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Nachhaltiger Tourismus am Beispiel eines Bauernhofes in Norddeutschland. Ein Marketingkonzept

Studienarbeit 2014 37 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsangabe

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Themeneingrenzung und Zielsetzung der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Nachhaltigkeit – Was ist das?
2.2 Tourismus
2.3 Bauernhof-Tourismus
2.4 Marketingkonzept - Tourismusmarketing

3 Nachhaltiger Tourismus in Deutschland
3.1 Definition - Nachhaltigen Tourismus
3.2 Kennzahlen
3.3 Zielgruppen eines Nachhaltigen Tourismus
3.4 Bestehende Angebote in Deutschland
3.4.1 Naturtourismus in ländlichen Regionen – Wandertourismus
3.4.2 Pferdetourismus - Eseltourismus
3.4.3 Radtourismus

4 Marketingkonzept – Nachhaltiger Tourismus an einem Bauernhof
4.1 Marktanalyse und Zielgruppen
4.2 Produktentwicklung – Urlaub am Bauernhof
4.3 Marketingziele
4.4 Marketingstrategie und Marktpositionierung
4.5 Marketing-Mix
4.5.1 Produkt- und Programmpolitik
4.5.2 Kommunikationspolitik
4.5.3 Distributionspolitik
4.5.4 Preispolitik
4.6 Marketing-Controlling

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

"Jede Generation soll ihre Bedürfnisse nur in einem solchen Maß befriedigen, dass die Versorgung nachfolgender Generationen nicht in Gefahr gerät"

Brundtland-Bericht (1987)

Was ist Nachhaltigkeit? „Die ‚Erfindung‘ des Begriffs Nachhaltigkeit wird dem sächsischen Oberberghauptmanns Freiherr Carl von Carlowitz zugeschrieben. In seinem 1713 erschienen Werk über die Nutzung der Wälder formulierte er erstmals das Prinzip, aus dem Wald nicht mehr Holz zu nutzen als in der gleichen Zeit auch wieder nachwächst. Der Brundtland-Bericht ‚Unsere gemeinsame Zukunft‘ aus dem Jahr 1987 greift die Maxime auf und überträgt sie auf alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche des Menschen. Dort wird Nachhaltigkeit als ein ganzheitliches Lebensprinzip verstanden: Jede Generation soll ihre Bedürfnisse nur in einem solchen Maß befriedigen, dass die Versorgung nachfolgender Generationen nicht in Gefahr gerät.

Mittlerweile hat sich für den Sammelbegriff Nachhaltigkeit die harmonische Vereinigung der drei Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales als eingängige Definition im Sprachgebrauch etabliert.“ 1

Der Begriff Nachhaltigkeit kann vielseitig genutzt werden und die vorgestellte Definition ist ein Versuch eine Erklärung für den Ursprung zu liefern. Gleichzeitig wird der Interpretationsspielraum innerhalb dieser Vertiefungsarbeit eingeschränkt. Im Zusammenhang mit dem Thema Tourismus werden Möglichkeiten des Tourismus aufgezeigt werden, mit denen man auf vielfältige Weise an der Natur teilhaben kann und sie gleichzeitig für die nächsten Generationen schützt.

1.1 Themeneingrenzung und Zielsetzung der Arbeit

Das Thema dieser Vertiefungsarbeit wird es sein den Zusammenhang zwischen den Aspekten Nachhaltigkeit und Tourismus in der heutigen Zeit wiederzugeben. Ausgehend von dieser erarbeiteten und erläuterten Perspektive wird ein Marketingkonzept für eine Unternehmung in der Tourismusbranche dargestellt.

Die Eingrenzung der Arbeit auf die Themen Nachhaltigkeit, Tourismus und Marketingkonzept fasst zu weit und würde den geforderten Umfang dieser Arbeit übersteigen. Aus diesem Grund hat der Autor den Inhalt dieser Vertiefungsarbeit, im Modul „Markt- und Projektmanagement“, auf den Tourismus im ländlichen Raum in der Region Norddeutschland eingegrenzt. Die Restriktion, Urlaub auf einem Bauernhof, hilft zusätzlich bei der Erarbeitung eines passenden Marketingkonzeptes für eine Unternehmung. Das Marketingkonzept wird damit effektiv und detailliert erstellt.

