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Analyse der Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Argentinien

Hausarbeit 2014 17 Seiten

BWL - Sonstiges

Leseprobe

Gliederung

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Einführung in das Thema Arbeitslosigkeit
2.1 Der Begriff Arbeitslosenquote
2.2 Arten der Arbeitslosigkeit
2.2.1 Friktionelle Arbeitslosigkeit
2.2.2 Saisonale Arbeitslosigkeit
2.2.3 Konjunkturelle Arbeitslosigkeit
2.2.4 Strukturelle Arbeitslosigkeit

3 Analyse der Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Argentinien
3.1 Kurze Einführung in das Land Argentinien
3.2 Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit seit 1991
3.2.1 Die Krise um 1995
3.2.2 Die Krise um 2001 und die Entwicklung bis heute

4 Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Arbeitslosigkeit

Abbildung 2: Bruttoinlandsprodukt

1 Einleitung

Die Arbeitskraft stellt eine sehr wichtige Ressource der Wirtschaft dar. Bei der Beurteilung der wirtschaftlichen Lage eines Landes ist es wichtig zu wissen, in welchem Ausmaß die Ressource „Arbeit“ genutzt wird. Da Arbeitslose nicht zur Erzeugung von Gütern oder Dienstleistungen beitragen, wird davon ausgegangen, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei steigender Arbeitslosenquote sinkt.[1] Um den Beschäftigungsgrad feststellen zu können, wird die Arbeitslosenquote als Maßstab genutzt. [2] Es gibt verschiedene Ursachen, die zur Arbeitslosigkeit führen können. Sie werden in vier Arten differenziert. Definieren lässt sich Arbeitslosigkeit im volkswirtschaftlichen Sinne als die Gesamtheit der arbeitsfähigen und arbeitswilligen Menschen, die keinen Arbeitsplatz finden, der ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten entspricht.[3] Der Verlust des Arbeitsplatzes kann von einer Verringerung des Lebensstandards bis hin zur absoluten Armut führen.[4]

Ziel dieser Facharbeit ist es, die Entwicklung der Arbeitslosigkeit am Beispiel des Landes Argentinien zu analysieren.

Während dieser Analyse wird der Zeitraum von 1991 bis heute beleuchtet. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zählte Argentinien zu den zehn reichsten Ländern der Welt. Durch Wirtschafts- und Finanzkrisen änderte sich dies stark.[5] Besonderes Augenmerk wird bei dieser Analyse auf die Zeiten der Krisen gelegt und es werden Vergleiche zum BIP gezogen. Bezug genommen wird aber auch auf die verschiedenen Arten der Arbeitslosigkeit, und die Gründe, wie es zu der hohen Arbeitslosigkeit während der Krisen und danach kam.

2 Einführung in das Thema Arbeitslosigkeit

2.1 Der Begriff Arbeitslosenquote

Die Arbeitslosenquote ist der Anteil der gemeldeten Arbeitslosen an der Gesamtanzahl der Erwerbspersonen. Als Erwerbspersonen bezeichnet man alle, die Arbeit haben oder aktiv nach einer Arbeitsstelle suchen. Nicht dazu gezählt werden Heranwachsende, die das Arbeitsalter noch nicht erreicht haben, Rentner und arbeitsunwillige Menschen.[6] Es gibt drei verschiedene Begriffe, wie die Beschäftigungssituation am Arbeitsmarkt gekennzeichnet wird. Liegt die Arbeitslosenquote unter 1 % spricht man von einer Überbeschäftigung. Von Unterbeschäftigung ist die Rede, wenn 3 % überstiegen werden. Eine Vollbeschäftigung liegt vor, wenn die Arbeitslosenquote zwischen 1 und 3 % liegt.[7]

