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Das Sozialverhalten des Hundes

Akademische Arbeit 2008 23 Seiten

Psychologie - Tierpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Das Sozialverhalten

Optische Kommunikation durch Körpersignale

Akustische Kommunikation

Olfaktorische Kommunikation

Das Spielverhalten
Initialspiel
Kontaktspiel
Rennspiel
Solitärspiel

Soziales Verhalten unter Hunden
Freies aggressives Verhalten
Offensives Verhalten
Defensives Verhalten
Jagdverhalten

Die Rangordnung

Interaktionen zwischen Hunden verschiedener Gruppen

Das Sozialverhalten

Zum Sozialverhalten gehören außer dem Ausdrucksverhalten zur Verständigung, dem sozialen Verhalten im Rudel, Imponier- und defensivem Verhalten, auch das Sexual- und Aufzuchtverhalten, die infantilen Verhaltensweisen und Lautäußerungen. Unsere Hunde sind normalerweise sozial lebende, also gesellige Lebewesen. Sie sind also auf eine sehr differenzierte Vermittlung von Informationen angewiesen.

Unter Ausdrucksverhalten versteht man alle Verhaltensweisen, die im Zusammenhang mit der innerartlichen (sozialen) und gelegentlich auch zwischenartlichen Verständigung stehen. Hierher gehören u. a. Balz-, Droh- und Beschwichtigungsgebärden. Die meisten der visuellen, auditiven, taktilen und olfaktorischen Signale von Hunden sind aus mehreren Komponenten zusammengesetzt. Ein „Drohsignal“ kann zum Beispiel sowohl aus visuellen (Mimik, Gestik, Körperhaltung), als auch aus auditorischen (Vokalisationen) Anteilen bestehen. Es gibt noch eine Vielzahl anderer Kommunikationsformen wie z.B. chemische, thermische, elektromagnetische Kommunikation neben der visuellen und taktilen, die bei Körpersprache von Bedeutung sind. Diese „Verhaltenseinheiten“ oder „Signaleinheiten“ auch „Displays“ genannt (ebd.) stellen die Kommunikationsgrundeinheiten dar. Nicht einzelne Signale, sondern zusammengesetzte Gesamtausdrücke sind es, denen je nach Kontext verschiedene Bedeutungen zukommen, bzw. eine bestimmte Bedeutung im Sinne der Kommunikation haben. Es ist also für uns von immenser Wichtigkeit, dass wir einzelne Signale nicht aus dem Zusammenhang reißen, sondern immer alle Signale erkennen und entsprechend bewerten können.

Durch die hohe Variabilität der Haushunderassen, die sich auch in verschiedener Kopf- und Körperform, Behaarung und Fellfarbe sowie unterschiedlich starkem Hautwachstum äußert, wurden die optischen Ausdrucksmöglichkeiten von Hunden der verschiedenen Rassen mehr oder weniger eingeschränkt. Hier erkennen wir nun also einen der Gründe, warum Hunde „verschiedene“ Sprachen sprechen. Unsere Hunde müssen lernen, die Kommunikation andersartiger Hunde zu verstehen. Dazu ist es erforderlich, dass sie mit sozialen Hunden der verschiedensten Rassen zusammenkommen. Erschwerend kommen immer noch Eingriffe des Menschen hinzu, die das Ausdrucksverhalten bestimmter Haushunderassen noch mehr „beschneiden“. Allein im Bereich des Schwanzes gibt es bei unkupierten Hunden 10 unterscheidbare Stellungen mit Signalfunktion; nicht nur die Gesamtbewegungen oder -haltungen auch unterschiedliche Bewegung und Haltung im proximalen (=näher zur Körpermitte) mittleren und distalen (weiter von der Körpermitte entfernt) Bereich können zur Übermittlung von Stimmungen beitragen. In vergleichenden Untersuchungen an kupierten und unkupierten Hunden wurde die distanzvergrößernde Funktion des hoch aufgestellten Schwanzes mit leichter Bewegung im distalen Drittel (Verhalten eines sozial sicheren Hundes) gezeigt.