Das Ziel dieser Vertiefungsarbeit soll es sein, ein machbares Marketingkonzept für einen Bauernhof in der Region Norddeutschland zu erstellen. Unter dem Gesichtspunkt eines Nachhaltigen Tourismus wird ein umfassendes und strategisches Konzept erarbeitet, in dem Möglichkeiten zur Vermarktung, zur Steigerung des Bekanntheitsgrades und zur Erhöhung der Urlauberzahlen aufgezeigt werden.

1.2 Aufbau der Arbeit

In einem ersten Schritt werden grundlegende Begriffe in ihrem Wesen erläutert. Darunter fallen Begrifflichkeiten wie der Tourismus in Deutschland, der Aufbau eines Marketingkonzepts und die Erläuterung der Dimensionen der Nachhaltigkeit. Des Weiteren wird das wesentliche eines Bauernhofes und seine potenziellen Nutzungsmöglichkeiten in der Region Norddeutschland vorgestellt. (Kapitel 2)

Der nächste Schritt wird das Kernstück des Nachhaltigen Tourismus erörtern. Weiterführend wird der aktuelle Stand in Deutschland anhand von Kennzahlen dargestellt. Neben dieser Begriffsdefinition wird herausgearbeitet welches Marktsegment und welche Zielgruppen auf einen „Öko-Tourismus“ angesprochen werden können. Es werden Beispiele, Möglichkeiten und Rahmenbedingungen für einen nachhaltigen Tourismus in Deutschland aufgezeigt. Anhand dieser Darstellung sollen die Grundbausteine zur Erstellung eines Marketingkonzeptes gelegt werden. (Kapitel 3)

Für die Entwicklung eines Marketingkonzeptes sind die Bestimmung der Zielgruppen und eine Markt- und Wettbewerbsanalyse Voraussetzung. Die Aufführung der bestehenden Angebote für den Bereich „Urlaub auf dem Bauernhof“, die Zielgruppenbestimmung und die Analyse der verwendeten Marketinginstrumente bilden die Grundlage zur Erarbeitung des Marketingkonzeptes. Das Marketingkonzept wird alle Elemente des strategischen und operativen Marketings enthalten. Beginnend bei einem auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Zielsystems und der Marketingstrategie sowie der Positionierung der Unternehmung am Markt. Der Marketingmix wird in ökonomischer, ökologischer und sozialer Hinsicht optimiert. (Kapitel 4)

2 Theoretische Grundlagen

Die Begriffsdefinitionen und die Beschreibung der Möglichkeiten eines Bauernhofes auf dem Land sollen den Einstieg in die Thematik erleichtern. Mit den gegebenen Erläuterungen ist es möglich den Erläuterungen in dieser Vertiefungsarbeit und der Intention des Autors zu folgen.

2.1 Nachhaltigkeit – Was ist das?

Der Begriff der Nachhaltigkeit und der nachhaltigen Entwicklung wurde zum ersten Mal von dem sächsischen Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz (1645-1714) aus Freiberg (Sachsen) im 18. Jahrhundert verwendet. In dem im Jahr 1713 veröffentlichten Werk „Sylvicultura Oeconomica, oder Haußwirtschaftliche Nachricht und Naturgemäße Anweisung zur Wilden Baum-Zucht“ fordert er, das nur noch so viel Holz geschlagen werden soll wie durch Wiederaufforstung nachwachsen kann. Die Abbildung des Nachhaltigkeitsdreieckes (Abbildung 1) verdeutlicht die schon damals vorherrschende Ansicht, dass der Begriff der Nachhaltigkeit mehrere Dimensionen umfasst, er wird als ein Gesamtkonzept angesehen.

