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Entstehung und Prävention von Adipositas bei Schülern

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 36 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhalt

Zusammenfassung

1. Einleitung
1.1 Problemstellung

2. Definition, Klassifikation und Epidemiologie der Adipositas
2.1 Adipositas bei Erwachsenen
2.2 Adipositas bei Kindern und Jugendlichen

3. Entstehungs- und Einflussfaktoren der Adipositas
3.1 Genetische Einflussfaktoren
3.2 Psychische und psychosoziale Einflussfaktoren
3.3 Soziale Einflussfaktoren
3.4 Fernsehkonsum und Ernährungsverhalten
3.5 Bewegungsverhalten

4. Die gesundheitliche Bedeutung der Adipositas
4.1 Physische Folgeerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen

5. Therapie der Adipositas im Kinder- und Jugendalter

6. Präventionsprogramme zur Behandlung von Adipositas bei Kindern und Jugendlichen

7. Wie kann Adipositas bei Jugendlichen zu Lernschwierigkeiten führen?

8. Welches Handeln ist im Schulalltag dafür angebracht?

9. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Zusammenfassung

Nicht nur jeder zweite Erwachsene in Deutschland ist übergewichtig oder adipös, sondern mittlerweile ist auch ca. jedes fünfte Kind betroffen. Einflussnehmende Faktoren dieser gesellschaftlichen Entwicklung, sind das abnehmende Bewegungsverhalten, zugunsten des Fernsehens, des Computers und eines sitzenden Lebensstils und das sich verändernde Essverhalten mit einer vermehrten Aufnahme an Fett und Zucker, die in „versteckter“ Form als Fertiggerichte konsumiert werden.

Diese sog. „externen Einflussfaktoren“ wirken auf den individuellen Hintergrund. Die im Individuum angelegten (Genetik) und erlernten Ressourcen und Copingstrategien (z.B. soziale und psychische Fähigkeiten, Ernährungsgewohnheiten), nehmen des Weiteren Einfluss bei der Entstehung der Adipositas und werden als mögliche Einflussfaktoren ausführlich dargestellt und in der Schlussbetrachtung diskutiert. Zum Verständnis der Entstehung der Adipositas wird in der Schlussbetrachtung eine Abgrenzung der Adipositas gegenüber der Binge Eating Störung vorgenommen. Die erhöhte Körperfettmasse bei Menschen mit Adipositas führt zu vielen gesundheitlichen Beeinträchtigungen und zur erhöhten Mortalität. So weisen Adipöse dreimal häufiger zwei und mehr Risikofaktoren gegenüber Normalgewichtigen auf und bei einer Gewichtszunahme von 10-20 kg steigt die Gesamtmortalität um 20% und die KHK-Mortalität sogar um 160% an. Auch bei Kindern führt das Übergewicht zu einer Vielzahl von Folgeerkrankungen. Diese veränderten Umstände haben zu internationalen (WHO) und nationalen (Verbraucherministerium, RKI) gesundheitspolitischen Maßnahmen geführt. Die WHO-Europa hat zur Entwicklung gemeinsamer Handlungsstrategien, für Bewegung, Ernährung und Gesundheit, einen 5Jahres-Plan ins Leben gerufen. Diese Inhalte finden sich auch in den Therapien und in den Schulungsprogrammen von Erwachsenen und Kindern mit Adipositas wieder. Neben dem primären Ziel der Gewichtsreduktion und -stabilität durch eine Bewegungs-, Ernährungsund Verhaltensschulung, sind die Ziele der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes und Jugendalter (AGA): Die Verbesserung der adipositas-assoziierten Komorbidität, die Verbesserung des aktuellen Ess- und Bewegungsverhaltens unter Einbeziehung der Familie, das Erlernen von Problembewältigungsstrategien und die Förderung einer normalen körperlichen, psychischen und sozialen Entwicklung und Leistungsfähigkeit in der Schule sowie im Privatleben.

1. Einleitung

Mittlerweile ist jedes fünfte Kind an einer Schule in Deutschland adipös und hat dadurch Einschränkungen im Unterricht und an der Schule. Diese Einschränkungen wirken sich nicht nur auf die Konzentrationsfähigkeit und die sportliche Leistungsfähigkeit aus, sondern auch auf die soziale Entwicklung der Schüler. Durch diese Einschränkungen treten gewisse Lernstörungen bei vielen adipösen Schülern im Unterricht auf.