Vereinfacht kann man also sagen: Dem Hund wurden durch Zucht – meist wegen optischer Vorlieben der Menschen – viele Kommunikationsmöglichkeiten genommen. Es ist daher unsinnig zu behaupten, dass alle Hunde der Welt die gleiche „Sprache“ haben. Das ist schon allein durch kupierte Ohren oder Schwänze, langes oder kurzes Kopfhaar und die Reduktion der Ausdrucksmöglichkeiten gar nicht realistisch. Wie soll denn z.B. ein Schäferhund die weit reduzierten Gesten eines kupierten Dobermanns deuten können (es sei denn er hat es von Beginn an gelernt)? Besonders in Konfliktsituationen ist eine zuverlässige Form der Kommunikation für den beteiligten Hund von Vorteil. Die Entstehung von Verhaltensweisen die in immer gleicher Intensität und Geschwindigkeit ablaufen und dadurch eindeutiger werden, wird „Ritualisierung“ genannt. Im Laufe der Evolution haben sich durch Selektionsdruck bestimmte arttypische Gesten und Mimiken herausgebildet, die eine differenzierte Kommunikation ermöglichen und vor allem auch eindeutig verstanden werden können.

Optische Kommunikation durch Körpersignale

Die Verständigung der Hunde untereinander erfolgt mit Hilfe der Mimik, der Haltung von Kopf und Körper, der Gliedmaßen, Ohren, Augen, Rückenhaare und Rute. Den Unterlegenheitsgesten bei Wölfen entspricht beispielsweise beim Hund die Begrüßungszeremonie, die bei Besitzerheimkehr mit Winseln, vorne tief gehen, freudigem Anspringen, Abschlecken der Gesichtspartie und auf den Rücken legen stattfindet. Im Gegensatz dazu verdeutlicht das „Anstarren“ eine stärkere Position, wobei beim Aufeinandertreffen zweier Hunde der unterlegene Hund den Blick schneller abwendet. Das „Wedeln mit der Rute“ ist ein für den Hund charakteristisches Verhaltensmuster, wobei Rutenbewegungen verschiedene Stimmungen ausdrücken. Ängstliche nervöse Hunde wedeln mit herunter gezogener Rute etwas steif, wohingegen ein aggressiv drohendes Tier die Rute steif nach oben trägt. Menschliche Zuchtselektion nach bestimmten optischen Merkmalen reduzieren bei vielen Rassen die Fähigkeit, visuelle Kommunikationen auszuführen.

Akustische Kommunikation

Das Winseln in verschieden hohen Tönen findet man bei Verlassenheit, Unruhe, Schmerzen, Aufregung, oder bei Unterwerfung, wobei das Quärren erst bei stärkerem Unwohlsein auftritt. Unter anderem dient das Heulen dem Hund zum Suchen von sozialem Kontakt mit dem Menschen, oder anderen Hunden. Malamutes und Huskys heulen jedoch auch zur allgemeinen verbalen Verständigung, ebenso wie andere Hunde bellen. Dabei variiert das Heulen sehr stark und ist von Hund zu Hund etwas unterschiedlich.

Beim Knurren gibt es verschiedene Stufen; es wird durch optisches Ausdrucksverhalten unterstützt. Beim sozialen Hund kann es sich auch um eine Spielaufforderung handeln, aber auch um eine Warnung (das tut mir weh, hör auf!) Das Knurren darf aber nicht mit dem „Brummen“ verwechselt werden, das bei starkem Wohlgefühl von manchen Hunden geäußert wird. Das Schnaufen ist ein Drohlaut, der ausgestoßen wird, wenn die vermeintliche Bedrohung noch nicht in unmittelbarer Nähe ist. Als Wuffen bezeichnet man ein Bellen mit geschlossenem Fang. Es dient dazu, Aufmerksamkeit zu erhalten, auf etwas Entferntes hinzuweisen, wird benutzt bei Schreck, Drohung oder Warnung. Das Bellen haben wir ja bereits weiter vorne ausführlich angesprochen. Bellspiele, Verbellen und Jagdbellen gibt es bei den meisten Hunden. Die Lautäußerung insgesamt ist ein völlig normales Verhalten – ebenso wie Kinder reden oder rufen, schreien oder quieken. So genannte Anti-Bell-Halsbänder, oder andere das Bellen unterdrückende Instrumente sind reine Tierquälerei!

