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Leben ohne Gehör - Wege zur Verständigung

Referat (Ausarbeitung) 2004 42 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Biografie: Mein Leben als Gehörloser

3 Durch Verständnis zur Verständigung - Wege in die Gemeinschaft

4 Was ist Gehörlosigkeit?
4.1 Die Gehörlosigkeit: Eine Kommunikationsstörung
4.2 Der Versuch einer Begriffsbestimmung
4.3 Die Hörschädigung in der medizinischen Sichtweise
4.3.1 Die Schallleitungsschwerhörigkeit
4.3.2 Die Innenohrschwerhörigkeit
4.3.3 Die zentrale Schwer- und Fehlhörigkeit
4.4 Die Beurteilung des Schweregrades der Schädigung
4.4.1 Der Grad des Hörverlustes
4.4.2 Der Zeitpunkt der Schädigung
4.4.3 Die Sozialisationsbedingungen
4.4.3.1 Der Zeitpunkt des Erkennens der Hörschädigung
4.4.3.2 Die Förderkonzepte
4.4.3.3 Die technische Versorgung
4.4.3.4 Selbstbild: Kulturelle Minderheit contra Behinderung
4.4.4 Die intellektuellen Kompensationsmöglichkeiten des Einzelnen
4.5 Was ist Gehörlosigkeit – eine Zusammenfassung

5 Das Leben mit Gehörlosigkeit: „Folgen, Probleme, Perspektiven“
5.1 Die Laut- und Schriftsprache in der Kommunikation gehörloser Menschen
5.2 Die Gebärdensprache: Sprache der Gehörlosen
5.3 Der Alltag gehörloser Menschen
5.4 Die Perspektiven gehörloser Menschen in einer hörenden Welt
5.5 Das Cochlea Implant
5.5.1 Das Cochlea Implant: Die ideale Hörhilfe für spät ertaubte Menschen
5.5.2 Die Gehörlosenkultur und das Cochlea Implant

6 Der Schluss

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Ohr, Nerv, Hirnzentrum in Abschnitte unterteilt

Abbildung 2: Außen-, Mittel-, und Innenohr

Abbildung 3: Schnitt durch eine Schneckenwindung

Abbildung 4: Hörzentrum in der Großhirnrinde

Abbildung 5: Das Zusammenwirken der Aspekte, die den Schweregrad der Hörschädigung beeinflussen

Abbildung 6: Audiogramm

1 Einleitung

Den Anlass dieses Referats brauchte ich nicht lange zu suchen.

Ich habe im Oktober 2003 mit einer Gruppe von Studenten aus unserem Fachbereich Sozialwesen und unserem Professor Dr. jur. Hubertus Lauer an einem Studentenaustausch mit der Gallaudet University in Washington teilgenommen.

Um diese Erlebnisse und Eindrücke bestmöglich zu verarbeiten, schien mir und letztendlich natürlich auch meinen Prüfern, ein Referat als angebracht.

Der Umgang mit dem Thema Gehörlosigkeit und den Folgen dieser Einschränkung war für mich zum damaligen Zeitpunkt praktisch unbekannt. Dies mag sich bestimmt für die meisten von uns genauso darstellen. Genau an diesem Punkt aber möchte ich anknüpfen.

Gehörlosigkeit ist ein Thema, was gerade in der Sozialarbeit einen unheimlich hohen Stellenwert haben müsste. Die Problemlagen und Ängste dieser Menschen sind praktisch auf Sozialarbeit gemünzt. Sei es bei der schulischen und beruflichen Ausbildung, beim Umgang mit Ämtern oder auch nur beim Einkaufen. Gehörlose Menschen müssen einen Weg in die Gesellschaft finden können, wenn sie das wollen. Wir müssen sie dabei unterstützen, dass ist unsere Aufgabe als Sozialarbeiter.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage: Was hat das mit Amerika und unserem Austausch zu tun?

In Amerika haben wir gelernt, wie ein möglicher Umgang mit Gehörlosigkeit weitestgehend ohne öffentliche Diskriminierung stattfinden kann.

Sei es beim Fernsehen, dass zu 90 Prozent untertitelt ist, beim Bahn fahren mit speziellen Leuchtsignalen, beim Eintreffen der Bahn oder bei dem Buchfestival auf der „Mall“, bei dem bei jeder Rede auch ein Gebärdensprachdolmetscher übersetzt.

Gehörlose könne am öffentlichen Leben teilnehmen, wenn Sie das wollen. Sie haben die Möglichkeit in einer hörenden Welt zu bestehen.

