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Finanzierung von Social Entrepreneurship durch Venture Philanthropy

Eine Betrachtung des Marktumfeldes in Deutschland

Seminararbeit 2014 33 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen
2.1 Social Entrepreneurship
2.2 Venture Capital
2.3 Stiftungswesen

3. Venture Philantrophy
3.1 Die Wurzeln von Venture Philanthropy
3.2 Typologisierung und Abgrenzung von Venture Philanthropy
3.2.1 Spenden-Venture-Philantrophy
3.2.2 Social-Venture-Capital

4. Venture Philanthropy in Deutschland
4.1 Marktüberblick
4.2 Eine nähere Betrachtung des Marktumfeldes am Beispiel BonVenture

5. Schlussbetrachtung
5.1 Zusammenfassung
5.2 Ausblick

Literaturverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Venture Philanthropy als neue Finanzierungsform.

Abbildung 2: Einordnung von Venture Philanthropy als Finanzierungsform.

Abbildung 3: Geförderte Organisationen nach Motivation und Zielsetzung I

Abbildung 4: Geförderte Organisationen nach Motivation und Zielsetzung Il

Abbildung 5: Organisationsstruktur von BonVenture

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Übersicht Venture Philanthropy in Deutschland.

1. Einleitung

Social Entrepreneurship bietet Unternehmern mit dem Fokus auf soziale und gesellschaftliche Problemfelder die Möglichkeit, innovative und marktorientierte Ansätze zu entwickeln. Social Entrepreneurs, die dabei profitorientiert agieren, stellen nur ein kleinen Teil dar. Ihre Idee ist es viel mehr, durch soziales Unternehmertum, der Gesellschaft einen Mehrwert zu bieten. Das Generieren einer finanziellen Rendite kann dabei Teil ihrer Arbeit sein, ist aber nicht das primäre Ziel. Diese Kombination aus „etwas eigenes aufbauen“ und „gutes für die Gesellschaft tun“ stellt nicht nur für Unternehmer einen interessanten Ansatz dar. Finanzintermediäre, die gezielt investieren, um eine soziale Rendite zu erwirtschaften, unterstützen solche Organisationen. Venture Philanthropy und das oftmals als Synonym dazu verwandte Social Venture Capital sind als Finanzierungsmöglichkeit in den USA weit verbreitet. Im deutschsprachigen Raum stellt es für viele Finanzintermediäre noch Neuland dar.1 Social Entrepreneurs mit ihren Non-Profit-Organisationen stehen deshalb oftmals vor einem Finanzierungsproblem.

Durch das, insbesondere in Deutschland, noch frühe Entwicklungsstadium von Venture Philanthropy, hat sich die vorliegende Seminararbeit zum Ziel gesetzt, das Verständnis von Venture Philanthropy als Finanzierungsform für Non-Profit-Organisationen zu erhöhen und einen Überblick über Finanzintermediäre zu geben, die im deutschen Marktumfeld agieren.

Die Arbeit ist in fünf Kapitel unterteilt. Neben Einleitung (Kapitel 1) und Fazit (Kapitel 5) bilden die Kapitel 2 bis 4 den Hauptteil der Arbeit. Das zweite Kapitel widmet sich den definitorischen Grundlagen für die weitere Betrachtung von Venture Philanthropy. Das dritte Kapitel dient dazu, das Phänomen Venture Philanthropy und die in diesem Kontext verwendete Begriffe zu definieren und abzugrenzen. Das vierte Kapitel betrachtet das aktuelle Marktumfeld in Deutschland im Bereich Venture Philanthropy und geht auf einen Finanzintermediär in Form der Social-Venture-Capital-Gesellschaft „BonVenture“ näher ein.

2. Grundlagen

Da es sich bei Venture Philanthropy, Social Venture Capital und verwandte Begriffe um ein junges Feld handelt, dient dieses Kapitel als Grundlage für die weitere Untersuchung der Thematik. Venture Philanthropy und Social Venture Capital sind eng mit Social Entrepreneurship verbunden. Venture Philanthropy vereint Elemente aus dem Venture Capital und dem Stiftungswesen.

