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Zum Sieg getanzt. Der Einsatz tanztherapeutischer Methoden zur mentalen Wettkampfvorbereitung von Sportgruppen

Diplomarbeit 2010 51 Seiten

Psychologie - Beratung, Therapie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Mentale Wettkampfvorbereitung in der Sportpsychologie
1.1 Was ist mentale Wettkampfvorbereitung?
1.2 Theorien zur mentalen Stärkung von Sportlern
1.3 Ausgewählte Aspekte der mentalen Wettkampfvorbereitung
1.3.1 Motivation
1.3.2 Konzentration
1.3.3 Selbstbewusstsein
1.4 Spezifische Aspekte zur Wettkampfvorbereitung von Gruppen

2. Relevante tanztherapeutische Ansätze
2.1 Bewegungsanalytische Aufschlüsselung der sportpsychologischen Befunde
2.2 Tanztherapeutische Techniken

3. Konzept zur tanztherapeutischen Begleitung von Wettkampfgruppen
3.1 Grundbedingungen
3.2 Übungen
3.2.1 Übungen zur Motivation
3.2.2 Übungen zur Konzentration
3.2.3 Übungen zum Selbstbewusstsein
3.2.4 Gruppenspezifische Übungen

4. Diskussion

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Aspekte der mentalen Wettkampfvorbereitung (eigene Darstellung)

Abb. 2: Das Yerkes-Dodson-Gesetz (in Anlehnung an Yerkes/Dodson 1908)

Abb. 3: Stundenplan für ein Wochenendseminar der mentalen Wettkampfvorbereitung

Abb. 4: Aufbau der Übung „Auf der Suche nach dem Flow“ (eigene Darstellung)

Einleitung

Der Begriff „Sport“ wird oft synonym mit rein körperlicher Anstrengung verwendet. Doch Sport ist weit mehr als nur die Anspannung und Entspannung bestimmter Muskelgruppen. „Sportler zu sein, das ist mehr als nur gewisse körperliche Fähigkeiten zu haben. Sport passiert im Kopf“, konstatierte einst der TV-Moderator Stefan Raab im Interview mit dem Magazin Der Spiegel (Biermann/Gorris, 2009).

Der Kopf, das Zentrum des Denkens, nimmt maßgeblich Einfluss auf die sportlichen Leistungen, insbesondere im Wettkampfbereich. Im Kopf wird zwischen Sieger und Verlierer entschieden. So heißt es auch in einem altgriechischen Sprichwort: „Der schwerste Sieg, aber auch der wichtigste, ist der Sieg über sich selber.“ Es geht aber nicht darum, sich in dem Sinne zu besiegen, dass man sich zerstört. Sondern es geht darum, das Optimum der geistigen Unterstützung für die körperliche Leistung herauszuholen.

Die Sportpsychologie hat sich diesem Wissenschaftsbereich angenommen und erforscht, wie der Sportler mental für Wettkämpfe vorbereitet werden kann. Ziel ist es, die geistigen Fähigkeiten mit den körperlichen zu verbinden. Dem steht die ganzheitlich orientierte Tanztherapie mit ihrem Diagnostik- und Behandlungsinstrument der Bewegungsanalyse gegenüber. Diese Therapieform wurde bisher nicht in sportpsychologische Überlegungen einbezogen. Dabei bieten sich tanztherapeutische Methoden in der Sportpsychologie an, denn bei letzterer gilt es, mental auf körperliche Leistungen Einfluss zu nehmen. Es geht also um die Verbindung von Körper und Geist. Dies entspricht dem Prinzip der Tanztherapie, die vom Berufsverband der TanztherapeutInnen Deutschlands (BTD) (2009) als „die psychotherapeutische Verwendung von Tanz und Bewegung zur Integration von körperlichen, emotionalen und kognitiven Prozessen des Menschen“ definiert wird. Sportler sollen zwar nicht im klassischen Sinne „therapiert“ werden, aber sie können durch die Erkenntnisse der Tanztherapie eine mentale Stärkung erfahren. Neben der Arbeitsweise in der Betreuung von Einzelklienten hat die Tanztherapie auch interessante gruppenspezifische Methoden zu bieten, die sich speziell für Sportgruppen als nützlich erweisen können.

