Lade Inhalt...

Chancen und Herausforderungen für alternative Logistikprozesse im E-Commerce

Bachelorarbeit 2014 46 Seiten

BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Einordnung und Abgrenzung des Themas
1.2 Forschungsfrage
1.3 Gang der Argumentation

2 E-Commerce und der Distanzhandel
2.1 Der Distanzhandel
2.2 Begriffliche Einordnung des E-Commerce
2.3 Logistische Herausforderungen
2.4 Die Rolle der KEP-Dienste

3 Logistik in der Endkundenbelieferung
3.1 Das Beziehungsnetzwerk zwischen Versender, Zusteller und Kunde
3.2 Das Zustellkonzept und die Erfolgsfaktoren
3.2.1 Die Lieferzeit
3.2.2 Die Lieferzuverlässigkeit
3.2.3 Die Lieferungsbeschaffenheit
3.2.4 Die Lieferflexibilität
3.3 Das Zustellproblem
3.4 Transportkosten vs. Versandkosten

4 Ansätze zur Lösung des Last-Mile Problems und Möglichkeiten der Kosteneinsparung in der Endkundenbelieferung

4.1 Boxensystem
4.2 Pick-up Konzept
4.3 Lastenrad Projekt
4.4 DHL „MyWays"
4.5 Gegenüberstellung der Konzepte

5 Zusammenfassende Darstellung
5.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
5.2 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Entwicklung des Distanzhandels in Deutschland in Mrd. EUR

Abbildung 2: Transaktionspartner im Electronic Business

Abbildung 3: Gegenüberstellung von Konsumentenerwartung und Fokus des Handels

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Beziehungstypen der E-Commerce Akteure

Tabelle 2: Vor- und Nachteile der Zustellkonzepte

1 Einleitung

In diesem Kapitel wird einleitend an das Thema E-Commerce herangeführt und anschließend die Forschungsfrage dargelegt. Um einen ersten Überblick über Struktur und Vorgehensweise zu erhalten, wird abschließend kurz auf die einzelnen Kapitel eingegangen.

1.1 Einordnung und Abgrenzung des Themas

Der Stellenwert des Internets ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gestiegen. Weltweit nutzen es mittlerweile über 2,1 Milliarden Menschen, davon ca. 65 Millionen Nutzer in Deutschland. Dies entspricht ca. 79 % der deutschen Gesamtbevölkerung, womit sich Deutschland im internationalen Vergleich auf den vorderen Plätzen einreiht (Heinemann 2012, 1). Nicht zuletzt durch die vielen Vorteile - wie beispielsweise der enorm beschleunigte Informationsfluss zwischen Anbieter und Abnehmer, welche mittels der Verbreitung des Internets entstanden sind - konnte sich die Technik auch im Bereich des Handels immer weiter etablieren. Der dadurch neu entstandene Bereich des elektronischen Handels führte beispielsweise dazu, dass Einkäufe ohne die Abhängigkeit von Öffnungszeiten durchgeführt werden können. Diese Handelsform wird unter dem Begriff des Electronic Business zusammengefasst. Ein Teilbereich des Electronic Business stellt der Electronic Commerce dar, mit welchem sich die vorliegende Arbeit näher befasst (Vahrenkamp/Kotzab 2012, 122).

Durch die stetig zunehmende Nutzung des Internets steigen die Umsätze im Online-Handel rasant. Die Absatzzahlen wachsen kontinuierlich und die Prognosen für die kommenden Jahre lassen keinen Abbruch dieses Trends erahnen (Heinemann 2012, 1-2). Demnach ist dem Thema E-Commerce eine immer höher werdende Bedeutung zuzuschreiben. Betrachtet man in diesem Zusammenhang die Zahlen von Amazon, dem führenden E-Commerce­Unternehmen, wird diese Entwicklung noch deutlicher. Der Nettoumsatz von Amazon betrug im ersten Quartal 2007 3,02 Mrd. $ und sieben Jahre später im ersten Quartal 2014 bereits 19,74 Mrd. $ (Amazon/Statista 2014, o.S.). Dies entspricht einer Umsatzsteigerung von über 600 %, was die wachsende Bedeutung des Online-Handels unterstreicht.

