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Planet der Slums? Hyperwachstum ungebremst und informell

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 29 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einführung

2 Allgemeine Bedeutung des Begriffs Slum

3 Ausbreitung und Dimension der Elendsviertel
3.1 Geschichtliche Entwicklung
3.2 Globale Dimension
3.3 Städtische Erscheinungsformen

4 Slumbildung
4.1 Politische Vertreibung
4.2 Bauprojekte
4.3 Bevölkerungswachstum
4.4 Landflucht
4.4.1 Suche nach der richtigen Unterkunft

5 Slumökologie
5.1 Trinkwasserversorgung
5.2 Müll -und Abwasserentsorgung
5.3 Umweltdegradation
5.4 Gesundheit
5.5 Naturgefahren

6 Einfluss des informellen Wirtschaftssektors
6.1 Ursachen
6.2 Organisierte Slumbildung
6.3 Untervermietung
6.4 Informelle Arbeit
6.5 Kriminalität

7 Slumräumung und Zwangsumsiedlungen

8 Konzepte zur Verbesserung der Slums
8.1 Sites and Service Projekte
8.2 Upgrading Programm
8.3 Regulierung informeller Siedlungen
8.4 Verbesserung der Slums durch Organisationen
8.5 Yunus’ Social Business

9 Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Häufigkeit städtischer Slums in Prozent

Abbildung 2: Ulan Bator

Abbildung 3: Die 30 größten zusammenhängenden Slums weltweit

Abbildung 4: Favela in Rio de Janeiro

Abbildung 5: Township vor Kapstadt

Abbildung 6: Wachstum de Weltbevölkerung

Abbildung 7: Slumtypologie

Abbildung 8: Informelle Müllsammler

Abbildung 9: Zwangsräumung in Delhi

Abbildung 10: Regulierung semilegaler Wohnviertel

1 Einführung

Eine Milliarde. So viele, der sieben Milliarden Menschen auf unserer Erde, leben in Slums oder in slumähnlichen Verhältnissen. Doch kann in Anbetracht dieser unvorstellbar großen Zahl schon von einem Planet der Slums die Rede sein? Forscher prognostizieren ein weiterhin starkes Wachstum der Weltbevölkerung und einen steigenden Anteil der sozialen Unterschicht. Sicher zu sein scheint, ohne hilfreiche Maßnahmen gegen das Problem, ist keine Aussicht auf die Linderung des Hyperwachstums absehbar. Nur die Frage nach dem „Wie“ stellt sich als schwer zu beantworten heraus. Um sich mit der Problematik der Slums konstruktiv auseinander setzen zu können, ist es notwendig, die Ursachen und Hintergründe des komplexen Themas zu verstehen und richtig zu deuten. Es gibt verschieden Arten von Slums in unterschiedlichen Regionen. Jedes Land hat eine andere Haltung gegenüber den Armenvierteln. Deshalb ist es notwendig, an die jeweiligen Bedingungen angepasste Lösungen zu suchen. Die folgende Arbeit versucht, dem Interessierten einen Einblick in die Materie zu ermöglichen, um sich ein allgemeines Bild über dieses Thema machen zu können. Der folgende Absatz gibt einen Überblick über die einzelnen Inhalte der Seminararbeit.

