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Policy Paper zur Außenpolitik Bismarcks nach dem Sieg über Österreich im Deutschen Krieg 1866

Essay 2014 16 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Deutsche Außenpolitik

Leseprobe

Gliederung

1. Vorspann

2. Aktuelle Lage
2.1 Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Irland
2.2 Russisches Kaiserreich
2.3 Französisches Kaiserreich

3. Handlungsoptionen
3.1 Option 1: Die harte Hand des Königs
3.2 Option 2: Die gemäßigte Variante mit Norddeutschem Bund
3.3 Option 3: Gründung des kleindeutschen Staates

4. Handlungsempfehlung

5. Literaturverzeichnis

1. Vorspann

„Wenn wir nicht übertrieben in unseren Ansprüchen sind und nicht glauben, die Welt erobert zu haben, so werden wir auch einen Frieden erlangen, der die Mühe wert ist.“ [1]

(Fürst Otto von Bismarck, 1866 in einem Brief an seine Frau, wenige Tage nach der Schlacht von Königgrätz)

Am 14.06.1866 kam es im Bundestag zur Abstimmung über den Antrag Österreichs, das gemeinsame Bundesheer gegen Preußen mobil zu machen. Dieser Antrag und der daraus resultierende Deutsche Krieg waren der Gipfel des preußisch-österreichischen Dualismus, ein über ein Jahrhundert dauernder Konflikt um die Vorherrschaft im deutschen Staatengebiet. Der Dualismus begründete sich auf den unterschiedlichen Antworten der zwei deutschen Großmächte Österreich und Preußen auf die „Deutsche Frage“. Während Preußen die „kleindeutsche Lösung“ ohne Österreich verfocht, trat Österreich für die „großdeutsche Lösung“ ein. Österreich als Vielvölkerstaat lehnte das nationale Selbstbestimmungsrecht und ein gesamtdeutsches Parlament stets entschieden ab und verfocht seine Position als traditionelle Führungsmacht der deutschen Staaten, ohne jedoch entscheidend für einen deutschen Gesamtstaat einzutreten.

Seit 1861 war Wilhelm I. König von Preußen und Otto von Bismarck seit 1862 unter ihm preußischer Ministerpräsident und somit Leiter der auswärtigen Politik Preußens. Die vorhergehende Regierung der „Neuen Ära“ unter Alexander von Schleinitz hatte sich vage dafür ausgesprochen, die Außenpolitik in Einklang mit der nationalen Bewegung zu bringen und dass Preußen im Kriegsfalle die Befehlsgewalt über die gesamtdeutsche Armee erhielte. Es wurden jedoch nie ernste Schritte in diese Richtung unternommen. Eben diese nationale Bewegung war eine treibende Kraft in ganz Deutschland und hatte somit großen Einfluss auf außenpolitische Entscheidungen.

Bismarcks Außenpolitik war deutlich weitreichender und aggressiver als die seiner Vorgänger. Für ihn stand im Vordergrund, Preußen, auch in nationalen Fragen, ein für alle Mal als gleichberechtigte europäische Macht zu etablieren. Vor dem Deutschen Krieg von 1866 bestand nämlich die Gefahr, dass Preußen im Deutschen Bund zunehmend von Österreich im Zusammenspiel mit den deutschen Bundesstaaten majorisiert worden wäre, obwohl ihm wegen seiner Bevölkerungszahl und seines politischen Gewichts eine entscheidende Rolle im Bund zugestanden hätte. Die Nationalbewegung stand für ihn nur an zweiter Stelle und war Mittel zum Zweck. Im Wesentlichen zielte er zunächst darauf ab, die staatliche Ordnung in Deutschland und Europa zu erhalten.[2]

Nach dem Sieg über Napoleon im Jahre 1815 waren die deutschen Staaten wieder durch den im Wiener Kongress gegründeten Deutschen Bund in Tradition der alten monarchistischen Herrschaftsverhältnisse des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation vereint. 35 Königreiche, Fürsten- und Herzogtümer sowie vier freie Städte gehörten diesem Staatenverein auf völkerrechtlicher Grundlage an, mit Österreich als Präsidial- und Führungsmacht. Die Staaten waren untereinander verpflichtet, Frieden zu wahren und Angriffe von Außen auf eines der Mitglieder gemeinsam abzuwehren. Die Angelegenheiten des Bundesstaates wurden im Parlament, der sogenannten „Bundesversammlung“ (später „Bundestag“), geregelt. [3]