2.1 Social Entrepreneurship

Social Entrepreneurship als Begriff weist eine gewisse Vielfalt in der Literatur und alltagssprachlichen Praxis auf. Einheitliche oder gar exakte Definitionen fehlen bislang. Das Konzept des Social Entrepreneurship als solches kann weit oder eng gefasst werden. Im Grundsatz geht es um Unternehmerpersönlichkeiten, die nicht primär wirtschaftliche, sondern gemeinnützige Ziele verfolgen. Die wörtliche Übersetzung von Social Entrepreneurship mit „Soziales Unternehmertum“ ist missverständlich. Vor allem die Bedeutung des Wortes „Social“ in Social Entrepreneurship bereitet Probleme.2 Im Englischen wird „social“ nicht als „sozial“, sondern als „gesellschaftlich, auf die Gesellschaft bezogen“ übersetzt.3

Die Ökonomie befasste sich in den letzten Jahren verstärkt damit, ob der Einsatz betriebswirtschaftlicher Prinzipien zur Lösung gesellschaftlicher, ökologischer oder sozialer Probleme möglich ist.4 Social Entrepreneurship wird hier oft als Spezialgebiet der allgemeinen Gründungsforschung betrachtet. Mittlerweile existiert eine Fülle von Definitionen. Diese unterscheiden sich teils deutlich voneinander.5 Die Fachterminologie wurde bisher hauptsächlich im angelsächsischen Raum mit Inhalten gefüllt.6 Die am weitesten verbreitete wissenschaftliche Definition basiert auf grundlegenden Arbeiten von Say, Schumpeter, Drucker und Stevenson und wurde von Dees in seinem Beitrag „The Meaning of Social Entrepreneurship“ dargestellt.7 Dees weist selber darauf hin, dass es sich um eine idealisierte Definition eines Social Entrepreneurs handelt. Demnach nehmen Sozialunternehmer die Rolle eines Motors des Wandels im sozialen Sektor ein. Sie setzen sich zum Ziel sozialen (nicht nur privaten) Wert zu schaffen und zu erhalten, sind stets auf der Suche nach neuen Möglichkeiten und etablieren einen Prozess der kontinuierlichen Innovation, Adaption und des Lernens. Social Entrepreneurs handeln zudem kühn, ohne sich durch Ressourchen einschränken zu lassen, die ihnen nicht zur Verfügung stehen und weisen eine erhöhte Rechenschaftspflicht auf gegenüber den Anspruchsgruppen, denen sie helfen.8 Diese offene Definition von Dees, hat eine Vielzahl weiterer Definitionen mit sich gebracht. Zu einer begrifflichen Eindeutigkeit hat dies zum jetzigen Zeitpunkt nicht geführt.9

Im weiteren Verlauf der Arbeit wird davon ausgegangen, dass Social Entrepreneurship ein auf gesellschaftlichen Wandel ausgerichtetes Streben ist, das seinen Ursprung in einer unternehmerischen Gelegenheit. Hier erfolgt eine Anwendung der Grundsätze des Unternehmertums in Bezug auf soziale Probleme. Es handelt sich um ein hybrides Geschäftsmodell, das soziale und finanzielle Rendite kombiniert. Social Entrepreneurship hat hierbei nicht die Gewinnmaximierung zum Ziel, sondern der Fokus liegt auf der nachhaltigen Lösung von gesellschaftlichen Problemen.

