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Innovativität als Entscheidungskriterium bei Investitionsentscheidungen von Business Angels

Bachelorarbeit 2014 64 Seiten

BWL - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Problemstellung

2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Terminologie und Abgrenzung
2.2 Venture Capital
2.3 Akteure im Venture Capital Markt
2.3.1 Formelle Venture Capital Geber
2.3.2 Informelle Venture Capital Geber
2.4 Bedeutung von Venture Capital

3. Stand der Forschung zum Thema Business Angel
3.1 Business Angel Markt in Deutschland
3.2 Abgrenzung zu anderen Akteuren
3.3 Definition der Kategorie Business Angel
3.4 Typisierung deutscher Business Angels
3.5 Motivationen von Business Angels
3.6 Der Entscheidungsprozess bei Investitionsentscheidungen
3.7 Innovativität als Entscheidungskriterium
3.8 Relevanz der Untersuchung in Wissenschaft und Praxis

4. Methodisches Vorgehen
4.1 Interviewleitfaden
4.2 Gewinnung der Interviewpartner

5. Analyse und Auswertung der Ergebnisse
5.1 Eigenschaften der interviewten Business Angels
5.2 Analyse der Innovativitätsdimensionen und Faktoren
5.3 Zusammenfassende Analyse
5.4 Vergleich mit Venture Capital Gesellschaften

6. Fazit und Ausblick
6.1 Implikationen für die Wissenschaft
6.2 Implikationen für die Praxis

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Übersicht der Investitionsphasen

Abbildung 2 Die Entwicklung der totalen jährlichen Investments pro Business Angel in Deutschland von 2002 bis 2011

Abbildung 3 Marktstatistik Venture Capital Investitionen 2012 und 2013

Abbildung 4 Die wesentlichen Unterschiede zwischen VC’s und BA’s

Abbildung 5 Typisierung Deutscher Business Angels

Abbildung 6 Dimensionen und Faktoren zur Messung von Innovativität junger Unternehmen

Begriffserklärungen

Verständnishalber Weise werden hier kurz einige wichtige Begriffe erklärt, um dem mit der Materie nicht vertrauten Leser den Zugang zu erleichtern.

Beteiligungsgesellschaft – Ein Unternehmen das hauptsächlich Anteile an anderen Unternehmen erwirbt und veräußert, wobei das zur Verfügung stehende Kapital aus den Einlagen diverser Investoren besteht.

Business Angel – Eine vermögende Privatperson, die mit privatem Kapital Unternehmensanteile von Startups erwirbt und im Gegenzug Frühphasenfinanzierung, Beratung und Betreuung zur Verfügung stellt.

Business Angel Netzwerk – Meist ein eingetragener Verein, in dem mehrere Business Angels Mitglieder sind. Das Netzwerk stellt Verbindungen zwischen den Business Angels, für eventuelle Kooperationen und Ko-Investments her. Außerdem versorgt es seine Mitglieder mit potentiellen Investitionsmöglichkeiten.

Buy Back – Ein Rückkauf des Unternehmens seiner eigenen Anteile, meist durch die Gründer, die Investoren ablösen.

Due Diligence – Der Prozess der Bewertung und Überprüfung eines potentiellen Investitionsobjekts durch einen potentiellen Venture Capital Geber.

Early Stage – Die frühste Finanzierungsphase eines Startups bestehend aus Seed- und Startup-Phase (Siehe Abbildung 1).

Exit – Die Desinvestition eines Eigenkapitalgebers am Ende eines Investments.

Fundraising – Die Prozedur, die Venture Capital und Private Equity Fonds zur Akquise von Kapitaleinlagen durchführen.

Initial Public Offering – Der Börsengang eines Unternehmens.

Inkubator – Einrichtungen die Startups bei der Gründung unterstützen, auch Gründerzentren genannt.

Leveraged Buy Out – Der Kauf eines Unternehmen mit einer Kombination aus Eigen- und Fremdkapital.

Management Buy In/Out – Wenn entweder das bestehende Management oder ein externes Management einen Großteil der Unternehmensanteile erwirbt.

Private Equity – Eine Art der Unternehmensfinanzierung mit Eigenkapital

Proof of concept – Der Beweis, dass ein Produkt funktioniert und Nachfrage erzeugt.

Return on Investment – Ein Maß zur Einschätzung, ob sich ein Investment finanziell lohnt oder nicht. Idealerweise ist die Summe, die eine Investition auszahlt, höher als die eingangs investierte.

