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Pausen mit Bewegungseinheiten im Unterricht. Fördern sie die kognitive Leistung von Schülern?

Examensarbeit 2012 39 Seiten

Didaktik - Sport, Sportpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Didaktische Analyse
2.1. Begründung der Arbeit
2.2. Zielsetzung

3. Theoretische Grundlagen
3.1. "Bewegte Schule"
3.2. Die Bewegungspause als Baustein der "Bewegten Schule"
3.3. Zusammenhang zwischen motorischer Aktivität und kognitiver Leistungssteigerung

4. Versuchsgruppenanalyse

5. Konkretisierte Darstellung der Versuchsreihe
5.1. Angewendete Bewegungspausen
5.1.1. Bewegungsgeschichte "Riese, Mensch, Zwerg"
5.1.2. Bewegungspause "Spiegelbild"
5.2. Methodik
5.3. Durchführung der d2-Tests

6. Auswertung
6.1. Reflexion der Bewegungspausen
6.1.1. Bewegungsgeschichte "Riese, Mensch, Zwerg"
6.1.2. Bewegungspause "Spiegelbild"
6.2. Testergebnisse
6.2.1. Bewegungsgeschichte "Riese, Mensch, Zwerg"
6.2.2. Bewegungspause "Spiegelbild"
6.3. Interpretation der Testergebnisse

7. Fazit und Ausblick

8. Literaturverzeichnis

9. Anhang

1. Einleitung

Unkonzentrierte Schülerinnen und Schüler im Unterricht sind für viele Lehrerinnen und Lehrer[1] ein bekanntes Problem. Über 87 % der Lehrer klagen über wachsende Konzentrationsschwächen, vermehrte Unruhe und Nervosität unter den Schülern. [2] Auch die Erfahrungen des Verfassers haben gezeigt, dass Unaufmerksamkeit, Unruhe und Lustlosigkeit zu verminderten Leistungen und einer Verschlechterung des Lernklimas führen. Dies stellt für Lehrer, Schüler und Eltern eine relevante Problematik dar. Die Konfrontation mit dieser Thematik hat zur Auseinandersetzung mit folgender Fragestellung geführt. Kann Bewegung das Lernen von Schülern im Schulalltag positive beeinflussen? Zahlreiche Studien legen diesen Schluss nahe.[3] Bewegung ist ein wesentlicher Bestandteil eines Menschenlebens und vor allem bei Kindern und Jugendlichen bedeutsam für die motorische, kognitive und soziale Entwicklung. Das traditionelle Schulverständnis grenzt die notwendige Bewegung der Kinder jedoch ein und versucht diese zu unterdrücken.[4] "Bewegun g ist etwas, was nicht sein soll, was den Unterricht stört".[5] Somit wird die Institution Schule zumeist dem Drang der Schüler nach Bewegung und Selbsterfahrung des Körpers nicht gerecht.[6] Bereits seit Anfang der 90er Jahre erfährt diese Thematik eine zunehmend breite schulpädagogische und bildungspolitische Aufmerksamkeit im Rahmen des Begriffs "Bewegte Schule".[7] Heute gibt es eine Vielzahl an Fachliteratur, wie bspw.Illi et al. 1998, Bös 1999, Laging & Schillack 2007. Der gemeinsame Nenner der moisten Veröffentlichungen ist: " Schulen sollen bewegungsfreundlicher und das Schulleben bewegungsfreudiger werden".[8] Zunehmend wird dieser Anspruch in die Tat umgesetzt, indem immer mehr Schulen versuchen, mehr Bewegung in den Schulalltag zu integrieren und somit den körperlichen und emotionalen Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden. Die vorliegende Arbeit befasst sich mit einem Teilaspekt des Konzepts "Bewegte Schule", der Bewegungspause im Unterricht. Da die Konzentration der Schüler im Verlauf eines Schultages Schwankungen unterliegt, [9] entstand die Motivation die Bewegungspause im "Nicht-Sport"-Unterricht zur Anwendung zu bringen und im Rahmen der vorliegenden Arbeit zu evaluieren und auszuwerten. Anhand einer Versuchsreihe soll untersucht werden, ob und inwieweit eine Bewegungspause während der Unterrichtszeit die kognitive Leistungsfähigkeit der Schüler verbessern kann. Zur Anwendung kommen zwei unterschiedliche Arten der Bewegungspause, die miteinander verglichen werden. Zum einen, die Bewegungspause "Riese, Mensch, Zwerg" in Form einer Bewegungsgeschichte, welche auf die Aktivierung des Herz-Kreislauf-Systems abzielt, und zum anderen die Bewegungspause "Spiegelbild", welche den Schwerpunkt auf die Koordination legt.

