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Das Modell des Homo Oeconomicus

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 17 Seiten

BWL - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der klassische Homo Oeconomicus
2.1 Das klassische Modell des Homo Oeconomicus
2.2 Kritik des Modells des klassischen Homo Oeconomicus

3. Der Homo Oeconomicus als Heuristik

4. Zusammenfassung und Fazit

5. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Der Begriff des Homo Oeconomicus stammt in seiner heutigen Verwendung aus der klassischen Nationalökonomie der Wirtschaftswissenschaften und meint zunächst den wirtschaftenden Menschen.

Mit Beginn der modernen Industriegesellschaft und dem damit einhergehenden Ziel der Profit-Maximierung veränderte sich die Mentalität der Menschen. Eigennutz und Eigeninteresse stiegen innerhalb der Wirtschaft zu wichtigen Handlungsmotiven empor. Im Mittelpunkt des Geschehens stand nun nicht mehr die rein häusliche Bedarfswirtschaft, die die lebensnotwendigen Bedürfnisse befriedigen sollte, sondern, im Zuge der Globalisierung, eine sich über die Welt erstreckende Marktwirtschaft. Diese in hohem Maße komplexen Handlungsvorgänge erweckten erneut das Bedürfnis das menschliche Verhalten in Bezug auf deren wirtschaftliche Tätigkeiten analysieren zu können. Zu diesem Zwecke wurde im späten 19. Jahrhundert das Modell des Homo Oeconomicus ausgestaltet.

Ausgangspunkt dieses Modells ist eine Situation, in der Knappheit herrscht, wodurch die Menschen nicht all ihre Bedürfnisse gleichzeitig befriedigen können. Im Mittelpunkt der Betrachtung steht hier das einzelne Individuum. Die Theorie des Homo Oeconomicus geht nun von rationalem Verhalten ökonomischer Akteure aus, welches danach strebt möglichst viele Bedürfnisse zu befriedigen,beziehungsweise einen möglichst großen Nutzen innerhalb einer Situation der Knappheit zu erzielen. Zweckrationalität wird hierdurch zu einem legitimen Handlungsprinzip. Das Modell der Homo Oeconomicus wird innerhalb der Ökonomik als geeignetes Instrument betrachtet menschliches Verhalten zu analysieren und soll unter anderem Hilfestellung dabei leisten, wenn es darum geht geeignete wirtschaftliche und institutionelle Rahmenbedingungen aufzustellen.

Dem Homo Oeconomicus wird jedoch ebenfalls unterstellt, dass dieses Modell nicht genug Realitätsnähe besitzt, da täglich beobachtbares Verhalten dessen zugrunde liegenden Annahmen widerspricht. Wie kann solch ein Instrumentarium also dienlich sein, wenn es darum geht menschliches Verhalten zu analysieren ? Keineswegs ist auf den ersten Blick erkennbar, welche Eigenschaften diesem Modell überhaupt zu Grunde liegen.

Im Rahmen dieser Arbeit werden zwei Modelle betrachtet, die die Eigenschaften des Homo Oeconomicus jeweils auf verschiedene Arten beschreiben. Zunächst wird das Modell des klassischen Homo Oeconomicus erläutert, welches der Verhaltenstheorie zugehörig ist. Im Anschluss darauf wird die Kritik, die diesem Modell entgegengebracht wird, etwas näher beleuchtet. Im zweiten Schritt wird sich diese Arbeit der Betrachtungsweise des Homo Oeconomicus als Heuristik widmen, in welcher das Augenmerk nicht mehr auf das Verhalten der Menschen, sondern auf die Situationen, innerhalb derer sie agieren, gerichtet ist.

