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Interventionen bei Scheidungskindern

Psychologische Grundlagen, Therapie und die "Rainbows"-Gruppe

Seminararbeit 2014 9 Seiten

Psychologie - Allgemeine Psychologie

Leseprobe

1. Kinder und Scheidung

“Divorce is becoming an increasingly common experience among children and adolescents of Western countries and seems to result in negative effects on their life chances and health as an adult“ (Huurre, Junkkari & Hillevi, 2006, S. 257).

In den letzten Jahren gibt es immer mehr Scheidungen, sowohl in Österreich als auch weltweit. Die Leidtragenden dieses sakulären Trends steigender Scheidungszahlen sind vor allem die Kinder der sich trennenden Eltern. „Scheidungskinder haben die Trennung ihrer Eltern und somit den Abschied vom gewohnten Familienleben zu bewältigen“ (Ebersberger & Tomanek, 2011, S. 150). Die Erfahrung einer elterlichen Trennung bzw. Scheidung der Eltern ist ein einschneidendes mitunter kritisches Lebensereignis in der Biographie von Kindern (Beelmann, 2009, S. 270). „Ein gesundes, einigermaßen normales Kind muss auf eine solche Krise reagieren“ (Figdor, 1998, S. 24).

Solch gravierende Erlebnisse, dass existenziell wichtige Beziehungen zerbrechen können, münden oft in Verunsicherung, Verwirrung, und damit einhergehenden starken Gefühlsreaktionen wie Wut, Angst, Schuld und Trauer. Darüber hinaus können Verhaltensauffälligkeiten, schulische Leistungsschwierigkeiten, die Zunahme von Problemen im sozialen Bereich, oft auch regressive oder psychosomatische Reaktionen auftreten. (Beelmann, 2009, S. 270; Ebersberger & Tomanek, 2011, S. 150).

Von einem anderen Blickwinkel aus betrachtet, ist die Scheidung/ Trennung für alle Beteiligten nicht nur eine schwere Lebenskrise sondern kann zugleich auch eine große Chance sein: für die Erwachsenen eine Chance auf mehr Lebenszufriedenheit (alleine oder in einer neuen Partnerschaft) und für die Kinder die Chance auf bessere psychische Entwicklungsbedingungen (als in einem Konfliktmilieu) (Figdor, 2010). Um solch eine Krise zu bewältigen oder die Chance einer Trennung/ Scheidung zu nützen ist meist professionelle Hilfe notwendig.

2. Interventionen bei Scheidungskindern

Die skizzierte Ausgangslage zeigt, dass Interventionen bei Scheidungskindern, also der Bedarf an professioneller Hilfe für Kinder in der Auseinandersetzung und Bewältigung der Scheidung/Trennung der Eltern, notwendig sowie begründet ist (Beelmann, 2009, S. 271). Denn nach Ebersberger und Tomanek (2011, S. 150) verfügen Eltern in der Regel nicht über das Wissen, wie derartige Probleme bewältigt werden können. Zudem haben die Eltern in der emotional belastenden Phase der Scheidung/Trennung wahrscheinlich selbst zu viele Sorgen und Ängste, um ihren Kindern unterstützend beistehen zu können. Demzufolge weist Moch (1994, S. 407) darauf hin, dass Scheidungskinder eine soziale Umgebung brauchen, die ihnen Sicherheit vermittelt, in der sie dem Loyalitätskonflikt gegenüber den Eltern enthoben sind, in der sie ihre Ängste und Hoffnungen ausdrücken und ausleben können und in der sie eine Stärkung des Selbst erfahren, die ihnen bei der Überwindung von Trennungserfahrung hilft.

Für betroffene Kinder gibt es derzeit viele verschiedene Interventionsprogramme.

Kindzentrierte Interventionen sollen den Kindern helfen, die Aufgaben, die an sie durch die Scheidung bzw. Trennung der Eltern gestellt werden, zu bewältigen. Das kann durch Familientherapie, Einzeltherapie oder durch Gruppenintervention erfolgen (Kuca, 2011, S. 165).

In der aktuellen Literatur liegt der Fokus auf präventiven Gruppeninterventionsangeboten für Trennungs- und Scheidungskinder (TKS). Zudem sei erwähnt, dass TKS zwar Hilfe brauchen, jedoch nicht immer gleich Therapie. Die Inhalte/Ziele einer Gruppenintervention sind unter anderem die Bereitstellung von Wissen zur Trennungs-/ Scheidungsthematik, die Erweiterung von Handlungsmöglichkeiten, Vermittlung von Bewältigungsstrategien, Identifikation und Ausdruck von scheidungsbezogenen Gefühlen, eine positive (Selbst-)Wahrnehmung und soziale Unterstützung durch die Gruppe (Fthenakis, Walbiner & Wolf, 1995, S. 21). Zusammenfassend nennen Jaede, Wolf und Zeller- König (1996) folgende Ziele von Gruppeninterventionen:

- Möglichkeit des Austausches unterschiedlicher Erfahrungen
- Normalisierung der eigenen Sichtweise
- Entgegenwirken sozialer Isolation
- Fördern einer realistischen Sicht der eigenen Situation
- Erkennen und Verstehen eigener Gefühle
- Erlernen neuer Bewältigungsstrategien und Problemlösefertigkeiten
- Freiraum für altersadäquate Entwicklung
- Erkennen positiver Aspekte der Scheidung
- Steigerung der Selbstkontrolle
- Unterstützung bei der Gestaltung emotionaler Beziehungen und Ausdrücken eigener Bedürfnisse
- positivere Wahrnehmung der näheren Umgebung der Familie

Ausnahmen stellen Kinder mit starken psychischen Beeinträchtigungen dar, bei denen eine Einzeltherapie anzuraten ist.

