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Der Ganztagsschulausbau. Eine Chance für Bildungsgerechtigkeit?

Hausarbeit 2014 16 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die PISA-Studie im Überblick (PISA 2000)
2.1 Der Begriff der PISA-Studie
2.2 Wer nimmt an PISA teil?
2.3 Ziele und Durchführung von PISA
2.4 Der internationale Vergleich von PISA
2.5 Der erneute „PISA-Schock“ im Jahr 2002

3. Chancengleichheit im deutschen Bildungssystem
3.1 Chancengleichheit
3.2 Der Zusammenhang von sozialer Ungleichheit und Schulerfolg

4. Eine Neuausrichtung der Schule - Ganztagsschulausbau als Konsequenz der PISA-Studie?
4.1 Bildung ein Privileg?
4.2 Erwartungen und Ansprüche an den Ganztagsschulausbau

5. Kooperation von Schule und Jugendhilfe
5.1 Das Konzept der Zusammenarbeit
5.2 Ziele der Kooperation

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dem Seminar mit dem Titel „Bildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen – Neue Fragen an Konzepte und Verfahren im Zuge des Ganztagsschulausbaus“ haben wir uns mit dem Auf- und Ausbau von Ganztagsschulen und ganztägigen Angeboten für Kinder und Jugendliche beschäftigt. In Folge dessen haben wir die Ursachen und Auswirkungen des Ganztagsschulausbaus betrachtet, wobei eine Ursache die PISA-Studie darstellte und in Folge dessen sich folgende Aussage ergibt:

„Deutschland gehört zu den vier „Weltmeistern" bei der Benachteiligung der Kinder aus sozial schwachen Schichten.“[1]

Vor allem die jüngste PISA-Studie im Jahr 2000 hat in Deutschland zu einer politischen Diskussion geführt. Das Land weist nicht nur unterdurchschnittliche Werte in den drei Kompetenzbereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaft auf, sondern ist auch Schlusslicht, wenn es um die Abhängigkeit des schulischen Erfolgs im Zusammenhang mit der Schichtzugehörigkeit geht.[2]

Auf Grund dieser Aussage, der Ergebnisse der PISA-Studie und der Thematik in der oben genannten Veranstaltung möchte ich mich in der folgenden Ausarbeitung mit der zentralen Frage beschäftigen, ob eine Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe eine Möglichkeit ist, soziale Benachteiligung abzubauen, Chancengleichheit herzustellen und eine Verbesserung der PISA-Ergebnisse zu erzielen?

Zu Beginn meiner Arbeit werde ich mich mit dem Thema PISA-Studie auseinandersetzen und einen Überblick über die Ziele, Durchführung, Teilnehmer und Ergebnisse schaffen. Anschließend befasse ich mich mit der Chancengleichheit im deutschen Bildungssystem, dabei beziehe ich mich zunächst auf den Begriff der Chancengleichheit und gehe zudem auf den Zusammenhang zwischen sozialer Ungleichheit und Schulerfolg ein. Ferner gehe ich auf den Ganztagsschulausbau ein, wobei vor allem die Defizite des Bildungssystems und die Erwartungen und Ansprüche an die Ganztagsschulen im Mittelpunkt stehen. Im letzten Kapitel werde ich die Kooperation zwischen Jugendhilfe und Schule betrachten und dabei Informationen zum Konzept und zu den Zielen der Kooperation darlegen. Zum Schluss meiner Ausarbeitung werde ich ein Fazit ausarbeiten.

2. Die PISA-Studie im Überblick (PISA 2000)

Zunächst wird ein Überblick über die Organisation der PISA-Studie geschaffen. Unteranderem geht es dabei um zentrale Begriffe, Durchführung und Ergebnisse der ersten PISA-Erhebung im Jahr 2000.

2.1 Der Begriff der PISA-Studie

PISA steht für „Pogramme for International Student Assesment“ und ist mit internationaler Durchführung, die bisher umfassendste Schulleistungsstudie.[3] Seit der ersten Erhebung im Jahr 2000[4], bewertet sie alle drei Jahre die Bildungssysteme der Teilnehmerstaaten und prüft dabei die Fähigkeiten und Kenntnisse der SchülerInnen. Die Studie ist Teil des Indikatorprogramms INES, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).[5]

2.2 Wer nimmt an PISA teil?

Im Frühsommer 2000 nahmen erstmalig, insgesamt 180.000 SchülerInnen im Alter von 15 Jahren aus 32 Staaten an der PISA-Studie teil. Deutschland beteiligte sich mit 5000 SchülerInnen aus 219 Schulen an der Studie, im Schnitt waren das 23 SchülerInnen im Alter von 15-Jahren, die getestet wurden. Damit die Ergebnisse der PISA-Studie auch innerhalb von Deutschland auf Ebene der Länder verwertbar und statistisch abgesichert sind, wurde die Stichprobe auf 1.466 Schulen erweitert.[6]

