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Die Entwicklungsphasen des Hundes

Akademische Arbeit 2008 11 Seiten

Psychologie - Tierpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Die Entwicklungsphasen des Hundes
Die Neonatale Phase:
Die Übergangsphase und Prägephase
Die Sozialisierungsphase
Rangordnungs-; und Rudelordnungsphase
Pubertät
Die Rüpelphase

Die Entwicklungsphasen des Hundes

Gerade um die Entwicklungsphasen ranken sich wieder einmal viele „Gerüchte“. So werden z. B. Welpen in der Prägephase bereits mit allem möglichen vertraut gemacht: Kinder, andere Tiere, Umwelt. Ein Fehler, der sich später meist rächt und den Hund ängstlich, aggressiv oder unausgeglichen macht. Die Prägephase dient einzig und allein dem Kennenlernen der allernächsten Umgebung: Eltern, Geschwister, Wurfkiste, evtl. Wohnung und engste menschliche Familie. Ein „Mehr“ überfordert die Kleinen nur.

In der Sozialisierungsphase wird ebenfalls gern zu viel des Guten getan. Nach dem Motto: „was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ müssen die Welpen in dieser Zeit viel zu viel über sich ergehen lassen: sie werden „zwangsgeduscht“, lernen in der Hundeschule bereits „Sitz“, „Platz“ und mehr, werden mit allem Möglichen und Unmöglichen konfrontiert und landen schließlich völlig übersozialisiert auf der Couch eines Tierpsychiaters oder Schlimmeres. Dann gibt es noch die Menschen, die ihrem Welpen überhaupt nichts zeigen – sie unterfordern ihn in dieser Zeit. Diese Hunde bekommen später Angst vor allem Neuen und landen dann irgendwann auch auf der Couch.

Während der Pubertät und auch während der Rüpelphase wird oft extremer Gehorsam gefordert – Falsch! Hast du mal versucht, einem menschlichen Teenager den Diskobesuch wegen schlechter Noten zu verbieten? Wenn ja, dann weißt du, dass der einzige Erfolg war, dass dein Teenager dich hasst und Mittel und Wege sucht, die Verbote zu umgehen. Beim Hund ist das nicht anders. Wir lassen in diesen Phasen unsere Hunde mit jedem „Mehr“ an Erziehung in Ruhe und sind glücklich, wenn sie nicht alles bisher Gelernte vergessen. Nur die Ruhe bewahren – diese Phasen gehen vorüber – irgendwann.

Bevor wir uns die einzelnen Entwicklungsphasen genauer anschauen, solltest du wissen, dass die hier angegebenen Zahlen individuell (je nach Hund Rasse Entwicklung) abweichen können. Hier sind die Durchschnittswerte angegeben.

Die sensiblen Phasen sehen nach unseren Erfahrungen in etwa wie folgt aus:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Entwicklungsphasen und Verhaltensrepertoire

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Gerade während der ersten Entwicklungsphasen werden von uns Menschen viele Fehler gemacht. Schauen wir uns also zunächst die einzelnen Phasen genauer an:

Die Neonatale Phase:

Bereits vor der Geburt in der Pränatalen Phase hat die Umgebung der Mutter bereits großen Einfluss auf die Welpen. Ist die Mutter sehr nervös überängstlich einsam usw. überträgt sie diese Gefühle bereits auf ihre Jungen. Nach der Geburt braucht eine Hündin mit ihren Jungen einerseits Ruhe aber andererseits auch den Kontakt zu ihren vertrauten Artgenossen und den ihr zugehörigen Menschen. Welpen die mit ihrer Mutter im Zwinger aufwachsen haben oft Schwierigkeiten bei der Sozialisierung. Welpen deren Mutter sehr ängstlich oder nervös ist sind ebenfalls oft ängstlich oder nervös. Eine optimale Umgebung sichert einen guten Start ins Leben. Hier liegt die Hauptverantwortung der Züchter – einen guten Züchter zu finden ist ebenso schwer wie einen guten Trainer zu finden.

Die Übergangsphase und Prägephase

Jetzt beginnen viele Züchter damit, die Welpen laufend auf den Arm zu nehmen um sie zu „prägen“. Sie lassen die Welpen bereits von Kindern herumtragen, durch Fremde streicheln, oder „prägen“ sie auf den Menschen. Mich wundert immer, dass nicht bereits jetzt mit „Sitz“ und „Platz“ begonnen wird. Den menschlichen Auswüchsen sind kaum Grenzen gesetzt. Das übermäßige „Prägen“ soll den Welpen völlig vom Menschen abhängig machen.

Ein großer Fehler, denn die Prägephase soll sich einzig und allein auf die Mutter, Geschwister, das Rudel und die allernächste Umgebung beziehen. Aber auch das krasse Gegenteil dieser „Prägung“ erweist sich als Fehler: Welpen, die völlig vom Menschen abgeschieden in einem Raum oder Zwinger aufwachsen, reagieren später oft ängstlich auf Menschen. Unsere Welpen wachsen im Kreis des Rudels auf, beschützt vom gesamten „Rudel“, wenn möglich auch vom Vater und natürlich von uns. Wir achten darauf, die Welpen nicht zu oft auf den Arm zu nehmen, sind aber so oft wie möglich präsent. Auch die Züchter, denen wir vertrauen, handeln so.

