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Hugo von Hofmannsthal 'Die Beiden'. Analyse und Interpretation

von Eliane Rittlicher (Autor)

Ausarbeitung 2014 19 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Kurze Biographie des Dichters Hugo von Hofmannsthal

3. Die Beiden

4. Analyse: Die Beiden von Hugo von Hofmannsthal
4.1 Analyse der Form des Gedichtes
4.2 Inhaltliche Analyse des Gedichtes

Literaturverzeichnis
Primärliteratur:
Sekundärliteratur:

1. Einführung

Die vorliegende Ausarbeitung behandelt das vermutlich im Sommer 1895 entstandene Gedicht Die Beiden von Hugo von Hofmannsthal. Hofmannsthal datierte dieses Gedicht in seinem Brief an den Vater vom 29. September 1904 mit 1896, wobei er sich wahrscheinlich am Erstdruck orientierte. Es wurde zum ersten Mal am 25. Dezember 1896 in der Wiener Allgemeinen Zeitung veröffentlicht.[1]

Einer kurzen Biographie des Dichters, für die das Literatur Lexikon - Autoren und Werke deutscher Sprache[2] und die Neue Deutsche Biographie[3] als Grundlage dienten, schließt sich eine Fassung des Gedichtes Die Beiden an. In einer anderen Fassung liegt das Gedicht in einer leicht veränderten Rechtschreibung[4] oder gegliedert in vier statt in drei Strophen[5] vor.

In der metrischen Analyse des Gedichtes soll zunächst der Frage nach der Gattungszugehörigkeit von Die Beiden nachgegangen werden. Im Anschluss daran sollen der Versfuß, das Reimschema, sowie Besonderheiten in der Wortwahl und im Aufbau des Gedichtes geklärt werden.

Bei der inhaltlichen Analyse von Die Beiden findet besonders die Interpretation von Wilhelm Schneider[6] Beachtung. Außerdem werden die Interpretationen von Dirk Schindelbeck und Martina Lauster mit einbezogen.[7]

2. Kurze Biographie des Dichters Hugo von Hofmannsthal

Hugo von Hofmannsthal[8] wurde am 1.2. 1874 in Wien als einziges Kind einer begüterten Familie geboren. Er wuchs in Wien auf. Sein Vater, ein Jurist und Direktor der Wiener Central-Bodenkreditanstalt, entstammte einer seit Jahrzehnten in Wien ansässigen Fabrikantenfamilie. Die Mutter war die Tochter eines Richters.

Bereits als Schüler des Akademischen Gymnasiums veröffentlichte Hofmannsthal unter dem Pseudonym Loris die Sonette Frage und Was ist die Welt? in einem Wiener Unterhaltungsblatt. Er studierte 1892 – 1894 an der Wiener Universität Jura bis zum ersten Staatsexamen. Bis 1895 leistete Hofmannsthal ein Freiwilligenjahr beim Dragonerregiment in Brünn und Göding ab und studierte dann bis 1899 Romanistik.

Mit seinem Werk Gestern erregte Hofmannsthal 1891 zum ersten Mal die allgemeine Aufmerksamkeit und Bewunderung. In den folgenden Jahren schrieb der Dichter die Werke, die seinen frühen Ruhm begründeten: die Gedichte Vorfrühling (1892), Ballade des äußeren Lebens (1895), Manche freilich... (1896), Lebenslied (1896), Der Jüngling und die Spinne (1897) und die lyrischen Dramen Der Tod des Tizian (1897), Der Tor und der Tod (1893), Die Hochzeit der Sobeide (1897), Der weiße Fächer (1897) und Der Kaiser und die Hexe (1897). Diese Gedichte erschienen in verschiedenen Zeitschriften und wurden meist erst Jahre später in Gedichtbänden veröffentlicht. Viele von ihnen erschienen in Stefan Georges Blättern für die Kunst. Mit George arbeitete Hofmannsthal seit 1891 zusammen, bis es 1906 zum endgültigen Bruch kam. Diese von Spannungen nie ganz freie Zusammenarbeit hat Hofmannsthal stark beeinflusst.

1896 und 1898 nahm Hofmannsthal an Waffenübungen in Ostgalizien teil, was sich auf seine Auffassung von Leben und Dichtung auswirkte. 1898 wurde Hofmannsthal in Wien zum Dr. phil. promoviert; den Plan zu habilitieren, gab er auf. Mit dem Verzicht auf die Habilitation fiel die Entscheidung gegen einen so genannten bürgerlichen Beruf und für den Beruf des Dichters. 1901 heiratete Hugo von Hofmannsthal die Bankierstocher Gertrud Schlesinger und zog in ein barockes Haus in Rodaun bei Wien, in dem er bis zu seinem Tod als freier Schriftsteller lebte.

Neben Lyrik und lyrischer Dramatik entstanden bis zur Jahrhundertwende zahlreiche Erzählungen und ein ausgedehntes kritisches, feuilletonistisches und essayistisches Oeuvre. Diese Arbeiten lassen eine ausführliche Aneignung kultureller Überlieferung erkennen. Auch seine rezeptive Aneignung von Techniken, Inhalten und Elementen sprachlicher Tradition von Lenz, Heine, Nietzsche, Ibsen, Bourget, Bahr u.a. wird in seinem Frühwerk deutlich.

