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Nachhaltiges Wirtschaften als Wettbewerbsvorteil

Bachelorarbeit 2010 48 Seiten

BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen unternehmerischer Nachhaltigkeit
2.1 Geschichtlicher Hintergrund
2.2 Dimensionen der Nachhaltigkeit aus Unternehmensperspektive
2.3 Entscheidungsgrundlage für nachhaltiges Wirtschaften

3. Wertsteigerung durch betriebliches Nachhaltigkeitsmanagement
3.1 Kostenreduktion
3.2 Umsatzsteigerung
3.3 Risikosenkung
3.4 Reputation, Image und andere intangible Werte

4. Leitkonzepte der Nachhaltigkeit auf Unternehmensebene
4.1 Beziehungsmanagement
4.2 Innovation
4.3 Kooperation und Netzwerke

5. Integrative Instrumente des nachhaltigen Betriebes
5.1 Umweltmanagementsysteme
5.2 Sustainability Balanced Scorecard
5.3 Life-Cycle-Assessment, Stoffstrommanagement und Sozialbilanz

6. Nachhaltiges Wirtschaften in ausgewählten Funktionsbereichen
6.1 Organisation und Personal
6.2 Beschaffung und Logistik
6.3 Produktion
6.4 Marketing
6.5 Umweltkostenrechnung

7. Implementierungsprobleme

8. Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die Dimensionen der Nachhaltigkeit

Abbildung 2: Die vier Perspektiven der Balanced Scorecard

1. Einleitung

Nachhaltige Entwicklung heißt, ökonomische, ökologische und soziale Aspekte gleichberechtigt zu berücksichtigen. Für Unternehmen impliziert dies eine umweltbewusste und sozialverträgliche Wirtschaftsweise bei gleichzeitiger Wahrung ihrer ökonomischen Stabilität und Rentabilität. Da das Thema Nachhaltigkeit in den letzten Jahren in der öffentlichen Debatte an Gewicht gewonnen hat, sind nun auch Unternehmen gefordert, sich dieser Problematik zu stellen.

Eine Studie der Unternehmensberatung Arthur D. Little aus den Jahren 1997/1998 mit ca. 500 Vorständen, Geschäftsführern und anderen hochrangigen Entscheidungsträgern zeigte schon damals die hohe Relevanz des Themas für Unternehmen: 95 Prozent der Befragten sahen Nachhaltigkeit als bedeutende Fragestellung an, während immerhin noch 82 Prozent deren hohen potenziellen Beitrag zum Unternehmenswert erkannten. Konkrete Geschäftsmaßnahmen leiteten indes nur 17 Prozent der Teilnehmer ab.1 Diese Ergebnisse veranschaulichen unmittelbar die aktuelle unternehmerische Heraus- forderung: Das Leitbild Nachhaltigkeit ist zwar ins Bewusstsein der Wirtschaft vorgedrungen, wird jedoch bislang nicht ausreichend realisiert. Wie aber können Unternehmen ihre betrieblichen Abläufe nachhaltig gestalten, ohne dabei an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren?

Die vorliegende Bachelorarbeit versucht zu zeigen, wie Unternehmen Nachhaltigkeit auf wirtschaftlich vorteilhafte Weise in ihr Tagesgeschäft integrieren können und welche Umsetzungsinstrumente sich hierbei als besonders wirkungsvoll erweisen. Gewiss weißt jedes Unternehmen branchenspezifische, größenbedingte sowie individuelle Merkmale auf, sodass eine verallgemeinernde Betrachtung schwierig ist. Ebenso würde eine erschöpfende Aufzählung unternehmerischer Nachhaltigkeits- maßnahmen sicherlich den Rahmen einer Bachelorarbeit sprengen. Diese Arbeit versucht vielmehr, bestimmte Konzepte und Handlungsmöglichkeiten näher zu beleuchten, welche branchenübergreifend anwendbar sind und in der Literatur besonders hervorgehoben werden.

Ausgehend von einer geschichtlichen Hinführung sowie einer theoretischen Annäherung an die Dimensionen der Nachhaltigkeit wird im ersten Teil die Entscheidungsgrundlage für nachhaltiges Wirtschaften veranschaulicht sowie die Möglichkeiten der betrieblichen Wertsteigerung durch eine nachhaltige Unternehmens- führung beschrieben. Es folgt zunächst die Einführung wichtiger Leitkonzepte einer nachhaltigen Unternehmung; weiterhin werden verschiedene integrative Instrumente eines nachhaltigen Betriebes vorgestellt sowie eine nachhaltige Wirtschaftsweise an ausgewählten betrieblichen Funktionsbereichen erläutert. Abschließend erfolgen die Darstellung möglicher Implementierungsprobleme sowie eine Zusammenfassung der Ergebnisse.

