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Die Sprechsituation in Wiliam Wordsworths "Lines Composed a few Miles above Tintern Abbey"

Seminararbeit 2004 18 Seiten

Anglistik - Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Romantische Epoche

3. Die Sprechsituation in Wordsworths „ Lines
3.1. Explizite Subjektivität und „lyrisches Ich“
3.2. Die Bedeutung von Vergangenheit und Gegenwart für das lyrische Ich in Wordsworths “Lines
3.3. Die Kommunikationspartner des lyrischen Ichs in Wordsworths „ Lines

4.Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit William Wordsworths „ Lines Composed a few Miles above Tintern Abbey “. Wordsworth stellt einen der bedeutendsten englischen Repräsentanten der Romantischen Lyrik dar und anhand seines Werkes „ Lines “ lässt sich sein Gedankengut in kompakter Form erfassen. „ Lines “ vermittelt einen nahezu vollständigen Überblick über seine Grundhaltung, seine moralischen Werte und seine Lebensphilosophie.

Zunächst soll die vorliegende Arbeit einen kurzen Überblick über die literarische Epoche der Romantik geben. Dies dient einerseits dem Verständnis der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse, die zu dieser Zeit vorherrschten, und hilft andererseits bei der Einordnung von „ Lines “ und dessen Interpretation.

Als nächstes geht die Arbeit auf die Sprechsituation des Gedichts ein, wobei als erstes die Begriffe der „expliziten Subjektivität“ und „lyrisches Ich“ anhand des Gedichtes „ Lines “ erläutert werden. Dann werden die unterschiedliche zeitlichen Ebenen untersucht, die der Autor verwendet und mit denen sich das lyrische Ich im Gedicht beschäftigt. Daraufhin soll gezeigt werden, welche Partner der Kommunikation innerhalb des Gedichtes für das lyrische Ich auftreten und wie sie es beeinflussen oder lenken.

Abschließend soll zusammenfassend gezeigt werden, in wie fern Parallelen zwischen dem Autor und dem lyrischen Ich bestehen, das grundsätzlich nicht mit dem Autor eines Stückes gleichzusetzen ist, und eine Zusammenfassung der zeitlichen Gegebenheiten innerhalb des Gedichts und der Kommunikationspartner des Sprechers gegeben werden.

2. Die Epoche der Romantik

Wie zuvor erwähnt, dient der kurze Überblick über die Romantische Epoche von ungefähr 1785 bis 1830 dem besseren Verständnis der damaligen politischen sowie sozialen Umstände.

Die Epoche der Romantik stellte eine Reaktion auf die Aufklärung dar. Die Zeit der Aufklärung diente der Vernunft und der Rationalisierung der Welt. Sie stellte die Gesellschaft insgesamt, sowie den einzelnen Menschen unter Gesetzbarkeiten und machte sie berechenbar. Die Industrielle Revolution veränderte das Leben außerdem von Grund auf. Die Arbeit in Fabriken setzte sich gegenüber der häuslichen, manuellen Produktion durch. Maschinen waren dem menschlichen Körper überlegener, da sie nicht ermüdeten und somit ununterbrochen Waren produzieren konnten. Die Zeit der Aufklärung jedoch vertrat den Glauben, dass auch Menschen und Tiere wie eine Maschine funktionierten (Maschinenideal). Die Menschen wurden mit harten Arbeitsbedingungen konfrontiert, wie z.B. sehr langen Arbeitszeiten, monotoner Arbeit oder gesundheitlichen Schäden aufgrund von entstehenden Dämpfen oder Giften.

Die Aufklärung sah den Ausgangspunkt des Menschen laut Immanuel Kant in der Befreiung aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit und lehnte eine göttliche Einrichtung der Welt ab. Literatur stellte in dieser Zeit eine Angelegenheit des Verstandes dar und es galt das Prinzip der Regelpoesie, also dem Verfassen von Texten, das bestimmten Regeln zu folgen hatte. Gegen dieses Prinzip richtete sich die Romantik. Diese forderte die Rückkehr zur Natur und die Abwendung vom Rationalismus. Die Romantik befasste sich mit Themen wie zwischenmenschlichen Beziehungen, Gefühlen wie Sehnsüchte oder Ängste, und auch das Verhältnis des Menschen zur Natur und das Verhältnis zu sich selbst. Die Romantik widerruft die Epoche der Aufklärung, die diese Themen stark vernachlässigte, jedoch nicht, da die Aufklärung einen Grund für die Entstehung der Romantik darstellt.

