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Das politische Handeln als menschlichen Akt in einer pluralen Welt. Die menschliche Tätigkeit des Handelns in der „Vita activa oder Vom tätigen Leben“ von Hannah Arendt

Hausarbeit 2014 13 Seiten

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die menschlichen Tätigkeiten – Arbeit, Herstellen, Handeln

3. Die Prämissen für politisches Handeln
3.1 Das menschliche Leben als Anfang und Ende des Handelns – Natalität und Mortalität
3.2 Die Pluralität in der Welt als Voraussetzung für das politische Handeln

4. Der Duktus des politischen Handelns bei Hannah Arendt

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis
6.1 Primärliteratur
6.2 Sekundärliteratur

1. Einleitung

„Handeln, handeln ist die Bestimmung des Menschen.“

Johann Gottlieb Fichte (1762 – 1814)

Diese wissenschaftliche Abhandlung beschäftigt sich mit der „Vita activa oder Vom tätigen Leben“, welches ein Werk von Hannah Arendt ist. Im speziellen wird hierbei der Fokus der Untersuchung auf das politische Handeln als menschliche Tätigkeit gelegt. Zunächst werden im Folgenden die drei Tätigkeiten, welche Arendt den Menschen zuschreibt, genauer betrachtet. Indessen wird eine Differenzierung dieser drei menschlichen Tätigkeiten, also von „Arbeiten“, „Herstellen“ und „Handeln“ vorgenommen. Im Anschluss werden die Prämissen betrachtet, welche für das politische Handeln notwendig sind. Beginnend mit der Bespiegelung der Mortalität und der Natalität und ihrer jeweiligen Bedeutung für das politische Handeln, wird dieser Abschnitt mit einer Klärung des Begriffs der Pluralität bei Arendt geschlossen. Darauffolgend richtet sich der Blick der Betrachtung auf das politische Handeln selbst, welches genauer charakterisiert und dargestellt wird.

Bevor jedoch zum Hauptteil übergangen werden kann, ist eine kurze Erläuterung über das Werk, welches dieser Abhandlung zugrunde liegt, also der „Vita activa oder Vom tätigen Leben“ opportun. Dieses Elaborat wurde – wie bereits erwähnt – von Hannah Arendt verfasst und beschäftigt sich mit dem Aktivsein während des Lebens. Die Fragestellung bezieht also auf das „Was wir tun, wenn wir tätig sind“. Die „Vita activa oder Vom tätigen Leben“ segmentiert und erläutert folglich die aufgeschlüsselten Formen des Tätigseins und hat ihre Akzentuierung auf der „Analyse der Arbeit, des Herstellens und des Handelns“.[1]

2. Die menschlichen Tätigkeiten – Arbeit, Herstellen, Handeln

Für diese Arbeit, welche sich mit dem Begriff des „politischen Handelns“ von Hannah Arendt beschäftigt, ist es unabdingbar vorab eine Differenzierung der Tätigkeiten der Menschen vorzunehmen. Diese Notwendigkeit resultiert aus der Tatsache, dass nach Arendt nicht jede menschliche Tätigkeit mit politischem Handeln gleichzusetzen ist. Arendt unterscheidet zwischen drei grundsätzlichen Tätigkeiten des Menschen; das Arbeiten, das Herstellen und das Handeln. In eben dieser Reihenfolge werden die menschlichen Tätigkeiten nun segmentiert und erläutert.[2]

Der Begriff der „Arbeit“ ist zu unterscheiden von dem heute in der Umgangssprache üblichen Gebrauch. Nach Arendt bezeichnet das Arbeiten den biologischen und physischen Prozess der Selbsterhaltung. Diese Tätigkeit führt der Mensch nicht freiwillig aus, da sie notwendig ist, um die menschlichen Grundbedürfnisse zu befriedigen.[3] Die Arbeit erzeugt also die Produkte, welche für den Erhalt des menschlichen Körpers, welcher sich in einem naturgemäßen Prozess des „Wachstum[s], Stoffwechsel[s] und [des] Verfall[s]“ befindet, erforderlich sind.[4] Diese durch Arbeit erzeugten Güter unterliegen ebenfalls einem Prozess der Entstehung und des Verfalls, denn nach ihrer Erzeugung werden sie innerhalb kürzester Zeit aufgebraucht oder unterliegen ihrer biologischen Putreszenz.[5] Eben durch diesen Prozess sind diese Konsumgüter „die unweltlichsten […] Weltdinge“, da sie – kaum erzeugt – bereits wieder verfallen oder verbraucht werden.[6]

Die Arbeit führt – Hannah Arendt zu Folge – zu einem endlosen, zyklischen Prozess des Lebens, welcher sich zwischen Erholung und Anstrengung, dem Erarbeiten und Konsumieren und letztendlich dem Leben und dem Sterben einem ständigen Wechsel folgend, stattfindet.[7] Durch diesen unaufhörlichen Prozess ist der Mensch zu einem arbeitenden Wesen, einem „animal laborans“, geworden, welches zur Entfernung vom Weltlichen und der Beziehungslosigkeit zu anderen Menschen aufgrund der Gefangenheit in der Befriedung der naturhaften Grundbedürfnisse gezwungen ist. Die Tätigkeit des Arbeitens, welches also keine Produkte erzeugt, die einen längeren Zeitraum überdauern, kann nicht vom eigenen Dasein berichten, da keine Anzeichen für dieses hinterlassen werden.[8]

