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Spielanalyse bei der WM 2014 in Brasilien. Deutschland vs. Ghana - 2:2

Seminararbeit 2014 16 Seiten

Sport - Sportökonomie, Sportmanagement

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Deutschland vs. Ghana (WM Brasilien 2014)
2.1 Vorinformationen
2.2 Taktische Mannschaftsaufstellung
2.3 Spielerprofil (Stärken- und Schwächenanalyse)
2.4 Spielanlage defensiv/offensiv
2.5 Standard – Auffälligkeiten
2.6 Besonderheiten

3. Fazit (taktischer Vorschlag)

4. Literaturverzeichnis

Abbildungen:

1. Einleitung

Ist es in der Sportwelt möglich, die Leistung eines Teams durch Spielbeobachtung zu steigern oder zu verbessern? Heutzutage ist es im Sport allgemein üblich, das Spiel oder das Training zu beobachten und zu dokumentieren. Hierbei versucht man Verbesserungsvorschläge für den individuellen Sportler beziehungsweise für eine komplette Mannschaft zu erlangen. Man spricht dabei von „Spielbeobachtung“. Jeder von uns kennt die vermeintlichen Experten, die zum Beispiel nach einem Fussballspiel versuchen, den Grund von Niederlage oder Sieg zu klären, sei es im Hobby- oder Profibereich. Ein weiteres Beispiel sind oft die zur Halbzeit beziehungsweise nach Ende der Spielzeit eingeblendeten Statistiken über gewonnene Zweikämpfe, Ballbesitz, Torschüsse, Ecken, etc.. Die Bereitsetellung derartiger Kenngrößen wird mit der Digitalisierung des Sports immer einfacher durchführbar. Kein Millimeter des Spielfelds bleibt heute bei einem Bundesligaspiel im Fussball unbeobachtet, dank modernster Kamera- und Videotechnik. Hierdurch entsteht die Möglichkeit der passiven Analyse nach einem Spiel, durch Studieren der Aufzeichnungen. „Räumlich-zeitliche Koordinaten aller Spieler und des Spielgegenstandes werden in Echtzeit erfasst, die Merkmale per Bilderkennung automatisch registriert, eine Auswertung der Bild- und Beobachtungsinformationen ist sofort möglich“.1 Man muss also das Spiel nicht mehr mit eigenen Augen gesehen haben, um es analysieren zu können. Vor allem dem Trainer bietet es die Möglichkeit, im Nachhinein aus dem Spiel zu lernen, welches er nun aus einem anderen Blickwinkel betrachten kann.

Im weiteren Verlauf dieser Seminararbeit möchte ich versuchen das Gruppenspiel Deutschland vs. Ghana von der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien zu analysieren. Dabei gehe ich zuerst auf Vorinformationen ein, um erstmal einen groben Überblick darzustellen. Des Weiteren kümmere ich mich um die taktische Mannschaftsaufstellungen beider Teams und versuche ein Spielerprofil aufzustellen, in dem ich die Stärken und Schwächen analysiere. Auch die ausgerichtete Spielanlage (ob eher defensiv oder offensiv), Auffälligkeiten bei Standards und irgendwelche Besonderheiten nehme ich in meine Spielbeobachtung mit auf. Abschließend möchte ich einen taktischen Vorschlag wagen, wie man vielleicht hätte besser ins Spiel gehen können, um dieses zu gewinnen.

Das Ziel dieser Seminararbeit ist es, eine konkrete Spielbeobachtung dieses Gruppenspiels aufzustellen und diese als Chefscout meinem Cheftrainer der USA Jürgen Klinsmann vorzulegen, damit er die Mannschaft auf das kommende Spiel (letztes Vorrundenspiel) gegen Deutschland optimal vorbereiten kann.

2. Deutschland vs. Ghana (WM Brasilien 2014)

2.1 Vorinformationen

Kurze Fakten2:

Begegnung: Deutschland gegen Ghana

Gruppe: G

Schiedsrichter: Sandro Ricci (Brasilien)

Anstoß: 21.06.2014 um 21 Uhr

Ort: Fortaleza (Brasilien), Fassungsvermögen: 60.342 Zuschauer

Wetter: Temperatur: 29 Grad Celsius, Wind: 19 m/s, Luftfeuchtigkeit: 61%

Live im TV: Übertragung von der ARD (Das Erste)

Art: Fussball Weltmeisterschaft (Vorrunde – Gruppenphase – 2. Spieltag)

Deutschland ist optimal in die Weltmeisterschaft 2014 mit einem 4:0 Sieg gegen Portugal gestartet. Mann des Spiels war Thomas Müller mit insgesamt 3 Toren. Ghana hingegen verlor mit 1:2 das erste Spiel gegen uns (die USA) und ist nun am Zug. Schließlich sollen die WM Chancen nicht bereits nach zwei Spielen vorbei sein. Sollten Deutschland und wir (die USA) jeweils gewinnen, wären die Achtelfinalteilnehmer der Gruppe G bereits klar.

