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Die Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen im Nationalsozialismus

Ein Überblick von der Rassentheorie zur Euthanasie bis in die Neuzeit

Seminararbeit 2014 22 Seiten

Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Menschen mit Behinderungen vor der Zeit des Nationalsozialismus
2.1 Menschen mit Behinderungen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts
2.2 Menschen mit Behinderungen ab dem 19. Jahrhundert

3 Menschen mit Behinderungen während der NS Zeit
3.1 Gesetz zur Förderung von Eheschließungen vom 1. Juni 1933
3.2 Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses vom 14. Juli 1933
3.3 Gesetz zur Änderung des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses vom 26. Juni 1935 und vom 4. Februar 1936
3.4 Gesetz über die Vereinheitlichung des Gesundheitswesens vom 3. Juli 1934
3.5 Gesetz zum Schutz der Erbgesundheit des deutschen Volkes (Ehegesundheitsgesetz) vom 18. Oktober 1935

4 Die Euthanasie von Menschen mit Behinderungen

5 Fazit

6 Literatur- und Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Der zweite Weltkrieg und das Ende des nationalsozialistischen Systems sind seit fast 70 Jahren vorbei und seitdem hat sich die Stellung der Menschen mit Behinderungen in der Gesellschaft geändert. Wir sind in einer Zeit, wo behinderte Menschen neue Aufgaben erfüllen und eine erhöhte Akzeptanz in der Gesellschaft haben. Zwar sind sie immer noch nicht hundertprozentig inkludiert, aber die Tendenz geht hin zu einer offenen toleranteren Gesellschaft, zumindest in Europa und in Deutschland. Da es in den unterschiedlichen Länder auch verschiedene Stellung der Behinderten in der Gesellschaft, bezieht sich diese Arbeit vorwiegend auf die Bundesrepublik Deutschland. Wenn man sich die Zeitungen anschaut, ist die Entwicklung der Integration von Menschen mit Behinderungen im Laufe unserer Geschichte positiv zu bewerten. Sie werden des Weiteren zunehmend wichtiger für den Arbeitsmarkt und wirken dem kommenden Fachkräftemangel entgegen. 1 Es muss aber bei der Betrachtung differenziert herangegangen werden, denn es gibt viele Behinderungsarten. In Deutschland werden Behinderungen nach Lernbehinderte, psychische Behinderungen, Sprachbehinderungen, Körperbehinderungen, geistige Behinderungen und Sinnesbehinderungen, wie Hören differenziert. Auch die Lehrerausbildung resultierte aus den Behinderungsarten, denn es gibt in den meisten Bundesländern noch die Unterteilung der verschiedenen Behinderungsarten.

Die Stellung der Menschen mit besonderen Bedürfnissen oder auch Behinderungen veränderte sich demnach stark. Das Hauptziel dieser Seminararbeit mit dem Titel Die Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen im Nationalsozialismus – ein Überblick von der Rassentheorie zur Euthanasie besteht darin, die Entstehung und Veränderungen der Stellung von Menschen mit Behinderungen vorwiegend bezogen auf die Zeit von 1933 bis 1945 zu erklären. Bedeutsam bei der Bearbeitung der Seminararbeit ist es, dass die Leser sich mit der Problematik befassen und darüber aufgeklärt werden, wie Menschen damals behandelt und unterdrückt worden. Es handelt sich aufgrund des geringen Umfangs um eine Überblickshausarbeit. Darüber hinaus wird auch die Zeit vor 1933 thematisiert.

Folgende Teilfragestellungen werden in der Seminararbeit untersucht:

1 Welche Stellung hatten Menschen mit Behinderungen vor der Zeit des Nationalsozialismus?
2 Inwieweit waren die Theorien von Darwin, Gobineau und Galton Grundlage für die rassenpolitische Gesetzgebung in der Zeit des Nationalsozialismus?
3 Was bedeutet Euthanasie und welche Folgen hatte diese für die Menschen mit Behinderungen?