Ich bin der Meinung, dass dies in Deutschland nicht in diesem Maße der Fall ist. Es ist wohl in den vergangenen Jahren viel passiert, die Gebärdensprache, die Sprache der Gehörlosen wurde anerkannt. Ich finde aber, gerade an uns allen kann es liegen, dass noch mehr getan wird. Es benötigt sicher mancher Diskussion, was man als sinnvoll und gut ansehen und was man als Unsinn abtun kann. Amerika ist nicht Deutschland und nicht alles was man in Deutschland in Sachen Gehörlosenpädagogik unternommen hat ist schlecht. Allein durch Informationen lassen sich Vorurteile abbauen und Grenzen einreisen. Genau das ist es auch, was ich mit diesem Referat erreichen möchte.

2 Biografie: Mein Leben als Gehörloser

Ich heiße Peter Sch. und bin 34 Jahre alt. Ich wohne in Frankfurt am Main. Seit Geburt an bin ich gehörlos.

Als ich als Kind in der Schule war, wurde ich zur Oralerziehung gezwun­gen. Der Klang meiner Stimme ist für viele ungewohnt, und wenn ich etwas sage, werde ich oft nicht verstanden. Viele denken, dass ich Englisch spre­che. Hörende denken oft, dass ich Aus­länder bin.

Von Geburt an taub, musste ich mir die Lautsprache meiner Umwelt in mühsamen Lernprozessen aneignen und konnte mein Sprechen nie durch das eigene Gehör kontrollieren. Um das Wort „Auto“ auszusprechen, brauchte ich vier Stunden Unterricht. Damals fühlte ich mich nicht wohl. Ich habe mich immer auf die Pausen gefreut, in denen wir uns in Gebärden unterhal­ten haben. Im Unterricht durften wir nicht gebärden.

In der Berufsausbildung und auch im ganzen Berufsleben musste ich mich mehr anstrengen, da für gehörlo­se Beschäftigte die Kommunikation das Problem Nummer eins ist. Ich musste nur vom Mund ablesen. Das war sehr anstrengend. Also habe ich vorgeschla­gen, komplizierte Sachverhalte aufzu­schreiben. Nach etwa einem halben Jahr war ich im Kollegenkreis akzep­tiert. Aber die Kollegen wollten von mir keine Gebärdensprache lernen, warum weiß ich nicht. Sie denken, dass ich nicht wie Hörende arbeiten kann.

In meiner Familie muss ich mit Lautsprache kommunizieren. Mit mei­nem älteren Bruder, der auch gehörlos ist, unterhalte ich mich selbstverständ­lich in der Gebärdensprache. Bei der alltäglichen Kommunikation mit mei­ner hörenden Familie, Verwandtschaft und Kollegen fühle ich mich oft isoliert und denke, dass meine hörende Fami­lie bzw. Verwandtschaft keine „richtige“ Fa­milie für mich ist.

Ich bin durch mangelnde Informa­tion benachteiligt, die Begegnung mit Menschen, die keine Gebärden können, erlebe ich als nichts sagend. Wenn ich bei dem Treffen der Gehörlosen bin, denke ich, dass dies meine richtige Fa­milie ist, weil dort mit Gebärdenspra­che kommuniziert wird und ich mich durch die Solidarität unter Gehörlosen mehr unterstützt fühle.

In einer hörenden Welt bin ich im­mer benachteiligt. Zum Beispiel: beim Wahlkampf.

Alle bekommen Informa­tionen über Rundfunk und Fernsehen, wie die Politik in Zukunft gestaltet wer­den soll. Diese Informationsquellen gibt es für Gehörlose nicht, und der Wortschatz eines durchschnittlichen Gehörlosen reicht nicht aus, um eine Tageszeitung zu lesen. Die Gehörlosen bekommen keine Informationen und sollen doch wählen. Ich finde das nicht Recht. Ich bin behindert, aber ein Mensch wie alle anderen und habe auch die gleichen Rechte wie alle ande­ren. Ich will wegen meiner Behinde­rung nicht benachteiligt werden.

Wir Gehörlose müssen uns immer bemü­hen, damit die hörende Welt die Probleme der Gehörlosigkeit besser verste­hen lernt.

Ich habe nicht die gleichen Möglichkeiten wie hörende Menschen zur Verfügung beispielsweise im Bereich der Medien, der Kultur oder bei anderen Freizeitangeboten. Dies setzt sich natürlich auch in Bereichen des Arbeitslebens fort. Leider gibt es zu wenige DolmetscherInnen.