Die Sozialisierungsphase

Hier werden nun die gröbsten Fehler gemacht. Meist wird der Welpe schon mit 8 Wochen an den neuen Halter abgegeben. Von einer Minute zur anderen steht der Welpe völlig allein da – keine Mutter mehr, keine Geschwister, kein vertrauter Mensch, keine vertraute Umgebung. Fremde Menschen tragen ihn umher oder streifen ihm ein Halsband über und schleifen ihn hinter sich her. Alle Bindungen die der Welpe bislang hatte, sind plötzlich verloren. Er ist einsam, unsicher, traurig und versteht die Welt nicht mehr. In seinem neuen Zuhause angekommen wird er zunächst einmal herumgezeigt, wenn nicht gar herumgereicht wie eine Trophäe („Schau was haben wir für einen nieeedlichen Welpen.“). Schon jetzt ist der Kleine hoffnungslos überreizt. Dann wird dem Welpen ein neues Bett hingestellt und es wird erwartet, dass er sich dort hineinlegt und dort bleibt, bis man ihn ruft. Warum aber sollte er das tun? Er ist, sobald es etwas ruhiger um ihn geworden ist, zunächst neugierig, will und muss seine Menschen und seine neue Umgebung erforschen. Meist passiert nun das erste „Malheur auf dem Teppichboden“ und schon wird er geschimpft. Der Welpe registriert aber nur, dass ihm statt Liebe nun Böses geschieht und weiß nicht warum. Manche Menschen gehen sogar so weit, das Baby mit der Nase in den Urin zu stupsen (wer würde das je mit einem menschlichen Baby tun?) und ihn hinaus zu befördern. Wie auch immer – das Vertrauen des Welpen zu „seinen“ neuen Menschen hat den ersten Knacks. Die erste Nacht des Welpen im neuen „Zuhause“ ist dann für ihn oft wie ein langer Alptraum – er wird in einen Raum gesperrt, oder einen Flur und dort allein gelassen. Natürlich weint der Kleine nun, er ist so allein, bis dahin hatte er Wärme und Geborgenheit von Mutter und Geschwistern, urplötzlich ist er völlig allein und einsam. Das alberne Alpha- und Dominanzgerede hat dazu geführt, dass das Baby keinesfalls mit ins Schlafzimmer seiner Menschen darf. Häufig wird gar von so genannten Tierpsychologen empfohlen, den Welpen ruhig ein oder zwei Nächte durchheulen zu lassen. Viele Hundehalter tun das auch, schließlich haben Fachleute es so gesagt und wie sollte es dem Welpen schaden? Es schadet ihm und seinem Vertrauen zum Menschen sehr nachhaltig.

Kommt ein neuer Welpe zu uns, so wird er zunächst vorsichtig von unserem „Hausrudel“ begrüßt und beschnuppert – das gesamte „Rudel“ heißt den Neuankömmling willkommen und kümmert sich um ihn. Der Welpe hat bei uns überall Zugang und schläft bei uns im Schlafzimmer, umgeben von anderen Hunden, die ihm Geborgenheit und Sicherheit geben. Nie hat ein Welpe bei uns geweint und nie hat einer dieser Welpen die teilweise gar in unserem Bett geschlafen haben, die Weltherrschaft an sich gerissen. Gerade hier liegt aber einer der Kernpunkte, warum wir keine Problemhunde haben. Ein Welpe braucht wie ein Menschenbaby auch in erster Linie Liebe, Vertrauen und Geborgenheit.

Nach einigen Tagen ist der „Neue“ eingelebt, nun kann man beginnen, ihn vorsichtig mit den Regeln der menschlichen Gesellschaft vertraut zu machen. Dazu gehören: an der Leine gehen, Stubenreinheit, auf den Namen hören und auf Zuruf kommen. Nach und nach macht man den Kleinen so auch mit seiner spezifischen Umwelt vertraut: Städter nehmen ihn einmal wöchentlich mit in der Straßenbahn, U-Bahn, in die Stadt oder was auch immer. Landbewohner zeigen ihm Hühner. Pferde. Schafe. den Wald. gewöhnen ihn ans Autofahren, usw. Immer wird darauf geachtet, dass der Kleine nicht überreizt wird. Wir vermeiden bei unseren Welpen auch in den ersten Monaten, dass Fremde sie dauernd anfassen und streicheln. Der Hund muss lernen, gute von bösen Menschen zu unterscheiden – wie soll er das, wenn er von Beginn an dulden muss, dass jeder auf ihm „herumpatscht“? Gleichzeitig lernt der Welpe, dass er jederzeit zu seinem Menschen kommen kann, wenn ihm etwas unheimlich erscheint – sein Mensch passt auf ihn auf, beschützt ihn, tröstet ihn und hilft ihm, in der unbekannten Umgebung zurecht zu kommen. Das stärkt nicht nur das Vertrauen in den Menschen, sondern man vermeidet damit auch gleich, dass der Hund sich als „Beschützer“ empfindet – der Verantwortliche ist der Mensch. Einen Hund zu ignorieren wenn dieser Angst hat ist ein weiterer großer Fehler. Wenn du Angst hast und dein Partner dich völlig ignoriert – vertraust du dich ihm dann noch einmal an? Eher nicht!

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Details

Seiten
11
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656858027
ISBN (Buch)
9783668139138
Dateigröße
575 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v285899
Note
Schlagworte
entwicklungsphasen hundes

Autor

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