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Zeitgeschichte im Museum. Didaktisch-pädagogische Prinzipien des Hauses der Geschichte

Seminararbeit 2009 13 Seiten

Geschichte - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung

2) Didaktisch-pädagogische Prinzipien des HdG

3) Leistungskriterien an ein historisch korrektes Museum

4) Fazit

5) Quellennachweis

1) Einleitung

Die vorliegende Arbeit soll einen Einblick in die Museumspädagogik mit Schwerpunkt auf die des Hauses der Geschichte in Bonn geben. Dabei steht die Frage im Vordergrund, ob die moderne Museumsdidaktik des HdG eine sinnvolle Ergänzung zum Unterricht darstellt, sozusagen als Mittel zum Zweck, bei dem die Schüler mit Spaß „Geschichte erleben“ und dabei auch einen Lernertrag erhalten.

Dies soll an konkreten Ausstellungsbereichen des HdG beleuchtet werden. Um ein möglichst umfassendes Bild abzugeben, wird sowohl auf die Ausstellungsbereiche eingegangen, die auch Bestandteil meiner Führung vor Ort waren, als auch auf die übrigen Ausstellungen im Museum.

In diesem Zusammenhang soll auch eine Kritik an der Umsetzung nicht verschwiegen werden.

2) Didaktisch-pädagogische Prinzipien des HdG

Zunächst wird eine knappe Einleitung über das Haus der Geschichte in Bonn gegeben und anschließend wird auf die didaktisch-pädagogischen Prinzipien dieses Museums ausführlicher eingegangen.

Das HdG wurde im Juni 1994 eröffnet und erfreut sich seitdem hoher Besucherzahlen und einer äußerst positiver Resonanz. Das Museum hat sich zur Aufgabe gemacht, „die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland einschließlich der Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik unter Einbeziehung der Vor- und Entstehungsgeschichte darzustellen und Kenntnisse hierüber zu vermitteln“[1].

Didaktische Zielsetzung der Stiftung ist es, „Vergangenheit auch als `Erlebnis Geschichte´ zu vermitteln“[2]. Um dieses Ziel zu erreichen, nutzt das HdG auch stets die Besucherforschung, die demonstriert, was Besucher erwarten, was sie gut finden und was verbessert werden könnte. Somit ist es möglich, sich auf das Publikum einzustellen und eventuelle besucherorientierte Verbesserungen vorzunehmen.

Die Dauerausstellung führt den Besucher durch die deutsche Geschichte vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis in die Gegenwart. Die Geschichte ist chronologisch über drei Etagen verteilt. Der Besucher selbst entscheidet, mit welchem Thema er sich befassen möchte.

Das Programm „Geschichte erleben“ gehört zu den konzeptionellen Grundprinzipien des HdG. Die Besucher folgen einem Rundgang durch gestaltete Räume zur deutschen Nachkriegsgeschichte, vom „Weg der Bilder“ über den „Weg der Raumtöne“ bis hin zum „Weg der Eindrücke“. Das HdG ist ein Museum für Zeitgeschichte, in dem Politik-, Wirtschafts- und Gesellschaftsgeschichte, Lebensbedingungen des Alltags sowie wichtige Aspekte aus Kunst und Kultur präsentiert werden. Durch die Originale in den Ausstellungen wird ein unmittelbares „Erlebnis Geschichte“ erzielt. Sie wirken durch „Attracting Power“, „Communicating Power“ und „Holding Power“: sie sollen die Aufmerksamkeit wecken, Angebote zur Kommunikation bieten und schließlich die Aufmerksamkeit der Besucher festhalten.

Gerade jüngere Museumsbesucher stehen vor der Problematik des fehlenden Miterlebens aufgrund der Defizite in der Erfahrungsdimension. Der Weg der Eindrücke versucht, dieses Problem zu überbrücken, indem es mittelbare Zeitgenossenschaft erzeugt in den Einheiten, die eher das Gefühl ansprechen, beispielsweise die Ausstellungseinheit 17. Juni oder die Stasi-Zentrale von Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) und Stasi-Gefangenentransportwagen[3].

Nach einer Gruppenbegleitung beginnt die Nutzung des Museums als ein außerschulischer Lernort. Es gibt unterschiedliche Wahrnehmungs- und Informationsebenen, die eine vertiefende und differenzierte Beschäftigung mit der Ausstellung für eine Vielzahl unterschiedlich motivierter und vorgebildeter Besucher erlaubt.

