Lade Inhalt...

Professionelle Beratung. Ein Vergleichsansatz der systemischen und der klientenzentrierten Beratung

Seminararbeit 2013 18 Seiten

Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Professionelle Beratung in der sozialen Arbeit

3. Zwei Modelle der Beratung
3.1 Systemische Beratung
3.1.1 Grundhaltung
3.1.2 Techniken
3.2 Klientenzentrierte Beratung
3.2.1 Grundhaltung
3.2.2 Techniken

4. Vergleich

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen der Seminare „Carl Rogers: Klientenzentrierte Beratung und Psychotherapie“ und „Klient-Beraterbeziehung und Selbsterfahrung“, geleitet von der Dozentin Frau Heimbach, wurde den Studierenden der klientenzentrierte Ansatz nach C. Rogers und Themen darüber hinaus, durch verschiedene Referate und Übungen wie zum Beispiel: die klientenzentrierte Persönlichkeitstheorie, die klientenzentrierte Entwicklungslehre, Vergleich des klientenzentrierten Ansatzes mit der Verhaltenstherapie, Helfersyndrom u.v.m., näher gebracht. Aufgrund der Tatsache, dass die Autorin dieser Hausarbeit ein Seminar über die systemische Beratung abgeschlossen hat, hat sie sich für das Hausarbeitsthema: -Professionelle Beratung- ein Vergleichsansatz der systemischen und der klientenzentrierten Beratung, entschieden. Im Seminar der systemischen Beratung wurde den Studierenden die Methode der systemischen Beratung näher gebracht, indem die Bedeutung des Systems, die Ziele, der Sinn und die Grundprinzipien der systemischen Beratung sowie systemische Interventionen beziehungsweise Techniken näher erläutert wurden. Unter den systemischen Interventionen wird in der systemischen Beratung die Kontextklärung, Hypothesenbildung, zirkuläre Fragen, Reframing, Arbeit mit Genogramm/Metaphern und Skulpturarbeit etc. verstanden, wobei das Hypothetisieren und die Zirkularität auch unter den Grundprinzipien der systemischen Beratung laufen. Im Zentrum systemischer Beratung steht die Kommunikation innerhalb des Systems. Die Autorin stellt sich nun folgende Fragen, die sie mit ihrer Ausarbeitung beantworten möchte. Sie möchte einen Versuch starten die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Beratungsmodelle aufzuzeigen, um mit dieser Hausarbeit für sich heraus zu arbeiten, welchen Beratungsansatz sie nach dem Besuch der oben genannten Seminaren bevorzugen würde und ob einer von beiden überhaupt bevorzugt werden kann. In dieser Hausarbeit wird bei beiden Beratungsmodellen nur von der Beratung und nicht von der Therapie ausgegangen, weil später im Arbeitsleben für die Studierenden der Sozialen Arbeit überwiegend die Beratung in Frage kommt. Der klientenzentrierte Ansatz wird meistens mit einer Therapie verbunden, jedoch wendet sich C. Rogers mit dem Konzept nicht nur an Psychologen, sondern an alle Fachleute, die einen Wandel der Einstellungen bei ihren Klienten bewirken wollen, wie z.B.: in der Schul- oder Eheberatung etc. (vgl. Weinberger, 2008, S. 33). Die Therapie und die Beratung haben zwar die gleichen Schnittstellen, wobei aber die Therapie eher einen Heilungsdiskurs verfolgt, worauf die Studierenden im Studium nicht vorbereitet werden. Nach der Einleitung wird die Autorin einen Versuch starten die professionelle Beratung in der sozialen Arbeit zu definieren (siehe P. 2), um im Anschluss daran die systemische Beratung unter Berücksichtigung der Grundhaltungen und Techniken zu erklären (siehe Punkt 3.1, 3.1.1, 3.1.2). Anschließend wird die Autorin die klientenzentrierte Beratung nach C. Rogers und ihre Grundhaltungen sowie Techniken darstellen (siehe P. 3.2, 3.2.1, 3.2.2). Abschließend wird ein Vergleich der beiden Modelle unter den oben genannten Fragestellungen erstellt (siehe P. 4). Zum Schluss wird die Autorin ein abschließendes Fazit über die zuvor vorgestellten Aspekte ziehen (siehe P. 5).