Der Grund für das starke Wachstum des E-Commerce ist laut Skiera et al. (2001, 394) für den Großteil der Kunden auf die Bequemlichkeit, die Zeitersparnis, sowie der Möglichkeit auch außerhalb der Öffnungszeiten des stationären Handels einkaufen zu können, zurückzuführen. Diese Entwicklung zieht eine Reihe an Konsequenzen nach sich. Einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für den Online-Handel ist demnach eine reibungslos funktionierende Logistik. Hierbei stellt gerade die steigende Anzahl von schnellen und kleinteiligen Paketsendungen eine hohe Anforderung hinsichtlich Flexibilität und Transportgeschwindigkeit dar. Eine weitere Herausforderung tritt bei der Zustellung der Ware zum Endkunden auf. Die wichtigsten Fragen dabei sind, wie die Ware zum Kunden gelangt, wenn dieser nicht zu Hause anzutreffen ist, und wer die anfallenden Kosten für eine erneute Zustellung übernimmt. Die optimale Lösung für ein Unternehmen wäre die Selbstabholung durch den Kunden in einem Paketshop. Es ist jedoch anzunehmen, dass ein solcher Trend den Wachstum des E-Commerce stark beeinträchtigen würde, da der Kunde das Level an Zuverlässigkeit und Service erwartet, welches ihm durch die Einfachheit der Bestellung impliziert wird (Vahrenkamp/Kotzab 2012, 129). Ein weiteres Problem ist die wachsende Größe der Pakete, da die Kunden sich immer mehr Ware pro Sendung zuschicken lassen. Dies führte beispielsweise bei GLS zu einem Anstieg der Zustellkosten um 20 %. Bei einem Kostenanteil der letzten Meile von 65 % an den gesamten Transportkosten wird das Potential und der Bedarf der Einsparung auf diesem Gebiet deutlich (Schulte 2013, 2). Auf diese Problemstellung wird in den folgenden Kapiteln unter Berücksichtigung der nachfolgenden Gesichtspunkte genauer eingegangen.

1.2 Forschungsfrage

Nachdem die Eingrenzung des Themas und die damit verbundene Problemstellung dargestellt wurden, folgt in diesem Abschnitt die Darlegung der Forschungsfrage und die damit verbundene Zielsetzung der Arbeit. Aus der Einordnung des Themas und den dort dargelegten Problemstellungen ergibt sich folgende Forschungsfrage:

„Wie kann ein Logistikdienstleister bei steigenden Serviceansprüchen und zugleich sinkender Bereitschaft zur Übernahme von Versandkosten auf Seiten der Abnehmer auch in Zukunft

wettbewerbsfähig arbeiten?"

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist, die Beantwortung der Forschungsfrage sowie dem Leser einen umfangreichen Einblick in die Logistikprozesse des E-Commerce zu gewähren. Der Fokus liegt dabei auf der letzten Meile und den damit im Zusammenhang stehenden Kosten. In diesem Kontext liegt die Konzentration auf dem Business-to-Consumer-Bereich und der Bereitschaft der Kunden zur Zahlung von Versandkosten.

1.3 Gang der Argumentation

Folgender Abschnitt legt den Aufbau der Arbeit dar und hilft einen ersten Überblick über Struktur und Aufbau der Ausarbeitung zu erlangen.

Kapitel 1 dient dazu, die Gründe für die vorliegende Arbeit darzulegen. Es befasst sich mit der Einführung in den Themenbereich und den damit in Zusammenhang stehenden Fragen, welche letztendlich zu Forschungsfrage und Zielsetzung führen.

Kapitel 2 befasst sich mit den theoretischen Grundlagen der Ausarbeitung. Es dient dazu, ein einheitliches Verständnis der Begrifflichkeiten zu schaffen und legt somit den Grundstein für eine einheitliche Auffassung der in der Arbeit verwendeten Begriffe. Zunächst wird der Begriff des Distanzhandels im Kontext zum Handel genauer erläutert sowie den Unterformen Versandhandel und Internethandel gegenübergestellt. Im weiteren Verlauf wird auf die Entwicklung des Distanzhandels unter dem Einfluss des Internethandels eingegangen und anhand dessen die wachsende Bedeutung des Internethandels aufgezeigt. Des Weiteren werden die Begriffe Electronic Business sowie Electronic Commerce definiert und eingeordnet sowie die verschiedenen Geschäftsmodelle aufgezeigt. Nachfolgend werden die logistischen Herausforderungen der neuen Handelsform dargelegt. Um diese zu verdeutlichen, werden die Unterschiede der Distributionslogistik im stationären Handel und E-Commerce betrachtet. In diesem Zusammenhang wird erstmalig auf das Problem der Logistikkosten im Bezug zur bestehenden Konkurrenzsituation zum stationären Handel eingegangen.