Das zweite Kapitel erläutert den Begriff Slum und stellt die Charakteristika dieser Siedlungen im allgemeinen Sinn dar. Um sich einen Überblick über die Dimension und die einzelnen Erscheinungsformen auf verschiedenen Kontinenten der Slums zu verschaffen, geht das dritte Kapitel näher auf dieses Thema ein. Außerdem werden kurz die ersten slumähnlichen Erscheinungen beschrieben. Das nächste Kapitel geht auf die Slumbildung ein und erarbeitet die verschiedenen Ursachen, welche für die Slumbildung entscheidend sind. Außerdem befasst sich die Arbeit mit der Slumökologie. Diese gibt einen Einblick darüber, in welchen Verhältnissen die Slumbewohner leben und mit welchen Gefahren sie täglich konfrontiert werden. Darüberhinaus ist der informelle Wirtschaftssektor nicht außer Acht zu lassen. Dieser trägt maßgebend zum Charakter der Armenviertel bei. Er übt einen großen Einfluss auf die dortige Arbeit, der organisierten Slumbildung und der illegalen Ver- und Untervermietung aus. Dieses wichtige Thema ist in Kapitel 6 bearbeitet. Im darauffolgenden Kapitel wird die Methode der Slumräumung vorgestellt und anhand eines Beispiels näher beschrieben. In Kapitel 8 sind Ansätze und Umsetzungen zur Lösung und Linderung der schlimmen Verhältnisse in Slums zu finden.

2 Allgemeine Bedeutung des Begriffs Slum

Das Wort Slum kommt aus dem Englischen Sprachgebrauch und bedeutet soviel wie „kleine, schmutzige Gasse“ (Duden 2014) und ist ein stellvertretender Überbegriff für ein Elendsviertel, welches in verschiedenen Regionen der Erde unter unterschiedlichen Bezeichnungen bekannt ist. Populäre Beispiele hierfür sind Favelas in Südamerika oder Townships in Südafrika. (Neumaier, Haas 2014)

Es gibt zwei Haupttypen, welche unterschieden werden können. Zum einen entstehen an den Rändern großer Agglomerationen der dritten Welt Gürtel aus informellen illegalen Hüttensiedlungen, die sich hauptsächlich auf minderwertigen und natürlich gefährlichen Standorten ansiedeln. Zum anderen bilden sich Slums in vom Verfall betroffenen, dichtbebauten Wohnvierteln der ehemaligen Mittel- und Oberschicht. (Bähr, Mertins 2000, S.19)

Mindestens 50 Prozent der in Slums lebenden Bevölkerung hat keinen gesicherten Zugang zur Infrastruktur wie zum Beispiel der Trink- oder Abwasserversorgung. Die dort lebende Bevölkerung ist zumeist arm und steht - aufgrund fehlender formeller Arbeit - stark mit dem informellen Sektor in Verbindung. (Neumaier, Haas 2014)

3 Ausbreitung und Dimension der Elendsviertel

Das folgende Kapitel setzt sich mit den globalen und innerstädtischen Ausmaßen und Arten von Slums auseinander und gibt einen kurzen Rückblick auf Anfänge und erste Erscheinungen.

3.1 Geschichtliche Entwicklung

Schon in den frühen Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts lebten arme, von der Cholera geplagte Menschen in minderwertigen Ansiedlungen, die der Bedeutung eines Slums nahe kamen. Jahre später konnte man wegen Armenvierteln in Frankreich, Indien und Amerika von einem heranwachsenden globalen Ereignis sprechen, da sie sich in ihrer baulichen und sozialen Struktur glichen. (Davis 2007 S.26)

3.2 Globale Dimension

In der heutigen Zeit sind die Zahlen weitaus größer als damals. Mittlerweile geht das UN- Habitat von mehr als einer Milliarde Slumbewohner aus und jeden Tag kommen Tausende dazu. In der unteren Abbildung 1 ist der Prozentsatz der städtischen Slums an der Gesamtbevölkerung dargestellt. Die dunkelsten Länder haben einen Anteil von über 60 Prozent.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Häufigkeit städtischer Slums in Prozent

Quelle: Norton 2007, S.540

Stellt man den prozentualen Anteil der Slumbewohner von Städten in Entwicklungsländern dem Anteil von Städten in Industrienationen gegenüber, zeigt sich ein massiver Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Leistung eines Landes und Quantität der in den Elendsvierteln lebenden Bevölkerung. In Zahlen ausgedrückt, stehen sechs Prozent 78 Prozent gegenüber. Es wird deutlich, wie sich diese Agglomerationen ausschließlich auf Entwicklungs- und Schwellenländer verteilen. (Norton 2007, S.540, Davis 2007 S.28)

