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Einsatz- und Einführungsszenarien für ein Social Business in Industrieunternehmen

Bachelorarbeit 2014 67 Seiten

Informatik - Wirtschaftsinformatik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Motivation
1.2 Zielsetzungen
1.3 Aufbau der Arbeit

2 Grundlagen und Begriffsbestimmungen
2.1 Definition von Social Business
2.2 Social Business aus Sicht der Informations- und Kommunikationstechnologie
2.2.1 Computer Supported Cooperative Work
2.2.2 Groupware
2.2.3 Collaboration Software
2.2.4 Social Software

3 Funktionen und Nutzen von Social Software
3.1 Private Nutzung von Social-Software-Funktionen
3.2 Funktionen für den Einsatz in Unternehmen
3.2.1 Social Tagging und Social Bookmarking
3.2.2 (Diskussions-)Foren
3.2.3 Weblogs (Blogs) und Microblogging
3.2.4 Wikis
3.2.5 Communities / soziale Netzwerke
3.2.6 Echtzeitkommunikation
3.2.7 Collaborative Writing
3.3 Nutzen von Social Software für Unternehmen

4 Marktübersicht zu Social Software
4.1 Anbieter im Vergleich
4.2 Top 3 im Detail

5 Einführungsstrategien für Social Software
5.1 Top-Down vs. Bottom-Up
5.2 Big Bang vs. iterative Einführung

6 Einführung von Social Software in Industrieunternehmen
6.1 Motive für die Einführung von Social Software in Industrieunternehmen
6.2 Praxiserfahrungen
6.2.1 Art und Weise der Softwarebereitstellung
6.2.2 Einführungskonzept
6.2.3 Einsatzszenarien in Industrieunternehmen
6.3 Evaluation der Praxiserfahrungen
6.3.1 Quantifizierbarkeit des Nutzens
6.3.2 Herausforderungen bei der Einführung
6.4 Erfolgsfaktoren für Social Software

7 Schlussbetrachtung

8 Literaturverzeichnis

9 Internetverzeichnis

10 Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Aufbau der Arbeit

Abbildung 2: CSCW-Forschungsgebiete

Abbildung 3: Klassifizierung von Groupware-Systemen nach dem 3-K-Modell

Abbildung 4: Web 1.0 und Web 2.0 im Vergleich

Abbildung 5: Social Software im Groupware-Kontext

Abbildung 6: Womit Internetnutzer ihre Zeit verbringen

Abbildung 7: Social-Software-Funktionen für den Einsatz in Unternehmen

Abbildung 8: Nutzen von Social Software für Unternehmen

Abbildung 9: Anbieter von Social Software im Vergleich

Abbildung 10: Ansätze für die Einführung von Social Software

Abbildung 11: Altersaufbau in Deutschland (Stand: 2013)

Abbildung 12: 5 Teilprojekte zur Einführung von Social Software

Abbildung 13: Kommunikationsplan

Abbildung 14: Projektplan zur Einführung von Social Software

1 Einleitung

Für viele Privatpersonen gehören sie bereits zum Lebensalltag und sind auch nicht mehr aus diesem wegzudenken: Social Software hat in der vergangenen Dekade einen bisher unvergleichlichen Siegeszug im privaten Sektor hinter sich und erfreut sich nach wie vor steigender Beliebtheit und Nutzerzahlen.

1.1 Motivation

Vor diesem Hintergrund stellt sich aus Sicht eines jeden Unternehmens die Frage, ob dieser Erfolg nicht auch auf den betrieblichen Einsatz übertragbar ist. Social Software für Unternehmen verändert nicht nur die Art und Weise der Kommunikation und Zusammenarbeit innerhalb des Unternehmens, sondern auch zu Lieferanten, Partnern und Kunden grundlegend. Die Einführung und der Betrieb von Social Software ist der Anstoß einer unternehmensweiten Transformation hin zu einem Social Business.

Im Rahmen dieser Arbeit wird nicht nur evaluiert, welcher Nutzen aus solch einer Transformation resultieren kann, sondern auch aus relevanten Praxiserfahrungen konkrete Empfehlungen für einzelne Schritte auf dem Weg zum Social Business abgeleitet. Ein besonderer Akzent wird hierbei auf Industrieunternehmen und der damit verbundenen Besonderheiten dieser Branche gelegt.