2 Menschen mit Behinderungen vor der Zeit des Nationalsozialismus

2.1 Menschen mit Behinderungen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts

Schaut man in die Literatur wird deutlich, dass die bessere Stellung der Menschen mit Behinderungen heutzutage keinesfalls Zufall war. Erst viele politische Gesetze und Konventionen der Vereinten Nationen trugen dazu bei, dass Menschen nicht mehr diskriminiert werden dürfen.

Wird die Zeit der Antike betrachtet ist festzustellen, dass die Behinderungen keine Chance hatten zum Überleben. Wurde ein Baby als nicht gesund angesehen und entsprach nicht den Idealen eines Menschen war es üblich es sofort zu töten.2

Im römischen Zeitalter wurden die ersten gesetzlichen Regelungen geschaffen, ob eine Tötung von behinderten Kindern und Neugeborenen vollstreckt werden darf oder nicht. Es wurde fünf Zeugen vorgeführt und waren sich alle einig, dass das Kind nicht der Norm entsprach , wurde die Hinrichtung des Neugeborenen legitimiert. Die behinderten Kinder, welche überlebten, führten ein trauriges Leben als Sklaven oder Bettler.3 Nach und nach verbesserten sich die Lebensbedingungen für Menschen mit Behinderungen. In der frühen Zeit des Mittelalters drückte sich dies dadurch aus, dass Menschen mit Behinderungen in Klöstern und in Gemeinden nahezu als gleichrangig angesehen wurden. Grundlage war allerdings die Taufe, die erst eine Gleichwertigkeit der Menschen mit und ohne Behinderungen bescherte. Die Menschen mit Behinderungen wurden neben den Kranken und den Bettlern in der Gesellschaft auf die unterste Gesellschaftsstufe gesetzt.4

Danach verbesserten sich die Lebensbedingungen für Menschen mit Behinderungen allerdings auch nicht. Das Mittelalter im 15. Jahrhundert war auch geprägt von Verfolgung von Andersartigen und Benachteiligten. Die Menschen waren zu jener Zeit besessen vom Hexentum und Behinderung als Strafe Gottes. Während der Bestrafung von Ketzern und der Zeit der Hexenverfolgung wurden Menschen gequält, gefoltert und ermordet. Auch viele Menschen mit Behinderungen befanden sich darunter.5

Dagegen gibt es in der Historie der Heilpädagogik auch positive Ereignisse Geschehnisse, denn in Klöstern wurden Menschen mit einem mehr oder weniger starken Grad der Behinderung aufgenommen. Allerdings spricht dagegen, dass die Unterbringung von diesen Menschen nur aufgrund oftmals nur von Spenden der Angehörigen zustande kam. Die Angehörigen von behinderten Menschen dienten damals nur dazu, diese aus den Augen von den Spendern zu schaffen.6

Eine Änderung des gesellschaftlichen Standes von Menschen mit Behinderung fand erst mit der Entwicklung der Industriestaaten statt. Es wurden heilpädagogische Anstalten gegründet, in denen diese Menschen untergebracht wurden. Es erfolgte eine Betreuung, eine Förderung fand nicht statt. Anbei ist zu sagen, dass diese Menschen dann leider immer weiter aus der Öffentlichkeit verschwanden. Ein normales Zusammensein von nichtbehinderten und behinderten Menschen erfolgte nicht, da diese separiert in Pflegeanstalten untergebracht wurden. Weitere verbesserte Änderungen traten mit einer verbesserten Medizin Ende des 18. Jahrhunderts ein, allerdings wurden die Menschen meistens trotzdem von der Gesellschaft ausgegrenzt.

2.2 Menschen mit Behinderungen ab dem 19. Jahrhundert

Der Schwerpunkt in diesem Abschnitt liegt in der Darstellung der riskanten Gedankenströme, die während des 19. Jahrhunderts entstanden. Des Weiteren erfolgt die Darstellung von Darwins Thesen bis hin zum Sozialdarwinismus, welcher die Grundlage bildet für die damalige Behindertenpolitik.