Die Recherchearbeit stützt sich auf Literatur von deutsch- und englischsprachigen Autoren, wissenschaftliche Veröffentlichungen aus Fachzeitschriften und Studien von renommierten Forschungsinstituten. Trotz des zunehmenden Interesses an der Thematik ist die nachhaltige Entwicklung auf Unternehmensebene bislang nicht hinreichend erforscht. Als einschlägig haben sich trotz allem die Autoren Schaltegger des Centre for Sustainability Management in Lüneburg sowie Burschel, Losen und Wiendl mit ihrem Werk Betriebswirtschaftslehre der Nachhaltigen Unternehmung (2004) erwiesen.

Die Begriffe Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung werden nachfolgend gleichbedeutend verwendet.

2. Grundlagen unternehmerischer Nachhaltigkeit

2.1 Geschichtlicher Hintergrund

Der Begriff der Nachhaltigkeit in Deutschland hat seine Wurzeln in der Forstwirtschaft des 18. Jahrhunderts: Um die langfristige Sicherung des Baumbestandes zu gewährleisten, schrieb schon Hans Carl von Carlowitz, Oberberghauptmann in Kursachsen, dass nur soviel Holz geschlagen werden dürfe, wie auch wieder nachwüchse.2 Die bis heute gängige und weit verbreitete Arbeitsdefinition von Nachhaltigkeit wurde von der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung, auch bekannt als Brundtland-Kommission, geprägt. Im Abschlussbericht des Jahres 1987 heißt es: „Sustainable Development is a development that meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs.” 3 Das Thema der nachhaltigen Entwicklung wurde auf der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro erneut aufgegriffen.4 Das dort verabschiedete Aktionsprogramm Agenda 21 stellte Ansatzpunkte zur Lösung globaler Entwicklungsprobleme im 21. Jahrhundert vor und trug damit im Wesentlichen zur Etablierung von Nachhaltigkeit als globales Leitbild bei.5 1994 gründeten die Vereinten Nationen zur Umsetzung der Rio-Ergebnisse, speziell der Agenda 21, die Kommission für Nachhaltige Entwicklung, welche heute noch ein wichtiges Diskussionsforum der UN-Mitgliedsstaaten für umwelt- und entwicklungspolitische Themen darstellt.6

In Deutschland wurde der Nachhaltigkeitsgedanke 1994 erstmals verfassungsrechtlich verankert. 1998 veröffentlichte die Enquête-Kommission „Schutz des Menschen und der Umwelt“ ihren Abschlussbericht über die Ziele und Leitlinien einer nationalen Nachhaltigkeitspolitik7, welche 2002 bei der Formulierung der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie durch das Bundeskanzleramt erneut aufgegriffen wurden.8 Die Fortschrittsberichte zur Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie von 2004 und 2008 reflektieren seither den Stand der Bemühungen für ein nachhaltiges Deutschland.9

Auf unternehmerischer Ebene wurde das Leitbild Nachhaltigkeit zuerst in der Business Charta for Sustainable Development konkretisiert. Sie wurde im April 1991 von der Internationalen Handelskammer herausgegeben und sollte Unternehmen weltweit als Orientierungshilfe für die betriebliche Umsetzung von Nachhaltigkeitsaspekten dienen.10 Parallel gründeten etwa 50 Vertreter global führender Unternehmen das World Business Council for Sustainable Development (WBCSD), dem bald mehr als 150 Unternehmen aus über 30 Ländern angehörten.11 In Deutschland wurden indes 1984 und 1991 die Unternehmensverbände Bundesdeutscher Arbeitskreis für Umwelt- bewusstes Management (B.A.U.M.) und International Network for Environmental Management (INEM) gegründet.12

Die nachhaltige Entwicklung ist gegenüber dem älteren Begriff der Corporate Social Responsibility (CSR), welche sich vorrangig mit gesellschaftlicher Unternehmens- verantwortung befasst, abzugrenzen. Während CSR aus der Erwägung sozialer Aspekte auf Unternehmensebene entstand, wuchs der Nachhaltigkeitsgedanke primär aus Gesichtspunkten des Umweltschutzes. 13 Heute weisen beide große inhaltliche Über- schneidungen auf, wobei sich CSR im Wesentlichen auf die Berücksichtigung ökologischer und sozialer Werte beschränkt, wohingegen Nachhaltigkeit die ökono- mische Komponente einbezieht.14 Aus diesem Anlass wird nachfolgend in erster Linie der Nachhaltigkeitsgedanke behandelt.

