenden 3 Sätze beziehen sich auf diese Quelle

9 Barz a.a.O., s.5, die folgenden 6 Sätze beziehen sich auf diese Quelle

10 Holznagel, a.a.O., Rn. 6 – 9

11 Galetzka, Streaming – Aktuelle Entwicklung in Recht und Praxis Redtube, Kinox.to & Co, Abschnitt II bezieht sich auf diese Quelle

12 ebd., Abschnitt II.1 bezieht sich auf diese Quelle

13 ebd., Abschnitt II.2 bezieht sich auf diese Quelle

Details

Seiten
14
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656833918
ISBN (Buch)
9783656833925
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v283706
Institution / Hochschule
Universität Kassel – Wirtschaftsrecht
Note
2.3
Schlagworte
streaming sicht

Autor

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Titel: Streaming aus technologischer und rechtlicher Sicht