2. Didaktische Analyse

2. 1 . Begründung der Arbeit

Das Vorhaben lässt sich in mehrfacher Hinsicht legitimieren. Zunächst fordert das Kerncurriculum Sport für die Sekundarstufe I im Unterrichtsfach Sport in den prozessbezogenen Kompetenzen im Bereich "Lernen lernen", dass die Schüler den eigenen Lernweg in den Blick nehmen und den Weg zum Ziel selbstregulierend bewältigen. Das setzt den [.] begleitenden Erwerb von zielorientierten Lernstrategien [.] im motorischen und kognitiven [.] Bereich voraus. Darunter zu fassen, ist das Ziel, dass die Schüler befähigt werden, Lernstrategien zu erwerben [.], Lernsituationen zu verändern und Lernprozesse zu reflektieren.[10]

Daran anknüpfend fordert die APVO-Lehr im Kompetenzbereich "Erziehen", dass die Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst die individuelle Entwicklung der Schüler unterstützen [.], indem sie Maßnahmen der pädagogischen Unterstützung ergreifen,die sich sowohl auf einzelne Schülerinnen und Schüler als auch auf die Lerngruppe beziehen.

Zudem ist die Thematik sinnvoll, da die Lebenswelt der Kinder in den letzten Jahren einem deutlichen Wandel unterlag. Durch veränderte Umweltbedingungen ist die Lebensweise zunehmend inaktiv geworden. " Intelligent ist heutzutage derjenige, der seinen Körper zur Arbeit nicht braucht."[11] Auch in der Schule sind die Schüler dazu angehalten, auf ergonomisch ungünstigen Arbeitsplätzen ein nicht kindgerechtes Arbeiten an den Tag zu legen. Unruhiges Verhalten, das zumeist ein Bedürfnis nach Bewegung ausdrückt, ist unerwünscht und wird als Störung empfunden. Diese Problematik bleibt nicht ohne Folgen. 40 bis 70 % der Grundschüler klagen über, durch "Schulstress" verursachte, psychosomatisch bedingte Befindlichkeitsstörungen (Kopf-, Rücken-, Bauch-/Magenschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafstörungen).[12]

Des weiteren muss auch die Lehrkraft ins Blickfeld genommen werden. Diese ist zum einen, Stress ausgesetzt, wenn die Schüler unkonzentriert sind, zum anderen steht sie bezüglich der Vermittlung von Inhalten unter einem gewissen Zeitdruck, der durch Störungen respektive Unaufmerksamkeit erhöht wird.

2.2. Zielsetzung der Arbeit

Hauptziel der vorliegenden Arbeit ist die Beantwortung der Frage: Kann die kognitive Leistungsfähigkeit der Schüler durch Bewegungspausen gesteigert werden?

Im Detail ergeben sich weitere Folgefragen:
- Inwieweit sind Bewegungspausen im Unterricht praktikabel?
- Sind Bewegungspausen sinnvoll genutzte Zeit? Wann sollten Bewegungspause eingebaut werden?
- Welche Bewegungspausen sind für die Schüler attraktiv? Wie bewertet die Lehrkraft den Effekt der Bewegungspausen?
- Tragen Bewegungspausen zu einem verbesserten Unterrichtsklima bei?

3. Theoretische Grundlagen

Bevor auf die Darstellung und praktische Umsetzung der vorliegenden Untersuchung eingegangen wird, ist es notwendig die der Untersuchung zu Grunde liegenden theoretischen Grundlagen kurz zu erläutern, indem zunächst auf das Konzept der "Bewegten Schule", dessen Baustein "Bewegungspause" und die Korrelation von motorischer Aktivität und kognitiver Leistung eingegangen wird.

3.1. "Bewegte Schule"

Bei näherer Betrachtung der Fachliteratur manifestiert sich der Eindruck, dass die "Bewegte Schule" als solche nicht existent ist. Hervorgegangen aus den Überlegungen von Urs IllI zu Anfang der 1980er Jahre zum bewegten Sitzen, kamen im Laufe der Zeit weitere Bausteine einer "Bewegten Schule" hinzu. Heute wird der Begriff als Sammelbecken unterschiedlicher Konzepte und Vorstellungen gebraucht, "welches Bewegung in die Schule bringen soll und eine ganzheitliche schulische Erziehung fordert".[13]