Die Zivilisation der heutigen Welt entwickelt sich immer mehr zu einer modernen bürgerlichen Gesellschaft, entstanden durch eine hohe gesellschaftliche, wirtschaftliche und technisch-wissenschaftliche Entwicklung, die zu entsprechenden Lebens- und Umgangsformen führt. Damit lässt sich also konstatieren, dass die Weiterentwicklung der Gesellschaft, neue Lebensformen und somit neue Erkrankungen mit sich bringt. Adipositas, mit ihren vielfältigen Folgeerkrankungen bietet die Grundlage für eine Reihe von „neuen“ Zivilisationskrankheiten. Somit sind wir beim Thema dieser Arbeit: Übergewicht und Adipositas bei Schülerinnen und Schülern, den Einflussfaktoren, die zum Anstieg des Körperfettgewebes und somit zur Entstehung von Adipositas führen und den gesundheitlichen Folgen sowie den eingesetzten präventiven und therapeutischen Maßnahmen zur Reduzierung der Adipositas. Außerdem wird darauf eingegangen, wie Adipositas bei Schülerinnen und Schülern zu Lernschwierigkeiten führen kann und welches Handeln im Schulalltag dafür angebracht ist. Dazu werden reflektierend diverse Beiträge von Studierenden aus der Diskussion des Seminars - Jugendliche mit Lernschwierigkeiten in Bezug auf Adipositas - an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg verwendet. Dazu wurde keine weitere Literatur verwendet.

1.1 Problemstellung

Das Adipositas, auch als Fettsucht, Fettleibigkeit, massives Übergewicht oder Obesitas bezeichnet (Salzmann (2001), S. 17), in der Bevölkerung in den letzten Jahren zugenommen hat, zeigen die vorliegenden Daten. Die verglichenen Körpermaße des vom Robert Koch Institut (RKI) erhobenen Bundes-Gesundheitssurveys von 1998 mit den Daten der Nationalen Untersuchungssurveys 1990/92 ergaben folgenden Trend: Die Adipositas nahm bei ostdeutschen und westdeutschen Männern um 5,9% bzw. 11,5% zu; bei westdeutschen Frauen um 6,4%. Bei ostdeutschen Frauen sind die Zahlen um 6,3% zurückgegangen, liegen aber mit einem Anteil von 24,5% an Adipösen über dem westdeutschen Schnitt bei Frauen mit Adipositas (21,1%) (Bergmann & Mensink (1999), S. 115, 118)[1].

Bei Kindern und Jugendlichen scheint sich ein ähnlicher Trend abzuzeichnen. Die Einschulungsuntersuchung im Bundesland Brandenburg ergab im Vergleich von 1994 zu 1998 einen Anstieg von Adipositas bei Jungen um 1,3% und bei Mädchen um 0,5% (RKI Heft 16 (2003), S. 11). Unter den eingeschulten Jungen und Mädchen im Bundesland Nordrhein-Westfalen sind im Zeitraum von 1996 bis 2002 die Zahlen übergewichtiger Kinder um 0,7% gestiegen[2]. Im gleichen Zeitraum hat die Zahl adipöser Kinder um 0,8% zugenommen[3]. Es lässt sich ein kontinuierlicher jährlicher Anstieg von Adipositas bei Kindern erkennen (lögd (2002), S. 11, 29). Eine vermehrte Körperfettmasse kann zu einer Reihe von Folgeerkrankungen und Gesundheitsstörungen führen sowie Einschränkungen im Lebensalltag bewirken. Häufige Leiden sind: Bluthochdruck, Koronare Herzkrankheiten (KHK), Herzinsuffizienz, Diabetes Typ II, Fettstoffwechselstörungen, Schlaganfall, Schlafapnoe-Syndrom (schlafbezogene Atemstörungen), Hyperurikämie und Gicht, Gallenblasenerkrankungen, Krebserkrankungen, orthopädische Erkrankungen und psychosoziale Beeinträchtigungen (RKI (2003), S. 15-17). Zu diesen Beeinträchtigungen gehören nach Salzmann: Mangelndes Selbstbewusstsein, geringes Selbstwertgefühl, Beziehungsängste und Misserfolgserlebnisse (Salzmann (2001), S. 11).

