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Politische Bildung als Grund für die steigende Politikverdrossenheit in der BRD?

Hausarbeit 2014 13 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. DerBegriffPolitikverdrossenheit

3. GründefürdiePolitikverdrossenheitinder BRD
3.1 Politiker als Ursache
3.2 Bürgerinnen und Bürger als Ursache

4. Problemfelder in der politischen Bildung
4.1 Schwierigkeiten in der außerschulischen Bildung
4.2 Schwierigkeiten in der schulischen Bildung

5. Lösungsansätze
5.1 Mut zu Reformen
5.2 Elementarisierung
5.3 Seminare
5.4 Ausweitung von Bürgerbeteiligung

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung;

Parteien haben stetig starke Mitgliederverluste zu verzeichnen und die Zahl der Nichtwähler steigt konsequent an. Diese Phänomene werden heutzutage allgemein unter dem Begriff „Politikverdrossenheit“ festgehalten. „Politikverdrossenheit“ taucht immer häufiger im Wort- und Sprachgebrauch deutscher Politiker, der Medien als auch der Bürgerinnen und Bürger auf. Ein Trend, der bedauerlich ist und nachdenklich stimmt. Auch Umfragewerte bestätigen diese Tendenz: [...] „Der Regierung vertrauen danach noch gerade 18 %, den Parteien sogar nur noch 12% der Menschen hier im Lande. Wenig besser stehen ... die Arbeitgeberverbände mit 22 % und die Gewerkschaften mit 24 % da." Die vorliegende Arbeit soll sich mit der Frage beschäftigen, ob politische Bildung ein Grund für die steigende Politikverdrossenheit in Deutschland sein kann. Zunächst möchte ichjedoch den Begriff der Politikverdrossenheit definieren. In einem nächsten Schritt werde ich die Gründe für Politikverdrossenheit darstellen und in diesem Zusammenhang die Rolle von Politikern als auch von Bürgerinnen und Bürgern näher erläutern. Danach möchte ich auf die Problemfelder der politischen Bildung eingehen und anschließend Lösungsvorschläge präsentieren, die möglicherweise dazu führen könnten, das neue Bevölkerungsschichten von politischer Bildung angesprochen und begeistert werden.

2. Begriff Politikverdrossenheit:

Eine Definition des Begriffs „Politikverdrossenheit“ fällt nicht leicht. Wirkliche Bekanntheit habe der Begriff im Jahr 1992 erlangt, als die Gesellschaft für deutsche Sprache ihn zum Wort des Jahres gekürt hat. (vgl. Maier, 2000, S.13). Seitdem ist „Politikverdrossenheit“ ein sowohl in der öffentlichen als auch in der wissenschaftlichen Diskussion oft gebrauchter Begriff, der jedoch nur schwer zu definieren ist. Thierse charakterisiert den Begriff der Politikverdrossenheit als „medialen Mülleimer [.] ,in den alles hineingepackt wird, was auch nur entfernt an Kritik, Unzufriedenheit, Ängste, Unbehagen oder auch an anti-politische Vorurteile erinnert.“ Die Definition zeigt, dass es sehr schwierig ist, den umfangreichen Begriff der „Politikverdrossenheit“ zu fassen und anschaulich darzustellen. Aus diesem Grund wählt Peter Massing eine sehr knappe und übersichtliche Definition, die ich als Grundlage für meine weitere Hausarbeit verwende. „Aus praktischen Gründen wird am Begriff Politikverdrossenheit festgehalten. Er schließt Parteienverdrossenheit mit ein, da Parteien unserer Politik entscheidend prägen. Politikverdrossenheit meint inhaltlich auch das gleiche wie Politikdistanz, nämlich den Tatbestand, dass sich Bürgerinnen und Bürger in wachsender Zahl von der Politik abwenden.“ (vgl. Massing, 2011, S.131-132). In diesem

Sinne werde ich mich in der vorliegenden Arbeit mit der Frage beschäftigen, ob sich Bürger aufgrund mangelnder politischer Bildung von der Politik abwenden und welche Möglichkeiten im Raum stehen, um der stetig wachsenden Politikverdrossenheit in der Bundesrepublik Deutschland entgegenzutreten.

3. Gründe für die Politikverdrossenheit in der BRD;

In diesem Abschnitt werde ich mich mit den Gründen für die wachsende Politikverdrossenheit in der BRD auseinandersetzen. Laut Peter Massing könne steigende Politikverdrossenheit durch die Politiker selbst verursacht sein, die Ursache könne aber auch bei den Bürgerinnen und Bürgern selbst liegen. (vgl. Massing, 2011, S.138).