Rollout – Wenn ein fertiges Produkt auf den Markt gebracht wird.

Secondary Purchase – Das Übernehmen der Unternehmensanteile eines Investors durch einen anderen Investor.

Seedphase – Die frühste Finanzierungsphase, in der das Unternehmenskonzept ausgearbeitet wird und ein eventueller Prototyp hergestellt wird (siehe Abbildung 1).

Startup – Ein junges meist innovatives Unternehmen, welches sich noch in der Entwicklungsphase befindet.

Trade Sale – Die Übernahme eines Unternehmens durch ein anderes Unternehmen.

Unique Selling Proposition – Das Alleinstellungsmerkmal, welches ein Produkt von anderen Produkten differenziert und einzigartig macht.

Venture Capital – Wie Private Equity, nur auf besonders frühe Unternehmensphasen fokussiert.

Venture Capital Fonds – Ein aus den Einlagen verschiedener Investoren bestehender Fonds, der in ein Portfolio aus Startups investiert, meist mit dem Ziel, Gewinne zu erwirtschaften.

Venture Capital Fonds Manager – Wird von den Investoren beauftragt, das von ihnen bereitgestellte Kapital zu investieren.

1. Problemstellung

Seit dem Platzen der Dotcom Blase im Jahr 2000 und dem darauffolgenden Einbruch befindet sich die Private Equity Branche wieder im Aufschwung. Dabei hat sie sich jedoch noch nicht auf Ihr vorheriges Niveau zu Zeiten der „New Economy“ der 90er erholt. In letzter Zeit haben vor allem die schnelle Entwicklung im Electronic- und Mobile Commerce Mitte der 2000er Jahre durch die Einführung der mobilen Applicationen, kurz App’s, zu einem Aufschwung in der Startup-Scene geführt. Im High-Tech Bereich sprießen junge Unternehmen verstärkt aus dem Boden.

Diesen jungen Entrepreneuren fehlt es jedoch oft an Geld zur Umsetzung und Ausweitung ihrer Geschäftsmodelle. Da sie aufgrund des Startups immanenten hohen Risikos sehr schwer an Kredite von Banken kommen, versuchen sie oft, gegen Abgabe von Unternehmensanteilen an Eigenkapital zu kommen. Da es sich hierbei um junge, innovative Unternehmen und sehr frühe Finanzierungsphasen handelt, sind die Eigenkapitalgeber keine gewöhnlichen Private Equity Gesellschaften, sondern auf genau diesen Fall spezialisierte Venture Capital Gesellschaften. Eine besondere Form der Venture Capital Geber sind Business Angels. Business Angels sind meist vermögende Privatpersonen, die professionell Startups in ihren Anfangsphasen finanzieren.

Da Business Angels und die Investments, die sie tätigen, eine sehr heterogene Gruppe sind, fällt es der Wissenschaft sehr schwer, sie zu kategorisieren und Daten zu ihren Tätigkeiten zu erheben. Das Phänomen Business Angel wird in Deutschland erst seit den 2000er Jahren wissenschaftlich untersucht: deshalb existieren bisher auch im Vergleich zu anderen Wissenschaftsgebieten relativ wenige Untersuchungen. Besonders interessant ist daher die Untersuchung der Entscheidungskriterien, anhand derer Business Angels ihre Investitionsentscheidungen durchführen. Da Business Angels überwiegend in innovative Startups investieren, ist hier besonders die Innovativität als Entscheidungskriterium ein wichtiger Aspekt.

In der vorliegenden Bachelorarbeit soll die Rolle der Innovativität als Entscheidungskriterium bei Investitionsentscheidungen von Business Angels, im Zuge von Investitionen in Startup Unternehmen, untersucht werden. Konkret wird dabei versucht herauszufinden, welche Ausprägungen von Innovativitätsdimensionen von Business Angels als wichtig erachtet werden und eventuell sogar Ausschlusskriterien darstellen. Hierzu werden die von Jell et al. (2011) aufgestellten Bewertungsdimensionen für Innovativität angewendet. Im zweiten Schritt werden die Ergebnisse dieser Arbeit mit denen für Venture Capital Gesellschaften von Jell et al. (2011) verglichen. Dabei werden eventuelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Business Angels und Venture Capital Fonds untersucht.