Das Thema „Übergewicht und Adipositas“ beschäftigt auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In den Industriestaaten stellt es ein zunehmendes Problem dar. 20-30% der Erwachsenen sind laut der WHO in Europa übergewichtig und die steigenden Zahlen von übergewichtigen und adipösen Kindern erhöhen das Risiko, Jahren bei gleicher Anzahl von eingeschulten Kindern.

Das entspricht einem Anstieg von 3,9% auf 4,7%. Das heißt 2002 waren in NRW 7510 (4,7%) Kinder adipös. Dabei handelt es sich um eine Zunahme von 1278 Kindern in 6 Jahren bei gleicher Anzahl von eingeschulten Kindern. dass diese in Zukunft an kardiovaskulären Erkrankungen (CVD)[4] leiden werden. Nach bisherigen Untersuchungen werden 80% aller adipöser Kinder zu adipösen Erwachsenen (Slotta-Bachmayr (1997), S. 15). Die Europäische Kommission vermutet, dass in 5-10 Jahren in einigen Bevölkerungsgruppen der Europäischen Union (EU)[5] jeder Dritte übergewichtig oder adipös ist, wie es heute schon in den USA der Fall ist (Europäische Kommission (2002), S. 8). Als Hauptursachen für CVD, Krebs und Fettleibigkeit beschreibt die WHO in ihrem Bericht kalorien- und fettreiche Nahrung (gesättigte Fettsäuren, viel Zucker), wenig frisches Obst und Gemüse neben einem sitzenden und rauchenden Lebensstil. CVD und Krebs gehören zu den beiden häufigsten Todesursachen in Europa. CVD verursacht jährlich vier Millionen Tode[6] (WHO (2002), S.4).

Die WHO bezieht sich in ihrem Bericht auf Kohlmeier et al. (1993), der schätzt, dass Fettleibigkeit in einigen europäischen Gesundheitswesen 7% ihrer Gesamtkosten im Gesundheitswesen ausmachen. Die Kosten von ernährungsabhängigen Erkrankungen werden von der WHO sogar auf 30% der nationalen Gesamtausgaben im Gesundheitswesen geschätzt (WHO (2002), S. 6). Bergmann und Mensink nennen Kosten in Höhe von mehr als 21 Milliarden Deutsche Mark (DM) pro Jahr für die Maßnahmen der Folgeerkrankungen von Adipositas in Deutschland (Bergmann & Mensink (1999), S. 118). Schneider nennt eine Kostenspanne für das Jahr 1995 von 7,8 bis 13 Milliarden EUR (Schneider (1997), S. 42).