Zum Abschluss des zweiten Kapitels wird die Bedeutung der KEP-Dienste1 innerhalb der Distributionslogistik des E-Commerce deutlich gemacht. Hierzu wird eine klare Abgrenzung der einzelnen Dienstleistungsvarianten vollzogen. Zur weiteren Verdeutlichung der Zusammenhänge werden der Lieferprozess und die wirtschaftliche Entwicklung kurz erläutert.

In Kapitel 3 wird die beschriebene Problemstellung genauer betrachtet. Beginnend wird zur Verdeutlichung der Verantwortungsbereiche und Beziehungen sowie der unterschiedlichen Erwartungen und Anforderungen der Akteure das Netzwerk der Prozessteilnehmer Versender, Zusteller und Kunden genauer dargelegt.

Weitergehend wird das klassische Zustellkonzept im „best case"2 erläutert und die dazugehörigen Erfolgsparameter einer Zustellung gezeigt. Im Anschluss daran werden die Ursachen und Folgen einer Zustellung bei Abwesenheit des Empfängers genauer betrachtet und das Problem der letzten Meile mit Hilfe dieses Beispiels verdeutlicht. Des Weiteren werden die Abläufe des KEP-Dienstes innerhalb dieses Prozesses dargestellt sowie die

Potentiale der Kosteneinsparung dargelegt. Abschließend wird auf den Konflikt zwischen den anfallenden Transportkosten und der geringen Bereitschaft zur Zahlung von Versandkosten seitens der Empfänger eingegangen. In diesem Zusammenhang wird die Kostenstruktur der Anlieferung genauer erläutert sowie auf die Erwartungen der Konsumenten eingegangen.

In Kapitel 4 werden verschiedene Ansätze zur Lösung der Problematik der letzten Meile und Modelle zur Reduzierung der Transportkosten aufgezeigt. Im Bezug auf die letzte Meile werden zwei zu differenzierende Ansätze betrachtet, wobei der eine explizit auf der Entkoppelung der Zustellung von der Anwesenheit des Empfängers aufbaut und der andere zusätzlich noch eine Erhöhung der Dropzahl3 zum Ziel hat. In diesem Zusammenhang werden jeweils Beispiele aus der Praxis angebracht und abschließend bewertet. Im Kontext der Transportkosten werden zwei Projekte genauer betrachtet. Zum einen die Zustellung per Lastenfahrrad und zum anderen ein Projekt von DHL, welches auf dem Prinzip des Crowdsourcing basiert.

Mit Kapitel 5 schließt die Arbeit ab. In diesem Kapitel werden die Ergebnisse und Erkenntnisse zusammengefasst. Weitergehend wird die Arbeit im Fazit kritisch betrachtet und ein Ausblick wird auf weitere Forschungsfelder in diesem Bereich aufmerksam gemacht.

2 E-Commerce und der Distanzhandel

Dieser Abschnitt beleuchtet einführend die wesentlichen Grundbegriffe Distanzhandel und E-Commerce, um ein grundlegendes Verständnis zu schaffen. Im weiteren Verlauf wird genauer auf die logistischen Herausforderungen des Themas eingegangen und abschließend die wichtige Rolle der KEP-Dienste innerhalb des E-Commerce aufgezeigt.