Des Weiteren versucht diese Arbeit, einen ausführlichen Überblick über die aktuelle Forschung zum Thema Venture Capital und Business Angel zu geben. Die Einführung in das Thema Venture Capital erfolgt dabei dem Rahmen dieser Arbeit angemessen und nicht seiner wissenschaftlichen Vollkommenheit entsprechend, da der besondere Fokus auf der Investorenkategorie Business Angel, sowie der Innovativität als Entscheidungskriterium liegt. Die folgenden zwei Forschungsfragen stehen im Vordergrund und sollen, soweit es der Rahmen dieser Arbeit zulässt, beantwortet werden.

1. Welche Ausprägungen bestimmter Innovativitätsdimensionen werden von Business Angels gewünscht/ sind Ausschlusskriterien?
2. Wie beurteilen Business Angels Innovativität bei Startup Unternehmen im Vergleich zu Venture Capital Fonds Managern?

2. Theoretischer Hintergrund

In diesem Kapitel werden die wesentlichen Grundkenntnisse zum Verständnis und zur Funktionsweise der Investorenkategorie „Business Angel“ vermittelt. Dazu wird der Venture Capital Begriff kurz erläutert und vom Private Equity Begriff differenziert. Des Weiteren werden Business Angels von anderen Akteuren im Venture Capital Bereich, wie Venture Capital Fonds und informellen privaten Investoren, abgegrenzt. Zuletzt wird die gesamtwirtschaftliche Bedeutung von Venture Capital beschrieben.

Als theoretische Grundlage wird Literatur zur Entscheidungstheorie im Venture Capital Kontext benutzt. Dabei wird auf Standardliteratur und aktuelle Paper zu diesem Thema zurückgegriffen. Der grundlegende Kontext ist hierbei die Finanzierungstheorie.

Unternehmensfinanzierung ist die Bereitstellung und gegebenenfalls auch die Rückführung liquider Mittel zur Aufrechterhaltung des laufenden Geschäftsbetriebes und zur Durchführung von Investitionen (Hertz-Eichenrode et al. 2011). Hierbei wird zwischen Außen- und Innenfinanzierung unterschieden. Bei der Innenfinanzierung greifen Unternehmen auf selbst erwirtschaftete Gelder zur Finanzierung zurück. Im Gegensatz dazu fließen bei der Außenfinanzierung externe liquide Mittel zu (Gündel/Katzorke 2007). Dabei gibt es eine weitere Untergliederung in Eigen- und Fremdkapital. Im Gegensatz zu Eigenkapital muss Fremdkapital zu einem bestimmten Zeitpunkt inklusive Zinsen zurückgezahlt werden. Des Weiteren ist Fremdkapital kein Haftungskapital, sprich es haftet nicht für Ansprüche Dritter. Der Fremdkapitalgeber hat keinerlei Ansprüche auf Mitbestimmung und Lenkung des Unternehmens (Hutzschenreuter 2009). Die zwei am häufigsten vorkommenden Arten der Außenfinanzierung mit Eigenkapital sind Private Equity und Venture Capital.

2.1 Terminologie und Abgrenzung

Im Gegensatz zum Englischen, in dem der Begriff Private Equity als Oberbegriff für alle Eigenkapital Finanzierungsarten, wie Venture-Capital, Mezzanine Finanzierung sowie Buyouts steht (Schefczyk 2004), wird der Begriff im Deutschen primär in Bezug auf die Finanzierung reifer, mittelständischer Unternehmen und Unternehmensübernahmen verwendet (Wright/Robbie 1998).

Der Begriff Venture Capital spezialisiert sich auf die Frühphasenfinanzierung junger innovativer Unternehmen, auch Startups genannt. Die Klassifizierung der Begriffe vom Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V. (BVK) (2014) zeigen, dass Private Equity und Venture Capital als separate Kategorien unter dem Oberbegriff Beteiligungskapital verstanden werden. Diese Kategorisierung wird für diese Arbeit ebenfalls angewendet und bei jeglichen Abweichungen explizit darauf verwiesen.

2.2 Venture Capital

“Beim Venture-Capital (Risikokapital, Wagniskapital) handelt es sich um zeitlich begrenzte Kapitalbeteiligungen an jungen, innovativen, nicht börsennotierten Unternehmen, die sich trotz z.T. unzureichender laufender Ertragskraft durch ein überdurchschnittliches Wachstumspotenzial auszeichnen.”