Die Organisation das Social Entrepreneurs ist dabei im Regelfall eine Non-Profit-Organisation. Dabei handelt es sich um eine Organisation die weder eine erwerbswirtschaftliche Firma noch Teils des Staatswesens ist bzw. durch den Staat kontrolliert wird. In ihrer Struktur weißt eine Non-Profit-Organisation Züge von Ehrenamtlichkeit und Freiwilligkeit auf. Sie verfolgt einen gesellschaftlich als sinnvoll und notwendig anerkannten Auftrag. Non-Profit-Organisationen haben keine Gewinnorientierung. Das heißt finanzielle Überschüsse können nicht als Kapitalrendite an die Eigner oder Mitglieder der Organisation ausgeschüttet werden. Sie sollen viel mehr dem gemeinnützigen Zweck dienen.10

2.2 Venture Capital

Venture Capital stammt aus dem angelsächsischen Raum und wird im Deutschen häufig auch als Wagniskapital, Risikokapital oder Beteiligungskapital bezeichnet.11

Die Begriffe werden weitgehend synonym gebraucht, haben sich aber nicht durchgesetzt.12 Venture Capital ist kein wissenschaftlich hergeleiteter Begriff, hat sich aber in der Praxis durchgesetzt.13 „Venture“ steht dabei im Englischen für Unternehmung bzw. Unternehmensgründung und die damit verbundene Chance als auch das Risiko, das aus der Unsicherheit hinsichtlich des Geschäftserfolges der Unternehmung resultiert. Es impliziert damit sowohl die Chance der Gewinnaussicht, als auch die Gefahr des Verlustes.14 Venture Capital als Finanzierungsform hat fünf zentrale Merkmale. Es ist ein Finanzintermediär, der Investorenkapital nimmt und direkt in Portfolio-Unternehmen investiert. Venture Capital investiert nur in private Unternehmen. Es wird nicht in Unternehmungen investiert, die an einem formalen Markt wie der Börse gehandelt werden. Zur Risikominierung übernimmt der Venture Capital-Geber eine aktive Rolle bei der Überwachung und Unterstützung der Unternehmen in seinem Portfolio. Das primäre Ziel ist es durch einen Verkauf oder einen Börsengang, die eigene finanzielle Rendite durch das Verlassen der Investition zu maximieren. Außerdem dient es dazu, das interne Wachtum der Unternehmen zu finanzieren, nicht um bestehende Geschäftsmodelle aufzukaufen.15

Venture Capital beschreibt also eine Methode zur Finanzierung von kleinen Unternehmen und Innovationen. Durch Einlage von bar eingebrachtem Eigenkapital beteiligen sich Kapitalgeber an einem kapitalnachfragenden Unternehmen, ohne dass eine Gegenleistung zur Verfügung gestellt wird. Die Kapitalgeber erhalten Anteile am Unternehmen und beteiligen sich für 3 bis 7 Jahre als haftende Gesellschafter.16 Venture Capital partizipiert am unternehmerischen Risiko, da seine Eigenkapitaleinlage nicht besichert ist. Eine positive Entwicklung des Unternehmes kann nicht garantiert werden, da diese Unternehmen in der Regel noch nicht auf stabile Erlöse aus dem eigenen Geschäftsbetrieb zurückgreifen können.17 Eine Veräußerung der Beteiligung nach einem bestimmten Zeitraum wird angestrebt, um einen Kapital-Rückfluss zu realisieren, da es sich um eine gewinnorientierte Investition handelt.

2.3 Stiftungswesen

Die rechtlichen Grundlagen des Stiftungswesens sind vielfältig und komplex. Die verschiedenen Rechtssysteme und -traditionen in Europa definieren und behandeln Stiftungen sehr unterschiedlich. Anmeldung, Rechtspraxis und Aufsichtsregelungen variieren, manchmal sogar im gleichen Land.18 Eine rechtsraumübergreifende Betrachtung nach Salamon und Anheier gliedert Stiftungen, als eine der zwölf Gruppen des Non-Profit-Sektors ein. Sie gehören zur Gruppe „Philanthropic Intermediaries & Voluntarism Promotion“, die sich als „Stiftungswesen, Spendenwesen, allgemeine ehrenamtliche Arbeit“ ins Deutsche übersetzen lassen.19 Die gängige Annahme, dass eine Stiftung dazu dient, das Vermögen des Stifters zu verwalten und zur Erfüllung der vom Stifter gesetzten Zwecke zu verwenden, bleibt hinsichtlich der verschiedenen Ausprägungsformen unscharf.20

