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Die Umsetzung von Hitlers Erziehungsmaximen in Ernst Kriecks "Nationalsozialistische Erziehung begründet aus der Philosophie der Erziehung"

Hausarbeit 2011 15 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I.. Einleitung

II. Hauptteil
II. 1. Forschungsgegenstand
II. 1.1. Erziehung und Weltanschauung
II. 1.2. Ernst Kriecks Gedanken zur Erziehung
II. 2. Hitler und Krieck im Vergleich
11.2.1. Weltanschauungen
11.2.2. Der Typus als Erziehungsziel
11.2.3. chulbildung

III. chluss

IV. Quellen- und Literaturverzeichnis
IV.1. Quellenverzeichnis
IV.2. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

In der Fachliteratur wird bis heute über die Verbindung Emst Kriecks zum Nationalsozialismus gestritten, ob er seiner eigenen Theorie einer Pädagogik treu geblieben sei oder ob er sich selbst bedingungslos in den Dienst des nationalsozialistischen Führers gestellt habe1. Er selbst wiederum bezeichnete sich als „Nationalsozialismen] auf eigene Faust“2.

Diese Arbeit möchte deshalb klären, ob und inwiefern sich Hitlers in Mein Kampf geäußerte Überlegungen zur Erziehung in Ernst Kriecks 1933 erschienenem Werk Nationalsozialistische Erziehung begründet aus der Philosophie der Erziehung wiederfinden lassen. Dabei muss sie Kriecks spezielle Definition von Erziehung und Erziehungswissenschaft beachten, denn laut Krieck ist Erziehung - im Unterschied zur geläufigen Definition in der Pädagogik seit Rousseaus Emile - eben nicht nur die bewusste Einwirkung des Erziehers auf den Zögling. Erziehung war für ihn überall dort zu finden, wo sich ein Mensch wandelt, d.h. „zur Erziehung haben wir alles Tun bis hinunter zu den Suggestivwirkungen zu rechnen, wofern nur davon eine erziehende Wirkung ausgeht“3. Für Krieck ist somit der Staat der wichtigste Erzieher und seine

Schriften behandeln nicht nur Fragen der Erziehung und Bildung, sondern auch des Gesellschaftsaufbaus im Allgemeinen. Deshalb wird diese Arbeit sich zuerst mit der Frage befassen, wie für Krieck in Nationalsozialistischer Erziehung begründet aus der Philosophie der Erziehung Erziehung definiert ist4, um diese Hitlers Ausführungen gegenüberzustellen5. So möchte sie einen Beitrag zur historischen Bewertung der Rolle des Nationalsozialismus in Kriecks Erziehungstheorie zur Zeit der Machtübernahme leisten.

II. Hauptteil

11.1. Forschungsgegenstand

11.1.1. Erziehung und Weltanschauung

Dieser Abschnitt soll die grundsätzlichen Überlegungen von Krieck und Hitler6 behandeln, das Gebiet der Erziehung soll abgesteckt werden und die Meinungen zur Erziehbarkeit des Menschen und dem Ablauf der Erziehung in der Gemeinschaft dargestellt werden. Durch die extrem ausgeweitete Verwendung des Erziehungsbegriffs7 sind in beiden Schriften die Ansichten ihrer Verfasser untrennbar mit allgemeinen weltanschaulichen Auffassungen verbunden und sind deshalb nach heutiger Definition eher den wissenschaftlichen Gebieten von Politik und Soziologie zuzuordnen8. Die folgende Darstellung von Kriecks Gedanken zur Erziehung soll helfen, den Forschungsgegenstand dieser Arbeit genauer einzugrenzen.

II.1.2. Ernst Kriecks Gedanken zur Erziehung

In Nationalsozialistische Erziehung begründet aus der9 Philosophie der Erziehung verfasste Ernst Krieck den Entwurf einer Weltanschauung, in der der Begriff Erziehung eine tragende Rolle im gesellschaftlichen Leben spielt. Da sich Erziehung für Krieck einzig durch eine „erziehende Wirkung“10 auszeichnete, sei die Gemeinschaft, in der ein Mensch Glied ist, auch dessen Erzieher11. Umgekehrt wirke dann jede Handlung „primär unbewusst und unbeabsichtigt“ 12

[...]