Es ist wichtig klarzustellen, dass tanztherapeutische Methoden nicht bedeuten „tanzen zu müssen“. So scheint es einem Ruderteam vielleicht abwegig, sich solcher Methoden zu bedienen. Es geht vielmehr um Bewegung als solche, und Bewegungen sind immer Teil des Menschen, ob es nur eine Atembewegung oder der Strafstoß eines Fußballers ist. Mehr bedarf es nicht, und auch für das besagte Ruderteam kann eine mentale Wettkampfvorbereitung anhand tanztherapeutischer Methoden der hilfreiche letzte Schritt zum Sieg sein.

Die vorliegende Arbeit soll einen Beitrag dazu leisten, die Tanztherapie und Sportpsychologie einander näherzubringen und Synergien zwischen diesen beiden Disziplinen herauszuarbeiten. Hierzu wird folgender Frage nachgegangen:

Welche Funktion können tanztherapeutische Methoden in der mentalen Wettkampfvorbereitung von Sportgruppen übernehmen?

In Kapitel 1 wird zunächst darauf eingegangen, welche sportwissenschaftlichen Erkenntnisse zur mentalen Wettkampfvorbereitung vorliegen. Hieraus werden einige Begriffe gefiltert, die sich in der Sichtung des Literaturmaterials als zentral für dieses Anliegen herausgestellt haben. Diese Aspekte der mentalen Vorbereitung werden näher beleuchtet. Ferner wird darauf eingegangen, inwiefern sich die Betreuung von Sportgruppen von einer Einzelbetreuung unterscheidet und was hierbei für die mentale Vorbereitung zu beachten ist. Im zweiten Kapitel geht es um die Einbindung von Tanztherapie in diesen Kontext. Verschiedene tanztherapeutische Methoden werden vorgestellt und auf ihre Eignung für die mentale Wettkampfvorbereitung geprüft. Die abstrakten Begriffe der Sportwissenschaft erhalten zudem Zuordnungen aus der Bewegungsanalyse, die für konkrete Übungen genutzt werden können. Ergänzt wird diese Studie durch ein Konzept zur mentalen Wettkampfvorbereitung von Sportgruppen, das nähere Informationen zur Durchführung einer tanztherapeutischen Intervention in diesem Bereich gibt und praxiserprobte Beispielübungen anbietet, jeweils begründet mit dem theoretischen Hintergrund aus den Kapiteln 1 und 2.

Im Schlussteil wird dann noch einmal der Frage nachgegangen, ob Sport im Kopf passiert, oder ob es nicht darum geht, den Kopf fest auf dem Körper sitzen zu haben.

1. Mentale Wettkampfvorbereitung in der Sportpsychologie

In diesem Kapitel wird erläutert, was unter mentaler Wettkampfvorbereitung zu verstehen ist und welche Erkenntnisse hier bereits aus der sportpsychologischen Forschung vorliegen.

1.1 Was ist mentale Wettkampfvorbereitung?

Sportliche Wettkämpfe sind nach Janssen (1995) „ritualisierte Formen der Auseinandersetzung zwischen Individuen, zwischen Mannschaften oder auch zwischen Nationen“ (S. 286). Eine Wettkampfsituation erfordere mindestens einen Athleten, ein Publikum, ein Kampf- oder Schiedsgericht und eine Veranstaltungsorganisation. Im Falle dieser Abhandlung steht Gruppensport im Vordergrund, also grundsätzlich Mannschaftswettkämpfe, wobei ein Team aus mindestens zwei Sportlern besteht, die sich einer oder mehrerer Wettkampfsituationen gegen ein oder mehrere andere Teams aussetzen wollen.