1.2 Zielsetzungen

In dieser Arbeit werden vier zentrale Zielsetzungen verfolgt:

1. State-of-the-Art-Überblick zum Thema Social Business und Social Software, inkl. einer Markübersicht;
2. Erarbeitung eines generischen Einführungskonzeptes, welches branchen-unabhängig auf eine Vielzahl von Unternehmen übertragbar ist;
3. Aufzeigen industriespezifischer Einsatzszenarien als Anwendungsbeispiele für Social Software;
4. Vorstellung erfolgsbestimmender Faktoren als Handlungsempfehlung für die Einführung und den Betrieb einer Social-Software-Plattform, abgeleitet aus den Herausforderungen in der Praxis.

1.3 Aufbau der Arbeit

Entsprechend der Zielsetzungen (vgl. Kapitel 1.2 Zielsetzungen) gliedert sich diese Arbeit in folgende fünf Hauptteile:

Kapitel 2 Grundlagen und Begriffsbestimmungen dient als Einstieg in das Thema Social Business und zur Schaffung einer terminologischen Basis für kontextrelevante Begrifflichkeiten der Informations- und Kommunikations-technologie (IuK-Technologie), insbesondere für Social Software.

Kapitel 3 Funktionen und Nutzen von Social Software stellt besonders geeignete Social-Software-Funktionen für den Einsatz in Unternehmen sowie deren Nutzen und mögliche betriebliche Anwendungsbeispiele vor.

Kapitel 4 Marktübersicht zu Social Software vergleicht ausgehend von einer umfangreichen Marktanalyse die besten drei Lösungen im Detail.

Kapitel 5 Einführungsstrategien für Social Software transponiert zentrale theoretische Grundkonzepte zur Softwareeinführung auf die Einführung von Social Software in Unternehmen.

Kapitel 6 Einführung von Social Software in Industrieunternehmen stellt im Kern ein detailliertes generisches Einführungskonzept vor, welches auf Unternehmen unterschiedlicher Branchen anwendbar ist und zeigt industrie-spezifische Einsatzszenarien für Social Software auf. Die anschließende Evaluation der Praxiserfahrungen beschäftigt sich mit der Problematik der Quantifizierbarkeit des unternehmerischen Mehrwertes und den generellen Herausforderungen bei der Einführung. Aus den Herausforderungen werden erfolgsbestimmende Faktoren abgeleitet, die als Handlungsempfehlungen formuliert bei Folgeprojekten Berücksichtigung finden können.

Abschließend wird in Kapitel 7 Schlussbetrachtung ein kritisches Resümee gezogen und ein Ausblick auf zu erwartende zukünftige Entwicklungen gegeben.

Die folgende Abbildung dokumentiert im Überblick den Aufbau dieser Arbeit:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Aufbau der Arbeit[1]

2 Grundlagen und Begriffsbestimmungen

Die Begriffsbestimmungen von Social Business sind in Wissenschaft und Praxis höchst unterschiedlich. In dieser Arbeit werden zunächst diese unterschiedlichen Bedeutungen dargelegt, um anschließend Social Business ausschließlich im Kontext der Informations- und Kommunikationstechnologie näher zu erläutern.

2.1 Definition von Social Business

Aus volkwirtschaftlicher Perspektive wurde der Begriff Social Business erstmals vom Friedensnobelpreisträger Muhammed Yunus im Jahre 2007 geprägt: Nach ihm bezeichnet der Begriff eine zusätzlich an der Marktwirtschaft partizipierende Organisationsform, dessen Ziel bzw. Selbstzweck es ist, bestimmte gesellschaftliche Ziele zu verfolgen.[2] Aus heutigem Verständnis der unterschiedlichen Marktteilnehmer ist hierunter eine Kombination aus einem traditionellen gewinnmaximierenden Unternehmen und einer Non-Profit-Organisation (NPO) zu verstehen: Die erwirtschafteten Gewinne dienen also nicht zur Kapitalakkumulation Einzelner oder von Anteilseignern, sondern der Volkswirtschaft als Ganzes. Im Stile einer NPO wird der Gewinn in solche Projekte reinvestiert, welche die Lösung bestimmter gesellschaftlicher Probleme verfolgen oder sich gesamtgesellschaftlichen Zielen widmen: Social Business „[…] should make profit […] to support the pursuit of long-term social goals.“[3] Praxisnahe Beispiele für ein Social Business wären demnach eine Stiftung oder eine Non-Government-Organisation (NGO). Aber auch Unternehmen, die in erhöhtem Maße ihrer sozialen Verantwortung nachkommen, könnte man im erweiterten Sinne als Social Business bezeichnen. Im Rahmen dieser Arbeit findet diese Definition von Social Business als wirtschaftliches Konzept nach Yunus allerdings keine Beachtung und dient lediglich zur begrifflichen Abgrenzung.

