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Zeitungen, Zeitschriften und junge Leser

Welchen Einfluss haben Leseverhalten, Lesemotivation und Lesehandlung auf das Zeitunglesen junger Menschen?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 14 Seiten

Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Zeitung im demografischen Wandel

3. Kinder/ Jugend und die Nutzung von Printmedien
3.1 Lesemotivation von Kindern und Jugendlichen
3.2 Leseverhalten und inhaltliche Präferenz von Kindern und Jugendlichen

4. Fazit

Quellen

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Bindung von Kindern und Jugendlichen an Medien. „Am wenigsten verzichten kann ich auf...“ (in Prozent)

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Anteil der Kinder (6-13 J.) und Jugendlichen (12-19 J.), die mindestens einmal pro Woche zu Lesemedien greifen in Prozent. Quelle: Philipp (2010), S. 76

1. Einleitung

Die heutige Jugend wächst mit einer Vielzahl von Medien auf und die verstärkte

Unterhaltungsorientierung, die mit zunehmende Flüchtigkeit in der Mediennutzung einhergeht, macht den Printmedien wie Zeitung und Zeitschriften das Leben schwer (vgl. Schorr (2009), S. 209). Außerdem zeigt die PISA-Studie 2006, dass 20% der 15-Jährigen so schlecht lesen, dass sie an der Schwelle zum Sekundären Analphabetismus stehen und schon 1993 kritisieren Heinz Bonfadelli und Angela Fritz die mangelhafte Leseförderung in den Schulen und das Fehlen von Bibliotheken. Sie erkennen: „Lesen ist anstrengend und erfordert Zeit, Ruhe und Konzentration. „ (ebd., S. 208). Die früher dominante Printkultur wurde ab den 70er Jahren durch die Dominanz einer audiovisuellen Kultur abgelöst. Doch welche Chancen haben Zeitungen vor dem Hintergrund dieser allgemeinen „Leseschwäche“ der Kinder und Jugend?

In dieser Hausarbeit möchte ich eine „Bestandsaufnahme“ machen: Lesen Kinder überhaupt noch Zeitung? Unter welchen Einflüssen steht das Leseverhalten von Jugendlichen, mit welchen Präferenzen und wie konsumiert sie Zeitungen und Zeitschriften? Ich möchte ferner aus diesen Erkenntnissen schließen, welche von den Voraussetzungen für lesemotovierte Heranwachsende die wichtigsten für die Zeitung und ihre Macher sind.

Um zu erläutern, welche Relevanz das Thema heute hat, werde ich im Folgenden auf den Wandel der Demografie, und somit auch auf den Wandel der Zeitungsleserschaft eingehen.

2. Zeitung im demografischen Wandel

Diese Kapitel untersucht, wie es der Zeitung und den Zeitschriften in Zeiten des demografischen Wandels ergeht. Was ist dran an den wilden Szenarien, dass a) jüngere mit dem Internet sozialisiert werden und den Zeitschriften als zukünftige Leser verloren gehen, dass b) bildungsfernere Personen über 50 Jahren zu „TV-Junkies“ werden und den Zeitschriften als Leser ebenfalls verloren gehen und c) nur noch die mittlere Altersgruppe bleibt, die noch konstant Zeitschriften nutzt? (vgl. Dierks (2009), S. 127)

Die Situation von Publikumszeitschriften zu betrachten, setzt eine wesentlich größere Differenzierung voraus, „von einem allgemeinen Niedergang kann nicht die Rede sein“ (Dierks (2009), S.128), denn trotz des Wandels in den Bevölkerungsgruppen und Zielgruppen, ist dieses Medium noch immer in verschiedensten Bereichen von Nutzen. Das durchschnittliche Alter der deutschen Bevölkerung hat sich in der Zeit von 1990 bis 2005 von 39 Jahren auf 42 Jahre erhöht (Dierks (2009) S.138) und wird sich laut der Bevölkerungsprognose des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Jahr 2030 auf über 47 Jahre erhöhen. Um Auswirkungen auf den Zeitungs- bzw. Zeitschriftenkonsum feststellen zu können, ist es laut Christiane Heckel und Holger Rußmann sinnvoll, zunächst die Titel nach ihrer funktionalen und Konzeptionellen Verfasstheit zu unterscheiden. Beide forschten zum Thema

„Demografischer Wandel und seine Bedeutung für Zeitschriften“ und fanden folgende Unterteilungen der einzelnen Titel:

1) Titel mit speziellem Thema (z.B. Garten, Wohnen, PC, Motorwelt)
2) Titel mit breitem Themenbereich (Zielgruppenorientierung, aber nicht auf bestimmte Altersgruppen ausgerichtet, z.B. Frauenzeitschriften)
3) Titel, die eine abgegrenzte Lebensphase begleiten (z.B. Elternzeitschriften, Kinderzeitschriften) (Dierks (2009), S.138)