Nach Anheier weisen Stiftungen, unabhängig von der lokalen Gesetzgebung, bestimmte Merkmale auf anhand derer sie definiert werden können. Als nicht gewinnorientierte private Organisationen sind Stiftungen institutionell getrennt vom Einfluss des Staates. Sie beruhen auf einer Stiftungsurkunde in Form einer Satzung. Die Satzung hält sowohl den Zweck, als auch die Dauerhaftigkeit der Organisation fest. Private Stiftungen werden teilweise durch Unternehmen oder staatliche Stellen kontrolliert und sind Teil dieser Institutionen. Sie müssen sich jedoch selbst verwalten. Dafür muss eine Stiftung über ein eigenes internes Governance-Verfahren verfügen und ein sinnvolles Maß an Autonomie besitzten. Sie dienem einem gesellschaftlichen Ziel und bestehen aus privatem Kapital, das für einen gesellschaftlichen Zweck eingesetzt werden soll. Weiterhin schütten Stiftungen keine Gewinne an die Anteilseigner oder äquivalente Personengruppen aus. Erwirtschaftete Gewinne werden dem gesellschaftlichen Zweck zugeführt.21

Im weiteren Verlauf wird eine Stiftung als nichtstaatliche, gemeinnützige Organisation verstanden, die selbstständig ihre Eigenmittel verwaltet. Sie wurde gegründet, um gesellschaftliche Problemfelder zu unterstützen, indem sie Zuwendungen an Non-Profit-Organisationen gewährt. Im Fokus der Stiftungen liegen u.a. die Bereiche Gesundheit, soziale Dienste, Bildung, Kultur und Religion.22

3. Venture Philantrophy

Anhand der vorliegenden Begriffsbestimmungen von Social Entrepreneurship, Venture Capital und Stiftungen widmet sich das folgende Kapitel der Definition und Typologisierung von Venture Philanthropy. Venture Philantrophy wird im weiteren Verlauf, für die auf diesen Ansatz aufbauenden Finanzintermediäre als Basis dienen.

3.1 Die Wurzeln von Venture Philanthropy

Der Begriff Venture Philanthropy kann bis zu den 1960er Jahren in den USA zurückgeführt werden.23 Neben seinem historischen Ursprüngen, gewann der Begriff in den 1990er Jahren an Popularität, resultierend aus dem Erfolg der Dotcom-Unternehmen der New Economy und der Idee, dass der Erfolg den viele Leute in der Geschäftswelt erlebt hatten, auch auf den Non-Profit-Sektor übertragen werden kann.24 Wohltätige Spenden stellten oftmals die einzige Möglichkeit dar, soziale Unternehmenstätigkeiten zu unterstützen. Ende der 90er Jahre begannen wohlhabende Persönlichkeiten und Stiftungen jedoch damit, diese Finanzierungsstrategien zu überdenken.25 Um den Anforderungen der gesellschaftlichen Entwicklung gerecht zu werden, bedienten sich Spender und Stiftungen zunehmend der Methoden und Sprache der Welt des Venture Capital, um gesellschaftlich relevante Vorhaben effektiv und nachhaltig zu fördern.26 Auf der Suche nach neuen Wegen und Möglichkeiten, soziale Vorhaben zu unterstützen und auch nachhaltig zu fördern, entwickelte sich eine Form der Finanzierung, die als Venture Philanthropy bekannt wurde. Sie ergänzt den traditionellen Förderansatz von Stiftungen durch Methoden von Venture-Capital-Gesellschaften, wie in Abbildung 1 verdeutlicht wird.27

Abbildung 1: Venture Philanthropy als neue Finanzierungsform.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an Welberts (2013), S. 4.