Der Bundestrainer Joachim Löw hat allerdings mit einer Personalie zu kämpfen: Mats Hummels. Der Innenverteidiger verletzte sich gegen Portugal und somit ist fraglich, ob er gegen Ghana am heutigen 21.06.2014 eingesetzt werden kann.

Doch wie schaut die Statistik aus? Spricht sie eher für Sieg Deutschland oder für Sieg Ghana? Wenn man einen Blick auf die Statistik der Begegnung Deutschland gegen Ghana wirft, so steht hier Deutschland klar als Sieger fest. Bei bisher zwei Aufeinandertreffen hieß der Sieger jeweils Deutschland. Erst bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika trafen beide Nationen in der Gruppe D aufeinander. Damals gewann Deutschland knapp mit 1:0.3 Noch früher im Jahre 1993 bestritten die beiden Länder ein Freundschaftsspiel, welches Deutschland mit 6:1 gewann.4 Jedoch ist dieses Spiel aber nun schon mehr als 21 Jahre her und mit heute nicht mehr zu vergleichen.

Für Ghana spricht jedoch das Wetter, denn diese sind eine hohe Luftfeuchtigkeit gepaart mit heißen Temperaturen gewohnt, auch wenn viele Fussballspieler ihr Geld in Europa verdienen.

Statistik zum Spiel:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Tabelle 1: Allgemeine Statistiken zum Spiel Deutschland gegen Ghana 5

2.2 Taktische Mannschaftsaufstellung

Aufstellungen6:

Deutschland – Ghana 2:2 (0:0)

Deutschland: Neuer – J. Boateng (46. Mustafi), Mertesacker, Hummels, Höwedes – Lahm – Khedira (69. Schweinsteiger), T. Kroos – Özil, M. Götze (69. Klose) – T. Müller

Ersatz: Weidenfeller (Tor), Zieler (Tor), Durm, Ginter, Großkreutz, Draxler, Kramer, Podolski, Schürrle

Ghana: Dauda – Afful, Boye, Jonathan Mensah, Asamoah – Rablu (78. Agyemang Badu), Muntari – Atsu (72. Wakaso), A. Ayew – Gyan, K-P. Boateng (52. J. Ayew)

Schiedsrichter: Sandro Ricci (Brasilien)

Zuschauer: 59.621 (nicht ausverkauft)

Tore: M. Götze (51.), A. Ayew (54.), A. Gyan (63.), Klose (71.)

Gelbe Karten: Muntari

(Die Ersatzspieler von Ghana wurden hier nicht berücksichtigt, weil es in dieser Spielbeobachtung hauptsächlich um unseren nächsten Gegner Deutschland gehen soll.)

Bundestrainer Joachim Löw sah keinen Bedarf, im Vergleich zum 4:0-Auftaktsieg gegen Portugal seine Mannschaft umzustellen und blieb bei der Formation 4-3-3.7 Im Vorfeld war nur ein Einsatz von Innenverteidiger Mats Hummels fraglich, da er sich im Spiel gegen die Portugiesen eine Oberschenkel-Prellung zugezogen hatte. Ganz anders der Trainer von Ghana James Kwesi Appiah, der nach der 1:2-Niederlage gegen uns (die USA) gleich auf drei Positionen Veränderungen vornahm. Kevin-Prince Boateng rutschte für Jordan Ayew in die Startelf, Afful ersetzte als Rechtsverteidiger seinen Mannschaftskollegen Opare und der Torhüter Kwarasey musste für den 1,80 Meter großen Dauda Platz machen.8 8

Bei Deutschland fällt auf, dass sie mit einer Abwehrkette, nur aus Innenverteidigern bestehend, spielen. Dabei hatte Ghana eine andere Spielanlage als Portugal, sodass tiefstehende Außenverteidiger kein geeignetes Rezept gegen die auf ihre Defensive fokussierten Afrikaner darstellte. Diese Hinweise wurden von Trainer Joachim Löw nicht berücksichtigt und hielt am siegreichen Konzept und Personal aus dem Auftaktspiel fest. Grund dafür könnte sein, dass Löw gerne eine eingespielte Abwehrkette haben möchte und somit nur wenig verändern möchte. Die Viererkette zeigte jedoch nach dem 4:0-Sieg gegen Portugal erste Schwächen und somit kassierten die Deutschen gegen Ghana zwei Gegentore. Erste Tor wurde nach einer Flanke von der rechten Seite mit einem Kopfball verwertet (Mustafi war nicht an seinem Gegenspieler dran) und das zweite Tor folgte nach einem Abspielfehler von Lahm.9 9 Als Flügelspieler bei den Afrikanern war der schnelle Atsu unterwegs, womit Höwedes auf seiner linken Abwehrseite das ein oder andere Mal schlecht aussah.