Ein Repräsentatives Beispiel für Titel der 1. Gruppe ist die wöchentliche Programmzeitschrift, die ihre höchste Reichweite bei 60 Jährigen und Älteren erzielt. Sowohl Ratgeber, Lebenshilfen als auch Rätsel und Klatsch-Themen machen 40% solch einer Zeitung aus und stellen dem Leser eine breite Themenmischung neben dem eigentlichen TV-Programm zur Verfügung. Außerdem ist eine langjährige Leser-Blatt-Bindung, also eine gewisse Gewohnheit, ausschlaggebend für den kontinuierlichen Konsum. Versuche, mit innovativen neuen Programmtiteln eine jüngere Leserschaft zu erreichen, ändern nicht viel daran, dass die Altersstruktur der Leserschaft nicht auf konstantem Niveau gehalten werden kann: „[..] Tendenziell ist eine Alterung sichtbar.“ (Dierks (2009), S.141)

Ergebnisse zu der 2. Gruppe sehen wir folgt aus: Eine altersmäßige Fokussierung schwindet bei Anstieg der Themenbreite und Gesamtreichweite (vgl. Dierks (2009), S. 143). Eine allgemein demografische Entwicklung lässt sich anhand der reichweitenstärksten Zeitschrift ADAC ablesen: Während im Jahr 1990 die 20 bis 29-Jährigen den größten Bevölkerungsanteil und den Anteil der Leserschaft darstellt, verlagert sich 18 Jahre später, im Jahr 2008, der Schwerpunkt auf die 40 bis 49-Jährigen. Dies Entspricht auch heute der größten Altersgruppe in der Bevölkerung. (ebd., S. 144)

Die 3. Und letzte Gruppe der Titel stellt jene mit den Themen zu abgegrenzten Lebensphasen dar und ist somit für diese Hausarbeit besonders relevant. Da die Heftinhalte sich voll und ganz auf bestimmte Altersgruppen bzw. Lebensphasen konzentrieren, ist diese Gruppe die einzige, die beim Alter der Leserschaft stabil bleibt. Stellvertretend hierfür ist die BravoGirl!, die eine besondere Abhängigkeit von demografischen Entwicklungen repräsentiert und bei großen demografischen Verschiebungen eine redaktionelle Schwerpunktverlagerung zur

Folge haben kann. Während die BravoGirl!-Leserschaft im Jahr 1990 zu 20% aus 20 bis 29- Jährigen bestand, halbierte sich dieser Anteil bis 2008 und sank auf 9%. Jugendliche im Alter von 14 bis 19 Jahren bildeten 1990 59% des Publikums. Dieser Anteil stieg auf 74%. Es wurde also entweder das redaktionelle Konzept an ein jüngeres Publikum angepasst, oder der gleiche Inhalt wird von immer jüngeren Lesern rezipiert. Natürlich kann beides aus gemeinsam einhergehen.

Diese Fakten geben zwar keine klaren Antworten auf die „wilden Szenarien“ zu Beginn des Kapitels, zeigen jedoch, dass es genrespezifische Unterschiede im Leseverhalten der Rezipienten der einzelnen Titel gibt. Die starke Leser-Blatt-Bindung, die verstärkt auf über 50-Jährige zutrifft, deutet nicht auf einen rapiden Leserverlust hin, auch wenn ich keinesfalls abstreiten möchte, dass erhöhter Fernsehkonsum die Rezipientenaktivität auch in diesem Alterssegment beeinflusst. Somit lässt sich auch falsifizieren, dass „c) nur noch die mittlere Altersgruppe bleibt, die noch konstant Zeitschriften nutzt“(siehe oben). Doch wie verhält es sich mit der „jungen Leserschaft“? Hierzu soll das nächste Kapitel Aufschluss geben.

3. Kinder/ Jugend und die Nutzung von Printmedien

In einem Interview sagt Nicholas Lehmann, Professor an der Journalism School der Columbia

University New York auf die Frage, ob es nicht das größere Problem in Bezug auf die Zeitungskrise sei, dass Zeitungen und Zeitschriften grade bei jungen Menschen an Relevanz verlieren:

„[..] Junge Menschen lesen die Zeitung nunmal nicht, um Verlegern einen Gefallen zu tun, oder weil sie sich dazu verpflichtet fühlen. Man muss die Leser schon davon überzeugen, dass in der Zeitung etwas steht, was für sie nützlich sein könnte. Wenn man das bei Personen unter vierzig schafft, hat man ganze Arbeit geleistet.“ (Weichert et al. (2009), S.153)

Was in Zeitungen stehen könnte, damit es von Jugendlichen als „nützlich“ erachtet wird, soll Thema dieses Kapitels sein.