Unterstützt wurde diese Entwicklung durch den 1997 im Harvard Business Review publizierten Artikel „Virtous Capital: What Foundations Can Learn from Venture Capitalists“.28 Die Autoren Letts, Ryan und Grossmann betrachteten die Techniken der Venture-Capital-Gesellschaften, die diese bei der Finanzierung von jungen Unternehmen angewandt haben. Sie argumentierten, dass die traditionelle Philantrophie und Stiftungsarbeit von den Techniken, die im Venture-Capital Bereich zum Einsatz kommen, profitieren kann.29 Kernelemente des Artikels waren die Bereitstellung von Know-how neben der finanziellen Unterstützung und die Fokussierung auf die Organisationsentwicklung, durch eine langfristige und enge Beziehung. Weitere zentrale Thesen waren eine regelmäßige Leistungs- und Wirkungsanalyse, höhere Risikobereitschaft sowie Diversifikation dieser Risiken und die Definition einer klar formulierten Exit-Strategie.30

Dieser effiziente und transparente Mitteleinsatz, durch eine Konzentration auf einige wenige Organisationen – anstelle einer Verteilung nach dem Gießkannenprinzip – sollte die Effektivität der Finanzierungsaktivitäten im wohltätigen Bereich steigern. Spender und Stiftungen konzentrieren demnach ihre Tätigkeiten auf eine begrenzte Anzahl von Sozialunternehmen und können die Unternehmen so über einen längeren Zeitraum unterstützen, den Aufbau organisatorischer Kapazitäten fördern und Ihnen Managementberatung gewähren.31 Ziel ist der nachhaltige Aufbau der geförderten Organisation. Der Artikel legte somit den Grundstein für die weitere Entwicklung der sozialen Finanzierungskultur.

3.2 Typologisierung und Abgrenzung von Venture Philanthropy

Venture Philanthropy stellt eine Kombination aus den Wörtern Venture Capital und den aus den griechischen stammenden Wörtern φίλος- philos (Freund, Liebe) und άνθρωπος- antrophos (Mensch) dar.32 Die Thematik befindet sich inbesondere im deutschsprachigen Raum in einem frühen Entwicklungsstadium. In der Literatur existiert keine universelle Definition des Begriffs Venture Philanthropy, jedoch wird dieser Begriff verstärkt genutzt.33 Die Definitionen variieren zwischen praxisorientierten und akademischen Definitionen. Neben dem Begriff Venture Philanthropy, finden in der englischsprachigen Literatur weitere Begriffe vereinzelt Anwendung. Diese haben sich bisher nicht durchgesetzt.34

Im folgenden wird Venture Philanthropy als Finanzierungsform für Non-Profit-Organisationen betrachtet, die gesellschaftlichen Wandel hervorbringen wollen und bei der nicht nur Kapital zur Verfügung gestellt wird, sondern auch Kontakte und Management Know-How. Hierbei wird ein hybrider Ansatz verfolgt, da es sich als Finanzierungsform in der Mitte zwischen einerseits klassischen Spenden und andererseits gewinnorientiertem Privatsektor befindet.35 Im weiteren Verlauf wird der Schwerpunkt deshalb auf die Merkmale soziale und finanzielle Rendite gelegt. Aus diesem Grund verwende ich die Bezeichnungen Spenden-Venture-Philanthropy und Social-Venture-Capital, um hier eine klare Trennung vornehmen zu können. Der hybride Ansatz von Venture Philanthropy wird in der folgenden Abbildung verdeutlicht.

Abbildung 2: Einordnung von Venture Philanthropy als Finanzierungsform.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an Welberts (2013), S. 3.

