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Das Team als Konstante der Schulentwicklung vor dem Hintergrund inklusiver Bildung

Hausarbeit 2014 17 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Heterogenität als Grundstein inklusiver Bildung
1.1. Die UN-Menschenrechtskonvention
1.2. Merkmale von Heterogenität an Schulen
1.3. Inklusion – ein Entwicklungsprozess

2. Organisation und Unterrichten in Teams bei der Umsetzung von Inklusion
2.1. Das Team als Grundlage der Schulorganisation
2.2. Multiprofessionelle Teams
2.3. Team-Teaching

3. Teamstrukturen als Zukunft der Schulentwicklung

4. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Heterogenität als Grundstein inklusiver Bildung

1.1. Die UN-Menschenrechtskonvention

Mit Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland ab dem 26.03.2009 soll jedem Menschen, egal ob mit oder ohne Behinderung, das Recht auf freie Bildung gewährt werden.1 Um dieses Recht frei von Diskriminierung ausüben zu können, hat sich Deutschland mit der Unterzeichnung zu einer inklusiven Bildungspolitik verpflichtet. Diese inklusive Bildungspolitik soll gewährleisten, dass Menschen mit jeder Art von Behinderung oder Benachteiligung Zugang zu jedem Teil des Bildungssystems erlangen können und sich somit nach individuellen Anforderungen frei entfalten können.

In unserer Gesellschaft spiegelt sich Heterogenität in allen Dimensionen in den Teilbereichen sozialer Milieus2 wieder. Ein zentral von Heterogenität geprägtes Milieu ist insbesondere die Schule. Diese ist selbst ein Spiegelbild der Gesellschaft und zeigt somit ebenso alle Ausprägungen von Vielseitigkeit (Diversität) in den einzelnen Dimensionen. Durch die Umsetzung von Inklusion an deutschen Schulen soll das Bildungssystem der Heterogenität der Gesellschaft somit in letzter Konsequenz gerecht werden.

Aber wie kann eine so große Veränderung in unserem auf homogenen Lerngruppen basierenden Schulsystem ablaufen?3 Wie muss eine Schule organisiert und der Unterricht gestaltet sein, um den Ansprüchen der Schüler/innen gerecht zu werden?

Im Folgenden geht diese Arbeit auf die bedeutungstragende Rolle von Teams in inklusiven Schulen und speziell im inklusiven Unterricht mit Lehrerteams ein. Sie konzentriert sich dabei auf die mögliche Umsetzung in der Sekundarstufe I, da eine Auseinandersetzung mit allen Altersgruppen im Schulsystem den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. Des Weiteren kann bereits in der Sekundarstufe I der Grundstein für erfolgreiche Inklusion in der Gesellschaft und später auch im Arbeitsmarkt gelegt werden. Anschließend stellt diese Arbeit die zentralen Begriffe multiprofessionelle Kooperation und Team-Teaching dar und überprüft sie auf ihre Wirkungsweisen.

1.2. Merkmale von Heterogenität an Schulen

Heterogenität ist ein in allen Teilen unserer Gesellschaft weit verbreiteter und geläufiger Begriff. Grundsätzlich verweist er auf Verschiedenheit/ Andersartigkeit oder Ungleichartigkeit und bezieht sich auf Individuen, Gruppen oder pädagogische Einrichtungen.4

Im schulischen Kontext wird der Begriff „heterogen“ häufig ganzheitlich auf bestimmte Lerngruppen angewandt, gemeint ist damit aber eigentlich, dass diese Lerngruppe im Hinblick auf ein spezifisches Merkmal heterogen ist. Somit ist Heterogenität stets partial, also hinsichtlich einzelner Merkmale vorhanden.5 Sie prägt sich zum Beispiel anhand von Religion, Alter, Geschlecht, soziale Herkunft, kultureller Hintergrund, Muttersprache und körperlicher Beeinträchtigung aus.

Außerdem ist Heterogenität immer relativ, da jeweils zwei Elemente im Vergleich stehen müssen. Die Elemente werden verglichen und folglich als gleich oder ungleich, also homogen oder heterogen eingestuft.6 Dabei kommt es immer auf den Standpunkt und Maßstab an mit dem man die Gleichheit oder Ungleichheit definiert.