Ein Kennzeichen für die Epoche der Romantik war ein übersteigertes Verständnis von Individualität. Entfernt sich ein Individuum von seiner Umgebung und schließt sich aus seiner Gesellschaft aus, ist es einsam und frei von gesellschaftlichen Konventionen. Bezugsgegenstand der Romantik ist also nicht mehr die Gesellschaft, sondern vielmehr die Natur, um aus ihr die natürlichen Gesetzmäßigkeiten abzuleiten. Diesem Prozess der Abwendung von der Gesellschaft und der Zuwendung zur Natur folgte jedoch später eine Wendung hin zur Gesellschaft, die an dem vorangegangenen Prozess Kritik übte.

Die Romantische Epoche beschreibt ein Zeitgefühl der Unzufriedenheit, der Ratlosigkeit und der Frustration, das sich in den Werken der herausregendsten Autoren der Romantik zeigt, zu denen neben anderen wie Tylor Coleridge oder John Keats auch William Wordsworth gehört.

Auch politische Veränderungen zeichnen diese Epoche aus. In England herrschte ab 1688 eine parlamentarische Monarchie. 1776 wurde in Nordamerika die Unabhängigkeitserklärung unterschrieben und mit dem Sturm auf die Bastille in Paris begann 1789 die revolutionäre Bewegung in Frankreich. Die Romantische Bewegung, die selbst ebenfalls ein radikales politisches Programm enthielt, zeigte sich von der Französischen sowie der Amerikanischen Revolution begeistert.

Insgesamt betrachtet stellte das Geschehen in Europa und Amerika eine Zeit extremer Veränderungen und geforderten Neuerungen dar. Die Industrielle Revolution, die amerikanische Unabhängigkeitsbewegung und die Französische Revolution bilden somit als umwälzende Faktoren Gründe für die Entstehung der Epoche der Romantik.

3. Die Sprechsituation in Wordsworths „Lines“

3.1. Explizite Subjektivität und „lyrisches Ich“

In dem Gedicht mit dem vollen Titel „ Lines Composed a few Miles above Tintern Abbey, on Revisiting the Banks of the Wye during a Tour, July 13, 1798 “ beschreibt William Wordsworth seine Wahrnehmung und sein Erleben der Natur und seine geistige Weiterentwicklung, in der er mentale Reife erlangt. Er beschreibt des Weiteren das Zusammenspiel von der Außenwelt und der menschlichen Psyche. Dieses meditative Gedicht enthält nahezu alle Schlüsselaussagen des Gedankenguts von Wordsworth, von denen hier ein kleiner Teil in Betracht gezogen wird.

Einen bedeutenden interpretatorischen Ansatzpunkt bildet oft eine Analyse der Kommunikations- bzw. der Sprechsituation, die in einem literarischen Werk vorliegt. Dieses Strukturprinzip kann Aufschluss über die kommunikativen Bezüge geben.

Grundsätzlich setzt eine Sprechsituation aus einem Sprecher (Sender) und einem Adressaten (Empfänger) zusammen.

Dies gilt es zunächst in „ Lines “ festzulegen. Bei der Analyse der Personal- und Possessivpronomina und ihrer Bezüge zueinander lässt sich über jenes Verhältnis zwischen Sender und Empfänger Aufschluss geben. Bei der Betrachtung des Senders muss der reale Autor von dem Sprecher des Gedichts unterschieden werden. Der Schriftsteller äußert sich nicht direkt, sondern drückt durch den erfundenen Sprecher des Gedichts seine Aussagen und Gefühle aus. Dieser fiktive Sprecher stellt das „lyrische Ich“ dar. Dabei spielt die grammatische Form und der Grad an Explizität, mit dem sich der Sprecher im Text zu Wort meldet, keine Rolle. Als subjektiver Sprecher und „Persönlichkeit“ kann das lyrische Ich mehr oder weniger stark hervortreten, jedoch ist es in keinem Fall mit dem Autor gleichzusetzen.[1]

[...]


[1] Vgl. Nünning, Vera und Ansgar: Grundkurs anglistisch-amerikanische Literaturwissenschaft, S.52f

Details

Seiten
18
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638302203
ISBN (Buch)
9783656888741
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v28443
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg – Anglistik/Amerikanistik
Note
2,0
Schlagworte
Sprechsituation Wiliam Wordsworths Lines Composed Miles Tintern Abbey Romantische Lyrik

Autor

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