In der Offensive hat Löw im Portugal-Spiel gute Erfahrungen sammeln können. Seine Taktik, mit kleinen, wendigen Spielern einen recht stabilen Abwehrblock auszuhebeln, funktionierte ausgezeichnet. Die Variante, nach 60 bis 70 Minuten robuste Spieler wie Lukas Podolski, Miroslav Klose oder den dynamischen André Schürrle zu bringen und so für neue Durchschlagskraft gegen einen müde gespielten Gegner zu sorgen, ging ebenfalls auf.

Unabhängig von personellen Entscheidungen legte Löw gegen Ghana aber einen hohen Wert auf spielerische Geduld (Ballbesitz: 59%)10. Die Abwehr der Afrikaner galt nämlich als anfällig und im Umschaltspiel inkonsequent. Des Weiteren agierten die Deutschen mit Mittelfeld-Pressing und versuchten nach Ballgewinn schnell umzuschalten und somit den Gegner auszukontern. Zudem waren ein paar Abspielfehler im Spielaufbau zu erkennen, wodurch auch der zweite Gegentreffer fiel.

2.3 Spielerprofil (Stärken- und Schwächenanalyse)

Bewertung der Spieler laut www.kicker.de11:

Neuer: 2,5, J. Boateng: 3, Mertesacker: 3, Hummels: 3, Höwedes: 3,5, Lahm: 4,5, Khedira: 5, T. Kroos: 4, Özil: 3,5, M. Götze: 2,5, T. Müller: 3,5, Mustafi: 5

(Die Spieler von Ghana wurden hier nicht berücksichtigt, weil es in dieser Spielbeobachtung hauptsächlich um unseren nächsten Gegner Deutschland gehen soll, Klose und Schweinsteiger konnten nicht bewertet werden, da die beiden zu spät in die Partie eingewechselt worden sind))

Manuel Neuer, Torhüter, konnte sich durch einige Paraden auszeichnen und verhinderte so weitere Gegentore. In der ersten Halbzeit konnte er zwei Schüsse parieren. In der zweiten Hälfte wehrte er drei Schüsse ab, sodass er insgesamt fünf Torversuche von Ghana sichern konnte. Des Weiteren zeigt die Passverteilung von Neuer, dass er die Bälle in jede Richtung gleichermaßen spielt. Er spielte 13 Pässe auf die linke Seite, 11 Pässe ins Zentrum und 10 Pässe auf die rechte Seite (Passquote von 89%). Daraus könnte man eventuell schließen, dass die deutsche rechte Seite eher zugestellt worden ist als die linke Seite, da aus Sicht von Ghana die linke Seite mit Höwedes entweder die schwächere war oder die rechte Seite von Ghana die Stärkere ist.

Benedikt Höwedes, linker Außenverteidger, war in dem Spiel eher defensiv ausgerichtet, was man aber schon vor dem Spiel vermuten konnte, da er ein gelernter Innenverteidiger ist. Das lässt sich daraus schließen, dass er nur insgesamt fünfmal ins Angriffsdrittel gelaufen ist (Mannschaft insgesamt: 65 mal) und nur einmal in den Strafraum. Zudem konnte Höwedes einmal den Ball durch ein Tackle gewinnen und einmal hat er dabei nicht den Ball gewonnen. Er hat zweimal versucht den Ball zu klären, aber hat es nur einmal geschafft. Seine Passverteilung verlief fast ausschließlich auf seiner linken Seite, nur viermal spielte er ins Zentrum (Passquote von 82%). In dem Spiel legte er eine gesamte Strecke von knapp über 11km zurück und ist mit seiner Größe ein Kopfball starker Spieler.

[...]


1 vgl. Die qualitative Spielbeobachtung, G.Hansen/M.Lames, 2001

2 vgl. www.de.fifa.com

3 vgl. www.dfb.de

4 vgl. www.dfb.de

5 vgl. www.de.fifa.com

6 vgl. www.de.fifa.com

7 vgl. www.de.fifa.com

8 vgl. www.de.fifa.com

9 vgl. www.ardmediathek.de

10 vgl. www.de.fifa.com

11 vgl. www.de.fifa.com

Details

Seiten
16
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656866053
ISBN (Buch)
9783656866060
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v286433
Institution / Hochschule
Hochschule für angewandtes Management GmbH
Note
3,0
Schlagworte
spielanalyse brasilien deutschland ghana

Autor

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Titel: Spielanalyse bei der WM 2014 in Brasilien. Deutschland vs. Ghana - 2:2