(Breuer 2014)

Da Venture Capital, genau wie Private Equity, Beteiligungskapital ist, unterscheidet es sich in seinen grundlegenden Eigenschaften nicht. Es handelt sich um den Erwerb von Unternehmensanteilen und einer damit einhergehenden Beteiligung an Wert und Gewinn des Unternehmens, ohne Garantie auf Rückzahlung. In drei Punkten unterscheidet sich Venture Capital jedoch sehr deutlich:

Der Investitionsfokus von Venture Capital Akteuren liegt ganz klar auf jungen innovativen Unternehmen. Diese Unternehmen werden, aufgrund ihres Entwicklungsstadiums oder des Innovationsgrades ihres Geschäftsmodells, durch ein überdurchschnittlich hohes Risiko bezüglich ihres Markterfolges charakterisiert. Aufgrund dieses Risikos und dem, der frühen Entwicklungsstufe geschuldeten, Mangel an Sicherheiten, ist es besonders schwierig für Startups, an Fremdkapital von Banken zu kommen (Leopold et al. 2003). Da Startups besonders in den Anfängen einen hohen Kapitalbedarf haben, bietet sich hier hauptsächlich die Finanzierung durch Eigenkapital, in Form von Venture Capital, an. Von essentieller Bedeutung für den Venture Capital Geber ist dabei das Gewinnpotential, welches im Verhältnis zum Risiko eine hohe Rendite in Aussicht stellen muss (Rea 1989).

Bei Venture Capital Beteiligungen handelt es sich fast immer um Minderheitsbeteiligungen, also bis zu 25% der Unternehmensanteile. Dies sorgt dafür, dass die Gründer des Startups nach der Finanzierung noch weitgehend unabhängig sind und eigenständig Management-Entscheidungen treffen können (Nathusius 2001). Ein Grund hierfür ist, dass es für die Investoren enorm wichtig ist, die Motivation der Gründer hochzuhalten, damit sie sich voll in ihr Unternehmen einbringen. Ein zu großes Mitspracherecht und hohe Unternehmensanteile der Investoren würden die Gründer demotivieren, da sie in solchen Fällen nicht mehr an ihrer „eigenen Idee“ arbeiten würden.

Ein drittes besonderes Merkmal von Venture Capital Gebern ist, dass sie das Startup nicht nur mit finanziellen Ressourcen unterstützen, sondern auch aktiv involviert sind. Der Involvierungsgrad ist von der Art des Venture Capital Gebers sowie von der Investitionsphase und vom Investitionsobjekt abhängig. Venture Capital Geber stellen ihren Startups ihre Expertise und ihr Netzwerk zur Verfügung und beraten das Management (Gompers/Lerner 2004). Die Involvierung kann in Extremfällen sogar zu Personalaustäuschen im Gründerteam führen, wie zum Beispiel bei Groupon.[1]

Die Entwicklungsphasen eines Startups lassen sich nach Böhner (2007) auf drei Hauptphasen aufteilen, anhand derer man auch die Unterscheidung der Akteure im Venture Capital Bereich vornehmen kann. Dabei ist der Finanzierungsbedarf, je nach Entwicklungsstufe des Startups, sehr unterschiedlich.

In der zur Frühphase (Early Stage) gehörigen Seed Phase wird das Geld hauptsächlich für die Entwicklung des Geschäftsmodelles und eines marktreifen Produktes oder Prototyps sowie für Marktanalysen und Forschung benötigt. Alle Aktivitäten sind dabei darauf ausgerichtet das Startup für seine offizielle Gründung vorzubereiten.

In der ebenfalls zur Frühphase gehörigen Startup Phase besteht der Finanzierungsbedarf für alle praktischen Schritte zum erfolgreichen Markteintritt, auch Rollout genannt. Hierbei wird der Grundstein für alle zukünftigen Geschäftsoperationen gelegt, wie die Unternehmensgründung, erste Marketingmaßnahmen sowie die Produktionsvorbereitung. In der Wachstumsphase (Expansion Stage) wird vor allem die Produktion ausgeweitet und differenziert, und das Produkt wird verstärkt im Markt etabliert, indem mehr Marktanteile gewonnen werden. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich das Startup meist in der Nähe des Break Even.

Die Spätphase (Late Stage) kennzeichnet sich vor allem durch Überbrückungsfinanzierungen, für Desinvestments der Venture Capital Geber. So finden in der Bridge Phase entweder Vorbereitungen für ein Initial Public Offering oder eine Unternehmensübernahme, zum Beispiel in Form eines Trade Sales, statt. Des Weiteren gehören Übernahmen durch das bestehende Management (Management Buy-Out), oder durch ein externes Management (Management Buy-In), sowie durch Eigenkapitalinvestoren (Leveraged Buy-Out) dazu.