2.2 Dimensionen der Nachhaltigkeit aus Unternehmensperspektive

Das Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit, welches dieser Arbeit zu Grunde gelegt wird, umfasst die gleichberechtigte und integrative Berücksichtigung der ökonomischen, ökologischen und sozialen Dimension. Abbildung 1 veranschaulicht diesen Zusammenhang und wird nachfolgend auf Unternehmensebene erläutert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die Dimensionen der Nachhaltigkeit

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Schaltegger et al. (2007), S. 14.

Dieökonomische Dimension

Dyllick und Hockerts (2002) definieren ökonomisch nachhaltige Unternehmen wie folgt: „Economically sustainable companies guarantee at any time cashflow sufficient to ensure liquidity while producing a persistent above average return to their shareholders.”15 Nach der erweiterten Definition von Wilkens (2007) bezeichnet die ökonomische Komponente die langfristige Existenzsicherung eines Unternehmens sowie den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit unter Berücksichtigung ökologischer und sozialer Faktoren. Die rein monetäre Betrachtung, welche Faktoren wie Wertsteigerung, Wachstum und Rentabilität in den Vordergrund stellt, wird nun also bereits durch die Integration von Umwelt- und Sozialaspekten ausgedehnt.16

Hierbei spielen zwei Kenngrößen eine Rolle: die ökonomisch-ökologische Effizienz und die ökonomisch-soziale Effizienz. Bei der sogenannten Öko-Effizienz wird ökonomische Wertschöpfung ins Verhältnis gesetzt zu ökologischer Schadens- verursachung. Analog hierzu betrachtet die Sozio-Effizienz monetär messbare Wert- schöpfung relativ zur Gesamtheit negativer sozialer Auswirkungen des Unternehmens. Die ökonomische Nachhaltigkeitsanforderung an Unternehmen stellt die Maximierung der Wertschöpfung bei gleichzeitig minimaler ökologischer und sozialer Schadens- verursachung dar.17 Allerdings ist hierbei zu berücksichtigen, dass Öko- und Sozio- Effizienz lediglich relative Größen sind: Solange die monetäre Wertschöpfung ausreichend groß ausfällt, ist mitunter sogar eine Verbesserung der Öko- oder Sozio- Effizienz zu beobachten, obgleich die absolute ökologische und soziale Schadschöpfung des Unternehmens ebenfalls steigt.18

Dieökologische Dimension

Die ökologische Nachhaltigkeitsdimension bemisst sich dagegen lediglich am absoluten Ausmaß betrieblicher Umwelteinwirkung. Die Unternehmen sind gefordert, ihre Produktionsprozesse, Produkte, Dienstleistungen, Investitionen usw. möglichst umwelt- gerecht zu gestalten, um so die ökologische Schadensverursachung zu reduzieren.19 Dabei müssen sowohl Input- als auch unerwünschte Outputgrößen in Betracht gezogen werden: Einerseits wird ein möglichst geringer Ressourcenverzehr angestrebt, demnach sind erneuerbare Ressourcen nur in dem Umfang einzusetzen, in dem auch eine Regeneration möglich ist. Nicht erneuerbare Ressourcen hingegen sollten etwa durch verbesserte Fördertechniken möglichst effektiv eingesetzt oder aber durch alternative Faktoren ersetzt werden. Unerwünschte Outputs gilt es auf der anderen Seite unter Berücksichtigung der Absorptionsfähigkeit der natürlichen Umwelt zu verringern.20

