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Das Unbewusste in der Psychologie. Klassische und moderne psychologische Sichtweisen

Studienarbeit 2013 14 Seiten

Psychologie - Allgemeine Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Kurzfassung, Abstract

Inhaltsverzeichnis

1 Themeneinleitung und Überblick -die Rolle des Unbewussten in der Psychologie

2 Das Unbewusste in der Psychologie, Theorie des Unbewussten
2.1 Erste Erforschungen unbewusster Prozesse

3 Erforschung unbewusster Prozesse, breites Spektrum mit verschiedenen Ansätzen
3.1 Der freie Wille, ein Experiment aus der Neuropsychologie

4 Zusammenfassung und Ausblick

5 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Eisbergmodell der psychischen Qualitäten

Abbildung 2 Ebbinghaus-Täuschung

Abbildung 3 Gehirnareale

Abbildung 4 Studienergebnisse Haynes et al

Kurzfassung, Abstract

Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist die Rolle des Unbewussten in der Psychologie. Von der psy­chologischen Forschung lange Zeit vernachlässigt, etabliert sich die Erforschung des Unbewusst zu­nehmend als spannendes Forschungsgebiet. Der Forschungsbereich umfasst ein weites Themen­spektrum und wird beispielhaft in der vorliegenden Semesterleistung beschrieben. Ziel der Arbeit ist dabei, unvoreingenommen einige Fortschritte der Erforschung des Unbewussten aufzuzeigen. Be­sonders Fortschritte auf dem Sektor der Neuropsychologie haben in den letzten Jahren den Wissens­bestand um die Funktionsweise des Unbewussten rapide erhöht. Ein modernes Experiment aus dem Bereich der Neuropsychologie, wird in der vorgelegten Arbeit exemplarisch geschildert. Die Grund­frage die sich in der heutigen, modernen Forschung auf diesem Gebiet stellt, lautet: Wie stark de­terminieren unbewusste Prozesse unser Denken, Fühlen und Handeln.

Keywords: unbewusst, das Unbewusste, freier Wille, Unterbewusstsein, Neuropsychologie, psycho­logische Forschung, Sigmund Freud, Bewusstseinsforschung, unbewusste Prozesse, bewusste Ent­scheidung

Abkürzungsverzeichnis

BA-10 - Bordmann area 10 SMA - somatomotorisches Areal

1 Themeneinleitung und Überblick -die Rolle des Unbewussten in der Psychologie-

Die vorliegende Arbeit bietet einen Einblick in den Stellenwert des Unbewussten für die heutige Psy­chologie. Dabei liegt der Fokus auf der Frage, wieso sich die psychologische Forschung nach vielen Jahren der Bewusstseinserforschung, dem Unbewussten als Forschungsgebiet gewidmet hat. Eben­falls wird ein aktuelles Experiment exemplarisch geschildert, um einen möglichen Zugang zur Erfor­schung des Unbewussten zu erörtern.

Seit sich die Psychologie, durch die Eröffnung des ersten fachspezifischen Forschungsinstitutes 1879 durch Wilhelm Maximilian Wundt, als eigenständige Wissenschaft etabliert hatte, fokussierten sich die Forschungsansätze der Psychologie vor allem auf die Bewusstseinspsychologie. (Schischkoff, 1991) Bei diesem Forschungsgebiet geht es um die Erforschung der bewusst wahrnehmbaren Phä­nomene der menschlichen Natur. Auch heute noch stellt dieser Forschungsbereich eine wichtige Komponente in der psychologischen Forschung dar. (Perrig, Wippich & Perrig-Chiello, 1993, S. 16)

Seit den Anfängen der Bewusstseinspsychologie haben allerdings noch andere psychologische The­mengebiete Einzug in die moderne Forschung erhalten, eines davon ist die Erforschung des Unbe­wussten.

Heutzutage hat das „Unbewusste" Einzug in den Sprachgebrauch der Bevölkerung erhalten. Als „Un­terbewusstsein" bezeichnet verwenden viele Menschen diesen Begriff im Alltag, um Prozesse jen­seits der Bewusstseinsgrenze zu beschreiben. Neben derfreudschen Fehlleistung, ist die Idee des Unbewussten beispielsweise durch die (Bühnen-)Hypnose, NLP(neuro-linguistic programming), „das Gesetz der Anziehung" (law of attraction), Erfolgscoachings oder Lernstrategien publik geworden. Die Theorie, dass sich das Unbewusste als „Gefühlleitsystem", Intuition oder Bauchgehirn äußern kann ist vielen Menschen nicht fremd. Viele psychologische Studien befassen sich nun zunehmend damit, was hinter dem gesellschaftlich akzeptierten Begriff wirklich steckt.