Die Deutsche Gebärdensprache DGS ist die Muttersprache der Gehörlo­sen. Sie ist keine primitive Gestensprache, sondern stellt ein eigenes Kommunikationssystem auf der Basis einer festgeschriebenen Grammatik dar, mit der sich die Gehörlosen untereinander verständigen.

Mittlerweile wurde die Deutsche Gebärdengesprache ja anerkannt. Das war ein langer Weg.

In mei­ner Freizeit arbeite ich ehrenamtlich als Leiter der katholischen Gehörlosen­gemeinschaft in Offenbach und organi­siere Ausflüge, Erholungsreisen, Bil­dungsreisen und Informationstage, damit Gehörlose mehr Informationen bekom­men. Auch halte ich Gebärdensprach­kurse beim Landesverband der Gehörlosen in Frankfurt und als Referent des Caritasverbandes in Mainz für interes­sierte Hörende. Zurzeit wollen viele Hö­rende gern an Gebärdensprachkursen teilnehmen, aber die Plätze sind nicht ausreichend.

Ich wundere mich, dass so viele Hörende, die keine Gehörlosen kennen und den Film „Jenseits der Stille“ gesehen ha­ben, großes Interesse an der Gebärdensprache haben. Bei den Gebärden­sprachkursen kann ich einige hörende Freunde finden. Durch hörende Freun­de, die die Gebärdensprache beherr­schen, kann ich viel über die hörende Welt erfahren.

Das Cochlea Implant halte ich für überflüssig. Die Cochlea Implantierten können keineswegs normal hören. Sie hören Geräusche, müssen die Zuord­nung dieser Geräusche aber erst erler­nen. Wenn die Implantation erst spät im Leben erfolgt, ist das ein wirkliches Problem. Eine Restschwerhörigkeit bleibt. Da ich seit Geburt gehörlos bin, will ich auch so gehörlos bleiben. Gehörlos ist gehörlos. Nur Gott hat die Menschen erschaffen. Ich will nicht wie ein Versuchskaninchen behandelt werden.[1]

3 Durch Verständnis zur Verständigung - Wege in die Gemeinschaft

Eine unsichtbare Be­hinderung wie die Gehörlosigkeit lässt sich nicht einfach nachvollziehen.

Im Gegensatz zum Sehsinn, ist es beim Hörsinn schwierig, ihn vollkommen auszuschalten. Das Ohr lässt sich nicht so einfach verschließen wie das Auge. Bei allem Aufwand bleibt doch meist ein Rest, den man hört und den man vor allen Dingen auch einordnen kann.[2]

Gehörlosigkeit bedeutet mehr als nur einen Funktionsausfall des Sin­nesorgans Ohr. Sie hindert den betrof­fenen Menschen an der Entwicklung seiner Persönlichkeit.

Im heutigen Kommunikationszeit­alter läuft das meiste über die Sprache ab. Gehörlose Menschen aber leben in einer Welt der Stille, ohne diese Lautsprache. Eine Teilhabe an der Welt der Hörenden ist zumindest nicht ohne weiteres möglich. Man ist durch seine Behinderung gehandikapt. Hörende können sich nicht in gehörlose Men­schen hineinversetzen, sie können le­diglich helfen, die Barrieren zwischen den beiden Welten abzubauen. In der Gehörlosengemeinschaft sind die Be­troffenen durch ihre gemeinsame Spra­che, nämlich die Gebärdensprache integriert. Es wird aber auch die Gemeinschaft mit den Hörenden benö­tigt. Gehörlose Menschen leben schließlich mit Hörenden zusammen. Dieses Zusammenleben erfordert aber verständnisvolle Mitmenschen.

Viele Hörende geben sich große Mühe, um sich mit gehörlo­sen Menschen verständigen zu können. Voraussetzungen hierfür sind jedoch langsameres Sprechen, eine deutliche Aussprache, kurze Sätze und möglichst einfache Wörter. Und nicht zuletzt muss jeder Hörende, der Kontakt zu ge­hörlosen Menschen sucht, über die Ge­hörlosigkeit und deren Auswirkungen Bescheid wissen.