2.2 Arten der Arbeitslosigkeit

2.2.1 Friktionelle Arbeitslosigkeit

Die friktionelle Arbeitslosigkeit stellt meistens nur ein kurzfristiges Problem dar. Sie ist auch unter den Namen Fluktuationsarbeitslosigkeit und Sucharbeitslosigkeit bekannt. Diese Art der Arbeitslosigkeit bezeichnet die Zeit zwischen der Aufgabe oder des Verlustes eines Arbeitsplatzes und dem Finden einer neuen Beschäftigung. Wesentliche Unterschiede über die Dauer dieser Arbeitslosigkeit lassen sich an dem Zustandekommen des Arbeitsplatzwechsels erkennen. Wird der Arbeitsplatz aus freiem Willen und eigenem Ansporn gewechselt, so ist anzunehmen, dass der Arbeitnehmer erst kündigen wird, wenn er einen Vertrag für einen neuen Arbeitsplatz, der seinen Vorstellungen entspricht, unterzeichnet hat. Die Dauer der friktionellen Arbeitslosigkeit sinkt somit sehr stark. Anders ist es bei einer Kündigung durch den Arbeitgeber. Der Verlust des Arbeitsplatzes kommt plötzlich und unerwartet. Der neue Arbeitslose wird somit viel Zeit damit verbringen, Informationen über mögliche Neuanstellungen zu beschaffen und diese nach seinen persönlichen Bedürfnissen auszuwerten.[8] Dabei können Arbeitsmarktinstitutionen unterstützen. Die Aufgabe solcher Institutionen besteht darin, Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage passend zueinander zu vermitteln. Je effektiver und effizienter diese und die Arbeitsuchenden zusammenarbeiten, desto kürzer ist die friktionelle Arbeitslosigkeit. Es ist eines der wirkungsvollsten arbeitsmarktpolitischen Instrumente zur Verringerung der friktionellen Arbeitslosigkeit.[9]

2.2.2 Saisonale Arbeitslosigkeit

Diese Art der Arbeitslosigkeit ist keine Folge aus generellen Nachfrageausfällen, sondern betrifft nur verschiedene Berufsgruppen in verschiedenen Phasen des Jahres. Sie ist abhängig von einem wechselnden Klima oder von Schwankungen in der Nachfrage. Einflüsse des Klimas auf den Produktionsprozess lassen sich zum Beispiel in der Landwirtschaft in Dürre- oder Regenzeiten sowie im Winter erkennen. Auch in der Baubranche ist das Arbeiten in den Wintermonaten nur schwer bis gar nicht möglich. In der Gastronomie lässt sich diese Art der Arbeitslosigkeit ebenfalls beobachten. Ein Beispiel hierfür ist die Einstellung von Personal für die Sommermonate in Eisdielen. Aus solchen Gründen kommt es in diesen Fällen vor, dass Arbeiter in Winter- oder langanhaltenden Schlechtwetterphasen arbeitslos werden. Nachfrageschwankungen treten zum Beispiel durch wiederkehrende traditionelle Feste wie Weihnachten und Ostern oder auch durch Jahreszeitenwechsel wie in der Tourismusbranche in Haupt- und Nebensaison auf. Es ist vorstellbar, dass Unternehmen mit Arbeitszeitkonten eine Abhilfe schaffen könnten. Für die Arbeitnehmer wäre es möglich, in der Hochsaison Überstunden zu sammeln und diese in den saisonal schwächeren Phasen mit Freizeit- oder Urlaubstagen auszugleichen und dennoch bezahlt zu werden. Gibt es allerdings solche gravierenden Schwankungen, dass sie auch nicht durch Arbeitszeitkonten gedeckt werden können, so führt es zur Entlassung und somit zur saisonalen Arbeitslosigkeit der Arbeitnehmer.[10]