In Folge des Scheiterns der Märzrevolution von 1848 und der Deutschen Nationalversammlung versuchte Preußen, die Gunst der Stunde zu nutzen und mit seiner Unionspolitik, vorangetrieben von Außenminister Joseph von Radowitz, Österreich als Vormacht abzulösen. Im sogenannten Dreikönigsbündnis mit Hannover und Sachen 1850 erstellten diese Mächte eine Verfassung für einen zunächst kleindeutschen Bund unter Führung Preußens, mit dem Erfurter Unionsparlament als ausführendes Organ.

Österreich und die übrigen Deutschen Staaten lehnten dies jedoch ab und erneuerten im selben Jahr die Bundesversammlung und den Deutschen Bund unter Österreichischer Vorherrschaft.[4]

Preußens Protest, der fast zu einer militärischen Eskalation in Kurhessen geführt hätte, scheiterte auch auf außenpolitischen Druck Russlands. In der Olmützer Punktation erkannte Preußen die österreichische Vorherrschaft vollends an und verzichtete seinerseits auf jeglichen Führungsanspruch über die deutschen Staaten. Somit war der Deutsche Bund unter Österreichischer Führung wie vor der Märzrevolution wiederhergestellt.

Allerdings spitzte sich durch diese erniedrigende außenpolitische Niederlage Preußens der Konflikt mit Österreich weiter zu, auch wenn es in den nächsten zehn Jahren zu keinen weiteren Auseinandersetzungen kam.[5]

Im Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 kämpften die beiden Großmächte sogar Seite an Seite und nahmen Dänemark die deutschsprachigen Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg ab. Deren Aufteilung hielten die beiden Mächte in den Gasteiner Konventionen von 1865 fest.

Da jedoch Preußen sich die ihm zugefallenen Gebiete Schleswig und Lauenburg selbst und nicht, wie von Österreich und dem Bund gefordert, dem Deutschen Bund zuschrieb, stieg die Spannung zwischen den Großmächten und mündete schließlich am 15. Juni im Deutschen Krieg von 1866. Konkret war die außenpolitische Situation direkt vor Kriegsbeginn folgendermaßen:

Nach Zahlung von 2,5 Millionen Taler an Österreich hatte Preußen Lauenburg erhalten, und Schleswig wurde unter preußische, Holstein hingegen unter österreichische Verwaltung gestellt. Bismarck betrachtete dies jedoch als Übergangslösung und Vorstufe zu einer Einverleibung Schleswigs und Holsteins und der damit einhergehenden Vollendung der preußischen Hegemonie in Norddeutschland.

Auf steigenden Druck der mit dieser Lösung unzufriedenen nationalen Bewegung setzte sich Österreich nun im Sinne der nationalen Bewegung für die Schaffung eines neuen Bundesstaates Schleswig-Holstein ein und schlug vor, die endgültige Entscheidung den Bundestag treffen zu lassen.

Dies war für Preußen, wenn es nicht jeglichen Vormachtsanspruch in der deutschen Frage an Österreich verlieren wollte, keinesfalls hinnehmbar. Bismarck konterte, nachdem er sich in einem Bündnis mit Italien zuvor außenpolitisch abgesichert hatte, seinerseits mit einem für Österreich wiederum unannehmbaren Antrag für grundlegende Reformen nach Vorbild der Reichsverfassung von 1848 im Deutschen Bund.

[...]


[1] v. Bismarck, O. (2013), S.397.

[2] Vgl. Mommsen W.J. (1993), S. 150ff.

[3] Vgl. Binding K. (1913), S. 540ff.

[4] Vgl. Nipperdey, T. (1983), S. 670f.

[5] Vgl. Hohlfeld J.(1951), S. 71ff.

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Titel: Policy Paper zur Außenpolitik Bismarcks nach dem Sieg über Österreich im Deutschen Krieg 1866