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Sozialarbeit in der Entwicklungshilfe - Entstehung, aktuelle Praxis, Relevanz und Bewertung der Sozialarbeit in der Entwicklungszusammenarbeit

Hausarbeit 2004 19 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Entwicklungshilfe und Entwicklungsland – Einstieg und Begriffsklärung

3 Problemfelder von Entwicklungsländern
3.1 Geographischer Hintergrund und Mentalität
3.2 Gesellschaftliche Merkmale und Strukturen
3.3 Ausgewählte Problemlagen

4 Sozialarbeiterischer Einsatz
4.1 Entstehung des Arbeitsfeldes
4.2 Übertragung der Sozialarbeitstheorien aus den westlichen Industriestaaten in die Entwicklungsländer
4.3 Kritische Betrachtung der kulturellen Übertragbarkeit

5 Relevante Strategien u. Konzepte der Sozialarbeit in Entwicklungsländern heute
5.1 Community Development
5.1.1 Traditionelles Community Development
5.1.2 Modernes Community Development
5.2 Participatory Rural Appraisal (PRA)

6 Sozialarbeiter in den Teams der Entwicklungszusammenarbeit

7 Schlusswort und Ausblick

LITERATURVERZEICHNIS

1 Einleitung

Vor dem Hintergrund des persönlichen Vorhabens, in absehbarer Zukunft bei einem Entwicklungshilfe-Projekt mitzuwirken, entschied ich mich, „Sozialarbeit in der Entwicklungshilfe“ zum Thema dieser Seminararbeit zu machen.

Entwicklungshilfe versucht zwischen Welten zu vermitteln, die oft nur schwer miteinander zu verknüpfen sind. Dabei fließen Gelder oder andere Unterstützungsleistungen vor allem an jene Länder, die eine politische Annäherung (oder zumindest den Versuch) an die westliche wirtschaftliche und demokratische Kultur erkennen lassen.

Es stellt sich die Frage, ob die klassischen Methoden der sozialen Arbeit überhaupt brauchbar sind für Lebenssituationen, in denen grundlegende und strukturelle Mängel alltäglich sind und ob das Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ hier wirklich realisiert werden kann.

Verwunderlich ist, dass obwohl die Zahl der Bewerbungen für Einsätze in der Entwicklungszusammenarbeit seit Jahren nicht gerade klein ist, dieses Interesse kaum Beachtung bei der Festlegung der Ausbildungsinhalte in der Sozialarbeit findet.

Dennoch haben Sozialarbeit und Entwicklungsarbeit ein gemeinsames Ziel, nämlich Menschen bei der Verbesserung ihrer Lebenssituationen zu unterstützen, wenn dies aus eigener Kraft nicht erreicht werden kann.[1]

In dieser Arbeit will ich als Grundlage zuerst vorherrschende Rahmenbedingungen in Entwicklungsländern kurz aufzeigen, da ohne dieses Vorwissen das Wesen von Sozialarbeit in der Entwicklungshilfe kaum verstanden werden kann.

Dabei wird auch auf die wichtigsten Problemlagen von Entwicklungsländern eingegangen.

Anschließend wird die Entstehung des sozialarbeiterischen Arbeitsfeldes in Entwicklungsländern und dessen Weiterentwicklung bis heute erläutert. Zudem soll ein Eindruck über Struktur und Problemlagen der Sozialarbeit in diesen Ländern heute gewonnen werden.

2 Entwicklungshilfe und Entwicklungsland – Einstieg und Begriffsklärung

Prinzipiell ist Entwicklungshilfe immer ausschließlich in Abhängigkeit von den jeweils herrschenden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Zielvorgaben zu sehen.

In der frühen westlichen Entwicklungspolitik galt lange Zeit der wirtschaftliche Wachstum in Ländern der sogenannten Dritten Welt als oberstes Ziel.