Im Gegensatz zur volkswirtschaftlichen Bedeutung existiert im Rahmen der Informations- und Kommunikationstechnologie ein anderes Verständnis von Social Business: „Die Globalisierung und eine weiterhin rasant ansteigende Verteilung von Aufgaben und Kooperationen erfordert neue Kommunikations- und Collaboration-Werkzeuge – und genau dort setzt Social Business an.“[4] Die modernste Form der Kommunikations- und Collaboration-Werkzeuge sind Produkte, die unter dem Begriff Social Software zusammengefasst werden können. Unternehmerisches Interesse an dem Einsatz solcher Software besteht in der Möglichkeit der Produktivitäts- und Effizienzsteigerung, die auch mit einer Kostenreduktion verbunden sein kann.[5] Social Business lässt sich also im Rahmen der IuK-Technologie wie folgt definieren:

„Social Business beschreibt die Nutzung von Social Software in Unternehmen, um die interne und externe Zusammenarbeit zu unterstützen, mit dem Ziel der Produktivitätssteigerung und der Realisierung von Kosteneinsparungen.“[6]

2.2 Social Business aus Sicht der Informations- und Kommunikationstechnologie

Die Wirtschaftsinformatik als interdisziplinäre Wissenschaft beschäftigt sich u. a. mit der Frage, wie Unternehmen sowohl operativ und taktisch als auch strategisch durch den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie bei ihrem Handeln unterstützt werden können. Zur besseren Einordnung von Social Business in die Wirtschaftsinformatik – insbesondere in die IuK-Technologie – werden im Folgenden die für diesen Kontext notwendigen Grundbegriffe erörtert.

2.2.1 Computer Supported Cooperative Work

Das Forschungsgebiet Computer Supported Cooperative Work (CSCW) beschäftigt sich mit der Frage, wie die Zusammenarbeit in Unternehmen durch Informations- und Kommunikationstechnologie unterstützt werden kann.[7] In Bezug zu der Definition von Social Business ist hierunter nicht nur die interne, sondern auch die externe Zusammenarbeit zu verstehen. Bei CSCW wird keinesfalls isoliert, sondern vielmehr interdisziplinär geforscht und hierbei die Disziplinen Wirtschaftswissenschaften und Informatik, aber auch Teile der Sozialwissenschaften – insbesondere der (Arbeits- und Organisation-)Psychologie – miteinander kombiniert.[8]

Ziel von Computer Supported Cooperative Work ist es, die Zusammenarbeit in Unternehmen zu verbessern, d. h. sie „[…] effizienter und flexibler, aber auch humaner und sozialer zu gestalten.“[9]

Das Forschungsgebiet CSCW lässt sich in drei – mit einander zusammenhängende – Bereiche untergliedern, deren Erkenntnisse sich zum Teil gegenseitig beeinflussen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: CSCW-Forschungsgebiete[10]

Ergänzend zu der grundlegenden Fragestellung, wie IuK-Technologie die Zusammenarbeit in Unternehmen unterstützen kann, setzt sich Computer Supported Cooperative Work auch mit aktuellen Trends und Entwicklungen der IT-Branche auseinander, die Einfluss auf die Arbeitswelt haben können, wie z. B.:

Mobile Workplace, Bring Your Own Device und the Internet of Everything.[11]

2.2.2 Groupware

Die Erkenntnisse des Forschungsgebietes Computer Supported Cooperative Work dienen der Wirtschaft als Grundlage für die Entwicklung von Groupware-Systemen, die durch den Einsatz von IuK-Technologie die Zusammenarbeit im Unternehmen unterstützen sollen.[12] Die Abgrenzung des Begriffes Groupware zur CSCW-Forschung ist in der Wissenschaft eindeutig: „Mit CSCW wird das Forschungsgebiet bezeichnet, das sich ganz allgemein mit der Rolle von Informations- und Kommunikations-technologien bei der Gruppenarbeit beschäftigt, während GW [Groupware] die beforschte Technologie selbst bezeichnet.“[13]