2.1 Der Distanzhandel

Grundlegend ist der Handel als Weiterveräußerung von beweglichen Sachgütern definiert, die nicht oder wenn nur unwesentlich be- oder weiterverarbeitet wurden (Müller-Hagedorn 1998, 16 ff.). Weiter kann der Begriff „Handel" in die Bereiche Einzelhandel, Großhandel und Fachhandel unterteilt werden, wobei der Distanzhandel eine abgewandelte Form des Einzelhandels darstellt (Schneck 2002, 454). Der Unterschied zum gewöhnlichen Einzelhandel besteht darin, dass Verkäufer und Käufer beim Distanzhandel räumlich getrennt sind. Der Verkaufsprozess findet somit über unpersönliche Kommunikationsmittel, wie zum Beispiel Telefon, Fax oder Internet, statt. Daraus resultierend entfällt der persönliche Kontakt gänzlich, was den zentralen Unterschied zum stationären Einzelhandel ausmacht. Im Normalfall wird die bestellte Ware anschließend per Logistikdienstleister zugestellt (Ausschuss für Definitionen zu Handel und Logistik 2006, 23-24; Heinemann 2014, 36). Da der persönliche Kontakt zum Kunden entfällt, wird die Zustellung der Ware zu einer wichtigen Serviceleistung, welche dem Distanzhändler die Möglichkeit gibt, sich von der Konkurrenz zu differenzieren (Fink 1999, 354). Im Fokus des Distanzgeschäfts steht im distributiven Bereich somit die Optimierung der Serviceleistungen, mit dem Ziel, dass der Kunde den Distributionshandel als echte Alternative gegenüber dem stationären Handel wahrnimmt (Schögel et al. 1999, 302-303).

Zwei wesentliche Formen des Distanzhandels stellen der Versandhandel sowie der Internethandel (Online-Handel) dar (Geßner 2001, S. 385; Lerchenmüller et al. 2011, S. 39). Beim Versandhandel wird die bestellte Ware hauptsächlich über den Versandweg abgesetzt. Zu unterscheiden ist hierbei zwischen Spezialversandgeschäften, wo das Sortiment auf einzelne oder wenige Warenbereiche ausgerichtet ist, und Sortimentsversandgeschäften, welche ein allgemeines, warenhausähnliches Sortiment bieten (Ausschuss zur Definition zu Handel und Distribution 2006, 61-62). Die Ware wird dem Kunden mittels Katalog, Prospekt, elektronischer Medien, wie z.B. in Form einer CD-Rom oder via Außendienstmitarbeitern, angeboten. Die Bestellungen werden entweder schriftlich, mündlich oder telefonisch abgegeben. Als Beispiele aus der Praxis dieser Art des Distanzhandels sind Otto, Bonprix und Lands End zu nennen (Heinemann 2014, 36). Beim Internethandel werden die Waren ausschließlich über das Internet angeboten und dem Kunden somit der einfache Einkauf vom PC aus ermöglicht. Die Bestellungen erfolgen im Gegensatz zum traditionellen Versandhandel ausschließlich interaktiv, entweder über das Internet oder Telefon. Die Lieferung sowie das Handling sind wiederum identisch zum traditionellen Versandhandel. Der Internethandel zeichnet sich über eine eher breite und flache Sortimentsausrichtung aus - mit kundenindividuellen Angeboten. Als Beispiele aus der Praxis sind für den Internethandel Amazon, eBay und Asos zu nennen (Heinemann 2014, 36).

Wie Abbildung 1 veranschaulicht, war der traditionelle Versandhandel in Deutschland lange Zeit sehr stabil, wurde jedoch seit 2006 stetig durch den Online-Handel abgelöst. Dies hatte zur Folge, dass der Distanzhandel im Allgemeinen einen beachtlichen Bedeutungszuwachs erfahren hat. Im Jahr 2009 lag der Anteil der Umsätze des Online-Handels erstmalig über dem der traditionellen Versandhandelsformen. Im Jahr 2012 betrug der Gesamtumsatz des Distanzhandels bereits 39,3 Mrd. EUR, wovon knapp 70 % der Online-Handel ausmachte und was einem Anteil von 9,4 % am gesamten Einzelhandelsumsatz entspricht (BVH 2014, 2; BVH/Statista 2014b, o.S.). Auch im darauffolgenden Jahr 2013 wuchs der Anteil des Distanzhandels weiter auf 11,2 % vom Gesamtumsatz des Einzelhandels (BVH/Statista 2014a, o.S.). Anhand dieser Zahlen wird die Bedeutung des E-Commerce für den Distanzhandel offensichtlich. Der Online-Handel steigert seine Umsatzzahlen von Jahr zu Jahr und hat die traditionellen Versandhandelsformen deutlich verdrängt, wie an der Prognose für das Jahr 2014 zu erkennen ist. Hier wird dem Online-Handel bereits ein Anteil von ca. 87 % am Gesamtumsatz des Distanzhandels prognostiziert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Entwicklung des Distanzhandels in Deutschland in Mrd. EUR (BVH/Statista 2014b, o.S.)