Leider tun sich Hörende immer wie­der sehr schwer damit, zwanglos mit gehörlosen Personen in Kontakt zu kommen. Beide Seiten fühlen sich hilf­los, da sie sich nicht in der jeweiligen Umgangssprache unterhalten können. Für viele Gespräche sind daher gehörlo­se Menschen auf gute Gebärdensprach­dolmetscher angewiesen.[3]

4 Was ist Gehörlosigkeit?

4.1 Die Gehörlosigkeit: Eine Kom­munikationsstörung

Eine Hörbehinderung ist weder mit technischen Hilfsmitteln noch mit einer noch so gu­ten Sprachförderung aus der Welt zu schaffen, auch wenn es von außen be­trachtet so aussieht. Keiner der Gut­hörenden kann ermessen, welches Ausmaß an Kon­zentration, Willenskraft und Belastbar­keit Menschen mit einer Hörschädi­gung im Gespräch mit Guthörenden brauchen, um aus zerstückelten Wor­ten, verzerrten Tönen und unvollstän­digen Satzteilen das Richtige zu verste­hen. Hinzu kommen oft Unsicherheit und Angst vor Missverständnissen, die Angst, anderen durch häufiges Nach­fragen auf die Nerven zugehen oder als dumm dazustehen.

Kommunikation ist für hörgeschä­digte Menschen sehr störanfällig. Spricht die PartnerIn nicht deutlich und zugewandt, fällt das Licht ungünstig und ist damit das Mundablesen erschwert oder sprechen mehrere gleichzeitig, so ist der Kontakt unterbrochen. Zudem sind gut hören­de Menschen kaum in der Lage, sich ein Leben ohne Gehör vorzustellen und sich in das Erleben hörgeschädigter Menschen hineinzuversetzen. Da deren Situation gut hörenden Menschen un­gleich fremdartiger erscheint als bei­spielsweise die Erlebniswelt blinder Menschen, vergessen sie leider nur all­zu schnell, die Erfordernisse in der Kommunikation mit hörgeschädigten Menschen zu beachten. Umso wichti­ger ist es, schon hörgeschädigten Kin­dern und Jugendlichen frühzeitig zu vermitteln, wie sie selbstbewusst, jedoch in angemessener Form, immer wieder auf ihre speziellen kommunika­tiven Bedürfnisse und sicherlich auch Rechte hinwei­sen können. Hörgeschädigte Kinder und Jugendliche sind nämlich grund­sätzlich durchaus positiv zum Leben eingestellt, trauen sich etwas zu und gehen mutig ihren Weg.

Unsere Aufgabe in der Sozialarbeit ist es, sie auf diesem Weg zu begleiten. Hörge­schädigte Menschen, die sich und ihre Anliegen nicht verstecken müssen, son­dern die Möglichkeit haben über Ge­fühle zu sprechen, Erfahrungen auszu­tauschen und eventuell sogar im Rol­lenspiel neue Verhaltensweisen auszu­probieren, besitzen wertvolle Hilfen zur Bewältigung stressbeladener Situa­tionen. Denn ebenso wie die Hörschädi­gung kann man auch Gefühle von Angst, Unsicherheit und Ausgeschlos­senheit, mit denen Gehörlose unter Umständen täglich konfrontiert wer­den, nicht sehen. Sie müssen unter Berücksichtigung des ganzen Ausma­ßes der Wahrnehmungsveränderun­gen und ihrer seelischen Begleiter­scheinungen aktiv angegangen wer­den.[4]

4.2 Der Versuch einer Begriffsbestimmung

Ein Definitionsversuch des Begriffs „Gehörlosigkeit“ erfordert die Frage:

„Was ist Gehörlosigkeit“?

Dabei sind drei Perspektiven und damit Teilfragen zu be­rücksichtigen:

- Was ist Ge­hörlosigkeit für die verschie­denen Fachwissenschaften, die sich mit Hörschädigun­gen befassen, wie beispiels­weise Medizin, Pädagogik, Psychologie, Soziologie?
- Was ist Gehörlosigkeit für die mit Gehörlosen im Kontakt ste­henden Menschen?
- Was ist Gehörlosigkeit für die Be­troffenen selbst?
Nachfolgend versuche ich auf die Fragestellungen einzugehen und die verschiedenen Standpunkte darzustellen.

4.3 Die Hörschädigung in der medizinischen Sichtweise

„Der Begriff Hörschädigung ist eine Sammelbezeichnung für die Funktionsbeeinträchtigung der akustischen Reizaufnahme und –verarbeitung.“[5]

Hiermit wird sowohl die Reizaufnahme durch das Sinnesorgan Ohr wie auch die Reizleitungs- und zentralnervöse Verarbeitungsstörung im akustischen Bereich bezeichnet.

In nachfolgender Abbildung 1 zeige ich den schematischen Aufbau eines Gehöres, vom eigentlichen Ohr, über den Hörnerv bis hin zum Gehirn:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Ohr, Nerv, Hirnzentrum in Abschnitte unterteilt[6]

In der Medizin wird der Begriff der Schwerhörigkeit im Zusammenhang mit der Beschreibung von Hörschädigungen für Verluste des Hörvermögens in unterschiedlicher Ausprägung benutzt.