Diese Definition unterstreicht, dass es sich bei Groupware um Produkte und nicht um einen Forschungsgegenstand handelt, wohingegen wissenschaftlich umstritten ist, welche Komponenten von Informations- und Kommunikationstechnologie der Begriff Groupware tatsächlich umfasst.[14] Nach Bornschein-Grass existieren sowohl Definitionen, nach denen es sich bei Groupware ausschließlich um Softwareprodukte handelt, als auch solche, die Hardware- und Servicekomponenten inkludieren.[15] Vom etymologischen Standpunkt aus betrachtet erscheinen beide Ansätze valide, denn Groupware kann sowohl als Kombination von Group und Software als auch als Kombination von Group und Hardware verstanden werden.

Eine wissenschaftlich fundierte, allgemeingültige Definition des Begriffes Groupware gibt es also in der Literatur und Wirtschaft nicht. Der Begriffsumfang variiert je nach Perspektive des Autors und es bedarf somit jeweils einer kontextuellen Begriffs-bestimmung. In dieser Arbeit wird Groupware im Kontext von Social Business und aus Sicht eines IT-Dienstleisters wie folgt definiert:

„Groupware umfasst […] Software, Hardware und Services zur Unterstützung von Gruppen.“[16]

Groupware-Systemen lassen sich zum Beispiel durch das 3-K-Modell klassifizieren:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Klassifizierung von Groupware-Systemen nach dem 3-K-Modell[17]

Im Rahmen des 3-K-Modells wird zwischen 3 Interaktionsformen unterschieden:

Kommunikation bezeichnet ausschließlich den Austausch von Informationen, Koordination ist dann gegeben, wenn wechselseitige Abhängigkeiten zwischen den beteiligten Personen bestehen und Kooperation bezeichnet schließlich die tatsächliche Zusammenarbeit.[18]

In Bezug zu Abbildung 3 wäre als klassisches Beispiel für ein Groupware-System ein E-Mail-System zu sehen, bestehend aus:

Software (E-Mail-Server und E-Mail-Clients), Hardware (Server und Client-PCs) und Services (Netzwerk und Wartung).

2.2.3 Collaboration Software

Im semi-wissenschaftlichen Raum wird Groupware oft synonym zum Begriff Collaboration Software verwendet – als Oberbegriff für Software, Hardware und Services zur Unterstützung der unternehmensinternen und -externen Zusammenarbeit.[19] Auch in der wissenschaftlichen Literatur werden diese Begriffe oft nicht ausreichend voneinander abgegrenzt, so dass im Folgenden eine Definition von Collaboration Software nur basierend auf Erkenntnissen und praktischen Erfahrungen aus der Wirtschaft erfolgen kann.

Ray Ozzie – Entwickler des Konzeptes von Lotus Notes – meint dazu: „I use to mean any kind of software that lets people share things or track things with other people.“[20] In Bezug auf die drei Komponenten eines Groupware-Systems lässt sich Collaboration Software wie folgt gegenüber Groupware abgrenzen:

„Collaboration Software bezeichnet den Einsatz von geeigneter Software, die für die Realisierung von Groupware-Funktionalitäten erforderlich sind.“[21]

Betrachtet man als Beispiel ein E-Mail-System (vgl. Kapitel 2.2.2 Groupware) als Groupware-Funktionalität, lassen sich der E-Mail-Server und die E-Mail-Clients als Collaboration Software bezeichnen.

2.2.4 Social Software

Die neuesten Entwicklungen und Vertreter der Produktfamilie Collaboration Software wurden in den vergangenen Jahren von vielen Herstellern unter dem Schlagwort Social Software vermarktet.[22] Laut Definition bezeichnet dieser Begriff ebenfalls „[…] alle Typen von Software, die menschliche Kommunikation und Zusammenarbeit unterstützen.“[23] Eine auf den ersten Blick nachvollziehbare synonyme Verwendung zu Collaboration Software verbietet sich bei genauerer Betrachtung des technologischen Kontextes zum Zeitpunkt der Entstehung des Begriffes Social Software. In der einschlägigen Fachliteratur fällt auf, „[…] wenn von Social Software die Rede ist, stößt man relativ schnell auch auf den Begriff des Web 2.0.“[24]