Eine sportliche Wettkampfvorbereitung beinhaltet sowohl physiologische, technische, taktische als auch psychologische Aspekte (Davies, 1989). Terry (1990, S. 27) nennt auch die genetische Veranlagung und die Persönlichkeit eines Sportlers als weitere Faktoren.

Ziel ist es, dem Sportler in dieser Situation den Umgang mit psychologischen Problemen zu ermöglichen, die ihn in seiner sportlichen Handlung einschränken, und auf diese Weise Bestleistungen am Wettkampftag zu erzielen (Davies, 1989). Bestleistung bedeutet, dass die potenzielle Leistung der tatsächlichen entspricht (Terry, 1990). Diese Vorbereitung versteht sich nicht als die letzten Tage oder gar Stunden vor dem Wettkampf, sondern ist grundsätzlich langfristig angelegt und zielt darauf ab, sich Fertigkeiten anzueignen, die für alle fortlaufenden Wettkämpfe eine Verbesserung der eigenen Leistung ermöglichen (Beckmann/Elbe, 2008). Ich gehe nicht näher darauf ein, inwiefern die Persönlichkeit von Sportlern Auswirkung auf deren Erfolg hat. Mein Blickfeld betrifft eher das Veränderbare, also inwiefern tanztherapeutische Methoden dazu beitragen können, das Optimale an Leistung herauszuholen.

Zentral ist bei der sportpsychologischen Wettkampfvorbereitung der Begriff der mentalen Stärke. Loehr (1988) unterteilt mentale Stärke in eine „Glaubensformel“ (S. 188), bestehend aus vier Komponenten, und zwar emotionale Flexibilität, emotionales Engagement, emotionale Stärke und emotionale Spannkraft. Beckmann und Elbe (2008) kritisieren bei diesem Ansatz jedoch, dass Emotionen nur ein Aspekt der mentalen Stärke seien und kognitive Prozesse zur Selbstregulation eine wichtige Rolle spielten. Nach diesen Autoren wird demzufolge unter mentaler Stärke „das Verfügen über effektive Selbstregulationsfertigkeiten verstanden, die es Individuen ermöglichen, auch unter ungünstigen Bedingungen ihr Leistungspotenzial abzurufen“ (S. 14). Die Gedanken des Sportlers sind auch nach Draksal (2007) ein entscheidender Faktor der Wettkampfvorbereitung. Demzufolge hätten die Gedanken Auswirkungen auf die Technik (Bewegungsabläufe), die Physiologie (Körperreaktionen), die Emotionen, die Motivation sowie das Erscheinungsbild und Charisma eines Sportlers. Natürlich muss beachtet werden, dass auch ein mental starker Sportler ohne Technik, Muskeltraining und taktische Überlegungen nur geringe Chancen auf den Sieg in seiner Disziplin hat. Jedoch sind schwache Leistungen bei physiologisch und technisch guten Voraussetzungen eines Sportlers häufig auf psychologische Fertigkeiten zurückzuführen (Terry, 1990). Leistung werde nach Terry (1990) durch den Fertigkeitsgrad, die physische Vorbereitung und die psychologische Wettkampfvorbereitung bestimmt, wobei der psychologische Anteil nur steuerbar sei, wenn auch die anderen beiden Komponenten entsprechend trainiert sind. Eine mentale Wettkampfvorbereitung kann also als Ergänzung, jedoch nicht als Ersatz für technisches und physiologisches Training gesehen werden.

In dieser Abhandlung wird unter mentaler Wettkampfvorbereitung die kognitive und emotionale Stärkung verstanden, um bei einer sportlichen Herausforderung optimale Leistungen zu erzielen.