Eine Messgröße zur Beurteilung der ökologischen Nachhaltigkeit in Unternehmen ist die ökologische Effektivität, welche von Schaltegger et al. (2002) wie folgt definiert wird: „Die Öko-Effektivität misst den Grad der absoluten Umweltverträglichkeit, das heißt wie gut das angestrebte Ziel der Minimierung von Umwelteinwirkungen erreicht wurde.“21 Während jedoch in einigen Fällen, wie beispielsweise der Verringerung des CO2-Ausstoßes im Produktionsprozess, eindeutig eine Steigerung der Öko-Effektivität erreicht wird, ist die Einschätzung in anderen Fällen umstritten. Die Verarbeitung von toxischem Müll zu umweltunschädlichen Substanzen kann so z.B. einerseits als effektive Umweltschutzmaßnahme eingestuft, andererseits aber auch als ökologisch ineffektiv bewertet werden, wenn man bedenkt, dass damit der ursprüngliche Produktionsprozess von Sondermüll weiterhin unterstützt wird und das Problem nicht grundlegend gelöst ist.22 Eine klare und transparente Formulierung des beabsichtigten ökologischen Entlastungsziels und des Effektivitätsbegriffs seitens des Unternehmens kann unter Umständen dazu beitragen, diesen Bewertungskonflikt zu vermeiden. Hierbei sollte sich die Darstellung von Öko-Effektivität nach allgemein anerkannten, naturwissenschaftlichen Erkenntnissen richten, um eine größtmögliche gesellschaftliche Akzeptanz zu erzielen.23

Betriebliche Konzepte, welche die Öko-Effektivität erhöhen, verursachen vielfach höhere Kosten und stehen damit in einem vermeintlichen Zielkonflikt zur ökonomischen Dimension. Die vorliegende Arbeit versucht diesen Trade-Off zu relativieren.

Die soziale Dimension

Unternehmen haben als sozial eingeflochtene Institutionen sowohl gegenüber ihren Stakeholdern als auch gegenüber der Gesellschaft im Allgemeinen soziale Verantwortung. Unternehmerisches Handeln muss daher fortwährend eine Vielzahl an individuellen und gesellschaftlichen Ansprüchen berücksichtigen, um den sozialen Kapitalstock, das heißt das Beziehungsnetzwerk zu Individuen und Institutionen, zu erhalten. Ziel des Unternehmens ist es, gesellschaftliche Akzeptanz und Daseins- berechtigung, also Legitimation, zu erreichen und somit soziale Nachhaltigkeit zu gewährleisten.24 Wichtige gesellschaftliche und soziale Ansprüche, denen ein Unternehmen gerecht werden muss, umfassen unter anderem Gleichberechtigung in Bezug auf Geschlecht, Alter und Nationalität, Arbeitsplatzsicherheit, Sozialleistungen, Gesundheitsrisiken, Aus- und Weiterbildung und Korruptionsbekämpfung. Zu bedenken ist jedoch, dass ein Unternehmen aufgrund personeller, zeitlicher und finanzieller Begrenzungsfaktoren der Gesamtheit der herangetragenen Forderungen meist nicht nachkommen kann. Folglich muss das Management durch den Dialog mit den wichtigsten Interessensgruppen Prioritäten setzen.25

Die Sozio-Effektivität versucht analog zur Öko-Effektivität den Grad der wirksamen Erfüllung sozialer Anliegen zu erfassen. Demnach kann ein Unternehmen als sozial effektiv bezeichnet werden, wenn es „das absolute Niveau negativer sozialer Wirkungen wirksam reduziert hat und gering halten kann sowie bedeutende positive soziale Wirkungen auslöst.“26 Diese Größe ist allerdings schwer messbar und aufgrund dessen bis heute nur unscharf definiert.27 Auch hier steht das Management vor der Herausforderung, unter Umständen kostenintensive Maßnahmen der sozialen Nachhaltigkeit mit der ökonomischen Komponente zu vereinbaren.

Die Integrationsherausforderung

Aus den Wechselbeziehungen der drei dargestellten Dimensionen ergibt sich die unternehmerische Integrationsherausforderung, welche sich in zwei Aufgaben unter- gliedern lässt: Zum einen umfasst sie die simultane Berücksichtigung der drei Nachhaltigkeitsdimensionen, somit müssen die jeweiligen Parameter, Öko-Effektivität, Sozio-Effektivität, Öko-Effizienz und Sozio-Effizienz gleichermaßen verwirklicht werden. Zum anderen muss die absolute Steigerung der Öko-Effektivität und Sozio- Effektivität mit wirtschaftlichen Effizienz-Maßstäben zusammengeführt und so in die ökonomische Handlungsweise integriert werden.28 Die Integrationsanforderung ist aus betriebswirtschaftlicher Sicht die anspruchsvollste und zugleich wohl wichtigste Komponente der Nachhaltigkeit, da sie die wirtschaftliche Beständigkeit der Unter- nehmen garantiert.