Web 2.0 steht in erster Linie „[…] für eine Reihe von Technologien, mit deren Hilfe sich Webangebote besonders dynamisch und benutzerfreundlich gestalten lassen.“[25] Der Erfolg dieser Technologien besteht in der gestiegenen Bereitschaft der Nutzer, „[…] Informationen für andere bereitzustellen und diese durch Anmerkungen weiterzuentwickeln.“[26] Dies stellt einen Paradigmenwechsel dar, denn die Art und Weise, wie Nutzer im Internet agieren, hat sich seitdem grundlegend verändert:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Web 1.0 und Web 2.0 im Vergleich[27]

Anwendungen, die den Grundgedanken von Social Software – Teilen, Verlinken und Kommentieren – folgen, sind u. a.: Weblogs (Blogs), Wikis und soziale Netzwerke.[28]

Im Vergleich zu den Groupware-Funktionalitäten aus Abbildung 3 (vgl. Kapitel 2.2.2 Groupware) zeigen die Beispiele für Social Software, dass die Zuordnung zu bzw. Unterscheidung zwischen Social Software und Collaboration Software nicht immer eindeutig zu leisten ist. Folgende Definition von Social Software subsumiert den wissenschaftlichen Kenntnisstand auf den für den Sachverhalt von Social Business und zur Abgrenzung zu Collaboration Software relevanten Kern:

Social Software beschreibt modernste Collaboration Software, die durch den Einsatz von Web-2.0-Technologien in besonderem Maße „[…] das Informations-, Identitäts- und Beziehungsmanagement in […] sozialen Netzwerken unterstützt.“[29]

Die folgende Abbildung veranschaulicht die relevanten begrifflichen Zusammenhänge:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Social Software im Groupware-Kontext[30]

3 Funktionen und Nutzen von Social Software

Die Definition von Social Software beschreibt drei zentrale Funktionsbereiche[31]:

Das Informationsmanagement beschäftigt sich mit der „[…] Suche, Evaluation und Verwaltung verfügbarer Informationen, die durch die User eingestellt wurden oder sich in der Folge aus den Beziehungen zueinander ergeben.“[32]

Das Identitätsmanagement zielt auf die Selbstdarstellung der Nutzer ab und ist als Basis für eine soziale Struktur zu sehen.[33]

Das Beziehungsmanagement dient „[…] zum Aufbau, zur Pflege und zur Abbildung von Beziehungsrelationen, die es ermöglichen, Skalen- und Netzwerkeffekte nutzbar zu machen.“[34]

3.1 Private Nutzung von Social-Software-Funktionen

Im Leben vieler Privatpersonen sind diese Funktionsbereiche fester Bestandteil von Online-Applikationen der täglichen Benutzung: Durch Innovationen in der Informations- und Kommunikationstechnologie ist die Internetnutzung so rasant angestiegen, dass das World Wide Web (WWW) „[…] inzwischen weder aus unserem privaten Lebensalltag noch aus der Geschäftswelt wegzudenken ist.“[35]

Ein historischer Vergleich der weltweiten Nutzerzahlen von Radio, Fernsehen und Internet verdeutlicht die alltägliche Relevanz des Internets für viele Menschen: „Beim Radio gingen noch 38 Jahre ins Land, ehe die Zahl 50 Millionen Nutzer betrug. Beim Fernsehen dauerte es immerhin dreizehn Jahre, bis dieses Ziel geschafft wurde.“[36] Beim Medium Internet wurde diese Marke bereits nach fünf Jahren erreicht.[37] Heutzutage gibt es bereits allein in Deutschland mehr als 54 Millionen Internetnutzer, wobei die Tendenz als nach wie vor steigend zu bewerten ist.[38]

Die Vielfalt an Angeboten, die Funktionen von Social Software verwenden, ist riesig:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Womit Internetnutzer ihre Zeit verbringen[39]

3.2 Funktionen für den Einsatz in Unternehmen

Auf die Vorstellung aller oben abgebildeter Funktionen wird im Rahmen dieser Arbeit verzichtet, da einige nicht oder nur stark begrenzt für den geschäftlichen Einsatz ge-eignet sind und somit kein oder nur ein geringer unternehmerischer Nutzen identifiziert werden kann. Hierzu zählen u. a. Musik- und Video-Streaming-Portale, aber auch Plattformen für den Austausch von Fotos. Im Folgenden wird sich auf die Vorstellung von sieben geeigneten und verbreiteten Funktionen beschränkt, ihr Nutzen identifiziert und es werden Anwendungsbeispiele für den Einsatz in Unternehmen gegeben.