2.1 Das klassische Modell des Homo Oeconomicus

Im Ursprung dieser Theorie steht die Annahme, dass sich das Individuum in einer Situation der Knappheit befindet. Dies hat zur Folge, dass es nicht all seine Bedürfnisse gleichzeitig befriedigen kann, sondern sich zwischen mehreren Alternativen entscheiden muss.1

Innerhalb dieser Entscheidungssituation sind zwei Elemente ausschlaggebend für die Wahl des Individuums. Das sind zum einen die Präferenzen des Individuums und zum anderen die Restriktionen, denen es unterliegt, da diese seinen Handlungsspielraum stark beschränken. Zu den Restriktionen zählen beispielsweise die geltenden Marktpreise, das Einkommen des Akteurs , rechtliche Rahmenbedingungen, aber auch die zu erwartenden Reaktionen anderer Menschen. „Innerhalb dieses Handlungsraumes liegen die einzelnen Handlungsmöglichkeiten, die ihm zur Verfügung stehen und aus denen er auswählen muss.“2

Der Theorie des Homo Oeconomicus liegen zwei Prämissen zu Grunde, die das Individuum maßgeblich in der Entscheidungssituation beeinflussen. Zum einem besitzt der wirtschaftende Mensch vollkommene Information über die Bedingungen, Möglichkeiten und Folgen seines Handelns und ist in der Lage diese auch schnell zu verarbeiten.Durch seine Rationalität kann er nun mit Hilfe der gegebenen Informationen, seinen Handlungsraum abschätzen und bewerten,seine Entscheidungsalternativen abwägen und für ihn die optimale Entscheidung treffen. Zum anderen verfügt er über eine ganz bestimmte Zielsetzung. Er handelt nach dem Rationalitätsprinzip: Mit Hilfe von eigeninteressiertem Streben verfolgt er das Ziel seinen eigenen Nutzen zu maximieren, natürlich unter den Prämissen von Effizienz, Zweckrationalität und Wirtschaftlichkeit, bei Minimierung seiner eigenen Kosten und des eigenen Aufwandes.

Aufgrund dieser beiden Eigenschaften ist der Homo Oeconomicus nun imstande unter den Handlungsalternativen, die ihm gegeben sind, genau diejenige zu wählen, welche das Ziel der Nutzenmaximierung herbeiführt.

Hierzu trägt auch bei, dass er in der Lage ist seine Zielvorstellungen systematisch anzupassen, sobald er Veränderungen der Umweltbedingungen wahrnimmt.

Veränderungen ergeben sich zum Beispiel aus Handlungen anderer Individuen, Veränderungen der natürlichen Bedingungen oder aus politischen Maßnahmen, die auf die Entscheidungssituation plötzlich Einfluss nehmen. Da die Anpassung seiner Zielvorstellungen systematisch geschieht, wird diese somit gleichzeitig vorhersagbar. Durch diese Vorhersagbarkeit ist es möglich Prognosen darüber aufzustellen, wie das Individuum auf Veränderungen im Handlungsspielraum reagiert. Dieses Prinzip kann man jedoch auch ebenso umgekehrt nutzen. Durch Setzung von Anreizen, beziehungsweise einer Veränderung des Handlungsspielraumes, wie beispielsweise Erhöhung oder Kürzung des Einkommens, kann das Verhalten des Individuums systematisch gesteuert werden.

Der Homo Oeconomicus wird so konstruiert, dass er als Egoist erscheint. Im Vordergrund seines Handelns steht sein eigener Vorteil. Gefühle, die aus einer Interaktion mit anderen Menschen heraus entstehen, wie beispielsweise Neid oder Mitleid, liegen außerhalb seines Horizontes. Ihm ist durchaus bewusst, dass er nicht alleine lebt, jedoch berücksichtigt er die Interessen anderer nur insofern, als dass sie seinen Handlungsraum beeinflussen.3

Hieraus ergibt sich eine Eigenständigkeit der Entscheidung und eine Unabhängigkeit seiner Präferenzen. Diese nämlich und auch sein Wohlbefinden werden nicht von dem Wohlbefinden anderer Individuen beeinflusst. Die treibende Kraft des Homo Oeconomicus innerhalb einer Entscheidungssituation besteht lediglich in seinem Eigeninteresse, welches darauf ausgelegt ist mit möglichst wenig Kosten und Aufwand maximalen Gewinn und Genuss zu erzielen.

Dabei kann es durchaus rational für ein Individuum sein sich über Gesetze hinwegzusetzen.