Eine weitere Statistik des UN-Habitats zeigt den prozentualen Anteil der Länder mit den meisten Slumbewohnern. Mit nahezu 100 Prozent teilen sich Äthiopien und der Tschad den ersten Rang, gefolgt von Afghanistan (98,5%) und Nepal (92%). Mumbai gilt mit 10 bis 12 Millionen Slumeinwohnern, gefolgt von Mexiko-Stadt und Dhaka (beide 9 bis 10 Millionen Einwohnern), als Hauptstadt seiner Art. Kairo, Shanghai, Lagos und Sao Paulo folgen jeweils mit sechs bis acht Millionen. (Davis 2007, S.28)

Überraschenderweise befinden sich die am schnellsten wachsenden Armenviertel in der ehemaligen Sowjetunion. Durch den Wegfall von großen industriellen Zweigen wurde in manche Städte kein Geld mehr investiert, um dem Zerfall der Gebäude und der Infrastruktur entgegen zu wirken. Weitere Gründe sind wirtschaftliche Ungleichmäßigkeiten von der Regierung, welche Regionen und Bevölkerungsgruppen vernachlässigen. In Ulan Bator, der Mongolischen Hauptstadt, leben 500.000 verarmte Viehhirten mit weniger als einer Mahlzeit am Tag. In Abbildung 2 sind solche Gerssiedlungen zu sehen. (Davis 2007, S.28)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Ulan Bator

Quelle: Barria 2013

Die wohl ärmsten Slumbewohner leben auf dem afrikanischen Kontinent. In Luanda, Maputo, Kinshasa aber auch in der bolivianischen Stadt Cochabamba müssen mehr als zwei Drittel der Einwohner mit weniger Geld auskommen, als sie für das tägliche Leben minimal benötigen. (Davis 2007, S.28)

Genaue Zahlen über Slumbewohner sind nur schwer auszumachen. Regierungen sind oft gewillt, die Armutsrate und die Zahl der Bewohner möglichst klein zu halten. Beispielsweise hatte Bangkok um das Jahr 1980 herum eine offizielle Armutsrate von fünf Prozent. Jedoch lebte schätzungsweise ein Viertel der Stadtbevölkerung unter minderwertigen Verhältnissen. (Davis 2007, S.30)

3.3 Städtische Erscheinungsformen

Slums sind per Definition gut miteinander vergleichbar, jedoch haben sie von Region zu Region unterschiedliche Ausprägungen ihn ihrer Größe, Lage und Bauart.

Wenn nahegelegene Marginalviertel am Stadtrand zu einem Gürtel aus Slums verschmelzen, dann ist von sogenannten Megaslums die Rede (Davis 2007 S30f) . Sie setzten sich hauptsächlich aus Hütten ( S quatter settlements), gebaut aus einfachsten Materialien und Bauresten, zusammen und entstehen oft auf schwer zugänglichen und gefährdeten Gebieten, beispielsweise an Hängen oder Flussauen. Mit der Zeit werden sie verstärkt und vergrößert und somit zu kleinen Häusern gemacht. (Bähr, Mertins 2000 S.19f)

In Abbildung 3 sind die größten zusammenhängenden Slums visualisiert. An der Spitze liegt das Neza-Chalco-Itza in Mexiko-Stadt. Mit circa vier Millionen Einwohnern ist es der 4 größte zusammenhängende Slum der Erde, welcher seinen Ursprung in dem plötzlichen wirtschaftlichen Aufschwung und den dadurch entstehenden Wohnungsmangel Anfang des 20. Jahrhunderts hat (Tourou 2011). (Davis 2007 S.28)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Die 30 größten zusammenhängenden Slums weltweit.