Wie die dargelegten Zahlen belegen, befindet sich der Online-Handel in einem stetigen Aufschwung. Aus diesem Grund ist im weiteren Verlauf der Arbeit lediglich der Online­Handel als Unterform des Distanzhandels relevant.

2.2 Begriffliche Einordnung des E-Commerce

Durch die rasante Entwicklung des Internets in den letzten Jahren, und die damit verbundene Möglichkeit Informationen zwischen unterschiedlichsten Benutzergruppen innerhalb von Sekunden weltweit austauschen zu können, hat sich die wahrgenommene Distanz zwischen den Marktakteuren auf ein Minimum reduziert (Stallmann 2014, 11). Durch diesen technologischen Wandel und der damit verbundenen wirtschaftlichen Entwicklung gewinnt der Faktor Information gegenüber dem Faktor der Produktion wesentlich an Bedeutung. Viele Unternehmen verlagern ihre Geschäftsprozesse ins Internet und entwickeln Kundenbeziehungen mit Hilfe von elektronischen Informations- und Kommunikationsmitteln, was uns zum Begriff des Electronic Business führt (Meier/Stormer 2012, 2).

Das Electronic Business (E-Business) ist eines der bedeutendsten Anwendungsgebiete der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK-Technologien). Diese Bedeutung ergibt sich aus dem kontinuierlichen Marktwachstum. So übertraf das Ergebnis der Branche im Business-to-Consumer Bereich im Jahr 2013 erneut deutlich das Ergebnis des Vorjahres und lag mit einem Gesamtumsatz von 48,3 Mrd. EUR ganze 22,9 % über dem Ergebnis aus dem Jahr 2012 (BVH 2014).

Für den E-Business Begriff gibt es viele Definitionsansätze. Am zutreffendsten ist jedoch folgender nach Weiber, welcher den Bereich des E-Business wie folgt definiert:

„Electronic Business ist die Gesamtheit der aufeinander abgestimmten Verfahrensweisen, die durch den Einsatz von E-Technologien eine ressourcensparende Koordination und Integration von Geschäfts-, Kommunikations- und Transaktionsprozessen auf der Markt- und der Unternehmensebene mit dem Ziel der Effizienz- und Effektivitätssteigerung im Wettbewerb ermöglicht (Weiber 2002, 10)."

Das E-Business umfasst also somit nicht nur den Prozess über das Internet, mit Waren oder Dienstleistungen zu handeln, sondern verknüpft sämtliche Prozesse eines Unternehmens über elektronische Kommunikationswege durchgehend miteinander. Es umfasst den webbasierten Datenaustausch zwischen allen Wertschöpfungspartnern, welche mit dem Unternehmen verbunden sind (Straube 2004, 69). Demnach stellt das E-Business einen

Oberbegriff dar, welchem der elektronische Handel (E-Commerce) untergeordnet ist (Moder 2010, 10-11). Nachfolgende Abbildung 2 veranschaulicht die Beziehung zwischen dem Electronic Business und Electronic Commerce.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Transaktionspartner im Electronic Business (in Anlehnung an Weiber 2002, 10)

Demnach muss der Begriff E-Commerce klar vom E-Business getrennt betrachtet werden. Beim E-Commerce handelt es sich um den vertriebsseitigen Teil des E-Business, der auf die Anbahnung, Vereinbarung und Abwicklung rechtsverbindlicher Geschäftstransaktionen unter der Verwendung des Internets (oder anderer elektronischer Netze) ausgerichtet ist (Stallmann 2014, 12). Innerhalb des E-Commerce werden die Möglichkeiten der Informations- und Kommunikationstechnologie genutzt, um Güter und Dienstleistungen zu verkaufen und gleichzeitig die Kosten der physischen Anwesenheit zu vermeiden. Zu den Zielen des E-Commerce gehören demzufolge die Umsetzung von Effizienzsteigerungen, Kostensenkungspotentialen und Bequemlichkeitsvorteilen innerhalb einer (Handels-) Transaktion (Wirtz 2010, 23).