Venture Capital hat hierbei seinen Hauptfokus auf den Frühphasen und der Expansionsphase, während die Spätphase eher Domäne des Private Equity Geschäfts ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Übersicht der Investitionsphasen

Quelle: Böhner 2007, S.28

Als Form der Desinvestition (Exit) stehen Venture Capital Gebern verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, abhängig von der eigenen Investitionsstrategie und Entwicklung des Investitionsobjektes. Die fünf gängigsten Formen des Exits sind dabei Trade Sale, Buy Back, Secondary Purchase, Initial Public Offering oder die Liquidation. (Böhner 2007)

2.3 Akteure im Venture Capital Markt

Da Venture Capital Geber eine äußerst heterogene Gruppe von Akteuren darstellen, ist es schwierig, Venture Capital vereinheitlichend zu definieren. Grundsätzlich lässt sich jedoch zwischen formellem und informellem Venture Capital unterscheiden.

Aufgrund der mangelnden Professionalität und Investitionsfrequenz informeller Privatinvestoren werden in der vorliegenden Arbeit ausschließlich Business Angels untersucht. Zur besseren Abgrenzung und Verständlichkeit wird jedoch auch die Tätigkeit der Venture Capital Fonds kurz dargestellt.

2.3.1 Formelle Venture Capital Geber

Formelle Venture Capital Geber sind private und staatliche Venture Capital Fonds, sowie unternehmenszugehörige Venture Capital Fonds, sogenannte Corporate Venture Capital Fonds. Diese kennzeichnen sich besonders durch eine indirekte Investitionsweise. Das Fondsvermögen besteht aus den Einlagen diverser Anleger, meist Pensionsfonds, Industrieunternehmen, Versicherungs-unternehmen oder Banken und wird in sogenannten Fundraisings gewonnen.

Die Investition in Venture Capital Fonds ist Teil der gewöhnlichen Anlagestrategie, um den Return on Investment zu maximieren (Böhner 2007). Dabei ist das Fondsvermögen eines oder mehrerer Fonds mit einer Beteiligungsgesellschaft verbunden, welche wiederum autonom von beteiligten professionellen Venture Capital Fonds Manager geführt wird. Diese handeln vollberuflich als Intermediäre und investieren das Geld der Fonds in ein aus diversen jungen Startups bestehendes Portfolio, wodurch das Risiko vermindert wird (Wright/Robbie 1998, Avdeitchikova et al. 2008, Mason/Harrison 1999). Venture Capital Fonds sind sehr datengetrieben und finanzieren in der Regel meistens in der Expansionsphase (First Stage und Second Stage). Das Hauptziel eines jeden Venture Capital Fonds ist es eine maximale Rendite zu erwirtschaften.

2.3.2 Informelle Venture Capital Geber

Bei informellem Venture Capital hingegen handelt es sich um von privaten Investoren zur Verfügung gestelltes Eigenkapital. Diese beteiligen sich direkt mit ihrem Privatvermögen und ihrem privaten Engagement, meist in sehr frühen Phasen. Private Investoren sind häufig Familienmitglieder und Freunde, passive Privatinvestoren und Business Angels. Business Angels sind dabei, aufgrund ihrer Professionalität und verstärkten Investitionsaktivität, als gesonderte Gruppe von informellen Venture Capital Gebern zu betrachten.

2.4 Bedeutung von Venture Capital

Da Venture Capital das Wachstum von jungen Unternehmen und besonders innovativen Technologien fördert, trägt es maßgeblich zur technologischen Weiterentwicklung, in einigen Fällen sogar zur Evolution ganzer Industrien, bei (Keuschnigg 2004). Im Gegensatz zu etablierten Unternehmen, die sich hauptsächlich um die Weiterentwicklung bestehender Produkte kümmern (Henderson/Clark 1990), haben Startups ihren Fokus auf der Entwicklung neuartiger Produkte und Technologien (Gans/Stern 2003). So ging in Deutschland 2013 33,7% des Venture Capital Investitionsvolumens in Life Sciences (Biowissenschaften), 20,7% in Computer- und Unterhaltungs-elektronik und 17,2% in Kommunikationstechnologien/-inhalte. 36,2% des Investitionsvolumens wurde in High-Tech Unternehmen investiert (BVK 2014).