1 Einige Beispiele seien hier kurz erwähnt: Ernst Hojer, Nationalsozialismus und Pädagogik. Umfeld und Entwicklung der Pädagogik Ernst Kriecks. Würzburg 1996, S. 67: „Krieck ist besonders deshalb interessant, weil sich gerade an seiner Person deutlich verfolgen läßt, wie die [...] irrationalistische Strömung dem Nationalsozialismus - auch seitens der Pädagogik - nicht nur keinen Widerstand entgegensetzt, sondern seinen Tendenzen ganz und gar entgegenkommt". Hermann Giesecke, Theorie und Praxis nationalsozialistischer Erziehung. Weinheim [u.a.] 1993, S. 43: „Sie [die NSDAP] hatte kaum kulturell bedeutsame Persönlichkeiten in ihren Reihen vorzuweisen. In dieser Lücke sah Krieck offenbar eine Chance, seine Vorstellungen zur Geltung zu bringen". Ebd. S. 60: „Ich vermag in Kriecks Hinwendung zum Nationalsozialismus also keinen Bruch zu erkennen". Gerhard Brückner, Die Mythologisierung von Erziehungswirklichkeit und Erziehungswissenschaft bei Ernst Krieck. Ein Beitrag zur Entstehung nationalsozialistischer Erziehungstheorie. [o.O.] 1975, S. 1: „Bei Durchsicht der [...] Literatur zu Ernst Kriecks Erziehungsgedanken fällt auf, dass die Autoren fast durchweg die frühen Werke Kriecks vernachlässigten [...] und damit den Eindruck entstehen lassen, als wären Kriecks Schriften [...] primär der nationalsozialistischen Herrschaft angepasste". Hans-Jochen Gamm, Führung und Verführung. Pädagogik im Nationalsozialismus, München 1964, S. 95: „An ihm [Krieck] wird [...] deutlich, wie die pädagogischen Vorstellungen eines gutbegabten Erziehungswissenschaftlers, durch Zeitumstände radikalisiert, schließlich in den Ideologiebetrieb des totalen Staates einmünden". Fritz Stippel, Die Zerstörung der Person. Kritische Studie zur nationalsozialistischen Pädagogik, Donauwörth [1957], S. 1: „Er [ist] der Inspirator und ,Vollender' (Hördt) aller Richtungen und Strömungen innerhalb des völkisch­politischen Erziehungsdenkens".

2 Ernst Krieck, Mein Weg zum Nationalsozialismus. In: Die Badische Volksschule, Wochenschrift des Nationalsozialistischen Lehrerbundes 1 (1933), S. 386.

3 Ernst Krieck, Nationalsozialistische Erziehung begründet aus der Philosophie der Erziehung. Osterwieck am Harz [1933], S. 4.

4 Kapitel 8 Was ist Philosophie der Erziehung? legt die Krieck'schen Grundsätze einer neuen Erziehungswissenschaft fest und ist für diese Arbeit nicht relevant.

5 In Mein Kampf werden die Kapitel eins bis fünf des zweiten Bandes betrachtet werden, in denen Hitler Weltanschauung, Staatsaufbau und Gesellschaft sowie Erziehung und Bildung unter nationalsozialistischer Herrschaft beschreibt.

6 Eine ausführliche Abhandlung der Pädagogik Hitlers ist: Hubert Steinhaus, Hitlers Pädagogische Maximen. "Mein Kampf" und die Destruktion der Erziehung im Nationalsozialismus, Frankfurt am Main 1981 (Studien zur Pädagogik der Schule, Bd. 3). Eine kurze Übersicht gibt: Kurt Schwedtke, Adolf Hitlers Gedanken zur Erziehung und zum Unterricht. Eine schulpolitische Studie, Frankfurt am Main 1933.

7 Krieck, Nationalsozialistische Erziehung begründet aus der Philosophie der Erziehung, S. 29.

8 Ebd. S. 14.

9 Eine gelungene Übersicht gibt hierüber: Karl Christoph Lingelbach, Erziehung und Erziehungstheorien im nationalsozialistischen Deutschland. Ursprünge u[nd] Wandlungen d[er] 1933-1945 in Deutschland vorherrschenden erziehungstheoret[ischen] Strömungen; ihre politischen] Funktionen und ihr Verhältnis zur ausserschul[ischen] Erziehung d[es] „Dritten Reiches", Frankfurt am Main 1987 (Sozialhistorische Untersuchungen zur Reformpädagogik und Erwachsenenbildung, Bd. 6), S. 65-80.

10 Krieck, Nationalsozialistische Erziehung begründet aus der Philosophie der Erziehung, S. 4.

11 Ebd. S. 1. Krieck benutzt den Ausdruck „Glied" um anzuzeigen, dass jemand einer übergeordneten Gemeinschaft zugehörig ist.

12 Ebd. S. 3.

Details

Seiten
15
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656846314
ISBN (Buch)
9783656846321
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v284336
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,3
Schlagworte
Erziehung Pädagogik Mein Kampf Ernst Krieck Nationalsozialismus

Autor

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