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Abbildung 1 Das Nachhaltigkeitsdreieck

Ausgehend vom Nachhaltigkeitsdreieck stehen die Punkte Ökologie, Ökonomie und Soziales gleichberechtigt nebeneinander und bilden zusammen das Wesen der Nachhaltigkeit. Eine weitere daraus abgeleitete und häufig abgebildete Darstellung des Begriffs Nachhaltigkeit wird als das „Drei-Säulen-Modell“ bezeichnet. (Siehe Anhang A, Abbildung 11, Seite V) Darin sind die Gleichberechtigung und der Sinn der drei Dimensionen als gemeinsame Grundlage für die Nachhaltigkeit beschrieben. Auf Grund der Gleichberechtigung der drei Dimensionen, in Form dieser Darstellung (Abbildung 11), ist die Beschreibung des Begriffs der Nachhaltigkeit oft irreführend und schwierig. Die Begründung dazu folgt aus einer „ethischen Systematik“ 2 her, die Aufgaben und Probleme aus den Aspekten Ökologie, Ökonomie und Soziales sind vollkommen unterschiedlich und können daher hinsichtlich ihres Wertes nicht mit einander verglichen werden. Aus diesem Grund sind die Darstellungen wie sie in der Abbildung 1 und der Abbildung 11 (Seite V) zu sehen sind nicht mehr zielführend und bedurften einer Neubewertung. 3 Die Säule der Ökologie wurde schon im Jahre 1994 vom deutschen Bundestag aufgewertet. „Insbesondere die Funktionen der Ressourcenbereitstellung und der Aufnahme von Rückständen werden als nicht ersetzbare Leistungen der Naturangesehen, die die Möglichkeiten menschlichen Wirtschaftens begrenzen kann.“ 4 Mit dieser Feststellung ist eine Gleichwertigkeit der drei Säulen nicht gegeben. Die Ökologie bzw. die Natur ist das Wesentliche und die Grundlage für eine Nachhaltige Entwicklung, es geht dabei um den Erhalt der Natur und ihrer Leistungsfähigkeit für nachfolgende Generationen. „Der natürliche Kapital-stock muss konstant bleiben, die Menschheit muss lernen, von dessen Erträgen zu leben und nicht von dessen Plünderung.“5 Angesichts dieser Vereinbarung wurde das „Drei-Säulen-Modell“ weiterentwickelt. Die Abbildung 2 verdeutlicht die aktuelle Sichtweise hinsichtlich der nachhaltigen Entwicklung. Das Klima und die natürlichen Ressourcen bilden demnach das Fundament auf dem die Säulen Ökonomie, Kultur und Soziales aufbauen und zusammen eine nachhaltige Entwicklung hervorbringen. Somit verwundert nicht die Aussage von Ulrich Grober: „Haushaltung der Natur ist die alleinige Basis für unsere Ökonomie.“6. Die Säulen des Hauses der Nachhaltigen Entwicklung können jederzeit um Handlungsfelder erweitert werden in denen nachhaltiges Schaffen sinnvoll ist. So zum Beispiel der durch die Punkte Gesundheit oder Erholung. Durch Berücksichtigung der bestehenden Komponenten kann sich eine nachhaltige Konzeption für zum Beispiel den Nachhaltigen Tourismus entwickeln, wie in der Abbildung 13 (Anhang D, Seite V) dargestellt.

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Abbildung 2 Gewichtetes Säulenmodell der nachhaltigen Entwicklung

Die Basis der Ökologie bzw. der natürlichen Ressourcen / Klima umfasst die Bewahrung der Artenvielfalt, den Umweltschutz und den Ressourcenschutz. Damit einhergehend sollen die Lebensmittel ökologisch angebaut werden, das heißt es dürfen keine Pestizide mehr eingesetzt werden und die Tiere auf einem Bauernhof erhalten eigens auf dem Hof für sie angebautes Futter. Außerdem muss die Menschheit mit den Ressourcen sparsam umgehen, als Beispiel ist das Auto anzuführen. Die Weiterentwicklung innovativer, regenerativer Antriebssysteme schont die Natur und ermöglicht nachfolgenden Generationen umweltschonende Fortbewegungsmittel zu benutzen. Unter Einhaltung dieser Grundsätze ist es möglich mit Hilfe der drei Säulen eine Nachhaltige Entwicklung auf der Welt zu implementieren.

Die drei Säulen der Nachhaltigkeit umfassen drei Prinzipien. Das Ziel der Säule „Ökonomie“, das heißt einer nachhaltigen Wirtschaft, kann es zum Beispiel sein, das zukünftig Kunden nur noch saisonale Waren in einer Region erhalten, im Sommer Erdbeeren aus Deutschland und nicht aus Israel. Des Weiteren wird bei der Bereitstellung von Waren darauf zu achten sein welchen CO2 – Footprint sie haben, so sollte der Transport von Bananen oder Mangos aus Südamerika gänzlich in Frage gestellt werden da die Umwelt dadurch erheblich verschmutzt wird.