Charles Darwin britischer Biologe, bedeutender Naturforscher und Evolutionstheoretiker, veröffentlichte das Buch Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl 1859. Darwins These lautete, dass die Nachkommen der Eltern immer verschieden sind. Daraus resultierte auch die große Artenvielfalt auf unserer Erde. Daneben fügte er seiner These hinzu, dass die Artenvielfalt durch eine gewisse biologische Lenkung gesteuert werden kann. Darwin spricht von natural selection. Dies bedeutet, dass sich die Bestangepassten und Stärksten durchsetzen und fortpflanzen. Aussortiert werden die Schwachen.7

Viele von Darwins Mitstreitern waren der Ansicht, dass man dieses Gesetz, welches Darwin nur auf die Flora und Fauna bezog, auch auf den Menschen beziehen kann. Nur durch die natürliche Auslese kann nach dieser Theorie der Fortbestand der Menschheit gesichert werden. Ein Gegenargument ist, dass man die Menschen nicht auf die Tierwelt übertragen kann. Darwins Thesen und Ideen wurden auf die politische und ethische Praxis von 1933 bis 1945 übertragen. Der Selektionscharakter war bestimmend in der Gesellschaft und war der Maßstab für die Auslese der „Minderwertigen und Schwachen“.

Eine weitere Grundlage für die Entwicklung der Rassenlehre waren die Versuche von den Rassenanthropologen, die Unterschiede von Menschen an den Schädel- und Körpermessungen geltend machen. Arthur de Gobineau (1816 – 1882), französischer Schriftsteller und Diplomat, veröffentlichte sein Buch Die Ungleichheit der Menschenrassen. In diesem Buch versuchte er, die Überlegenheit der „arischen Rasse“ zu begründen. Er gilt als Vordenker rassistischer Konzepte. Weitere Vertreter dieser Wissenschaft war der britische Naturforscher Francis Galton (1822 – 1911), Cousin von Charles Darwin.8 Er vertrat die Meinung, dass weiße Menschen, den Nichtweißen überlegen seien und das Intelligenz und körperliche Merkmale vererbbar seien. Mit der Veröffentlichung seines Werkes Genie und Vererbung 1869 und Human Faculty 1883 prägte erstmal den Begriff der Eugenik. Der Begriff geht auf den griechischen Begriff der eugenes zurück, was soviel bedeutet, wie von gutem Stamm oder edelgeboren. Er war fest der Überzeugung, dass durch eine gezielte Züchtung der Menschheit die menschlichen Merkmale verbessert werden kann. Die Fortpflanzung sollte nach Francis Galton gezielt kontrolliert werden, um der genetischen Degeneration abzuwehren.

Eine Schrift, die 1920 unter dem Titel Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens vom Strafrechtslehrer Dr. Karl Bindung und dem Psychiater Dr. Alfred Hoche, veröffentlicht wurde, hatte ebenso weitreichende Folgen für die rassenhygienische Diskussion und die Minderwertigkeit von bestimmten Menschen. In der Abhandlung vollzog diese den bedeutsamsten Schritt von der Eugenik, während der Jahrhundertwende, zur Forderung nach Euthanasie, worunter in der Weimarer Republik die Vernichtung menschlichen Lebens diskutiert wurde. Diese Schrift diente daher ideologisch als Grundlage und Rechtfertigung der systematischen Ausgrenzung, Verfolgung und Ermordung von über 100000 Menschen.9

Es fand mit der Schrift eine Legimitation zur Tötung lebensunwerten Leben statt. Ein Kostennutzenvergleich, anhand der Pflege von Menschen mit Behinderungen im Gegensatz zur Kapitalverschwendung wurde herangezogen.10

3 Menschen mit Behinderungen während der NS Zeit

In diesem Kapitel erfolgt eine kurze Einleitung über die Entstehung und Entwicklung des Nationalsozialismus und des rassenhygienischen Denkens.