3.2.1 Spenden-Venture-Philantrophy

Im sozialen Sektor haben sich verschiedenste Organisationsformen entwickelt, die für finanzielle Unterstützung in Frage kommen. Non-Profit-Organisationen ohne Aussicht auf nachhaltige Gewinnerzielung, haben kaum Zugriff auf öffentliche Gelder und bedienen eine Zielgruppe ohne ausreichende finanzielle Ressourcen.36 Klassische Kapitalgeber von Non-Profit-Organisationen, die ein soziales Ziel verfolgen und dafür auf jegliche finanzielle Rendite verzichteten, waren typischerweise Stiftungen.37

Spenden-Venture-Philanthropy-Gesellschaften stellen auch Spenden und zinslose Darlehen zur Verfügung, um gesellschaften Wandel hervorzubringen. Sie übertragen zudem die Ansätze von Venture-Capital-Gesellschaften auf den sozialen Sektor. Neben der finanziellen Unterstützung, bieten sie auch eine inhaltliche Unterstützung. Sie unterstützen Non-Profit-Organisationen, um ihren sozialen Einfluss und die damit einhergehenden Auswirkungen zu erhöhen. Das hohe Engagement, die mehrjährige Unterstützung, die nicht-finanzielle Unterstützung, die institutionelle Förderung, die bedarfsgerechte Finanzierung und die Performancemessung sind hier Kerncharakteristika.38 Die unterstützten Organisationen können z.B. Wohlfahrtsverbände sein, wobei die genauere Organisationsform der länder-spezifischen rechtlichen und kulturellen Norm unterliegt.39 Die Abbildung veranschaulicht die Ausrichtung der Spenden-Venture-Philanthropy-Gesellschaften auf spendenorientierte Non-Profit-Organisationen mit einem sozialen Fokus.

Abbildung 3: Geförderte Organisationen nach Motivation und Zielsetzung I

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei Spenden-Venture-Philanthropy steht ausschließlich die soziale Rendite im Blickpunkt. Da die in diesem Bereich geförderten Non-Profit-Organisationen kaum bis gar nicht über Einnahmequellen verfügen, sind sie nicht in der Lage, eine finanzielle Rendite zu erwirtschaften. Die finanzielle Rendite bleibt somit in den Aktivitäten der Spenden-Venture-Philanthropy-Gesellschaft außen vor.40 Die Gesellschaften erzielen eine finanzielle Rendite von bis zu -100%, um die soziale Rendite zu maximieren.41 Als Erfolgsmaßstab dient hier eine spürbare soziale Wirkung, unter anderem in den Bereichen Bildung, Umweltschutz, Armutsbekämpfung und Behindertenpolitik.42 Die Messbarkeit der sozialen Wirkung ist nur erschwert möglich, da die Bewertung subjektiven, ethischen und moralischen Grundeinstellungen unterliegt.43

Spenden-Venture-Philanthropy stellt somit eine Finanzierungsaktivität dar, die auf dem Anwenden der Management Praktiken des Venture Capital basiert und Investitionen in Non-Profit-Organisationen tätigt. Die finanzielle und nicht finanzielle Unterstützung dient dem Aufbau der Organisation, um eine hohe soziale Rendite unter Verzicht auf eine finanzielle Rendite, zu generieren.

3.2.2 Social-Venture-Capital

Spenden-Venture-Philanthropy ist stark auf die soziale Rendite fokussiert. Social-Venture-Capital verfolgt eine Mischstrategie. Neben einer sozialen Rendite, wird auch eine finanzielle Rendite angestrebt. Damit steht es dem Venture Capital näher als dem Stiftungswesen.44 Social-Venture-Capital-Gesellschaften wenden hierbei, analog zu den Spenden-Venture-Philanthropy-Gesellschaften, die Methoden des Venture Capital an. Sie stellen aber anstatt von Spenden und zinslosen Darlehen überwiegend Darlehen, Mezzanine-Kapital und Eigenkapital zur Verfügung.45 Ziel ist es, Non-Profit-Organisationen mit hohen Wachstumsaussichten zu identifizieren und zu finanzieren, unter Berücksichtigung, dass die geförderten Organisationen gesellschaftlichen Wandel hervorbringen.46

[...]