2 Das Unbewusste in der Psychologie, Theorie des Unbewussten

Nachdem der bekannte Psychologe Sigmund Freud damals die Ideen über unbewusste Prozesse von Pierre Janet aufgegriffen hatte, stellte dieser nach Experimenten mit dem Phänomen der hysteri­schen Lähmung in Paris seine Theorie der Psychoanalyse auf. Dabei handelt es sich um Lähmungser­scheinungen, die wie Feud feststellte kurzzeitig durch hypnotische Suggestion aufgehoben werden konnten. (Buchholz, 2005, S. 328) Freud ergründete aus Beobachtungen wie dieser die Psychoanaly­se. (Fisseni, 2003; Buchholz, 2005, S.301) Im Rahmen der Psychoanalyse nutzte Freud zwei Bewusst­seinsmodelle. Nach der „Einteilung in psychische Qualitäten" formt sich die menschliche Psyche aus unbewussten, vorbewussten und bewussten Prozessen. (Fisseni, 2003) Freud erweiterte dieses Mo­dell zu seinem berühmten Instanzenmodell. Die Struktur der Psyche wird hierbei als ein Zusammen­spiel von drei Anteilen gesehen, dem Ich, Über-Ich und dem Es. Dabei ist die Es-Instanz unbewusst und stellt den Sitz der libidinösen Triebe dar. Das Über-Ich steht für eine moralische Instanz, welche den Triebimpulsen aus dem Es entgegensteht und diese mit Normen und Einstellungen abgleicht.

Das Ich erhält sowohl Es, als auch Über-Ich Impulse und stellt den kritischen Verstand dar, welcher sich an der Realität orientiert. Obgleich das Ich als reagierende Instanz angesehen wird, hat Freud den Es und Über-Ich Impulsen entscheidende Bedeutung im Handlungsprozess zugesprochen. (Gödde, 1999; ) Da die Psychoanalyse beispielsweise mit dem bekannten Ödipuskomplex nicht falsifizierbare Phänomene annimmt, war die psychologische Forschung lange Zeit nicht an der Theo­rie interessiert, in der dem Unbewussten ein derart großer Stellenwert eingeräumt wird. (Zarnegin, 2010, S.55) Dafür entwickelte sich die Psychoanalyse in der Anwendung durch verschiedene Strö­mungen weiter und mündete unteranderem in der heutigen Tiefenpsychologie, der „analytischen Psychologie" nach Carl Gustav Jung oder wurde auch von Jacque Lacan weiterentwickelt, der vor allem die Rolle des Sprechens bei der psychischen Strukturierung betonte. (Buchholz, 2005, S.314; Schmitt & Altstötter-Gleich, 2010)

Abbildung 1 Die psychischen Instanzen nach Freud dargestellt in dem Eisbergmodell. (Ruch & Zimbardo, 1994, S. 366) Das Es liegt vollkommen im Unbewussten, während die Ich und Über-Ich Instanzen auch bewusste Anteile aufweisen. Das Eisbergmodell ist in der modernen Forschung eine beliebte Darstellung und wird oft mit noch einem größeren unbewussten Anteil dargestellt.

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2.1 Erste Erforschungen unbewusster Prozesse

Grundsätzlich galt die Idee, dass auf einer unbewussten Ebene unser Handeln determiniert wird als radikal. (Buchholz, 2005) Die Existenz eines Unbewussten heißt gleichzeitig, dass der Mensch seine Gedanken und sein Handeln nicht vollkommen bewusst steuern und lenken kann. (Kornhuber & Deecke, 2009) Der oft gehörten Satz -Menschen sollen bewusster leben-, kommt unter diesem Ge­sichtspunkt einer paradoxen Forderung gleich.

Nach Perrig et al. (1993, S.18)) erscheint es in der psychologischen Forschung schwierig, subjektive Erfahrungen, Zustände und Erlebnisse als wissenschaftliche Basis zu nutzen. Schon Jung stellte in seinen Assoziationsexperimenten fest, dass Patienten bestimmte Wörter mit ungewöhnlichen Zu­sammenhängen assoziierten und diese Assoziationen auch zeitlich versetzt auftraten, was Jung als einen unbewussten Konflikt deutete und somit die Existenz des Unbewussten bewiesen sah. (Jung, 1998)

Durch neuere Erkenntnisse der Forschung kann man davon ausgehen, dass unser Unbewusstes ei­nen großen Anteil an den Gedanken und Handlungen eines Menschen besitzt. Lediglich Bruchstücke der unbewusst ablaufenden Prozesse steigen in das Bewusstsein auf. (Bongartz & Bongartz, 1997)

Der Grund weshalb das Unbewusste heute Gegenstand vieler psychologischer Forschungen ist, liegt in Beobachtungen die eine Existenz des Unbewussten nur schwer leugnen lassen. Einige Beispiele seinen hieraufgeführt:

Bei Dissoziationsexperimenten mit Amnesie-Patienten sind diese in der Lage, bei Wiederho­lungen bereits bearbeiteter Aufgaben bessere Ergebnisse zu erzielen. (Gruber, 2010) Da die­se Patienten keine bewusste Erinnerung an die Aufgaben haben, lässt sich hier von einem unbewussten Lernprozess sprechen.