2.3 Entscheidungsgrundlage für nachhaltiges Wirtschaften

Die neoklassische Sichtweise von Firmen stellt die Maximierung von Profiten für Shareholder in den Vordergrund. Ökologische und soziale Aspekte sind in dieser Betrachtung typischerweise von zweitrangiger Bedeutung.29 Angesichts der zunehmen- den Relevanz ökologischer und sozialer Belange muss nun das Unternehmen als ökonomische Einheit erweitert werden, um die drei Dimensionen von Nachhaltigkeit gleichberechtigt zu integrieren.

Diese Notwendigkeit gründet im Wesentlichen auf zwei Entwicklungen: Zum einen sehen sich Unternehmen vermehrt dem institutionellen Druck durch Staat und Regierung ausgesetzt.30 Es existieren bereits zahlreiche Gesetze und Regelungen, die eine umweltfreundliche und soziale Unternehmensführung verlangen, darunter z.B. klare Vorschriften bezüglich CO2-Emissionen, Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz.31 Durch eine nachhaltige Wirtschaftsweise umgehen Unternehmen nicht nur kostspielige Strafzahlungen und andere gesetzliche Sanktionen, sondern signalisieren gleichzeitig dem Gesetzgeber eine kooperative Einstellung, wodurch sie sich vor unbegründeten Verdachtsmomenten schützen und unter Umständen sogar positiven Einfluss auf die Gesetzgebung nehmen können.32

Andererseits bietet der Staat auch gezielte Anreizmechanismen: Aufgrund staatlich festgelegter Obergrenzen des betrieblichen CO2-Ausstoßes und handelbarer Emissions- zertifikate beziehen Unternehmen die CO2-Emission in ihre Kosten-Nutzen- Überlegungen mit ein. Idealerweise reduzieren sie ihren Ausstoß sogar soweit, dass sie durch die Veräußerung überschüssiger Zertifikate einen außerordentlichen Ertrag verbuchen können.33 Darüber hinaus können Unternehmen über öffentliche Förder- programme im Bereich der nachhaltigen Entwicklung oder mittels Subventionen für nachhaltige Industrien, wie etwa im Bereich der erneuerbaren Energien, leichteren Zugang zu Finanzkapital und fachkräftiger Beratung erhalten. So stellt die EU z.B. auf Unternehmensebene Fördergelder im Rahmen von Programmen für nachhaltige Entwicklung zur Verfügung.34

Neben institutionellem Druck sind Unternehmen auch gesellschaftlichen Kräften ausgesetzt, welche sich negativ auf ihre Wettbewerbssituation auswirken können. Marktakteure zeigen steigendes Bewusstsein für Umweltproblematiken und stellen nicht zuletzt aufgrund der besseren Informationslage herkömmliche betriebliche Strukturen in Frage.35 Das Einhalten ethischer Standards, wie etwa der Verzicht von Kinderarbeit oder der Einsatz von Mindestlöhnen, wird von den Anspruchsgruppen eines Unternehmens zumeist implizit erwartet, sodass sich eine Missachtung negativ auf Image und Umsatz auswirken könnte.36 Auf der anderen Seite verspricht der Markt zunehmend neue Absatzmöglichkeiten für umweltfreundliche Produkte; es ist hierbei unter Umständen sogar eine Steigerung der Gewinnmarge durch Preiserhöhung denkbar.37 Weitere Möglichkeiten der betrieblichen Wertsteigerung durch nachhaltiges Wirtschaften werden in Abschnitt 3 dieser Arbeit vorgestellt.

Neben den dargestellten externen Kräften ist ein Unternehmen auch mit den Problemen der Ressourcenverknappung und der Abfallwirtschaft konfrontiert. Die ständig steigende Ressourcennachfrage in Kombination mit abnehmenden Ressourcenvor- kommnissen, vor allem der nicht-erneuerbaren Ressourcen, führt langfristig zu einem unaufhaltsamen Preisanstieg.38 Der erhöhte Ressourcenverbrauch ist nicht zuletzt wegen der schnell wachsenden Volkswirtschaften Chinas und Indiens unaufhaltsam.39 Die ständig wachsende Menge an Abfall und Reststoffen droht das natürliche Gleichgewicht der Erde zu gefährden40, Unternehmen müssen deshalb langfristig auch mit einem Preisanstieg der Entsorgungskosten rechnen.