1 Vgl. Stahl (2011), S. 35; Achleitner/Heister (2008), S. 159.

2 Vgl. Cho (2006), S. 35.

3 Vgl. Habisch (2011), S. 49.

4 Vgl. Schwarz (2013), S. 45.

5 Vgl. Ferri/Urbano (2011), S. 10.

6 Vgl. Achleitner/Heister/Stahl (2007), S. 5.

7 Vgl. Achleitner (2007), S. 59.

8 Vgl. Dees (2001), S. 4.

9 Vgl. Achleitner/Heister/Stahl (2007), S. 6.

10 Vgl. Anheier/Toepler (2005), S. 20f; Anheier (2005), S. 39ff; Wex (2004), S. 100 u. 170.

11 Vgl. Leopold/Fromman (1998), S. 4 f.

12 Vgl. Welpe (2004), S. 18.

13 Vgl. Bader (1996), S. 4.

14 Vgl. Braun (2012), S. 4.

15 Vgl. Metrick/Yasuda (2010), S. 3 ff.

16 Vgl. Weitnauer (2011), S. 4 f.

17 Vgl. Grabherr (2000), S. 34.

18 Vgl. Anheier (2001), S. 39 f.

19 Vgl. Salamon/Anheier (1997), S. 67 ff.

20 Vgl. Hof (2003), S. 769; Anheier (2005), S. 304.

21 Vgl. Anheier (2001), S. 41 f.

22 Vgl. European Foundation Centre (2008), S. 9.

23 Vgl. Balbo/Hehenberger/Mortell/Oostlander (2010), S. 16.

24 Vgl. Walker (2004), S. 107; Hoelscher (2010), S. 6.

25 Vgl. Achleitner/Spiess-Knafl/Heinecke/Schöning/Noble(2011), S. 7.

26 Vgl. Dienst (2007), S. 264.

27 Vgl. ebd.

28 Vgl. Grenier (2006), S. 5; Van Slyke/Newmann (2006), S. 346; Heister (2010), S. 3.

29 Vgl. Letts/Ryan/Grossmann (1997), S. 3 ff.

30 Vgl. ebd.

31 Vgl. Achleitner (2007), S. 61.

32 Vgl. Graf Strachwitz (2010), S. 54.

33 Vgl. Dienst (2007); Heister (2010); Achleitner (2007); Sacani (2008), Alberg-Seberich/Wolf (2011); Hölscher/Ebermann/Schlüter (2010).

34 Hierzu zählen u.a. social venture philanthropy, new philanthropy, philanthropic venture capital, high engagement philanthropy, social venture funds. Vgl. hierzu Kirsch Foundation (o.J.); Scarlata/Alemany (2008), S. 2; John (2006), S. 7; Scaife (2008), S. 248; Moody (2008), S. 332.

35 Vgl. Carrington (2003), S. 3; Alberg-Seberich/Wolf (2011), S. 289.

36 Vgl. Spiess-Knafl (2012), S. 18.

37 Vgl. Achleitner/Spiess-Knafl/Volk (2011), S. 274.

38 Vgl. John (2006), S. 4ff.

39 Vgl. European Venture Philanthropy Association (2014a).

40 Vgl. Scarlata (2010), S. 16.

41 Vgl. Heister (2010), S. 87.

42 Vgl. Achleitner (2007), S. 59.

43 Vgl. Stahl (2007), S. 125.

44 Vgl. Achleitner/Heister/Stahl (2007), S.18.

45 Vgl. Achleitner/Spiess-Knafl/Volk (2011), S. 277.

46 Vgl. Heister (2010), S. 4.

Details

Seiten
33
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656863540
ISBN (Buch)
9783656863557
Dateigröße
2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v285962
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Lehrstuhl für Finanzierung und Banken
Note
1,3
Schlagworte
Venture Capital Venture Philantrophy Social Entrepreneurship Social Venture Capital

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Titel: Finanzierung von Social Entrepreneurship durch Venture Philanthropy