2. Definition, Klassifikation und Epidemiologie der Adipositas

„Adipositas liegt, nach Bray (1978), dann vor, wenn der Anteil des Fettgewebes am Körpergewicht höher als „normal“ ist“ (Pudel & Westenhöfer (1998), S. 123). Die notwendige Ergänzung zum Verständnis von Bray bringt das National Institute of Health (1985), in der das Übermaß an Fettgewebe bei einer Adipositas zur gesundheitlichen Beeinträchtigung führt. Der Fettgewebsanteil am Körpergewicht liegt z.B. bei einem 18jährigen Mann bei 1518% und bei Frauen des gleichen Alters bei 20-25%. Mit zunehmendem Alter steigt der relative Fettgewebsanteil am Körpergewicht. Übergewicht, in Abgrenzung zur Adipositas, ist die Erhöhung von Körpermasse, die sich auf alle Gewebe beziehen kann (Ellrot & Pudel (1997), S. 3). Auch krankhafte Wassereinlagerungen können das Gewicht erhöhen. Somit kann Übergewicht durch eine Zunahme an Fettgewebe, Muskelmasse oder Wassergehalt hervorgerufen werden. Bei der Adipositas ist ausschließlich die Zunahme an Fettgewebe entscheidend; und in der Regel ist auch davon auszugehen, dass Personen mit einem hohen Anteil an Fettgewebe ein hohes Körpergewicht aufweisen. Die z.T. hohe Muskelmasse bei Sportlern lässt sich unter Verwendung der üblichen Gewichtsindices, wie dem Body Mass Index (BMI), nicht erfassen. Der BMI erfasst lediglich ein relatives Gewicht, d.h. ein auf die Körperhöhe bezogenes Gewicht (Pudel & Westenhöfer (1998), S. 123-125; Slotta-Bachmayr (1997), S. 13). Neben der erhöhten Fettmasse ist die Berücksichtigung des Fettverteilungsmusters entscheidend. Dabei lässt sich die gynoide Form (sog. Birnentyp) von der androiden Form (sog. Apfeltyp) unterscheiden. Die androide Form, die Fettkonzentration um den Bauch, tritt in der Mehrheit bei Männern auf. Vor allem dieser Typ weist ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen auf, wie in Studien immer wieder bewiesen werden konnte. Hauner (1996) erklärt es mit der Aussage, dass vizerale Fettzellen stoffwechselaktiver sind als subkutane Fettzellen[7] (Salzmann (2001), S. 25). Der gynoide und in der Mehrheit weibliche Typ beschreibt eine Fettkonzentration um Hüfte und Taille und ist prognostisch günstiger (Pudel & Westenhöfer (1998), S. 129-130; Laessle et al. (2001), S.3). In der 10. Auflage der International Classification of Diseases (ICD-10) der WHO wird die „Adipositas und sonstige Überernährung“ (E65-E68) im Vierten Kapitel (E00-E90) unter „Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten“ beschrieben. Dort sind neben der „Adipositas durch übermäßige Kalorienzufuhr“ (E66.0) auch die „Folgen der Überernährung“ (E68) als Diagnoseschlüssel aufgenommen (WHO (1994), S. 259, 283-284). Nach der Eingangs vorgestellten Definition der Adipositas, in der die erhöhte Fettmasse zur gesundheitlichen Beeinträchtigung führt, ließe sich scheinbar leicht eine fettreduzierte Diät und Bewegung verordnen. Einer der Gründe, der dagegen spricht so „einfach“ vorzugehen, ist die Vielfalt der „emotionalen Auslöser“ (z.B. Frust, Angst, Enttäuschungen, Unlustgefühle), die unser Essenverhalten beeinflussen können. Das Essen kann der Ersatzbefriedigung dienen und erfüllt somit nicht einfach nur die Aufgabe der körperlichen Sättigung. Das Krankheitsbild, bei der diese Einflussfaktoren Ausdruck finden, ist die Binge Eating Störung, kurz BED („Essen wie ein Besäufnis“). Diese Form der Essstörung, bei der große Mengen an Nahrung verzerrt werden, wird seit 1994 im Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-IV) der American Psychiatric Association unter dem Diagnoseschlüssel 307.50 als vorläufige Subgruppe unter „nicht näher bezeichneten Essstörungen“ definiert (American Psychiatric Association (1996), S.625-626). Hoffmann & Hochapfel (1999) beschreiben in ihrem Buch, „die Formen von Adipositas, die als Folge einer Impulskontrollstörung und damit als Essstörung (...)angesprochen werden: die Bingeeating-Störung (...)“ (S. 362). Sie klammern in ihrer Schilderung nur die 5% der Adipositas aus, die einer endokrinen Störung zugrunde liegen (Hoffmann & Hochapfel (1999), S. 362-363). Pudel hingegen bezieht sich auf amerikanische Schätzungen, denen zufolge 20-30% der Adipösen unter einer Binge Eating Störung leiden (Pudel (1997), S. 52-53). Hoffmann und Hochapfel zitieren Freyberger, der die Adipösen nach ihrem Essverhalten in vier Hauptgruppen teilt: In Rauschesser, dabei handelt es sich um Personen, die geradezu rauschartig große Nahrungsmengen verschlingen. Diese Essanfälle werden häufig durch emotionale Faktoren wie Ärger, Frustration und Langeweile ausgelöst; in Daueresser, das sind Personen, die ständig merkliche Appetitempfindungen haben und den ganzen Tag über Essen zu sich nehmen, ohne dem Nahrungsverzehr gesteigerte Aufmerksamkeit zu schenken; in Nimmersatte, hier liegt kein deutliches Appetitund Sättigungsempfinden vor, deshalb kommt es zum Verzehr größerer Nahrungsmengen; in Nachtesser, diese Personen überkommt der Hunger nur abends und nachts und lässt sich schwer für die Betroffenen einschränken. Diese Personen leiden an Ein- und Durchschlafstörungen (Hoffmann & Hochapfel (1999), S. 363-365). Hilde Bruch beschreibt, in ihrem 1973 in den USA erschienenen Buch, die übergewichtigen Menschen, die Ärzte und Ernährungsspezialisten verwirren, die als unkooperativ gelten und die trotz zahlreicher Kampagnen zur Verhaltensänderung, nicht abnehmen. Sie weist, zu einer Zeit als noch keine Binge-Eating-Störung diagnostiziert wurde, darauf hin, dass sich zwei Gruppen von Menschen mit Fettsucht unterscheiden lassen: Die eine Gruppe, die eine Diät einhalten kann und die andere Gruppe, die dabei ernsthafte Schwierigkeiten hat (Bruch (1991), S. 14-15). Wie groß der Einfluss emotionaler Faktoren auf die multifaktorielle Genese der Adipositas ist, lässt sich sicherlich nicht abschließend klären; trotz der Tatsache, dass bisher in Studien keine spezifischen Persönlichkeitsmerkmale bei adipösen Menschen gefunden werden konnten. Diese Beobachtung beeinflusst die Abgrenzung der Binge Eating Störung zur Adipositas. Im DSM-IV wurde ausschließlich die Essstörung Binge Eating Disorder aufgenommen (Pudel & Westenhöfer (1998), S. 136-137). Die Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA) gibt in ihrem Leitfaden eine Abgrenzung der Adipositas zu psychiatrischen Grunderkrankungen wie z.B. Bulimie und Depressionen für die Diagnostik vor (AGA (2004), S. 20). Diese Abgrenzung sieht dann z.B. im Fall von Bulimie oder Depression eine psychologische oder psychiatrische Betreuung vor anstatt einer Adipositastherapie, zu der im Allgemeinen auch die Gewichtsabnahme gehört.