1.2 Theorien zur mentalen Stärkung von Sportlern

In diesem Abschnitt wird ein Überblick über die verschiedenen Aspekte der mentalen Wettkampfvorbereitung gegeben, um dann relevante Begriffe für die Übertragung auf tanztherapeutische Methoden herauszufiltern. Auf die ausgewählten Faktoren wird dann im nächsten Abschnitt näher eingegangen. Theorien, die sich im Speziellen mit Gruppen auseinandersetzen, finden sich in Abschnitt 1.3.4.

Bei der theoretischen Fundierung greife ich auf sportpsychologische Erkenntnisse zurück. Nach Beckmann und Elbe (2008) beinhaltet diese Wissenschaft „die Erforschung der psychologischen Grundlagen, der Abläufe im Sport und der Effekte des Sports, um daraus wissenschaftlich begründete Trainingsmaßnahmen zur Optimierung des Verhaltens im Sport ableiten zu können“ (S. 15). Da es in dieser Arbeit um den Zusammenhang von sportlichem Wettkampf und den psychischen Umgang des Sportlers mit demselben geht, ist ein sportpsychologisches Theoriegerüst für diese Arbeit erforderlich.

Terry (1990) nennt folgende psychologische Faktoren mit Auswirkung auf die Leistung des Sportlers: Erregungsniveau, Selbstbewusstsein, Motivation, Konzentration und Angst, wobei letztere durch das Erregungsniveau beeinflusst werde. Auch Davies (1989) bekräftigt die Bedeutung des Erregungsniveaus, auf dem sich der Sportler befindet, und stellt ebenfalls einen Zusammenhang zu den Themen Angst und Stress her, die einem zu hohen Erregungslevel zuzusprechen seien. Manz (2000) bekräftigt die Bedeutung eines mittleren Aktivierungsniveaus, Stress verringere die Aufmerksamkeit auf die Wettkampfsituation.

Davies (1989) hält wie Terry die Motivation des Sportlers für bedeutend, wobei er diesen Begriff auf intrinsische Motivation einschränkt. Demnach wäre eine bloße Motivierung durch den/die Trainer nicht zielführend, nur die innere Motivation des Sportlers selbst könne optimale Leistungen ermöglichen. Weitere Faktoren nach Davies sind Konzentration mit dem Teilaspekt Aufmerksamkeit sowie Selbstsicherheit. Draksal (2007) bestätigt die Bedeutung von Motivation, Selbstbewusstsein und Konzentration, außerdem stellt er einen Zusammenhang zwischen Konzentration und Erregungsniveau her. Demnach sei der optimale Erregungslevel Voraussetzung für maximale Konzentration. Beckmann und Elbe (2008) gehen ebenfalls auf das Erregungsniveau ein, heben aber hervor, dass es unterschiedliche Ergebnisse zum optimalen Grad der Aktivierung gebe. Außerdem spielen auch bei diesen Autoren Motivation im Zusammenhang mit Zielsetzung, Selbstvertrauen und Konzentration eine wichtige Rolle, wobei das Erregungsniveau dem Bereich Konzentration zuzuordnen sei. Janssen (1995) spricht ebenso vom Erregungsniveau und betont, dass Angst oder Stress nachweislich zu schlechten Leistungen führen. Auch Clarkson (1999) stellt die Bedeutung des optimalen Erregungszustandes heraus, dies sei jedoch abhängig von der Art der Sportart. Weitere Faktoren, die nach Clarkson wichtig für die psychologische Wettkampfvorbereitung sind, seien die Motivation und Konzentration des Sportlers.

Ein Begriff, der neben den bisher genannten Themenbereichen ebenfalls immer wieder eine Rolle in der sportpsychologischen Literatur spielt, ist die Visualisierung (exemplarisch Terry, 1990; Manz, 2000; Davies, 1989; Loehr, 1988; Baumann, 1998). Teilweise ist auch von Imagination/Vorstellungstraining (Beckmann/Elbe 2008) oder mentalem Techniktraining (Draksal, 2007) die Rede. Hierbei stellt sich der Sportler eine ausgewählte Bewegungstechnik innerlich vor, ohne sie körperlich durchzuführen, und versucht dabei, das Empfinden bei der Bewegung mit allen Sinnen zu erfassen (wie fühlt es sich an, wie riecht es dabei, was höre ich dabei…). Es handelt sich um eine Erweiterung des technischen Sporttrainings, daher ordne ich dies nicht ausschließlich der mentalen Wettkampfvorbereitung zu, sondern auch dem physiologischen Techniktraining.