Für den Einsatz in Unternehmen eignen sich folgende Funktionen von Social Software:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Social-Software-Funktionen für den Einsatz in Unternehmen[40]

3.2.1 Social Tagging und Social Bookmarking

Die Funktion Social Tagging bezeichnet die Möglichkeit, Dateien oder Web-Adressen „[…] mit individuellen Stichwörtern zu versehen, die auch von anderen Nutzern durchsucht werden können.“[41] Diese Stichwörter – auch tags oder Schlagwörter genannt – müssen nicht notwendigerweise einen inhaltlichen Bezug aufweisen, sondern können z. B. auch Wertungen sein oder Hinweise zu Arbeitsprozessen liefern.[42] Hierdurch entstehen Ordnungssysteme, die von den Nutzern selbst geschaffen wurden und somit bei einer nutzerorientierten Suche nach Inhalten äußerst hilfreich sind.

Der bekannteste Internetdienst in diesem Zusammenhang ist Delicious.[43] Für den Einsatz in Unternehmen eigenen sich diese Funktionen analog zu oben genannter Beschreibung. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die tags in geschützter Umgebung und nicht im Internet frei für jedermann zugänglich sind.

Der Begriff Social Bookmarking bezeichnet in der Literatur ausschließlich das „[…] Teilen von Web-Adressen (URLs) […]“[44] mit zwei zentralen Zielen:

1. anderen Personen Empfehlungen für URLs zu geben und
2. für sich selbst „[…] wichtige Web-Adressen in kommentierter Form zu sammeln.“[45]

Im Unternehmenskontext bietet es neben der zielgerichteten Suche den Vorteil, direkt sehen zu können, wer zum Beispiel bei einer Fragestellung weiterhelfen oder weiterführende Tipps oder ggf. Links bereitstellen kann.

3.2.2 (Diskussions-)Foren

Die Funktionalität eines (Diskussions-)Forums unterstützt die Teilnahme an und Moderation von Diskussionen in virtuellen Umgebungen.[46]

Aus Sicht eines Unternehmens ist grundsätzlich zwischen zwei verschiedenen Einsatzbereichen zu unterscheiden:

Unternehmen können Foren zur externen Kommunikation einsetzen, z. B. zu ihren Produkten, „[…] um Kunden untereinander die Chance zu geben, sich selbst weiterzuhelfen.“[47] Eine Moderation dieser Foren wird oft durch eigene Mitarbeiter wahrgenommen und nicht den Kunden selbst überlassen.

Zur internen Kommunikation eigenen sich nach allgemeiner Anschauung Foren, um sich zu verschiedenen für den Arbeitsalltag oder das Unternehmen relevanten Themen strukturiert in geschützter Umgebung auszutauschen.

3.2.3 Weblogs (Blogs) und Microblogging

Ein Weblog (kurz Blog genannt) bezeichnet eine nach „[…] Erstellungsdatum sortierte Liste mit Einträgen.“[48] Diese Einträge sind „[…] meistens Texte und Bilder, in wachsendem Maße aber auch andere multimediale Inhalte wie Ton- oder Videodokumente.“[49] Leser eines Blogs konsumieren in erster Linie nur den Inhalt der Einträge. Den Konsumenten stehen aber zum Teil auch Partizipationsmöglichkeiten zur Verfügung, wie z. B. Kommentierungs- und Bewertungsfunktionalitäten.[50]

Privatpersonen erfreuen sich seit einigen Jahren an den Funktionen von Blogs und so ist es nicht verwunderlich, dass in den vergangenen Jahren ein erhebliches quantitatives Wachstum von Blogs zu registrieren war[51]: „Der persönliche Blog dient als Mitteilungszentrale, auf der meistens Erlebnisse, Meinungen und persönliche Einschätzungen kundgetan und (über Kommentare) diskutiert werden.“[52] Führende Plattformen sind in diesem Zusammenhang Blogger, Wordpress und Tumblr.[53]