Von den 70er Jahren an bis heute werden die Zielkomponenten des Magischen 5-Ecks, und zwar in ihrer Gesamtheit, für die Entwicklungshilfe als essentiell betrachtet. Diese sind: Wachstum, Arbeit, soziale Gerechtigkeit, Partizipation und Unabhängigkeit.[2]

Angesichts realer Umweltkatastrophen in Folge der alleinigen Ausrichtung auf wirtschaftlichen Fortschritt, wird mit Beginn der 80er Jahre bis heute zudem großen Wert gelegt auf sogenanntes „Sustainable Development“[3]. Es werden dabei Umweltverträglichkeit, Nachhaltigkeit und Dauerhaftigkeit der Maßnahmen betont.[4]

Ich habe in dieser Arbeit den Begriff „Entwicklungsland“ gewählt, da hier eher positive Aspekte im Blickfeld stehen. Obwohl der Begriff in den letzten Jahren in Bezug auf Optimismus und Fortschritt eindeutig an positiven Assoziationen verloren hat und manche neuere Autoren stattdessen Bezeichnungen wie „südliche Länder“ bevorzugen, möchte ich ihn hier trotzdem beibehalten, da „Entwicklungsland“ heute die gängige Bezeichnung für die in dieser Arbeit betroffenen Länder ist und so allgemein richtig verstanden wird.

Auf Bezeichnungen wie Dritte oder Vierte Welt soll hier verzichtet werden, da damit schnell eine Rangfolge angezeigt und geringere Wertigkeit oder Bedeutung dieser Länder angenommen werden kann. Außerdem „symbolisiert er [der Begriff Dritte Welt, Anm. d. Verfasserin] die verhängnisvolle Auffassung, dass die Dritte Welt mit der Ersten Welt praktisch nichts zu tun hat, und dass sich unser Wohlstand losgelöst von den dortigen Verhältnissen aufrecht erhalten lässt.“[5]

Diese Einstellung ist leider immer noch von Bedeutung in der heutigen Politik, was auch Grund dafür sein kann, warum der Nord-Süd-Problematik häufig nur geringe Beachtung geschenkt wird.

Als Entwicklungsländer gelten die Länder Afrikas, Mittel- und Südamerikas, des karibischen und pazifischen Raumes und Asiens mit Ausnahme von Israel, Japan und den „vier kleinen Tigern“ Hong Kong, Taiwan, Süd-Korea und Singapur.

3 Problemfelder von Entwicklungsländern

Bei der Betrachtung muss klar sein, dass in verschiedenen Entwicklungsländern unterschiedliche Rahmenbedingungen vorherrschen und sie deshalb auf keinen Fall „in einen Topf geworfen“ werden dürfen.

3.1 Geographischer Hintergrund und Mentalität

Viele Entwicklungsländer befinden sich auf der Südhalbkugel der Erde, wo aufgrund von schlechter Bodenbeschaffenheit und häufiger Trockenheit ungünstigste Bedingungen für die Landwirtschaft vorliegen.

Hinzu kommen verschiedene vorherrschende Mentalitäten, wie z.B. der Animismus[6] in Schwarzafrika, die ein nicht zu verachtendes Problem für den Fortschritt in Bildung und industrieller Entwicklung darstellen. Auch die hinduistischen und buddhistischen Ideale der Leidenschaftslosigkeit (Passivität, Fatalismus) stellen ungünstige Voraussetzungen für unternehmerische Aktivitäten dar. Der Islam hingegen setzt positive Voraussetzungen für den Handel (Ehrlichkeit ist ein Gebot des Korans), stellt aber auch ein Hindernis für fortschreitende Industrialisierung dar, da die persönliche und soziale Mobilität stark eingeschränkt ist. Es gibt aber auch positive Einflüsse, wie z.B. die des Konfuzius, welcher jedoch in China nicht die gleiche, hohe Bedeutung hatte/hat wie in Japan.