Man sieht deutlich, dass in der sportpsychologischen Literatur immer wieder dieselben Themen eine Rolle bei der mentalen Wettkampfvorbereitung spielen. Insgesamt stellen sich drei Begriffe als zentral heraus, und zwar Motivation (intrinsische Motivation, Zielsetzung), Konzentration (hierzu gehört das optimale Erregungsniveau sowie Aufmerksamkeit) und Selbstbewusstsein (Selbstvertrauen, Selbstsicherheit).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Aspekte der mentalen Wettkampfvorbereitung (eigene Darstellung1 )

Diese Bereiche der mentalen Wettkampfvorbereitung sollen im nächsten Abschnitt näher beleuchtet werden.

1.3 Ausgewählte Aspekte der mentalen Wettkampfvorbereitung

1.3.1 Motivation

Motivation wird immer wieder als wichtiger Faktor zur mentalen Wettkampfvorbereitung genannt. So schreibt beispielsweise Terry (1990):

„[…] Motivation ist offensichtlich eine wichtige Komponente der Leistung, und ohne sie sind wir psychologisch nie bereit, uns im Wettkampf zu messen. Selbst in unserem täglichen Leben spielt ihr Einfluß eine wesentliche Rolle. Fehlte es uns völlig an Motivation, bedeutete dies Unbeweglichkeit.“ (S. 28)

Grundsätzlich wird in der Psychologie zwischen intrinsischer (innerer) und extrinsischer (äußerer) Motivation unterschieden (Clarkson, 1999). Baumann (1998) erläutert, dass intrinsisch, oder wie er es ausdrückt, „primär“ motivierte Sportler in höherem Maße motiviert seien als „sekundär“, extrinsisch motivierte, da sich hierdurch eine innere Befriedigung einstellen würde. Extrinsische Motivation dagegen fördere die Angst davor, dass der äußere Anreiz für die Leistung wegbleibt, und hemme damit die Handlungen. Nach Janssen (1995) handelt man leistungsmotiviert, wenn „man eine schwierige Aufgabe (konkret, abstrakt, sozial, sportlich, etc.) unabhängig von einer ‘primären‘ (oder äußeren) Bekräftigung als Selbstzweck nach bestem Gewissen in Bezug auf einen Gütemaßstab bearbeitet“ (S. 115f.). Diese Definition grenzt Motivation im Leistungszusammenhang als intrinsisch, also von innen heraus ohne äußeres ‘Anfeuern‘, ein. Dies bedeutet, dass die Verantwortung für die Motivation des Sportlers nicht auf den Trainer abzuwälzen ist. Dieser kann zwar die Motivation des Zöglings unterstützen, jedoch keine intrinsische Motivation herstellen, dies liegt in der Verantwortung des Athleten. Davies (1989) argumentiert ebenfalls für die Wichtigkeit intrinsischer Motivation. Er begründet die Notwendigkeit dieser Motivationsform für Leistungssportler damit, dass intrinsische Motivation nicht in einem Abhängigkeitsverhältnis zur Außenwelt steht und damit resistenter gegen Stress verursachende Faktoren sei. „This means that the intrinsically motivated performer is in a relatively good position to handle the pressures of competitive sport“ (S. 26). Intrinsische Motivation sei nach Davies befriedigender und erfüllender und führe zu langfristigeren Erfolgen. Das bedeutet aber nicht, dass extrinsische Motivation überflüssig ist. So schreibt beispielsweise Draksal (2007): „Champions haben motivierte Menschen um sich herum und holen sich Feedback über ihre Laufbahn von externen Beratern (kein Weltmeister hat es ohne Trainer/Coach nach vorne geschafft)“ (S. 65). Intrinsische Motivation ist jedoch wichtiger und beständiger.