Quelle: King 2014

Im innerstädtischen Bereich unterscheiden sich Slums in ihrer Größe und Bauart deutlich von den Hüttensiedlungen am Stadtrand. In Südasien sind kleinere Armenviertel mit oftmals nur wenigen Häusern das gewöhnlichere Erscheinungsbild. Alte Herrenhäuser, deren Zerfall hingenommen wird, werden von einer Vielzahl von Familien bewohnt. Das größte Armenviertel von ihnen ist die Pekinger Altstadt. Innenhofhäuser ohne Sanitäranlagen aus der Mingzeit dienen als Unterkunft. In Hongkong, wegen den vielen Hochhäusern auch H ö chste Stadt der Welt genannt, existieren die meisten informellen Unterkünfte auf den Dächern der Gebäude. Lüftungsschächte werden als Wohnraum umfunktioniert oder man schläft komplett unter dem freien Himmel. Auch der aus dem Film Slumdogmillionaire bekannte Dharavi ist ein ehemaliges Viertel, das durch die Trockenlegung Mumbais entstand und so die Grundlage der ansässigen Fischer entzog. (Davis 2007, S.36f)

Ein ähnliches Bild findet sich in Lateinamerika, wo koloniale Bauten zweckentfremdet wurden und heute von vielen Familien bewohnt werden. Beispielsweise leben in einem Haus in Quito 25 Familien mit insgesamt 128 Personen. Das wohl bekannteste Bild, welches man sich vorstellt, ist der Anblick von Favelas mitten in den Städten von Rio de Janeiro oder Montevideo. In Abbildung 4 ist im Vordergrund eine Favela zu sehen. Enge Gassen, die nur zu Fuß passierbar sind, und kleine mit Anbauten versehende Ziegelhäuser sind Merkmale einer typischen Favela. (Davis 2007, S.36f)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Favela in Rio de Janeiro

Quelle: Knox, Marston 2008 S.705

In Afrika und speziell in Südafrika findet man in den Innenstädten sehr selten Slums vor. Hüttensiedlungen (Townships) hingegen, oft von der Regierung geplant, zieren das Bild einer typischen Großstadt. Sie haben die Funktion eine Degradierung des Stadtkerns vorzubeugen. In der unteren Abbildung 5 ist ein Vorort von Kapstadt zusehen. Die Hütten bestehen aus Wellblechen und entstehen willkürlich und ohne Konzept. (Heineberg 2006, S.326)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Township vor Kapstadt

Quelle: Chavez 2012

Slums in Europa, die nur schwer mit den typischen Verhältnissen ihrer Art vergleichbar sind, findet man in vernachlässigten Hochhäusern am Stadtrand. Beispiele hierfür sind manche Banlieues in der Pariser Vorstadt. In den USA hingegen bilden sich die Armenviertel in aufgegebenen und degradierten Stadtkernen, die von den ehemaligen Bewohnern verlassen wurden. (Davis 2007, S.34)

4 Slumbildung

Die Bildung ist von Slum zu Slum unterschiedlich und die dort lebende Bevölkerung hat verschiedene Beweggründe, in ein solches zu ziehen. Es kristallisieren sich jedoch vier Richtungen heraus. Zum einen durch politische Vertreibung und Verfolgung. Zum anderen werben Großbauprojekte billige Arbeitskräfte an. Weitere Gründe sind die exponentiell steigende Einwohnerzahl in Agglomerationsräumen und die massive Landflucht.

4.1 Politische Vertreibung

Bestes und aktuellstes Beispiel für eine politische Vertreibung ist der Bürgerkrieg in Syrien, wo mittlerweile mehr als zwei Millionen Bürger geflüchtet sind. Für die Nachbarländer ist eine solche Menschenmenge nur schwer verkraftbar. Die Wohnfläche ist in diesen Ländern generell schon knapp, deshalb siedeln sich die Flüchtlinge in Zeltstädten an, die keine Infrastruktur besitzen und mit ihrer zunehmenden Größe den Charakter eines Slums annehmen.

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Details

Seiten
29
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656849636
ISBN (Buch)
9783656849643
Dateigröße
82.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v284807
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,3
Schlagworte
planet slums hyperwachstum

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