Olfaktorische Kommunikation

Die olfaktorische (geruchliche) Kommunikation umfasst Kot- und Urinschnuppern, Analwittern, Fellwittern, Genitalwittern, und Schnauzenkontakt. Kot und Harn dienen zur Revierabgrenzung und Wiedererkennung, wobei mit dem Kot Sekrete der Analdrüsen abgesetzt werden. Vaginalsekrete und Harn hitziger Hündinnen enthalten Pheromone, die männliche Tiere über lange Distanzen erkennen können und die sie sexuell erregen. Der Geruchssinn ist bei Hunden sehr hoch entwickelt. Das Riechschleimhautareal umfasst zwischen 75 bis 125 Quadratzentimeter, in der Nasenmuschel beim Menschen im Vergleich nur 5 Quadratzentimeter, wobei die Riechleistung durch Übung verstärkt werden kann. Beide Geschlechter setzen beim Markieren nur sehr wenig Urin ab, wobei es auch Hunde gibt, die das „Hinterbein-anheben-urinieren“ auch ohne Urinabsatz demonstrieren; Hunde neigen dazu Urinmarken anderer Hunde überzumarkieren. Das Scharren mit den Gliedmaßen auf dem Boden kann einerseits der Duftverteilung, der Geruchshinterlassung durch Duftfreisetzung der verschiedenen Pfotendrüsen oder andererseits der visuellen Kommunikation dienen.

Das Spielverhalten

Das Spielverhalten wird definiert als ein Verhalten ohne Ernstbezug. Es werden dabei Elemente aus verschiedenen Funktionskreisen herausgenommen und frei miteinander kombiniert gezeigt. Im Spiel werden spätere Verhaltensweisen geübt, beispielsweise der Beutefang und das Sexualverhalten. Das Spiel ist beim Welpen wichtig für die Kontrolle der Beißintensität, wobei man beim Spiel Bewegungen aus allen Sozialbereichen in übertriebener Form sehen kann. Typische Spielbewegungen sind: plötzliches Losrennen, Kopf-Hochwerfen, Vorderbeinstoßen, Im-Kreis-Springen, Kopfschleudern, Körperschleudern, Vorne-Hochspringen, Vorne-Hochschleudern und Im-Kreis-Springen usw.

Schauen wir uns die Spielbewegungen genauer an:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Beim Spiel unterscheiden wir zwischen Initialspiel, Kontaktspiel, Rennspiel und Solitärspiel. Gehen wir etwas mehr ins Detail:

Initialspiel

Dies sind Spielaufforderungen, die auf einen Partner gerichtet sind. Beispielsweise gehören spielerische Überfälle, Aufforderungslaufen, Spiel-Vorne-Niedergehen, Über-den-Rücken-beißen, spielerisches Anspringen im Galopp, Verfolgen spielerisches Hinwerfen, Vorstoßen und Scharren dazu.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kontaktspiel

Bei Beißspielen gibt es einen Angreifer und einen Verteidiger. Dabei wird der Fang weit aufgerissen, ohne Drohmimik, lautlos und mit starker Beißhemmung. Aufreiten und Beckenstöße sind beim Rüden Sexualspiele. Typisch für dieses Beißspiel sind Frontalstehen, Kopfheben, Heben der Vorderpfote, Brustbeißen, Überrollen, Hochspringen und Umklammern. Ebenso gehören das Niederdrücken, Aufreiten, Abwehr auf dem Rücken, Schieben, Hinterteilzudrehen, Beißschütteln und Fellziehen dazu.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Rennspiel

Hier dominiert die Rollenverteilung „Verfolger-Verfolgter“. Typisch ist der Hoppelgalopp, Folgelauf, spielerisches Rückenbeißen, Zick-Zack-Galopp, Buckelrennen, Rennen, Überspringen und der Prallsprung.

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Details

Seiten
23
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656858010
ISBN (Buch)
9783668139121
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v285898
Note
Schlagworte
sozialverhalten hundes

Autor

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Titel: Das Sozialverhalten des Hundes