2.2.3 Konjunkturelle Arbeitslosigkeit

Die konjunkturelle Arbeitslosigkeit tritt auf, wenn die Nachfrage auf dem Markt zurückgeht. Während der ersten Phase des Konjunkturzyklus’, dem Aufschwung, wächst die Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitnehmern, damit die Produktion mit der steigenden Nachfrage mithalten kann. Während der zweiten Phase, dem Boom, steigen Löhne und Gehälter der Arbeitnehmer sowie Preise und Zinsen. Sobald die Konjunktur aber wieder abnimmt und es Mängel in den Absatzmöglichkeiten gibt, müssen Unternehmen die Produktion herunterfahren und Mitarbeiter entlassen. Diese Mitarbeiter sind konjunkturell bedingt arbeitslos, werden aber in der Regel wieder eingestellt, sobald sich die wirtschaftliche Lage verbessert. Die verschiedenen Wirtschaftsbereiche sind davon unterschiedlich betroffen. Konjunkturelle Arbeitslosigkeit kann demnach sowohl ein kurz- bis mittelfristiges als auch ein langfristiges Problem darstellen.[11] Denn wenn die Wirtschaft nur sehr langsam und nicht mehr auf das Niveau vor der Krise wächst, so können aus Konjunkturarbeitslosen auch langfristige Arbeitslose werden. Diese lang- oder längerfristige Arbeitslosigkeit erschwert das Finden einer neuen Arbeitsstelle und den Wiedereinstieg in einen Beruf erheblich. Während der andauernden Arbeitslosigkeit wird die Technik weiter voranschreiten. Dadurch veralten die einst erworbenen Qualifikationen der Arbeitssuchenden oder geraten durch zu langes Aussetzen der Tätigkeit in Vergessenheit. Zeitgleich haben die Arbeitgeber bei einer Arbeitsplatzvergabe höhere Anforderungen die erfüllt werden müssen und denen die Arbeitssuchenden nicht immer gerecht werden können.[12]

2.2.4 Strukturelle Arbeitslosigkeit

Eine andere, aus dem Englischen stammende, Bezeichnung für die strukturelle Arbeitslosigkeit ist „Mismatch“ und bedeutet so viel wie „fehlende Übereinstimmung“. Bei dieser Art handelt es sich nicht um einen allgemeinen Mangel an Arbeitsplätzen. Die Zahl der offenen Stellen und die der Arbeitssuchenden können durchaus übereinstimmen oder sie sogar übersteigen, dennoch bleiben viele der offenen Stellen unbesetzt. Dies kann verschiedene Gründe haben. Der Arbeitsmarkt besteht aus verschiedenen Teilmärkten und so sind auch die von den Unternehmen gewünschten und die vom Arbeitsuchenden vorzuweisenden Qualifikationen unterschiedlich und stimmen nicht immer überein. Einen Lösungsansatz für fehlende oder zu sehr abweichende Qualifikationen bietet eine Umschulung, um den jeweiligen Arbeitsplatzanforderungen zu entsprechen. Aber auch die geografische Lage von Arbeitsplatz und Arbeitsuchendem passt nicht immer zusammen. Solche Charakteristika wie Qualifikation und Wohnort der Arbeitskräfte sind in den meisten Fällen nicht so schnell zu verändern. Dies hat sowohl mit dem Wollen als auch mit dem Können zu tun. Bei einem Wohnortwechsel wird das gewohnte soziale Umfeld verlassen und neue Kontakte müssen geknüpft werden. Wenn die Familie mit umzieht, sind noch weitere Faktoren zu berücksichtigen, so zum Beispiel der Schulwechsel der Kinder oder gegebenenfalls ein neuer Arbeitsplatz für den Partner. Auch bei dieser Art der Arbeitslosigkeit ist der technische Fortschritt ein weiterer wichtiger Aspekt, der Berücksichtigung in dem Zustandekommen der Arbeitslosigkeit findet. Mit technischem Fortschritt können Arbeitskräfte durch Maschinen ersetzt werden. Unternehmen können somit Zeit und Geld sparen, was wiederum zu einem höheren Gewinn führt.[13] Ein weiterer Grund für strukturelle Arbeitslosigkeit ergibt sich aus der Lohnstarrheit und Arbeitsplatzrationierung.[14]