2. Professionelle Beratung in der sozialen Arbeit

„Beratung ist zunächst eine Interaktion zwischen zu mindest zwei Beteiligten, bei der die beratende(n) Person(en) die Ratsuchende(n)- mit Einsatz von kommunikativen Mitteln- dabei unterstützen soll, in Bezug auf eine Frage oder auf ein Problem mehr Wissen, Orientierung oder Lösungskompetenz zu gewinnen“ (Sickendiek, 2008, S.13). Der Berater richtet sich auf emotionale, kognitive und praktische Problemlösung von Klienten beziehungsweise Systeme, wie z.B. Gruppen, Familien, Einzelperson etc. (vgl. Sickendieck, 2008). Auf der einen Seite ist Beratung für Jedermann als eine Kommunikationsform bekannt, wie zum Beispiel in der Beziehung zu seinem Partner, Freund oder Familie (Tür- und Angelgespräche). In der sozialen Arbeit handelt es sich mittlerweile um eine professionelle Intervention in unterschiedlichen Bezügen. Die Beratung hat sich zu einem expandierenden Arbeitsbereich entpuppt, wo soziale, pädagogische, psychologische und medizinische Fachkräfte beraten (vgl. Nestmann, 2004). „Es ist der Klient, der sich zunächst keinen Rat mehr weiß und es ist der Klient, der in der Beratung dahin kommt, für sich selbst Rat zu wissen“ (Rechtien, 1988, S.15). Bei der Beratung handelt es sich um eine Doppelverortung. Das heißt, dass der Berater nicht nur über Kommunikation, Gesprächsführung und Beratungsmethoden, wie zum Beispiel den klientenzentrierten oder systemischen Ansatz in Kenntnis sein sollte (Beratungs- und Interaktionswissen),sondern er sollte auch über Beratungskompetenzen verfügen, die eher feldunspezifisch und allgemeiner Natur sind. Das heißt, dass er wissen sollte, wie eine gute Arbeitsbeziehung aufgebaut wird, wie er Unterstützungsquellen aktivieren kann, problem- und lösungsorientiert arbeiten kann, sowie lenkend oder doch eher zurückhaltend beraten soll. Darüber hinaus sollte der Berater Beratungswissen zur jeweiligen Problemlage und zu rechtlichen Grundlagen usw. kennen. Professionelle Berater sollten demzufolge Fachwissen verfügen, welches in den unterschiedlichen Bereichen der sozialen Arbeit (Drogenberatung, Erziehungsberatung, Familienberatung) angewendet werden kann, das sogenannte handlungsspezifische Wissen. Die Berater benötigen demzufolge ein handlungsfeldspezifisches Fachwissen und eine feldunspezifische Kompetenzbasis. Wenn beide Basen vorhanden sind, entwickelt sich ein Zusammenspiel, welches die Voraussetzung einer professionellen Beratung erfüllt (vgl. Nestmann, 2004).

3. Zwei Modelle der Beratung

Nachdem ein Versuch der Darstellung der professionellen Beratung in der sozialen Arbeit gestartet wurde, werden jetzt die einzelnen Modelle der Beratung vorgestellt.