3.1 Politiker als Ursache der Politikverdrossenheit in der BRD

Zunächst möchte ich mich auf die Frage konzentrieren, in wie weit Politikerinnen und Politiker Schuld an der steigenden Politikverdrossenheit tragen. Ein sehr weit verbreitetes Argument in der Bevölkerung lautet, dass die Politik zu kompliziert sei, was dazu führe, dass die meisten Menschen sie nicht mehr verstünden und viele sich von der Komplexität politischer Prozesse überfordert fühlen. Im Jahre 2003 sei der Satz: „Manchmal ist Politik so kompliziert, dassjemand wie ich gar nicht versteht, was vor sich geht“, von 55 Prozent der Befragten bejaht worden. (Detjen, 2011, S. 207). Wehner zählt Begriffe auf, die diesen Sachverhalt konkretisieren. „Wachstumsbeschleunigungsgesetz; bürgerliches Lager; Endlagerung; Multikulti; Alt-68er; neoliberal; Gutmensch; Generationengerechtigkeit.“ (Wehner, 2011, S.165) Dies führe dazu, dass die Bürger vor allem mit dem parlamentarischen Regierungssystem und den davon bestimmten politischen Prozessen viele falsche Assoziationen und Konnotationen verbinden. (Detjen, 2011, S.217).

Des Weiteren haben viele Bürger das Gefühl, Politiker seien „wie in einer Kiste abgeschottet und hätten keine Ahnung mehr vom ganz realen Leben der Bürger.“ Umfrageergebnisse bestätigen diese Ansicht. In einer Umfrage der „Zeit“ meinten 85 Prozent der Befragten, Politiker wüssten „nicht so genau“ oder „gar nicht“ Bescheid über die Sorgen und den Alltag der Bürger. Symbolisch dafür seien die „schwarzen Dienstlimousinen“ oder das Berliner Reichstagsviertel, in dem sich für Besucher nicht zugängliche Bereiche befänden. (Blome, 2011, S.99). Ein letztes, sehr oft genanntes Argument für die steigende Politikverdrossenheit aufgrund der Politiker selbst sei ein Vertrauensverlust in die Politik und die sie betreibenden Akteure. (Detjen, 2011, S.207). Diese zunehmenden Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsvorbehalte der Bürgerinnen und Bürger würden durch die häufigen

Meldungen über Korruptionsfalle im politischen Raum noch weiter verschärft und angeheizt. (Massing, 2011, S.140). Das wiederum führe zu der Ausbreitung von Vorurteilen über die politischen Verhältnisse in Deutschland. „Die Parteien stritten ständig miteinander, anstatt sich um das Wohl des Volkes zu kümmern. Die Politiker predigten Wasser und tränken Wein. [...] Die Bundestagsabgeordneten seien faul, denn das Plenum sei fast immer leer. Anstatt Vorbild zu sein, seien die Politiker korrupt. Dies sehe man an den vielen Affären.“ (Detjen, 2011, S.217). Wie die Argumente deutlich zeigen, sollte man Politiker und die politischen Prozesse nicht außer Acht lassen, wenn es sich um die Verbreitung von Politikverdrossenheit dreht.

3.2 Bürgerinnen und Bürger als Ursache der Politikverdrossenheit

Nun möchte ich mich auf Teile der deutschen Bevölkerung, die keine politischen Ämter innehaben, fokussieren und herausstellen, dass auch Bürgerinnen und Bürger - vornehmlich durch fehlende politische Bildung - Mitschuld an der Politikverdrossenheit tragen.

Massing ist der Auffassung, dass Jüngere, Frauen, Menschen mit geringem Einkommen, Angehörige aus der Unterschicht und vor allem Personen mit niedriger Bildung eher politikverdrossen sein. (Massing, 2011, S.138). Detjen erklärt, dassjunge Menschen aus eher intellektuellen Milieus ein Interesse an der Politik haben, während Haupt-und Realschüler überproportional zu den desinteressierten Jugendlichen gehöre. Weiter stellt er fest, dass sich in Deutschland eine neue Unterschicht gebildet habe, die sich aus politisch uninformierten, sozial wenig engagierten und partizipatorisch passiven Personen zusammensetze. Ziel der politischen Bildung müsse es sein, den Desinteressierten mehr Aufmerksamkeit zu schenken und die bildungsfernen Schichten wieder an die demokratische Verfassungsordnung heranzuführen. (Detjen, 2011, S.208).

Niedrige Bildung und Politikverdrossenheit stehen aber noch in einem anderen Zusammenhang, begründet Massing und behauptet, dass Menschen, die Wenig oder Falsches über die Aufgabe der Politik und die Funktionsweise des politischen Wissens wissen, häufiger und stärker politikverdrossen seien als andere Bevölkerungsgruppen. Zusammenfassend zitiert Massing Werner Patzelt: „Politikfern und politikverdrossen sind die Ahnungslosen.“ Patzelt sehe den Schwachpunkt unserer Demokratie in den eklatanten Kenntnismängeln der Bürgerinnen und Bürger. (vgl. Massing, 2011, S.139). Aus diesem Grund wird daran gezweifelt, ob die politische Bildung noch erfolgreiche Arbeit leistet. Detjen resümiert, dass eigentlichjeder Erwachsene während seiner schulischen Laufbahn mit bildungspolitischem Unterricht in Berührung komme, was eigentlich dazu führen müsse, das wir politisch gut

[...]

Details

Seiten
13
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656864004
ISBN (Buch)
9783656864011
Dateigröße
408 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Erscheinungsdatum
2014 (Dezember)
Schlagworte
politische bildung grund

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