Die 90er Jahre werden als lyrisches Jahrzehnt Hofmannsthals charakterisiert. Dennoch ging die Tendenz seines Dichtens aufs Theater. Ein großer Wunsch ging für ihn in Erfüllung, als 1898 in Berlin zum ersten Mal ein Stück von ihm, Frau im Fenster, aufgeführt wurde. Während seiner Arbeit für die Bühne und seiner publizistischen Tätigkeit intensivierten sich seine Beziehungen zu Max Reinhardt und Richard Strauss, wodurch Hofmannsthal zahlreiche Pläne verwirklichen konnte. Unter anderem bearbeitete Hofmannsthal die Griechendramen Ödipus und die Sphinx, König Ödipus und Elektra. Neben seinen Trauerspielen Der Turm und Das Leben ein Traum erhalten auch Hofmannsthals Werke Der Rosenkavalier, Ariadne auf Naxos, Jedermann, Die Frau ohne Schatten, Der Schwierige und Arabella seinen Namen in dem Bewusstsein eines breiten Publikums.

Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde Hofmannsthal vom Kriegsministerium mit kulturpolitischen Aufgaben im Kriegsfürsorgeamt betraut. Aus dieser Tätigkeit erwuchsen editorische und publizistische Projekte. Hofmannsthal engagierte sich von nun an sehr in der Politik, wovon zahlreiche Aufsätze und Essays zeugen.

Nach dem Zusammenbruch der Habsburger Monarchie, der Hofmannsthal zutiefst erschütterte, wandte er sich nun Europa zu, was zum Beispiel aus dem 1917 in Bern gehaltenen Vortrag Die Idee Europa hervorgeht. Auch bei diesen Bestrebungen konnte sich Hofmannsthal auf die Hilfe seiner Freunde stützen. So war er zum Beispiel seit 1901 mit dem sehr für ihn engagierten Rudolf Borchardt befreundet, der ihn nach dem Krieg auch bei seinem Unternehmen der Bremer Presse unterstützte, mit dem Hofmannsthal der gespaltenen Nation einen geistigen Raum durch die einigende Kraft der Sprache zu erhalten hoffte. In dem Verlag der Bremer Presse sind seine Neuen Deutschen Beiträge, sein Deutsches Lesebuch, seine Sammlungen Deutscher Epigramme, Der Turm u.a. erschienen.

Am 15. 7. 1929 starb Hugo von Hofmannsthal auf dem Weg zum Begräbnis seines älteren Sohnes Franz, der sich zwei Tage zuvor das Leben genommen hatte, an einem tödlichen Schlaganfall.

3. Die Beiden

Sie trug den Becher in der Hand

- Ihr Kinn und Mund glich seinem Rand -,

So leicht und sicher war ihr Gang,

Kein Tropfen aus dem Becher sprang.

So leicht und fest war seine Hand:

Er ritt auf einem jungen Pferde,

Und mit nachlässiger Gebärde

Erzwang er, daß es zitternd stand.

Jedoch, wenn er aus ihrer Hand

den leichten Becher nehmen sollte,

So war es beiden allzu schwer:

Denn beide bebten sie so sehr,

Daß keine Hand die andre fand

Und dunkler Wein am Boden rollte.[9]

[...]


[1] Vgl. Hugo von Hofmannsthal: Sämtliche Werke: kritische Ausgabe. Hg. v. Rufolf Hirsch, Clemens Köttelwesch, Heinz Rölleke, Ernst Zinn. Sämtliche Werke I, Gedichte 1. Hg. v. Eugene Weber. Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag, 1984. (Im Folgenden zitiert als „Sämtliche Werke: kritische Ausgabe“ mit Angabe der Seitenzahl.) S. 246 und 247.

[2] Literatur Lexikon: Autoren und Werke deutscher Sprache. Hg. v. Walther Killy. Gütersloh / München: Bertelsmann Lexikon Verlag, 1990. Band 5. S. 427 – 431.

[3] Neue deutsche Biographie. Hg. von der historischen Kommission der bayrischen Akademie der Wissenschaften. Berlin: Duncker & Humblot, 1972. Band 9. S. 464 – 467.

[4] Vgl. z.B. Sämtliche Werke: kritische Ausgabe. S. 50.

[5] Vgl. z.B. Hugo von Hofmannsthal: Gesammelte Werke in zehn Einzelbänden: Gedichte und Dramen I, 1891 – 1898. Hg. v. Bernd Schoeller in Beratung mit Rudolf Hirsch. Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag, 1979. (Im Folgenden zitiert als „Gedichte und Dramen I“ mit Angabe der Seitenzahl.) S. 27.

[6] Vgl. Wilhelm Schneider: Die Beiden von Hugo von Hofmannsthal. In: Begegnung mit Gedichten – 66 Interpretationen vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Hg. v. Walter Urbanek. 3. neubearbeitete Auflage. Bamberg: C. C. Buchners Verlag, 1977. (Im Folgenden zitiert als „Wilhelm Schneider“ mit Angabe der Seitenzahl.) S. 179 – 185.

[7] Vgl. Literaturnachweis jeweils an der betreffenden Stelle.

[8] Vgl. Literatur Lexikon: Autoren und Werke deutscher Sprache. Hg. v. Walther Killy. Gütersloh / München: Bertelsmann Lexikon Verlag, 1990. Band 5. S. 427 – 431 und Neue deutsche Biographie. Hg. von der historischen Kommission der bayrischen Akademie der Wissenschaften. Berlin: Duncker & Humblot, 1972. Band 9. S. 464 – 467.

[9] Hugo von Hoffmannsthal: Gedichte und kleine Dramen. Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag, 1973. S. 11.

Details

Seiten
19
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656833543
ISBN (Buch)
9783656833550
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v283813
Note
Schlagworte
Hugo von Hofmannsthal Gedicht Interpretation Analyse Formanalyse Begegnung Mann Frau

Autor

  • Eliane Rittlicher (Autor)

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Titel: Hugo von Hofmannsthal 'Die Beiden'. Analyse und Interpretation