2.1 Adipositas bei Erwachsenen

Die genaue Ermittlung des Körperfettgewebes erfolgt über aufwendige Methoden wie z.B. der Unterwasser-Wiegemethode und der Bioelektrischen Impedanzanalyse (B.I.A.)[8]. Zur Bestimmung der Adipositas hat sich bei Erwachsenen der Body Mass Index (BMI) durchgesetzt. Der BMI errechnet sich wie folgt: BMI = Körpergewicht in Kilogramm (kg) durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat (m²). Er weist eine hohe Korrelation zur Fettmasse und eine geringe zur Körpergröße auf; und dient als gutes und einfaches Instrument zur indirekten Ermittlung der Körperfettmasse (Pudel & Westenhöfer (1998), S. 123-125; Salzmann (2001), S. 18-19). Der Grad der Adipositas lässt sich anhand der folgenden BMIWerte bestimmen:

Tabelle 1: Gewichtsklassifikation

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: WHO: RKI-Heft 16 (2003), S.8 Gesellschaft für Adipositasforschung: Pudel & Westenhöfer (1998), S. 125.

[...]


[1] Es sind in Deutschland ca. 65% der männlichen Bevölkerung und ca. 55% der weiblichen Bevölkerung übergewichtig oder adipös.

[2] Das entspricht einem Anstieg von 5,6% auf 6,3%. Im Jahre 2002 wurden 159.783 Kinder in NRW eingeschult und davon waren 10.066 (6,3%) übergewichtig. Dabei handelt es sich um eine Zunahme von 1118 Kindern in 6

[4] Mit Adipositas sind häufig folgende kardiovaskuläre Risikofaktoren assoziiert: Hyperlipidämie, arterielle Hypertonie, Nicht Insulin abhängiger Diabetes mellitus und das metabolische Syndrom (Klose (1997), S. 25- 29).

[5] Der EU gehören derzeit (Mai 2014) 28 Mitgliedsstaaten an.

[6] Es leben ca. 740 Millionen Menschen in Europa in 51 Staaten. 5

[7] Es gibt Hinweise dafür, dass neben den subkutan und viszeral gelegenen Fettspeichern auch intramuskulär gelegene Lipide existieren, die in der Pathogenese der Insulinresistenz eine besondere Rolle spielen könnten (Maier (2003), S. 7).

[8] Die B.I.A. ist eine elektrische Widerstandsmessung am menschlichen Körper. Durch die angelegten Hautelektroden wird ein elektrisches Wechselstromfeld erzeugt. Die Widerstände der verschiedenen Gewebe des Körpers lassen sich in Wasser und Fettmasse unterteilen. Das elektrolythaltige Körperwasser leitet gegenüber dem Körperfett gut (Charite (13.02.05)).

Details

Seiten
36
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656858164
ISBN (Buch)
9783656858171
Dateigröße
586 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v285601
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg – Erziehungswissenschaften
Note
1,5
Schlagworte
entstehung prävention adipositas schülern

Autor

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