Die Säule „Kultur bezieht sich in diesem zweiten Sinn auf die gesamten Formen menschlichen Zusammenlebens, die Prägungen durch soziale Strukturen, Traditionen, Erziehung und Produktions-weisen sowie auf die Repräsentations- und Vermittlungsprozesse durch Sprache, Medien und eben auch Kunst. Diese zweite Definition hebt die Berücksichtigung bestehender gesellschaftlicher Naturvorstellungen und -verhältnisse hervor und betont folglich die Abhängigkeit sozialen Wandels, welcher für die Verwirklichung nachhaltiger Entwicklung fundamental ist, von kulturell fundierten und kollektiv geteilten Überzeugungen und Wertvorstellungen.“ 7

Die dritte Säule auf der eine Nachhaltige Entwicklung aufbaut ist die Komponente „Soziales“. Dabei wird auf eine Verbesserung der Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten für alle großen Wert gelegt. Nur mit der richtigen Bildung kann die Menschheit die vorhandenen Ressourcen nachhaltig verwenden. Weitere Ziele dieser Komponente sind unter anderem die Herstellung der Gleichberechtigung von Männern und Frauen, die Bekämpfung der Armut und die Schaffung von Wohlstand für alle Menschen auf dieser Welt.

2.2 Tourismus

„Tourismus (Fremdenverkehr, touristischer Reiseverkehr) umfasst die Gesamtheit aller Erscheinungen und Beziehungen, die mit dem Verlassen des üblichen Lebensmittelpunktes und dem Aufenthalt an einer anderen Destination bzw. dem Bereisen einer anderen Region verbunden sind. Das Kriterium der Bewegung außerhalb des üblichen Arbeits- und Wohnumfeldes ist allein begriffsbestimmend.“ 8

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 Ganzheitliches oder modulares Tourismusmodell

Im Tourismus kann nach unterschiedlichen Reisearten unterschieden werden, die Kriterien sind zum einen Reisemotive, Verkehrs-mittelnutzung, die Reisedauer, die Destination und auch die Anzahl der Reisenden. Eine detaillierte Übersicht dazu ist im Anhang B in der Tabelle 3 (Seite III) zu finden.

Der Tourismus ist in vielen Regionen und Ländern ein wichtiger Wirtschaftszweig, da auf ihn positive Einkommens-, Arbeitsplatz- und Deviseneffekte9 entfallen. Nach Anga-ben des World Travel & Tourism Council waren im Jahre 2010 weltweit ca. 235 Mio. Menschen und damit 8 Prozent aller Arbeitnehmer in der Touristik beschäftigt; bis 2019 werden bis zu 296 Mio. Jobs prognostiziert. 10

Ein ganzheitliches und schematisches Bild des Tourismus zeichnet W. Freyer in der von ihm stammenden Abbildung 3 11 mit den sechs Einflusssphären, Ökonomie, Politik, Individuum, Freizeit, Gesellschaft und Ökologie. Damit enthält dieses Modell alle wichtigen Aspekte einer Nachhaltigen Entwicklung wie sie in der Abbildung 2 (Seite 1) zu sehen ist.

2.3 Bauernhof-Tourismus

Die Einbettung des Bauernhof-Tourismus wie er in im Allgemeinen in der Literatur zu finden ist wird im Folgenden erläutert. Des Weiteren wird die für diese Vertiefungsarbeit wichtige Definition und Abgrenzung der Thematik „Urlaub am Bauernhof“ artikuliert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 Einbettung des Bauernhof-Tourismus

Die Abbildung 4 12 stellt die Einbettung des Bauernhof-Tourismus als einen Teil des Agrar-Tourismus dar. Dieser ist wiederum ein Teil des ländlichen Tourismus und grenzt die Destination auf den „Aufenthalt oder Urlaub im ländlichen Raum, also in kleineren Gemeinden [..]“13 ein. Allerdings können damit auch Hotels und private Pensionen gemeint sein. „Der Begriff ‚Agrartourismus‘ wird um den Bezug zu den von den Landwirten hergestellten Produkten und den Absatz über den landwirtschaftlichen Betrieb [..] erweitert.“14