Des Weiteren ist gerade an Schulen die Heterogenität in besonderer Weise sozial-kulturell eingebunden. Die Verschiedenheit der an diesem System teilnehmenden Individuen ist eine Reproduktion der sozialen Situation in unserer Gesellschaft. Sie ist eingebettet in soziale und kulturelle Rahmungen, in denen der Vergleich stattfindet.7

Schließlich wird Heterogenität auch sozial konstruiert. Das bedeutet, dass die Differenzen zwischen den einzelnen Individuen immer aus verschiedenen Perspektiven mit eigenen Schwerpunkten wahrgenommen werden. Durch kontinuierliche Vergleichsprozesse (z.B. Notenvergabe) kann sich somit die Erwartungshaltung verändern und bestimmte Rollen werden zugewiesen.8

Erst wenn die Förderung in Schulen auf die Heterogenität in den Klassen abgestimmt wird, kann ein gleichberechtigtes Lernen aller verschiedenartigen Gruppen und Minderheiten stattfinden. Das dann entstehende hohe Maß an Diversität, insbesondere im Hinblick auf die von den Lernenden mitgebrachten Voraussetzungen, drückt sich schließlich in inklusivem Unterricht aus. In diesem können anschließend die individuelle Förderung der Lernenden und deren kooperatives Lernen mithilfe der Lehrkräfte umgesetzt werden.

1.3. Inklusion – ein Entwicklungsprozess

Inklusion bedeutet den konsequenten Nicht-Ausschluss verschiedener Personengruppen und die Anerkennung und Förderung menschlicher Vielfalt. Es soll eine Maximierung der Teilhabe und eine Minimierung von Diskriminierung erreicht werden.9 In der pädagogischen Dimension ist damit die Schaffung von gleichberechtigten Zugängen zu Bildungsinstitutionen und Bildungsangeboten verbunden.

Alle lernenden Individuen sollen in die jeweilige Schule aufgenommen werden und von der Andersartigkeit der übrigen Lernenden und Lehrenden profitieren. Wichtig ist, dass sich der Inklusionsbegriff nicht lediglich auf Schüler/ innen mit Behinderung fokussiert, sondern auch andere Aspekte von Verschiedenheit umfasst, die sich auf die Teilhabe an Bildung auswirken können.10

Da der Inklusion ideelle Leitbilder zugrunde liegen, handelt es sich dabei nicht um einen zu erreichenden Zustand, sondern um einen fortlaufenden Prozess.11 Das Team-Teaching und die Arbeit in multiprofessionellen Teams wird wohl nicht auf einen Schlag erfolgreich umgesetzt werden können. Die Lehrkräfte müssten zuvor vom selektiven Schulbild abkommen, umdenken und eigene Erfahrungen mit inklusiven Klassen sammeln. Dafür benötigen sie vor allem eines – Zeit.12

2. Organisation und Unterrichten in Teams bei der Umsetzung von Inklusion

Aufgrund der Veränderung der heterogenen Struktur von Klassen bezüglich des Förderbedarfes von einzelnen Schülern ist es an der Zeit zu überlegen, ob und wie Unterricht sich bezüglich des Förderbedarfes von einzelnen Schülern individuell weiterentwickeln sollte. Eine Lehrkraft allein kann wegen zeitlichen, ausbildungs-technischen und sozialen Restriktionen einer inklusiv gestalteten Klasse nur noch sehr schwer gerecht werden13. Um die differenzierte Förderung der Schüler/ innen in heterogenen Klassen zu gewährleisten, ist oftmals die Unterstützung durch eine zweite Lehrkraft im Unterricht erforderlich, es entsteht sogenanntes Team-Teaching.14 Dementsprechend muss sich auch die Schulorganisation auf das Konzept von unterschiedlichen Professionen in Teams abstimmen.15 Denn auch auf dieser Ebene müssen Ressourcen besser verteilt und durch Kooperation in multiprofessionellen Teams genutzt werden.

2.1. Das Team als Grundlage der Schulorganisation

Ein inklusives Schulmodell stellt andere Erwartungen und Aufgaben an eine Lehrkraft, als das bisherige Regelschulmodell. So ist es erforderlich, dass sich zur erfolgreichen Umsetzung von Unterrichten in Teams die Haltung und Fähigkeiten der Lehrkräfte ändern.16 Eine Anpassung der Ausbildung und Fortbildungen von Lehrkräften erscheint sinnvoll, da diese somit von Beginn an auf die Umstellung zu inklusivem Unterricht eingestellt werden und sich der “Praxisschock“ im eigenen Unterricht möglicherweise reduzieren lässt.

Der mittendrin e.V. teilt in seiner Zusammenstellung zu Inklusivem Unterricht in der Sekundarstufe die Teamorganisation exemplarisch in drei Bereiche ein.17 Die Schulleitung, pädagogische Mitarbeiter und Jahrgangsteams stehen in ständigem Kontakt zueinander und tauschen sich über die wesentlichen Informationen aus. Die Schulleitung steuert und lenkt die Schule weiterhin. Sie übernimmt dabei verwaltungs-technische Aufgaben, bildet eine Schnittstelle zwischen Personal und Ministerium und ist für die pädagogische Entwicklung der Schule verantwortlich. Die pädagogischen Mitarbeiter greifen bei besonderen Herausforderungen für die Lehrer unterstützend ein und kümmern sich um einzelne Schüler/ innen mit besonderem Förderbedarf. Sie decken somit jene Bereiche ab, die aufgrund mangelnder Ausbildung, zeitlicher Beschränkung oder mangelnder Zuständigkeit von den Lehrkräften nicht übernommen werden können. Den dritten Bereich stellen die Jahrgangsteams.