Trotz der zahlreichen existierenden Definitionen zum E-Commerce-Begriff wird nicht deutlich, um welche Wirtschaftssubjekte es sich auf der Kundenseite handeln kann. Lediglich der Ausschuss für Definitionen zu Handel und Distribution schließt die unternehmensinternen und hierarchischen Transaktionen (zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber) auf der Kundenseite des E-Commerce aus (Bächle/Lehmann 2010, 4). Um die Frage der Wirtschaftssubjekte auf der Abnehmerseite zu klären sowie gleichzeitig darzustellen, wer auf der Angebotsseite steht, ist es sinnvoll die möglichen Marktteilnehmer des E-Commerce bzw. des E-Business aufzuführen und zu strukturieren. Die Akteure des E­Commerce werden generell in die folgenden drei Gruppen unterschieden, welche geschäftliche Transaktionen untereinander abwickeln können (Hermanns/Sauter 2001, 25):

- Konsumenten (Consumer),
- Unternehmen (Business) und
- Öffentliche Institutionen (Administration).

Die nachfolgende Tabelle stellt die möglichen Beziehungen zwischen den Akteuren dar, inklusive beispielhafter Anwendungsgebiete:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wie der Tabelle zu entnehmen ist, gibt es im E-Commerce neun abweichende Beziehungstypen. Von entscheidendem Interesse sind vor allem die Transaktionen in den Bereichen Business-to-Business (B2B) und Business-to-Consumer (B2C), zum einen aufgrund der Umsatzstärke dieser Bereiche und zum anderen aufgrund der in diesem Bereich auftretenden logistischen Herausforderungen. Der B2B-Bereich weist hierbei den größten Umsatzanteil im E-Commerce auf. Dieser liegt zwischen zehn- und zwanzigmal höher als der im Bereich der Privatpersonen (B2C). Der B2C-Bereich ist wiederum unter dem Aspekt der logistischen Anforderungen im Zusammenhang mit der Hauszustellung gerade im Hinblick auf die weitere Ausarbeitung von großem Interesse (Straube 2004, 73).

Business-to-Business:

Die Austauschbeziehung B2B findet zwischen Unternehmen statt und umfasst alle Geschäftstransaktionen, welche zwischen den Unternehmen einer Wertschöpfungskette erfolgen und auf die Erstellung einer Leistung bezogen sind. Beim B2B-Commerce steht vor allem die Vereinfachung von Abwicklung, Kommunikation und Transport im Vordergrund, was durch die sogenannte Extranet-Integration4 herbeigeführt wird (Merz 2002, 22-24). Das Unternehmen auf Seiten des Leistungsempfängers muss durch das nachgefragte Gut einen Mehrwert generieren, der durch Dienstleistungen wie die logistische Veredelung herbeigeführt wird (Straube 2004, 73).

Business-to-Consumer:

Der Begriff Business-to-Consumer steht für die Abwicklung von Bestell- und Verkaufsprozessen zwischen einem Anbieter und zahlreichen, wechselnden Kunden. Bei den Kunden handelt es sich um Privatpersonen, das Transaktionsvolumen ist eher niedrig und die Bindung zwischen beiden Parteien ist als schwach anzusehen (Straube 2004, 73). Der B2C- Bereich kennzeichnet sich durch niedrige Transaktionsvolumen bis ca. 250 EUR sowie kurzfristig abgeschlossene Transaktionen, was bedeutet, dass Zahlung und Lieferung unmittelbar nach der Buchung eingeleitet werden (Merz 2002, 26).

Der B2C-Bereich ist vor allem aufgrund seiner hohen Anforderungen an die Logistik interessant. Durch den E-Commerce sind viele neue Herausforderungen an die Logistik entstanden. Hierzu gehören die sinkenden Bestellmengen bei steigender Bestellhäufigkeit (Atomisierung der Sendungsgrößen) sowie die Anforderungen der Empfänger, die eine schnelle und günstige Lieferung erwarten (Vahrenkamp/Kotzab 2012, 128-129).

Resultierend aus den logistischen Anforderungen liegt im weiteren Verlauf der Arbeit der Fokus auf der Logistik in der Endkundenbelieferung des B2C-Bereichs und den damit verbundenen Anforderungen an die Logistikdienstleister. Somit finden die übrigen Beziehungstypen nachfolgend keine weitere Beachtung.