3.2 Gesellschaftliche Merkmale und Strukturen

In Bezug auf Strukturen und Merkmale der Gesellschaft finden sich in den Entwicklungsländern bedeutende, übereinstimmende Punkte, die sie von den westlichen Ländern unterscheiden und als Entwicklungsland auszeichnen:

- Geringes Pro-Kopf Einkommen
- Niedrige Industrialisierungs-, Urbanisierungs- und Alphabetisierungsrate
- Hohes Bevölkerungswachstum und hohe Kindersterblichkeit
- Schwache Gesundheitsversorgung und niedriger Lebensstandard
- Geringe Lebenserwartung[7]

Hinzu kommt eine ungleiche Verteilung von Gütern. Reichtum befindet sich in den Händen einer dünnen Oberschicht (politische Führer, reiche Geschäftsleute, Großgrundbesitzer), demgegenüber steht eine extrem verarmte Landbevölkerung und das städtische Proletariat in den Slums. Die dünne, aber langsam wachsende Mittelschicht besteht aus Beamten, Militärs und Kaufleuten (häufig ethnische Minderheiten).

Ein weiteres Merkmal ist die relativ starke Machtposition der Bürokratie, was zu dem bekannten Problem der Korruption führt: Für alles und jeden muss bestochen werden, dabei ist Korruption eine wichtige Ursache für das schlechte Funktionieren von Einrichtungen für soziale Sicherheit oder soziale Dienste.

3.3 Ausgewählte Problemlagen

Die unterschiedlichen, in der Regel in jedem Entwicklungsland vorkommenden Probleme bilden den Rahmen und das potentielle Aufgabenfeld für sozialarbeiterische Tätigkeiten. Folgendes muss, mit der Sozialarbeit in engem Zusammenhang stehend, betrachtet werden.

Schwerwiegende Probleme bestehen zum Einen im Bereich der Versorgung mit Nahrungsmitteln – Unterernährung, aber noch häufiger Mangelernährung (einseitig, keine Vielfalt an Nahrungsmitteln) sind alltäglich. Die Folgen sind geringer Antrieb, verminderte geistige und körperliche Leistungsfähigkeit und schwache Abwehrkräfte, was wiederum Krankheiten mit sich bringt und Arbeiten – und damit auch die Beschaffung von Lebensmitteln – erschwert oder gar unmöglich macht. So entsteht ein Teufelskreis, den die Betroffenen aus eigener Kraft nur schwer durchbrechen können.

Außerdem werden Krankheiten begünstigt durch warmes / feuchtes Klima (vorteilhaft für Würmer, Bakterien, Parasiten...), katastrophale hygienische Bedingungen (schnelle Ausbreitung, Seuchengefahr) und Unfälle aufgrund von Missachtung der Sicherheitsbestimmungen am Arbeitsplatz. All dies hat meist den Abstieg in die totale Armut zur Folge, da Krankheit oder Arbeitsunfähigkeit nicht von einem sozialen Netz aufgefangen werden können.

Ein weiteres großes Problem ist auch die geringe Bildung, aufgrund dessen oft nur sehr schlecht bezahlte, schwere körperliche Arbeiten ausgeübt werden können.[8]

Hinzu kommen immer wieder Naturkatastrophen (und damit Hungersnöte oder Wohnungslosigkeit) und die ständige politische Instabilität.

[...]


[1] vgl. Passon, Berlin 1999, Seite 11

[2] vgl. Passon, Berlin 1999 Seite 14

[3] ebd. Seite 14

[4] vgl. ebd. Seite 14

[5] Koslowski, Münster 1995 Seite 33

[6] Animismus: Glaube, dass Menschen, Tiere, Pflanzen und Gegenstände von guten oder bösen Geistern besessen sind. Dieser Geisterglaube führt dazu, dass umfangreiche Beschwörungsformeln und Schutzmaßnahmen durchgeführt werden müssen, um die Dämonen gut zu stimmen und negative Ereignisse abzuwenden. Das heißt, dass das Verhalten nicht von rationalen, sondern von magischen Gesichtspunkten bestimmt wird. (vgl. Koslowski, Münster 1995 Seite 38)

[7] vgl. Koslowski, Münster 1995 Seite 40 f

[8] vgl. ebd. Seite 47 f

Details

Seiten
19
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638303026
Dateigröße
669 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v28556
Institution / Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Stuttgart, früher: Berufsakademie Stuttgart – Sozialwesen
Note
1,0
Schlagworte
Sozialarbeit Entwicklungshilfe Entstehung Praxis Relevanz Bewertung Entwicklungszusammenarbeit Politik

Autor

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