Kann intrinsische Motivation aber überhaupt beeinflusst werden? Die Antwort lautet: ja.

Heckhausen (1980) stellt intrinsische Leistungsmotivation in folgender Formel dar:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

LM steht für Leistungsmotivation. Diese sei die Summe von Hoffnung auf Erfolg (HE) plus die Summe von Furcht vor Misserfolg (FM). Je mehr der Sportler also auf Erfolg hofft, also die Möglichkeit eines Sieges vor Augen hat (z.B. durch bisherige Erfolge oder Ergebnisse im Training), und je mehr der Sportler sich vor Misserfolg fürchtet, also etwas (z.B. Ansehen, Einfluss) durch ein Scheitern zu verlieren hat, desto höher ist die Leistungsmotivation und damit die Chance auf tatsächlichen Erfolg. Terry (1990) unterstützt die Bedeutung der Faktoren Hoffnung auf Erfolg und Furcht vor Misserfolg, allerdings verneint er das Höchstmaß beider als optimalen Wert. Wenn sowohl HE also auch FM hohe Werte haben, kämen die betreffenden Sportler nicht mit Misserfolg zurecht, es entwickele sich möglicherweise sogar eine „Furcht vor Erfolg“ (S. 31) und dementsprechend ein Rückzug vor dem Druck der öffentlichen Erwartung an den Athleten. Nach Terry sei die optimale Voraussetzung für Leistungsmotivation eine hohe Hoffnung auf Erfolg mit einer geringen, aber doch vorhandenen Furcht vor Misserfolg.

Oft wird im Zusammenhang mit der Heckhausenschen Formel für Leistungsmotivation von Persönlichkeitsmerkmalen gesprochen, was impliziert, dass diese Faktoren sich nicht beeinflussen lassen. Dem ist allerdings nicht so. Verschiedenste Untersuchungen bestätigen, dass sowohl die Hoffnung auf Erfolg als auch die Furcht vor Misserfolg reguliert werden können. Janssen (1995) beispielsweise schreibt, dass die Schwierigkeit der Aufgabe, die man als Trainer dem Sportler stellt, Einfluss auf die Leistungsmotivation des Zöglings hat. Demnach seien mittelschwere Aufgaben motivationsfördernd, sehr leichte oder sehr schwere Aufgaben verminderten dagegen die Leistungsmotivation. Dies sei darauf zurückzuführen, dass zu leichte Aufgaben den HE-Wert des Zöglings bestehen lassen, den FM-Wert jedoch auf Null setzen. Bei zu schwierigen Aufgaben sei das Gegenteil der Fall. Hier ist der Trainer des Sportlers oder des Sportteams gefragt, dies entsprechend einschätzen zu können, wobei Feedback der Zöglinge hilfreich sein kann. Terry (1990) bestätigt, dass Hoffnung auf Erfolg und Furcht vor Misserfolg zwar Persönlichkeitsmerkmale, diese aber beeinflussbar seien, wenn man sich dessen bewusst sei. Neben diesen Ausführungen ist interessant, dass Terry für Motivation das Synonym „Antrieb“ (S. 28) verwendet, das in der bewegungsanalytischen Aufschlüsselung im zweiten Kapitel dieser Arbeit noch eine wichtige Rolle spielen wird. Auch Clarkson spricht in seinen Ausführungen zur Motivation immer wieder von „Drive“ (S. 69ff.).