Das Herstellen ist im Gegensatz zum Arbeiten eine menschliche Tätigkeit, die produktiv die Welt durch das Erzeugen von Dingen und Gegenständen, welche eine längere Zeit überdauern, formt. Dabei ist das Streben entgegen der Natur charakteristisch für das Herstellen, welches durch die Produktion von Dingen eine künstliche Welt und dadurch ein menschliches Zuhause erschafft.[9] Bei diesem Schaffungsprozess sind ein Beginn und ein Ende deutlich erkennbar. Dieser Prozess findet seinen Anfang in der Entstehung einer Idee und wird durch das fertige Objekt beendet. Die hergestellten Objekte wiederum helfen den Menschen, welcher durch Arendt nicht mehr als „animal laborans“, sondern vielmehr als „homo faber“ bezeichnet wird, einen Bereich des Öffentlichen zu gestalten, in welchem das Produkt begutachtet und sich darüber ausgetauscht werden kann – freilich ist diese Öffentlichkeit keine politische, sondern lediglich ein Bereich zum Substituieren der erschaffenen Gegenstände. Dennoch ist es dem „homo faber“, also der „Mensch[] als Hersteller von Dingen“[10], im Gegensatz zum „animal laborans“ möglich, eine solche Öffentlichkeit zu erschaffen, in welcher die Menschen in Interaktion miteinander treten können.[11]

Sowohl die Arbeit wie auch das Herstellen finden zwar in einer Gemeinschaft statt, benötigen diese für ihr eigenes Tun jedoch nicht. Dies steht im Gegensatz zum Handeln, welches unabdingbar die Zwischenmenschlichkeit und damit die Gemeinschaft für seine eigene Existenz bedarf. Das Handeln nach Arendt „die einzige Tätigkeit, […] die sich ohne die Vermittlung von Materie, Material und Dingen direkt zwischen Menschen abspielt“[12] und somit nicht in Isolierung stattfinden kann. Es ist also im Bereich der Öffentlichkeit verortet und benötigt die Interaktion mit anderen Menschen.[13] Durch das Handeln wird einerseits offenbart, wer jemand ist, andererseits entsteht ein Bezug zwischen den Menschen.[14] Dieser zwischenmenschliche Bezug bewirkt wiederum Spannungen, welche zum menschlichen Streben auf die Zukunft führt.[15] Freilich ist für diese Zwischenmenschlichkeit die Existenz von „viele[n] Menschen auf der Erde“ die Vorrausetzung. Es ist also festzustellen, das Handeln nur im Zusammenspiel von Menschen erfolgen kann, also in der Pluralität – welche im Verlauf der Arbeit als eine erforderliche Prämisse des Handelns noch genauer betrachtet wird.[16]

3. Die Prämissen für politisches Handeln

3.1 Das menschliche Leben als Anfang und Ende des Handelns – Natalität und Mortalität

Laut Arendt sind alle Tätigkeitsformen des Menschen – Arbeiten, Herstellen und Handeln – grundsätzlich vom menschlichen Leben selbst, also von der Existenz des Menschen und den damit einhergehenden Prämissen der Geburt und des Todes bedingt.[17] Da sich der Mensch ständig dem Ende seines Daseins, also seiner Mortalität bewusst ist, strebt er nach Beständigkeit, also nach Dingen, die nicht seine Kurzlebigkeit teilen und eine längere Verweildauer in der Welt besitzen.[18] Diese Beständigkeit erreicht der Mensch zum einen durch das Herstellen, mit welchem er sich eine Welt voller künstlicher Objekte schafft, die nicht dem natürlichen Verfallsprozess unterworfen sind oder diesen zumindest nur allmählich unterliegen. Eine andere Möglichkeit des Menschen ein Stück weit die Sterblichkeit zu umgehen und in der Erinnerung weiterzuleben, besteht im Handeln. Der Mensch kann durch die Schaffung und Festigung eines öffentlichen und politischen Bezugsgewebes zwischen den Menschen in der Erinnerung der künftigen Generationen bleiben und dadurch Beständigkeit und eine zumindest formale Unsterblichkeit erreichen.[19]

[...]


[1] VA: S. 14.

[2] Park, Hyok: Politik und Pluralität. S. 44.

[3] Niggemeyer, Lars: Gesellschaft und Freiheit. S. 62/ 63.

[4] VA: S. 16.

[5] Niggemeyer, Lars: Gesellschaft und Freiheit. S. 63.

[6] VA: S. 115.

[7] VA: S. 126.

[8] Kolk, Philipp zum: Hannah Arendt und Carl Schmitt. S. 23. Und: Niggemeyer, Lars: Gesellschaft und Freiheit. S. 64.

[9] VA: S. 16.

[10] Sennett, Richard: Handwerk. S. 16.

[11] Kolk, Philipp zum: Hannah Arendt und Carl Schmitt. S. 24.

[12] VA: S. 17.

[13] Park, Hyok: Politik und Pluralität. 58/ 59.

[14] Park, Hyok: Politik und Pluralität. S. 59.

[15] Barley, Delbert: Hannah Arendt. S. 92.

[16] VA: S. 17.

[17] VA: S. 17.

[18] Park, Hyok: Politik und Pluralität. S. 23.

[19] VA: S. 18. Und: Park, Hyok: Politik und Pluralität. S. 23.

Details

Seiten
13
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656847854
ISBN (Buch)
9783656847861
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v284734
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Philosophisches Seminar
Note
1,3
Schlagworte
Hannah Arendt Vita activa politisches Handeln Handeln menschliche Tätigkeiten vom tätigen Leben Vita active oder vom tätigen Leben Natalität Pluralität Arbeit Herstellen

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Titel: Das politische Handeln als menschlichen Akt in einer pluralen Welt. Die menschliche Tätigkeit des Handelns in der „Vita activa oder Vom tätigen Leben“ von Hannah Arendt