2.3 Logistische Herausforderungen

Die Entwicklung des E-Commerce hat nicht nur entscheidenden Einfluss auf die Abläufe des Verkaufs von Produkten und Dienstleistungen genommen. Auch die Anforderungen an die Logistik haben sich deutlich geändert und neue Herausforderungen sind entstanden. Im traditionellen stationären Handel sind bereits mit der Präsentation der Ware im Geschäft alle distributionslogistischen Anforderungen erfüllt. Kauft ein Kunde im stationären Handel ein, so hat er in der Regel selbst für den Transport zu sorgen und erbringt diese Leistung (Transport vom Geschäft bis in den Haushalt) selbst (Madlberger/Maier 2002, 9). Durch die mit dem Online-Handel einhergehende Direktbelieferung der Kunden folgt eine

Reorganisation der Lieferprozesse. Aus dem traditionellen Holkauf wird ein Bringkauf (Hertel 2011, 156). Durch diese Verlagerung des Prozesses wird die Verantwortung des Transports der Ware im Onlinehandel komplett auf das E-Commerce Unternehmen oder den externen Logistikdienstleister übertragen.

Folgende Unterschiede und somit Herausforderungen in der Distributionslogistik des E­Commerce treten gegenüber dem stationären Handel auf:

- Die räumliche Verteilung der Lieferpunkte ist veränderlich und nicht vom Händler beeinflussbar, da diese von den Kundenbestellungen abhängen,
- die Anzahl der Lieferpunkte ist wesentlich größer und
- aufgrund der Bestellungen sind Anzahl sowie die räumliche Verteilung der Lieferpunkte nur kurzfristig vorhersehbar.

Diese Umstände haben zur Folge, dass im E-Commerce eine wesentlich komplexere Distributionslogistik vorzufinden ist, aus welcher natürlich auch höhere Transportkosten für die Handelsunternehmen resultieren (Madlberger/Maier 2002, 9). Ein kritischer Punkt in diesem Zusammenhang ist, dass die logistischen Prozesse des B2C E-Commerce den Kunden meist vollständig verborgen bleiben. Aus diesem Grund sieht es der Kunde im Regelfall nicht ein, zusätzliche Kosten, resultierend aus dem Wechsel vom Hol- zum Bringsystem, zu tragen. Des Weiteren ist der Online-Händler durch die Verschiebung der Machtverhältnisse vom Verkäufer hin zum Käufer, folgend aus den geringen Wechselkosten bei der Auswahl zwischen verschiedenen Online-Shops, dazu gezwungen, die gestiegenen Logistikkosten selbst zu tragen (Stallmann 2014, 19). Hinzu kommt, dass der Online-Handel auch weiterhin in direkter Konkurrenz zum stationären Handel steht und infolgedessen die höheren Logistikkosten nicht auf den Produktpreis aufschlagen kann, da die Kunden ansonsten wieder zum stationären Handel übergehen (Vahrenkamp/Kotzab 2012, 127).

Weitere Herausforderungen bestehen in den Anforderungen und Erwartungen der Kunden. Diese haben an die Online-Händler ganz bestimmte Ansprüche, welche es zu erfüllen gilt. Hierzu zählen:

- Eine hohe Schnelligkeit der Lieferung (wobei eine zweitägige Lieferzeit im Onlinebereich als akzeptabel gilt);
- Lieferung innerhalb vorgegebener Zeitfenster;
- Informationen über den Sendungsstatus;

[...]


1 Bei KEP-Diensten handelt es sich um logistische Dienstleister, wobei KEP die Abkürzung der Dienstleistungen Kurier-, Express- und Paketdienste umfasst (Cardeneo 2008, 782).

2 Die erfolgreiche Zustellung bei Anwesenheit des Empfängers

3 Anzahl der abzugebenden Pakete pro Stopp

4 Das Extranet stellt eine sichere Verbindung zwischen zwei Unternehmen dar, worüber diese miteinander kommunizieren können (Merz 2002, 413).

Details

Seiten
46
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656865100
ISBN (Buch)
9783656865117
Dateigröße
651 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v286254
Institution / Hochschule
Universität Bremen
Note
1,7
Schlagworte
chancen herausforderungen logistikprozesse e-commerce

Teilen

Zurück

Titel: Chancen und Herausforderungen für alternative Logistikprozesse im E-Commerce