2.3 Ziele und Durchführung von PISA

Die PISA-Studie zielt darauf ab, die Grundkompetenzen der SchülerInnen zu testen, die für die gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Teilhabe notwendig sind und fragt unteranderem danach, wie gut es gelingt, die SchülerInnen auf zukünftige Herausforderungen vorzubereiten. Ferner werden schulische und außerschulische Lern – und Lebensbedingungen analysiert, um Ursachen für bestehende Unterschiede herauszufiltern.[7]

Die erste Erhebung fand, wie bereits beschrieben, im Jahr 2000 statt und erfolgte dann in einem Zyklus von drei Jahren. In jedem Zyklus werden drei Kompetenzbereiche mit jeweils einem anderen Schwerpunkt getestet. Die drei Bereiche sind Lesekompetenz, mathematische Grundbildung und naturwissenschaftliche Grundbildung. Die Tests sind eine Mischung aus Multiple Choice – Aufgaben und offenen Fragen, bei denen die SchülerInnen eigene Antworten erarbeiten müssen. Die Items, die in Gruppen zusammengefasst sind, beziehen sich jeweils auf eine realitätsnahe Situation und werden insgesamt für eine Testdauer von sieben Stunden angesetzt. Überdies, werden mit Hilfe von zweierlei Fragebögen Hintergrundmerkmale erhoben, die sich auf die SchülerInnen selbst und auf die Schule beziehen. Der SchülerInnenfragebogen wird von den SchülerInnen beantwortet, hat eine Dauer von ca. 20 – 30 Minuten und bezieht sich zum Beispiel auf die soziale Herkunft der SchülerInnen. Der Schulfragebogen beansprucht einen Zeitrahmen von ca. 30 Minuten, wird vom Schulleiter beantwortet und beinhaltet beispielsweise die finanzielle und personelle Ausstattung.[8]

2.4 Der internationale Vergleich von PISA

Im Jahr 2000 bildete die Lesekompetenz den Schwerpunkt der PISA-Studie, wobei folgende Ergebnisse erzielt wurden: Im Bereich Lesen belegte Deutschland gemeinsam mit Lichtenstein und Luxemburg einen Platz unter dem Mittelwert der OECD – Mitgliedstaaten. Finnland, Kanada, Neuseeland und Australien nahmen die Spitzenpositionen ein.[9]

Im Bereich Mathematik erreichte Deutschland, gemeinsam mit der USA, Spanien und den osteuropäischen Ländern ebenfalls nur einen unterdurchschnittlichen Wert. Im oberen Mittelfeld angesiedelt waren die nordischen und mitteleuropäischen Staaten, die Spitzengruppe bildete sich aus Japan und Korea, gefolgt von den angloamerikanischen Staaten, Finnland und der Schweiz.[10]

In der Kategorie Naturwissenschaft kommt es zu einem ähnlichen Ergebnis wie im Bereich Mathematik, Deutschland belegt einen Platz im unteren Mittelfeld. Die Spitzengruppe ergab sich aus Korea und Japan, gefolgt von dem vereinigten Königreich, Kanada, Neuseeland und Australien.[11]

[12]

2.5 Der erneute „PISA-Schock“ im Jahr 2002

„Das miserable Abschneiden 15-jähriger Schülerinnen und Schüler galt und gilt als Blamage einer Nation[…]“[13]

Platz 21 in den Bereichen Mathematik und Naturwissenschaft, Platz 22 im Bereich Lesen, so lautet das Ergebnis der PISA-Studie 2002, an der 32 Länder teilnahmen. Deutschland ist aber auch Schlusslicht bezüglich der Chancengleichheit von Kindern aus unteren sozialen Schichten. In keinem anderen Land wird es Kindern aus Arbeiterfamilien so schwer gemacht, sich zum Abitur durchzukämpfen, und in keinem anderen Land fällt die Differenzierung zwischen guten und schlechten Leistungen so groß aus wie in Deutschland. Es kann festgehalten werden, dass dem deutschen Bildungssystem etwas fehlt, was andere besser positionierte Länder haben, beispielsweise Ganztagsschulen, Lernen in Kindertagesstätten, eine spätere Notengebung, früherer Fremdsprachenunterricht, ein höherer Anteil Naturwissenschaft und eine längere Schulpflichtzeit.

3. Chancengleichheit im deutschen Bildungssystem

Wie bereits erwähnt, wird durch PISA das Problem der Bildungsbenachteiligung von SchülerInnen mit sozialen und ökonomischen Ungleichheiten ersichtlich. In diesem Zusammenhang wird im folgenden Kapitel der Zusammenhang von sozialer Ungleichheit und Schulerfolg erörtert.