3. Wertsteigerung durch betriebliches Nachhaltigkeitsmanagement

Die unternehmerische Entscheidung, Nachhaltigkeit auf Betriebsebene zu verwirklichen, wird durch verschiedene wertschöpfende Effekte begünstigt. Hierbei lässt sich der Einfluss von Umwelt- und Sozialmaßnahmen auf die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens anhand der Variablen bestimmen, welche auch traditionell den öko- nomischen Erfolg des Unternehmens bedingen.41 Nachhaltigkeitsmaßnahmen müssen demnach auf ihre positive, negative oder neutrale Wirkung auf die nachfolgenden Erfolgsvariablen untersucht werden, wobei auch eine Korrelation der Variablen untereinander denkbar ist.

3.1 Kostenreduktion

Umwelt- und Sozialmaßnahmen bringen in der Regel leicht quantifizierbare Kostensteigerungen mit sich, wie z.B. erhöhte Personalkosten oder Kosten der Recyclingmaßnahmen.42 Auf der anderen Seite kann Nachhaltigkeit ebenso eine erhebliche Kostenreduktion bewirken, was sich zumeist in der betrieblichen Produktion zeigt. 43 Dort können durch Leistungs- und Wirkungsgradverbesserungen von Produktionsverfahren Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie Energie eingespart werden. Eine umweltbewusste Wirtschaftsweise reduziert weiterhin Abfälle und Schadstoffemissionen und senkt so die Entsorgungskosten.44

[...]


1 Vgl. Hardtke (2001), S. 84-87.

2 Vgl. Carlowitz und Irmer (2000), S. 105 f..

3 World Commission for Economic Development (1987), S. 43.

4 Vgl. Burschel et al. (2004), S. 23.

5 Vgl. Wilkens (2007), S. 18.

6 Vgl. ebd., S. 19.

7 Vgl. ebd., S. 21 und Hardtke (2001), S. 63.

8 Vgl. Müller-Christ (2010), S. 27.

9 Vgl. ebd., S. 27.

10 Vgl Mathieu (2002), S. 54.

11 Vgl. Hardtke (2001), S. 68.

12 Vgl. Burschel et al. (2004), S. 89 f..

13 Vgl. Loew et al. (2004), S. 9.

14 Vgl. ebd., S. 11.

15 Dyllick und Hockerts (2002), S. 133.

16 Vgl. Wilkens (2007), S. 8.

17 Vgl. ebd., S. 9 f..

18 Vgl. Dyllick und Hockerts (2002), S. 136.

19 Vgl. Schaltegger et al. (2007), S. 15.

20 Vgl. Dyllick und Hockerts (2002), S. 133 und Küker (2003), S. 31.

21 Schaltegger et al. (2002), S. 7.

22 Vgl. Schaltegger et al. (2007), S. 15.

23 Vgl. ebd., S. 15.

24 Vgl. Wilkens (2007), S. 12-14.

25 Vgl. Schaltegger et al. (2007), S. 15.

26 Schaltegger et al. (2002), S. 8.

27 Vgl. Schaltegger et al. (2007), S. 15.

28 Vgl. Wilkens (2007), S. 14 f..

29 Vgl. Stubbs und Cocklin (2008), S. 103.

30 Vgl. Darnall (2006), S. 360.

31 Vgl. Burschel et al. (2004), S. 309.

32 Vgl. Darnall (2006), S. 360.

33 Vgl. Placet et al. (2005), S. 35.

34 Vgl. Haar (2002), S. 692.

35 Vgl. Darnall (2006), S. 361.

36 Vgl. Burschel et al. (2004), S. 309.

37 Vgl. Darnall (2006), S. 361 f..

38 Vgl. Langenwalter (2007), S. 20.

39 Vgl. Kleindorfer et al. (2005), S. 484.

40 Vgl. Langenwalter (2007), S. 20.

41 Vgl. Schaltegger und Hasenmüller (2005), S. 10.

42 Vgl. ebd., S. 11.

43 Vgl. Müller-Christ (2010), S. 62.

44 Vgl. ebd., S. 62 f. und Placet et al. (2005), S. 32.

Details

Seiten
48
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656835691
ISBN (Buch)
9783656835707
Dateigröße
596 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v283980
Institution / Hochschule
Universität Passau – Lehrstuhl für Internationales Management
Note
1,3
Schlagworte
nachhaltiges wirtschaften wettbewerbsvorteil

Autor

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Titel: Nachhaltiges Wirtschaften als Wettbewerbsvorteil