Die meisten Gruppeninterventionsprogramme beinhalten auch spezielle Angebote in Form von Gesprächsrunden für die Eltern. Diese sollen sie entlasten und bei Bedarf werden weiterführende Interventionen angeboten oder vermittelt.

Im Folgenden werden verschiedene Möglichkeiten von Gruppeninterventionen vorgestellt.

2.1 Rainbows

Der Verein Rainbows bietet Kindern und Jugendlichen, die eine Trennung, Scheidung oder den Tod einer Bezugsperson erlebt haben, Begleitung in dieser „stürmischen Zeit“ an. (Zeiner, 2011, S. 176).

Rainbows, welcher ein gruppenpädagogisches Konzept verfolgt, arbeitet präventiv und möchte somit verhindern, dass Kinder und Jugendliche aufgrund der psychischen Belastung, die mit einer elterlichen Trennung bzw. Scheidung oder dem Verlust einer nahen Bezugsperson einhergehen kann, schwerwiegende Symptome entwickeln. Der Rahmen der Gruppe bietet den Kindern einen geschützten und sicheren Ort (Schütz, 2010, S. 38).

In 14 wöchentlichen Gruppentreffen unter der Leitung eines/r qualifizierten Rainbows-GruppenleiterIn werden wichtige Themen in Zusammenhang mit Trennung oder Scheidung altersgerecht und kreativ bearbeitet. Die Kinder erhalten Anregungen, ihre Gefühle auf verschiedene Arten zum Ausdruck zu bringen, neues Vertrauen zu sich und anderen aufzubauen und lernen die neue Familiensituation besser anzunehmen. Drei begleitende Gespräche mit den Eltern bzw. Elternteilen runden das gruppenpädagogische Angebot ab (Bundesverein Rainbows, 2012, S. 4).

2.1.1 Die Geschichte von Rainbows

Die Amerikanerin Suzy Yehl, selbst geschieden und alleinerziehende Mutter von drei Söhnen, gründete Rainbows 1983 in Chicago, um Kindern bei der Bewältigung ihrer Trennungs- und Trauererlebnisse zu helfen. Denn zu jener Zeit gab es nur Selbsthilfegruppen für Erwachsene, jedoch keine Gruppe für Scheidungskinder. Gemeinsam mit Elisabeth Kübler-Ross entwickelte sie ein Konzept für die Begleitung von Trennungs- und Scheidungskindern.

1991 brachte der Jesuitenpater Rudi Kutschera die Rainbows-Idee nach Österreich, wo sie sofortigen Anklang fand. 1996 etablierte sich der Bundesverein Rainbows (Zeiner, 2011, S.176).

2.1.2 Psychologische Grundlagen

„Für das Konzept von RAINBOWS ist, wie bei den meisten pädagogischen

Gruppeninterventionsprogrammen im deutsch- und englischsprachigen Raum, nicht eine einzelne theoretische Orientierung maßgeblich“ (Bojdunyk-Rack, Jellenz-Siegel, Prettenthaler, 2005, S. 168). Elemente verschiedener Schulen fließen in ein Gesamtkonzept ein. Der Verein Rainbows versteht sich als gruppenpädagogischer Ansatz und nicht als Therapie. Sofern Kinder, Jugendliche oder Eltern nach Beendigung der Gruppentreffen, weitere Unterstützung brauchen, werden weiterführende therapeutische Angebote empfohlen (Bojdunyk-Rack et al., 2005).

2.1.3 Elemente der Gesprächstherapie und Gestaltpsychotherapie

Aus der Gesprächstherapie nach Rogers fließen die Elemente Empathie, Wertschätzung und Kongruenz in das Gesamtkonzept von Rainbows ein. Diese drei Elemente stellen die wesentlichen Bedingungen der Beziehung zwischen dem Kind und dem/r GruppenleiterIn dar. Die Erlebnisse und Gefühle des Kindes werden erfasst und mit einfühlsamem Verständnis (Empathie) aufgenommen (Zeiner, 2011, S. 177). Wertschätzung meint die positive Zuwendung, also eine warmherzige, positive und akzeptierende Haltung gegenüber den Kindern (Schütz, 2010, S. 42). Wenn die Zuwendung der Gruppenleiterin frei von Beurteilung und Bewertung zu den geäußerten kindlichen Gefühlen und Verhaltensweisen ist, dann spürt das Kind, dass es akzeptiert wird. Es kann somit Vertrauen fassen und eine Beziehung zur Gruppenleiterin eingehen (Bojdunyk-Rack et al., 2005).

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Details

Seiten
9
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656871743
ISBN (Buch)
9783656871750
Dateigröße
410 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v286698
Institution / Hochschule
Universität Wien
Note
A
Schlagworte
interventionen scheidungskindern psychologische grundlagen therapie rainbows

Autor

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