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Die Rolle der Sozialkompetenz für den Beruf der Stationsleitung vor dem Hintergrund des Strukturellen Wandels in der Pflege

von Gabriele Kraus-Pfeiffer (Autor) Elfriede Gossow (Autor) Rolf Kreilein (Autor) Petra Löcker-Emgan (Autor) Andrea Zajontz (Autor)

Akademische Arbeit 2005 34 Seiten

Gesundheit - Pflegewissenschaft - Pflegemanagement

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Unterhypothese
1.1 Wahrnehmung als Grundlage aller Kommunikation
1.2 Definition der Kommunikation
1.3 Kommunikationsmodell nach Schulz von Thun
1.4 Rückmelde-/ Feedbackverfahren
1.5 Aktives Zuhören

2 Unterhypothese 2
2.1 Konfliktentstehung
2.2 Konfliktlösung
Moderationsstrategie
Mediation
Supervision
Schiedsverfahren
Machteingriff
2.3 Einfluss des Strukturellen Wandels auf Konflikte
Erkennen von Konflikten

3 Unterhypothese 3
3.1 Teamfähigkeit/ Teamarbeit
Teamarbeit
3.2 Teamentwicklung
3.3 Menschenbild der Stationsleitung
3.4 Einflüsse des Strukturellen Wandels auf die Teamfähigkeit der Stationsleitung

Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

Einleitung

Die Sozialkompetenz ist ein Teilbereich der Schlüsselqualifikationen. Diese Qualifikationen beinhalten neben der Sozialkompetenz die Fach-, Selbst- und Methodenkompetenz und erweitert den Handlungsspielraum der Stationsleitung.

„Die Schlüsselqualifikationen umfassen das gesamte Spektrum fachübergreifender Qualifikationen und drücken eine individuelle Kompetenz aus. Damit ist die Fähigkeit gemeint, sich situativ angemessen und in sich stimmig zu verhalten und kompetent zu handeln“ (Richter 1995, zit. n. Ital/ Knöferl 2001, S.7).

Aufgrund des Strukturellen Wandels hat die Sozialkompetenz eine herausragende Rolle beim Führen und Leiten einer Station. Diese Hypothese versucht die folgende Arbeit näher zu begründen und geht dabei auf einige zentrale Fähigkeiten der Sozialkompetenz ein. Diese umfassen die Bereiche Kooperation, Kommunikation, Konfliktmanagement, Motivation und Teamführung.

Näher ausgeführt werden im Folgenden allerdings lediglich die Punkte der Kommunikations-, Konflikt- und Teamfähigkeit, da die Bearbeitung aller Fähigkeiten den Rahmen dieser Arbeit überschreiten würde.

1.1 Wahrnehmung als Grundlage aller Kommunikation

Eine professionelle und effektive Kommunikation ist eine der grundlegendsten Voraussetzungen, damit Stationsleitungen in Zeiten massiver Veränderungen ihren Aufgaben nachkommen können. Leitungen müssen mit ihren Mitarbeitern über die Veränderungen, die Arbeitsleistung und das Zwischenmenschliche reden. Dazu bedarf es einer klaren und verständlichen Kommunikation.

Bevor wir uns jedoch der Analyse der Kommunikation widmen, ist ein Exkurs in den Bereich der Wahrnehmung notwendig. Die Wahrnehmung und die Wahrnehmungsfähigkeit sind wichtig im Hinblick auf die Kommunikation und ihren weiteren Verlauf.

Die Wahrnehmung dient dazu Vorgänge und Abläufe zu sortieren. Generell kann sie in drei Arten aufgegliedert werden, welche aufeinander aufbauen (vgl. Bauer 1997, S. 68).

Die erste Stufe ist die Wahrnehmung der äußeren Welt; es erfolgt der aktuelle, sensorische Kontakt mit Gegenständen und Abläufen des momentanen Augenblicks.

Die zweite Stufe wird als Wahrnehmung der inneren Welt bezeichnet, in welcher der aktuelle, sensorische Kontakt mit den gegenwärtigen, inneren Vorgängen gemeint ist. Diese beiden Stufen umfassen die augenblickliche Realität.

Die dritte Stufe umfasst die Wahrnehmungsebene, die sich auf die Aktivität der Phantasie begründet. Dieser Wahrnehmungsbereich beinhaltet jede mentale Aktivität jenseits der Wahrnehmung gegenwärtiger Erlebnisse. Alles Interpretierte, Geplante, Vermutete, Vorgestellte und Gedachte wird diesem Bereich zugeordnet. Eine Wahrnehmung, Auslegung, Deutung bzw. Interpretation kann falsch oder richtig sein. Dieses grundlegende Bewusstsein bzw. Wissen ist notwendig, damit Kommunikationsabläufe im Weiteren überprüft werden können. Kommunikation ist ein Prozess, an dem mindestens zwei Personen beteiligt sind. Das heißt, es sind zwei oder mehrere Deutungen und Kommunikationskanäle in Aktion. Bedeutungen brauchen Deutungen; das ist sehr spannend, kann aber manchmal auch problematisch sein, weil die Deutungen individuell sind und es dadurch zu Missverständnissen kommen kann.