3 Analyse der Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Argentinien

3.1 Kurze Einführung in das Land Argentinien

Argentinien ist eine spanischsprachige Republik im Süden Südamerikas. Die Hauptstadt ist Buenos Aires. Die Einwohnerzahl beträgt etwa 41 Millionen. Laut offizieller Statistik leben 5,4 % der Menschen unter der Armutsgrenze.[15] Das Land wird seit 2007 von der Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner regiert. Gleichzeitig ist sie Regierungschefin und setzt sich mit einer linksprogressiven Transformationspolitik für Demokratisierung und soziale Umverteilung ein. Sie gehört der peronistischen „Partido Justicialista“ (PJ) an.[16] Weitere vertretene Parteien sind die radikale Partei „Unión Cívica Radical“ (UCR) und seit einigen Jahren die bürgerlich konservative Partei PRO.[17] Es sind nahezu alle Klimazonen vertreten. Dies ermöglicht eine abwechslungsreiche Landwirtschaft. Argentinien steht weltweit auf Platz acht der größten Agrarexporteure. Die wichtigste Anbaukultur ist die Sojabohne, Produkte wie Weizen, Fleisch und Wein haben ebenfalls einen hohen Stellenwert. Argentinien hat eine stark exportorientierte Automobilindustrie. Die ansässigen Großkonzerne sind überwiegend Filialen ausländischer Firmen aus Brasilien, den USA und aus Europa. Die Mehrheit besteht allerdings aus kleineren argentinischen Unternehmen.[18] Der wichtigste politische und wirtschaftliche Partner ist bis heute Brasilien. Durch vertragliche Vereinbarungen koordinieren die beiden Länder ihre wirtschaftlichen Aktivitäten und arbeiten zusammen.[19] Die Förderung von Bildung nahm in den vergangenen zehn Jahren stark zu. Die Regierung bemüht sich um gebührenfreie staatliche Schulen und Universitäten um die Armut durch eine höhere Bildung zu verringern.[20] Die Institution „Red de Servicios de Empleo“ steht für die Unterstützung Arbeitssuchender, sowie Arbeitnehmern und -gebern.[21]

[...]


[1] Das Bruttoinlandsprodukt fasst alle Einkommen, die in der Volkswirtschaft entstehen, oder die Summe aller Ausgaben, die für den Erwerb produzierten Güter und Dienstleistungen anfallen, zusammen. Vgl. Mankiw (2011), S. 21

[2] Vgl. Mankiw (2011), S. 44ff., 332ff.

[3] Vgl. Franz (2013), S. 352ff.

[4] Unter Armut versteht man eine mangelnde Befriedigung von Grundbedürfnissen wie Nahrung, Wohnung und Kleidung. Absolute Armut ist laut der Weltbank ein Tageseinkommen von 1,25 US$. Erforderliche Nahrung und lebenswichtige Bedarfsartikel können damit nicht mehr erworben werden. Vgl. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (18.10.2014)

[5] Vgl. Muno (2006), S. 6

[6] Vgl. Burda / Wyplosz (2009), S. 7

[7] Vgl. Seidel (2012), S. 49

[8] Vgl. Nachtwey (1997), S. 111f.

[9] Vgl. Donnevert (1990), S. 7ff.

[10] Vgl. Oschmiansky (2010) und Nachtwey (1997), S. 110f.

[11] Vgl. Seidel (2012), S. 290

[12] Vgl. Rothschild (1994), S. 3

[13] Vgl. Rothschild (1994), S. 3f., 118ff. und Westermann (1993), S. 40f.

[14] Lohnstarrheit bedeutet, dass sich Löhne nicht ausreichend anpassen, um einen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt herzustellen. Vgl. Mankiw (2011), S. 215

[15] Vgl. Auswärtiges Amt (04.10.2014a)

[16] Das Thema „Peronismus“ ist zu umfassend, um sich in dieser Arbeit damit zu befassen. Zusammenfassend kann man sagen, dass sich diese Partei für Arbeitnehmer einsetzt. Vgl. Auswärtiges Amt (04.10.2014b)

[17] Vgl. Auswärtiges Amt (04.10.2014b)

[18] Vgl. Auswärtiges Amt (04.10.2014c)

[19] Vgl. Auswärtiges Amt (04.10.2014d)

[20] Vgl. Auswärtiges Amt (04.10.2014e)

[21] Vgl. Ministerio de Trabajo, Empleo y Seguridad Social de la Nación (04.10.2014)

Details

Seiten
17
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656841463
ISBN (Buch)
9783656841470
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v284270
Note
1,3
Schlagworte
analyse entwicklung arbeitslosigkeit argentinien

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