Wie kann man nun die intrinsische Motivation beeinflussen? Terry (1990) nennt drei Dimensionen von Motivation, und zwar Selektivität (etwas Bestimmtes als bevorzugte Tätigkeit auszusuchen), Beharrlichkeit (dranzubleiben, bis ein bestimmtes Ziel erreicht ist) und Intensität (die Energie, die man hierfür investiert). Die Beharrlichkeit und die Intensität sind vergleichbar mit der bei anderen Sportwissenschaftlern erwähnten Volition, also dem Willen, den der Sportler braucht, um das Ziel konkret zu erreichen (als Überblick hierzu vgl. z.B. Janssen, 1995).

Zur Selektivität ist zu sagen, dass es eine Grundvoraussetzung ist, dass der Wettkampfsportler eine bestimmte Sportart, vielleicht auch einen bestimmten Stil auswählt, um hier erfolgreich sein zu können. Wäre dies nicht der Fall, würde es sich um ein bloßes Hobby oder Zeitvertreib handeln. Diese Selektion ist demnach für die mentale Wettkampfvorbereitung nicht mehr relevant, weil diese bereits erfolgt ist. Nun gilt es, sich die beiden anderen Dimensionen von Motivation näher anzuschauen, also Beharrlichkeit und Intensität. Beharrlichkeit steht immer im Zusammenhang mit Zielen. Hiermit wird ein Aspekt der Motivation angesprochen, der weitreichend Eingang in die Fachliteratur erhalten hat und dem eine wichtige Rolle in der mentalen Wettkampfvorbereitung zugesprochen wird. Baumann (1998) sieht Ziele als „Leitlinie unserer Antriebe“. Ihm zufolge setzen diese „Handlungsenergien frei und erhöhen unsere Beharrlichkeit und Anstrengungsbereitschaft“ (S. 146). Er weist aber auch auf die Gefahren von Zielen hin. So könnten ungeschickt gewählte Ziele mental blockieren, den Erwartungsdruck erhöhen, die Selbstakzeptanz abhängig von der Zielerreichung machen oder zu Ignoranz gegenüber wichtiger Veränderungen führen. Ziele müssten dementsprechend nach ihrer „Wertigkeit und ihrer zeitlichen Erreichbarkeit geordnet“ werden (S. 156). Davies (1989) empfiehlt, hohe, aber realistische Ziele zu setzen. Auch nach Terry (1990) muss der Sportler Zielsetzungen treffen, und zwar genau, realistisch, zeitnah, erreichbar und messbar. Draksal (2007) nennt hierfür ähnliche Kriterien, fügt aber noch hinzu, dass Ziele einen optimistischen, positiv formulierten Charakter mit einer „emotionalen Bindung“ (S. 65) hierzu haben sollten. Außerdem empfiehlt er, Ziele in Prozessschritte zu untergliedern, damit in kürzeren Abständen Erfolge zu vermelden sind und diese auch unabhängig von Wettkämpfen mit deren speziellen Gegebenheiten zu erreichen sind. Die ausgewählten Ziele sollten verbindlich sein. Terry spricht hierbei sogar von Vertragsverbindlichkeit und empfiehlt, diese nicht nur metaphorisch zu unterschreiben. Draksal (2007) hält persönliche Verträge ebenfalls für hilfreich. Auch Beckmann und Elbe (2008) sprechen von der Bedeutung des „Commitment“ (S. 68) des Sportlers. Sie unterscheiden außerdem zwischen drei Arten von Zielen, die sich der Sportler setzen sollte (S. 67):

1. Ergebnisziele (outcome goals):
2. Leistungsziele (performance goals)
3. Prozessziele (process goals)

[...]


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Details

Seiten
51
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656852728
ISBN (Buch)
9783656852735
Dateigröße
723 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v283820
Note
Schlagworte
Tanztherapie Bewegungsanalyse Sportwissenschaft mentale Wettkampfvorbereitung Wettkampf Chace-Technik Gruppenkohäsion Teamentwicklung Motivation mentales Training Laban Kestenberg Movement Profile KMP Tanz Bewegung

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Titel: Zum Sieg getanzt. Der Einsatz tanztherapeutischer Methoden zur mentalen Wettkampfvorbereitung von Sportgruppen