In Anbetracht der Kritik Bonfadellis und Fritz` liegt es nahe, die Printmediennutzung von Kindern und Jugendlichen auf zweierlei Art zu beleuchten: Die schulische, und die private Nutzung in der Freizeit. Mit einem Blick in das Lehrbuch „Medienpädagogik“ (Süss et al., 2010) sieht man, dass sich im Kapitel „Einsatz von Medien in Lehr-/Lernkontexten“ (ebd. S.159) einer Vielzahl von Artikeln zu Medien wie Laptop, Computer, Web 2.0 und Web Blogs befinden, jedoch nichts zu dem „Klassiker“ Buch oder anderweitigen Printprodukten. Dies mag daran liegen, dass Bücher kein für die Medienpädagogik neues Themenfeld, sondern im Gegenteil: historischer Bestandteil für die Wissensaneignung sind. Außerdem ist die Benutzung von Büchern denkbar einfach, sobald man über Lesefähigkeiten verfügt, sodass hier kaum pädagogische Maßnahmen in Bezug auf die Nutzung nötig sind. Dennoch zeigt dies, dass ein Einsatz von Zeitungen, Magazinen und Artikeln im Schulunterricht bisher nicht der Rede wert war und sich Schwierigkeiten bei der Recherche zu Studien diesbezüglich bemerkbar machen. Anders sieht das in Bezug auf das private Leseverhalten von Jugendlichen und Kindern aus. Speziell zu den Themen Lesekompetenz, Leseverhalten und Lesemotivation möchte ich in diesem Kapitel Ergebnisse zusammen tragen, zumal diese ja durchaus nicht trennscharf vom schulischen Einfluss betrachtet werden können. Schließlich wird die Lesekompetenz zu allererst in der (Vor-) Schule erworben und somit das Verhalten und die Motivation beeinflusst. Bevor es genauer um die Lesemotivation gehen soll, möchte ich die Beschäftigung „Lesen von Printmedien“ einbetten in den Beliebtheitskontext der Mediennutzung:

Tabelle 1: Bindung von Kindern und Jugendlichen an Medien. „Am wenigsten verzichten kann ich auf...“ (in Prozent)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (KIM 2006; JIM 2008): Befragung in Deutschland. 6-13 Jahre (N=1.203), 12-19 Jahre (N=1,208)

Die Entwicklungen, Veränderungen und Tendenzen des kindlichen und jugendlichen Medienalltags in Deutschland werden durch KIM- und JIM-Studien des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest seit 1998 regelmäßig anhand von repräsentativen Befragungen zusammengetragen und dokumentiert. Die Tabelle zeigt die Verschiebung der Bindung an Medien zwischen Kindheit und Jugendalter. Auffallend ist die Bindung an den Fernseher, die sowohl bei Mädchen, als auch bei Jungen im Kindesalter ausgeprägt ist. In der Jugend gilt dann eher das Internet als unverzichtbar. Deutlich zu erkennen ist in beiden Altersgruppen der Unterschied der Geschlechter bei der Computernutzung: Doppelt so viele Jungen können weniger auf dieses Medium verzichten, wie Mädchen. Nicht ganz so groß, aber immer noch vorhanden ist der Unterschied bei der Büchernutzung: In beiden Altersgruppen sind es überwiegend die Mädchen, die am wenigsten auf Bücher verzichten können. Im Laufe des Alters wächst in beiden Geschlechtergruppen der prozentuale Anteil derer, die nicht auf Bücher verzichten können. Der Verzicht auf Zeitschriften fällt nur 3-4% der Befragten am schwersten.

Ergebnisse zur tatsächlichen Printmediennutzung zeigen eine besorgniserregende Tendenz: Die 2007 veröffentlichte Verbraucherstudie „KIM 2006“ besagt, dass 14% der Kinder (6 bis 13 Jahre) nahezu täglich zu einem Buch greifen, jedoch hat sich der Nicht-Leser-Anteil von 7% im Jahr 2005 auf 14% im Jahr 2006 verdoppelt. Die Zahl der Buchleser, die regelmäßig zu diesem Medium greifen schrumpft von 53% bei den 12 bis 13-Jähringen auf 30% bei den 18 bis 19-Jährigen.

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Details

Seiten
14
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656859390
ISBN (Buch)
9783656859406
Dateigröße
714 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v285908
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
Zeitungen ZEitschriften junge Leser Zeitungssterben Leseverhalten Leseotivation Printmedien Medienverdrängung Zeitungsleser Mediengeschichte Hybridmedien demografischer Wandel Mediennutzung Medienaneignung Erziehung Jugend Relevanz

Autor

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Titel: Zeitungen, Zeitschriften und junge Leser