3.1 Systemische Beratung

Unter der systemischen Beratung wird die ganzheitliche Betrachtung eines Menschen im Zusammenhang mit den ihn umgebenden Menschen im System verstanden (zum Beispiel eine Familie). Dementsprechend werden Probleme nicht als Eigenschaften einer Person zugeordnet, sondern sind Wirklichkeitskonstruktionen im Sozialsystem (vgl. Barthelmess, 2005, S. 111). In der systemischen Beratung geht es „nicht etwa darum, Menschen zu etwas zu bewegen, ihnen etwas zu verkaufen oder sie im Sinne einer Höher, Weiter, Schneller ´zu höheren Leistungen zu pushen´, sondern maßgeschneidert mit ihnen an konkret anstehenden Problemen zu arbeiten und diese in möglichst effizienter Zeitnutzung zu lösen“ (Radatz, 2012, S. 1). Der systemische Berater versucht Reflektionsprozesse im System durch unterschiedliche Techniken aufzudecken, um neue Informationen zu gewinnen. Das Ziel der Beratung ist neue Regeln im System zu definieren, die sich gefestigt haben. Das homöostatische Gleichgewicht (Aufrechterhaltung eines Gleichgewichtszustandes) in bestimmten Bereichen aufzubrechen, die Kommunikation innerhalb des Systems zu fördern und Möglichkeitsräume zu vergrößern.

3.1.1 Grundhaltung

Um die Ziele der systemischen Beratung zu gewährleisten, orientiert sich der Berater an Grundhaltungen bzw. an Grundprinzipien, nach dem Leitbild: handle so, dass der Berater die Anzahl der Möglichkeiten vergrößern kann. Unter anderem sollte der Berater Neutralität im Hinblick auf die Beziehungen im System und das Problem zeigen und allparteilich gegenüber allen im System lebenden Menschen sein. „So sollten sie sein und so nicht“ (Schlippe, 1996, S. 119). Dieses Zitat von Schlippe sagt aus, dass der Berater das Problem nicht zu bewerten hat und es nicht gut oder schlecht finden sollte. Darüber hinaus sollte der Aufbau einer warmen, empathischen Beziehung eine gute Grundlage für die Kooperation im Gespräch darstellen (vgl. Schlippe, 2005, S. 119). Des Weiteren arbeitet der Berater ressourcen- und lösungsorientiert und stellt im Hinblick auf diesen Aspekt seine Fragen. Auf der einen Seite ist der Berater bemüht die Schwierigkeiten im System aufzudecken und auf der anderen Seiten orientiert sich der Berater an den Stärken der Klienten (vgl. Barthelmess, 2005, S. 127). Nach dem Autor Schlippe besteht die Annahme, dass das System bereits Ressourcen besitzt, die es zur Lösung des Problems benötigt, derzeit aber nicht nutzt. Diese sollten im Gespräch durch die Techniken oder Interventionen aufgedeckt und gestärkt werden (siehe Punkt 3.1.2). Ein weiteres Grundprinzip der systemischen Beratung ist die Hypothesenbildung. „Aus der […] Beobachtung der persönlichen Entwicklung beziehungsweise des Gruppengeschehens kann der Berater diagnostische und lösungsorientierte Hypothesen ableiten, die in der unendlichen Vielfalt von Handlungsmöglichkeiten Anhalts- und Orientierungspunkte für konkrete Strategien und Interventionen bieten“ (ebd., S. 124 zit. n. Barthelmess, 2005, S. 133). Mit anderen Worten verschafft die Hypothesenbildung neue Perspektiven und Möglichkeiten im Hinblick auf die Lösungsfokussierung des Problems. Aber auch die Zirkularität gehört zu den Grundprinzipien. Darunter wird die Kreisförmigkeit der Beziehung im System verstanden. Durch zirkulär gestellte Fragen, werden neue Informationen und Denkprozesse angeregt und ein Perspektivwechsel ermöglicht. Eine weitere Grundhaltung beläuft sich auf die systemische Neugier, die sich für die Eigenlogik des Systems interessiert.

[...]

Details

Seiten
18
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656853312
ISBN (Buch)
9783656853329
Dateigröße
413 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v285078
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Note
2,0
Schlagworte
professionelle beratung vergleichsansatz

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Professionelle Beratung. Ein Vergleichsansatz der systemischen und der klientenzentrierten Beratung