Mit Hilfe dieser Abgrenzung kann der Begriff des Bauernhof-Tourismus beschrieben werden. Die geläufigste Definition für die Thematik „Urlaub am Bauernhof“ wurde von K. Arnold und C. Staudacher im Jahr 1981 aufgestellt: „Urlaub am Bauernhof ist eine Form der Vermietung an erholungssuchende Gäste, die in enger räumlicher und funktionaler Beziehung zu einem bewirtschafteten land- und fortwirtschaftlichen Betrieb steht“15. Der Gedanke hinter einem Urlaub auf dem Bauernhof ist es nicht nur Wohnmöglichkeiten zu bieten sondern auch eine Beziehung zu der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung herzustellen.16

2.4 Marketingkonzept - Tourismusmarketing

Der Begriff Marketing wird in der Literatur in unterschiedlicher Weise definiert. Das was das Marketing ausmachen und in welchen Zusammenhängen ein Marketingkonzept entsteht kann wie folgt beschrieben werden: Marketing ist ein Konzept zur umsatzorientierten Unternehmensentwicklung. Eine Marketingkonzeption ist ein „strategischer Grundsatzentwurf für die Koordination aller marktbezogenen Aktivitäten einer Unternehmung oder eines marktbezogenen Ausschnitts einer Unternehmung, wie z.B. Wahl der zu bearbeitenden Problemfelder und Kundengruppen, Marktausdehnung, Art der Marktsegmentierung, Einsatz der marketingpolitischen Instrumente.

Die Marketingkonzeption ist integraler Bestandteil der strategischen Unternehmungskonzeption (strategisches Management); sie ist an der Wettbewerbsstrategie der Unternehmung zu orientieren sowie mit den anderen funktionalen Bereichen (Forschung und Entwicklung, Beschaffung, Produktion, Finanzierung) abzustimmen.“ 17

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5 Das Kreislaufmodell des Tourismus-Marketing

In der Praxis hat es sich bewährt ein Marketingkonzept in Stufen aufzubauen. Angefangen bei der strategischen Planung hin zur operativen und taktischen Planung. Zunächst einmal muss die IST- Situation geklärt und daraus Schlussfolgerungen für die Zielsetzung und die langfristigen Strategien gezogen werden. Im nächsten Schritt werden die Marketingziele und Marketingstrategien festgelegt. Mit Hilfe des Marketingmix und seinen Instrumenten werden Maßnahmen und Mittel erarbeitet mit denen die Ziele erreicht werden können. Die Aspekte der Produktpolitik, Distributionspolitik, Kommu-nikationspolitik und der Preispolitik sind ausschlaggebend für den Erfolg einer Marketingkonzeption.18 Unter Beachtung des Budgets werden die Maßnahmen realisiert und abschließend einer Kontrolle unterzogen. Dieser Prozess muss wiederkehrend durchlaufen werden damit die Ziele immer aktuelle am Markt, speziell an den Kunden und der Konkurrenz, orientiert bleiben.

Eine Veranschaulichung zur Erstellung einer Marketingkonzeption liefert das Kreislaufmodell von Walter Freyer aus dem Jahr 2004. In der Abbildung 5 19 ist zu erkennen, dass dieser Prozess im idealen Fall nie endet. Die Rahmenbedingungen der Umwelt einer Unternehmung ändern sich laufend, dem entsprechend müssen sich die Ziele und Strategien dem Bedürfniswandel anpassen damit das Marketing erfolgversprechend stattfinden kann.

3 Nachhaltiger Tourismus in Deutschland

„Der Tourist zerstört das, wonach er sucht, indem er es findet.“

(Hans Magnus Enzensberger)

Ein nach den Gesichtspunkten der Nachhaltigen Entwicklung gestalteter Tourismus versucht genau das was Enzensberger beschreibt zu verhindern. Die Natur und die natürlichen Ressourcen auf der Erde stellen die Grundlage für den Tourismus dar, folgerichtig sollte der Tourismus (Anm., gemeint sind die Reiseveranstalter, Wirtschaftsunternehmen usw.) eine intrinsische Motivation aufweisen die Umwelt zu erhalten.