Die erste Wahrnehmungs- und Informationsebene geht vom Großeindruck aus und umfasst das, was sofort ins Auge fällt. Sie betrifft die räumliche Gestaltung, dazu gehören Farbgebung, Großfotos, Großobjekte, Große Thementexte, AV-Stationen und Trailer von vertiefenden AV-Stationen.

Die zweite Wahrnehmungs- und Informationsebene ist eine „Szene“, zusammengesetzt aus einem Großfoto, Vitrine und freistehenden Objekten.

Die dritte und letzte Wahrnehmungs- und Informationsebene besteht aus Einzelobjekten, Objektensembles und den dazugehörigen Objekttexten. Dies zielt auf eine vertiefende Auseinandersetzung auch auf interaktive Weise an Monitoren, Flipcharts etc.

Die Ausstellungstexte im Museum wirken nur im Gesamtzusammenhang der Ausstellung und sind jeweils reduziert auf das Wesentliche des zeithistorischen Kontextes.

Die audiovisuellen Medien dienen der Vertiefung der Aussagen und der Erweiterung der Information. Außerdem erhält der Besucher damit die Möglichkeit, das Zeitgefühl nachempfinden zu können.

3) Leistungskriterien an ein `historisch korrektes´ Museum

Ich möchte mich bei meiner Erörterung über die gelungene oder weniger gelungene Museumsdidaktik des HdG auf die Argumente von Pohl aus seinem Beitrag „Wann ist ein Museum historisch korrekt?“ stützen und dabei auf verschiedene Ausstellungseinheiten des Museums eingehen. Dabei werde ich zusätzlich die Bewertung zu den Ausstellungseinheiten meiner Gruppenführung einbeziehen.

Pohl hat einen idealtypischen Anforderungskatalog an historische Museen kreiert.

Zu den Forderungen gehören

1) die Einbindung eines Fragehorizontes der Besucher, zu dem eine für den Besucher klare und wissenschaftlich begründete Fragestellung gehört,
2) die Vermittlung eines offenen Geschichtsbildes,
3) der Hinweis auf den Konstruktionscharakter und die Kontroversität sowie
4) Multiperspektivität,
5) das Erreichen der Reflexion über die Vergangenheit,
6) das Einbeziehen des Fragehorizontes des Publikums und schließlich
7) die Möglichkeit der Kritik seitens des Besuchers an der Ausstellung.

Diese Punkte werde ich im Folgenden näher erläutern.

1) Es soll mit der Dauerausstellungsabteilung zum Bau der Berliner Mauer begonnen werden. Die Geschichte und ihre Entwicklung vom Bau bis zum Fall der Berliner Mauer zieht sich im Museum über alle drei Etagen. Ich habe mich dazu entschlossen, den Fokus auf den Beginn Geschichte der Berliner Mauer zu setzen, da ich die Impulse, die zum Bau der Mauer führten, als sehr wichtiges Wissensfundament erachte, das die Schüler und ein jeder Besucher bei der Auseinandersetzung mit dem Thema kennenlernen sollten.

Die Anfangsphase der Berliner Mauer begrenzt sich auf einen Teilbereich des Erdgeschosses. Der Besucher wird sogleich mitten ins Geschehen gelotst: Ihn empfängt eine Texttafel mit der Überschrift „Einteilung in vier Besatzungszonen“. Auf der linken Seite sind wirtschaftliche Ereignisse dargestellt, die im Westen stattfanden. Diese Seite wiederum ist durch Gitter-Stahlwände vom „Osten“, der gegenüberliegenden Seite getrennt, wo ebenfalls wirtschaftliche Ereignisse dargestellt werden. Die Ausstellungssequenz ist auf den ersten Blick sehr ansprechend gestaltet und weckt durch die vielen Objekte die Aufmerksamkeit und Neugier des Besuchers.

[...]


[1] Informationen des Sächsischen Museumsbundes e.V. Nr. 23/2001, S. 92-97.

[2] Schäfer, Hermann, Geschichte neu erleben. Die aktuelle Ausstellung, in: Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (Hg.),Das Buch zur Ausstellung, Erlebnis Geschichte.

[3] Vgl. Informationen des Sächsischen Museumsbundes e.V. Nr. 23/2001, S. 92-97.

Details

Seiten
13
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656865926
ISBN (Buch)
9783656865933
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v286382
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Geschichte - Didaktik
Note
2,0
Schlagworte
zeitgeschichte museum didaktisch-pädagogische prinzipien hauses geschichte

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Titel: Zeitgeschichte im Museum. Didaktisch-pädagogische Prinzipien des Hauses der Geschichte