Der Einfluss, den Venture Capital in der volkswirtschaftlichen Entwicklung hat, ist dabei immens. So machten in den USA im Jahr 2010 die jährlich erwirtschafteten Umsätze von Venture Capital finanzierten Unternehmen ca. 21% des Bruttoinlandproduktes aus. Rund 11% aller Arbeitsplätze im privaten Sektor wurden von Venture Capital finanzierten Unternehmen gestellt (National Venture Capital Association 2011). Allgemein wurden in Europa im Jahr 2011 3,9 Milliarden Euro Venture Capital investiert. Ca. 2 Milliarden davon fielen in den Bereich Seed- und Startup Financing. In der Startup Phase wurde in insgesamt 1627 Unternehmen und in der Seed Phase in 392 Unternehmen investiert. Deutschland, Österreich und die Schweiz tätigten mit ungefähr einer Milliarde Euro in 2011 den größten Teil der europäischen Venture Capital Investitionen, noch vor Frankreich und Benelux mit 0,9 Milliarden Euro und Großbritannien und Irland mit 0,8 Milliarden Euro.

In Deutschland machten im Jahr 2011 die Venture Capital Investments 0,027% des BIP aus, womit Deutschland genau beim europäischen Durchschnitt lag (European Private Equity and Venture Capital Association 2012). Das gesamte Volumen an Venture Capital Investitionen lag 2013 in Deutschland bei 0,67 Mrd. € und damit über den 0,57 Mrd.€ vom Vorjahr (BVK 2014).

3. Stand der Forschung zum Thema Business Angel

In diesem Kapitel wird der Stand der Forschung zum Thema Business Angel und Innovativität als Entscheidungskriterium ermittelt, sowie die Relevanz für Praxis und Wissenschaft dargestellt.

Der Begriff Angel wurde ursprünglich benutzt, um Einzelpersonen zu beschreiben, die bestimmte Broadway Produktionen finanziell unterstützt haben, sogenannte „theater angels“. Die Motivation dahinter bestand hauptsächlich darin, so mit ihren Lieblingsschauspieler in Kontakt zu kommen und sich mit ihnen öffentlich zu präsentieren. Diese Investments waren dabei hoch riskant, sodass der Investor im Falle eines Flops sein gesamtes Geld verlor (Mason 2006). Professor William Wetzel (1983) war der erste, der Business Angels, welche bis dahin vollkommen vernachlässigt wurden, in den wissenschaftlichen Diskurs einbrachte. Seither standen vor allem folgende Fragen im Vordergrund:

1. Wie groß ist der Business Angel Markt?

2. Was charakterisiert Business Angels?

In den letzten zwei Jahrzenten kamen zusätzlich noch die Fragen

3. Wie handelt ein Business Angel in der Praxis, wenn es um den Investitionsprozess und Investitionskriterien geht?

4. Welche Rolle bei der Unterstützung und Stimulierung des Business Angel Marktes spielt die öffentliche Hand?

5. Wie kann die wissenschaftliche Theorie helfen, das Business Angel Phänomen zu erklären?

auf (Mason/Harrison 2000, Mason 2006, Kelly 2007). Die vorliegende Arbeit ist ganz klar der dritten Frage zuzuordnen. Da die Forschung bisher meistens jedoch auf den amerikanischen bzw. britischen Venture Capital Markt ausgerichtet ist (Avdeitchikova et al. 2008), gibt es zu dem Thema in der deutschen Forschung bisher wenig. Erst in den 2000er Jahren finden sich in Deutschland empirische Studien zu Business Angels. Allerdings ist auch hier das Forschungsfeld relativ intransparent, da bisher nur kleine Stichproben und nur vereinzelte Befragungen privater Investoren durchgeführt wurden. Aufgrund einer fehlenden einheitlichen Definitionsgrundlage existieren in den bisherigen Studien große Diskrepanzen. So wurden beispielsweise potentielle Investoren ohne durchgeführte Investition in der Vergangenheit zu den Business Angels gezählt (z.B. Just 2000).

[...]


[1] Der Groupon Gründer, Andrew Mason, wurde, nachdem das Unternehmen 18,1 Millionen Dollar Verlust im 1. Quartal 2013 erwirtschaftet hatte, vom Verwaltungsrad entlassen. Quelle: http://www.20min.ch/finance/news/story/24422263

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Titel: Innovativität als Entscheidungskriterium bei Investitionsentscheidungen von Business Angels