Für den Einsatz in Unternehmen ist ein persönlicher Blog eher ungeeignet, dennoch ist der betriebliche Einsatz von Blogs durchaus sinnvoll, um z. B. „[…] Hinweise und Tipps, die einem bei der Arbeit weiterhelfen […]“[54], zur Verfügung zu stellen. So könnte ein Blog u. a. einen regelmäßigen Newsletter oder einen Projekt-Statusbericht ersetzen und so das E-Mail-Aufkommen reduzieren; Wissen würde im jeweiligen Kontext erhalten bleiben und nicht zwischen anderen Nachrichten untergehen: Ein Blog „[…] eignet sich hervorragend für die Übermittlung von Neuigkeiten und allen Arten von Informationen, die relativ schnell veralten oder an Bedeutung verlieren – ältere Einträge stehen eben einfach weit unten und stören nicht mehr.“[55]

In diesem Zusammenhang ist die Microblogging-Funktion – die minimalistischste Form eines Blogs – noch erwähnenswert: Unter Microblogging versteht man eine Art Pinnwandfunktion, auf der durch den Autor Kurznachrichten von begrenzter Zeichenzahl hinterlassen werden können.[56] Der Unterschied zu einem herkömmlichen Blog besteht nicht nur in der reduzierten Zeichenlänge, sondern auch in der fehlenden Möglichkeit für Konsumenten, Kommentare und / oder Bewertungen abgeben zu können. Außerdem werden die Konsumenten eines Microblogs automatisch bei Neuigkeiten benachrichtigt. Im privaten Bereich ist der populärste Vertreter dieser Funktion der Dienst Twitter.[57] Anwendungsfälle für den Einsatz in Unternehmen wären beispielsweise Hinweise auf (Unternehmens-)Neuigkeiten, die Information, an welchen Projekten in den nächsten Tagen gearbeitet wird, mit welchen Kunden man es zu tun haben wird oder von welchem Ort aus man zu arbeiten beabsichtigt und wie man dort erreichbar sein wird.

3.2.4 Wikis

Laut Definition bezeichnet ein Wiki „[…] eine webbasierte Software, die es allen Betrachtern einer Seite erlaubt, den Inhalt zu ändern, indem sie diese Seite online im Browser editieren.“[58] Durch „[…] ein System der Versionskontrolle können Änderungen […] von allen Nutzern nachverfolgt und gegebenenfalls ergänzt oder rückgängig gemacht werden.“[59] Grundsätzlich ist zwischen öffentlichen und geschlossenen Wikis zu unterscheiden:

Öffentliche Wikis richten „[…] sich über das WWW potenziell an alle.“[60] Im privaten Umfeld hat das öffentliche Wiki Wikipedia maßgeblich dazu beigetragen, dass die Akzeptanz für diese Funktionalität enorm gestiegen ist.[61]

Geschlossene Wikis sind für Arbeitsgruppen gedacht, sie dienen als Werkzeug zum Wissensmanagement und können so beispielsweise bei der Planung und Dokumentation von Projekten unterstützend eingesetzt werden.

Für den Einsatz in Unternehmen eignen sich insbesondere geschlossene Wikis für eine gemeinsame, strukturierte Aufarbeitung und Ablage von Informationen. Hierdurch kann fachliches Wissen für alle oder spezielle Mitarbeitergruppen schnell zur Verfügung gestellt, kommentiert und (weiter-)entwickelt werden.

3.2.5 Communities / soziale Netzwerke

Soziale Netzwerke sind die wohl erfolgreichsten Vertreter von Social-Software-Funktionen überhaupt. Das populärste soziale Netzwerk für Privatpersonen ist Facebook mit mehr als einer Milliarde Nutzern.[62] Andere wichtige Vertreter sind Google+ (ebenfalls für Privatpersonen) sowie LinkedIn und XING für berufliche Zwecke von Privatpersonen.[63]

Der Einsatz in Unternehmen gestaltet sich ähnlich dem im privaten Bereich, wobei der Inhalt nicht private Informationen sind, sondern diese einen beruflichen Bezug aufweisen: „Insofern hinkt die Metapher Facebook für das Unternehmen und wird manchmal sogar als abwertend empfunden.“[64] Vielmehr geht es darum, dass sich Mitarbeiter untereinander vernetzen und so der Informationsaustausch gefördert wird.