„Weil aber der Tourismus wie nur wenige Wirtschaftssektoren zwingend auf eine intakte Umwelt und ein nachhaltiges Wachstum angewiesen ist, besteht hier noch am ehesten die Chance, Mittel und Wege zu finden, Wirtschaft und Umwelt im Zeitalter der Globalisierung in Einklang zu bringen.“ 20 Der Zusammenhang zwischen Tourismus, Ökologie, Ökonomie und der sozialen Komponente wird in diesem Kapitel erörtert und trägt damit zu einem verständlichen Bild und der Aufgabe eines Nachhaltigen Tourismus bei.

3.1 Definition - Nachhaltigen Tourismus

Eine Konkretisierung des Begriffes Nachhaltiger Tourismus ist in der aktuellen Literatur nicht eindeutig erkennbar. Allerdings sind die Aspekte der Nachhaltigkeit in den Bereichen Ökologie, Ökonomie, Soziales, Kultur und Erholung die Leitmotive der Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus.

„Eine nach­hal­tige Ent­wick­lung bringt wirt­schaft­liches Wachs­tum mit ökologischer Trag­fähig­keit in Ein­klang. Nach­haltiger Touris­mus ist lang­fristig aus­gelegt und versteht sich als ethisch und sozial gerecht und kul­turell respekt­voll.“21 Die Chancen des Tourismus sollten genutzt, gleichzeitig allerdings die Risiken, wie die Umweltzerstörung, minimiert werden. Eine Gemeinsamkeit vieler Quellen aus der Literatur ist es, das die Umsetzung eines Nachhaltigen Tourismus ohne die Zusammenarbeit zwischen der Bevölkerung und der Wirtschaft nicht möglich ist.22

Der Tourismus an sich hat den Vorteil das vorhandene und durch ihn geschaffenen Arbeitsplätze nicht verlagerbar sind. Nachhaltiger Tourismus trägt daher sowohl zu Arbeitsplätzen in der bereisten Region als auch zur Sicherung der Lebensqualität der dort lebenden Bevölkerung bei. Ein Beispiel für Sozial-Verträglichkeit soll ein nachhaltiger Tourismus die Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse von Familien, Kindern und Jugendlichen sowie benachteiligten Gruppen mit geringerer Kaufkraft fördern.

Des Weiteren ist ein entscheidender Belastungsfaktor des Tourismus die An- und Abreise an den Urlaubsort, hier ist der Hauptansatzpunkt für den nachhaltigen Tourismus. Die durch das ausgestoßene CO2 entstehenden negativen ökologischen Folgen werden speziell im nachhaltigen Tourismus vermieden. Als Beispiel sind die CO2 – Footprints unterschiedlicher Reisen im Folgenden zu sehen

Fernreise nach Mexiko: Belastung von 7.218 kg/Person

Urlaub auf Mallorca: Belastung von 1.221 kg/Person

Ausflug an die Ostsee: Belastung von 258 kg/Person 23

„Die mit Abstand höchsten spezifischen Treibhausgasemissionen […] haben Fernreisen mit dem Flugzeug. Im Jahr 2006 lagen diese Emissionen mit rund 6,3 t Treibhausgasen pro Person und Reise rund 33 Mal höher als bei Reisen in den Alpenraum bzw. 43 Mal höher als bei Inlandsreisen mit dem Pkw. Oder anders formuliert: Reisende könnten statt einmal in der Karibik 43 Mal in Deutschland Urlaub machen und hätten dabei in etwa die gleiche Emissionsbilanz.“24 Eine Veranschaulichung der Wirkung von Flugreisen ist, entsprechend aufgeschlüsselt nach Reisearten und –destinationen, im Anhang E (Abbildung 14, Seite III) zu finden.

Der nachhaltige Tourismus hat das Ziel das Streben zum Umweltschutz auf der Erde zu unterstützen. Den Menschen soll nicht die Erholung genommen werden, sondern eher unter den Aspekten Ökologie, Ökonomie und Soziales nachhaltiger machen, damit auch nachfolgende Generationen diese Möglichkeiten der Erholung und Naturverbundenheit genießen können. Damit das so ist hat das Umweltbundesamt im Oktober 2005 „21 Thesen zur Klimaschutzpolitik des 21. Jahrhunderts und ihre Begründungen“ veröffentlicht und darin vermerkt, dass das 2-Grad-Ziel25 mit der Restriktion den CO2 Verbrauch auf 2t CO2 pro Person und Jahr bis 2050 (in den USA und in der EU) zu senken. Im Jahr 2010 lag der CO2 Verbrauch pro Person in den USA bei 17,5t und in Deutschland bei 9,06t pro Person und Jahr. Um die Vorgaben einzuhalten sind somit große Anstrengungen vonnöten, ein nachhaltigerer Tourismus bietet dazu die ersten Schritte an.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass ein nachhaltiger Tourismus auf Regionalität setzt muss. Weitere Kennzeichen ergeben sich zu:

„Ökologisch: Berücksichtigung und Erhalt regionaler Spezifika wie natürliche Eigenheiten und regenerierbare und nichtregenerierbare Ressourcen, Engerführen von Stoffkreisläufen

Ökonomisch: Orientierung am regionalen Bedarf, Förderung von Verflechtung und direkten Beziehungen zwischen den Wirtschaftssubjekten in der Region

Soziopolitisch: Schaffen von Mitbestimmungs- und Entscheidungsstrukturen für die regionale Bevölkerung oder deren demokratisch legitimierten Vertreter, selbstbestimmte Regionalentwicklung unter Berücksichtigung der (berechtigten) Interessen anderer Regionen durch inner- und intraregionale Kooperation auf der Basis von Chancengleichheit und Gleichberechtigung.“26

[...]


1 (Landesforsten Rheinland-Pfalz, 2014, S. o.S.)

2 (Vogt, 2009, S. 143)

3 (vgl. Vogt, 2009, S. 143)

4 (Deutscher Bundestag, 1994, S. 32)

5 (Spindler, 2014, S. 4, zitiert nach: Diefenbacher et al. 1997, S. 24)

6 (Grober, 2010, S. 129)

7 (Wagner & Kurt, 2002, S. 14)

8 (Wirtschaftslexikon, 2014, S. o.S.)

9 (Wirtschaftslexikon, 2014, S. o.S.)

10 (Wirtschaftslexikon, 2014, S. o.S.)

11 (Freyer, 2009, S. 47)

12 (Bojnec, 2004, S. 287)

13 (Schneidhofer, 2009, S. 37)

14 (Schneidhofer, 2009, S. 37f)

15 (Arnold & Staudacher, 1981, S. 14)

16 (vgl. Schneidhofer, 2009, S. 38)

17 (Wirtschaftslexikon, 2014, S. o.S.)

18 (Kleinaltenkamp & Saab, 2009, S. 59f)

19 (Freyer, 2004, S. 112)

20 (Petermann & Wennrich, 1999, S. 251)

21 (Bundesministerium für wirt. Zusammenarbeit, 2014, S. o.S.)

22 (vgl. Bundesministerium für wirt. Zusammenarbeit, 2014, o.S.)

23 (Deutschen Tourismusverbandes e.V., 2014, S. 5)

24 (Götz, et al., 2009, S. 16)

25 Die Weltklimakonferenz 2010, die UN und die G8 Staaten sind sich darüber einig das die weltweite Klima Erwärmung unter dem Level von 2 Grad gehalten werden muss, da sich ansonsten das Klima auf der Welt nicht mehr erholen kann und sich unwiderruflich negativ verändert. Damit einhergehend wurde das Ziel von 2t CO2 pro Kopf pro Jahr für alle Menschen auf der Welt für das Jahr 2100 festgelegt. Damit die sich erst entwickelnden Länder noch Entwicklungschancen behalten, müssten die technisch hochentwickelten Länder/Regionen das vorgenannte Ziel bereits bis 2050 realisieren.

26 (Becker, Job, & Witzel, 1996, S. 148)

Details

Seiten
37
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656838890
ISBN (Buch)
9783656838906
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v283975
Institution / Hochschule
Wilhelm Büchner Hochschule Private Fernhochschule Darmstadt – Innovations- und Technologiemanagement
Note
1,3
Schlagworte
Nachhaltigkeit Tourismus Marketing Marketingkonzept Marktmanagement Projektmanagement Bauernhof 3-Säulen-Modell Pferdetourismus Eseltourismus Radtourismus Marketingstrategie Marketingziele Marktsegmentierung Marketing-Mix

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Titel: Nachhaltiger Tourismus am Beispiel eines Bauernhofes in Norddeutschland. Ein Marketingkonzept