Man spricht hier nur von Gehörlosigkeit, wenn ein vollständiger bzw. nahezu vollständiger Hörverlust vorliegt, was jedoch relativ selten auftritt. Dies ist in der Pädagogik und in der Psychologie anders, worauf ich aber noch kommen werde.

Die Schwere der Schädigung wird in der Medizin nach dem Grad des Hörverlustes bestimmt, welche in Dezibel im für das menschliche Ohr wahrnehmbaren Bereich gemessen wird.

Man teilt diese Hörstörungen hinsichtlich des Ortes der Schädigung oder ihrer wahrscheinlichen Ursache in drei große Gruppen ein:

4.3.1 Die Schallleitungsschwerhörigkeit

Bei einer Schallleitungsschwerhörigkeit liegt eine Schädigung des Außen- bzw. Mittelohres vor.

Der Schall kann nicht oder nicht mit der notwendigen Intensität an das Innenohr weitergeleitet werden.[7] Den schematischen Aufbau von Außen und Mittelohr zeigt folgende Abbildung 2:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Außen-, Mittel-, und Innenohr[8]

(H: Hammer; A: Amboss; S: Steigbügel) / angedeutet ist die Bewegung bei der Schallleitung

Durch die Missbildung einer Ohrmuschel, die Verengung des Gehörganges oder die Beschädigung des Trommelfells kann hier eine Schwerhörigkeit hervorgerufen werden.

4.3.2 Die Innenohrschwerhörigkeit

Die eigentlichen Sinneszellen liegen in der das Innenohr bildenden Gehörschnecke (Chochlea).

Diese kleinen Härchen werden durch die Schallwellen bewegt und veranlassen eine Reizweiterleitung durch den Hörnerv. Sind diese Haarsinneszellen in irgend einer Art geschädigt, führt dies zur schwer therapierbaren Innenohrschwerhörigkeit.[9] Nachfolgende Abbildung 3 zeigt den Schnitt durch eine Schneckenwindung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Schnitt durch eine Schneckenwindung[10]

4.3.3 Die zentrale Schwer- und Fehlhörigkeit

Gleichermaßen kann die Hörfähigkeit durch die Schädigung des Hörnerves bzw. der für das Hören verantwortlichen Hirnregionen beeinträchtigt sein. Neben einem Hörverlust können auch Verarbeitungsfehler auftreten. Dies kann sich etwa in einer fehlerhaften bzw. fehlenden Zuordnung von Höreindrücken auswirken.[11] In folgender Abbildung 4 zeige ich die schematische Darstellung des Hörzentrums in der Großhirnrinde:

[...]


[1] aus: Neue Caritas Spezial, Gehörlosigkeit – Hilfen der Caritas für eine unsichtbare Behinderung, 2000 S. 8

[2] Vgl.: Franke/Kretschmer/Stein, Die Beratung hörgeschädigter Rehabilitanden im Berufswahlprozess, 2002, S. 10

[3] Vgl. Neue Caritas Spezial, Gehörlosigkeit – Hilfen der Caritas für eine unsichtbare Behinderung, 2000 S. 9

[4] Vgl. Neue Caritas Spezial, Gehörlosigkeit – Hilfen der Caritas für eine unsichtbare Behinderung, 2000 S. 12

[5] Zit.: Franke/Kretschmer/Stein, Die Beratung hörgeschädigter Rehabilitanden im Berufswahlprozess, 2002, S. 21

[6] aus: Franke/Kretschmer/Stein, Die Beratung hörgeschädigter Rehabilitanden im Berufswahlprozess, 2002, S. 21

[7] Vgl.: Franke/Kretschmer/Stein, Die Beratung hörgeschädigter Rehabilitanden im Berufswahlprozess, 2002, S. 22

[8] aus: Franke/Kretschmer/Stein, Die Beratung hörgeschädigter Rehabilitanden im Berufswahlprozess, 2002, S. 22

[9] Vgl.: Franke/Kretschmer/Stein, Die Beratung hörgeschädigter Rehabilitanden im Berufswahlprozess, 2002, S. 22

[10] aus: Faller, Der Körper des Menschen, 1995, S. 460

[11] Vgl.: Franke/Kretschmer/Stein, Die Beratung hörgeschädigter Rehabilitanden im Berufswahlprozess, 2002, S. 23

Details

Seiten
42
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638303811
ISBN (Buch)
9783638687126
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v28669
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1,5
Schlagworte
Leben Gehör Wege Verständigung

Autor

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Titel: Leben ohne Gehör - Wege zur Verständigung