1.2 Definition der Kommunikation

Der Begriff der Kommunikation kommt aus dem Lateinischen (communicare - mitteilen) und beinhaltet die Übermittlung, den Austausch von Informationen (vgl. www.net-lexikon.de vom 23.8.2004).

Es dürfte zwar jedem klar sein, dass die Verständigung eine der elementarsten Fähigkeiten des Menschen ist, trotzdem kommt es immer wieder zu Schwierigkeiten und Missverständnissen. Kommunikation beinhaltet nicht nur das Absenden einer Information von einer Quelle, sondern auch, dass sie in irgendeiner Form vom anderen empfangen wird. Dieser Prozess ist ausgesprochen störanfällig. Effektive Kommunikation bedeutet, dass die Informationen bzw. Botschaften so ankommen, wie sie gemeint waren. Nachdem es unterschiedliche Formen der Verständigung gibt, werden wir uns in dieser Abhandlung primär der verbalen Kommunikation zuwenden.

Nach Paul Watzlawick gilt der Grundsatz: „Man kann nicht nicht kommunizieren“. In der Konsequenz bedeutet dies: Immer wenn Menschen aufeinander treffen, entsteht Kommunikation, in verbaler oder nonverbaler Form. Alles, was Menschen einander mitteilen, beinhaltet generell einen Inhaltsaspekt und einen Beziehungsaspekt und wird dementsprechend verarbeitet. (vgl. Beavin, Jackson, Watzlawick 1982).

1.3 Kommunikationsmodell nach Schulz von Thun

Um diesen Prozess weiter zu verdeutlichen, soll das Modell nach Friedemann Schulz v. Thun herangezogen werden. Er bezeichnet die Kommunikation als die Übermittlung einer Botschaft, einen Austausch von Informationen. Das Modell bietet auf der Ebene der Metakommunikation (Kommunikation über die Kommunikation auf einer anderen Ebene) eine Möglichkeit Nachrichten auf Störungen zu untersuchen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(vgl. Schulz von Thun 1993, S.30)

Wie in der Grafik zu sehen liegt die Ausgangsposition beim Sender; dieser verschlüsselt sein Anliegen in erkennbare Zeichen, in Worte bzw. in eine Nachricht. Dem Empfänger fällt es nun zu diese Botschaft zu entschlüsseln. In der Regel stimmen die gesendete und empfangene Nachricht überein, so dass eine Verständigung stattgefunden hat. Dadurch, dass der Empfänger zurückmeldet, wie die Nachricht bei ihm angekommen ist und was sie bei ihm ausgelöst hat, kann der Sender halbwegs überprüfen, ob seine Sendeabsicht mit dem Angekommenen übereinstimmt. Die Botschaft kann systematisiert und analysiert werden.

Jede Nachricht des Senders hat in diesem Quadrat vier Seiten bzw. Aussagen; die Seite des Sachinhaltes, die der Selbstoffenbarung, die der Beziehung und die Appellseite. Auf Seite des Empfängers stehen sozusagen vier Ohren zur Verfügung, welche ebenso den vier Seiten der Nachricht entsprechen.

Folgende Erläuterungen werden den einzelnen Seiten zugeordnet. Die Sachinhaltsseite umfasst reine Sachinformationen und will Tatsachen, Fakten vermitteln. Die Seite der Selbstoffenbarung oder Selbstkundgabe enthält Informationen über den Menschen selbst, über das, was er freiwillig oder unfreiwillig von sich preisgeben will. Diese Seite birgt die so genannten „Ich- Botschaften“ in sich. Die Beziehungsseite drückt die Qualität der Beziehung zwischen dem Sender und Empfänger aus und wie sie zueinander stehen. Diese Nachrichten werden entweder in Form von „Du- oder Wir-Botschaften“ gesandt. Die Seite des Appells beinhaltet den Anlass des Senders. Es wird an das Tun, an das Denken oder an das Fühlen des Gegenüber appelliert.

Eine Kommunikationsstörung liegt meistens innerhalb der vier Seiten einer Nachricht. Der Sender kann seine Nachricht auf einem anderen Kanal bzw. auf einer der Seiten des Modells senden, der Empfänger wiederum auf einem anderen Kanal die Botschaft hören. Die Kommunikation findet in verschiedenster Weise statt. Auf dem Weg vom Absender zum Empfänger können jede Menge Veränderungen mit der Nachricht passieren. Das Paket, das abgesendet worden ist, hat mit dem, was beim Empfänger ankommt, oftmals nicht mehr viel Ähnlichkeit. Die Verantwortung für die Kommunikation liegt also auf beiden Seiten, beim Sender und beim Empfänger.