Die Umsetzung bietet sich in zahlreichen Bereichen an. So z.B. in der Nutzung des Klassenraums als Bewegungsraum, im Sport- und Bewegungsunterricht, in den Pausen, in den außerschulischen Angeboten und schließlich in initiierten Bewegungspausen im Unterricht.[14] Dabei verweist Laging auf die Tatsache, dass erst bei Umsetzung aller Bausteine, von einer "Bewegten Schule" gesprochen werden kann.[15] Das heißt, dass es nicht ausreicht, wenn mehr Bewegungsmöglichkeiten in der Schule realisiert werden als vorher vorhanden waren. Vielmehr ist es notwendig eine Systematik zu gewährleisten, welche Bewegung als Prinzip schulischen Lernens und Lebens begreift und fördert.[16]

3.2. Die Bewegungspause als Bestandteil der "Bewegten Schule"

Die Konzentration der Schüler über einen 45 bzw. 90 minütigen Zeitraum auf einem gleichmäßig hohen arbeitsadäquaten Level zu halten, erscheint heute zunehmend schwieriger. Die Veränderung der Lebensumwelt der Kinder durch Medialisierung und zunehmenden Bewegungsmangel macht Konzentrationsschwäche zu einem hervorstechenden Charakteristikum der heutigen Schüler,[17] was den Schulalltag für Schüler, Lehrer und indirekt auch für die Eltern zunehmend beschwerlich macht. Durch Unaufmerksamkeit, Unruhe oder Lustlosigkeit[18] zeigen Schüler an, dass eine Unterbrechung des Unterrichts angebracht ist. [19] In solchen Momenten ist die Durchführung einer Bewegungspause sinnvoll. Diese ist ein Baustein des Konzepts "Bewegte Schule" und steigert die Konzentration und Leistungsbereitschaft der Schüler.[20]

Durch die Übungen kommt es zu einer Aktivierung des Sympathikus[21], dadurch zur Anregung des Herz-Kreislauf-Systems und damit verbunden zu einer besseren Energieversorgung des Körpers und Durchblutung des Gehirns.[22] Ermüdungserscheinungen kann somit vorgebeugt werden[23] und es werden energetische Voraussetzungen für die geistige Leistungsfähigkeit geschaffen. [24]

Wichtig ist vor allem den richtigen Zeitpunkt für die Bewegungspause zu finden. Dieser liegt meist am Ende einer längeren Konzentrationsphase. Durch eine gezielte Beobachtung der Schüler und deren Tätigkeiten, die sie neben dem eigentlichen Unterrichtsgeschehen durchführen, [25] lässt sich der richtige Moment schnell festlegen.

[…]


[1] Im Folgenden werden zwecks besserer Lesbarkeit für den Plural die geschlechtsneutralen Bezeichnungen "Schüler" und "Lehrer" verwendet.

[2] Vgl. Fölling-Albers, 1995, S.21.

[3] Vgl. Wamser & Leyk, 2003, S. 110; Müller & Petzold, 2003, S. 104; Graf, Koch & Dordel 2003, S. 145.

[4] Vgl. Breithecker, 1998, S. 29.

[5] Zimmer, 1995, S. 7.

[6] Vgl. Becker & Brettschneider, 2005, S. 63.

[7] Hildebrandt-Stratmann, 2007, S. 2.

[8] Vgl. Wuppertaler Arbeitsgruppe, 2008, S. 9.

[9] Vgl. Wamser & Leyk, 2003, S. 111ff.

[10] Niedersächsisches Kultusministerium, 2007, S. 13.

[11] Treutlein, 2003, S. 86.

[12] Bös, Opper & Woll, 2002; zitiert nach Breithecker, 2004, S. 3

[13] Eckard, 2000, S. 51.

[14] Vgl. Laging, 2000, S. 24.

[15] Ebd. S. 10ff.

[16] Regensburger Projektgruppe, 2001, S. 27.

[17] Vgl. Breithecker, 2004, S. 3.

[18] Für detailliertere Indikatoren siehe Versuchsgruppenanalyse

[19] Regensburger Projektgruppe, 2001, S. 98.

[20] Bockemühl & Pfister, 2009, S. 6.

[21] Der Sympathikus ist ein Teil des vegetativen Nervensystems. Durch ihn werden vorwiegend Körperfunktionen angeregt, die den Körper in erhöhte Leistungsbereitschaft versetzen und den Abbau von Energiereserven zur Folge haben.

[22] Vgl. Bockemühl & Pfister, 2009, S. 6.

[23] Müller, 2003, S. 85.

[24] Ebd. S. 49.

[25] Vgl. Versuchgruppenanalyse

Details

Seiten
39
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656873907
ISBN (Buch)
9783656873914
Dateigröße
1.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v287040
Note
2,0
Schlagworte
bewegungspausen unterricht maßnahme veränderung leistungsfähigkeit schülerinnen schüler

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