Adolf Hitler wurde 1933 zum Reichskanzler gewählt. Eine separate Behindertenpolitik gab es nicht, allerdings gab es in der Zeit eine Politik von Vertreibung und Ausgrenzung. Die Idee von Karl Binding und Alfred Hoche wurde durch die Nationalsozialisten rücksichtslos umgesetzt.

Folgend werden die gesetzlichen Grundlagen beschrieben, die eine Tötung von Behinderten legitimieren.

Im folgenden Kapitel werden die wichtigsten Gesetze der Reichsverfassung für die Degradierung von Menschen mit Behinderten dargestellt. Es gab bedeutsame Veränderungen der gesetzlichen Grundlage, die schlussendlich dazu führten die Tatsachen der Diskriminierung zu legitimieren.

3.1 Gesetz zur Förderung von Eheschließungen vom 1. Juni 1933

Dieses Gesetz wurde beschlossen um die Frauenerwerbsquote zu senken. Gründe sind vor allem, dass die Frauen vornehmend die Aufgabe haben aus bevölkerungspolitischer Sicht Kinder zu gebären. Denn wenn mehr Kinder und Nachwuchs geboren wird, kann nach rassenpolitischer Sicht auch mehr aussortiert werden. Das Gesetz dient dazu weibliche Arbeitskräfte in die Hauswirtschaft zu führen.11

3.2 Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses vom 14. Juli 1933

Die damalige Reichsregierung hat am 14. Juli 1933 das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses verabschiedet.

Der Paragraph 1 regelt bereits die zentralen Aspekte für die Diskriminierung von Menschen mit Krankheiten.

㤠1

(1) Wer erbkrank ist, kann durch chirurgischen Eingriff unfruchtbar gemacht (sterilisiert) werden, wenn nach den Erfahrungen der ärztlichen Wissenschaft mit großer Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist, daß seine Nachkommen an schweren körperlichen oder geistigen Erbschäden leiden werden.
(2) Erbkrank im Sinne dieses Gesetzes ist, wer an einer der folgenden Krankheiten leidet:
angeborenem Schwachsinn, Schizophrenie, zirkulärem (manisch-depressivem) Irresein, erblicher Fallsucht, erblichem Beitstanz (Huntingtonsche Chorea), erblicher Blindheit, erblicher Taubheit, schwerer erblicher körperlicher Mißbildung.
(3) Ferner kann unfruchtbar gemacht werden, wer an schwerem Alkoholismus leidet.“12

Der Absatz 1 des Gesetzes legitimiert daher eine Zwangssterilisation von Frauen, die „erbkrank“ sind. Auch ist im Absatz 2 geregelt, welche Behinderungsarten eine Zwangssterilisation legimitieren. Wie viele Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter sterilisiert wurden, darüber gibt es unterschiedliche Zahlen. Nach dem Artikel aus dem Stern waren rund 400000 Menschen betroffen.

[...]


1 Vgl. http://www.welt.de/regionales/duesseldorf/article122654359/Wie-behinderte-Menschen-den-Arbeitsmarkt-beleben.html

2 Vgl. Meyer, 1983, S.87.

3 Ebenda.

4 Merkens, 1988, S.72.

5 Merkens, 1988, S.90f.

6 Vgl. Merkens, 1983, S.91f.

7 Ganssmüller, 1987, S.10ff.

8 Vgl. http://www.focus.de/wissen/mensch/francis-galton-bemuehungen-um-den-perfekten-menschen_aid_375562.html

9 Vgl. http://akj.rewi.hu-berlin.de/zeitung/08-16/material/fs16-16-unheilvolleschrift.pdf

10 Vgl. Finzen, 1996, S9ff.

11 Wagner, 2007, S.307.

12 http://www.documentarchiv.de/ns/erbk-nws.html

Details

Seiten
22
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656854371
ISBN (Buch)
9783656854388
Dateigröße
633 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v285422
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,0
Schlagworte
Euthanasie Behinderung Nazi Sonderpädagogik Geschichte Behinderung

Autor

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