Tritt bei schweren Arten der dissoziativen Persönlichkeitsstörungen eine Persönlichkeit her­vor, so ist diese sich der Existenz einer weiteren Persönlichkeit meist nicht bewusst, jegliche Informationen über die verdeckte Persönlichkeit liegen dann als unbewusste Prozesse vor. Schlägt die Persönlichkeit um, können sich Interessen und physiologische Abläufe stark ver­ändert Dreistier & Vogler, 2005).

Bei einem berühmten Fall spezifischer Hirnschädigung, ist es einer Patientin ohne die be­wusste Fähigkeit Sehen zu können möglich, Handlungen wie das Einfuhren eines Briefes aus­zuführen. Dabei werden die visuellen Informationen für die Handlung unbewusst verarbeitet. (Ramachandran & Blakeslee, 2002, S. 120)

Bei der Ebbinghaus-Täuschung konnte das Forscherteam um Salvatore Aglioti zeigen, dass trotz einer bewusst wahrgenommenen Größenfehleinschätzung, Probanden beim Greifen der mittleren Kreise eine unbewusste und korrekte Fingerspitzenabstandsanpassung durch­führen. (Ramachandran & Blakeslee, 2002, S. 147)

Abbildung 2 Ebbinghaus-Täuschung (Ramachandran & Blakeslee, 2002, S.147). Der bewusste Eindruck vermittelt dem Betrachter, dass der mittlere linke Kreis kleiner ist, der mittlere rechte Kreis größer. Versucht man nun einen der mittleren Kreise zu greifen, so wird der Fingerspitzenabstand unbewusst korrekt gewählt.

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Ein entscheidender Faktor, bei der Erforschung des Unbewussten besteht darin, dass lediglich die Auswirkungen unbewusster Prozesse erfasst werden können. Diese äußern sich sowohl im Verhalten, als auch in physiologischen Reaktionen. (Perrig et al., 1993) Gerade in den letzten Jahren haben die technischen Neuerungen der bildgebenden Verfahren die Neuropsychologie revolutioniert; neue Erkenntnisse über das Unbewusste konnten erschlossen werden. (Goldenberg, 2007)

3 Erforschung unbewusster Prozesse, breites Spektrum mit verschiedenen Ansätzen

Der amerikanische Marktforscher James Vicary gab 1957 an, während Kinofilmen wiederholt die subliminal messages (kurzes Einblenden von Wörtern, die bewusst nicht wahrnehmbar sind) „eat popcorn" und „drink Coca-Cola" eingeblendet zu haben und so den Absatz der Produkte merklich gesteigert zu haben. (Krüppel, 2007) Obwohl sich die Studie und Ergebnisse als PR-Lüge herausstell­ten (Danzig, Advertising Age, 1962), zeigen neuere Studien, dass Subliminals durchaus einen Einfluss auf das Verhalten bzw. die Physiologie der Menschen haben können. Die Studie „Beyond Vicary's fantasies: The impact of subliminal priming and brand choice" (Karremans, Stroebe & Claus, 2005) führte zu dem Ergebnis, dass durstige Probanden durchaus von dem Subliminal "Upton Ice" zu der Wahl dieser Marke manipuliert wurden. Der Zusammenhang von Bedürfnis und Empfänglichkeit für Subliminals ist hier entscheidend. Die unterschwellige Botschaft zeigte also in der Studie von Kar- renmans et al. nur eine Wirkung, wenn die Probanden durstig waren.

Ein weiterer Forschungsansatz beschäftigt sich mit der impliziten, also unbewussten Wissensgenerie­rung. So lernen Kinder auf natürliche Weise unbewusst schon sehr früh und effektiv die Mutterspra­che oder besitzen implizite Kenntnisse über statistische und biologische Zusammenhänge. (Lohaus, 2010) Die Forscher Thomas Hill und Pawel Lewicki (1992, [American Psychologist, Ausgabe 47]) von der University of Tulsa, Amerika haben viele Studien auf diesem Gebiet durchgeführt. Ein Beispiel für ein Konzept der Erforschung impliziten Lernens ist die visuelle Suche. Präsentiert man beispielsweise Probanden wiederholt unbewusste Hinweise auf den Target-Ort, steigert sich die Suchgeschwindig­keit signifikant, obwohl diese Hinweise bewusst nicht wahrgenommen werden.

Forschungen bezüglich der Orientierung und Navigation haben Erkenntnisse hervorgebracht, nach denen Menschen ein „unbewusstes" Navigationssystem besitzen. Unbewusst teilen Menschen Landmarken (Objekte in der Umwelt) nach ihrer Wichtigkeit für die Navigation ein. (Goldstein, 2007, Kap. 10)

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Details

Seiten
14
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668493780
ISBN (Buch)
9783668493735
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v287135
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Schlagworte
unbewusst das Unbewusste freier Wille Unterbewusstsein Neuropsychologie psychologische Forschung Sigmund Freud Bewusstseinsforschung unbewusste Prozesse bewusste Entscheidung

Autor

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