Ein einfaches Beispiel hierfür ist die Nichtbeachtung von Geschwindigkeitsgrenzen innerhalb von Autobahnbaustellen. Mehrheitlich übertreten hier Menschen die zulässige Höchstgeschwindigkeit, besonders häufig geschieht dies, wenn sie in der Nacht auf eine freie Fahrbahn treffen. Ihnen ist durchaus bewusst, dass diese Übertretung mit einem Bußgeld bestraft werden kann, allerdings erscheint die Gefahr erwischt zu werden eher gering. Der Autofahrer vergleicht hier also den Nutzen, welcher hier in der Zeitersparnis liegt, mit den Kosten, also der zu erwartenden Strafe. An diesem einfach Beispiel sieht man, „dass gesellschaftliche ( gesetzliche bzw. soziale) Regeln im Rahmen des ökonomischen Verhaltensmodells nicht mehr, aber auch nicht weniger bedeuten als eine bestimmte Art zusätzlicher Restriktionen, deren Nichtbeachtung mit (zum Teil erheblichen) Kosten verbunden sein kann.“4

Auch wenn der Homo Oeconomicus lediglich auf seinen eigenen Vorteil und Nutzen bedacht ist, ist es dennoch möglich, ihn mit dem Wohlfahrtsprinzip zu verknüpfen. Dies gelingt durch Adam Smiths Prinzip der Unsichtbaren Hand.

„ Solange der einzelne nicht die Gesetze verletzt, läßt man ihm völlige Freiheit, damit er das eigene Interesse auf seine Weise verfolgen kann und seinen Erwerbsfleiß und sein Kapital im Wettbewerb mit jedem anderen oder einem anderen Stand entwickeln oder einsetzen kann“5

Das eigeninteressierte Handeln der einzelnen Akteure fördere hierdurch das Wohl der Gesellschaft nachhaltiger, als wenn er wirklich beabsichtige es zu tun. Diese Theorie basiert auf dem Prinzip des Wettbewerbs. Die Maximierung des eigenen Nutzens geht nur vonstatten, wenn man etwas Nützliches, seien es beispielsweise Dienstleistungen oder Konsumgüter, für andere anbietet. Da jedoch ein reger Wettbewerb herrscht, ist es den Menschen möglich das angebotene Gut ebenso bei Konkurrenten zu erwerben, was wiederum zu dem ständigen Anreiz führt besser zu sein als andere, sei es durch niedrigere Preise oder aber auch durch bessere Qualität des Gutes. Dieser Anreiz fördere die Kreativität der Menschen, wodurch sowohl ein technischer Fortschritt, als auch ein Wirtschaftswachstum erzielt werde. Dies wiederum habe ein Wachstum des Volkseinkommens zur Folge.

Zusammengefasst fördert also das eigeninteressierte Streben des wirtschaftenden Menschen das Gemeinwohl aller.

2.2 Kritik des Modells des klassischen Homo Oeconomicus

Das Menschenbild nach dem Homo Oeconomicus ist ein viel umstrittenes Modell sowohl innerhalb, als auch außerhalb der Ökonomie.

Der banalste Einwand, der dem Homo Oeconomicus entgegengebracht wird, ist der Vorwurf, dass dieses Modell tautologisch sei und somit keinen empirischen Gehalt besäße. Unterschiede im Verhalten der Menschen mit deren Präferenzunterschieden zu erklären sei unlogisch und empirisch gehaltlos, da die Aussage des Modells lediglich darin bestünde, dass Menschen eben so handeln, wie sie es machen, weil sie es so wollen.

[...]


1 Gebhard Kirchgässner ( 2008, S 12)

2 Gebhard Kirchgässner ( 2008, S 13)

3 Gebhard Kirchgässner ( 2008, S 16)

4 Gebhard Kirchgässner ( 2008, S 34)

5 Adam Smith (1988, S 582)

Details

Seiten
17
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656856320
ISBN (Buch)
9783656856337
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v285270
Institution / Hochschule
Universität Mannheim
Note
2,0
Schlagworte
Homo Oeconomicus Heuristik Ökonomik Profit-Maximierung

Autor

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Titel: Das Modell des Homo Oeconomicus