3.1 Chancengleichheit

„Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“[14]

So lautet der Artikel 3 Absatz 3 im Grundgesetz, aber auch die bildungspolitische Forderung klingt ähnlich. Alle SchülerInnen sollen Chancengerechtigkeit und eine gleichwertige Behandlung erfahren, sie sollen eine gute Bildung und individuelle Förderung erleben und gleichzeitig nicht durch soziale, ethische oder kulturelle Disparitäten benachteiligt werden. Daraus folgt, dass sich Bildung am Gemeinschaftsprinzip, am Individualitätsprinzip und am Solidaritätsprinzip orientieren soll. Das Gemeinschaftsprinzip beinhaltet das Lernen und Arbeiten der Kinder in einer Gemeinschaft, das Individualitätsprinzip zielt auf die individuelle Betrachtung und Einmaligkeit der SchülerInnen und das Solidaritätsprinzip schließt die Gemeinschaftsfähigkeit und die Entfaltung des Individuums ein.[15]

3.2 Der Zusammenhang von sozialer Ungleichheit und Schulerfolg

„Zugehörigkeit zu sozial benachteiligten Schichten führt in Deutschland also besonders häufig zu Bildungsarmut.“[16]

Bereits 1960 und 1970 wurde in Deutschland die Forderung nach Verwirklichung von Chancengleichheit im Bildungssystem erlassen. Diese Realisierung sollte durch den Ausbau von sekundären und tertiären Bildungsbereichen und der Schaffung von Gesamtschulen realisiert werden. Insbesondere sollte somit der Benachteiligung von Frauen, Mädchen und Kindern entgegengewirkt werden. Dieses Ziel konnte jedoch nicht vollständig erreicht werden. Nach wie vor herrscht in Deutschland ein starker Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft und dem Bildungserfolg, was auch die Ergebnisse der PISA-Studien darlegen.[17]

Bildung hat im Hinblick auf Zukunftsausrichtung und Zukunftschancen eine zentrale Bedeutung für Kinder und Jugendliche, dabei ist sie zentraler Schlüssel für die Positionierung und Integration in der Erwachsenengesellschaft. Die Zugänge zur Bildung sind allerdings ungleich verteilt, was auch die mehrfach erwähnte PISA-Studie(2000) aufzeigt. Das Problem ist die Bildungsbenachteiligung von SchülerInnen mit sozialen und ökonomischen Disparitäten. PISA zeigt auf, dass der Bildungserfolg in Deutschland in einem signifikanten Zusammenhang zur Ethnizität und sozialen Positionierung der Herkunftsfamilie steht. Dabei wird erkenntlich, dass Gymnasien überdurchschnittlich häufig von deutschen SchülerInnnen aus einer höheren sozialen Schicht besucht werden, Hauptschulen dagegen sind „Sammelbecken“ für Schülergruppen aus bildungsfernen Familien und ausländischer Herkunft. Ethnie und Armut sind aus diesem Grund entscheidende Hürden für die Bildungskarriere.[18]

Die höchste und bedeutsamste Barriere im deutschen Bildungssystem ist der Übergang von der Grundschule auf eine weiterführende Schule, wo die Weichen für die weitere Entwicklung der Bildungsbiografie gestellt werden. Durch die PISA-Studie wird deutlich, dass soziale Ungleichheit in den Bildungschancen und im Risiko von Bildungsarmut im Laufe der Pflichtschulzeit zunimmt, was primär durch ungleiche Lernmilieus und Lehrpläne in unterschiedlichen Schultypen deutlich wird. Dies führt zu ungleichen Chancen der Kompetenzentwicklung bei gleichen Leistungsvoraussetzungen bzw. Ausgangsbedingungen.[19]

[...]


[1] Geißler; 2004; S. 13

[2] Huisken; 2001; S.11-25

[3] OECD

[4] PISA 2000; 2001; S. 17

[5] https://www.mpib-berlin.mpg.de/Pisa/PISA_im_Ueberblick.pdf

[6] Vgl. PISA 2000; 2001; S.18f.

[7] Vgl. https://www.mpib-berlin.mpg.de/Pisa/PISA_im_Ueberblick.pdf

[8] Vgl. PISA 2000; 2001; S. 17

[9] Vgl. https://www.mpib-berlin.mpg.de/Pisa/PISA_im_Ueberblick.pdf

[10] Vgl. https://www.mpib-berlin.mpg.de/Pisa/PISA_im_Ueberblick.pdf

[11] Vgl. https://www.mpib-berlin.mpg.de/Pisa/PISA_im_Ueberblick.pdf

[12] Vgl. https://www.mpib-berlin.mpg.de/Pisa/PISA_im_Ueberblick.pdf

[13] Vgl. Huisken; 2005; S. 11

[14] Artikel 3 Absatz 3 GG

[15] Kortas u.a.; 2009; S. 22f.

[16] Dombrowski Solga; 2009; S.16

[17] Vgl. Dombrowski Solga; 2009; S.14

[18] Palentien u.a.; 2007; S. 7

[19] Vgl. Dombrowski Solga; 2009; S. 16

Details

Seiten
16
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656841890
ISBN (Buch)
9783656841906
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v284230
Institution / Hochschule
Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach
Note
1,7
Schlagworte
ganztagsschulausbau eine chance bildungsgerechtigkeit

Autor

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