Dazu ein Auszug aus einem Interview zum Thema Kommunikationsfähigkeit:

„... ich habe das Gefühl, ich sollte ... sehr viel genauer darauf achten wie ich kommuniziere und was ich kommuniziere, verbal und nonverbal. Weil ich denke, dass derjenige der leitet, anderes angeschaut wird. Das was der sagt, zählt ganz anders...“(SL7).

Damit der Prozess der Kommunikation ein produktiver, effizienter ist, müssen die Gesprächspartner ihre Gesprächsstile reflektieren. Um diesen Prozess analysieren zu können, kehren wir kurz zur Wahrnehmung, dem ersten Schritt des Feedbacks (Rückkoppelung), zurück.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(BiZ des Bezirkskrankenhauses Haar 2003, Skript „Beziehungspflege“, Weiterbildung Psychiatrie)

Voraussetzung für Klarheit in der Kommunikation ist das Bewusstsein über die drei Vorgänge, die in einem selbst ablaufen und aus denen sich Reaktionen entwickeln. Die Interpretation ist mit einem Gefühl verbunden, das richtig oder falsch sein kann. Zur Überprüfung ist die Anwendung der Rückmeldung, des Feedbacks, seitens der Stationsleitung ein wichtiges Instrument im Gespräch mit den Mitarbeitern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(BiZ des Bezirkskrankenhauses Haar 2003, Skript „Beziehungspflege“, Weiterbildung Psychiatrie)

1.4 Rückmelde-/ Feedbackverfahren

Das Geben und Nehmen von Feedback spielt in der Führungspraxis eine wichtige Rolle. Anhand von verschiedenen Feedback-Regeln kann eine Stationsleitung ihre eigenen kommunikativen Verhaltensweisen reflektieren, aber auch Rückmeldungsprozesse konstruktiv lenken und leiten. Missverständnisse in der Kommunikation zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiter können beseitigt werden. Ein weiterer positiver Aspekt ist der, dass er dadurch auch seiner Vorbildfunktion im Team nachkommen kann. Die Bedeutung des Feedbacks besteht darin, dem Gegenüber eine Rückmeldung geben zu können, wie er die Botschaft erlebt hat oder was in diesem Moment von ihr wahrgenommen worden ist. Wichtig ist es auch, dem Anderen dann so die Rückkoppelung zu geben, dass es ihm möglich wird seine Selbstwahrnehmung zu verbessern. Der Einzelne kann erleben, wie andere sein Verhalten wahrnehmen. Auf diese Art und Weise wird die soziale Wahrnehmung verbessert und ein wirksameres Lernen im Beziehungsbereich zugelassen. Das Feedback ist auch als Führungsinstrument zu sehen, dass sich eignet Mitarbeiter zu motivieren, wie auch die eigene Persönlichkeits- und Verhaltenswirkung zu sensibilisieren und den eigenen Führungsstil zu hinterfragen. Jedoch erfordert ein richtiges, konstruktives Feedback eine besondere Vorgehensweise, die gelernt und immer wieder geübt werden muss. Sie setzt voraus sich in der Führungsposition auf die Mitarbeiter einzustellen und Bedingungen zu schaffen, die ein soziales Lernen möglich machen.

Nachfolgend ein paar Regeln im Rahmen der Gesprächstechniken, die bei der Rückmeldung helfen können.

- Das Verhalten, die Situation anhand von Zahlen, Daten, Fakten beschreiben. Interpretationen oder Wertungen irritieren im Rückmeldungsprozess, sie sind wenig konstruktiv. Die Botschaft auf der Ebene der Selbstkundgabe/ der Selbstoffenbarung im Sinne von „Ich- Botschaften“ ist als Reaktion auf das Verhalten des Anderen zu beschreiben.
- Keine Verwendung von generalisierenden, verallgemeinernden Worten. Das Feedback soll auf die konkrete Situation bezogen sein.
- Feedback in möglichst zeitnahem Zusammenhang geben. Die Daten bzw. Informationen sind dann noch gut in Erinnerung.
- Für eine Atmosphäre sorgen, die möglichst frei von negativen Emotionen ist.
- Derjenige, der ein Feedback gibt, kann sich auch aufgrund eigener Projektionen täuschen. Deshalb ist es wichtig Feedbacks auch in größeren Gruppen zu üben. Der Vorteil liegt in der Möglichkeit individuelle Wahrnehmungen besser korrigieren zu können.
- Ein wichtiger Aspekt im Rückmeldeverfahren ist die Achtung des Gegenübers.

Zu den zuletzt genannten Feedback-Regeln ein kurzes Zitat:

„Lerne alles, was du kannst, über die Verbesserung der Kommunikation. Aber wenn du einem anderen gegenüber sitzt, vergiss die Theorie. Stelle dich auf den Menschen ein, nicht auf die Nachricht“ (Birkenbihl 1996, S. 188).

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Details

Seiten
34
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783656861690
ISBN (Buch)
9783656864226
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v286156
Note
1,8
Schlagworte
rolle sozialkompetenz beruf stationsleitung hintergrund strukturellen wandels pflege

Autoren

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