Die Jahrgangsteams sind der zentrale Bereich der Schulorganisation und werden im weiteren Verlauf beispielhaft beschrieben. Sie setzen sich aus 2 Klassenlehrern (Tutoren/ Tutorinnen) je Klasse und den einzelnen Fachlehrern zusammen. Die Tutoren/ Tutorinnen begleiten die jeweilige Klasse von der fünften bis zur zehnten Jahrgangsstufe und sind vorwiegend aus einer Regelschullehrkraft und einer Sonderschullehrkraft zusammengesetzt18. In unmittelbarer Nähe zu den Klassenräumen sollte es eine sogenannte Lehrerstation geben, in der regelmäßige Teamsitzungen stattfinden.19 Ein Jahrgangsleiter steht in ständigem Kontakt zur Schulleitung und ist mit dieser unter anderem verantwortlich für Stundenpläne, Vertretungen und Kommunikation20. Somit bildet jeder Jahrgang eine teilweise autonome Einheit innerhalb der Schule, es wird auch von einer „Schule in der Schule“ gesprochen21.

Weiterhin wird aufgeführt, dass es bei den Teamsitzungen vor allem auf die Kooperation innerhalb der Jahrgangsteams ankommt.22 Diese umfasst unter anderem die gemeinsame Unterrichtsplanung für den Jahrgang, die Erarbeitung eines Jahresarbeitsplanes pro Schuljahr, erzieherische Absprachen und die Planung von fächerübergreifenden und themenorientierten Projekten im Team.

Aus dieser Sicht betrachtet, sorgt die Organisation innerhalb der Jahrgangsteams dafür, dass die Schüler/ innen in einem sehr vertrauten Umfeld und grundsätzlich gutem Lernklima unterrichtet werden. Durch den langen Zusammenschluss von Schulklassen und Lehrern wird eine individuelle Förderung im inklusiven Unterricht ermöglicht, da die beiden unterrichtenden Lehrkräfte nach langer gemeinsamer Zeit relativ genau auf die Bedürfnisse jedes Einzelnen eingehen können. Diese langen Phasen des Kennenlernens und der Kooperation bauen demnach ein intensives (Vertrauens-) Verhältnis zwischen Schüler/ innen und Lehrer/ innen auf.23

[...]


1 Bundesgesetzblatt Jahrgang 2008 Teil II Nr. 35, ausgegeben zu Bonn am 31.12.2008, Artikel 24

2 Milieus stellen Kulturen der praktischen Lebensführung und der Alltagsgestaltung dar, die auf der Grundlage kollektiver Erfahrungen basieren, vgl. Sturm: Heterogenität in der Schule, S. 21

3 von der Groeben: Verschiedenheit nutzen. Besser lernen in heterogenen Gruppen, S. 173

4 Sturm: Heterogenität in der Schule, S. 15

5 Ebd., S. 18

6 Ebd., S. 15

7 Ebd., S. 16f.

8 Sturm: Heterogenität in der Schule, S. 18

9 Arndt: Multiprofessionelle Teams bei der Umsetzung inklusiver Bildung, S. 73

10 Arndt: Multiprofessionelle Teams bei der Umsetzung inklusiver Bildung, S. 72

11 Arndt: Multiprofessionelle Teams bei der Umsetzung inklusiver Bildung, S. 73; Amrhein: Inklusion in der Sekundarstufe. Eine empirische Analyse, S. 15

12 Arndt: Multiprofessionelle Teams bei der Umsetzung inklusiver Bildung, S. 76

13 Reich: Inklusive Didaktik, S. 91

14 Schwager: Gemeinsames Unterrichten im Gemeinsamen Unterricht, S. 92

15 Von der Groeben: Verschiedenheit nutzen. Besser lernen in heterogenen Gruppen, S. 22f.

16 Reich: Inklusive Didaktik S. 89-91; Mittendrin e.V.: Eine Schule für alle. Inklusion umsetzen in der Sekundarstufe, S. 49

17 Mittendrin e.V.: Eine Schule für alle. Inklusion umsetzen in der Sekundarstufe, S. 314

18 Mittendrin e.V.: Eine Schule für alle. Inklusion umsetzen in der Sekundarstufe, S. 314f.

19 Reich: Inklusive Didaktik, S. 98

20 Mittendrin e.V.: Eine Schule für alle. Inklusion umsetzen in der Sekundarstufe, S. 315

21 Ebd., S. 315

22 Ebd., S.317

23 Ebd., S. 318

Details

Seiten
17
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656855439
ISBN (Buch)
9783656855446
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v285244
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,0
Schlagworte
team konstante schulentwicklung hintergrund bildung

Autor

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