Aufgrund der gemeinsamen Interessen einzelner Personen eines sozialen Netzwerkes finden sich Gruppen zusammen: Es entstehen sog. Communities. Grundsätzlich bezeichnet der Begriff Community in der Soziologie eine „[…] Gruppe von Personen mit einer Gemeinsamkeit.“[65] Im Kontext der IuK-Technologie ist diese Definition an sich auch als valide anzusehen, bezeichnet aber im Detail die virtuelle Abbildung einer (Arbeits-)Gruppe innerhalb eines sozialen Netzwerkes.[66]

Grundlage einer jeder Community sind Nachrichtenströme, die durch weitere Funktionen ergänzt werden.[67] Die Besitzer (Owner) einer Community entscheiden selbst, welche Funktionen sie ihren Nutzern bereitstellen wollen, z. B. Blogs, Wikis oder Foren. In einer Community können auch Funktionen wie das Social Tagging zur Verfügung gestellt werden.

[...]


[1] Eigene Darstellung

[2] Vgl. Yunus (2007), S. 21

[3] Ebenda, S. 24

[4] McAfee / Weiss (2013)

[5] Vgl. Jäckel / Stegbauer (2008), S. 134

[6] Definition des Autors (J. S.)

[7] Vgl. Hasenkamp / Kirn / Syring (1994), S. 15

[8] Vgl. Rüdebusch (1993), S. 6

[9] Hasenkamp / Kirn / Syring (1994), S. 15

[10] Eigene Darstellung in Anlehnung an ebenda, S. 16

[11] Vgl. Gartner Inc. (2013)

[12] Vgl. Fersko-Weiss / Opper (1991), S. 4

[13] Krcmar / Lewe (1991), S. 1

[14] Vgl. Gross / Koch (2007), S. 6

[15] Vgl. Bornschein-Grass (1995), S. 12

[16] Gross / Koch (2007), S. 6

[17] Soyter (2014)

[18] Vgl. Laudon / Laudon / Schoder (2010), S. 707 f.

[19] Vgl. wikipedia.org (2014)

[20] Gubler (2003), S. 4

[21] Definition des Autors (J. S.)

[22] Vgl. Laudon / Laudon / Schoder (2010), S. 717

[23] Gross / Koch (2007), S. 122

[24] Baumann (2009), S. 15

[25] Ebenda, S. 15

[26] Gross / Koch (2007), S. 122

[27] Töpfer (2008), S. 9

[28] Vgl. Laudon / Laudon / Schoder (2010), S. 717

[29] Schmidt (2006), S. 2

[30] Eigene Darstellung

[31] Vgl. Schmidt (2006), S. 2

[32] Alpar / Blaschke (2008), S. 298

[33] Vgl. ebenda, S. 298

[34] Ebenda, S. 298

[35] Janssen / Plass / Rehmann / Wibbing / Zimmermann (2013), S. 42

[36] Ebenda, S. 42

[37] Vgl. ebenda, S. 42

[38] Vgl. ARD / ZDF (2013)

[39] Ethority (2012)

[40] Eigene Darstellung in Anlehnung an Schütt (2013), S. VII

[41] Schmidt (2006), S. 3

[42] Vgl. ebenda, S. 3

[43] Vgl. Schütt (2013), S. 40

[44] Ebenda, S. 40

[45] Ebenda, S. 40

[46] Vgl. ebenda, S. 41

[47] Schütt (2013), S. 41

[48] Schütt (2013), S. 38

[49] Schmidt (2006), S. 3

[50] Vgl. Schütt (2013), S. 38

[51] Vgl. Schmidt (2006), S. 7

[52] Schütt (2013), S. 38

[53] Vgl. ebenda, S. 38

[54] Ebenda, S. 39

[55] Ebenda, S. 39

[56] Vgl. Schütt (2013), S. 42

[57] Vgl. ebenda, S. 42

[58] Ebersbach / Glaser / Heigl / Warta (2008), S. 14

[59] Schmidt (2006), S. 3

[60] Ebersbach / Glaser / Heigl / Warta (2008), S. 15

[61] Vgl. Schmidt (2006), S. 10

[62] Vgl. Spiegel (2012)

[63] Vgl. Schütt (2013), S. 43

[64] Ebenda, S. 43

[65] Schütt (2013), S. 43

[66] Vgl. ebenda, S. 43

[67] Vgl. ebenda, S. 43

Details

Seiten
67
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656845171
ISBN (Buch)
9783656845188
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v284789
Institution / Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
1,3
Schlagworte
einsatz- einführungsszenarien social business industrieunternehmen

Autor

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Titel: Einsatz- und Einführungsszenarien für ein Social Business in Industrieunternehmen